Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Berlin v. 21.3.1829 (Keilhau)


F. an Johannes Arnold Barop in Berlin v. 21.3.1829 (Keilhau)
(Überliefert sind zwei Fassungen: In BN 370, Bl 171 befindet sich ein Reinschriftfragment 1 Bl 8° 2 S., in KN 24,11 liegt das Brieforiginal 3 B 8° 12 S. In Briefliste Nr. 350 u. 351 werden beide Dokumente irrig als zwei Briefe gezählt u. das Fragment als Entwurf angeführt.)

a) Reinschriftfragment (BN)

Keilhau am Tage des Frühlingsanfangs
1829.


Freudigen Dank dem Vater unser aller zum
Gegengruß.

Ich will mich nur gleich frisch wie ich so eben Deinen lieben
freundlichen Brief erhalten habe setzen und ihn wieder
beantworten. Vor allem und zuerst ich bin in verflosse-
ner Woche abermals von Montag Nachmittag bis Sonna-
bends früh also während 4½ Tag in Meiningen gewesen
und nun ist das letzte Siegel auf das Ganze gedrückt.
Das Hauptdokument, das herzogliche unmittelbare Re-
script an das Consistorium lautet wörtlich so:
Unter Remission der Eurem Berichte vom 24sten
d. vorigen Monats beigelegenen Acten eröffnen Wir Euch, daß
Wir kein Bedenken gefunden haben
so wohl die Punctation vom 10n December v. J. über die von
dem Director Fröbel zu errichtende Erziehungsanstalt als auch
den Nachtrag vom heutigen Tage hiermit zu genehmigen
und geben Euch auf, beyde Dokumente von den Eurerseits
ernannten Comissarien vollziehen zu lassen und von Unse-
rer Genehmigung den Director Fröbel unverzüglich in
Kenntniß zu setzen
Meiningen zur Elisabethenburg, den 13 März 1829.
Bernhard Erich Freund
von Baumbach
Die Dokumente, d.h. die Punctation nebst Nachtrag sind
dann in aller Form vom Präsidenten von Uttenhoven, /
[171R]
vom Oberconsistorialrath Mosengeil und vom consistorial[-]
rath Emmerich vollzogen worden.
Den Inhalt der Punktation vom 10' Decbr kennst Du
ganz. Das Wesentliche im Nachtrage vom 13en ist
erstl. mein Verhältniß zum Consistorium, es heißt darinnen
wörtlich "Die erwähnte Volkserziehungsanstalt in Helba
bleibt nach wie vor Privat-Unternehmung des Directors
Fröbel, jedoch unter der Oberaufsicht des Herzoglichen Consisto-
riums. Es wird daher in Gegenwart eines seiner Mitglieder
oder Mehrerer, so sie es wünschen, alljährlich eine öffentliche
Prüfung statt finden." Nun folgen die Bedingungen über Eröffnung
der Anstalt, Erziehungsgeld (Rth 100 Pr Cour) rc.
fünftens heißt es wörtlich: "Es ist dem Unternehmer vergönnt
so bald es ihm beliebt eine für die öffentliche Bekanntmachung
geeignete, vor dem Abdrucke dem Herzogl. Consistorio zur
Genehmigung vorzulegende Ankündigung im deutschen Publikum
zu verbreiten."
sechstens "Die zur Aufnahme der Zöglinge nothwendigen
Reparaturen und Einrichtungen des Schlosses zu Helba, beson-
ders auch die Räumung der dortigen Pächterswohnung beginnen
ungesäumt und werden nach Möglichkeit zu baldiger
Fertigung gefördert" [Text bricht ab]

b) Brieforiginal (KN)

[1]
Keilhau am Tage des Frühlingsanfangs 29.

Freudigen Dank dem Vater unser aller zum
Gegengruß.
Ich will mich nun frisch wie ich Deinen lieben freundlichen
Brief gelesen habe setzen und ihn so freudig als die
Antwort in mir lebt wieder beantworten.
Vor allem: in voriger Woche bin ich wieder während
4½ Tag in Meiningen gewesen wo nun alles den ganzen
Geschäftskreis nochmals durchlaufen und zuletzt vom
Herzog, dem Minister und dann von den dazu comittirten Gliedern
des Consistoriums: dem Präsidenten von Uttenhoven
dem Oberconsistorialrath Mosengeil und Consist.Rath
Emerich die deßfalsigen Rescripte und Dokumente
vollzogen wurden. Nun ist es ein in den Staatsorga-
nismus völlig aufgenomm[en]es, und so vom Staate an[-]
erkanntes lebendiges Glied, ob gleich das Ganze nach
wie vor mein PrivatEigenthum bleibt und der Gewinn
mir zu gute kommt. Ich wollte Dir erstlich mehreres
von dem was weiter bestimmt wurde wörtlich hinzu[-]
fügen als um es unsern theilnehmenden Freunden na-
mentlich auch dem He. Blumberg in der Geschäftsspra-
che selbst mitzutheilen, weil es vielleicht durch das
weniger Formale und abgerissene der brieflichen
Mittheilung an Gewicht und Eindruck verliehrt doch
fand ich daß es zu umständlich wäre, und ich hebe
nur Einiges [her]aus: - Um dem Zutrauen der Eltern /
[1R]
eine feste Stütze einen Felsen im Wogen und Fluten der
Meinungen auf dem Lebensmeere zu geben, so hat das
Consistorium - (aus wackern eingehenden Männern bestehend)
die Oberaufsicht und jährlich wird eine öffentliche Prüfung
in Gegenwart wenigstens eines der Consistorial-
Glieder gehalten. Dieser Punkt soll uns großen
Seegen bringen soll uns das Zutrauen der Eltern sichern
und soll das leidige Gewäsch niederschlagen. u.s.w.
- Das Erziehungsgeld ist auf Rthlr. 100 Pr. Cur. bestimmt -
in halbjähriger Vorausbezahlung, Eintritt Ostern und Mich:
- Sobald als es mir beliebt (so ist der Ausdruck) so ist
es mir vergönnt eine Anzeige von der Anstalt im
Publikum zu verbreiten, ich darf darum so wohl
über mein Verhältniß zum Staate als auch des Herzogs
förderliche Zusicherungen und Unterstützungen sprechen, und da-
mit die Anzeige eine besondere legalität erhalte
schicke ich solche zur Confirmation vorher ein. Wei-
ter heißt es: Die nothwendigen Reparaturen und Ein-
richtungen des Schlosses zu Helba, besonders auch die Räu-
mung der dortigen Pächterswohnung beginnen unge-
säumt und werden nach Möglichkeit zur baldigen
Fertigung gefördert. Die übrigen ökonomischen und
pecuniären Zusicherungen sind Dir bekannt und sind
von neuem bestätigt worden.
Über das scientivische der Anstalt ist hat am 12en
März in einer außerordentlichen Consistorial Session eine
ausführliche Beredung zwischen dieser Behörde und /
[2]
und mir statt gefunden von 9½ Uhr Vormittags bis 12½ Uhr
Mittags. Gegen das scientivische wurde jedoch nicht das
mindeste eingewandt sondern es vielmehr in seiner ganzen
Begründetheit anerkannt pp. Die näheren Bestimmungen betrafen
das Ökonomische und besonders das Verhältniß zu den an-
dern Schulanstalten besonders zu dem Seminarium, worin
bestimmt wurde wie die Anstalt besonders als eine Vorbildungs
Anstalt für das Seminarium wirken solle, auch wie viel
dem Herzoge oder Staate vergönnt sey Zöglinge nur um die
Erstattung des Kostgeldes in die Anstalt zu geben - immer
den siebenden. Über alles dieß wird ein ausführliches
Protocoll ausgefertigt was mir noch besonders zur
Anerkennung vorgelegt werden wird.
Außer den obengenannten drey Männern: von Uttenhoven
Mosengeil, Emerich war auch der Consistioralrath
und Generalschulinspector des gesammten Meiningschen Schul-
wesens He. Dr. Nonne in der Session. Die Männer haben
sich alle ganz vortrefflich benommen, ich kann es Dir gar
nicht genug sagen wie sorglich eingehend, indem wieder-
kehrend ausgesprochen wurde daß man diese Anstalt
zugleich als eine Anstalt des Staates und keinesweges
als eine ephemere Erscheinung betrachte bey welcher es dem
Staate gleichgültig sey, ob und wie [sie] bestehe oder nicht.

Ich theile Dir dieß alles deshalb so ausführlich mit damit
Du nach Umständen bey den theilnehmenden Freunden
[davon] so besonders auch vom [zu]letzt angeführten bey Herr[n] Blumberg
Gebrauch machen kannst. Mich dünkt es, das Zusammen- /
[2R]
mentreffen der Umstände ist auf das allerhöchste günstig
daß die Verhältnisse und Umstände die größte Sorg-
falt und Pflege verdienen, hebe dies besonders in Deinen
Mittheilungen so wohl bey der lieben Mutter und klarsichtigen
Tante als auch bey dem freundschaftlichen Blumberg her-
aus. Das Ganze erscheint mir wie ein höheres edleres
Familienverhältniß wie ein Familienverhältniß im
großen Styl. Der Ober C. R. Mosengeil weißt Du
war der Erzieher des Herzogs und scheint jetzt dessen
inniger Freund zu seyn. Der Herzog lebt in seiner Familie
ein Familienleben. Er ist Autokrat in seiner Regierung
thut aber nie etwas auch das was ihm sehr lieb ist
ohne Berathung mit seinem Ministerium und den betreffen-
den Behörden. Er persönlich ist ein Mann von solcher
Liebenswürdigkeit wie ich noch keinen gefunden haben [sc.: habe],
ruhig ohne vorherrschende Leidenschaft, klar ohne be
erregende Triebe, ruhig und fest wie ein Mann und
doch klar wie ein Stern oder ein Thautropfe[n] und auch so
in sich wohl, wie beyde, von Lebenshauchen leicht be-
weglich. Ich habe dießmal die wirkliche Freude
gehabt ihn wieder zweymal zu sprechen einmal
2 Stunden von 6-8 Uhr Abends, dann über 1 Stunde
von, vor 7 bis nach 8 Uhr Abends, das zweyte mal
war er vor allem mild und durchsichtig und doch
kräftig männlich kräftig. Dieß zweyte mal führte er
mich aus dem Vorzimmer, worinnen die 3 vorigen
Unterredungen bisher immer Statt gefunden hatten, in sein
 /
[3]
Familienzimmer, hier forderte er mich auf meinen Hut abzu[-]
legen. Dießmal sahe ich bey jeder Unterredung seine Ge-
mahlin die Herzogin auf einen Blick das letztere mal mit
dem kleinen Erbprinz Georg. Länger und genauer sahe ich
die Herzogin in der Reitbahn wo Kunstreiter waren. Nach
der Beschreibung welche ich meiner Frau davon zu machen
im Stande war, so hat sie Ähnlichkeit mit ihrer Mutter
nämlich der jüngsten und früher besonders von den Berlinern
geliebten Schwester des jetzigen Königs. Sie scheint aufs
höchste einfach und gut wie die Mutter zu seyn.- Sie ist
nämlich eine Tochter der Churfürstin von Hessencassel.
Ich schreibe Dir diese Personalien um der lieben Mutter
und freundlichen Tante willen. Sag ihnen, es schien als ob
ich immer von neuem mit Berlin in Beziehung kommen solle usw.
Während der letzteren Unterredung erwähnte der Herzog
sogar seines Sohnes und fragte mich: was ich davon hielt
ob es besser sey ihn allein oder in Gemeinsamheit er-
ziehen zu lassen; ich sprach natürlich für das letztere,
ja sagte er, gleichsam wie zu sich selbst: "ich bin willens
ihn einmal in eine Erziehungsanstalt zu thun, doch in der
Nähe." Natürlich ließ ich diese Worte verhallen ohne sie
durch ein vielleicht dissonirendes Wort zu unterbrechen.
(:Dieß erwähne ich besonders auch um Blumbergs willen:)
Nun dachte ich wäre es für dießmal von Meiningen genug
nur daß schreibe ich noch für Dich daß auch der Consistorial
Rath Nonne
uns als ein Mann freundlich und wahrhaft
gewogen scheint, so daß mir selbst seine vielleicht sehr /
[3R]
strenge Critik lieb seyn wird.- Wohin wende ich mich nun zuerst?-
Nach <Westphalen / Westpfahlen>! Auch dorthin wird einst und ich hoffe bald
die Sonne des Friedens scheinen. Sind doch schon so Manche
mit mir und uns und Keilhau ausgesöhnt worden,
warum sollten es denn nicht auch, wenn wir nur die Zeit
zur gehörigen Geduld haben, nicht auch die <Westphalen / Westpfahlen>
werden?- Middendorff wenigstens giebt sich viele
Mühe dort die Wolken und die Gewitter des Mißtrauens
zu verscheuchen. Seit Weihnachten glaube ich schreibt
er an Briefen dahin, morgen so höre ich soll das
Brief Packet geschlossen werden: weitläuftig oder
vielmehr ausführlich hat er so sagte er mir an Stade
geschrieben, sehr ausführlich an Fluhme, ich glaube
auch an Glieder Deines Hauses, und dann einen ausführlichen
Brief an die in Brechten gemeinsam. Wie er mir sagte
so hat er aufgefordert ihn noch vor Ostern wieder zu ant-
worten. Mit meinem letztern Brief an Dich ging es
nun sonderbar; Deinen Brief bekam ich etwas später
als gewöhnlich nemlich erst Sonntags, und den meinen
sannte ich früher als gewöhnlich nemlich schon Sonnabends
ab, so traf es sich daß mein Brief schon abgegangen
war ehe ich Deinen empfing, sonst hätte ich wohl meine
Anfrage durch eine Nachschrift selbst vernichtet; auch
wollte ich Dir so wegen meinem und unserem Bedürfniß
für das nächste Frühjahr gleich nach meiner Rückkehr
von Meiningen schreiben doch konnte ich keine Zeit
dazu finden, nehmen wollte ich mir auch keine, so ist /
[4]
mir denn Dein Brief eine treffliche Veranlassung dazu.
Nun also nach Berlin. Grüße immer den alten Blumberg
herzlich u freundschaftlich von mir und sage ihm, daß ich es
bleibend dankbar erkannte und erkennen würde, daß
[ich] es seiner Freundschaft u seinem Zutrauen und seiner Bemühung
danke daß es mir möglich geworden sey die Entwicklung
meiner Verhältnisse abzuwarten, daß ich aber auch nun
gefunden habe was ich so lange bedurft aber auch ersehnt
habe, einen jungen thatkräftig eingehenden Regenten
der um, und einsichtig und auch Selbstregent genug sey
um seinen Willen und sein Wollen zur That zu erheben,
und welcher noch überdieß von Ministern und Behörden so ge-
achtet und geliebt würde daß er in seinen Bestrebungen unter-
stützt würde. Einen Fürsten welcher so wohl als Mensch
wie als Regent so wohl in seinem Lande als in ganz
Deutschland alles mit Einer Stimme für sich habe. Sprich in
einem günstigen Augenblick ganz offen und unum
wunden mit Herrn Blumberg, daß ich jetzt nur
die Sorge und den Wunsch habe, daß ich nicht sogleich
als ein Geldigel beym Herzog erscheinen und doch
vor meinem Abgang von hier so viel als nur immer
möglich alles berichtigen möchte, daß aber auch die Gegend
hier so Geldarm und ganz vor allem so wenig Zutrauen
zur Menschenkraft und so wenig Achtung und Aner[-]
kennung des Unternehmenden strebenden Geistes sey
daß ich mich hier nicht getraue zu diesem Zwecke
500 - geschweige 1000 Rth. zu erhalten. Sage /
[4R]
daß ich die Überzeugung habe er könne mir eine dieser beyden
Summen und nicht weniger die letztere als die erstere ver-
schaffen wenn er nur wolle. Wenn er sagt daß mir
mein Unternehmen schon eine so große Summe koste und
daß er selbst mir dazu schon so viel verschafft und dar[-]
geliehen habe, so stelle ihm vor daß es auch ein sehr
Großes sey was ich errungen habe, daß ein solcher
Zug schon einige Tausende werth [sei,] indem ich nun alles in
einer Person bekommen habe was das Gelingen meiner
Unternehmung fordere: eine Vermittlung zwischen mir
und den Eltern und eine Bürgschaft für diese, einen Mann
einen Fürsten mit dem vollsten Vertrauen zu meinem
Handeln u Wirken, denn mehrmal[s] sey mir das untadel-
lose ja (ich wähle die mindest bezeichnende[n] Worte weil
ich doch die mir ausgesprochenen nicht selbst wieder
gebrauchen mag) treffliche meines Unternehmens, bey
sonst der strengsten Critik
, ausgesprochen worden,
mit dem Beysatz, daß nur ich es ausführen könne.
Ich möchte lieber dieß nicht auszusprechen genöthigt seyn,
aber wahr ist doch auch wahr, und ich muß in jeden Kampf
treten um alles zu erringen was das Gelingen und Bestehen
des Werkes fordert. Sage Herrn Blumberg wenn er
noch so viel mir vertrauen wolle, er könne sich fel-
senfest auf mich verlassen, dieß sey die letzte
Saat und nun beginne die Erndte. Rede mit Herrn
Blumberg offen aber mit Schonung meiner guten
theuren Mutter und lieben Tante. Diese würdigen /
[5]
alten Frauen mögte ich nicht gern einen trüben Tag
geschweige eine trübe Stunde durch eine neue Bürgschaft
machen. Sage Herrn Blumberg wenn er mir das Geld
geben und verschaffen könne und wolle, so solle er mir,
mir und uns allein mit dieser Summe vertrauen, er
solle für diese Summe nicht noch eine Bürgschaft meiner
guten Mutter fordern. Bis zum Monat May hätte
ich gern 500 Rth. gehabt und bis dahin würde sich
auch schon durch das freudige Hervorwachsen des Ganzen
nach manchen Seiten hin sein neues, oder vielmehr,
altes bleibendes Zutrauen rechtfertigen, wie sich
der Name Blumberg auch an das neue Unternehmen
knüpfen werde wie er bleibend und unvergänglich
mit dem alten verbunden sey. Warum soll man
einem Manne nicht auch das Recht und die Kronen ge-
ben die er verdient, wahr ist es Blumberg war
ein Werkzeug in Gottes Hand durch das Er mein
Werk und Unternehmen hielt und förderte. Ein
Werkzeug in Gottes Hand zur Förderung des Guten ist
immer und bleibend etwas großes ist doch Luthers
schönster Beynahme ein Rüstzeug Gottes. "Jedem
das Seine." Wirke auch Du mit Offenheit und mit Ver-
trauen auf Gott wie ich dieß niedergeschrieben habe;
Gott der bisher so viel für das Werk that da es oft noch
so schwach war wird es nun da es in jugendlicher
Kraft aufzublühen und dazu stehen beginnt gewiß
nicht sinken lassen. Mich dünkt drücken könnte Dich /
[5R]
diese Anforderung nicht, thäte sie es so thut es mir sehr
leid, es war nicht meine Absicht, dann lege ihn
zur Seite und gieb mir aber Nachricht davon. Ich
hätte vielleicht selbst an Blumberg geschrieben, ich
bin aber jetzt mit einer Darstellung nach Meiningen
- einer Darlegung meines ganzen Erziehungs Planes
in seinem ganzen Umfange - so sehr beschäftigt daß
ich nicht so gedrängt an Blumberg über die Sache sprechen
kann wie ich dann wohl möchte Dir aber konnte ich
es sagen wie es in mir liegt, auch wollte ich keine
Zeit dazu verliehren indem Dein Brief mir so gute
Veranlassung dazu gab und Blumbergs Äußerung
Dir dagegen wieder einen Anknüpfungspunkt bey
ihm selbst giebt. Daß ich Dir wegen <Westphalen / Westpfahlen>
einen unangenehmen Augenblick gemacht habe thut
mir leid. Verzeihe es. Du weißt daß ich immer gern
ergreife was sich mir darzubiethen scheint und Blum-
berg
lag mir dort noch etwas ferner, doch ist er in mehr
als einer Hinsicht der entsprechendste Punkt.
So unangenehm Dir nun auch war was Du mir wegen
dem Stehen der jungen Studirenden schreiben mußtest, so
ist es doch für mich belehrend und ich weiß nun doch in
gar mancher Beziehung woran ich bin und was ich zu
hoffen habe. Die Erwähnung eines jungen Luthers aus
Naumburg erfüllt mich mit Zutrauen sieh doch ob Du
etwas mehr hörst. Buchholz ist wohl strebend todt.
Der junge Maler heißt nicht Runge, sondern Putzke. /
[6]
Bauern grüße von mir wenn ihm anders mein Gruß
lieb ist und sage ihm doch er möchte mich und uns doch
einmal gehörig abkanzeln, es wäre mir jetzt lieb
denn der Mensch könne nie besonders der Heraustre-
tende und handelnde genug auf sich aufmerksam ge-
macht werden. Will er es nicht selbst niederschreiben
so laß es ihn doch dictiren und schreibe Du es nieder, Ihr
macht Euch dann ja beyde um mich und uns verdient.
Auch den Georg grüße wie den Ernst und sage ihnen, es
sey keinesweges böser Wille daß ich nicht schreibe allein
ich habe gar keine Zeit, ich wisse jetzt nicht wie ich fer-
tig werden wolle. Sage dem Georg daß ich geglaubt
hätte er würde sich einige Zeit bey uns hier ausleben
was ich für ihn auch recht gut gehalten hätte. Mich
dünkt er müsse nothwendig ehe er in einen Prediger
Beruf träte vorher einige Zeit frey sich selbst auf dem
Lande am besten unter Jugend leben.
Du fragst wann es gut ist sey w daß Du hier wärst.
Freund! heut lieber und besser als morgen, denn
ich bin so beschäftigt daß ich mich nicht regen kann
und Niemand ist da der mir meine Stunden ab-
nehme. Ich soll jetzt die Anzeige für die neue
Anstalt schreiben und weiß nicht wo ich Zeit dazu
gewinnen soll.
Doch Du fragst ferner wenn es durchaus
nothwendig
sey daß Du bey uns seyn müßtest.
Diese Frage kann ich Dir nun nicht so bestimmt jetzt /
[6R]
in diesem Augenblick beantworten, wie ich die Sachen
jetzt schaue: in den ersten Tagen des Monats May.
Wäre es für Deine Studien unumgänglich nöthig daß
[Du] noch länger in B. bliebst müßtest Du mir bald
schreiben. Zunächst wünsche ich jedoch nicht daß
Du von B. abgehest ehe Du nochmals einen Brief
von mir erhalten hast, denn ich möchte Dir gern
noch vorher die Anzeige der neuen Erziehungsan-
stalt zur Verbreitung schicken. Vielleicht hast Du
Gelegenheit sie mehr im Norden von Deutschland z.B.
Mecklenburg zu verbreiten. Aber immer würde es
mir lieb seyn wenn Du Dich so einrichtest daß Du Anfangs
Monat May von B. abreisen könntest.
Jetzt weiß ich weiter nichts von Bedeutung was Dir
zu schreiben nöthig wäre. Gott sey Dank wir sind
alle ganz gesund; vor allem freut sich Allwina ihres
Lebens. Die Knaben sind fröhlich und zählen die Wochen
bis Du kommst. Unser Herr Carl ist noch im
Kampfe ob er nach der Sicherung des äußeren oder des
inneren strebenden Lebens greifen soll, auf jener Seite
stehen seine Verwandten, in sich selbst scheint er schwach
ich fürchte daß er noch im Kampfe unterliegt so
stark er noch erst ganz kürzlich schien doch neue An-
regungen, vor allem nach Brod d.h. Staatsversorgung
zu greifen scheinen ihn schwankend gemacht zu haben
er ist heute nach Hause gereist und nach seiner Rück-
kunft muß es entschieden seyn. Alles jung und alt, groß
und klein grüßt Dich mit Liebe u Treue, vor allem
Dein FriedrichWAFröbel.

[Nachschrift an den Rändern von 6R/6V/5R:]
Im Hause der lieben Mutter sage daß besonders meine l. Frau ganz wohl sey, und daß wir in kindlicher Liebe grüßen. /
[6V]
Sage nur He. Blumberg, daß ich mit dem Herzog ganz aufrichtig gesprochen habe so wohl über meine gegenwärtige
als vergangene Lage, und daß ich ihm besonders in letzter Beziehung mehrmals ausgesprochen habe, wie mich eigentlich /
[5R]
nur das privat Zutrauen und namentlich eines Mannes (ich meinte Blb.) einmal einzig gehalten habe, der mich
auf eine leise Anregung einmal mit Tausenden unterstützt habe pp. Sag Bl: wenn ich nur noch das erste ¼ Jahr überstanden hätte
er könne sich das thätige Eingehen des Herzogs kaum denken
nur müsse er doch auch erst etwas sehen u. man dürfe nicht gleich alles wollen.