Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an F. Korn in Obernitz v. 7.8.1830 (Keilhau)


F. an F. Korn in Obernitz v. 7.8.1830 (Keilhau)
(KN 26,5, Abschrift 4 S. Handschrift "Frl. H.", von Otto Wächter veranlaßt und korrigiert. Das Original befand sich im Besitz v. Geh. Baurat Treibich, Rudolstadt, umfaßte zwei Quartseiten und eine Notiz Korns, nach der der Brief am 4.9.1830 durch Herrn Knopf beantwortet wurde.)

Keilhau am 7en August 1830.

Hochgeschätzer Herr und Freund.

Gern hätte ich Ihnen zur Erwiederung Ihres freundschaftlichen
Briefes vom 27en vor M. welchen ich so eben erhalten eine
der frühesten Schriften von Schmid über Pestalozzi und die
Anstalt zu Iferten, die ich noch besitze mit geschickt, wenn
ich solche nur sogleich hätte finden können, sie ist zwar
v. Jahr 1811 könnte aber doch manches enthalten was
Ihnen lieb ist; finde ich solche nächstens so erhalten Sie
dieselbe mit ersterer Gelegenheit. Außer der kleinen
Schrift welche ich so eben von Ihnen zurück erhalte, sind
die wichtigsten in Beziehung auf Pestalozzi späteren
persönlichen Verhältnisse eine frühere "Rede an mein
Haus" in gr. 8. Fingerstark irre ich nicht von Jahr
1818 bis 1820. Dann eine spätere "Schwanengesang" in
Pestalozzis gesammten Schriften. Beyde reden ganz be-
sonders von P. Verhältnissen zu Schmid und Niederer.
Ich selbst besitze keine selbst. Die erstere besitzt der /
[2]
der He. Regierungsrath v. Beulwitz in Rudolstadt.-
Was soll man zu solchen Mittheilungen sagen wie
Ihr freundschaftliches Vertrauen mir von der Beschränkung
des freyen Gebrauchs Ihrer Zeit macht? Am besten
ist man schweigt.- Wären sämtlich Ihre l. Kinder
Knaben und wäre ich dann an Ihrer Stelle so wüßte ich
wohl was ich thäte.
Sie wußten also bey Abgang Ihrer freundlichen Zu-
schrift noch nicht daß unser trefflicher, lieber uns allen
unvergeßlicher Carl nicht mehr im Lande der Leben-
digen ist?- Jetzt werden Sie aber wohl wissen daß
eine Untiefe in der Saale, so vorsichtig man sie auch
geprüft zu haben glaubte, uns denselben vor 3 Wochen
beym Baden entriß. Niemanden kann dabey irgend
eine Schuld oder ein Versehen beygemessen werden, denn
die größten und die besten Schwimmer waren zugleich
mit im Bad; aber alles spricht aus ein undurchdring-
liches Schicksal hat über ihn gewalten denn mir sind
noch nie bey einem Menschen so viel Zusammentreffungen
vorgekommen wie bey unserm Carl, welche ihm gleichsam /
[3]
auf seinen Abschied von der Erde vorbereiten sollten. Münd-
lich gelegentlich mehr: Auch unsern Barop rufte eine sehr
gefährliche Krankheit seines Vaters an das Krankenbette
desselben um sich gegenseitig das letzte Lebewohl zu
sagen. Doch ist nach dem jüngsten Briefe der Vater wie-
der etwas hergestellt, so daß nun derselbe eilt zu uns
zurück zu kehren doch könnten doch bis dahin noch 3-4 
Wochen hingehen. Dazu kommt daß vor einigen Tagen
4 junge Knaben aus dem Großherzogtum Posen mir
als Zöglinge überbracht worden sind, so sehen Sie also daß
auch ich sehr angestrengt beschäftigt bin, doch komme ich
vielleicht auf einen Streifzug noch Saalfeld und
Reschwitz auch auf einige Augenblicke bey Ihnen
vor, weil ich, wenn sonst meine jungen Pflegesöhne
Lust dazu zeigen, Willens bin denselben durch einige
angenehme Spaziergänge die Schmerzen der Trennung
von Ihren lieben Zurückgelassenen weniger fühlbar
zu machen.-
Sie kennen Viele, aber einen so lieben Carl kennen
Sie wohl für mich nirgends?- /
[4]
Sie sprechen den Wunsch meines Herzens auch [sc.: aus] daß
die drängenden Lebensverhältnisse nichts beytragen
mögen das freundschaftliche Verhältniß zwischen uns
auch nur zu schwächen; denn sagen Sie mir selbst
was hätte dann noch das äußere Leben Reiz wenn
im Leben hart geprüfte Männer sich im Leben nicht
mehr nahe stehen könnten und sollten.
Seyn Sie, Ihre geehrteste Frau Gemahlin und all
die lieben Ihrigen der freundschaftlichen Gesinnungen
von mir und all den Meinen bleibend versichert.
Immer bin ich mit der aufrichtigsten Hochachtung
Ihr
herzlich ergebener Freund
FrFröbel.