Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johann Arnold Barop in Berlin v. 18.2.1829 (Keilhau)


F. an Johann Arnold Barop in Berlin v. 18.2.1829 (Keilhau)
(KN 24,6 Brieforiginal 3 B 8° 11 S.; Auszüge Lange 1862, I,1, 24-26; ed. Heiland 1983, 315-320 auf Transkriptionsbasis Typoskript R. Wächter mit Lesefehlern)

Keilhau den 18en Febr 1829.


Mein Barop.

Ich habe zwar auf meine Briefe seit Weyhnachten an Dich
bis jetzt noch keine Antwort allein die Entwicklung fängt
nun, wie zu erwarten war, sich zu drängen an und ich
will darum wenigstens nicht säumen Dich auch mit dem
augenblicklichen Stand des Ganzen bekannt zu machen da-
mit Du auch in der Ferne in der Entwicklung desselben bleibst.
Heute (: Mittwoch :) vor 8 Tagen, mein jüngster Brief an
Dich war also 3 Tage abgegangen, empfing ich ein Schreiben
vom Herzoglichen Consistorium in Meiningen die Volkserziehungsanstalt
in Helba betreffend; ihm lag in gleicher Beziehung die Anschrift eines
Rescriptes bey welches in dieser Bez der Herzog an das Consistorium
erlassen hatte worinn das wichtigste ist, daß diese Anstalt besonders
als eine Vorschule für den Schullehrer Stand festgehalten werden soll.
Das Consistorium hatte schon vorher durch Mittheilungen vom Herzoge veran-‚
laßt, an denselben (unterm 28 Decb v. J.) einen Bericht über die
zu errichtende Volkserziehungsanstalt in Helba eingereicht worinne
es dem Herzoge in Betreff derselben mehre[re] Wünsche ausspricht
z. B.: 1.) daß die Anstalt rein die ihr zukommende eigenthümliche
Stelle im Kreise der Volksbildungsanstalten festhalte; 2 Hebt
das Consist. besonders heraus daß den jungen Leuten der Eintritt
bis ins 14e Jahr gestattet seyn möge, damit sie darin bis ins
17e Jahr erzogen werden könnten, 4ens [sc.. 3ens.] daß die Anstalt
zwar Privatunternehmung auf Rechnung und Verantwortung
ihres Vorstehers bleibe, aber nicht isolirt und fremd außerhalb /
[1R]
des Kreises der Volksbildungsmittel stehe, sondern sich so viel
als möglich an die übrigen Volkserziehungsanstalten anschließe.
Du wirst gewiß hieraus sehen, wie die Wünsche des Consistorii
die es dem Herzoge aussprach, ganz die Wünsche meines Herzens und
Strebens in sich fassen, und wie uns so eine Morgenröthe herauf
dämmert wie sie unser Geist längst ersehnt hat. Es kann Dir nicht
entgehen wie unser neues Wirken uns in die Mitte, rein in die Mitte
eines reinen Wirkens für allseitige Darlebung des Innern versetzt.
Mit einem Worte wir und unsere Anstalt werden lebendige Glieder
und Kinder eines lebendigen geistigen Staates, eines Staates welcher den
deutschen Entwicklungsgang des menschlichen Geistes achtet und an-
erkennt. Neues Leben verbreitet dieß durch alle Adern und Nerven
unseres gemeinsamen, unseres Gesammtkörpers. Wie mir nun
das Consistorium die dem Herzoge ausgesprochenen Wünsche geschichtlich
mittheilte, so sprach es in der genannten Zuschrift zugleich aus, daß ich
bey demselben anzeigen möchte: „welche von meinen Lehrern und bisherigen
Zöglingen und wie viel von jedem ich mit nach Helba bringen würde". Ich habe
hierauf geantwortet, daß mir dieß genau zu bestimmen jetzt gar
nicht möglich sey doch würden glau wie das Ganze jetzt vor mir läge,
1 oder 2 Mitarbeiter; 1 oder 2 Lehrer; 1 Gehülfe und 1 lehrender Zögling mit
mir gehen außerdem würde ich 3 Zöglinge mit bringen außer einem neu
eintretenden. Doch würde uns die vollkommenste Begründung und Förderung
des Ganzen uns allen eine gemeinsame Aufgabe und Streben seyn, und
es würde, würde es nöthig seyn, jeder eben so gern in Helba als in Keilhau
arbeiten. Unter den beyden Mitarbeitern hatte ich nun Dich und
Middendorff im Auge; unter den beyden Lehrern Christian Langethal
und HE Carl; unter den Gehülfen Johann Schmidt; unter dem
lehrenden Zögling Titus Pfeiffer. Herr Carl hat so eben /
[2]
eine Citation vor das Consistorium in Meiningen bekommen um
sich zur Anstellung als Substitut an seines Großvaters Stelle in
Wernshausen examiniren zu lassen. Er ist aber fest entschlossen,
unserm Wirken treu zu bleiben d. h. in und durch dasselbe lehrend
lernend, schaffend sich seinem Ziele entgegen zu bilden. Jetzt
da das Ganze auch vor seinem äußeren Auge die alte feste
und zugleich frische und lebensvolle Gestalt gewinnt ist er auch
wieder der alte frische feste u lebensvolle. Der Mensch
aber sehe ich dadurch ist doch gar ein hinfälliges Wesen, immer
muß er doch auf etwas außer sich ruhen und kann es so höchst selten
in sich und wenn der Mensch zur Ausführung eines großen Gedankens
geprüft, geläutert, gestärkt werden soll, so sieht er gleich
die Prüfungs- Läuterungs- und Stärkungsmittel vom Schicksal
als Erscheinungen für Vernichtung seiner Persönlichkeit, seines Selbstes
an und nun kehrt das uralte wieder das Leben ist ihm lieber
als der Gedanke, er kann das kleine eigene Leben, die kleine eigene
Persönlichkeit nicht dem großen Gedanken opfern, oder vielmehr
der Schein des Daseins ist ihm lieber als das wirklich lebendige Seyn.
Weil nun Herrn Carls Verwandte besonders wünschten er möchte
die Stelle in Wernshausen annehmen weil es ihm dann möglich werden
würde für ihre Kinder lehrend zu wirken und weil Carl
selbst sehr innige Liebe zu seinen Verwandten hat und es daher
nur einzig jener Gedanke gewesen wäre welcher ihn hätte
bestimmen können eine freye Entwicklung seines Selbstes und
seiner Anlagen aufzugeben und jene beengende Stelle
anzunehmen, so habe ich ihn nun meine Ansicht und ihm
einen Plan vorgelegt wie ich ganz unter diesen Um-
ständen handeln würde; das Resultat davon wird nun /
[2R]
seyn, daß Carl durch sich einen seiner Brüder für seine
Verwandten in der neuen Anstalt einige Zeit ausbilden und er-
ziehen läßt, und so, einem der Grundgedanken meines
Wirkens entsprechend, unsere Erziehungsanstalt durch
sich und seine Theilnahme zugleich als Erziehungsanstalt für
seine Familie betrachten. So verwächst denn unser
erziehendes Wirken je stiller und langsamer um so inniger
und lebendiger mit dem wirklichen Leben, den Bedürf-
nissen und Verhältnissen des Lebens; immer mehr wird
das ganze Leben in allen seinen Richtungen und Beziehungen hin
Ein Lebganzes. Aber nun je mehr alles nach jeder
Seite hin sich befestiget und klärt, neu sich zu entwickeln und
zu grünen beginnt um so mehr steigt auch die Forderung
alles Hemmende und Hindernde was noch aus der alten Zeit
übrig ist und was stöhrend in die neue Entwicklung eingreifen
könnte. [zu beseitigen] So bedürfen wir bis zum 1sten May und eigentlich
noch vor meinem Weggang aus Keilhau um die mancherley
kleinen und schreienden Schuldposten in der hiesigen Umgegend
zu befriedigen, wenigstens 1000 Thaler preußisch um die
Einwirkung und Fortwirkung des alten durch Unnatur ge-
stöhrten Lebens zu hemmen, dessen Einfluß auf das neue
frische Leben zu vernichten. Ich muß mich nun natürlich mit
dem Bestreben und der Sorge dem Ganzen das zu geben
was es zunächst bedarf, auch zuerst an das nahe und
nächste wenden, und so muß ich zunächst wieder zu Dir
mit der Frage kommen - Sollte es Dir denn gar nicht
möglich werden uns durch Deine Verhältnisse für
das nächste Frühjahr die genannte Summe zu verschaffen? - /
[3]
Indem ich dieß ausspreche stehen ganz die Resultate
Deiner Bemühungen vom vorigen Jahre und länger vor
mir; allein die Umstände stehen nun auch ganz merk-
lich verschieden: Keilhau steht erstlich in sich ganz fest
und die allgem. deutsche Erz. Anst: geht einem neuen Leben
einer neuen Blüthe entgegen. Unsere erziehenden Bestrebungen
überhaupt haben durch die lebendige Theilnahme des Herzogs
von Meiningen
einen kräftigen Lebens- und Herzpunkt und
so im Äußern einen Stützpunkt bekommt [sc.: bekommen] unser erzieh-
endes Werk selbst ist zu einem integrierenden
Theil eines lebendigen, geistigen Staates und so ein leben-
diger Punkt unseres gesammten Deutschlands geworden.
Durch die Natural- und Geldunterstützung des
Herzogs kann ich die Zinsen für meine Capitalun-
terstützungen sicher stellen, deßhalb meine ich so -
wenn wir auch nur die oben genannte Summe der
Rth 1000 durch Deine Vermittlung als Capital gegen
Versicherung und Zinsen erhielten. Überlege nun die Sache
in Dir und schreibe mir bald Deine Ansicht und Meinung.
Wie die Sache vor mir liegt muß ich schlechterding[s] dafür
Sorge tragen jene Summe gegen die gedachte Zeit hin zu
unserer Verfügung zu erhalten, wenn anders das Leben
sich wenn auch nicht ganz ungehemmt doch wenigstens ohne vernichtende
Stöhrungen entwickeln soll.
Gleich als ich Dir in meinen Briefen vor Weyhnachten den
Erfolg meiner letzten Anwesenheit in Meiningen bekannt
machte, schrieb ich Dir auch wie nun Keilhau in erhöheter
Kräftigkeit aufblühen solle und werde, wie aber dieß auch /
[3R]
die Hinzukommung entsprechender und ganz genügender aber auch
dem Ganzen innig verbundener Kräfte bedürfe. Ich for-
derte Dich dort auf Dein Auge offen zu erhalten und Dein
Herz lebendig um solche Menschen mit solchen Gaben und
gleich strebig mit uns zu entdecken; ich sprach Dir dort mein
Bedauern aus daß B.- [sc.: Bauer] schon angestellt sey pp. Dem
sei nun wie ihm sey Du hast mir weder auf diese Andeu-
tungen so wie überhaupt gar nicht geantwortet. Mir aber
tritt natürlich die Sorge oder eigentlich die Achtsamkeit dar-
auf immer bestimmter vor die Seele, und ich muß mir bestimm-
te Personen dafür vor in das Gedächtnis zurück rufen; da
erinnere ich mich nun daß Du einige mal einige Deiner
Landsleute und Studiengenossen als wacker und besonders
als strebend genannt hast, unter anderen gehörte wenn
ich nicht irre Flume dazu welcher auch einmal hier war,
wäre wohl dieser Flume ein wackerer innig eingehender
Gehülfe für die hiesige höhere Anstalt? - Irre ich nicht
so hat Middendorff nach seiner Rückkunft gesagt daß er
ihn besucht und daß er ihn noch sehr strebend gefunden habe.
Oder erinnerst Du Dich eines anderen angemessenern jungen
Mannes? - Schreibe mir doch darüber etwas die hiesige
Gegend wird uns schwerlich brauchbare Gehülfen geben
denn die Menschen hier sind gar zu äußerlich und oberflächlich
gar zu todt, leer und - verständig, dazu kommt daß sie
kraftlos sind, kein Gemüth, keine Gemüths- und so keine
Selbsttreue haben. Was ich nun mehrseitig neuerdings durch
Middendorff höre läßt wohl Tüchtiges für ein Menschen-
würdiges Werk u Wirken von den Westphalen hoffen. /
[4]
Während der kurzen Zeit des Schreibens dieser Zeilen hat
sich der Gedanke und so der Plan meines und unseres er-
ziehenden Wirkens wesentlich entfaltet indem er in Bezieh-
ung auf seine Ausführung und Darstellung noch mehr zurück
gestiegen ist und sich so noch mehr und tiefer begründet
hat. Seit langem schon hat mich die Erziehung und Behandlung
der kleinen Kinder vor ihrer Schulfähigkeit vom 3en bis
zum 7en Jahre beschäftigt. Eine Gesammtheit sich in einem
Moment zusammendrängender Gedanken, Umstände und Ein-
wirkungen hat mich nun auf den Entschluß gebracht <neben>
der Volkserziehungsanstalt in Helba zugleich
Eine Pflege- und Entwicklungsanstalt für
3-7jährige, Eltern- oder doch mutterloser
Kinder beyderlei Geschlechts (bemittelter Stände)
zu errichten. Ich nenne diese Anstalt nicht mit dem
Namen mit welchem ähnliche Anstalten bis jetzt ge-
nannt werden d. i. Klein-Kinder-Schulen; weil
es keine Schulen seyn sollen, weil die Kinder darinne
noch nicht geschult werden, sondern sich frey entwickeln
sollen, ich weil soviel als es Menschen die selbst noch
keine Engel sind möglich ist das Göttliche in dem Men-
schen treu behütet und gepflegt werden soll. Ich wähle
eltern-, oder doch wenigstens mutterlose Kinder
weil da der so nachtheilige Einfluß der höchstens
halbgebildeten Eltern [eben]so so häufig verbildeter Mütter
durch die Natur der Sache wegfällt; ich nehme
Kinder beyderlei Geschlechter weil die Kinder in diesem
Alter selbst noch kein Geschlecht haben weil sich aber /
[4R]
durch den wechselseitigen Umgang in diesem Alter der wahre
geschlechtliche Geistes- und Gemüthscharakter schon ent-
wickelt. Ich wähle Kinder aus den bemittelten
Ständen damit wir das [zu] unternehmende Werk
ausführen können. Und da wie ich höre in und um
Meiningen die Lebensbedürfnisse wohlfeil seyn sollen
so können die Bedingungen bey völliger Gesichertheit der Un-
ternehmung dennoch mäßig seyn.
Diese Anstalt wird nun ganz besonders der mütterlichen
Pflege unserer treuen lieben Hausmutter anvertraut
werden; ihr wird eine Gehülfin bey gegeben werden,
so wie besonders ein junger Mann möglichst geistig
strebend und doch mit einem kindlichen Gemüthe. Das
Lokale in Helba erlaubt nun daß diese Anstalt
ganz selbstständig mit Wohnen, Essen, Schlafen und
Leben seyn kann.
Siehst Du nun alter treuer Barop so entwickelt sich
unser erziehendes Wirken endlich zu dem Ziele seiner
Vollendung zu einem in sich abgeschlossenen Lebganzen
- zu einer Einheit des Lebens und des Lebenszweckes
bey aller Mannigfaltigkeit und Gliederung der
Erscheinung; nun läßt sich auch etwas Ganzes zur
und für Vollendung darstellen.
Siehst Du die ganze Entwicklungs- Erziehungs- und Bildungs-
reihe des Menschen von dem Augenblick wo sich der
Mensch als Kind zuerst zum Manne als seinem Stab
und Führer wendet <-> bis dahin wo der Mensch als
reifer Jüngling und so beginnender Mann sich selbst /
[5]
Stab und Führer werden kann liegt nun in einer Reihe
von organisch in einander greifenden Bildungs- und Erziehungsanstalten
vor mir; denn ich will Dir nur sagen, daß ich außer diesen
Erstlich die Entwicklungs- und Pflegeanstalt für Kinder von 3-7 Jahren
Zweytens
genannten Anstalten zur Vollendung des Ganzen
noch eine dritte vierte Anstalt im Herzen trage. Irre ich nicht so
habe ich Dir in meinem jüngsten Briefe schon gesagt daß
Obernitz noch immer ein Punkt voll Zutrauen und Bedürfniß
namentlich von Seite des Kaufmanns- und eigentlichen höhern
Gewerbestand ist. Wie nun Obernitz von Seite Korns
und dessen Bekanntschaft u Umgegend noch fest gehalten
wird, so halte ich es auch zu einer Bildungsanstalt für
deutsches Gewerbe fest. Also ist die Gliederung des Ganzen
nun so:
Erstlich die Entwicklungs- und Pflegeanstalt für Kinder von 3 bis 7 Jahren
Zweitens die Volkserziehungsanstalt beyde in Helba.
Von hier trennt sich nun das Bedürfniß des vorwaltend
Könnenden, von dem des vorwaltend Wissenden.
Drittens die Bildungsanstalt für deutsche Kunst und deutsches
Gewerbe in Obernitz und
Viertens die Allgemeine Deutsche Erziehungsanstalt in Keilhau.
Vorschule für das höhere Wissen bis zur Reife zur Hochschule
vielleicht höhere Kunst eingeschlossen.
Nun sind wir mit dem vorwaltend zu bildenden Menschen fertig
wir müssen zurück zum Menschen im Leben; dieser bedarf
jetzt einer Erhebungsanstalt, einer Anstalt zur Selbst-
bildung. Die Naturgegenstände sollen dazu das Material
der Stoff, die Einführung in das Wesen, den Zusammenhang /
[5R]
die Bedeutung und das innere Leben der Form, oder viel
mehr der Bedingung der Form, das Mittel dazu seyn. Also
Erhebung des Volkes zu geistiger Anschauung und Durchschauung
der Natur. Seit Langem bearbeite ich dazu den Gedanken
in meiner Seele, meine neue Lage, mein neues Verhältniß
soll mir dazu die Wege zeigen. Die Natur in
ihren tausend Erscheinungen muß den Menschen wieder
ein Symbol höherer und der höchsten Wahrheit und so ein
Buch Gottes und des Lebens werden.
So ist nun der Kranz der Bildungsanstalten geschlossen
die darzustellen so lange der stille Wunsch meiner Seele
war. Nun lassen sich wahre und menschenwürdige
Erziehungsgrundsätze in ihrem Zusammenhange darstellen.
[Rand*] Wir können nun durch jene Reihe von Anstalten alle menschlichen und
bürgerlichen Bedürfnisse der Familien bis zur besonderen Bildung für einen
einzelnen Beruf und bis zur Hochschule befriedigen und brauchen vorher
keinen Zögling aus der Hand zu geben. [*]
Und eine menschenwürdige, d. h. der jetzige[n] Stufe
der Menschheitsentwicklung ganz angemessene
Erziehung
muß jetzt die höchste Aufgabe aller selbstständigen
Menschen seyn, dafür müssen sich gleichdenkende Seelen
wie gleichdenkende, gleichbedürftige Familien einigen.
Es muß für reine Darlebung der Menschheit, es muß
für eine der jetzigen Entwicklungsstufe der Menschheit ganz
angemessene Erziehung eine innige Familien- und Seelen-
Einigung geschlossen werden und Gott wird mit uns seyn
denn Gott will daß er in seinen Werken und durch sei-
ne Werke erkannt werde, Gott will daß seine
Menschen, seine Kinder sich in dem Bilde darleben sollen
nach welchem er sie erschaffen habe, nach seinem
Bilde und Wesen daß [sc.: das] er ihnen schenkte, nach seinem
Geiste, der sich aus der Natur ausspricht! - /
[6]
Nichts mehr ist mir nun noch Dir zu sagen übrig als:
prüfe und - handle dieß ist die Forderung der Zeit, sey
offenen Auges, klaren Sinnes, festen Muthes. Schaue
und vernimm Gott in der Geschichte, in der Natur , im Leben
und in Dir und vertraue diesem Gott, dem überall
Einigen Einen! -
Da ich noch so vieles Papier frey habe schreibe ich Dir gern
noch von unserem Leben allein ich habe Dir im letzten
Brief alles geschrieben was nur etwas bedeuten konnte.
Neues Leben regt sich überall. Elise singt wacker sie
hat wie Carl sagt jetzt eine reine Stimme erhalten
sie ist frisch aber ihre Schwester die Emilie war vor
einigen Tagen sehr unwohl sie hatte sich bey der letzten
Wäsche sehr stark erkältet doch soll sie, höre ich, wieder
hergestellt seyn.
Die Briefe der Kinder mit der fahrenden Post hast Du doch
erhalten? - Unsere Luther grüße ich. Ich grüße mit
Liebe und Treue unsere guten Mütter. Alles von hier
grüßt Dich. Und so sey nun in Liebe und Treue auch
Du Gott befohlen.
Was meinst Du, könntest Du nun nicht auch bald
einmal schreiben
Deinem
       FrFr.

N.S. Hast Du die Kauersche Anstalt in Charlottenburg besucht? -
Zeigt sich Dir Gelegenheit so besuche doch auch die Klein-Kinder-Schulen
in Potsdam - Du könntest wohl den Schulrath HErrn v. Türk
besuchen Dir von ihm seinen Seidenbau zeigen und Dir die besten
Notizen darüber geben lassen. Du kannst ihn von mir grüßen
wir sind von der Schweiz, v. Yverdun aus alte Bekannte. Auch die
polytechnische Anstalt besuche der Director Klöden ist mir und Middendorff
wohl bekannt. Du kannst ihn grüßen. -
[Rand] Im vorigen Brief schrieb ich Dir schon, daß das Werk nach Ostern beginnen soll? - Fr.