Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an F. Korn in Obernitz v. 7.9.1830 (Keilhau)


F. an F. Korn in Obernitz v. 7.9.1830 (Keilhau)
(KN 26,14, Abschrift 2 ½ S. Handschrift "Frl. H.", von Otto Wächter veranlaßt und korrigiert. Das Original befand sich im Besitz v. Geh. Baurat Treibich, Rudolstadt, umfaßte eine Quartseite und eine Beantwortungsnotiz Korns v. 6.10.1830.)

Keilhau 7. Sept. 1830


Hochgeschätzer Herr und Freund

Immer ist es mir sehr erfreulich, etwas von Ihnen zu
hören und ich bin Ihnen immer sehr dankbar, wenn Sie
die sich Ihnen dazu darbietenden Gelegenheiten freundschaft-
lich benutzen. Ich würde längst meinen Vorsatz ausge-
führt und Sie mit einem Besuch überrascht haben, wenn
ich jetzt nur nicht gar zu stark von den Geschäften
mitgenommen und durch sie oft so ermüdet würde,
daß ich mir nicht einmal einen Spazierweg bis Resch-
witz und Obernitz zumuthen darf, zumal da auch
jetzt zum öfteren wieder Reisende bey mir einsprechen,
die auch sonst noch die wenige Zeit in Anspruch nehmen,
da ich es überdieß nicht haben kann, daß diese Leute
nur mit einem todten Bild der Anstalt, ohne wenig-
stens von dem Geiste derselben eine kleine St Kunde be-
kommen von hier wieder weggehen, weil doch manch-
mal dieser Geist sie nicht nur anzuwehen sondern /
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sie auch ein wenig zu ergreifen scheint.
In Beziehung auf He. Knopf werde ich mich vielleicht
in 8 oder 14 Tagen bestimmt aussprechen können. Doch
glaube ich ihm auch nur vorläufig gar keine Hoffnung
zur Erfüllung seines Wunsches machen zu dürfen. Er
selbst, glaube ich, würde dadurch seine Zukunft zu
sehr gefährden, denn von seiten Hildburghausens würde
man einen solchen Schritt wohl schwerlich billigen, und
die Forderungen einer Anstalt wie die meine liegen
auch dem Bildungsgang und Lebensansichten solcher jung-
en Männer wie es mir scheint zu fern daß ich meine
sehr kostbare Zeit nicht von neuem zu dem Versuch
wagen darf, sie dazu zu erheben, und ich mich jetzt
vor wiederkehrender Täuschung sehr hüten muß. Doch
haben Sie wiederkehrend meinen recht aufrichtigen
herzlichen Dank, für die stetige theilnehmende Beach-
tung der Bedürfnisse meiner Anstalt u. für Ihre blei-
bende Aufmerksamkeit ihnen entgegen zu kommen.
Ich bin Ihnen und den lieben Ihrigen unausgesetzt /
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mit Hochachtung, Liebe u Freundschaft ergeben
FrFröbel.

Fände sich Gelegenheit, daß Herr Roß, den ich zu grüßen
bitte, einen von uns geliehenen Regenschirm uns zurück-
senden könnte, so würde es mir lieb seyn.