Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an den Vetter Hoffmann in Königsee v. 23.3.1829 (Keilhau)


F. an den Vetter Hoffmann in Königsee v. 23.3.1829 (Keilhau)
(KN 24,12, Brieforiginal 1 B 4° 3 S.)

[Eingangsnotiz von der Hand des Empfängers:] <z.H.> den 23. März 1829.
Keilhau am 23sten März 1829.


Mein lieber Vetter.

In Rückbeziehung auf meinen Brief welchen hoffentlich Herrn
Carl
bey seiner Durchreise am Sonnabend abgegeben hat
erlaube ich mir meinen Zögling Johann Schmidt zu senden
um das oder einen Theil dessen was Deine Güte mir als Darlehen
auf einige Zeit anvertraut in Empfang zu nehmen und mir zu
überbringen.
Da auch meine letzteren Anwesenheiten bey Euch mir die freu-
dige Gewißheit gegeben hat wie Ihr stetig theilnehmend die
frische und gesunde Entwicklung meines Lebens theilt, so sage ich Dir
gern, daß ich auch gestern durch meinen alten treuen Barop jetzt
in Berlin, sehr freudige Nachrichten von daher erhalten habe, was
mir nun alles, mit Gott! eine gesunde, frisch und frohe Entwicklung
meines neuen Lebens in dem kommenden Frühling und kommenden
Jahre hoffen läßt.
Auch habe ich gestern von meinem alten Schwager, dem Herrn
Pfarrer Müller in Döllstädt nach einer andern Seite hin gute
Nachricht erhalten; er hat beym Herzogl. Ober-Consist[.] in Gotha
und vom Herzoge die Erfüllung seines Wunsches: die Substitution
seines Sohnes Ernst, bisher Hauslehrer im von Tritschlerschen
Hause in Gotha, - erhalten; schon ist alles zum Examen und Probe /
[1R]
angeordnet. Zwar kann Ernst als noch zu jung und weil die
Pfarrey als eine mäßig gute geachtet wird die Spem succe-
dendi
nicht sogleich mit erhalten, doch wenn der alte Vater
noch einge Jahre leben würde, sagte man ihm, dann würde
es sich wohl auch machen lassen daß er dessen Nachfolger würde.
Der alte liebe Herr Schwager freut sich sehr darüber daß er
nun Hoffnung hat seine noch übrigen Lebenstage in Ruhe und
Zufriedenheit beschließen zu können, besonders da sein Sohn
wie er sich wörtlich darüber ausspricht, ihm eine Schwieger[-]
tochter von sanften Charakter ins Haus bringen wird;
nemlich die Tochter des in Ruhe gesetzten Waimar'schen Schuldi-
rectors Rath Lenz, welcher jetzt seine Pension (Rth. 800) in Schne-
pfenthal in Ruhe verzehrt. Die Frau dieses Rath Lenz
und so die künftige Schwiegermutter von Ernst Müller
ist eine Tochter des alten Salzmanns und so eine Schwester des jetzigen Director
Salzmanns in Schnepfenthal.
Weil ich weiß das kein Begegniß unserer Familie Euch
fern steht so erlaubte ich mir dieß so weitläufig zu er-
wähnen. Auch mit Heinrich Müller, jetzt TischlerMeister
in Gotha, geht es, so wohl nach seinem eigenen als des Vater[s]
Briefe gut. Er hat eine brave Hausfrau - eine weitläufige
Verwandte von ihm die Tochter einer Pfarrwittwe Müller
- gefunden, hat so viel Arbeit daß er zwey Gesellen halten /
[2]
kann. Er schreibt mir wörtlich: Ich u meine Frau befinden
uns Gottlob recht wohl, ich lebe glücklich und zufrieden
mit ihr, nicht, glücklich durch Vermögen, sondern glücklich
durch ihre Liebe und ihr gutes Herz welches ich höher
schätze als alle Reichthümer.- Er war so glücklich einen
sehr schönen Sekretär den er für 120 rth ausspielen
ließ - sein Meisterstück nemlich - wieder zu gewinnen
und zwar nur für Rth 63 zu verkaufen, aber doch
war ihm dieß Geld zum Anfang sehr gefunden.
Ostern will er uns seine Frau zuführen.
Verzeihe mir diese lange Mittheilung. Eure Theilnahme
und die neben mir offen liegenden Briefe veranlaßten
mich dazu.
Deinem lieben trefflichen Weibe, Deinen guten lieben Bruder
und all den Deinen empfehle ich mich, herzlich grüßend
so wie besonders der Fortdauer Deiner Freundschaft
Bleibend
Dein
        Dich liebend hochachtender
             Vetter

        Friedrich Fröbel

[Notiz von der Hand des Empfängers:]
Hierauf habe Hrn Vetter Fröbel
d[urc]h Ueberbringer 30 rth. in Preuß. C[o]u-
rant, den Thaler zu 26 <g> - gesendet.
Hoffmann.