Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friedrich Mosengeil in Meiningen v. 17.4.1829 (Keilhau)


F. an Friedrich Mosengeil in Meiningen v. 17.4.1829 (Keilhau)
(BN 726, Bl 85-86, dat. Entwurf 1 B fol 4 S. Inhaltlich kommt 86R vor 86V. Im Regest Otto Wächters in KN 24,17 wird der in der Nachschrift authorisierte Briefüberbringer als Joh. Schmidt, Gehilfe in Keilhau, identifiziert.)

An Herrn OberConsistorialrath Dr. Mosengeil in Meiningen.

Keilh[au] am 17/IV 29.
Wie könnte ich anders, als Ihnen, verehrtester Herr
OberConsistorialrath, als auf das lebhafteste dankbar
seyn für die viele große freundschaftl[iche] Mühe Bemühung, die Sie sich mit durch
der Überarbeitung meiner Anzeige so gütevoll
übernommen haben. Doppelt u mehrfach leid thut es mir
daher, daß mir davon bis jetzt u mit bey Rücksendung meiner
Anzeige nur bey weitem der geringste Theil des Resul-
tats Ihrer Bemühungen, näml[ich] nur die wenigen Notizen, welche
Ihre Güte unmittelbar zu meinem Aufsatz hinzu-
gefügt hat zugekommen ist. Der eigentl[iche] Entwurf von der Anzeige
von Ihnen aber ist, ich begreife nicht durch welchen un-
günstigen Zufall mir von Hildburghausen mit bey Rück-
nebst sendung meiner Anzeige nebst den übrigen Papieren
nicht mit zugekommen. Es würde mich dieß Ich würde dadurch in noch
größere Verlegenheit gesetzt haben, wenn mir nicht eine
sehr günstige Wendung meiner persönl[ichen] Verhältnisse mög-
lich gemacht hätte, den mir noch in der letzten verehrten
Zuschrift von Ihnen aus u auch so wie früher schon durch
d[en] He. Consist. Dr. Nonne u anderwarts ausgesprochenen Wunsche,
die meinen ganzen erziehenden Kreis von hier nach
Helba zu translociren, erfüllen zu können, allerdings was
freylich wohl gleich beym dem Keime
war dieß wohl gleich beym Keim der Verhandlungen zwischen Sr.
Herz. Durchl[aucht] u mir die gegenseitige Meinung wur Absicht gegen-
seitig beabsichtigt wurde, was
das aber es wurde später leider durch
die dazwischen tretenden Unterhandlungen beengenden äußern u Einzelansichten, die
nach meiner Überzeugung bey weitem mehr nachtheilig
als förderl[ich] waren, zurückgedrängt.
wurde.
Doch nun hat meine hiesige Erziehungsanstalt durch
Selbsthülfe wieder so ihre alte Gesundheit erh u frisches
Jugendleben bekommen, daß ihre Erhaltung als solche nicht mehr
von der Festhaltung des Ortes abhängt, sondern wieder in
die Macht meiner geistigen Kraft zurückgegeben ist.
Durch diese veränderte Lage der Dinge konnte ich
mich auch in der Anzeige nur ganz auf die Volkserz[iehung] /
[85R]
zurückbeziehen u alle andern Rücksichten ganz zurück-
treten lassen. So hoffe ich denn auch, daß der neue
Entwurf, abgerechnet meine eigenthüml. Sprechweise,
die ich freyl[ich] auch selbst bey dem besten Wollen nicht nur wenig ver-
meiden kann, ich müßte denn meine (weil ich es mir sonst
leichter werden müßte mich meiner Individ. zu entsagen
als mir dieß mögl[ich] ist) einem hochpreisl. Consistorio
mehr entsprechen werde. Gern, sehr gern hätte ich freyl[ich]
eben dabey Ihre Ansichten u besond. Darstellungsweisen wo mögl[ich]
benutzt, allein eben da, wo die nun neue Anzeige
begann, d.h. nach gänzl. Abschneidung gleichsam der Einleitung,
verließen mich die von Ihre[r] Güte unmittelbar gemachten
Bemerkungen, (weil Ihre Freundsch. für mich Sie eben in
in einen besondern Entwurf zusammengestellt hatte)
.
Nun gestehe ich auch zugl. hiebey aufrichtig, daß ich darin nicht so ganz Ihrer Meynung beystimmen kann, hochgeehrter He. Ober., daß so ganz Wesentl. von der
äußern Form der Anzeige abhänge; denn ist das Hervortreten der Erziehungsanst. zeitgemäß, so
Nach Ihrer Bestimmung, verehrter Herr Oberconsistorialrath
habe ich Erklärung u Entwurf heute früh un[mi]ttelbar an
dHe. Consist. Nonne durch einen unter Einschl an ein hochpreisl.
Consistor. unter; durch; beym <vertheilst> Einschluß an He. Consistor. Nonne heute
durch einen Expressen abgeschickt. Zugle
Zugleich habe ich ein Verzeichniß von 8 Zöglingen beyge-
legt welche d[ie] Summe von 920 Rth. Pr. Ct. jährl. Erziehungsg.
zahlen u[nd] v[on] welchen ich von hier ich jetzt weiß daß sie mit nach
Helba gehen werden. Hierdurch ist nun d[ie] Forderung v mehr
als 9 Zöglingen gedeckt; für eine unbest Anzahl liegt der
von der noch fehlenden Anzahl der 11 glaube ich gewiß, daß
ich bis jetzt schon wenigstens noch einige best[immt] gedeckt haben würde anzeigen könnte,
wenn sich leider die öffentl[iche] Anzeige d[er] Anstalt nicht gar zu sehr
gegen mein Erwarten, daß ich [sc.: es] am 10[.] Decbr. seyn muß konnte, ver-
spätet hätte. Denn nun mußte ich gar manche Verh[ältnisse]
in ihrer schwankenden Ungewißheit lassen, weil ich selbst keine Ge-
wißheit geben konnte.
Möchte es nun einem hochpreisl. Consist. gefallen dem
hochdemselben diesem Umstande nach ausgesprochenen Wunsche zu
genehmigen u vor allem dem, daß die Anstalt als mit d[em] Monat
May eröffnet werdend vor dem Publicum auftrete.
Ich wünsche zu unserer eigenen Sicherheit mit der Anstalt nicht eher nach Helba zu
ziehen bis nach d. Forderung d. nachträgl. Punktation erst <den> die
Subsysteme daß der Anstalt gesichert ist [sc.: sind], denn wie könnte ich ein mir nun
[Einschub möglicherweise hierhin:] ohne rechte Voraussetzung
von neuem von der Vorsehung gegebenes sicheres Verh. gegen 1 noch schwankendes aufgeben, wenn ich auch wünschen
muß, daß es uns vergönnt werde, daß wenigstens eine[r] von uns bald
nach Helba gehen könne, um in Beziehung auf Garten Feld u Bau, das durch d Zeit
Unerläßl. Nothwendige zu besorgen, damit wir dann, wenn die Anstalt auch etw später wirkl[ich] hinkommt, im Sommer durch Mangel an den Erzeugnissen des Gartens
u Feldes nicht zu sehr in Verlegenheit kommen. Dieß, dünkt mich, ist ohne alle Sichererheit [sc.: Sicherheit] zuzugeben; denn weder d[er] Staat noch uns kommt dadurch eine
Verbindlichkeit, wenn d[ie] Zahl d[er] Zöglinge nicht erfolgen sollte, welche freylich bey dieser Concentrirung aller Kräfte auf nur den einen Punkt mit mehr als
doppelte[r] Sicherheit vorausgesetzt werden könnte.
Mit ausgezeichneter Hochachtung unterzeichne
ich mich ganz ergebenst /

[86R]
äußere u Einzelansichten zurück-
gedrängt wurde, endlich doch als das
rechte sich bestätigend (ins Leben tritt)
hervortritt.
Es ist mir zwar von einem ver-
ehrlichen Mitglied eines hochpreislichen
Consistorii u ich darf wohl annehmem
als Meinung desselben ausgesprochen
worden, "daß wahrscheinl. gar keine
Punktation zu Stande gekommen
seyn würde, wenn die Verlegung der
ganzen Anstalt nicht ausdrücklich
in derselben ausgesprochen worden
wäre, daß jedoch das Consistorium
für diese Auslassung nicht verant-
wortl. sey." Ich muß aber der Wahr-
heit gemäß und aus hoher Achtung
für ein hochpreisl. Consistorium
u zur allseitigen Rechtfertigung
wegen Unterzeichnung jener Punktation
erklären, daß von meiner Seite
dagegen die Punktat. v. 10 Decbr. v.J.
bey jener Forderung ganz gewiß nicht un-
terzeichnet worden wäre, weil es
unter den dort obwaltenden Umstän-
den ein willkührl. gewaltsamer
Eingriff von mir in meine Lebens-
verhältnisse gewesen wäre, welcher
nach dem damaligen Stand statt ent-
wickelnd gewiß auflösend für mich
gewirkt auflösend gewirkt haben
würde, so wie es mir jetzt aber
bey einem gesunden Fortbestehen des
Ganzen, nur wenige Tage [seit] erstere[r] Ankunft
der letzten Mittheilung aus Meiningen u Hildburghausen,
möglich geworden ist. In dieser
/
[86]
einfachen Thatsache, dünkt mich,
spricht sich ein Beweis aus für die
Wahrheit meiner höheren Lebensansicht wie
für die in einem vielseitig geprüften
Denken u durch die Lebenserfahrungen
bestätigte Überzeugung, daß das Wahre
u Rechte *sich* nothwendig von selbst
*ergiebt* hervortritt, wenn man
nur (jederzeit) den von dem innersten
Wesen des Ganzen aus bedingten
Forderungen ruhig u unverrückt
nachgeht.
Beyläufig bemerke ich, daß Briefe
die Montag od. Dienst. in Hildb[urghausen] auf d[ie] Post
gegeben w. Freyt. Vormittags hier ankommen
u. die, welche ohne Zweifel Donnerst.
in H. aufgegeben w. Montag früh an-
kommen. Der Überbringer dieses Briefes
wird bis z Morgen den 1 <Feyertag>
früh wieder i. H. abgehen, u. es
wird ihm Schuldigkeit seyn, <diese> mit zu-
rück zu [be]fördern, was Sie viell. für
gut finden könnten. Doch hege ich
hierin k[eine] Erwartungen, da viell.
die Festtage Ihre Zeit doppelt
beengen.
Da mir nun schon 1ige Mal bey pers.
Besprechung 1 Aufthlg. <zurückgebeben> [sc.: zurückgegeben] ist,
die Ihnen, verehrt. He. Cons., viell.
nicht ganz unlieb ist, so muß ich sie
hier schon schriftl. thun, ob sie freyl.
dadurch, Bedeutsamht. bekommt, die
ich ihr nicht gern geben zunächst nicht
in ihr finde u. noch weniger ihr
geben möchte. Zur Confirm. Woche
näml. äußerte entfiel dem He. Pf. Korn in
Obernitz im Laufe des Gesprächs
der Wunsch, daß er wohl 1 Mitglied
des, wenn ich nicht irre, in Saalfeld
errichtet werdenden Scholarchats
über der Landschulen w. möchte.
Da es Ihnen viell. nicht unlieb ist
v. dieser Äußerung Kunde zu haben, so
wollte ich sie nicht bis auf 1 mündl.
Mittheilung <ver>sparen, wo ich sie doch
viell. wieder vergessen könnte.
Mit ausgezeichne wahrer Hochachtung
u. Ergebenh[ei]t unterzeichne ich
[keine Unterschrift]