Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Michaelis in Stuttgart v. 22.4.1830 (Keilhau)


F. an Michaelis in Stuttgart v. 22.4.1830 (Keilhau)
(BN 563, Bl 3-4, datierter Briefentwurf auf den leeren S. 4 und 4R eines Bogens 4° mit dem Brief von Michaelis an Fröbel v. 5.2.1830 auf S. 3 und 3R. Michaelis’ Brief war adressiert an Fröbel als ”Vorsteher der Volkserziehungsanstalt zu Helba bei Meiningen (Sachsen)”. Mitte rechts ist ein Teil Papier ausgebrochen, Textrekonstruktion in eckiger Klammer)

Keilhau den 22 Apr. 30.

Herrn Hauptmann Michaelis königl. preuß. Hauptmann außer Diensten in Stuttgardt
Ew. Wohlgeboren die am 5 Febr. d. J. v Stuttgardt aus gemachten mir vertrauensvoll
gemachten Mittheilungen habe ich aus der Ursache daß Keilhau sich nach jede Seit[e] hin
in seiner tiefen u wahren In sich selbst begründetheit darstellen u rechtfertigen soll,
erst gestern hier in Keilhau erhalten indem derselbe durch die Nachlässigk[eit] Vernachlässigung d Postamts in Meiningen liegen geblieben u erst auf bestimmte Anforderung u vermerkt andern Briefs gestern hier angekommen ist. Ob ich nun schon nicht weiß, da mir
d[urc]h HE Wetzstein zu fällig die Äußerung zugekommen ist, daß Sie in diesem Frühjahr von
Stuttgardt aus wieder eine große Reise machen würden, nicht weiß, ob dieser
Brief Ew. Wohlgeb. noch in Stuttgart antrifft, so halte ich es wenigstens von meiner
Seite für Pflicht zu thun, was mir mögl ist, um Ihnen d[en] Eingang gedachten Briefes bey mir
anzuzeigen. Sie meinen in demselben, daß vielleicht eine höhere Leitung Sie auf den
Gedanken u Entschluß bringen könne, früher oder später auf bestimmte Veranlassung
in meinen Kreis zurückzukehren. Gegen eine bestimmte Forderung einer höhern
Leitung vermag nun eben so wenig menschl Kurzsichtigkeit zu handeln, [wenigstens daß]
diese der willkührl Fortführung Beymischung der Menschen zu ihrer förderl Zielerreichung nicht bedarf[.]
Darum ist seit langem meine Überzeugung hierin, auch eine höhere Leitung ohne weitere
willkürl Einmisch[un]g zielerreichend handeln zu lassen. Da nun aber Ew. Wohlgeb
sogar Ihr Überzeugtseyn einer hohen Leitung sogar nicht durch ein Vielleicht einschränken
so scheint es mir besondere Pflicht zu seyn (Ew Wohlgeb) Sie darauf aufmerksam zu
machen, vorerst den Zeitpunkt abzuwarten, bis dieses Vielleicht sich als ein bestimmt
u unzweydeutiges sich Ihnen documentirt (gezeigt) dargestellt hat, es möchte sonst die
letzte Teuschung größer und schmerzlicher als die erste seyn.
Zur freundl Erwieder[un]g Ihrer der sonstigen freundl Äußerungen Ihres Briefes will auch ich Ihnen
vertrauensvoll aussprechen, daß der Geist meines Wirkens u Strebens, daß die Ge-
sinnungen in denen es begonnen u in welchen es fortbesteht; u daß die Auflösung
oberflächlicher Beurtheilung desselben
gar keiner äußerlichen u berechneten Recht
Einzelrechtfertigung bedarf. Ich vertraue diesem Geiste der mein Wirken, den
innern Freuden, die hohe Freudigkeit u die innige lebendige Einigung desselben
unter den nur denkbar größten Schwierigkeiten, ja so sogar beabsichtigten dorthaftigen /
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Untergrabung desselben während vieler Jahre erhielt, ich vertraue diesem Geiste, welchen
ich in dem bisherigen Gang Gottes in der Entwicklung u Führung des Menschengeschlechtes
zum vom Gott bestimmten Ziele desselben erkannt habe, daß er auch stark u kräftig ge-
nug seyn wird das kleine u zerbrechl Pflänzchen Keilhau, wenn es jenen Geist
in sich aufnehmen wird, nicht nur unter allen künftigen Stürmen des Lebens ferner zu
behüten sondern auch zu einem kräftigen Lebensbaum heraufwachsen zu machen wird
in dessen Schutz u Schatten ein eben so Gott vertrauender Kreis ruhig u sicher wohnen
wird
welchen diesem Geist muß ich eben so wie jeder
andere der Menschen auf das ge-
naueste gehorsamen muß u mein
Beruf wie meine Würde u mein Recht
als Erzieher Stifter u Vorsteher
einer Erziehungs- einer Menschenerziehungsanstalt
besteht aber einzig nur darin, daß
daß ich jenen Geist, welchen Sie den
Geist d Menschheit den Geist d
Geschichte [oder] wie Sie sonst wollen
nennen mögen, auf das sehnl[ich]ste u
klarste zu erkennen u ihn auf das reinste
u pünktlichste nachzuleben suchen muß [.]
Und Ich muß daraus von jedem,
welcher in sich gleichen Erzieher-
beruf zu erkennen vermeint
u sich deßhalb mit mir zu dem gleichen
hohen Zweck der Menschenerziehung
zu vereinen, zu einigen, wünscht, erstrebt fordern,
daß er jenen Geist erstl ihm
dann klar u lebendig zu erkennen sich
bemühe
ihn in unserm Streben
wenn erkennet wenigstens
ahnet u daran
lindestens aber eben so hingebend
u treu als alle dafür schon geeinten Glieder
diesem Geiste zu gehorsamen streben.
Und dieses nicht allein auch dem Ganzen sondern auch um seiner selbst willen
denn wer sich diesem Geiste,
seiner Wahrheit erkannt
u auch nur geahnet hingiebt oder
hingab wird wie da der muß sich ihm dann ganz
hingeben ihm gehorsam wird oder wenn er
es klar theil-
weise thut oder thun will
(Zwerg) wegen (Riese) seiner eigenen Dürftigkeit also seiner
d.i. wegen seiner eigenen inneren Unwahrheit zwingen nöthigen
die durch denselben vernichtet – weil es nur Eine
Wahrheit, nur Einen Geist der Wahrheit geben kann[.]
Auf besondere Mittheilung über die innere u äußere Entwicklung u Fortbildung d Anstalt
u besonders d Ausführung des Planes v[on] Helba mit dem schon bestehenden hier in Keilhau,
konnte ich jetzt nicht eingehen.
Von allen Gliedern meines Hauses, die noch in ihrem unverletzten Kern alle die
Ihnen bekannten sind, freundl Gegengrüße so wie von mir in den wandellosen Gesinnungen
wie von mir bey meinen wandellosen Gesinnungen auch besondere Mittheilungen über die innere u äußere Entwicklung u Fortbildung d Anstalt besonders
die Ausführung dadurch daß der Plan von Helba in Hintergrund
getreten ist hier in Keilhau auszuführen konnte ich jetzt nicht eingehen
N.S. Unse Da die Mittheilung an u für sich schon größer gewor
mit dem schon nicht übrigen mit dem schon bestehenden