Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an <Elternpaar> in <?> v. <2. Hälfte 1829> (Keilhau)


F. an <Elternpaar> in <?> v. <2. Hälfte 1829> (Keilhau)
(KN 25,11; 1 Bl 4° zweiseitiger undatierter Briefentwurf ohne Anrede und Schlußfloskel)

[1]
Seit längern einigen Jahren sind mit meinem ist Kreis von Familienkreis und besonders der beyden Haustöchter in unsern für den Zweck der Erziehung geeinten Familienkreis
zugleich gleichsam als eigenes Familienglied <zuerst>eine Pflegetochter oder auch wohl zwey
zur Erziehung u weitern Fortbildung und zur Einführung in den u Ausbildung für die den
<Familienberuf> häuslichen Beruf aufgenommen worden. Die verschiedenen Verhältnisse
Obgleich die Zahl der Verhältnisse welche wie in dieser zwar <wenigen> Beziehung standen - weil die
PflegeTöchter immer mehrere Jahre dieser Pflege anvertraut waren – aus[-]
wärtige sind, so führten sie doch immer für Eltern[,] Pflegetöchter u uns zu erfreul[ichen]
Erfolgen, u auch in diesem Augenblick findet sich in den Kreis u in demjenigen
des Vorstehers u dessen Gattin
> töchterl[iches] Verhältniß zur Hausfrau schon seit mehr als 1 Jahr ein Mädchen von
15 Jahren die Tochter einer Kaufmanns Mutter kam
zur Zufriedenheit ihrer Mutter. Da nun überdieß dieser der Kreis bey dem besondern erziehenden
u lehrenden Zweck desselben im Stande ist alle die
ausgesprochenen Wünsche des suchenden Eltern Paares in der Dorfzeitung
zu genügen, indem nicht allein die Hausfrau die französ französisch liest spricht,
schreibt der weil die französ Sprache in ihrer Jugend durch die Lebensverhältnisse sie
2e Muttersprache war sondern auch in der Anstalt ein Familien Glied für wiss Leben Stufe
besonders Unterricht in französ[isch] giebt, da ein
besonderer Musiklehrer angestellt ist welcher Unterricht in
Gesang Clavier auch wenn es gewünscht werden sollte auf der <Guitar>
Unterricht giebt erteilt – welchen Unterricht eben jetzt schon ein
junges Mädchen von 15 Jahren, eine Tochter aus <am> des erziehenden Kreises selber von ihm empfängt nebst der oben gen[annten]
giebt ertheilt da in gewöhnlichen hausfleiß u wirtschaftl Geschäfte wie in den
feineren Weibl Arbeiten namentl. auch Sticken von einer der jungen
Frauen des gesagten Familienkreises Unterricht ertheilt werden kann
<ihr> musterhaftes Leben die Sorge des g[an]zen Kreises
ist u da über das was der Kreis in dieser Beziehung leistet das
mehrfähige Urtheil des Publikums offen vorliegt /
[1R]
da auch sonst der Kreis etwa auch jede andere gewünschte Ausbildung z. B. Zeichnen zu geben im Stande ist
in Sprache (Zeichnen geb Singen>
so bewog uns dieß, dieß Verhältniß den suchenden
Eltern zur Wahl als eines für ihre Tochter zweckmäßiges unter den übrigen
sich vielleicht auch darbiethen[den] zur
Wahl Prüfung vorzuschlagen vorzuführen indem besonders auch die Hausfrau
nicht abgeneigt ist die ihr besonders bisher obzuliegen[de] Wirksam-
keit ferner fortzuführen[.]
Das jährliche Pflegegeld würde nach der besondern nähern Forderung
der Eltern Rth 100 PC bis 120 R PrCr seyn. bey Mit[-]
bringen eines eigenen Bettes der nöthigen Bettwäsche pp.
Dieß[e] Mittheil[ung] scheint uns zur ersten Prüfung hinlängl [zu] seyn sollte von
Seite der sorgenden Eltern auf den Vorschlag eingegangen
werden so steht zu jeder jeder gewünschten weitern
Nachricht oder Erkl[ärung] gern bereit
Der Unterzeichnete

FrFröbel
Vorsteher der Erziehungsanstalt

zu Keilhau


Nur bemerkt muß wohl noch werden, daß der g[an]ze Kreis lebt
wie bekannt g[an]z in sich abgeschlossen sein hohes erziehendes
Leben u lebt[,] also gar nicht äußern geselligen Verkehr außer dem Kreis
hingegeben ist
die häusl u Familienfreuden in sich selbst findet u besonders durch Gesang u Musik[.]