Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friedrich Mosengeil in Meiningen v. 18.3.1829 (Keilhau)


F. an Friedrich Mosengeil in Meiningen v. 18.3.1829 (Keilhau)
(BN 726, Bl 83-84, dat. Reinschrift/Fragment 1 B 8° 4 S.)

Herrn Oberconsistorialrath Dr. Mosengeil in Meiningen.
Keilhau den 18. März 1829.
Zu dem Wichtigsten und Erfreulichsten, was
mir während meines letzten Aufenthalts in Mei-
ningen mehrseitig eingehend ausgesprochen wurde,
gehört das, was Sie, Hochgeehrter Herr Ober-
consistorialrath mir auszusprechen so gütig
waren: daß sich nemlich der förderliche Antheil,
oder wie Sie es sonst richtiger bezeichnen wollen,
welchen die Ausführung des Gedankens einer
Volkserziehungsanstalt in Meiningen finde,
sich keinesweges auf meine Person, noch auf die
Erhaltung meiner schon bestehenden Anstalt,
sondern rein nur auf die Sache selbst bezöge.
So sehr sich nun auch dieß eigentlich schon von
selbst versteht, und gleichsam natürlich in dem
Wesen des Ganzen liegt, so hocherfreulich
war es doch für mich, hierin mein innerstes
Wünschen: daß mein Handeln, ganz abge-
sehen von meiner Persönlichkeit und meinen
persönlichen Verhältnissen, rein nur um des
Gedankens willen irgend einmal ins Auge
gefaßt werden möchte, ausgesprochen zu hören,
und so veranlaßt war sogleich mein Vorsatz,
mich Ihrer so reinen Theilnahme auch eben /
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so rein und klar in der Gesammtheit meiner Be-
strebungen auszusprechen, sobald ich wieder zu
Hause angekommen seyn würde, und in dem Ver-
folge meiner Rückreise wurde ich in diesem
Entschlusse noch mehr befestigt. Möchte es
mir nun nur gelingen, Ihnen das Ganze so
wahr und klar, so einfach und frey von
allem mehr störenden als fördernden Enthu-
siasmus vorzuführen, als es die Wichtigkeit
des Gegenstandes uneingeschränkt und bestimmt
erheischt.
Zuerst ging mir auf dieser Reise und in
dem Verfolge des Geschäftes hie und da die Mey-
nung hervor - die Wichtigkeit des Gegen-
standes erfordert unumwundene Offenheit -:
als habe ich zu sehr durch den Menschen-Herzog
den Regenten-Herzog für die Sache gewinnen,
mehr als es der offene Geschäftsgang erlaube,
die Theilnahme desselben bestimmen wollen.
Wenn ich von Sr. Herzoglichen Durchlaucht
rein als Menschen ausging, so ist dieß mei-
ner ganzen vielseitig offen dargelegten Le-
bens- und Erziehungsansicht völlig getreu,
welche nur vom Reinmenschlichen auszu-
gehen sich bemüht, und darauf die fernere
Fortentwicklung und Darlegung im Einzelnen
zu gründen sucht. Deßhalb habe ich aber doch nie /
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die collegiale Gesammtprüfung der betreffenden
hohen Behörden umgehen wollen, da das Ganze
dabey nur gewinnen konnte. Eben so wenig habe
ich über das Innere, das Geistige - das Äußere,
Oekonomische und Financielle als weniger wichtig
hintansetzen wollen. Nur gestehe ich gern, daß
in meinen Augen die Forderungen dieser beyden
Rücksichten sich so nahe lagen in ihrer Befrie-
digung, und keinesweges sich gegenseitig auf-
hebend und also vernichtend waren,- daß d
in mir über die gewisse Befriedigung auch
der zweyten, der financiellen Forderung unter
den wie bey dieser Anstalt so höchst seltenen
in Einem Puncte zusammentreffenden Umständen
gar kein Zweifel übrig war, sobald nur diese
Umstände und Verhältnisse selbst wirksam
ins Leben treten würden. Darum verstand
ich die deßhalb an mich geschehenen Anforderungen
in Betreff des innern Bestehens des Ganzen
so schwer, und suchte dieser Anforderung von
eigentlich fremdartigen Verhältnissen her zu
genügen. Deßhalb nahm ich auch überhaupt die
Befriedigung jener Anforderungen scheinbar
zu leicht, weil ich in mir, nochmals gesagt,
in der Einigung der Lebensverhältnisse
keinen Zweifel hatte. Keinesweges aber wollte
ich weder die betreffende hohe Behörde der Fi-
nanzen um- oder übergehen, oder mir ihre /
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Beystimmung ungerad herbeyführen, noch hielt ich,
wie ich mich ja auch schon ganz früh sehr bestimmt
darüber ausgesprochen, das Ganze, oder wie
Sie es sonst genauer bezeichnen wollen, in sich
selbst so wenig haltbar begründet, daß es seine
Ansprüche nicht durch sich selber rechtfertigen
könnte, sondern ich glaubte vielmehr die Sache
so wankenlos in sich selbst festgestellt, daß
ich es sogar mehr für unedel hielt, auch nur
den Schein zu geben, sie wie etwas, das keinen
Halt in sich hat, gleichsam von mehreren Seiten
her zu unterbauen, zu unterstützen.
Doch jetzt, da mir aus Mehrerem hervorgeht,
daß eine bey weitem stärkere und mehr-
seitige Entgegnung gegen die Ausführung
des Höchsten Orts von mir vorgelegten
Planes stattfindet und stattgefunden hat,
als ich es ahnete, und da ich eine zu tiefe
Ehrerbietung für einen Regenten in mir
trage, ja da er mir in einer gewissen
Beziehung - wie der Vater den Kindern
heilig seyn soll - heilig ist, jetzt muß ich,
da die Verhältnisse so vor mir liegen, noch-
mals aussprechen, was schon Sr. Herzogl.
Durchlaucht auszusprechen mir Pflicht war:
daß ich bleibend bereit bin, die Bestimmung und
gnädige Zusicherung, die Volkserziehungsanstalt
[Text bricht ab]