Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Sächsisch-Meiningisches Konsistorium in Hildburghausen v. 12./17.4.1829 (Keilhau)


F. an Sächsisch-Meiningisches Konsistorium in Hildburghausen v. 12./17.4.1829 (Keilhau)
(Das Brieforiginal ist archivalisch nicht nachweisbar. Im BN befinden sich zwei Entwürfe. Der erste Entwurf BN 726, 8-31 umfaßt 12 B fol 47 S., der zweite BN 726, 32-36 2 B und 1 Bl fol 10 S. In KN 24,15 befindet sich eine 11 S. umfassende Rekonstruktion des Textes nach den beiden Entwürfen durch O. Wächter. Wächter spricht vom “Original 12 S. fol mit 2 Entwürfen”; Archivort des Originals nicht zu ermitteln. Hier werden zunächst unter a) und b) die beiden Entwürfe und dann unter c) die Rekonstruktion wiedergegeben. Beide Entwürfe enthalten Abschnitte mit jeweils zunächst geringfügigen Streichungen und weiterer genereller Streichung. Diese beiden Dimensionen gestrichener Textteile werden durch Doppelstreichung wiedergegeben. Unter d) wird der gedruckte Text der „Anzeige“ zur Eröffnung der Volkserziehungsanstalt Helba nach dem Druckoriginal im BN 204, Bl 8, 2 S. wiedergegeben. F. beendet seinen Brief an das Konsistorium mit dem Text dieser „Anzeige“.)

a) Erster Entwurf

[1. Bogen]
          Keilhau den 12.April 1829.

An das Herzoglich S. Meining[isch-] Hild-
burghausische Consistorium in Hildburghausen


      Hochwürdiges,
Hochpreisliches Consistorium!

[links durchgestrichene Notizen*-*]
[*] <->
Fr. v. Arnim Kleider
Handwerkzeug.
Landstände 100 Belege für d.
Finanzier <Werthheimer>
die Worte machens nicht
Leben, Wirken
mich leiten nicht einseitige egoistische Ansichten
Ausbau des Schlafsaals
ökonomische Lage
[*]
Schwerlich würde ich mir, in diesem
da nicht alle Papiere, oder in dieser Verknüpfung,
alle Arten
die letzten Verhandlungen noch nicht
ganz abgeschlossen vor mir liegen, -
indem mir leider bey der letzten (Sendung)
Übermachung meiner amtlich geprüften
Anzeige das Resultat dieser Prüfung, der
abgeänderte Entwurf zu einer Anzeige
der größte Theil dieser Prüfung und gerad der letzte
und wichtigste, oder vielmehr der ganze
durch irgend einen Zufall nicht mit zu gekommen ist, da er sich wohl
irgendwo bey Absendung unter andere
Papiere verschoben haben mag
in diesem
Augenblick erlaubt haben, mich schriftl.
an ein Hohes Consistorium zu wenden,
wenn ich nicht bey für alle von nun an ferneren Verhandlungen
von nun an mit Bestimmtheit darauf
hingewiesen worden wäre. Doch da nun
dadurch die (Lage der Dinge) Umstände so sind
wie sie sind
die Lage der Dinge diese bestimmte ist, so finde ich darin einen Wink
das Ganze einem hochpreisl. Consistorio
in dem Zusammenhang vorzulegen, wie es
sich mir bis jetzt entwickelt
, wie es sich
mir seinem Geiste, Zweck u Mitteln nach nicht
nur klar bestätigt, sondern auch weiter
fort entwickelt hat.
Ich beginne, um für die folgenden Mitthei-
lungen eine feste Grundlage zu gewinnen,
mit der Mittheilung (Anzeige) der Fortent-
wicklung Resultate, wie sie durch sich selbst
aus der Fortbildung des Ganzen her-
vorgegangen sind
mit Darlegung der Resultate, wie sie
aus der Fortentwicklung zu einem klaren
Ganzen hervorgegangen sind.
1, Ich erkläre, daß ich das Fortbestehen der allg.
d. Erziehungsanstalt sowohl dem Orte
als der Form/Namen nach Eintritt der Volkser-
ziehungsanstalt nicht festhalten
/
[8R]
sondern vorjetzt auch dem Namen nach
in den Hintergrund treten lassen werde.
Erstlich erkläre ich, daß ich mit den
sämmtlich erziehenden Gliedern meines
Kreises
ohne (wie solche einem hochpreisl.
Consistorio hinlängl. bekannt sind) mit
Einschluß derer, welche ich in der Con-
sistorialberedung vom 12. März
als namentl. anzuzeigen für noth-
wendig hielt, die Volkserziehungsan-
stalt in Helba nach den von mir bis
u mit dem heutigen Dato, in dem einem
Herzogl. Hochpreisl. vorliegenden Acten
bis in das Einzelne hin ausgeführten
in den Acten vorliegenden Plane, wenn
anders diese Anstalt noch zur Aus-
führung kommen kann u wird,
in einer ungetheilten Einheit u
an Ort u Stelle ins Daseyn treten
kann u wird, in ungetheilter Einheit
würken werden.
[links oben neben dem durchgestrichenen Text]
Erstlich erkläre ich, daß ich, durch
die Fortentwicklung des Ganzen
bestimmt, nun den Entschluß ge-
faßt habe, anstatt nur mit denen,
welche ich in der Consistorialberedung
vom 12. März als anzuzeigen für
nothwendig hielt, nun mit den
sämmtlichen Gliedern meines erziehen-
den Kreises für die Ausführung der
Volkserziehungsanstalt in Helba
nach dem von mir bis u mit dem
heutigen vorgelegten Plane an
Ort und Stelle in einer ungetheilten
Einheit zu wirken, wenn anders diese
Anstalt nach den obwaltenden u
divergirenden Umständen noch zur
Ausführung kommen kann u wird.
Daß darum /
zweitens zu der Volkserziehungsan-
stalt als solcher, die mehrseitig u
noch in den letzten Mittheilungen darüber
von einem verehrlichen Mitglied eines
Hohen Consistorii schriftl gewünschte Vervoll-
ständigung
, Erweiterung, Ausdehnung hinzukomme, daß auch denen
Eltern, welche für den in Frage stehenden
Umfang der Ausbildung ihrer Söhne
auch einige Kunde der alten u fremden
Sprachen wünschen, jedoch bey gänzlichem
Ausschluß einer classischen u eigentlichen
Gelehrtenbildung, daß solchen Eltern
,
- in wieweit sich auch damit das so
sehr niedrig gestellte Erziehungsgeld /
[9]
u nochmals ausgesprochen der Umfang
der zwar höhern aber doch immer
nur Bürger- u Landmannsbildung
sich verträgt, gewillfahrt werden
kann, ohne jedoch einen stehenden u aus-
drückl. zum Kreise <--> zu dem Bereiche
dieser Volkserziehungsanstalt
beigeordnete gehörigen Unterrichtsgegenstand
auszumachen, wiewohl nur unter der Bedingung,
daß solcher Unterricht von den Eltern welche ihn
wünschen noch besonders vergütigt oder
bezahlt werde.
Ich erkläre
drittens, daß deßhalb somit das
Fortbestehen der allg. d. Erziehungs-
anstalt, so wohl dem Ort als der
Form nach, nach Eintritt der Volks-
erziehungsanstalt in Helba nicht ferner festgehalten
sondern vorjetzt auch dem Namen
nach in den Hintergrund treten wird.
Weiter erkläre ich
viertens, daß ebenso deßhalb eben-
sowenig
, wenn man darin etwas
Störendes finden sollte, die Pflege-
u Entwicklungsanstalt für 3 bis
6 jährige eltern- und mutterlose
Waysen bemittelter Eltern eben so wenigStände dem
Namen nach als eine besondere
Anstalt ebenso wenig festgehalten zu werden
braucht; obgleich diese Anstalt in einer
gewissen Beziehung schon seit mehreren
Jahren in der jetzigen Anstalt mitbestand u
ihr Daseyn überhaupt so wie es aus dem all-
gemeinen Bedürfniß ebenso hervorgeht
und auch ihre Verknüpfung mit einer größeren
Anstalt zu ihrer eigenen rein menschlichen
Ausbildung dieser wesentl. wirksam u
darum keinesweges störend ist.
[links neben dem durchgestrichenen Text]
Waysen bemittelter Eltern als eine
besondere Anstalt ebenso wenig festge-
halten zu werden braucht, obgleich
diese Anstalt in einer gewissen Beziehung
schon seit mehreren Jahren in der jetzigen
mitbestand, und so wie ihr Daseyn
überhaupt aus dem allgemeinen Be-
dürfniß hervorgeht, so auch ihre Ver-
knüpfung mit einer Anstalt für er-
wachsenere Knaben zur rein menschlichen
Ausbildung dieser wesentlich wirksam
u darum keineswegs störend ist. /
[9R]
Endlich
viertens erkläre ich, daß ich (deßhalb) darum alle
unsere erziehenden Kräfte u Mittel
zur möglichst vollkommenen Ausführung des
mehrseitig dargelegten Plans der
Volkserziehungsanstalt, als wie ich
mich schon mehrmals bestimmt darüber
aussprach dem Herzpunkt unser erzie-
henden Wirkens einigen werden.
[links neben dem durchgestrichenen Text]
So nach werden sich also alle unsere
erziehenden Kräfte u Mittel zur
möglichst vollkommenen Ausführung
des dargelegten Plans der Volkser-
ziehungsanstalt, als ich es schon
mehrmals bestimmt darüber aussprach, als
in dem Herzpunkt unsers erziehenden
Wirkens einigen werden.
Ich erkläre jedoch dieses
1, keinesweges jetzt willkürlich, oder
nachträgl. als eine Erklärung, die etwas das
mir vielleicht etwa schon früher mögl. gewesen
wäre, sondern als eine Erklärung, die solches was
mir erst durch die jüngsten Fortent-
wicklungen meines Verhältnisses mögl.
wurde, darum auch nicht als einen
Entschluß, der erst durch die letzten Mittheilungen
von verehrlichen Gliedern eines hohen Collegii
herbeygeführt, sond. als einen Entschluß
welcher schon vor Eingang der Papiere
auszusprechen bestimmt [be]schlossen war.
2, erkläre ich Verwahre ich mich, wie auch
aus den nächst folgenden Mittheilungen
unmittelbar hervorgehen wird, daß
ich durch die obige 3fache Erklärung
keinesweges eine äußerl. Entscheidung
die Ausführung der Volkserziehungsan-
stalt in Helba betreiben
oder etwa Stattfindende höhere Staatsforde-
rungen ins Leben rufen will, sondern
daß ich diese Fortentwicklung
nur deßhalb aussprach, weil ich sie bey
fortgehender strengster Prüfung dem
jetzigen Gesammtzustand aller Lebens-
verhältnisse so auf das höchste (völlig) dies Ergebniß <weiterer Entwicklung>
angemessen finde, so daß ich selbst.
weil nach den bis jetzt noch obwal-
tenden u mir vorliegenden Umständen
die Ausführung der Volkserziehungsanstalt
in Helba nicht wohl abzusehen ist,
/
[10]
[2. Bogen]
daß ich mit den mit nächstem Mona
eintretenden neuen halben Jahr
(meiner hiesigen Erziehungsanstalt)
dem
einem herzogl. ho Seren. unter-
thänig vorgelegten u einem hochpreisl.
Consist. bekannten) Plan einer Volkser-
ziehungsanstalt (wegen seiner bey
fortgehender strengster Prüfung
seinem Wesen u den Lebensforderungen
nach sich immer mehr zeigenden, (wie in seiner)
Gründlichkeit (Erfassendheit) (wie
in seinem Umfang) u seinem völligen
Genügen aller innern u äußern
Lebensforderungen) hier in Keilhau,
so weit es mir meine Gesammtlage
erlaubt, (auf das pünktlichste aus-
führen werde) auszuführen beginnen
werde, und dieß (um so mehr, als ich
wie ich wiederkehrend aussprechen muß)
nicht einsehe, wie durch die jetzt von mir gegebenen herausgehobenen
Erklärungen der Beginn d Volkserziehungs-
anstalt in Helba äußerl. gefördert
werden kann, da man ja schon jetzt wünschte,
daß der schon an u für sich geringe
Betrag der Baukosten, auf den Fall
daß gleichsam nur 2/3 der hiesigen An-
stalt mit nach Helba gegangen wären,
für den Augenblick noch
verringert werden möchte,
was um so weniger d. Fdall seyn möchte als der
Eintritt des gesammten Personals
noch manchen kleinen Bau
zB das
Einziehen einer Wand
schon gleich
anfangs nöthig machen würde.
[links oben daneben]
2.
daß ich mit den im nächsten Monat
eintretenden neuen halben Jahr den
Plan dieser Volkserziehungsanstalt,
hier in Keilhau, so weit es mir meine
Gesammtlage nur erlauben wird,
auszuführen beginnen werde; und
daß, weil nach den bisjetzt vor mir
liegenden (obwaltenden) Umständen die Zeit
der Ausführung der Volkserziehungsan-
stalt in Helba bis jetzt nicht wohl zu bestimmen ist,
und ich nicht sehe, wie durch die jetzt von
mir gegebene Erklärung der Beginn
jener Volkserziehungsanstalt äußerlich
gefördert werden kann, da man ja
schon wünschte, daß der an und
für sich geringe Betrag der Baukosten
auf den Fall, daß kaum 2/3 der
Anstalt
hiesigen Anstalt mit nach Helba gegan-
gen wären, für den Augenblick noch
verringert werden möchte, was
nun um so weniger der Fall seyn könnte
als der Eintritt des gesammten Personals
noch manchen kleinen Bau schon
gleich anfangs dazu nöthig machen
würde.
/
[10R]
Überhaupt würde es nun bey dieser Dann würde Weil nun aber überhaupt in dieser Rücksicht, bey der
nun veränderten Lage der Dinge, wenn
anders überhaupt nach unter den (äu-
ßerlich obwaltenden u hierzu festgestellten
)
unter <weiter im Verfolg dieser
Mittheilung> den im Verfolg dieser Mitheilung weiter darzulegenden
Umständen von d Ausführung d Volkserzie-
hung in Helba überhaupt oder wenigstens in diesem Jahre noch die Rede seyn kann,
vor
dem beginnenden Ausbau es nöthig
seyn [würde], daß man nochmals die häuslichen
u räuml. Bedürfnisse des nun erweiterten Kreises genau
mit dem vergleiche was das Local schon
an u für sich giebt, damit weder ein
unzweckmäßiger oder gar ein unnöthiger
Bau bey den beschränkten Mitteln ausgeführt
werde. Doch wird es nöthig seyn auf
diesen Punkt Ausgangs dieser Mittheilung
(Vorlegung) zurückzukommen. V.v. Ich kehre gehe
nun zu dem mir bey weitem wichtigeren
Punkte, zu der nochmaligen prüfenden
Beleuchtung des Geistes u Zwecks der Anstalt
u ihres Verhältnisses zu den all-
gemeinen u besonderen Lebensverhältnissen über
zurück.
Möchte es einem Herzogl. Hochpreislichen
Consistorio in diesen Mittheilungen u
den
in vorstehend dargelegten Ergebnissen
der Entwicklung einen Beweis finden für die
Wahrheit meiner höhern Lebensansicht
wie für die in einem vielseitig geprüften Denken
u in den
vielseitigsten Lebenserfahrungen
bestätigte Überzeugung, daß das Wahre
u Rechte sich nothwendig von selbst er-
giebt, wenn man nur jederzeit
treu
und unverrückt
den von dem innersten
Wesen des Ganzen ausbedingten Forderungen
Aus der im Vorstehenden dargelegten Ent-
wicklung, nach welcher nun das geeinte
Personale für den einen Zweck der Aus-
führung der Volkserziehungsanstalt,
wie solches gleich im ersten Anfang der Ver-
handlungen von beyden
nach Helba kommen
würde, ergiebt sich nun, wie das, was gleich
im ersten Anfang der Verhandlungen
von beyden Seiten wirklich beabsichtiget,
aber durch dazwischen tretende beengende
äußere u Einzelansichten zurückgedrängt
wurde, endlich doch als das Wahre rechte sich be-
stätigend ins Leben tritt. In dieser ein-
fachen Thatsache, dünkt mich, spricht
sich ein Beweis aus für die
/
[11]
ruhig und unverrückt nachgeht.
Es ist mir nun zwar (wohl) von einem
verehrlichen Mitglied eines hochpreisl.
Consistorii u ich darf wohl annehmen,
als eine Meinung (Stimme) desselben
ausgesprochen worden: „daß höchstwahrschein-
lich die Unterzeichnung der gar keine Punktation
vom 10. Decbr. nicht zu Stande gekommen
seyn würde, wenn (unter) andern
Umständen die Vereinigung nicht ausdrücklich
die Verlegung der gan-
zen Anstalt nicht namentlich darin nicht ausdrücklich in derselben
ausgesprochen worden wäre, daß
jedoch ein hohes Consistorium für diese
Auslassung nicht verantwortlich sey.“
Ich muß aber der Wahrheit gemäß u
aus hoher Achtung für ein hochpreisl.
Consistorium u zur allseitigen Recht-
fertigung wegen Unterzeichnung jener
Punktation erklären, daß von meiner
Seite dagegen ganz gewiß wed die
Punktation vom 10. Decbr. v. J. bey jener
Forderung ganz gewiß nicht unter-
zeichnet worden wäre, weil es mir
unter den dort obwaltenden Umständen
ein willkürl. gewaltsamer Eingriff
von mir in meine allseitigen Lebens-
verhältnisse gewesen wäre, welcher
nach dem damaligen Stand statt ent-
wickelnd gewiß auflösend für mich
gewirkt haben würde, so wie es mir
jetzt aber bey einem gesunden Fortbestehen
des Ganzen erst seit acht Ta nur wenige
Tage vor Ankunft der letzten Mittheilung
aus Meiningen u Hildburghausen nur mögl. geworden
ist. /
[11R]
In dieser einfachen Thatsache, dünkt mich,
spricht sich ein Beweis aus für die Wahr-
heit meiner höheren Lebensansicht wie
für die in einem vielseitig geprüften
Denken und durch die Lebenserfahrungen
bestätigte Überzeugung, daß das Wah-
re u Rechte [sich] nothwendig von selbst
ergiebt, wenn man nur jederzeit
den von dem innersten Wesen des Ganzen
aus bedingten Forderungen ruhig
und unverrückt nachgeht.
Bey dieser hier nun offen vorliegenden
Thatsache ist es mir nun vor allem
im äußerm Handeln das Wichtigste,
den bey Festhaltung der innern Über-
zeugung innigsten Wahrheit den äußern Lebensforderun-
gen u Lebensentwicklungen ruhig
u unverrückt nachzugehen, fest überzeugt,
daß das an sich Wahre u Beste auch dann
gewiß den Gesammtlebensverhält-
nissen gemäß zur allseitigen Befriedigung
sich entwickeln werde.
Durch diese Überzeugung bin ich nun
genöthigt, die innere Ansicht meiner
erziehenden Bestrebungen (selbst
mit in
den sie bezeichnenden Worten, so wenig
ich sonst darauf den mindesten Werth lege)
festzuhalten, weil, wenn Wahrheit in ihr

ihm ist, so wie, wenn sie auf Irrsätzen
beruhen sollten sich diese dadurch am
schleu-
nigsten
schnellsten u allgemein in die Augen fallend
kund thun würde, denn in jener innern
Ansicht des Menschen, wie der Gesammtheit
seiner Lebensverhältnisse u alles ihn
Umgebenden hat nur mein Wirken seinen
Grund, so wie dessen Ergebnisse u Früchte
nur
(darin (bedingt sind) u) dann hervorgehen.
Mit dem Stehen oder Fallen der Wahr-
heit jener innern Lebensansicht steht
oder fällt mein Wirken, oder schwinden
wenigstens die Früchte desselben, wenn
es auch wirkl. äußerlich bestehen
sollte; im letzteren Falle wäre es denn
nur ein leeres Spiel mit leeren Formen.
/
[12]
[links oben neben Text:] 3. [Bogen] An d. Herz. S. Mein. Hildb. Consistorium
Ich bitte ein hochpreisliches hochwür-
diges Co[n]sistorium u alle diejenigen
welche in dieser Sache eine entschei-
dende Stimme haben, diesen Punkt
ja vor allem festzuhalten, es ist der

Grenz- u Scheidepunkt, die Grenz-
u Scheidelinie
Wendepunkt meiner Ansicht u der,
wie
sich sie sich mir in den amtlichen
Mittheilungen eines hochpreisl. hochwürdigen
Consistorii seit dem 4ten Febr. dies. J.
ausgesprochen hat. Ein hochpr. hochw.
Consistorium hat mir in d. Besprechung
vom 12. März d.J. das hocherhebende
vorleuchtende Beyspiel gegeben, daß
Männer mit Männern offen und
ohne Rückhalt irgend einer versteckten
Gesinnung in Kopf u Herzen (Geist u Gemüth)
reden sollen. Ein hochpr. hochw. Consist.
erlaube mir nun diesem
mir vorleuch-
tenden
ermuthigenden Beyspiele getreu
offen u frey, ohne irgend einen Rückhalt
vor demselben mich aussprechen zu dürfen.
In der oben genannten Zuschrift eines
hochpreisl. Consistorii vom 4ten Febr.
wird, wenn auch der Form desselben
nach nicht so ganz unmittelbar, doch
durch die historische Mittheilung des
Wesentlichsten aus dem Berichte an
Sr. Herzogl. Durchlaucht die in Frage
stehende Erziehungsanstalt in Helba
betreffend ausgesprochen, daß die ge-
dachte Volkserziehungsanstalt
“zwar nützlich aber nicht nothwendig
sey“; diese Erklärung eines hochpreisl. Consist.
ist nun der
Grenz- u der Scheide- u eben obengenannte Wende-
punkt
der Verschiedenheit d Ansicht (d Sache)
des Ganzen welche zwischen mir u einem
hochpreisl. Consistorio u so auch zwischen
der mir früher mit Bestimmtheit höchsten
Ortes ausgesprochenen Ansicht her
Statt findet.
Mit der hohen Bescheidenheit,
welche der Wahrheit
immer gezi /
[12R]
u dem dieselbe vertretenden Manne
(immer geziemt)
(nothwendig ist)
finde ich mich dagegen verpflichtet
zu erklären, daß jene ausgesprochene
Ansicht rein der meinigen
Überzeugung
entgegengesetzt, ja wenn sie sich be-
stätigen sollte, dagegen meine
Überzeugung in ihrer Leerheit gezeigt
wäre. Denn
meine Überzeugung diese
ist ganz bestimmt u uneingeschränkt: daß eine Erziehungs-
anstalt nach den von mir mehrseitig

ausgesprochenen Grundsätzen bezeichneten Geiste (u nach ihren Mitteln
u Zweck dargelegten unter dem Namen
einer Volkserziehungsanstalt dar-
gelegten Erziehungsanstalt
keinesweges nur eine untergeordnet
neben andern
ähnl. Erziehungsan-
stalten
Veranstaltungen für Erziehung u Unterricht, in sich schließenden Nütz-
lichkeit wegen
nur nebensächl. u
beyhergehend geduldete
nebensächlich hinzukommende Anstalt sey,
sondern daß eine solche Anstalt
(oder vielmehr solche Anstalten nach
Maaßgabe des größeren Staates)
die vor allem nothwendig zu errich-
tenden
Anstalten seyen, wodurch alle
andern
auch den andern Veranstaltungen zum Wohle des Staates nach jeder Seite hin, zuerst
wahres Verständniß, Bedeutsamkeit, Wirk-
samkeit im Leben u Anerkenntniß,
überhaupt erst wahre Fruchtbarkeit
gegeben werde.
Diese Ansicht u
Überzeugung ist meine ganze uner-
schütterlich feste, in welcher ich nur
wirken aber auch nur bestehen kann.

Ich bin durch das Ausgesprochene kei- /
[13]
nesweges so verwegen anmaßend, den übri-
gen Anstalten
keine einzige auch die
die einfachste u geringste nicht aus-
geschlossen, ihre Vortrefflichkeit u
Nothwendigkeit u Zweckmäßigkeit auch nur im aller-
leisesten
in Abrede zu seyn absprechen zu wollen. Aber
ich trage die Überzeugung in mir,
daß alle diese Anstalten u Veran-
staltungen um in ihrer segens-
reichen Wirksamkeit zu erscheinen,
eine allgemeine Erkenntniß,
Anerkenntniß u Bildung der moral.
intellectuellen u Thatkraft im
Volke voraussetzen, die jetzt noch
nicht
im Volke ist stattfindet, die darum
vor allem andern, wenn jene
tief durchdachten u wohlerwogenen
Pläne die beabsichtigten segens-
reichen Wirkungen hervorbringen
sollen, zu wecken, zu beleben u zu bilden ist. Ein hochwürdiges Consistorium
erlaube mir in dieser Beziehung
nur
ein Paar einige Andeutungen:
Was helfen dem Christen seine Heil-
Schriften, die Bibel u die ewig wahren
Lebensvorschriften, wenn er sie nicht
zu erkennen u noch bey weitem weniger
auf die augenblickl. Forderungen
seines individ. (eigenen) Lebens anzuwen-
den versteht? Was hilft dem Menschen
die ewige Offenbarung Gottes,
seines Willens u der ewigen
wahren
Lebensgesetze in der ewigen festen tief bedeutsamen
Schrift der Natur, wenn er sie
/
[13R]
nicht zu lesen u auf die persönlichen
augenblicklichen Forderungen seines
Einzellebens
augenblickl. anzuwen-
den versteht? Was helfen dem
Menschen seine freud- u leidvollen,

schmerz- u druck /lust/vollen Alles ge-
benden u alles nehmenden Lebens-
erfahrungen, wenn er diese nicht aus
Offenbarung, Natur u eigenem
Gemüthe
u Geiste zu deuten und
für die
augenblickl. Forderungen
seines persönl. Lebens augenblickl.
anzuwenden versteht? – Und doch
sind dieß alles Gesetze, Vorschriften
u Einrichtungen des allweisen wie
allmächtigen Regierers aller Dinge.
So können darum auch – u dieß zeigt
ja
auch die tägl. Erfahrung – die
weisesten Einrichtungen u menschen-
würdigsten Veranstaltungen in einem
Staate so wenig wirken, weil dem
Volke das Verständniß
u die Kraft u d. Mittel zur Anwendung
derselben auf ihr eigenes Leben mangelt.
Um nur dieß darum, so über Alles Wichtige
Verstehen als Verständniß herbey zu führen, Einrichtungen giebt es nur einen
einzigen Weg, es ist dieß (nicht
der Weg des Wortes sondern
es
ist dieß
uneingeschränkt vor allem
u zuerst der Weg des Thuns u
der That
, zu welchem der Mensch,
damit er die Wortlehre verstehe
/
[14]
[links oben neben dem Text:] 4, [Bogen]
nicht frühe genug hin geführt
werden kann. Es giebt nur den
Weg der völligen Umkehrung jeder Ansicht
der
gewöhnl. besond. so genannt niedern u
überhaupt
der Hauptmasse des Volkes,
ja vielleicht wahrer gesagt, des
weit überwiegend größten Theils der
Menschen, daß die Arbeit, die Ar-
beit durch Hand u Körper für
äuße
Erzeugniß eines äußern Products
namentlich durch Bebauung des
Grund u Bodens u d eigene Hervorbringungen Erzielung
eigener
Lebensbedürfnisse
überwiegend mehr gleichsam Fluch als Segen
sey – in die höhere Ansicht, daß Arbeit,
Arbeit durch Hand u Körper,
namtl.
durch Bearbeitung des Grund u Bodens
u für möglichste Selbsterzielung
u Selbstdarstellung der Lebensbedürfnisse

ausschließend u überwiegend Segen
sey. Nur bey
Herrschend werden Vorherrschung oder beim Herrschen dieser
Ansicht werden die höhern religiösen
und die höhern staatswirthschaftl.
Bemühungen die gewünschten
u Geist
u Gemüth
befriedigenden ihnen, als sie
hervortraten, vorschwebenden
Früchte
bringen, welche dem Gemüthe u Geiste, als
sie bestimmend u gesetzgebend hervortraten, vorschwebten.
Es ist hier, wie es kaum dErklärung
bedarf, freyl. nicht von einer nur mechanischen
Arbeit mit Ausschluß des Denkenden u
Empfindenden im Menschen die Rede,
wie die Dreschmaschine drischt, die
Säemaschine säet u die Webmaschine
webt; nicht von einer Arbeit, die
den Menschen noch unter diese Ma-
schine hinabstellt, weil man meint
diese Maschinen können ja alles
dieses noch bey weitem besser
/
[14R]
leisten als der Mensch selber als solcher;
sondern es ist von einer Arbeit die
Rede, die in der Erde einen von
Gott gegebenen, mit den
manchartig
von Gott in dieselbe gelegten
mannigfachsten Kräften v ihm
begabten Grund u Boden erkennt,
in den Gewächsen u Thieren Geschöpfe,
die uns im kleinen, u Einzelnen u
Lebendigen, wie die Mathematik sichtbar höhere
u allgemeine Lebenswahrheiten
darlegt, von eigener Arbeit, welche dem Menschen
zeigt, daß er durch Gebrauch seiner
Kräfte an Entfaltung
derselben
u an höherer Einsicht in dWesen der-
selben, u er,
der Mensch, so selbst selber so
nicht nur an Selbstachtung
u Selbstwürdigung
sondern auch an Würdigung des
Menschen überhaupt gewinnt.
Dieß ist aber das wahre Fundament
aller Versittlichung, u ist d M[en]sch dahin
gebracht, so werden die vielartigen
Aussatzkrankheiten der herrschenden
Sinnendienste, die ihn als Laster belasten,
wie Aussatzschurf von ihm abfallen.
Denn wie kann ein solcher Mensch u Mann,
u sey er der niedrigste, die ihm von
Gott gegebene edle Zeit im Wirthshaus
u Schänke vergeuden
Denn Er würde
nun fühlen, daß er sich dadurch selbst bestie[h]lt
u entwürdigt. Die weitere Ausführung
liegt so auf planer Hand, daß ich mir
sie
nun nicht erlauben darf, sie weiter vor ein
hochpreisl. Consistorium auszuführen. Nur
eines erlaube ich mir noch hinzuzufügen.
/
[15]
Es ist meine felsenfeste klare Überzeugung:
der Mensch will seiner Natur nach
schlechterdings nicht das Gemeine,
das Niedrige Entwürdigende,
der Mensch will seiner Natur
nach, schlechterdings nicht den Sinnen-
dienst, durch Trunk Völlerey u.s.w.;

aber er kommt, sondern er kommt zu alle diesem
gegen seine Natur u man kann wohl
sagen gegen seinen Willen
durch die jetzt bestehen-
de allgem. bes. frühere Erziehungs-
weise, welche dem Menschen nicht
früh genug durch Arbeiten u Thun,
aber durch gesetzmäßig geordnetes
stetig fortgehendes u so belehrendes
u versittlichendes Arbeiten den
Gebrauch seiner Kräfte kennen
lehrt, u so ihn später bey den
heraufwachsenden Neigungen
u Trieben des Menschen nicht gleichsam
gegen sich selbst bewaffnet, zu alle diesem
gegen seine Natur und man kann wohl
sagen gegen seinen Willen.
Aber die Arbeit zu einem solchen
Segen zu erheben, müssen sie f[r]eylich
an Kopf u Herzen, durch Religion
Wissenschaft, Geschichte u eigene
Lebenserfahrung durchgebildete, noch
kräftig im Leben dastehende Männer
handhaben, welche diesem
Streben
Bemühen jede einseitige Richtung
ihres Geistes u Gemüthes, nach welcher
Höhe u Schönheit des Preises sie auch
immer hinstreben zielen möge
so wohl
um der Menschen im Allgemeinen
als um ihrer eigenen Lebensverhältnisse
willen, freywillig unterordnen,
/
[15R]
oder vielmehr, diese Arbeit muß von
solchen Männern gehandhabt werden,
welche durch die Stetigkeit ihres Denkens,
durch
die Stetigkeit das Fortgehende ihrer Geschichts-
u Naturbeobachtungen, u durch
die Unzweydeutigkeit ihrer innern
u äußern Lebenserfahrungen, zu
der Überzeugung gekommen sind,
daß nur die innigste Einigung zwischen
Denken u Thun, Empfinden u
Schaffen Gestalten,
daß nur bleibendes Beschäftigen mit
den Gegenständen der Natur als
einer sichtbaren
Sach- Realoffenbarung Gottes dem
Menschen den allseitigen Frieden gebe
welcher dem Gemüthe als höchstes
Lebensziel immer vorschwebt.
Kurz diese Erziehung muß von Menschen ge-
handhabt, ausgeübt werden, welche durch eigne Würde fähig sind
die Arbeit wieder als Bildungs- und Erziehungs-
mittel nach dem ewigen Gesetz u Gotteswillen
in ihre Würde einzusetzen zu ihrer Würde
zu erheben.
Wenn ich nun eine solche Erziehung,
welche die Arbeit, die Selbstthätigkeit
für
erscheinendes Product äußeres
Ergebniß zum Herzpunkt sowohl der
sittl. rel., als der geistigen u thatfertigen
also der Gesammterziehung des Menschen
macht, als das Wesentlichste u jetzt
allgemein gesuchte Bedürfniß der
Zeit erkenne, wenn auch ich das Gesammtwohl

des der Menschen will, u ihm, was er be-
darf u erstrebt gern erringen helfen möchte, so
stehe ich dennoch
darum deßhalb keinesweges
in dem Wahn, als könne dem Menschen das
nur durch mich gereicht werden,
ich stehe
keinesweges,
so sehr ich das Wohl d M[en]schen
befördert sehen möchte, so stehe ich nicht in
dem Wahn
derer, als müsse dieß das Wohl
der Menschen u das
angestrebte Ziel /
[16]
[links oben neben Text] 5. [Bogen] An das Herz. S. Mein. u Hildb. Consist
nun auch eben gleich in der jetzigen
Zeit erreicht werden. Denn in erster
Beziehung, spricht sich jene Wahrheit in
Offenbarung, Natur, Geschichte u Leben
so unzweydeutig u klar aus, u
zu dies jedem
nur einigermaßen sich der Beachtung Hingebenden, wozu
zu <weitester> Hingabe aber der Mensch durch den Drang, die Angst,

Noth u den u dem Druck des Lebens sattsam u
unausweichlich getrieben wird,
nur
einigermaßen Hingebenden,
so daß sie
diese Wahrheit zu irgend einer Zeit, u dann vielleicht
an mehreren Orten zugleich gewiß Luft
gewinnen u segensreiche Früchte für Viele
bringen wird. In der 2ten Beziehung liegt
uns nur ob, der erkannten Wahrheit
auch augenblickl. nach Kräften zu genügen,
die Zeit des Blühens u Fruchtens aber dem
heimzustellen, welcher
allem die Jedem <genau das> dazu eine Zeit
zum Blühen u zum Fruchten bestimmt.
Eben so wenig hege ich den Wahn Oder
Auch wähne ich nicht
weil
daß der jetzt sich zusammengefundene Kreis
von Menschen
zur Ausführung dieses Grund-
gedankens,
wegen der mannigfachen
sich
wie in ihm in einem Mittelpunkte vereini-
genden Eigenschaften nur ausschließend
zur Ausführung dieses Grundgedankens geeignet sey, u. daß sich nicht vielleicht ein Kreis

von Menschen finden könne, der als Bahnbrecher
u Vorkämpfer zu jenem Ziele noch geschickter

sey wäre. Aber das weiß ich, daß der jetzige
Kreis von Menschen
sich nimmer ohne die
Menschen zusammenrüttelnden Jahre
namentl. 1813 bis 1814 u die darauffolgenden,
sich
schwerlich nimmer zusammengefunden haben würde,
u daß darum auch bey dem gewöhnlichen,
/
[16R]
wenig erregenden Ganzen der Lebens-
entwicklung
verhältnisse sich schwierig sich
ein solcher wieder zusammenfinden wird.
Darum ist es wenigstens meine Sorge
mir nicht zu erlassende nachzu-
lassende
Sorge, diesem Kreise v. Menschen,
welcher durch die
seltensten eigenthümlichsten Lebenser-
scheinungen u durch die uneigennützig-
sten u auch der reinsten
innersten gegenseitigen menschlichen
(Bestrebungen)
Streben sich zusammen-
gefunden hat
ihn nach menschlicher
Ansicht den würdigsten Raum u Um-
fang des Wirkens zu verschaffen.
Doch da die letzte Entscheidung darüber
nur in dHand der Vorsehung liegt, in
welcher oft das Kleinere das Bedeuten-
dere ist, so bleibt auch hierin mir nur
das Handeln dafür Pflicht, die Entscheidung aber

hierin der Vorsehung selbst überlassen;
und es wird darum keinem einzigen
Gliede meines Hauses
u erziehenden Kreises
ebenso wenig als mir den leisesten persönlichen Schmerz
u die geringste persönl. Entsagung kosten,
wenn uns die Vorsehung mit unserm
Wirken in
unserm dem hiesigen kleinen Kreise festhält.
Ich erlaube mir
im Gegentheil vielmehr bey dieser
Gelegenheit auszusprechen, daß
im Gegen-
theil
sie den Forderungen des Allgemeinen,
(wie solche sich ihnen in mir u durch mich aus-
sprechen) zwar
gern willig als höheren
Forderungen Folge leisten u darum
freudig u vertrauend
gern den hiesigen
Ort des Wirkens mit Helba vertauschen
/
[17]
daß sie aber auch alle im menschlichen
Empfinden u Fühlen, gern u lieber
u selbst
dann
hier bleiben wenn auch das hiesige
Leben
wo gleichsam alles mit ihnen u
besonders durch sie herauf gewachsen
ist, wo sie umgeben von den Früchten
ihrer Anstrengungen, zu neuen Muth erhalten
selbst dann, wenn auch das hiesige Leben selbst weit mehr
Entsagung u
mehr Mühe als jenes fordern
sollte.
Es bleibt unverrückt u unwandelbar
wahr, was
immer wiederkehrend v. mir ausgesprochen
wurde, daß wir uns nach einem andern
Lande, zu einem andern Fürsten nicht
deßhalb wandten, um so wohl Erleichterung
im Leben u äußeren Schutz dessen wir nicht entbehrten als vielmehr Anerkenntniß zu finden u vor allem
fördernde Mitpflege des
selben Grundgedankens
eine
Anerkenntniß u Pflege welche unsere
Erziehung sowohl von nach ihrer innern Ansicht
des Menschen,
dessen Verhältnisse u Umgebung
als auch in seinen praktischen lebenswichtigen
Leistungen anerkenne.
Wenn diese Hinwendung nach außen,
was ich
keinesweges nicht läugnen will, da es
ja vorliegt; von einer menschl. Sorge
um
äußeres, menschliches Bestehen ausgieng, oder
angeregt wurde, so war es doch keines-
weges, wie sich auch sehr klar aus den
allerersten Mittheilungen aussprechen wird
nicht sowohl
die diese Sorge um das äußere
Bestehen
als vielmehr die um das Festhaltenkönnen
des Grundgedankens in der äußern Er-
scheinung. Wenn sich daran,
wie ich
ebenfalls nicht keinesweges läugnen will, da es ja
/
[17R]
auch wohl aus meinen Mittheilungen
hervorgehen mag
, die Hoffnung
der leichteren Überwindung u Beseitig-
gung eines (dortmals) harten Druckes
knüpfte, so ist dieß wohl eben so ver-
zeihlich als natürlich, da der Mensch
schlechterdings nicht von dem Glauben

ja der Überzeugung lassen kann, daß sein
innerl. gutes Werk bey Pflege u An
erkenntniß auch äußerl. angemessne
Früchte bringen müsse doch, möchte
ich sagen, ist die Nemesis auch bey dem

scheinbar verstattetsten wohl zu verstattenden Menschlichen,
- u ich habe dieß mehrmals in meinem
Leben empfunden –
man verzeihe
den Ausdruck, aber ich finde keinen mehr
entsprechenden u wahren
– furchtbar streng,
u sie will schlechterdings nie, daß die Wahr-
heit einen andern Antrieb als die
Wahrheit selbst habe, u daß sie, als
eine ewige, durch etwas äußerl. u vergäng-
liches gleichsam unterbaut u unterstützt
werde. Es ist wahr, als ich jene ersten
Mittheilungen im Nov. 1827 an eines
der verehrl. Glieder dieses hochpreisl.
Collegii, um solche der Prüfung Serenissimi
vorzulegen, machte, glaubte ich nicht, daß
meine Erziehungsanstalt u somit mein
äußerl. erziehendes Wirken, ohne ein neues
förderndes Eingreifen, länger noch
als vielleicht ein Vierteljahr bestehen könne. Seit
jener Zeit, wo ich dieses
glaubte meinte, sind fast
1 ½ Jahre, also das 6fache jener Zeit
/
[18]
[oben links neben dem Text] 6. [Bogen]
verflossen, die äußerl. Mittel
die mir dortmals durch das Wirken der Anstalt selbst noch zu Gebote standen
sind seit jener Zeit wenigstens um
drey Viertel geschmolzen, u dennoch be-
steht die Anstalt nicht nur fort, sondern
überwiegend innerlich kräftiger
u in sich so sicher,
so daß ich bey allem bestehenden Drang doch so
fest als freudig an das hiesige Fortbestehen
der Anstalt glauben kann, ob mir gleich
gar keine fördernde Hülfe von außen dazu
kam. Dieses hat nun, so gestehe ich frey,
die
äußere Sorge, Angst u Noth um
äußeres Bestehen von mir genommen,
der innere
kindliche Kindes u Knaben Glaube an eine
allwaltende Vorsehung ist mir zu einem
äußeren Mannesschauen geworden.
Undso kann mich das Schwerdt des
Crösus Dyonisius
Schwerdt, unter welchem ich seit länger als einem
Jahrzehend wandle u handle, nicht mehr ängstigen,
es hat sich
das Pferdehaar hat sich mir so in ein Ankertau verwandelt, so daß
und, obgleich d Schwerdt noch ununterbrochen über mir
hängend, ist doch die kleinliche Furcht vor
demselben von mir gewichen
ist. Darum
hat, wenigstens soweit ich es menschlich
bestimmen kann, u soweit mein be-
stimmter m[en]schl[icher] Wille reicht, die Sorge
um das äußere Bestehen u Leben keinen
Einfluß auf mein als recht u wahr
erkanntes Handeln, und ich über-
lasse, streng den Förderungen der Pflicht
nachgehend, ruhig die Entwicklung des
Ganzen der höchsten Einh[eit] Weisheit
wie der höchsten Macht, indem ich
/
[18R]
indem ich selbst im Laufe der Ver-
handlungen, diese Erziehungsanstalt
betreffend, vielseitig belehrt worden
bin, wie wenig der Mensch willkühr-
lich etwas fördern kann.
Denn Die
Beweise dafür liegen mehrern Mitgliedern
eines hohen verehrl. Collegii vor; grade in
der Zeit, wo ich die meisten Hindernisse
beseitigt glaubte, wie nach dem 10. u 23. Dec.
v. J. und besonders dann, wenn ich nach einer von mir gemeinten Nothwendigkeit um
baldige Förderung des Ganzen bat, wie z.B.
am ebengenannten 23. Dec., so verschob
sich
d Ganze (dieselb) diese um so mehr, als
dringend meine Bitte war. Ein
schla-
gendes, sprechendes
redendes Beyspiel dafür liegt einem hochpreisl.
Consistorio in den allerjüngsten Verhandlungen
vor: ich läugne gar nicht, daß ich in
mehrfacher Hinsicht die baldige Zurück-
kunft der amtl. Geprüften Anzeige
für
den baldigen
zum schnellen Abdruck wünschte, u ich sprach
diesen Wunsch lebhaft genug schriftl. u mündl.
aus. Wohl besitze ich nun meine Anzeige,
u einige Andeutungen über die deßhalb ob-
waltende Ansicht; allein das eigentl. Resul-
tat der Prüfung ist mir, wie ich Eingangs
schon erwähnte, nicht mit
getheilt worden zu gekommen;
weder hat mir also in diesem Falle, wie mehrmals früher;
mein Wünschen noch mein
dr[ingendes] Bitten Drängen
(Dringen) etwas geholfen. Darum ist
meine Überzeugung, die jenes Schiffers
im Sturm: „Gott kann mich erhalten,
Gott kann mich vertilgen, aber mein
Steuer halte ich fest.“ Und so wurde mir
/
[19]
in den drohendsten Lebensgefahren
u in den schwierigsten
Lebens Ver-
hältnissen schon zum öftern, wenn
die Forderung der Pflicht nur fest-
gehalten wurde,
zum öfteren die
unerwartetste
eine schne[lle] baldige Hülfe, wo sie am
fernsten schien. Warum sollte auch
der Mensch, wenn er in der gesammten
Menschenführung und in dem
gesammten Gang der Menschheitsent-
wicklung
seinem Ziele entgegen
nur inneren Zusammenhang u Ein-
klang findet, wenn er diesen innern geistigen
Zusammenhang sogar bis in die kleineren
Naturerscheinungen hin bey beachtendem
Nachgehen anzuerkennen gedrungen
wird, warum sollte der Mensch,
dessen Tage kaum eine Minute
in der
Jahres Zeitrechnung der Ewigkeit
sind, so seine minutenlange Er-
fahrung nicht gern den ewigen Er-
fahrungen einer ewigen Wahrheit
u Weisheit unterordnen, auch
wenn das menschl. Herz menschl. em-
pfindend vielleicht ganze m[en]schl. Jahre
hindurch ängstl. sorgend schlüge!
Möchte daraus einem hochpreisl.
hochwürdigen Consist. die Überzeugung
hervorgehen, daß wenn auch wirkl.
meine Worte bey dem augenblickl.
Eindruck schmerzl. Empfindungen
das Gegentheil aussprechen sollten,
/
[19R]
wie dennoch in seinem innersten
u letzten Grunde
es nie eine Sorge
um des Lebens Unterhalt es ist,
die mein
em Handeln bestimmt.
Diese Gesinnungen u Überzeugungen
sind nun auch die
u diese innere Anschauung
des Lebens u seiner Verhältnisse u
der Gesammtumgebung des Menschen
sind nun auch die aller erziehenden Glie-
der meines Hauses, so wie, daß der
Mensch früh in s[eine]r Jugend durch be-
achtendes Selbstschaffen u Selbstthun

früh zur Ahnung u Anerkenntniß
des großen innigen Zusammenhangs
des Natur- u Menschenlebens als eines
von Gott ausgehenden
erkenne komme, damit
er wenigstens in s[eine]r Brust nachempfinden
könne was Sänger u Seher vor Jahr-
tausenden schon zur Erhebung u Bildung
des Menschengeschlechtes von u über jenen
Zusammenhang sangen u redeten, damit
der Mensch in der Natur sich wieder
wie in einen Garten u Tempel Gottes
u er sich selbst als ein Geschöpf u Kind
Gottes würdig der väterl. Leitung wie
der väterl. Zucht Gottes, u willig aber
nicht träumend sond. selbstthätig hin-
gebe, wie ein guter Schüler u Zögling
selbstverarbeitend selbstthätig
u selbstkräftig die Lehren
u Ermahnungen wie die Führungen u Strafen
s[eine]s Erziehers
u Lehrers in sich aufnimmt.
Für die Darstellung einer solchen
Erziehung sich nun sowohl zum all-
/
[20]
[links oben neben dem Text:] 7. [Bogen]
gemeinen Wohl der Menschen
überhaupt, als, wenn auch später,
zum Wohl der Glieder in ihren
eignen Kreise
(wirkend) hinzugeben
als wie auch, und selbst dadurch an höherer
Einsicht in des Lebens Zusammenhang

(überhaupt) zu gewinnen – ist der
Grund, warum die erziehenden
Glieder
keinesweges nicht einzelne,
nur äußerl. durch gleichen äußerl.
Lohn verbundene Lehrer, sondern viel
mehr Mitarbeiter u geeinte Glieder
eines Ganzen sind, die statt von ihm
diesem
Ganzen
zu fordern, ihm vielmehr
zu dessen freudigen Bestehen selbst
noch das freudig reichen, was ihnen
durch ihre eignen Lebensverhältnisse
möglich
ist. Deßhalb wird.
Deßhalb nun kann ich natürl.
keiner Ansicht unserer Erziehungs-
anstalt sowohl in Hinsicht auf Grund-
sätze
als Mittel u Zweck, als auch auf
die Glieder derselben beystimmen, die unsern er-
ziehenden Kreis nur jeden andern
ähnl.
<numerall> u als so nur als eins mehr
zählend hinzufügt,
sondern ich muß
auch für ihn eine innere Ansicht seiner
fordern; wie er eine innere Ansicht seines
Zweckes u Zieles fordert,
sondern ich muß dieselbe innere Ansicht
für ihn fordern, die er für die andern
Dinge außer sich fordert,

was ja aber auch als wirkl. daseyend Stattfindend
der eigentl. Keim u belebende Odem, Geist
aller bisherigen Unterhandlungen u alles bis-
herigen Verkehrs deshalb war
weil ohne dieß
auf keine Weise irgend eine der Früchte
zu erreichen wäre, welche zu geben
ich mich
in gleichem Grade der Vollkommenheit
u Reife als Menge
vom Anfang an wiederkehrend anheischig machte.
Nun zur Anstalt in Helba selbst. /
[20R]
(Über eines ist mir nun vor allem noch
nöthig meine Überzeugung auszusprechen,
da es mir bey dem gegenwärtigen Stande
der Verhandlungen der wichtigste u der
Wende- u der Entscheidungspunkt derselben
erscheint. Es ist dieß der Punkt, von wel-
chem mir wiederkehrend u noch in den letzten
Mittheilungen von einem verehrlichen Mit-
gliede eines hohen Collegii, u ich darf vor-
aussetzen in völliger Übereinstimmung [mit] demselben
ausgesprochen worden ist, daß die Anzahl der
20 Zöglinge um meinetwillen streng fest-
gehalten werden müsse.
<13> An irgendeiner Stelle in dbisherig
Ausgesprochenen muß ein Punkt seyn,
wo herauszuheben ist, daß eine Erziehungs-
anstalt v. dem Geiste u Streben der
in Frage stehenden Volkserziehungs-
anstalt nicht allein ein wesentl. Be-
dürfniß für viele Gegenden in Deutschl.
u so auch für Meiningen sey, sondern
auch, daß es eigtl. ein Streben, eine
Sorge jedes vermögenden Vaters seyn
müsse, eine
solche auf diesen Grundsätzen ruhende Erziehung
für seine
seinen Söhnen, deren vollendete Aus-
bildung ihm am Herzen liege, nahe
zu bringen, wie denn auch wirkl.
dieses ein Vater, dem dieß ausge-
sprochen u der es in seiner Wahrheit
erkannt, für seinen Sohn im Kleinen
zu seiner Befriedigung ausführen
wie die deshalb statt gefundenen Mit-
theilungen weiter darlegen würden,
wenn der Zweck dieses es erheischte
[).]
Es ist mir nun vor allem nötig (in
der festen Voraussetzung, daß wieder diese jene
innere Ansicht der zu errichtenden Volks-
erziehungsanstalt, als einer wirklich
dem Lande nothwendigen Ansicht der Anstalt, als die in
diesen Verhandlungen würdig leitende
anerkannt werde), mich über die Art
u Weise, wie diese Anstalt vor u in das
Publicum u ins Leben trete, auszusprechen.
(Ich muß mich hier zwar, wie in dieser
Darstellung überhaupt, weil es eigtl. die
erste ist, in welcher ich in dieser Sache
vor einem gesammten hochpreisl. u hoch-
würdigen Consistorio schriftl. erscheine,
in Beziehung auf mehrere meiner früheren
Mittheilungen wiederholen, doch der
Zusammenhang des Ganzen fordert es
unausweichlich.) Meine bleibende Ansicht
ist neml., sonst könnte ich überhaupt gar
nicht für die Verwirklichung dieser Anstalt
auch nur im geringsten wirken (thätig seyn): /
[21]
daß dieselbe eben grade jetzt völlig Zeit-
Ort- u Leben-gemäß sey. Nach dieser
meiner unwandelbaren Ansicht nun
bedarf es eigentl. zur Einführung dieser
Anstalt in das Leben schlechterdings
weiter nichts als daß es ausgesprochen wird, daß diese Anstalt
existirt, daß sie da ist; daß man sie unter
pflegenden u fordernden Verhältnissen
existirend u daseyend finde. (Denn ist das,
was ich von der Zeit von der Nothwendigkeit der Anstalt gerade
in der jetzigen Zeit aussage, wahr, so
wird sie
dann sehr schnell bald mehr Theilnahme
finden als uns lieb ist vielleicht lieb seyn möchte. Aber schon in der
Wirklichkeit da stehen muß die Anstalt;
zu dem was werden soll, hat der ge-
wöhnliche geistig unerfahrne Mensch kein Zu-
trauen
). Darum bedarf es meines Erachtens
für die Vorführung und Bekanntmachung
der Anstalt von Seiten der Anstalt derselben
nur weniger und sehr einfacher Worte,
nur der Worte, welche aussagen:
Eine den Zeitforderungen genügende
Volkserziehungsanstalt ist (unter
dem pflegenden Schutz u durch die huld-
volle Beförderung Sr. Herzogl. Durchlaucht
des Herrn Herzogs von S. Meiningen u
Hildb.
in Helba errichtet worden u.s.w. u <)> dann
wird, ist die Anstalt wirkl. zeitgemäß,
die Theilnahme unmittelbar zeigen
hervortreten. Ich für meine Person leiste
in dieser Bekanntmachung auf alles mich
meine bisherige Erziehungsanstalt u auf
die öffentl. Nachweise des Zusammenhanges
dieser Anstalt mit meiner jetzigen
völlig Verzicht, da mir leicht andere /
[21R]
Mittel offen stehen, dieses den Wenigen
gründl. u prüfend tiefer eingehenden Freunden auf eine andere Art
auszusprechen. In dieser Beziehung u nach
dieser <erweiterten> Stufe erweiterten Ansicht nun ist es eigentl. deucht es mir
nicht so ganz wesentl. mit welchen Worten
die Anzeige geschehe u ich theile völlig die
Meinung, daß sie kurz, bündig das Wesentliche
ihrer Stellung berührend und darum aber ich füge <noch>
mir, daß sie dieß
gar nicht ausführend
zu seyn braucht; nur eben muß sich aus
ihr die innere höhere Ansicht der Volkser-
ziehung überhaupt als besonders der Anstalt selbst
aussprechen. Ich glaube in dieser Beziehung
daß man auch wirkl. dem einfachen, gemeinen
Manne in dieser Beziehung etwas Bedeu-
tendes zutrauen könne; wenn er auch nicht
sowohl sein Verständniß der
Sache dh eigne Worte die Worte selbst versteht, so hat er doch
einen gewissen Takt um für sich das rechte
herauszufinden; wie könnte er sonst auch
die
Relig Kanzelvorträge auf so verschiedenen
Bildungsstufen verstehen? Das Volk als
Masse
ist mir u auf seiner kaum mitt-
lern Stufe der geistigen Ausbildung ist
mir – und darin liegt auch wie ich gleich nach-
weisen werde meine in der nun bey Seite
gelegte Ankündigung ausgesprochene Ansicht
vom Volk – ein Kind, ein Knabe, es versteht
die Worte des Erziehers u Lehrers, auf
welcher höhern Stufe der Bildung dieser auch
stehe sehr genau, wenn nur die Worte
(bestimmt artikulirt u) an sich rein ausge-
sprochen sind. Der Knabe u das Kind ge-
winnt nicht an wahrer u ächter Bildung
wenn man mit ihm nur mit dem Umfang
der ihm schon zu Gebote stehenden Sprach-
masse u Sprachformen spricht; vielmehr je männ-
licher man mit
dem Kinde u Knaben demselben spricht /
[22]
[links oben:] 8. [Bogen] An das Herz. S. Mein. u Hildb. Consist.
um so mehr erstarkt er u erhebt er
sich zu männl. Bildung. Mit dieser An-
sicht
des vom Volke stimmt nun ganz die
in der früher entworfenen in der nun bey Seite gelegten Anzeige
dargelegte ausgesprochene: „das Volk sey ein Träger
des rein Menschlichen“, ganz überein.
Es ist in diesem Ausdruck nemlich in
Beziehung auf das Volk, dasselbe gesagt,
was der größte Menschen- u Kinderkenner
in Beziehung auf die Kinder aussprach:
das heißt, es liegt im Volk als Masse,
Menge wohl die
höchste reinste Anlage zur
Hervorbildung des Höchsten wie in dem
Kinde, aber es muß durch eine ernste
männl.
Führung gemüth- u geistvolle Führung, aus
welcher sich überall die eigne Bewahrung
u Achtung des Höchsten u das sich <denselben>
selbst untergeordnet Fühlen ausspricht
erkennen. Wie es nun leichter ist,
selbst
an sich selbst Forderungen zu machen ohne
ihnen genügen zu können, so weiß ich auch
nur zu gut, daß ich selbst
am wenigsten
geschickt bin eine solche Anzeige ihrem
Grundbilde entsprechend zu machen. Deßhalb
bin ich aber auch, da ich weiß, daß mein
e
Sphäre
Gebiet überwiegend das des Handelns u
nicht das des Redens ist, so wie ich mich auch
immer durch die Resultate des Handelns
am leichtesten mit den entgegengesetzte-
sten Meinungen verständigte,
darum
bin ich auch
und, so vielseitig ich <ins Reden> dahinein
aber eigtl. immer gegen meine Natur,
in das Sprechen verwickelt worden bin,
S: das Sprechen doch desselben
außer meinem Beruf u Kreise herzlich
müde, u darum wünsche ich auch nur,
/
[22R]
daß nur einmal die in Frage stehende
Volkserziehungsanstalt äußerl. in Wirk-
samkeit da stehen möge, weil ich dann
fest überzeugt bin, sie würde durch ihre
Ergebnisse
allseitig befriedigen besser als ich für sich selbst sprechen. Ich
fürchte nicht, daß man
da von Seite eines
hochpr. Consistorii erwiedern werde: wenn
ich dieß von der zu errichtenden Volkserziehungs-
anstalt mit so großer Bestimmtheit aus-
sagen könne, warum denn dieß
in bey meiner
jetzigen Erziehungsanstalt nicht, sondern viel-
mehr, wie ja durch den Erfolg offen vorliegt,
das Gegentheil erschienen sey.
Dennoch Sonst würde ich darauf ant-
worten
ich darauf als ich mir bey dem Beginn
meiner Anstalt den [sc.: der] Zweck, den ich bey der
jetzt zu errichtenden Volkserziehungsanstalt
klar u fest im Auge habe, lebendig vor-
schwebte u im Thun unmittelbar dar-
legte, da hatte ich auch ganz dasselbe Re-
sultat; später
ließ ich wurde mir – warum
soll ich es läugnen? –
durch in meiner äußer
Lebensunerfahrenheit indem ich mich mich [2x] den angepriesenen kaum halb-
wahren noch weniger haltbaren sogenannten
Lebenserfahrungen
hingebend nur zuneigte mein Ziel
verrückte.
Und So kamen die Folgen, welche
mich trafen u
welche die ich noch trage. Also
nicht der Grundgedanke der Anstalt war es,
nicht die Festhaltung dieses Grundgedankens
der diese Folgen bewirkte, sondern eben, das nicht

eiserne Festhalten dieses Grundgedankens desselben
in seiner tiefen Wahrheit u das
gutmüthige Nachgeben in scheinbaren
Kleinigkeiten, selbst gegen die befreundetsten
u dem Ganzen Wohlwollendsten,
das war es, warum bey dem spätern
Bemühen, wo dem Mangel an inneren
Eingehen nicht der feste Wille beugungs-
los entgegentrat, die Folgen da, wo
man besonders die ruhige Entwicklung
durch gestörtes Vertrauen unterbrach,
der Erwartung nicht mehr zu entsprechen
schienen, indem sie sich in ihren Früchten
nicht entwickeln konnten; dahingegen
wo dieß nicht der Fall war, auch der
Erfolg derselbe ist, wie zu jeder Zeit eine
eingehende Prüfung belegen kann.

das war
es, warum bey dem ersten Bemühen die Folgen
nicht ganz der Erwartung entsprachen.
/
[23]
Soll nicht ein gleiches Resultat der
zweyten Saat od. dem zweyten Bau,
oder
die 2te Pflanzung treffen, so
muß von dem, was der Grundge-
danke in seiner Darlegung wie in s[eine]r Ausführung fordert, auch
nicht im Kleinsten weder zur Rechten
noch zur Linken gewichen werden,
wenn auch wirklich bis zur größern
Ausführung desselben getragen und
gepflegt von einem Staate noch einige
Jahre hingehen sollten. Denn
es kommt ja dVorsehung wie dMenschenge-
schlecht nicht darauf an, ob die Folgen
u Resultate, die Früchte ein Paar
Jahre früher oder später erscheinen,

wenn aber es kommt der Vorsehung wie
dem Menschengeschlecht alles darauf
an, daß die Früchte einmal klar u
reif erscheinen, und ich habe das hohe
Zutrauen zum Menschenwesen über-
haupt u seinem innigen Verhältniß
mit Vergangenheit u Zukunft, mit
Offenbarung u Natur, daß wenn auch ich
diese Früchte, in sofern meine Erziehungs-
anstalt sie zu bringen strebt, sie nicht
reifen sehen sollte, doch die jüngern Mit-
arbeiter u Glieder der Anstalt sie zu
irgend einer Zeit wohl reifen machen
werden, u daß sie
das Schick[sal] die Vorsehung
auch ohne mein Daseyn kräftig u unaus-
weichl. genug dazu anhalten wird, wenn
sie nicht selbst ihre eigne Natur,
was ja
sogar eigtl. kein Mensch nicht kann
auf-
geben wollen.
Ich bin, wie frey Wie ich frey bin von dem
Wahn, daß das Rechte in Beziehung auf Volkserziehung nur einzig durch mich
geschehen solle, so bin ich auch so frey von dem
Wahn, daß es
das Rechte u Gute auch S: zu meiner Lebens- /
[23R]
zeit schon in voller Klarheit u Reife
erscheine. Ich würde dadurch
einen
solchen Wahn
meiner höhern Ansicht einer
menschenwürdigen Erziehung
u Volkserziehung
widersprechen. Aber angebahnt, begonnen
muß das Werk werden, tief muß das
Fundament gelegt werden, denn
groß ist der Bau der darauf ausge-
führt werden soll, tief muß die Saat
gestreut werden, daß bey dem Winter-
oder Nachwinterfroste der kommen kann,
die Saat nicht ausfriere. Und es genügt

mir u meinem Streben u Lebenszweck,
dieses Fundament dadurch gelegt, diesen
Saamen dadurch gestreut zu haben,
daß wenn
ich den Fluch von der Handarbeit nahm
u sie zu einem Gottessegen machte,

daß wenn ich von die Arbeit von dem Druck nahm lösete,
u sie zu einem Geschäft der Freude erhob;

daß wenn ich der Arbeit ihr Entgeistigendes,
Herz- u Kopfleerendes nahm u sie zu
dem [sc.. den] sanftesten u eindringlichsten Führern
u Lehrern des Lebens machte; daß wenn ich den
Menschen die Natur als eine stehende
Gottesoffenbarung zu gänglich u ihm [sc.: ihnen]
so die Schriftoffenbarung verständlich machte;

daß wenn ich ob auch nur wenigen Eingehenden die Einheit wenn auch im kleinst[en]
Kreise u nur sehr
der Schrift- u Wortoffen-
barung, der Sach- u Naturoffenbarung, der Geschichts-
u Lebensoffenbarung u der fortgehenden
Kundmachungdes Göttl. im eignen Gemüthe
im höchsten Einklange mit den tiefsten
Forderungen des menschlichen
Gemüthes Geistes nach-
wies – und so die Schriftoffenbarung
in einer Wahrheit, Klarheit, in einer
/
[24]
[links oben:] 9. [Bogen] An d. Herz. S. Mein. u Hildb. Cons.
solchen M Leben , Muth u Ausdauer
gebenden Kraft zeigte, daß dadurch
dem Leben die Freudigkeit u der Friede
gegeben
wird , den Menschen das Band
der Eintracht u der Einigkeit gereicht wird,
welchen Frieden u welches Band nicht
die widrigsten Lebensschicksale aufzu
lösen im Stande sind. So habe ich das
Ziel meines Lebens für mich erreicht.
Denn irdisch Klein u irdisch Groß kann
auch mich nicht mehr täuschen;
denn und
geistig klein ist nicht das, was nur in
weniger Menschen Brust keimt u gepflegt
wird, u geistig Groß ist nicht immer das, was
vor ein ganzes Volk gehoben u getragen wird
u sey es ein ganzes
lebendes Geschlecht auf seinen Schultern trägt
hebt.
Dieß alles zusammengefaßt, so dünkt
mich könne eine Anzeige von der Volks-
erziehungsanstalt ohngefähr des Inhalts u der Form seyn:

Anzeige von der Volkserziehungsanstalt in Helba bey Meiningen
           gegeben von dem Vorsteher derselben, Fröbel
Da es nicht allein der denkende u erfahrne Bürger u
Landmann, sondern der denkende u erfahrne Mann über-
haupt als die erste Bedingung einer gründl. Erziehung
eines für das Leben ersprießlichen Unterrichts u einer all-
seitig genügenden Ausbildung erkennt, wenn sich dieselbe auf
sinniges Thun und denkendes Arbeiten, beydes zurückgeführt
auf die höheren geistigen Bestimmungen des Menschen, wie auf seine mannigfachen Lebensberufe gründet,
so wird (unter dem Schutze Sr. Herz. Durchl. v. Sachs. Mein. Hildb.)
eine auf diesen Erfahrungssatz ruhende Erziehungsanstalt
für Knaben unter dem Namen einer Volkserziehungsanstalt
mit dem kommenden Frühling
von der Unterzeichneten
[Rand: unter dem Schutze Sr Durchlaucht des Herrn Herzogs Bernhard
v. S. Meiningen Hildburghausen
]
unterstützt von der Huld Sr Herzogl. Durchl. namentl. durch
Einräumung eines nach jeder Seite in jeder Beziehung hin günstig gelegenen Schlosses /
[24R]
des Herzogl. Kammergutes Helba (eine
halbe Stunde auf von Meiningen auf der
Straße nach Liebenstein ¼ Stunde seitab
liegend) - errichtet werden.
Diese Anstalt, welche sich zum besondern
Zweck macht, nach dem oben ausgesprochenen
Grundsatze die genügendste Vorbildung
für jedes bürgerl. Gewerbe zu geben; dem Land-
mann wie dem Handwerker, u in letzter
Beziehung keines ausgeschlossen, doch vor allem
die gestaltenden von der Zeichen- u der Meß-
u vor allem Naturkunde Kenntnisse fordernden, also für
den Tischler, den Zimmermann, den Maurer
den Metall- u Eisenarbeiter;
so wie
für jedes bürgerl. Verhältniß u künftigen
Beruf
so wie vor allem zur höhern u einsichtigen
Betreibung jedes bürgerl. Geschäftes
Verhältnisses u Berufes wie es immer Namen u Form
haben möge – wird zwar dem
Diese Anstalt macht sich zum besondern
Zweck, für jedes bürgerliche Gewerbe,
so dem Landmann, den Handwerkern
und hier namentlich den gestaltenden,
als dem Tischler, Zimmermann, Maurer,
Metall- u Eisenarbeiter eine genü-
gende Vorbildung zu geben, so wie
besonders zur höhern und einsichtigen Be-
treibung jeden bürgerlichen Geschäftes,
Verhältnisses u Berufes hinzuführen.
Sie wird dem oben ausgesprochenen Grundsatze ganz ge-
treu seinen ihren Unterricht auf die häusl.
u wirtschaftl. Thätigkeit einer ge-
ordneten, sich gleichsam selbsterziehenden
Landmanns- oder Bürger
familie,
ihre Erziehung auf das Wesen u den
Geist eines reinen Familienlebens
gründen, aber zugleich jede wissenschaftl.
Bildung für
außer dem ganz gewöhnlichen
Schulunterricht noch bes. den in der Meß- Natur- u Erdkunde Erdkunde wie in der Geschichte geben
(Mathematik) Meßkunde
Naturkunde u Kunstbildung, hier und Sprache, Gesang

und Sprache, Gesang, Musik, Zeichnen u Gestalten u.s.w. lehren, in
so weit solches alles im Umfange dieses bezeichneten
Lebenskreises liegt. Auch für diejenigen, deren
künftiger Lebensberuf irgendeine Vor-
kenntniß einer fremder Sprachen nöthig macht,
soll nach besonderer Rücksprache mit den
Eltern, ohne daß jedoch auch hierin genügt
werden, ohne daß jedoch der Unterricht hierin
einen stehenden Gegenstand des allgem. Lehrplans /
[25]
ausmache, u bey gänzl. Ausschluß der
eigentl. Gelehrtenbildung.
Weil so demnach diese Anstalt wie eine
Vorschule fürs Leben, so wie eine Nach-
u Fortbildungs Erweiterungsschule für den schon
genossenen gewöhnl. Schulunterricht
seyn soll, so werden zum Zeit des Eintretens
das
Alter der Aufnahme die Jahre vom 7ten bis gegen das 14te Jahre, oder vielmehr
das ZeitAlter bis unmittelbar nach der
gewöhnl. Confirmation frey gegeben,
aus der doppelten Rücksicht, daß einmal
diejenigen Eltern, welche ihren Söhnen
eine mehr gründliche u ausgedehnte
Bildung als die ihnen zunächst zu Gebote
stehenden Verhältnisse reichen, gern
geben mögen, dazu hier Gelegenheit
finden; dann aber auch deßhalb
damit besonders die Eltern, welche
zur Vorbildung ihrer Söhne für das Schulfach
eine Gelegenheit suchen, hier die Mittel
finden können ihren Wunsch zu befriedigen finden können.
Damit nun diesen mehrseitigen Zwecken
gemäß auch [die] weniger Bemittelten einen
Weg erhalten, ihren Söhnen eine ihren
künftigen Verhältnissen angemessenere u
erweiterte Ausbildung zu geben, ist das Er-
ziehungsgeld so billig als mögl. gestellt worden,
wie dagegen im umgekehrten Verhältnisse
durch die Local örtl. Lage u Verhältnisse,
hier namentl. die große Nähe vieler
Gewerbtreibender Orte für die mannig-
fachsten Erzeugnisse des Kunst- u Gewerbe-
fleißes u wie durch
die für die Ausführung des Zweckes geeinten verbundenen
Glieder, es bey Einigung ihrer sämmtlichen
Kräfte für klare Erreichung zur Erringung des vorge-
steckten Zieles u bey den entsprechendsten örtl. Verhältnissen das Tüchtigste zu erreichen
angestrebt werden wird V.v. Das jährliche
Erziehung[sgeld] ist 100 rtl. Pr.Ct, jedoch für
wirkl. Landeseingeborene rücksichtl. der
Höchsten Unterstützung von Seite Sr. Herzogl. Durchl. /
[25R]
namentl. durch Einräumung eines
zur Ausführung des Ganzen höchst günstig
gelegenen Schlosses u des dem Ganzen bey seinem Zweck
nöthigen Land u Feldes eines Herzogl. Kammer-
gutes
- nur 80 Rth. Pr C in halbjähriger
oder V in vierteljähriger V u nach Einzel-
umständen vierteljähriger Vorausbezahlung.
Der Ein[-] u Austritt in die Anstalt geschieht
nur halbjährig im Frühjahr u Herbst zu Ostern u
Michaeli, i May u i Octob. so wie der
Austritt ein Vierteljahr vorher angezeigt,
sonst das viertelj Erziehungsgeld aus leicht einzusehendem Grunde der Anstalt
zum Ersatz des ihr daraus erwachsenen Nachtheils
ganz
gezahlt werden muß. Die Eröffnung der Anstalt ge-
schieht mit dem Monat May,
u mit dem 1ten Juny wird die
Aufnahme für dieß Sommerhalb-
jahr geschlossen.
Nähere Nachrichten werden auf
postf
auf Anfragen pünktlich befriedigend ertheilt
werden: Keilhau Ostern bey Rudolst. im April 1829.
Fröbel

Diese Anzeige, dünkt mich, könne genügen,
doch bin ich weit entfernt gegen ihre eine für gut erkannte
(noch größere) Abkürzung so wie gegen Umtausch gleich sinniger geltender
verständl.
Wörter u Redeweisen irgend eine Einwendung
zu machen.
Dieses Ganze nun in seiner Gesammt-
heit, wie es vorliegt, erwogen)

Über eines ist mir nun vor allem
noch nöthig meine Überzeugung auszu-
sprechen, da mir dieses eine bey dem
gegenwärtigen u
welches mir bey dem nun mehrigen
Stande der Verhandlungen das wichtigste,
der Wendepu u der Entscheidungspunkt
derselben erscheint. Es ist dieß der Punkt
von welchem mir wiederkehrend u
noch in den letzten Mittheilungen von einem
verehrlichen Mitgliede eines hohen Colle-
gii, u ich darf voraussetzen in völliger Über-
einstimmung mit demselben ausgesprochen worden ist, /
[26]
[links oben:] 10. [Bogen] An das Herz. S. Mein. Hildb. Consist.
daß die Anzahl der 20 Zöglinge um
meinetwillen u. der Sache selbst streng festgehalten
werden müsse.
Das Ganze nun in seiner Ge-
sammtheit
, wie es vorliegt (streng
erwogen, dünkt es mich
) –bey der
Voraussetzung, daß der Geist der zu
errichtenden Volkserziehungsanstalt
mindestens in seinem Wesen u sie selbst in ihrer Noth-
wendigkeit
für den gegenwärtigen
(allgemeinen) Stand der Volksbildung
im Allgemeinen (als einer zum Nach-
theil derselben, mehr auf der Kennt-
niß u Gedächtniß als auf der dar-
<stellenden> seite ruhenden) erkannt

in ihrer Nothwendigkeit erkannt werde, - streng erwogen, dünkt
es mich, daß sich jene Forderung in
sich selbst auflöse. Denn zuerst
in Beziehung auf mich: hat das Ganze
sein Anerkenntniß, was aber eben
schon vorausgesetzt wurde, gefunden,
so steht es in sich u durch sich fest; soll
es aber diese Anerkenntniß dieses oder
vielmehr seinen inneren Werth von
einer andern Seite u von außen
her documentiren, gleichsam durch
die Beystimmung u Einsicht der erst
zu Bildenden u einsichtig zu Machenden,
so ist ja ihre seine Lage u ihr sein Verhältniß
zum Publikum u zu sich selbst nicht
im mindesten gebessert. Ich will nun
aber annehmen, woran ich gar nicht
im mindesten zweifle, /
[26R]
wovon ich im Gegentheil ganz fest über-
zeugt bin, daß sich diese bestimmte Anzahl
von Zöglingen unter den angegebenen
Bedingungen wirklich finde, so erwäge
ein hochpreisl. hochwürdiges Consistorium
doch einfach u ganz un selbst, was soll
mich u uns dann bestimmen unser
jetziges Verhältniß aufzugeben. -
(Denn nichts) Äußeres suchte ich und
wünschte ich u wir nicht; wenn ich es
forderte u fordern mußte, so war
es nur um das äußere, was ich hier
schon habe u besitze, aber aufgab, um es
dem Ganzen wieder zu ersetzen. Denn
wir haben Wohnung u Feld, Garten
u Wald als Eigenthum. Ich gab u gebe
aber freudig u gern die Benutzung,
u das Leben auf u in einem eignem
Besitzthum auf, um ein bey weitem höheres,
inneres, u geistiges Anerkennen,
ein höheres geistiges Wehen – mit einem
Worte, ein pflegenderes u angemesse-
neres Clima, südlichere Sonne zu gewinnen.
Doch das nicht Anerkennen der Sache in
ihrem Wesen löst diese Erwartung.
Und was sollte mich u uns nun be-
stimmen bey einer Zahl von 20 Zöglingen
einem ei das Wirken innerhalb eines
eigenen Besitzes aufzugeben, wo ich da-
gegen doch das höhere u das höchste irdische Gut,
was ich für irdisches Wirken erkenne,
doch nicht erringen würde. /
[27]
Doch ist es zweytens noch eine
bey weitem höhere Ansicht in Bezie-
hung auf den Staat. Als jene Forderung
in meinem Kreise zur Sprache kam,
äußerte ein einfacher Sinn u Gemüth,
es schien ihm darin eine sich selbst gegenseitig auf-
hebende Entgegnung zu liegen; denn
in dem Daseyn von 20 Zöglingen läge
ja, (recht erwogen) genau betrachtet für den Staat
nicht die allermindeste Gewähr, so-
wohl für den Geist als wie für das
äußere Fortbestehen der Anstalt.
Denn gesetzt auch, es fände sich für
das erst halb, ja für das erste
Jahr nicht allein die bestimmte Zahl
von 20 sondern sogar die von der
doppelten Anzahl, so kenne man ja,
wenn man die Sache einmal nur
äußerlich u ihren äußeren Werth anschaue
ohne den innern Geist u die Wirk-
samkeit desselben zu berücksichtigen,
den Wankelmuth der Menge hinlängl.,
und trete nun nach einem halben
oder ganzen Jahr od. länger die Zahl von
40 oder 20 auf 10 und weniger
zurück, so sey die scheinbare Garantie
in sich selbst zerfallen. Der Staat müsse
also (eigtl.) darum nothwendig die eigtl.
Garantie [übernehmen] für das Ganze u Bestehen
desselben in etwas bey weitem höheren g[an]z anderem,
ein der eignen festen Überzeugung von
der innern Tüchtigkeit der Sache
u in dem eignen festen Willen /
die Sache auch bey dem scheinbaren Zurück-
treten mehrseitiger Theilnahme des Publikums
dennoch nicht sinken zu lassen. Der Staat
sey es ja eben darum, der in dem Moment
des Schwankens der halben Bildung u Einsicht
gleichsam als der Kopf u Geist des Ganzen
das Wahre festhalte. (festzuhalten habe.)
Nun erschien es ihm ja aber ein Widerspruch
daß derjenige Geist, der später gegen das
Halbwissen die Wahrheit vertrete, anfangs
u zuerst für diese Wahrheit u das nothwendige Bedürfniß von dem Halb-
wissen u schwankenden Bedürfen den
Beweis begehre.
Ich muß leider diese Ansicht aus meinem
Leben völlig bestätigt finden. Es gieng
gegen Anfang meines Wirkens von R[udolstadt]
aus, von einer für die Umgegend u das
hiesige Land bedeutenden Stimme die Mey-
nung aus, daß meine jetzige Anstalt fest be-
stehen würde, wenn die Zahl ihrer Zög-
linge 50 betrüge; irre ich nicht so war
die Zahl meiner Zöglinge in den ersten 20
u wuchs schnell u ich glaube kaum nach
Jahr u Tag jener Äußerung betrug die
Anzahl derselben 50 u bald mehr, so daß ich
zu ein dort gleichze die Anstalt dort gleich-
zeitig 57 Zöglinge zählte. Es gieng mir
wie dem Hausvater in Schillers Glocke:
ein dortmals öffentl. gegebenes Verzeichniß meiner
dortmals sämmtl. Zöglinge nach Alter u
Eltern ist Zeugniß davon. Aber merk-
würdigerweise grad von jenem Moment
an u kaum als ich jenes Verzeichniß
öffentlich ausgesprochen, u ich so
[28]
[links oben:] 11. [Bogen] An das Herz. S. Mein. u. Hildb. Consist.
gleichsam jener Stimme, die ich selbst
achtete durch Mittheilung dieses Ver-
zeichnisses eine Gewähr der Wahrheit
ihres Ausspruches geben wollte, so sank
von jenem Augenblick, wie ein Ball
der seine höchste Höhe seinen Höhenpunkt erreicht hat, be-
schleunigend der äußere Glückszustand
meiner Gesammtlage. Da mir nun
bey meinem immer vergleichenden Blick
auf u in die Geschichte bald mehrseitig
dieselbe Erscheinung entgegentrat, so
mußte ich sie nothwendig in einem
allgemein verbreiteten Natur- oder
vielmehr in einem höheren Geistesgesetz
begründet finden. Und ich habe sie darin
begründet gefunden.
Dieß nun hat mich der ganz richtigen
Empfindung u der bestimmten Äußerung
des einfachen Gemüths gemäß gelehrt
wie es bey meinem Wirken uner-
läßliche Forderung ist, so weit als es
dem menschlichen Willen möglich, von
jedem Aug äußerlich förderlichen als
einem Fundament u einer Stütze des
Ganzen gänzlich anzusehen, und angst-
u furchtlos nur der Wirkung der Wahrheit
zu vertrauen, die zu irgend einer
Zeit ganz gewiß durchdringen u den
Sieg gewinnen, aber dann auch für
immer unvernichtbar feststehen wird.
So mag ich in meinen jetzigen Verhältnissen
nicht einmal einen mir angetragenes
vielseitig seyn sollendes Locale nur prü-
fend betrachten, weil auch das günstigste
Äußere bey Mangel an innerm Eingehen /
[28R]
ich nicht voraussetzen darf, das Ganze
nicht nur nicht fördern, sondern ihm
vielmehr mehr schaden kann. Darum
aber auch so wie man sich durch äußere
günstige Umstände u Lebensverhältnisse
sich nicht verlocken, verleiten u verführen
lassen soll, eben so wenig soll man sich
aber auch bey augenblicklich widrigen
Erscheinungen nicht von dem Handeln
abhalten lassen, u sich dadurch nicht dafür
den Muth, das Vertrauen u dAusdauer
dafür rauben lassen, wozu die innere Wahr-
heit u sonst die Gesammtlage dVerhält-
nisse (Gesammtzustand d[er] Dinge) auf das un-
zweydeutigste auffordert, zumal
wenn aus dem Unterlassungsfall,
wie dieß im Vorliegenden der Fall ist Stattfindet
(Stattfindet), mehr Nachtheiliges
u in der Zukunft schwer zu verbessern-
des Nachtheilige hervorgehe. Denn
ich setze den Fall, daß sich selbst vielleicht mit
Johanni oder selbst schon Pfingsten
die Zahl der 20 Zöglinge u mehr
noch zusammenfände, so würde
es mir dann dennoch unmöglich
seyn für dieß Jahr nach Helba zu
gehen, denn da ich kein[e] Kartoffeln
land (bestellt) besäet) gelegt, keinen Garten
bestellt u keinen [sc.: keine] Futterkräuter
(für Kühe) gebaut hätte gesät hätte,
so würde mir schon von dieser Seite
her das Beginnen im Sommer u
Spätjahr, u Herbst aufs höchste er-
schwert werden. Aber ganz beson-
ders u vor allem mangelte mir das /
[29]
für diese Erziehungsanstalt so höchst
wesentl. landwirthschaftliche Element,
ohne welches sie gar nicht ausführbar
oder wenigstens gleich von Anfang an
leer u todt wäre. Hinzu kommt noch
ein zweytes mindestens gleich Wichtige.
Völlig durchdrungen von der innern
Wahrheit des einem hochpreisl. hohen
Consistorio vorliegenden Planes
einer Volkserziehungsanstalt u bey
den sich mir steigernd zeigenden Schwierig-
keiten ihn in Einigung mit einem
Staate auszuführen, werde ich
denselben, wie ich gleich Eingangs
dieses aussprach, gleich so klein auch
immer der Anfang seyn möge, sogleich
mit Anfang des nach Ostern neu be-
ginnenden Halbjahres anfangen.
Es wird dadurch aber nach Verlauf
eines Jahres um so schwieriger einen
den Ort seines Wir-
kens von neuem lieb gewinnenden Kreis

Kreis der den Ort s[eine]s Wirkens neu lieb gew. od.
vielmehr ihn als d. Product s[eine]r
eigentlich aber als ein Product der
Selbstkraft nie zu lieben aufgehört
habenden hatte auch bey
wirklich größerem Maaße der Ent-
sagung u des Lebens Last örtlich zu
verpflanzen. Ich glaube darum u
bin fest überzeugt, daß um der Ge-
sammtverhältnisse willen es nicht
gut ist die eigentliche Eröffnung
der Anstalt auch nur bis Pfingsten
oder was ganz gleich ist, bis dahin
zu verschieben, bis die Anzahl von
20 Zöglingen wirklich vollständig ist.
Dennoch, über dieß alles, ein lebendiges
Interesse für eine Sache in einem /
[29R]
Anfange läßt sich nie im Leben
zum 2tenmal mit einer solchen gleichen
Lebendigkeit erwecken. Das Interesse
für Meiningen u eine daselbst zu
errichtende Volkserziehungsanstalt
ist durch die lange Zeit der Unter-
handlung u selbst zu meinem augen-
blicklich (bedeutenden) großen Nachtheil, -weil
ich dadurch einige Zöglinge von dem
bedeutendsten Erziehungsgelde
verlohren habe weil ich die Trennung
der Erziehungsanstalten bis zu diesem
Augenblick festhalten mußte -
jetzt rege; allein ich getraue mir
dieses Interesse nicht zum 2tenmal
hervorzurufen, weil noch überdieß
die bey allen die der Erziehungsan-
stalt bisher befreundet zugethan
waren, sich jetzt eine bleibende
Liebe für Keilhau kundthut.
Die Zöglinge, die ich, könnte
die Anstalt meiner schon sehr früh
ausgesprochenen Ansicht gemäß im
Monat May in Wirksamkeit treten,
mitbringen würde, u das von ihnen
gezahlt werdende Erziehungsgeld
würde seyn
1, die Gebrüder Johannes u Titus Pfeiffer
   aus Exin im Großherz. Posen
   jährliches Erziehungsgeld für beyde Rth 150 pr.
2, die 3 Gebrüder Carl, Wilhelm u Christian Clemens aus
   Holstein, 300 Rth sächsisch  " 312  "
2 [3], Felix [Minerow] Pflegesohn d. Frau Majorin v. Arnim aus Grunau in Bayrischen  " 100.-  "
3 [4], Eduard Mackeldey aus Wirbach im Rudolstädtischen  " 150.-  "
4 [5], Leopold Teske aus Samoszin im Großherz. Posen 200 Rth säch  " 208  "
-------------------------------------------------------------------------- ------- ------- -------
   Im Ganzen 8 Zöglingsche Erziehungsgeld[er] Rth 920  "
   Also nach der Punktation v: 13. März für 9 geltend /
[30]
[links oben:] 12. [Bogen] An
Auf keinen derjenigen Rücksicht genommen
wo schon Verbindungen angeknüpft
worden, die aber zu keinem Resultat
gelangen konnten, da ich nicht mit
Bestimmtheit u frey handeln konnte.
Denn das strenge Festhalten d. 20 Zöglinge hätte
mich ja in völliger Unwahrh[ei]t hinstellen
müssen, wenn ich deren nur 19 oder
vielleicht gar nur 18 oder 17 gehabt
hätte. So wurde der Wahrheit nach
wie ich dieß ja auch einem hochverehrtem
Mitglied des Consistorii in meiner letzten persönl. Mit-
theilung darüber auszusprechen mir
erlaubte, dasjenige eben der Sache
hinderlich u sie hemmend, was ihr för-
derlich u sie begründend seyn soll.
Würde man mir, oder vielmehr
dem Geiste der Sache, was ich nach den huld-
vollen u gnädigsten Äußerungen
Serenissimi u nach Abschluß der Punktat.
vom 10. Dec. wirkl. erwartet hatte
u welche Hoffnung eigtl. nur allen
meinen Mittheilungen vom Nov. 1827
bis zu diesem Augenblick zum Grunde
lag, nach vorhergegangener strengster
Prüfung der Sache, völlig vertraut haben
auch wenn ich keinen einzigen Zögling
mitgebracht hätte, so würde ich jetzt
mehr als die geforderten 20 haben. –
------------------
Da eigentlich mit diesen Mittheilungen
zuerst, wie ich schon oben aussprach, zu-
erst meine unmittelbaren zu hoher
Berathung vorgelegten Mittheilungen
die Ausführung einer Volkserziehungsanstalt /
[30R]
in Helba durch mich u die erziehenden
Glieder meines Kreises zuerst beginnen
so schien es mir nicht möglich, einem
hochwürdigen u hochpreislichen Consistorio
einen größern Beweis von meiner hohen Achtung u meiner
wahren Submission zu geben, als wenn
ich jede meiner Ansichten in dieser Sache
offen u freymüthig zu strengster Prüfung
vorlege nicht aber irgend etwas in
irgend einer Falte des Herzens verbor-
gen zurück hielte, was doch gewiß früher
oder später in der Wirksamkeit des thätigen
Lebens hervorgetreten seyn würde,
und wo man mir dann mit Recht hätte
sagen können: [“] hätte man das gewußt,
würde die Verknüpfung nie zu Stande
gekommen seyn“, was mich jetzt wenig-
stens nicht in Wahrheit trifft, denn ich
habe von dem Augenblick an, als mir
in der späteren Zeit das eigentl. Risico
der Unternehmung allein auf den Schultern
lag, gleich erklärt, daß ich die Anstalt in
Keilhau beybehalten würde. Nun aber
da ich bey der unausgesetzt allseitig streng
schärfsten innern u äußern Prüfung finde,
daß diese Anstalt eben die einzige zeit-
gemäße sey, u ihr Bestehen völlig in ihrer
innern Wahrheit trage, u ich mir sage,
wenn ich selbst nicht der Wahrheit, der
ich ihr ja so lange zu dienen mich bemühe
u bilde, nicht ohne Rückhalt vertraute,
wer sollte ihr denn vertrauen? Dieß
ist der Grund meines im Vorher bisherigen
dargelegten Handelns u dieser Darlegung selbst
denn ich sage mir ebenmäßig (gleichmäßig) /
[31]
wenn die Wahrheit in männlicher Be-
scheidenheit sich nicht vor einem hoch-
würdigen, hochpreisl. Consistorio aus-
sprechen dürfe, wo ihr sie eingehende
u allseitige u unpartheiische Prüfung
hoffen darf, wenn sie sich durch dasselbe
nicht dem Durchlauchtigsten alle (Landes)bedürfnisse s[eine]s
Volkes offen vorliegenden Landes-
fürsten aussprechen dürfe, wem
sollte sie sich dann aussprechen?
Denn wer mag gern das Schicksal so vieles
des Vortrefflichsten theilen u eben um
so mehr theilen als die eindringende
Form der Wortdarstellung mangelt,
daß es nur im <Hafer[r]auch> u Nebel
gesprochen sey?
Wie es mir lebendig empfundene
u klar erkannte Pflicht war das
Ganze nochmals in einem gewissen
Zusammenhang zu hoher Prüfung vor-
zulegen, so handle u entscheide ein
hochwürdiges u hochpreisl. Consistorium
nach Wahrhe (Pflicht u) Überzeugung u Wahrheit.
Mit der vollkommnen hohen Achtung u wahrer
Ehrerbietung welche mich bleibend
bey Niederschreibung dieser Bogen belebte
verharre
Eines hochw. hochpr. Consist.
   unterthänig gehorsamst

[keine Unterschrift]
[31R]
[vakat]

b) Zweiter Entwurf

Keilhau den 12 April 1829

An das Herzoglich Sachsen Meiningen Hildburghausische Consistorium

(in Hildburghausen)


       Hochwürdiges,
Hochpreisliches Consistorium!

Schwerlich würde ich mir in diesem
Augenblick, da die letzten Verhandlungen
nicht ganz abgeschlossen vor mir liegen,
- denn bey der letzten Übermachung
meiner amtlich geprüften Anzeige
ist der größte Theil dieser Prüfung,
oder vielmehr der ganze ganze abgeänderte
Entwurf dieser Anzeige - durch irgend
einen Zufall (mir nicht zugekommen)
zurückgeblieben, - erlauben, mich schriftl.
an ein hohes Consistorium zu wenden,
wenn ich nicht für alle Verhandlungen
von nun an mit Bestimmtheit darauf
hingewiesen worden wäre. Darin finde
ich um so mehr einen Wink, einem
hochpreislichen Consistorio offen vor-
zulegen, wie die Sache ihrem Geiste
u ihrer Ausführung nach sich nicht nur
klar bestätigt, sondern auch weiter
fortentwickelt hat.
Diese Fortentwicklung des Ganzen
besteht darin, daß ich erklären kann
und erkläre.
Erstlich, daß ich mit den sämmt-
lichen Gliedern meines erziehenden
Kreises die welche ich in der Con-
sistorialberedung vom 12. März d.J. /
[32R]
namentlich anzuzeigen für als nothwen-
dig hielt, mit eingeschlossen, - für die
Gründung und Errichtung der Volks-
erziehungsanstalt in Helba nach vorliegendem
Plane, in ungetheilter Einheit
zu wirken Willens bin (den Entschluß
gefaßt habe
): daß darum (dadurch)
zweytens zu der Volkserziehungs[-]
anstalt als solcher die mehrseitig gewünschte
und noch in der letzten Mittheilung von
einem verehrlichen Mitgliede eines hohen
Consistorii für nöthig erachtete Erweite-
rung hinzukomme, daß auch denen
Eltern, welche für den in Frage ste-
henden Umfang der Ausbildung ihrer
Söhne einige Kunde der alten und
fremden Sprachen wünschen, - in
wie weit sich natürlich, nochmals ausge-
sprochen, der Umfang der zwar höhern
aber doch immer nur Bürger- und Land-
mannsbildung wie auch das so niedrig
gestellte Erziehungsgeld damit ver-
trägt - gewillfahrt werden kann,
ohne jedoch einen stehenden u ausdrücklich
zu dem Bereiche dieser Volkserziehungsan-
stalt gehörigen Unterrichtsgegenstand
auszumachen u darum bey größerer Ausdehnung u Forderungen besonders vergütigt werden muß. Ich
erkläre
drittens, daß somit das Fortbestehen
der allgem. d. Erziehungsanstalt, sowohl
dem Ort als der Form nach, nach Ein-
tritt der Volkserziehungsanstalt
in Helba nicht ferner festgehalten,
sondern für jetzt auch dem Namen nach
in den Hintergrund treten wird;
und daß ich auf diesen Fall (deßhalb) von meinen jetzigen Zöglingen folgende
mitbringen werde, von welchen das zugleich beygefügte jährliche Erziehungs[-]
geld bezahlt wird:
1, die 2 Gebrüder Johannes u Titus Pfeiffer aus Exin im Großherz. Posen für beyde Rth. 150 Pr.Ct.
2, die 3 Gebrüder Carl, Wilhelm u Christian Clemens aus Holstein für d. drey 300 rth. sächs Rth. 312 Pr.Ct.
3, Felix [Minerow] aus Grunau bey Bayreuth Rth. 100 Pr.Ct.
4, Eduard Mackeldey aus Wirbach im Rudolstädtischen Rth. 150 Pr.Ct.
5, Leopold Teske aus Samoczin im Großhe[r]z. Posen 200 rth. sächs. Rth. 208 Pr.Ct.
----------------------------------------------------------------------- ------- ------- -------
Im Ganzen 8 Zöglinge, jährliches Erziehun[gs]geld Rth 920 Pr.Ct.
also nach der Punktation vom 13[.] März für mehr als 9 Zöglinge gelt[en]d. /
[33]
Weiter erkläre ich
viertens, daß die Pflege- und Ent-
wicklungsanstalt für 3 bis 6 jährige
eltern- und mutterlose Waysen
als eine besondere Anstalt, wenn
man darin etwas Störendes finden
sollte, ebensowenig festgehalten
zu werden braucht; obgleich diese
Anstalt in einer gewissen Beziehung schon
seit mehreren Jahren in der jetzigen mit-
bestand, und so wie ihr Daseyn überhaupt
aus dem allgemeinen Bedürfniß hervorgeht,
so auch ihre Verknüpfung mit einer Anstalt
für erwachsenere Knaben zur rein menschl.
Ausbildung dieser wesentl. wirksam u darum
keineswegs störend ist.
Sonach werden sich nun wirkl. u unverk[enn]bar
alle unsere Kräfte u Mittel
zur Ausführung der bezeichneten Volks[-]
erziehungsanstalt wirklich u unver-
kennbar
als in dem Herz[-] u Brennpunkt
unsers gesammten erziehenden Wirkens
einigen.
Ich erkläre jedoch dieses
1, jetzt keinesweges willkührlich oder
nachträglich als etwas, das mir
etwa schon früher möglich gewesen
wäre, sondern als ein solches, das mir
erst durch die jüngsten Fortentwicklungen
meines Verhältnisses möglich wurde,
darum auch nicht als einen Entschluß,
der erst durch die letzte Mittheilung von
verehrlichen Gliedern eines hohen Consistorii
herbey geführt worden [ist], sondern als einen
solchen, welcher schon vor Eingang dieser
Papiere auszusprechen bestimmt war. /
[33R]
2, Ich trage ich nun (habe ich) durch (die) obige (vier-
fache) Erklärungen die zuversichtl. Erwar-
tung in mir, es werde der Eröffnung
der Volkserziehungsanstalt in Helba
im Laufe des kommenden Monats
May nicht nur nichts mehr entgegen-
stehen, sondern diese vielmehr nun
von Seite eines hochpreisl. Consistorii
bestimmt anerkannt u ausgesprochen
werden, u dieß um so mehr, als über
den noch nachträgl. Rest der 11 Zöglinge
deren zwar für jetzt noch unbestimmter, (schwankender)
aber darum nicht ungewisse[r] Eintritt
vor mir liegt, welcher (gewiß) erfolgen
wird, sobald nur die Anstalt wirkl.
ins Leben getreten ist, oder ich wenigstens
mit Gewißheit aussprechen kann, daß
sie bestimmt ins Leben tritt, was auch unter
den nun Stattfindenden Umständen, wo unse[re]
sämmtl. Kräfte nur auf einen einzigen Punkt
hingewandt sind, von einem hochpreisl. Cons.
sehr leicht in seiner Wahrh[ei]t anerkannt werden
wird.
Durch die lange Dauer der bisherigen
Unterhandlungen einer im Meiningischen
u in Helba zu errichtenden Volkser-
ziehungsanstalt u durch das hie u da
darüber laut Gewordene erwartet
das Publicum die Eröffnung dieser An-
stalt bestimmt mit diesem Frühjahr.
Das Nichterfüllen dieser Erwartung aber
würde nicht sowohl mir u meiner hiesigen
Anstalt, deren inneres gesundes Bestehen
mir v. neuem (immer mehr) zu befestigen
möglich wird, sondern welche auch äußerlich
nach meiner bisherigen bestimmten Erklärung /
[34]
vor dem Publico fortbesteht, als vielmehr
(nach (der) einer Seite hin) der neu zu
eröffnenden schaden, weil ein nicht
erfülltes Interesse u ein[e] unbefriedigte
Theilnahme, einmal zurückgetreten,
schwer wieder zu <erwecken> ist [sc: sind]; (als es
dagegen) wogegen es der neuen Anstalt höchst vor-
theilhaft seyn würde, wenn sie dErwartungen
des Publicums in Hinsicht ihrer Eröffnung
so prompt pünktlich entspräche, wie es denn
gewiß u vor allem Zutrauen er-
wecken würde u müßte, wenn
die Anstalt in festem Zu Vertrauen (Glauben) auf ihre die
äußeren in sich habenden Fundamente [Fundamente] u in
wankenlosem Vertrauen auf die
innere Wahrheit ihrer Grundsätze frey
durch und aus sich hervortritt, ohne
erst durch eine äußere Zustimmung
gleichsam sein ihre Bestehen Gewähr zu er-
halten, ein so einfaches als männl.
Zutrauen zu sich u zur Sache würde
der Anstalt gewiß vielseitiges u männl.
Zutrauen gewinnen
. Ich lege das Ganze
hiermit einem hochpreisl. Consistorio
zur prüfenden Entscheidung vor.
Weil nun aber überhaupt in
Rücksicht der jetzt ganz veränderten
Lage der Dinge vor dem Beginn
des durch die Erziehungsanstalt erfor-
derlichen inneren Ausbaues im Schlosse
zu Helba es nöthig seyn würde, daß
man nochmals die häusliche[n] u räum-
lichen Bedürfnisse des neuen erweiter-
ten Kreises genau mit dem vergleiche,
was das Locale schon an u für sich giebt,
damit weder ein unzweckmäßiger noch (oder)
gar ein unnöthiger Bau bey dem [sc.: den], /
[34R]
wie ausgesprochen, beschränkten Mit-
teln ausgeführt werde; so würde wäre
es gewiß sehr vortheilhaft seyn, wenn
es mir erlaubt gestattet würde wäre, daß
schon mit dem Monat May jemand
von hier nach Helba ziehen könne,
um die nöthige Zweckmäßigkeit des
Baues zu beaufsichtigen, vor allem
aber, daß er die Bearbeitung des Gartens
u zunächst die Bestellung des der Anst. L. [sc.: laut] Punktat[ion]
zugesicherten Kartoffellandes u.s.w. besorge,
damit der Anstalt durch dVerspätung dieser Früh-
lingsarbeiten nicht bey ihrem nachherigen
Eintritt zu großer Nachtheil komme.
Dieser, wie mich dünkt, nothwendigen
Forderung des Ganzen kann um so
leichter genügt werden, da sich ja
schon Zimmer im Schlosse vorfinden die
zur vorläufigen Bewohnbarmachung leicht
herzustellen sind. Die eigentliche völlige translocation der
Anstalt würde jedoch erst dann Statt finden,
wenn das ökonom. Bestehen in Helba u Meiningen
nach den angenommen[en] Maaßstabe gänzlich gesichert
wäre. :// So glaube ich ist so wohl dem Buchstaben
als dem inneren Sinn in der Nachtragspunktation
völlig genügt, und so jedem (voreiligen) übereilten
Vorschritt vorgebeugt, indem es mir ja gleich
v. Anfange der Verh[an]dl[un]g mehrmals aus gesprochen
ernste Sorge u heilige Pflicht war, der neu hervortretenden Anstalt
in Helba zur genügenden ökonom. Sicherstellung derselben
nicht durch zu große Personale zu viel aufzu-
bürden. Darin hatte es seinen Grund u rechtfer-
tigt sich nun hinlängl. warum ich in d. Punktation
d. Bestehen d. Anstalt in Keilhau festhalten mußte
u warum ich auch best auch ich dort bestimmt keine
Punktat. unterschrieben hätte wenn dieses gefordert
worden wäre, u warum auch jetzt noch nicht von der
transloc. d[es] Ganzen als nur in den angestr mit einer großen
Sorge gesprochen werden muß.
Es ist mir nun vor allem (besonders)
nöthig, mich über die Art u Weise, wie diese
Anstalt vor das Publikum trete, auszu-
sprechen. Meine leitende (bleibende) Ansicht
ist nämlich, diese sonst könnte ich überhaupt
gar nicht für die Verwirklichung d[ie]ser Anst.
im geringsten thätig seyn, diese daß dieselbe
gerade jetzt völlig Zeit- Ort- und Leben-
gemäß sey. Nach dieser Ansicht nun
bedarf es zur Einführung dieser Anstalt in
d. (Leben) Publ. weiter nichts, als daß uns das ausgesprochen werden
werde, (daß dieselbe existirt), daß sie da ist,
daß sie unter pflegenden u äußerl. fördernden
Verhältnissen (exist. u) daseyend finde. Da /
[35]
Darum bedarf es uns Erachtens für
die Vorführung u Bekanntmachung dAnstalt
nur wenige u. einfache Worte
.)
Ich für meine Person leiste in dieser Be-
kanntmachung auf alles, mich, meine
bisherige Erziehungsanstalt, u auf
die Nachweise des Zusammenhanges dieser neuen
Anstalt mit meiner jetzigen völlig Verzicht,
da mir leicht andere Wege offen stehen
dieses unsern wenigen tiefen innigsten
Freunden auszusprechen. In dieser
Beziehung u nach dieser erweiter[ten] Ansicht nun
deucht es mir nicht so wesentlich, mit
welchen Worten die Anzeige sich ausspreche gegeben werde, u ich theile
völlig die M[einun]g, daß sie kurz u bündig sey u nur das
Wesentl. ihre[r ] Stellung zu berühren braucht.
darum gar nicht ausführ Nur muß
sich aus ihr die innere Ansicht der
Volkserziehung überhaupt, (als) u besonders
die der Anstalt selbst aussprechen. Ich
glaube, daß man auch wirkl. dem
einfachen gemeinen Mann in dieser Be-
ziehung etw. Bedeutendes zutrauen könne.
Diesemnach könnte di nun
die Anzeige (v. der Volkserz.) ohngefähr
des Inhalts u der Form seyn:
------------

Anzeige von der Volkserziehungsanstalt in Helba bey Meiningen
           Gegeben v dVorsteher derselben Fröbel
Da es nicht allein der denkende u erfahrene Bürger u
Landmann, sond[ern] der denkende u erfahrene Mann überhaupt
als die erste Bedingung einer gründl. Erziehung, eines für das Leben
ersprießlichen Unterrichts u einer allseitigen genügenden Ausbil-
dung erkennt, wenn sich dieselbe auf sinniges Thun, u denkendes
Arbeiten, beydes zurückgeführt auf die höhere geistige Bestimmung des /
[35R]
des Menschen wie auf seine mannigfachen Lebens-
berufe, gründet; so wird eine auf diesen [sc.: diesem] Erfahrungssatz
ruhende Erziehungsanstalt für Knaben nach einem höchsten Orts vor-
gelegten u genehmigten Plane unter dem Namen
einer Volkserziehungsanstalt mit dem <genauen>
jetzt kommenden Frühling
unter dem Schutze Sr Herz.
Durchlaucht des He. Herzogs Bernhard v. S. Meiningen Hildb.
u unterstützt von der Huld (Sr Herz. Durchl.) Hochdesselben
namentl. durch Einräumung eines in jeder Beziehung für
diesen Zweck günstigen gelegenen Schlosses des Herzogl.
Kammergutes Helba (eine halbe Stunde v Meiningen
auf der Straße nach Liebenstein, eine Viertelstunde seitab
liegend) - errichtet werden.
Diese Anstalt macht sich zum besondern Zweck,
für jedes (bürgerl.) Gewerbe, so dem Landmann,
den Handwerkern, u hier namentl. den gestaltenden
als den Tischler, Zimmermann, Maurer, Metall-
u Eisenarbeiter eine genügende Vorbildung
zu geben, so wie zur höhern u einsichtigen Betrei-
bung jeden bürgerlichen Geschäftes, u Berufes wie Verhältnisses u
Berufes
wie des Kaufmanns, des Fabrikanten u.s.w.
hinzu
u ähnlichen hinzuführen.
Sie wird dem oben ausgesprochenen Grund-
satze getreu ihren Unterricht auf die häusliche
u wirtschaftl. Thätigkeit einer geordneten sich gleich-
sam selbst erziehenden Landmanns- oder Bürger-

familie, ihre Erziehung auf das Wesen u den
Geist eines reinen Familienlebens gründen;
aber zugleich außer dem gewöhnl. bekannten Schulunterricht
noch besonders den in d. Mathematik Meß-, Natur- u Erdkunde,
wie in dGeschichte geben, u Sprache, Gesang,
Musik, Zeichnen u.s.w. lehren, insoweit solches
alles in dem Umfang dieses bezeichneten Lebens-
kreises liegt. Auch für diejenigen, deren künf-
tiger Lebensberuf irgend eine Kenntniß /
[]
[*hier unleserliche Bleistiftanmerkung*]
fremder Sprachen nöthig macht, soll
[Rand*-*] [*] ist nicht gleich im Ja) eingedenk daß <dieß> noch besonder[s]
berü[cksi]chtigt werden muß? [*]
nach besonderer Rücksprache mit
den Eltern genügt werden, ohne
daß jedoch der Unterricht hier
einen stehenden (bey dem so niedrig gestellten Erziehungsgelde) Gegenstand des allgemeinen
Lehrplans ausmache.
Weil demnach diese Anstalt, wie eine
Vorschule fürs Leben, so eine Nach- u Erwei-
terungsschule für den schon genossenen gewöhnl.
Schulunterricht seyn soll so werden Knaben vom
7ten bis zum 14ten Jahre,
oder vielmehr bis unmittelbar
nach der gewöhnl. Confirmation
die Zöglinge in dieselbe aufgenommen, so werden zum Alter
der aufzunehmenden Zöglinge die Jahre vom
7ten bis gegen d. 14te, oder vielmehr das Alter
bis unmittelbar nach der gewöhnli. Confir-
mation freygegeben; aus der doppelten
Rücksicht: daß einmal diejenigen Eltern, welche
ihren Söhnen gern eine mehr gründl. u ausgedehnte
Bildung, als die ihnen die zunächst zu Gebote stehenden
Verhältnisse reichen, gern geben mögen, dazu hier
Gelegenheit finden; dann aber auch,
damit besonders die Eltern, welche zur
Vorbildung ihrer Söhne für das Schulfach eine
Gelegenheit suchen, hier dMittel finden können,
ihren Wunsch zu befriedigen.
Damit nun diesen mehrseitigen Zwecken gemäß
auch weniger Bemittelte einen Weg erhalten,
ihren Söhnen eine ihren künftigen Verhältnissen
angemessene u erweiterte Ausbildung zu geben,
ist das jährl. Erziehungsgeld so billig bey der
Mannigfaltigkeit dLeistungen dem Vielen was gereicht wird so billig als mögl.
als gestellt worden, wie dagegen durch die
örtl. Lage u Verhältnisse,
wie dagegen bey der höchst günstigen
örtlichen Lage
hier namentl. die
Nähe der vielen gewerbtreibenden Orte für
die mannigfachen Erzeugnisse des Kunst[-]
u Gewerbfleisses diesen Zweck vorzüglich begünstigen, so wie durch die für die /
[36R]
Ausführung des Zweckes verbundenen Glieder
bey Einigung ihrer sämmtl. Kräfte zur Erringung
des vorgesteckten Zieles unter der so höchst günstigen
örtlichen Lage das Tüchtigste zu erreichen leisten zu leisten
sich angelegentlichst angestrebt bemühen werden wird.
Das jährl. Erziehungsgeld ist Rth. 100 Pr.Ct
jedoch für wirkl. Landeseingeborene rücksichtlich
der Höchsten Unterstützung von Seite Sr. Herz.
Durchlaucht nur 80 rth. Pr.Ct in halb-
jähriger u nach Einzelumständen vierteljähriger Vorausbezahlung. Der Ein-
u Aus tritt in die Anstalt wie der Austritt
geschieht nur halbjährig zu Ostern u Michaeli,
so wie der Austritt ein Vierteljahr vor-
her angezeigt werden, sonst das vierteljähr.
Erziehungsgeld aus leicht einzusehenden Gründen
der Anstalt gezahlt werden muß. Die Eröffnung d Anstalt geschieht
mit dem Monat May und
mit dem 13 Juny wird
die Aufnahme für dieses
Sommerhalbjahr geschlossen.
Nähere Nachrichten so wie die Mittheilung von dem
des ausgeführten Lehrplanes werden auf An-
fragen befriedigend ertheilt werden.
Keilhau bey Rudolstadt im April 1829.
(Sollte in eine noch größere Abkürzung dieser Anzeige, so wie ein
Umtausch gleichsinniger Wörter und Redeweisen
für gut erkannt in dieser Anzeige für für
gut erkannt werden, so bin ich weit ent-
fernt eine Einwendung dagegen zu machen, wie
ich nament[lich] bitte <um> zu verbessern mich aufmerksam zu machen bitte, was etwa gegen amtl.
Verh.[ältnisse] gefaßt war seyn sollte[.]
Aus der im Vorstehende darge-
legten Entwicklung, nach welcher
das geeinte Personale für den einen
Zweck der Ausführung der Volks-
erziehungsanstalt nach Helba
kommen wird, ergiebt sich nun,
wie das, was gleich im ersten An-
fange der Verhandlungen von bey-
den Seiten wirklich beabsichtiget, aber
durch dazwischen tretende beengende
äußere
[links daneben geschrieben:
Wie es mir Pflicht war, das Ganze
in seiner neuen Fortentwicklung in einem gewissen
Zusam[men]h[an]ge zu hoher Prüfung vorzulegen,
so handle u entscheide ein hochw. hochpr.
Consist. nach Überzeugung u Wahrheit
]
Mit d[er] hohen Achtung u wahren Ehrerbietung
v. welcher ich durchdrungen bin, verharre ich
Eines hochw. hochpr. Cons.
      unterthänig gehorsamster

[keine Unterschrift]
[1]

c) Rekonstruktion [Otto Wächter/KN]

An das Herzogl. S. Meiningische Consistorium in Hildburghausen
Schwerlich würde ich mir in diesem Augenblicke, da die letzten
Verhandlungen nicht ganz abgeschlossen vor mir liegen, - denn
bey der letzten Übermachung meiner amtlich geprüften An-
zeige ist der größte Theil dieser Prüfung, oder vielmehr der
ganze abgeänderte Entwurf dieser Anzeige durch irgend einen
Zufall zurückgeblieben, - erlauben, mich schriftlich an ein
hohes Consistorium zu wenden, wenn ich nicht für alle Ver-
handlungen von nun an mit Bestimmtheit darauf hinge-
wiesen worden wäre. Darin finde ich um so mehr einen
Wink, einem hochpreislichen Consistorium offen vorzulegen, wie
die Sache ihrem Geiste und ihrer Ausführung nach sich nicht nur
klar bestätiget, sondern auch weiter fortentwickelt hat.
Diese Fortentwickelung des Ganzen besteht darin, daß ich
erklären kann und erkläre.
Erstlich, daß ich mit den sämmtlichen Gliedern meines erzie-
henden Kreises, - die welche ich in der Consistorialberedung
vom 12. März d.J. namentlich anzuzeigen als nothwendig
hielt, mit eingeschlossen, - für die Gründung und Errichtung
der Volkserziehungsanstalt in Helba nach vorliegendem
Plane in ungetheilter Einheit zu wirken Willens bin. Daß darum /
[2]
zweitens zu der Volkserziehungsanstalt als solcher die
mehrseitig gewünschte und noch in den letzten Mitthei-
lungen von einem verehrlichen Mitgliede eines hohen Con-
sistorii für nöthig erachtete Erweiterung hinzukommen,
daß auch denen Eltern, welche für den in Frage stehenden
Umfang der Ausbildung ihrer Söhne einige Kunde der
alten und fremden Sprachen wünschen, - in wieweit sich
noch, nochmals ausgesprochen, der Umfang der zwar höhern,
aber doch immer nur Bürger- und Landmannsbildung wie
auch das so niedrig gestellte Erziehungsgeld, damit verträgt,
gewillfahrt werden werden kann, ohne jedoch einen stehenden
und ausdrücklich zu dem Bereiche dieser Volkserziehungsanstalt
gehörigen Unterrichtsgegenstand auszumachen, und welcher
darum bey größerer Ausdehnung der Forderungen besonders
vergütiget werden muß. Ich erkläre
drittens, daß somit das Fortbestehen der allgemeinen deut-
schen Erziehungsanstalt, sowohl dem Ort als der Form nach,
nach Eintritt der Volkserziehungsanstalt in Helba, nicht
ferner festgehalten, sondern für jetzt auch dem Namen nach
in den Hintergrund treten wird; und daß ich auf diesen
Fall von meinen hiesigen Zöglingen folgende mitbringen
werde, von welchen das zugleich beygefügte jährliche Erziehungs-
geld bezahlt wird: /
[3]
1. Die 2 Gebrüder Johannes und Titus Pfeiffer
aus Exin in dem Großherzogthum Posen für beide Rt 150 Pr.C.
2. Die 3 Gebrüder Carl, Wilhelm und Christian Clemens
aus Holstein, für die drei 300 rt sächs Kt [sc.: Courant] 312
3. Felix Minerow aus Grunau bei Bayreuth 100.-
4. Eduard Mackeldey aus dem Rudolstädtischen 150.-
5. Leopold Teske aus dem Großherz. Posen 200 rt sächs. 208
Im Ganzen 8 Zöglingen, jährliches Erziehungsgeld Rt 920 Pr Cr-
also nach der Punktation vom 13. März für mehr als 9 Zöglinge
geltend. Weiter erkläre ich
viertens, daß die Pflege- und Entwicklungsanstalt für 3-6
jährige eltern- und mutterlose Waysen als eine besondere
Anstalt, wenn man darin etwas Störendes finden sollte, eben-
sowenig festgehalten zu werden braucht, obgleich diese Anstalt in
einer gewissen Beziehung schon seit mehreren Jahren in der jetzi-
gen mitbestand, und so wie ihr Daseyn überhaupt aus dem
allgemeinen Bedürfniß hervorgeht, so auch ihre Verknüpfung
mit einer Anstalt für erwachsene Knaben zur rein menschlichen
Bildung dieser, wesentlich wirksam und darum keineswegs
störend ist.
Sonach werden sich wirklich alle unsere Kräfte und Mittel zur
Ausführung der bezeichneten Volkserziehungsanstalt als in dem
Herzpunkt unsres gesammten erziehenden Wirkens einigen.
Ich erkläre jedoch dieses keinesweges jetzt willkührlich, oder
nachträglich als etwas, das mir schon früher möglich gewesen wäre,
sondern als ein solches, das mir erst durch die jüngsten Fortentwicklungen (s.u.) /
[4]
meines Verhältnisses möglich wurde, darum auch nicht als einen
Entschluß, der erst durch die letzte Mittheilung von verehrlichen
Gliedern eines Hohen Consistorii herbeygeführt worden, son-
dern als einen, welcher schon vor Eingang dieser Papiere aus-
zusprechen bestimmt war.
Ich trage durch obige Erklärungen die zuversichtliche Erwartung
in mir, es werde die Eröffnung der Volkserziehungsanstalt in
Helba im Laufe des kommenden Monats May nicht nur
nichts mehr entgegenstehen, sondern diese vielmehr nun von
Seiten eines hochpreislichen Consistorii bestimmt anerkannt
und ausgesprochen werden, und dieß umsomehr, als über den nach-
träglichen Rest der 11 Zöglinge, deren zwar für jetzt noch unbe-
stimmter, aber darum nicht ungewisser Eintritt vor mir liegt,
welcher erfolgen wird, sobald nur die Anstalt wirklich ins Le-
ben getreten ist, oder ich wenigstens mit Gewißheit ausspre-
chen kann, daß sie ins Leben tritt, was auch unter den nun
Statt findenden Umständen, wo unsre sämmtlichen Kräfte
nur auf einen einzigen Punkt hingewandt sind, von ei-
nem hohen Consistorio leicht in seiner Wahrheit anerkannt
werden wird.
Durch die lange Dauer der bisherigen Unterhandlungen
einer im Meiningischen und in Helba zu errichtenden Volks-
erziehungsanstalt und durch das hier und da darüber laut Ge-/
[5]
wordene erwartet das Publikum die Eröffnung dieser Anstalt bestimmt
mit dem jetzigen Frühjahr. Das Nichterfüllen dieser Er-
wartung aber würde nicht sowohl mir und meiner hiesigen
Anstalt, deren inneres gesundes Bestehen von neuem mir
zu befestigen möglich wird, und welche auch äußerlich nach
meiner bisherigen Erklärung vor dem Publico fortbesteht,
als vielmehr der neu zu eröffnenden schaden, weil ein nicht
erfülltes Interesse und eine unbefriedigte Theilnahme, ein-
mal zurückgetreten, schwer wieder zu erneuern ist; wogegen
der neuen Anstalt höchst vortheilhaft seyn würde, wenn sie
den Erwartungen des Publikums in Hinsicht ihrer Eröffnung pünkt-
lich entspräche, wie es denn gewiß und vor allem Zutrauen
erwecken würde, müßte, wenn die Anstalt in festem Ver-
trauen auf ihre äußeren Fundamente und in wankenloser
Zuversicht auf die innere Wahrheit ihrer Grundsätze frey
durch und aus sich hervortritt, ohne erst durch eine äußere
Zustimmung gleichsam ihre Gewähr zu erhalten. Ich lege das
Ganze hiermit einem hochpreislichen Consistorio zur prü-
fenden Entscheidung vor.
Weil nun aber überhaupt in Rücksicht der jetzt ganz ver-
änderten Lage der Dinge vor dem Beginn des durch die Er-
ziehungsanstalt erforderlichen innern Ausbaues im Schlosse
zu Helba es nötig wäre, daß man nochmals die häuslichen /
[6]
und räumlichen Bedürfnisse des neuen erweiterten Kreises
genau mit dem vergliche, was das Locale schon an und für
sich giebt, damit weder ein unzweckmäßiger noch un-
nöthiger Bau bey den beschränkten Mitteln ausgeführt werde; so
würde es gewiß vortheilhaft seyn, wenn es gestattet würde,
daß schon mit dem Monat May jemand von hier nach
Helba ziehen könne, um die nöthige Zweckmäßigkeit des Baues
zu beaufsichtigen, vor allem aber, daß er die Bearbeitung
des Gartens und zunächst die Bestellung des der Anstalt laut
Punktation zugesicherten Kartoffellandes u. s. w. besorge, damit
der Anstalt durch die Verspätung dieser Frühlingsarbeiten nicht
bey ihrem nachherigen Eintritt zu großer Nachtheil komme. Dieser,
wie mich dünkt, nothwendigen Forderung des Ganzen kann
um so leichter genügt werden, da sich schon Zimmer im
Schlosse vorfinden, die zur vorläufigen Bewohnbarmachung leicht
herzustellen sind. Die eigentliche völlige Translokation der
Anstalt würde jedoch erst dann Statt finden, wenn das ökono-
mische Bestehen in Helba und Meiningen nach dem ange-
nommenen Maaßstabe gänzlich gesichert wäre.
So glaube ich, ist sowohl dem Buchstaben als dem innern
Sinn der Nachtragspunktation völlig genügt, und so jedem
übereilten Vorschritt vorgebeugt, indem es mir ja gleich vom
Anfange der Verhandlungen mehrmals ausgesprochene /
[7]
ernste Sorge und heilige Pflicht war, der neu hervortretenden
Anstalt in Helba zur genügenden ökonomischen Sicherstellung
derselben nicht durch zu großes Personale zu viel aufzubürden.
Darin hatte es seinen Grund und rechtfertigt sich nun hin-
länglich, warum ich in der Punktation das Bestehen der Anstalt
in Keilhau festhalten mußte, warum ich auch dort be-
stimmt keine Punktation unterschrieben hätte, wenn dieses
gefordert worden wäre, und warum auch jetzt noch von der
Translokation des Ganzen mit einer großen Sorge gesprochen
werden muß.
Es ist mir nun vor allem nöthig, mich über die Art und
Weise, wie diese Anstalt vor das Publicum trete, auszuspre-
chen. Meine bleibende Ansicht ist nämlich, - sonst könnte
ich überhaupt gar nicht für die Verwirklichung dieser Anstalt
im geringsten thätig seyn, daß dieselbe gerade jetzt völlig
Zeit-, Ort- und Lebengemäß sey. Nach dieser Ansicht nun
bedarf es zur Einführung dieser Anstalt in das Publicum weiter
nichts aus das Aussprechen, daß sie da ist, daß sie unter pfle-
genden und äußerlich fördernden Verhältnissen daseyend
gefunden wird. Ich für meine Person leiste in dieser
Bekanntmachung auf alles mich, meine bisherige Er-
ziehungsanstalt und auf den Nachweis des Zusammenhanges
dieser neuen Anstalt mit meiner jetzigen völlig Verzicht, /
[8]
da mir leicht andre Wege offen stehen, dieses unsern
wenigen tiefer eingehenden Freunden auszusprechen.
In dieser Beziehung und nach dieser erweiterten Ansicht
nun deucht es mir nicht so wesentlich, mit welchen Worten
die Anzeige gegeben werde, und ich theile völlig die
Meinung, daß sie kurz und bündig sey und nur das
Wesentliche ihrer Stellung zu berühren braucht. Nur muß
sich aus ihr die innere Ansicht der Volkserziehung überhaupt,
und besonders die der Anstalt selbst aussprechen. Ich glaube,
daß man auch wirklich dem einfachen gemeinen Manne
in dieser Beziehung etwas Bedeutendes zutrauen könne.
[Der folgende Text ab S.8 Mitte bis einschließlich S. 10 Zeile 5 der Rekonstruktion des Originalbriefs Fröbels durch Otto Wächter stellt eine schwer lesbare Mischung von Textrekonstruktion und Textkritik mit gleitenden Übergängen dar. Es handelt sich um F.s Werbetext für die Eröffnung der Anstalt Helba, der gedruckt wurde und z.B. dem „Allgemeinen Anzeiger der Deutschen “ beilag. Dieser gedruckte Text wird hier unter d) wiedergegeben.]
Diesem nach könnte nun die Anzeige ohngefähr des Inhalts
und der Form sein: (Abweichungen von der gedruckten Anzeige:
Da es nicht allein der denkende und unerfahrene B. ....
allseitig genügenden Ausbildung erkannt, wenn sich ......
gründet; so wird ein ...........
unter dem Namen einer Volkserziehungsanstalt mit dem
jetzt kommenden Frühling
”zwar lediglich als Privatunternehmen, jedoch” fehlt im Entwurf, ebenso[: “] und unter Oberaufsicht des Herzogl. Consistoriums [”] von Hildburghausen
und unterstützt von der Huld Hochdesselben, namentlich durch
Einräumung eines in jeder Beziehung für diesen Zweck
günstig gelegenen Schlosses des Herzoglichen Kammergutes Helba /
[9]
(eine halbe Stunde von Meiningen auf der Straße nach
Liebenstein, eine Viertelstunde seitab liegend) errichtet
werden. (ein Satz bis bisher)
     als dem Tischler
eines jeden bürgerlichen fehlt
und ähnlichen
dem oben ausgesprochenen
wirtschaftlichen
geordneten Komma fehlt
Maß. Natur und Erkunde
Sprache, Gesang, Musik, Zeichnen usw.
fremde Sprachen nöthig macht (sowie eine weitere
Ausbildung auf besonderen musikalischen Instrumenten: fehlt)
Der Unterricht hierin
diese Anstalt,
sein soll.
nicht bloß: fehlt
bis zum 14ten Jahre, oder vielmehr bis unmittelbar nach
der gewöhnlichen Confirmation als Zöglinge in dieselbe
aufgenommen, aus der doppelten Rücksicht: daß einmal
diejenigen Eltern, welche ihren Söhnen gern eine mehr gründ-
liche und ausgedehnte Bildung, als die ihnen die zunächst
zu Gebote stehenden Verhältnisse reichen, geben mögen, dazu
hier Gelegenheit finden; dann aber auch, damit besonders /
[10]
die Eltern, welche zur Vorbildung ihrer Söhne für das
Schulfach eine Gelegenheit suchen, hier die Mittel finden
können, ihren Wunsch zu befriedigen.
So statt: 14ten Jahr .genommen werden.
so ist fehlt
bei dem Vielen, das gegeben wird, so billig als möglich ge-
stellt werden, wie dagegen durch die örtliche Lage und
Verhältnisse, hier namentlich die Nähe der vielen ge-
werbetreibenden Orte für die mannigfachen Erzeugnisse
des Kunst- und Gewerbefleißes, die diesen Zweck vorzüglich
begünstigen, so wie durch die für Ausführung des Zweckes
verbundenen Glieder, bei Einigung ihrer sämmtlichen Kräfte
zur Erringung des vorgesteckten Zieles, das Tüchtigste zu
leisten sich bemühen werden.
....ist Rthl 100 Pr.Ct jedoch für wirklich Landeseinge-
borene rücksichtlich der Höchsten Unterstützung von Seite S.
Herzoglichen Durchlaucht nur Rthl. 80 Pr. Ct in halb-
jähriger und nach Einzelumständen vierteljähriger Voraus-
bezahlung
.....sowie der Austritt     gezahlt werden muß.
Die Eröffnung der Anstalt geschieht mit dem Monat May.
Nähere Nachrichten werden auf Anfragen befriedigend ertheilt
werden.”/
[11]
Sollte eine noch größere Abkürzung dieser Anzeige,
sowie ein Umtausch gleichsinniger Wörter und Redeweisen
für gut erkannt werden, so bin ich weit entfernt eine
Einwendung dagegen zu machen; namentlich bitte ich
mich zu verbessern, wo etwa gegen amtliche Verhältnisse
gefehlt seyn sollte.
Mit der hohen Achtung und wahren Ehrerbietung, von wel-
cher ich durchdrungen bin, verharre ich
Eines Hochwürdigen Hochpreislichen
Consistorii
unterthänig gehorsamster
Friedrich Wilhelm August Fröbel.
Keilhau den 17ten April
1829

d) Druck

Anzeige von der Volkserziehungsanstalt in Helba bey Meiningen,
gegeben von dem Vorsteher derselben, F. W. A. Fröbel.
Nicht nur der denkende und erfahrne Bürger und Landmann, sondern der denkende
und erfahrne Mann überhaupt erkennt es als die erste Bedingung einer gründlichen Er-
ziehung, eines für das Leben ersprießlichen Unterrichtes und einer allseitigen genügenden
Ausbildung, daß sich dieselbe auf sinniges Thun und denkendes Arbeiten – beydes zu-
rückgeführt auf die höhere Bestimmung des Menschen, wie auf seine mannigfachen Le-
bensberufe – gründet. Darum wird eine auf diesem Erfahrungssatze ruhende Er-
ziehungsanstalt für Knaben, nach einem höchsten Orts vorgelegten und genehmigten
Plane, unter dem Namen einer Volkserziehungsanstalt, zwar lediglich als
Privatunternehmen, jedoch unter dem Schutze und mit gnädigster Unterstützung Sr
Durchlaucht
, des Herrn Herzogs Bernhard von S. Meiningen-Hild-
burghausen
und unter Oberaufsicht des Herzogl. Consistoriums eröffnet werden Der
künftigen Anstalt ist ein in jeder Beziehung für diesen Zweck günstig gelegenes Schloß
des Herzogl. Kammergutes Helba, eine halbe Stunde von Meiningen, eine Viertel-
stunde seitabwärts von der Hauptstraße nach Liebenstein, Gotha, Würzburg rc. liegend,
eingeräumt worden.
Diese Anstalt macht sich zum besondern Zweck, für jedes Gewerbe, so dem Land-
manne, den Handwerkern, und hier namentlich den gestaltenden, dem Tischler, Zim-
mermann, Maurer, Metall- und Eisenarbeiter, eine genügende Vorbildung zu ge-
ben, so wie zur höhern und einsichtigen Betreibung eines jeden bürgerlichen Geschäftes,
des Kaufmanns, des Fabrikanten und ähnlicher, hinzuführen.
Sie wird dem ausgesprochenen Grundsatze getreu ihren Unterricht auf die häusliche
und wirtschaftliche Thätigkeit einer geordneten, sich gleichsam selbst erziehenden Land- /
[8R]
manns- oder Bürgerfamilie, ihre Erziehung auf das Wesen und den Geist eines reinen
Familienlebens gründen; aber zugleich außer dem bekannten Schulunterrichte noch beson-
ders den in der Mathematik, Natur- und Erdkunde, wie in der Geschichte geben, und
Sprache, Musik, besonders Gesang, und Zeichnen u. s. w. lehren, insoweit solches alles
in dem Umfange dieses bezeichneten Lebenskreises liegt. Auch denjenigen, deren künfti-
ger Lebensberuf irgend eine Kenntniß fremder Sprachen, so wie eine weitere Ausbildung
auf besonderen musikalischen Instrumenten nöthig macht, soll nach besonderer Rücksprache
mit den Eltern genügt werden, ohne daß jedoch dieser Unterricht einen stehenden Gegen-
stand des allgemeinen Lehrplans ausmache.
Weil demnach diese Anstalt wie eine Vorschule fürs Leben, so eine Nach- und Er-
weiterungsschule für den schon genossenen gewöhnlichen Schulunterricht seyn soll; so wer-
den nicht blos Knaben vom 7ten bis gegen das 14te Jahr aufgenommen, sondern auch
junge Leute, für welche nach der Confirmation eine ausgedehntere und gründlichere Bil-
dung, als die gewöhnlichen Schulen geben, gewünscht wird. Daher wird besonders auf
diejenigen, welche sich zur Aufnahme in ein Schullehrerseminarium vorbereiten wollen,
Rücksicht genommen werden.
Damit nun diesen mehrseitigen Zwecken gemäß auch weniger Bemittelte einen Weg
erhalten, ihren Söhnen eine ihren künftigen Verhältnissen angemessene und erweiterte
Ausbildung zu geben; so ist das jährliche Erziehungsgeld, bey der Mannigfaltigkeit der
Leistungen und bey dem Vereintbleiben aller erziehenden Glieder des bisherigen Kreises
zur Erreichung dieses Zweckes, so billig als möglich gestellt worden.
Das jährliche Erziehungsgeld ist Einhundert Thaler Preuß. Cour. in halb-
jähriger und nach Umständen vierteljähriger Vorausbezahlung; jedoch soll für Einge-
borne des Meiningischen Landes rücksichtlich der Höchsten Unterstützung von Seiten Sr.
Herzoglichen Durchlaucht eine schon festgesetzte Erleichterung Statt finden. Der Ein-
tritt in die Anstalt wie der Austritt aus derselben geschieht nur halbjährig, zu Ostern
und zu Michaeli; der Austritt muß ein Vierteljahr vorher angezeigt, oder das viertel-
jährige Erziehungsgeld aus leicht einzusehenden Gründen gezahlt werden.
Die Eröffnung der neuen Anstalt in Helba wird im Laufe dieses Frühjahrs oder im
nächsten Sommer Statt finden; jedoch beginnt, wie von uns gleich Anfangs festgesetzt
worden, die Ausführung des dargelegten Planes bestimmt mit Anfang May’s, schon hier
in Keilhau.
Nähere Nachrichten so wie die Mittheilung des ausgeführten Lehrplans werden auf
Anfragen befriedigend ertheilt werden.      Keilhau bey Rudolstadt im April 1829.