Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Herzog Bernhard II. von Sachsen-Meiningen in Meiningen v. 9.2.1829 (Keilhau)


F. an Herzog Bernhard II. von Sachsen-Meiningen in Meiningen v. 9.2.1829 (Keilhau)
(BN 619, Bl 15-22, dat. Entwurf mit Korrekturen 4 B fol 15 S.)

Keilhau den 9. Februar 1829.


Durchlauchtigster Herzog,
Gnädigster Fürst und Herr!

Ew Herzogliche Durchlaucht verzeihen mir
gnädigst mein abermaliges schriftliches Er-
scheinen vor Höchst Ihnen denn der Grund desselben
ist keinesweges den vielleicht obwaltenden Umstän-
den entgegen (eine letzte u endl Entscheidung) in
Beziehung auf die auszuführende Volkserziehungs-
anstalt in Helba eine letzte u endliche Entscheidung
Ew. Herzogl Durchlaucht, wie solche die von dem
HErrn Präsidenten von Uttenhoven aufgesetzte
Punktation als noch besonders für nöthig
ausspricht – herbeyzuführen; sondern der Grund
meines abermaligen Erscheinens ist liegt blos
nach in der von mir als unerläßlich erkannten Pflicht Ew
Herzogl Durchlaucht von der fernern Fortent-
wicklung meiner Verhältnisse und dem daraus
hervorgehenden Stand der Dinge, so wie derselbe
in diesem Augenblicke sich mir bestimmt ausspricht, -
schuldige Rechenschaft zu geben.
Ich beginne mit dem Nächsten u vielleicht Wesent-
lichsten, und erlaube mir das Ganze Ew Herzogl.
Durchlaucht in derselben äußeren einfachen
Aufeinanderfolge der Thatsachen vorzuführen, wie
sich dieselben vor mir entwickelt haben, weil
dadurch vielleicht der innere Geist u Grund die-
ser Erscheinungen (der Zweck u das Ziel derselben)
sich am klarsten ausspricht.
Gestern Vormittag kam unser Herr Pfarrer
aus unserm Mutterdorfe welcher mit mir u meinem Wirken
mehrseitig u auch dadurch freundl
verknüpft ist, daß seine zwey ältesten
Kinder seit einigen Jahren unsere Schüler u Zöglinge sind
zu mir, mir sagend: /
[15R]
es wären an ihn von dem HE Generalsuper-
intendenten Zeh
in Rudolstadt einige Fra-
gen schriftlich von mich u mein erziehendes
Wirken betreffend, brieflich ergangen schriftlich vorgelegt zuge-
schickt worden,
und zu deren baldigen u bestimmten
Beantwortung aufgefordert worden.
Da ihm diese Fragen nun keinesweges als bloße
Privatfragen des HE Generalsuperintendenten
sondern als auf höhere Veranlassung an
ihn gethan erschienen, so wolle er wegen
ihrer Beantwortung gleich an die letzte
u rechte Stelle gehen, da er wisse, daß ich
aus dem wahren Stand der Dinge kein
Geheimniß machen würde und er so am
sichersten vermeide, sich durch halbe oder gar
unwahre Darstellung später Unannehm-
lichkeiten der höchsten Behörden zuzuziehen.
Er könne u wolle mir zu diesem Zweck
darum lieber den Brief des HE Generalsuperint.
mit den an ihn geschehenden mich betreffenden Fragen selbst zeigen
im Orig: vorlegen. Der Brief enthielt nun nichts
als die Fragen:
1) Wird Fröbel gewiß nach Meiningen gehen?
2) Welche Lehrer wird er mit sich nehmen u
welche werden in Keilhau bleiben?
3) Wieviel hat er Zöglinge u welche werden
Ostern abgehen?
4) Wie ist Fröbels ökonom. Lage u hat er
alle seine Gläubiger befriedigt?
u wie schon ausgesprochen dann die Aufforderung
diese Fragen bald u bestimmt zu beantworten.
(: Obgleich die nach den Worten der von
dem HE Präsidenten v. Uttenhoven aufge-
setzten Punctation zur Gültigkeit derselben
erst noch nöthige Höchste Genehmigung
Ew Hoch Herzoglichen Durchlaucht
/
[16]
zu welcher mir freylich wohl schon
zu Anfang des vorigen Monats von dem
HE Präsidenten von Uttenhoven die bestimmte
Zusicherung gegeben worden wo bis jetzt noch nicht
erfolgt war: so konnte dieß mich den-
noch nicht abhalten aus dem innern
Wesen des Ganzen und durch das dadurch
klar u bestimmt Ausgesprochene einfach u bestimmt
zu erklären:)
Ich erklärte hierauf ohne zunächst zu untersuchen, welchen
Zweck man von Rudolstadt aus mit
diesen Fragen haben möge einfach und bestimmt
ad 1. Daß ich mit Bestimmtheit u Gewißh[ei]t
nach Meiningen gehe; u daß die neu zu be-
gründende Anstalt nach des Herrn Herzogs
von Meiningen Wunsch künftigen
Frühjahr[s] ins Leben treten solle; daß
zu dieser hierzu die Anstalt von Ew Herz. Durchlaucht
die Wohngebäude das nöthige Locale auf einesm Höchst Ihrer
Kammergüter hierzu erhalte das nöthige Locale eingeräumt
werden würde bestimmt wäre, u daß
die Anstalt außer mehrern wesentlichen
äußern Unterstützungen sich noch be-
sonders einer bedeutenden jährlichen
Baarunterstützung erfreuen würde.
Über alle[s] das zwischen Ew Herz. Durchl
u mir Festgesetzte sey eine schriftl Punkta-
tion aufgesetzt.
ad 2. Daß Obgleich Keilhau oder (weiterhin) eigent-
lich die jetzt bestehende allgem. Deutsche
Erziehungsanstalt ihrem Zie Streben
u Ziel nach, u zwar so lange als man
es hier für hier möglich machen, hier im hiesigen
Lande (doch in Beziehung auf stetige Fortbildung
in lebendigen inneren Zusammenhang
mit der zu begründenden, der Volkserziehungsanstalt)
bestehen würde so wären doch
denn doch die Gesammtglieder des erzie-
henden Wirkens eine untheilbare
Einheit wären u es würde von den in der
Sache selbst liegenden Umständen ab-
hängen ob die zu bestimmen, wie das per-
sönliche Wirken am zweckmäßigsten
zu vertheilen sey, u wäre daß mir selbst /
[16R]
darüber nur soviel bekannt u gewiß sey
daß alle Kräfte so benutzt u vertheilt
werden würden, um daß besonders nicht weniger in der neu zu
errichtenden Erziehungsanstalt für ihre Sache u Zweck das
möglichst Vorzüglichste u Beste geleistet zu leisten
würde; doch daß würde sich mit mir,
um auch die schon bestehende Erziehungs[-]
anstalt zu dem ihr stets vorgeschwebten
höchsten Ziele entgegenzuführen, so
wie es nothwendig werden würde
frische u junge mit dem Geist derselben schon vertraute
Kräfte vereinen werden;
und es werde daß Zwischen den beyden Erziehungsanstalten
in persönl Beziehung in zwey wenn auch in zwey getrennten
Orten dasselbe Verhält-
niß Statt finden werde, wie jetzt zwischen
der Familie u d Hause meines Bruders u meinem
Hause, die zwar äußerl getrennt
doch in sich ein Ganzes seyen.
ad 3. Die Anzahl der Zöglinge wisse er,
der Herr Pfarrer selbst, soviel aber
mir bekannt wäre, gingen zu Ostern
keine ab. Ich habe aber auch bisher
mich gescheut, für die hiesige Anstalt Zög-
linge aufzunehmen, weil ich zur Erhebung
der hiesigen Anstalt den begründenden u
vorbereitenden ersten Unterricht längst
aus derselben habe ausscheiden wollen.
Für die neue Anstalt im Gegentheil
sey schon wirkl ein Zögling aufgenommen
u von anderer Seite her zeige sich mehrseitiges
wie lebendiges Interesse dafür.
ad 4. Meine Gläubiger seyen keinesweges
gänzlich befriedigt; allein sie würden zu
ihrer Zeit von mir gänzlich u ohne Verlust
auf das genaueste durch die sich aus meinem Wirken u Leben
selbst ergebenden Mittel bezahlt werden. Nur
könnte ich mich nie entschließen dazu einen /
[17]
2.[Bogen] forcirten zu diesem Zwecke meine
Verhältnisse u die sich mir darbie-
tenden Mittel zu forciren u ich er-
trüge deßhalb lieber den größten
augenblickl ja anhaltenden Druck
ehe ich mich bestimmte gewaltthätig
in die natürl Entwicklung des Ganzen
u Einzelnen einzugreifen. Dieß
(Dieß als die zur Sache gehörigen Ant-
worten von mir. Im Fortgange u
in der Wärme des Gesprächs wurde
von mir noch ein zweyfaches zwar nicht eigentl
nicht so wohl sich auf die an mich ge-
thane Fragen beziehend ausgesprochen,
doch da es, wenigstens in Beziehung darauf
von mir geäußert wurde, so will halte [ich]
es doch für gut es hier noch auszusprechen
hinzuzufügen
.)
Obgleich die nach den Worten der von dem
Herrn Präsidenten von Uttenhoven aufgesetzten
Punctation zur Gültigkeit derselben erst
noch nöthigen höchste Genehmigung Ew.
Herzogl Durchlaucht, zu welcher mir freylich
wohl schon zu Anfang des vorigen Monats
von dem Herrn Präsidenten von Uttenhoven
die bestimmte Zusicherung gegeben worden;
bis jetzt noch nicht erfolgt war
:
Obgleich Wenn auch in dem Augenblick (der) als gedachte Fragen an mich
geschehenen (Fragen) u noch bis zur jetzt
Stunde der von dem HE Präsid. von
Uttenhoven
in Ew Herz. Durchl Höchsten Auf-
trag ausgefertigte Punktation die von dem HE Präsidenten zur völligen
Gültigkeit derselben von dHE Präsidenten noch besonders für
nöthig erachtete besondere bezeichnete Höchste Genehmigung
Ew. Herz. Durchlaucht (obgleich mir solche
von demselben HE Präsidenten bis zu Anfang des vorigen
Monats zugesichert wurde) mangelte: so konnte
dieß mich dennoch nicht abhalten, aus
dem innern Wesen des Ganzen und
durch das dadurch klar Ausgesprochene
das Vorstehendes einfach u bestimmt zu erklären
(vorstehende einfache u bestimmte Erklärung
abzugeben.) /
[17R]
Zwar weiß ich ganz u gar nicht
zu welchem Endzweck von Rudol-
stadt aus best[immt] jene Fragen an mich geschahen,
um so mehr als ich sie durch die dritte
Hand an mich gerichtet wurden. Auch
kann ich mit nur einiger Sicherheit
darüber gar keine bestimmte Vermuthung
mir in irgend einer Hinsicht erlauben
.
Zwar habe ich in den u durch die vor
mir liegenden Umstände keinen Grund
in Beziehung Rücksicht auf das, was nun erfolgen
könnte, irgend eine bestimmte Vermuthung zu
hegen, doch p
Doch dieß scheint sich mir daraus eine die Möglich-
keit klar auszusprechen daß ich selbst
von einer der höheren Behörden in Rudolstadt
über die mir jetzt nur unter der hand
vorgelegten Fragen exofficio amtlich vernommen
werden könnte. In dieser Beziehung nun
ist es mir ganz besonders Pflicht Ew. Herzogl
Durchl. auszusprechen, daß ich ehe so lang bis
ich nicht durch die Bestimmung das Wort Ew. Herz.
Durchlaucht zum Gegentheil bestimmt worden
in jedem Falle dann auf die mir etwa von einer der höchsten
Behörden in Rudolstadt <nachrichtl u> wieder-
kehrt vorgelegt werdenden gedachten Fragen
meiner innersten Überzeugung gemäß
u
nach den klar u bestimmt mir vorliegenden
innern Gründen ganz gleich-
lautend so antworten werde, wie es schon
von mir geschehen ist u wie ich es Ew. Herz.
Durchl es auszusprechen für Schuldigkeit hielt.
Sollten Ew Herz. Durchl jedoch diese
meine Handlungsweise nicht billigen
sollte meine Überzeugung Ansicht
daß die ausgefertigte Punktation auch ohne
die bis jetzt erfolgte höchste Genehmigung Ew Herz Durchl
nicht sowohl durch der seit ihrer Ausfertigung verflossene
Zeit
durch ein Äußeres als vielmehr
durch die innere Überzeugung Ew Herz. Durchl
volle Gültigkeit habe[n] -
nicht auch mit die Überzeugung Ew.
Herzogl Durchlaucht seyn; sollten im
Gegentheil die Umstände gebieten
der gedachten Punktation die Höchste
Genehmigung zu versagen nicht zu gewähren
u ihr die Gültigkeit zu versagen,
so ersuche ich Ew Herzogl Durchl. un-
terthänigst, doch die Gnade zu haben, /
[18]
mir dieß möglichst bald u auf das
bestimmteste aussprechen zu lassen.
Ich erlaube mir dabey Ew Herz. Durchl
nur anzudeuten, daß ich ja bey diesem Han-
deln nicht allein u für mich allein,
sondern in einem Kreise u für einen
in sich geschlossenen Kreis mehrerer Familien stehe.
Doch diese äußeren Verhältnisse, so hoch u
so verpflichtend sie auch sonst seyn mögen
sind es keinesweges die auf mein Handeln
Einfluß haben; sondern es ist einzig
die in mir ruhende klare u feste Über-
zeugung, daß das unternommene Werk
durch die jetzige Gesammtstufe der Menschen-
entwicklung nothwendig gefordert,
in Geschichte u Natur begründet u
auf das vollkommenste Zeit, Ort
u allen dazu nöthigen höheren Bedingungen
gemäß sey. –
Der äußere, endl u sinnl Mensch
bedarf zwar sehr oft für sein Handeln
zur Begründung, Förderung u Fortbildung
desselben äußerliche Belege gleichsam als
Gewichte an das Uhrwerk des äußerl
menschl Treibens, aber die innere
Wahrheit schreitet bey ihrer sich Darlebung
u Kundbarmachung darüber als unzu-
längliche äußere Formen hinweg Darum
bleibt es ein ewig untrügl Zeichen
der innern Wahrheit irgend einer
Zeitbestrebung in der Zeit, daß sie einer äußeren
Documentirung zu ihrer Bewahrheitung
gar nicht bedarf; das einfach ausge- /
[18R]
sprochene Wort, der von der Vernunft
gerechtfertigte Wille ist hinlängl genug.
Sollten daher Ew Herzogl Durchl auch
mein jetziges Handeln nicht billigen können,
u sollten die U ( es) in d Umständen liegen (geboten
werden) der aufgesetzten Punctation die höchste
Genehmigung versagen zu müssen, so möge
mir Ew Herz. Durchl gnädigst u. huldvoll
verzeihen daß mir Höchst Ihr Wort u Wille mehr
war (gilt) als der Mangel aus ausdrückl
erfolgter Genehmigung derselbigen.
Was nun endlich den eigentl Endzweck u
das letzte Ziel der (von) durch Rudolstadt aus an mich
ergangenen geschehenen Fragen betrifft, so weiß ich hier
ich ebenso wenig darüber, als wie oben über
der ferneren Verfol[gun]g derselben eine gegründete
Vermuthung auszusprechen. Nur das eine
mag wohl zieml gewiß seyn, daß von Ru-
dolstadt aus man mir u meinem Wirken nicht
eigentl wohl will u wenn auch wirkl jene Fragen
ein scheinbar förderl ja scheinbar sehr förderl äu-
ßerlich beyhergienge, so mangelt ihnen doch ge-
wiß ganz die reine innere Absicht u wäre
ein solches Handeln nur äußerl durch irgend
eine Einwirkung abgedrungen um vielleicht
irgend eine Fortentwicklung zu hemmen, die
wer weiß aus irgend welchen Gründen (u warum>
nicht gern gesehen werden könnte.
Denn wie
hätte man sonst bisher Jährli von Rudolst. aus den mehrseitig fast
vernichtenden Jahrelangen doch äußerlich nicht zu
achtenden Kampf meines Wirkens mit
ansehen können, wo mich zuletzt als äußere Er-
scheinung einmal wie ich offen aussprechen
muß, einmal nichts hielt als die mir von
Ew Herz. Durchl. gewordene Anerkennung
u Theilnahme.
Darum was auch von dieser Seite nun
etwa geboten werden möchte könnte
so wird dieß doch
[.] Darum wie
auch die Umstände von einer andern
Seite sich günstig wenden könnten [.]
In Es wäre wohl möglich daß ein schein-
bar sehr Förderliches demselben äu-
ßerlich bey hergienge hinzu käme [.]
Doch würde dieß wenig schwer das Zutrauen
wieder erwärmen können
den Glauben an die
Wahrheit desselben erwecken können doch würde
dieß weder das Zutrauen noch die
Liebe u Freude schwächen mit
welcher von mir u allen die mein
Streben theilen die sich nun an Helba knüpfende
u vielbezeichnete Erziehungsanstalt begrün[det]
u ausgeführt werden würde u dieß um so mehr
als was mir jetzt vermöge
Durch die Aussprache, was über die neu zu
errichtende Erziehungsanstalt freundschaftl Theilnahme
darüber ausgesprochen worden wurde
hat sich schon sogleich ein froher freu-
diger
u hoffnungsvoller Blick von
einigen Punkten Deutschlands her
der beginnenden neuen Pflanzung zu
gewendet, ein Beweis, daß das zwar
jetzt stille u ruhende Zutrauen zu
meinem Wirken u Bestreben in dem Ge-
müthe Vieler welche das Bedürfniß einer men-
schenwürdigern (u genügenderen) Erziehungsweise /
[19]
3.[Bogen] durch die Lebenserfahrung <Belehrung> er-
kannt haben, ein lebendigeres u treu bewahrtes ist. So hat [bricht ab]
[18R]
[noch 18R:] Deshalb, werde ich und die /
[19]
Theilnehmer meines Strebens, die Mit-
arbeiter meines Werkes, die Glieder meines Kreises dem

der Forderung des geweckten u bisher
gepflegten gewährten Zutrauens getreu
wenn es Ew Herz. Durchl anders genehmigen
sollten den Forderungen dieses Zutrauens,
uns ganz hingegeben an
dem Ausführen
u Darlebung der viel bezeichneten Erzie-
hungsanstalt in Helba ganz mit allen Kräften u sogleich und leben
was auch immer nur jetzt von irgend
einer andern Seite her geboten werden
könnte, ja das viele u mehrfache
was geboten oder gar gereicht werden
könnte würde nie das hohe Zutrauen
aufwiegen können, mit welchem ich
mich u die welche mein Streben theilen
mit demselben in Ew Herzogl Durchl
Land u unter den fördernden inneren
Schutz Ew Herz. Durchlaucht wenden.
So hat
schon das alte neu belebte Zutrauen,
wie schon oben erwähnt der beabsichtig-
ten Volkserziehungsanstalt aus dem
Bayreuthischen einen Zögling zugeführt
den Pflegesohn der Frau Majorin von
Arnim Bülow
und sind die gegenseitigen
Bestimmungen deßhalb völlig abgeschlossen
was ich mir erlauben durfte in dem ich
auf meine deßhalb bestimmt an dHE
Präsidenten v Uttenhoven geschehe[ne] Frage,
ob ich Zöglinge zu der neuen Erziehungsanstalt
aufnehmen dürfte, die ausdrückl Antwort
erhielt: ”so viel Sie wollen”.
So hat das geprüfte Zutrauen eines Vaters
aus dem Großherz. Posen, der seit mehrern
Jahren seinen ältesten Sohn uns [an]vertraut
hat, u welcher selbst persönlicher Zeuge
unseres Wirkens war, der neuen Anstalt
seinen jüngsten Sohn nebst einigen andern
seiner Freunde für das kommende Jahr
zu Zöglingen {zugesichert / bestimmt}. So sind einige /
[19R]
Punkte in Westphalen in der Grafsch.
Mark, welche nur die feste deren letzte Bestimmung
nur noch auf derEntwicklung
des neuen Wirkens erwarten beruht um
auch wegen des Eintritts einiger besonders
kräftiger Knaben zu bestimmen. Da
es besonders der Geist u das Streben dieser
Anstalt ist, welcher dem Leben u Streben
der ihrer Eltern derselben zusagt.

welchen die Entwicklung dieses neuen erziehenden
Wirkens die Möglichkeit u Entscheidung geben
wird einige krä besonders kräftige Knaben
unserer Erziehung anzuvertrauen,
was schon ein länger aber ein schon
lang gehegter aber bisher noch zu schwierig
auszuführender Wunsch gewesen. Ja selbst
in dem altmeiningischen Land selbst
hat sich ohne mein Bewirken, nur auf die Sage
schon ein bestimmter Punkt des
Zutrauens gezeigt, dessen weitere Ent-
wicklung u Gestaltung nur auf von der klaren
Gestaltung der auszuführenden neuen Anstalt
beruht abhängt. Ich läugne darum kei-
nesweges, daß ich darin
In diesem, das läugne ich nicht,
lese ich die Überzeugung
lese bestätigt, daß wie das neue Unternehmen
wirklich Zeit- u Bedürfnißgemäß indem es so dem
Bedürfnisse der den Lebenserfahrungen
einfach nachgehender Eltern entgegen
kommte und so wirklich ganz zeitgemäß sey
u daß es so auch aus dem alten bewährten Zutrauen
u so aus einem innern Lebenspunkt frisch
und kräftig hervorwachsen werde, ja
ich hege das Vertrauen, daß in diesen Erscheinungen
wenn es noch nöthig seyn sollte

Ew Herzogliche Durchlaucht darin ebenfalls die Ge-
währ für das Zeitgemäßeentsprechende
des angestrebten Werkes sehen werden, wenn
es anders für Höchst Sie noch eines solchen
äußerlichen Beleges für das innerlich wahr[e]
die Wahrheit des geistig Erkannten bedürfte.
Mir tritt es darum durch solche Erscheinun-
gen wiederkehrend vor die Seele,und ich
will deßhalb auch um der innern
Wahrheit willen der bleibenden Aufforde-
rung dazu
nicht länger zurückhalten diese Überzeugung auch
hier auszusprechen nicht widerstreben, /
[20]
der festen Überzeugung, daß das, was
einst von dem dortmaligen Herrn Hofpre-
diger u jetzigen Herrn Generalsuper-
intendenten Zeh
als Committirter des
Fürstl Consistorii in dem Bericht über
die
an dasselbe u so später im Druck selbst
über den Befund der hiesigen Anstalt
und über das künftige eingreifende
Fortwirken derselben ausgesprochen hat wurde
was ich mir erlaube da es mir bey der
vorigen Mittheilung es nicht mögl wurde
hier als Beleg bey zufügen
gewiß sicher bey der in Helba zu begründenden Volks[-]
erziehungsanstalt (in Wirklichkeit treten) eintreten
wird; wenigstens sind die wirkenden
Kräfte dafür nicht nur nicht noch dieselben,
sondern sie sind durch geprüftes bewährtes Denken
u geprüfte u geübte Erfahrung. Durch Festig-
keit
, Ruhe, Klarheit u Sicherheit des Handelns
u durch inneres persönl[ich]e höheres einigeres
persönliches Sichselbstver[-] u so
gegenseitiges
Sichselbstverstehen nur noch mehr erhöht u be-
festigt. Noch ist ein Jahr Zeit bis
das dort, vom Geiste ergriffen, von
der Zukunft Ausgesprochene wurde in Er-
füllung zu gehen hat, <-> und in einem Jahr
so klein es in einer Beziehung ist, so
viel kann in demselben geschehen.
Aber Durchlauchtigster Herzog, so ist es
immer u mir hat es leider die vernich-
tendsten Lebenserfahrung[en] herbey geführt,
der Mensch kann es gar nicht hemmen
u hindern, er kann sich gar nicht dagegen
wehren, einmal im Leben wenigstens
wird er ganz von dem Geiste der Wahr-
heit ergriffen u dann, findet er dazu
äußere Veranlassung, so zeugt er für /
[20R]
die Wahrheit, zeugt mit Feuer für sie
u tritt mit Freymuth für sie auf. Kommen
aber die Stunden der Prüfung, die Nacht u
der Winter, durch u in demselben welchem doch nur alles
Schöne u Erhebende wenigstens unseres
irdischen Lebens, empfangen werden kann,
dann erschrickt er, läßt leicht die Wahrh[ei]t
fahren für die er jubelnd freudig Zeuge war;
denn die Wahrheit ergriff wohl ihn
u durchglühte wohl ihn, aber er be- u ergriff
u be sie nicht u hielt sie nicht fest.
So Durchlauchtigster Herzog ist das Halb-
wahre u das Halbgute in die Welt ge-
kommen. So Durchl. Herzog darf es nicht
bleiben. Was auch die Gegenwart
Halbes erkennen u Schiefes urtheilen
werde – die Zukunft wird anders richten;
wer die Gegenwart zum Richter nimmt
hat einen Richter, dessen Urtheil schwer in
seiner Wahrheit zu durchschauen ist. Wir
sind Familienglieder u Familienväter,
unsere Kinder werden unsere Richter
seyn; und der einfachste Mann hat dazu
für die
zur Ergreifung u Festhaltung d Wahrheit
in sich die Aufforderung u für die Darlebung
derselben in den ihm von
Gott gegebenen Verhältnissen einen
eben so sichern als unvergängl Grund
u Boden.
Ich könnte zum Beweis des oben Ausge-
sprochenen noch Belege beyfügen, wie der
ergriffen
ein nur von dem Geiste des
Ganzen u vo ergriffener Mann und von der von
der Nothwendigkeit eines erziehenden Grundsatzes
u Wirken einer gesicherten Subsistenz u /
[21]
4 [Bogen] einen größeren Wirkungskreis in
dem Herzen eines Staates zu geben durchdrun-
gener Mann war vor längerer Zeit etwa 2 Jahren
in dieser Beziehung
an den Geheimen Kabinetsrath Albrecht
in Berlin, an den herz[og]l Bayerischen
Kämmerer u Staatsminister Grafen
von Ammersperg, u an den Staats-
u Kabinetsminister Freyherr v Arns-
waldt zu Hannover ohne alles mein
Beywirken geschrieben (sich gewandt) hat.
Doch die ich verspare [mir] die Mittheilung dieser
Belege auf eine andere günstigere Zeit.
Zwar sind diese Thätigkeiten, wie es scheint,
in ihren Beziehungspunkten ohne Wirkung
geblieben. Aber der Mann, der es schrieb
ein Majoratsherr im Preuß Thüringen
hat es für seine Person u sein Leben fest-
gehalten. Vertrauend ließ er sich von
der Anstalt nur noch gleichsam zum
Spielgenossen seines noch kleinen aber
einzigen Sohnes einen ganz einfachen jungen
Menschen u noch überdieß nur sehr un-
vollkommen in der Anstalt vorbilden;
denn die Zeit vergönnte ihm nun
einem der nur in der Dorfschule erzogen
u gebildet worden war, nur bloß fünf Viertel-
jahr in d Anstalt zu leben. Und dennoch
sind die Briefe des Mannes nach einer
fast halbjährigen Prüfung die Zeugen der
völligen dankbaren Zufriedenheit
besonders da er den jungen Mann durch die
sich hier angeeigneten Lehrmittel befähigt findet
besonders da indem er befähigt wurde
sondern jüngsten fähig findet
denn er wurde zugleich dadurch fähig
einzig
seinen Wunsch dieses Herrn,
der ihm [den] von mir mitgetheilten
u in dem Plane einer der Volkserziehungs-
anstalt mehr ausgeführte Gedanken
durch die in Erziehung der einige Kindern
seiner Dienerschaft durch die sich hier
angeeigneten Lehrmittel u Plan
aus-
zuführen. Vielleicht
fügen es einmal die Umstände auch die
Beweise hierfür durch dG[e]g[en]st[än]de selbst vorzu-
führen.
/
[21R]
Nun ist mir nur noch eines ist mir noch nöthig
auszusprechen, die unterthänige Bitte
an Ew Herzogl Durchl, mir auf den
Fall, daß mir nicht mir zu erlauben
gegen das Ende dieses Monats die
letzte Entscheidung Ew Herzogl Durchl
Nur noch ein ist
Jetzt bleibt mir nur noch übrig
die unterthänige Bitte auszusprechen
mir gnädigst zu erlauben zu Ende dieses
Monats nach Meiningen kommen zu dürfen u Ew
Herzogl Dur
um vor Ew Herz. Durchl
Höchst Ihre weitere u Bestimmungen zu
vernehmen, im Fall mir nicht vorher
Ew Herz. Durchl verneinendes Wort
zukommen sollte.
Mit dem reinsten Ausdruck eines
unwandelbaren Vertrauens und
der tiefsten Ehrerbietung verharre
ich ich unausgesetzt
Ew

Herzogl Durchl

Unterthänigster

Es bleibt mir nun nichts mehr übrig
als die unterthänige Bitte zu wieder-
holen mir um meiner Gesammtverhält-
nisse willen nach Möglichkeit bald Ew
Herzogl Durchl. höchste Eintscheidung
wegen der Gültigkeit od. Nichtgenehmigung
der niedergeschr. Punktation zu kommen
zu lassen u von mir u uns allen
mit dem reinsten Ausdruck einer un-
wandelbaren Vvertrauenden Ehrerbie-
tung zu schließen mit welcher ich
unausgesetzt verharre[.]

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[Der folgende letzte Abschnitt eines Postskriptums ist vollständig gestrichen]
Noch ist mir etwas noch ein zweyfaches zwar nicht so wesentlich
zur Beantwortung der mir vorgelegten Fragen
aber doch im Fortgang u in dKlären des
Gespräches von mir Ausgesprochenen zu er-
wähnen übrig, weil es sich, wenn auch
nicht sowohl auf das Äußere, doch auf das
Innere der Beantwortung jener Fragen bezieht.
Sprechen Sie immer, sagte ich gegen das Ende
des Gespräches unserm Herrn Pfarrer, in Rudol-
stadt aus: unser Wirken gleiche einem Wein-
stock (einer Weinrebe), welche um so mehr Früchte
um so edlere Früchte brächte, je härter u schnee-
reicher der vorhergehende Winter sey,
und daß es darum ohngeachtet seiner jetzt
winterischen Lage (Clima) zu seiner Zeit
schön u für edle Früchte hervorgrünen
u blühen werde. Das genügte, was ich durch
die Ansicht, die sich mir aus dem Ganzen so gleich
aufdrängte, bewogen aussprach, war: daß
die bisherigen Verhandlungen u Mittheilungen
an Ew Herz. Durchl eigentl ohne Zwischen-
personen Statt gefunden haben u daß die befördernde Theilnahme u
Unterstützung des Ganzen nur Ew
Herz. Durchl reine Privatsache sey. Ich hielt /
[22]
dieß besonders für nöthig auszusprechen weil
mir von demselben Herrn Pfarrer früher als eine Äu-
ßerung bestimmte Meynung (Äußerung) der höheren
Kreise Rudolstadts ausgesprochen war, daß
meine Erwartung im Meiningschen für
meine Bestrebung einen neuen Punkt zu finden
sich nicht bewähre (bestätige), weil zwar
von Seiten des Herrn Herzogs Durchlaucht
der Wunsch dafür gehegt würde, daß aber
von Seiten des Landes u dLandstände aus
die Einwilligung gänzlich abgehe.
Das Entgegnende, was aus jener mir mitgetheilten
Äußerung sich aussprechende als irgendwo
Statt findende Entgegnende sich ausspricht ist auch
der Grund warum ich mir erlaubte
dieses Schreiben an Ew Herzogl Durchl.
unter Höchst Ihrer Aufschrift unver-
mittelt an Ew Herz. Durchl. gelangen
zu lassen. Sollte ich durch das letztere
überhaupt etwas gethan haben, was
Ew Herz Durchl unangenehm wäre,
so bitte ich deßhalb um gnädige Verzeihung
u huldvollen zu erwägend Erwägung, daß es widrig
erregen muß statt wenigstens ein der
fortentwicklung
dem Bestehen u fortentwickeln
eines doch achtbaren Werkes nicht
hämisch feindlich kleinlich entgegen zu wirken, ihm viel-
mehr ehe die sich ihm dazu darbietenden
Wege u Mittel zu schwächen u abzu-
schneiden [bricht ab ]
[22R]
[vakat]