Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johann Heinrich Teske in Samoszin v. 12.8.1830 (Keilhau)


F. an Johann Heinrich Teske in Samoszin v. 12.8.1830 (Keilhau)
(BN 731, Bl 4, datierter Entwurf 1 Bl 4° 2 S. im „Briefbuch Keilhau“, Handschrift Middenddorffs)

Keilhau 12. Aug. 1830.

Herrn Kaufmann u Schönfärber H. Teske in Samoszin, Wohlgeb.
Es ist mir während der ganzen Zeit meines letzten erzieherischen
Wirkens, seit dem vierzehnjährigen Wirken als Vorsteher der hiesigen Erziehanstalt
keine erfreulichere u dankbarere Erscheinung, u ich darf sagen, Gabe geworden,
als die durch Ihren Sie, geehrter HE Teske, die nämlich, daß das gerechtfertigte
Vertrauen eines achtbaren Elternpaares, eines denkenden lebenserfahrenen
Vaters mir <durch> eben den früher als Zögling anvertrauten Sohn
nicht allein dessen jüngern Bruder sond.[ern] zugleich mit ihm mehrere gleich-
altrige Söhne nun eben so vertrauende Väter u Eltern zu Zöglingen
u Söhnen der Anstalt überbringt u übergiebt. Es ist dieß die schönste
aber auch die nothwendigste Erscheinung u Frucht eines sonst, wie
jedermann weiß
, wenn es nicht eine Sache der Speculation, sondern
ein Erzeugniß des wahren Berufes u nichts sonst, wie jedermann weiß, ein so un-
dankbares Geschäftig, daß ich in der letzten Zeit recht ernstl[ich] den
Gedanken u Plan bearbeitete, es gänzl[ich] aufzugeben. Mögen
Sie hochgeschätzter Herr u Freund in diesem allen Ausgesprochenen die
Versicherung u Überzeugung finden, daß von mir und uns in der Erziehung
Pflege u dem Unterrichte Ihres uns weiter zur Erziehung anvertrauten
Sohnes Hermann nichts versäumt werden wird, um das wiederkehrend
bestätigte Zutrauen nicht nur nicht sinken zu lassen, sondern wenn
es mögl[ich] ist, noch zu erhöhen. Wenn uns auch darin die wohl etwas
schwächliche Konstitution des Hermann u sein, wie es scheint, etwas reiz-
barer Gemüthszustand dieß erschweren (könnte) sollte, so zweifeln
wir doch mit Ihnen nicht, daß derselbe zur wiederkehrenden Freude
seiner lieben Eltern u zur Rechtfertigung Ihres Zutrauens zu mir
u uns einst ins elterliche Haus zurück kehren werde. /
[4R]
Was in Zukunft die allgemeinen Mittheilungen über das Befinden
Hermanns u seiner übrigen mitgekommen[en] Genossen betrifft, so hielte
ich es für das zweckmäßigste, wenn solche von 4 Wochen zu 10 Wochen
ebenfalls abwechselnd nur an einen der vier Väter geschickt [würde];
weil sie sich, wie ich höre, öfters in Chodziesen zusammen finden;
wo dann die allgemeine Mittheilung leicht Stattfinden kann.
Der vorgeschlagen[en] Ordnung nach wird darum mein eigentl[ich] erster
Brief nach Abreise unsres werthen Leopold an Sie seyn und
ich werde Ihnen ihn, weil besonders die lieben Mütter wohl gern wissen
mögen, wie sich die Knaben nach Abreise ihres Begleiters u Führers
hier gefunden haben in den 1ten Tagen des Sept. schreiben. –
Die besondern Nachrichten: Nachweisungen des Unterrichtes, Zeugnisse
des Bildungszustandes u dFortschritte werden Sie zu den betreffenden
Zeiten, wie Ihnen schon bekannt, <> empfangen.
Über das Ökonomische wird Ihnen besonders HE Langethal
als Cassenführer der Anstalt Nachricht geben.
Was Sie und Ihre liebe Frau vielleicht sonst noch wissen möchten,
wird Ihnen, wie ich hoffe, unser Leopold alles mündl[ich] beantworten
können.
Ich freue mich sehr, eine so schöne Gelegenheit gefunden zu
haben Ihnen, hochgeehrter Herr u Freund, u Ihrer werthen Gattinn
wiederkehrend die Versicherung wahr[er] u aufricht[ig]er Hochachtung auszusprechen
zu können, mit welcher ich mich unterzeichne
          Ihr
aufrichtig ergebener Freund.