Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an F. Korn in Obernitz v. 27.2.1829 (Keilhau)


F. an F. Korn in Obernitz v. 27.2.1829 (Keilhau)
(KN 24,8, Abschrift 2 ½ S., Handschrift "Frl. H.", von Otto Wächter veranlasst. Das Original befand sich im Besitz v. Geh. Baurat Treibich, Rudolstadt.)

Hochgeehrtester Herr und Freund;

Seit ich das letztere mal das Vergnügen hatte Sie zu
sprechen ist mir von Meiningen aus so wohl von Sei-
te des Herrn Herzogs Durchlaucht als auch von Seite
des hochpreisl. Consistorii mit Bestimmtheit als
Wunsch und Forderung ausgesprochen, das [sc.: daß] in der mit
Ostern ins Leben tretenden Volkserziehungsanstalt
junge Leute für das Schulfach ihre Vorbildung erhalten
sollen, ja daß diese Anstalt vor allem diesen Gesichts-
punkt im Augen behalten soll; zu diesem Ende soll
den Zöglingen nach der bestimmten höchsten und hohen
Verfügung, die sich dem Schulfache widmen wollen
auch noch nach ihrer Confirmation, also nach Entlassung
aus den gewöhnlichen Schulen der Eintritt in diese An-
stalt verstattet bleiben wo sie dann nach eben ge[-]
dachter Verfügung bis zum 17en Jahre zu bleiben
haben. Da Ihnen nun die Förderung des Saalfelder /
[2]
Schulwesens, des Schulwesens in den Dorfschulen des
Fürstenthums Saalfeld so warm an und im Herzen
liegt, so hätte ich gern über diesen Punkt mit Ihnen
gesprochen ehe ich wieder nach Meinigen gehen und so-
wohl Sr Herzogl. Durchlaucht als auch Herren vom
Consistorium sprechen werde, doch werde ich den 7en oder
8en März von hier abreisen. Ich bin in mir über-
zeugt daß es Sr Herzogl. Durchlaucht so wohl als
ein hohes Consistorium sehr gut aufnehmen würde,
wenn sich schon Eltern dafür geneigt finden sollten,
ehe es noch als eine höhere Bestimmung ausgesprochen
würde, indem es ganz besonders dieser Zweck der
Anstalt ist welchen des Herrn Herzogs Durchlaucht
fest im Auge ist. Ich melde Ihnen dieß im Fall es
auch Ihnen lieb und möglich seyn sollte mich vor
meiner nächsten Reise nach Meinigen noch zu
sprechen. Obernitz als einen erziehenden Punkt
habe ich noch immer fest im Auge und ich werde Ihnen
wohl zu seiner Zeit, so unbedeutend als es auch Anfangs /
[3]
scheinen mag, doch etwas sehr erfreuliches über diesen
Gegenstand aussprechen können.
Zunächst ist aber Ausdauer, manche kleine Auf-
opferung und Handeln nöthig, und wechselseitige
Handbiethung.
Ich grüße Sie von allen den Meinigen mit wah-
rer Hochachtung und Ergebenheit
FWAFröbel
Keilhau den 27 Febr
       1829