Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Emilie F. in Keilhau v. 18.7.1829 (Keilhau)


F. an Emilie F. in Keilhau v. 18.7.1829 (Keilhau)
(KN 25,13 Brieforiginal (Gedicht) 1 Bl 8° 1 S. )

Der Rose Wunsch und Bitte.
Ruhend noch in seiner engen Knospe Schoos
Sprach dies Röschen: - „Hat der Mensch nicht hohes Loos
„Wenn die Blum’ ersteht,
„Sie alsbald vergeht;
„Keine Schönheit, keine Pracht
„Hindert es, sie fällt in Nacht.
„Nur der Mensch allein
„Hat ein ew’ges Seyn!
„Freut sich schon hienieden
„Hohen Himmels Frieden;
„In des Menschen Brust
„Wohnet Engels Lust,
„In der reinen Menschenseele
„Ist des ew’gen Lebens heitre Quelle: -
„Wer darum von einer Menschenbrust
       „Wird in Lieb’ erkohren
„Ist mit ihm zu ewig reiner Lust
„Ist zu ew’gem Seyn geboren! -
„Wollte doch, wenn meine Blätter sich erschließen,
„Mich in Lieb’ ein edles Menschenherz erkießen,
„Auf das Schönste wollt’ ich dann entsprießen,
„Blühend so in einem sinnig frommen Herzen,
„O, wo gäb es dann für mich noch Todesschmerzen. -
„Menschenlieb’ und Freundlichkeit
„Giebt der Blum’ Unsterblichkeit!“
*
Als ich wollt’ der Blum’ Entblüh’n erspähen
Hört ich jene leisen Wünsche ihr entwehen: -
   Werdet Wünsche, die mir zarter Duft enthüllt
   Von der schönsten Seele ihr erfüllt! –
*
Sieh Emilie, sieh! die Blume hat vernommen
Deiner Engelsseele zarten Sinn
Darum ist sie still zu Dir gekommen
Mit der leisen Bitte: -„ Nimm mich hin,
„Brich mich, solche Todesschmerzen
„Sind mir nichts, ruh ich dann in Deinem Herzen;
„Denn bin ich nur Dein,
„O, so hab’ ich mit Dir ew’ges Seyn.“
*
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VII
FrFr.