Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an F. Korn in Obernitz v. 24.9.1830 (Keilhau)


F. an F. Korn in Obernitz v. 24.9.1830 (Keilhau)
(Das Original befand sich im Besitz v. Geh. Baurat Treibich, Rudolstadt, umfaßte nach KN-Notizen O. Wächters vier Quartseiten, also einen Bogen und eine Beantwortungsnotiz Korns v. 6.10.1830. Das Original war mit Ausnahme der Unter- und Nachschrift von Middendorff oder Ferdinand Fröbel geschrieben worden. Erhalten sind ein Entwurf in BN 731,8-9, 1 B 4° 4 S. und eine von Otto Wächter veranlasste Abschrift von 6 S. Umfang in KN 26,16. Der Entwurf stammt wohl von Middendorffs Hand.)

a) Entwurf [BN]

Keilhau früh 24 7br. 1830.

Herrn Pfarrer Korn in Obernitz.

Hochgeschätzter Herr u Freund!

Ich versprach Ihnen binnen 14 Tagen wegen HE Knopf
eine entscheidende Antwort zu geben. Umstände
die außer meinem Bereich lagen verhinderten es. Erst seit
gestern sind diese gehoben u ich säume nun nicht Ihnen
die versprochene Entscheidung mitzutheilen.
1) Herrn Knopf jetzt schon als wirkl[ichen] Lehrer in der Anstalt
anzustellen, macht der Grad u Stand seiner jetzigen
Leistungen indem sich dazu in unserer Anstalt mit den
Kenntnissen zugleich die Gewandtheit in der Anwendung verknüpfen
muß, nicht möglich. Sie sowohl als HE Knopf werden dieses leicht
einsehen, um so mehr als Sie mir selbst schreiben: "HE Knopf
wünscht sich nun noch mehr zu vervollkommnen, daher es ihm
sehr angenehm wäre, wenn er in Keilhau zur Erreichung
dieser Absicht aufgenommen werden könnte und er bat
seinen Wunsch Ihnen mitzutheilen."/
2) Wenn aber HE Knopf zur Erreichung seines so eben erwähnten
mir von Ihnen u ihm ausgesprochenen Zweckes u darum lernend
u lehrend u so also zugleich helfend auf eine unbestimmte
Zeit, zu nächst aber auf ein halb Jahr in unsere Anstalt
eintreten will; so kann es unter nachstehenden Bedin-
gungen geschehen. /
[8R]
a, Herr Knopf muß sich bereit finden auch die Unterrichts-
gegenstände, die ihm schon bekannt sind, nach der hier
Stattfindenden Lehrweise sich anzueignen und wieder zu
lehren, so namentl[ich] bey Gesang u Musik.
b, Er muß sich, da so seine eigne Belehrung von Seiten der
Anstalt mehrseitige Hingabe fordert, und da man das meiste,
besonders in Hinsicht auf Anwendung u Gewandtheit
durch das Selbstlehren lernt, zu einer Übernahme
von ohngefähr 18 Stunden wöchentl[ichen] Unterrichts verstehen
die er jedoch zunächst nur unter meiner unmittelbaren Leitung
u Bestimmung zu geben haben wird.
c, Außer diesen aber muß er mir ganz besonders bey der
Beaufsichtigung Beschäftigung d Zöglinge durch die angemessenen
Handarbeiten vorbereitend u helfend an die Seite gehen,
eben so auch bey der Beaufsichtigung der Zöglinge außer den
Lehrstunden u besonders bey ihrem Spiele. Deßhalb muß
er wenigstens die Möglichkeit in sich finden, sich zu den Spielen
der Zöglinge, an welchen ja hier oft nicht nur ohne Ausschließung
alle Lehrer sondern öfters das ganze Haus Antheil nimmt,
herabzustimmen. Doch ist bey dem was ich erstl[ich] erw[ähn]te,
nicht sowohl von gesellschaftl[ichen] Spielen als von den kleinen
Spielen mit den Zöglingen u dem Theilen u Benutzen derselben
zu dem Erziehungszwecke die Rede, wovon natürl[ich] wieder
eigentl[ich], wenn es HE Knopf versteht, der größte Nutzen
auf ihn selbst zurückfällt. /
[9]
d, Was das äußere Leben betrifft, so darf er, wie ich ihm
schon mündl[ich] ausgesprochen habe, weder Tabak rauchen noch schnupfen.
Er muß seine gesellschaftl[ichen] Bedürfnisse, da ich in ihm eine
sittlich strebende Natur als gewiß voraussetze, alle inner-
halb des Kreises befriedigt finden u deßhalb gar keinen
äußerl[ichen] geselligen Verkehr, namentl[ich] hier im Orte, nicht an-
knüpfen.
e. In ökonom[ischer] Hinsicht habe ich das zu bemerken, daß
würde es, da ich ihn nicht als angestellten Lehrer erachten kann, es wesentlich
seyn würde, daß er sich sein Bett nebst zwey bis 3maligen
Überzug u so viel an sonstiger Wäsche, Handtücher u s.w.
mitbringen müßte, als ihm bey der im Hause bestehenden
Reinlichkeit nöthig seyn möchte, wenn nur alle 6 bis 8 Wochen
gewaschen wird; denn daß die Wäsche im Hause besorgt werde
machen die hier im Orte stattfindenden Gesammtverhältnisse
nothwendig.
In dieser Gesammtrücksicht nun ist es der Anstalt nicht
möglich HE Knopf für das erste Halbjahr einen Baargehalt zu-
zusichern. Doch soll ihm im Verhältniß mit seiner bisherigen dem
Baarertrag seiner jetzigen Stelle eine Gratification werden,
wovon er die Hälfte zu Weihnachten u die 2te Hälfte zu Ostern
erhalten soll.
3. Wenn nun HE Knopf diese Bestimmungen, welche unsere
Lebenserfahrungen so scharf hinzustellen, für nöthig machen, seinen
nun nach hier eintret
Zwecken angemessen finden sollte, so würde es aber doch vorher noch
seinem wirkl[ichen] Eintritt, der dann doch so bald als mögl[ich] erfolgen könnte /
[9R]
nöthig seyn, sich von Seiten des Consistoriums, d.h. des HE O.C.
R. Nonne
die Gewißheit zu verschaffen, daß ihm dieser
Schritt bey einer künftigen Anstellung in dem Meining- Hild-
burghäusischen Lande kein Hinderniß werde.
Verzeihen Sie hochgeehrtester Herr u Freund, daß ich
Ihnen durch das Lesen vorstehender schriftl[icher] Mittheilung Ihre Ihnen
oft kurz zugemessene Zeit so sehr in Anspruch nehme;
ich hielt es aber doch für höchst zweckmäßig, wenn diese
Mittheilung nicht unmittelbar schriftl[ich] von mir an HE
Knopf, sond[ern] durch Sie mündl[ich] vermittelnd an denselben
erging, weil sie [sc.. Sie] ihm dann erläuternd, da oder dort
wo er d Forderungen zu streng od[er] zu sehr ins Kleine gehend finden
sollte, [manches] hinzufügen können. Von der letzten Entschließung
des HE Knopf wird es mir lieb seyn einige Tage vor seinem
Eintritt schriftl[ich] benachrichtigt werden zu können.
Da Sie so aufrichtig freundschaftl[ichen] Antheil an dem
innern Leben meines Kreises u m[eine]r Anstalt nehmen,
so macht es mir Freude Ihnen zu sagen, daß eine gewisse
Frau Majorin v Arnim, welche schon seit fast anderthalb
Jahren einen Pflegesohn in d Anstalt hat, nach einem <> fast sechs-
tägigen Aufenthalt bey uns u nachdem sie sich von dem Gesammtstand
dieses Zöglinges zu ihrer Zufriedenh[ei]t überzeugt hatte, uns eine neue
Pflegetochter, die kleine Hedwig von Guttenberg, ein fast 10jähriges
Mädchen als Zögling zurückgelassen hat.
Genehmigen Sie von mir und uns unter Versicherung den herzlichsten Grüßen
d Versicherung bleibender inniger Hochachtung u Ergebenheit
N.S. Es versteht sich [daß] das hinsichtlich des Gehalts der Vergütung Ausgesprochene nur vor dem ersten halben Jahr Geltung habe; bey längerer Verbindung wird
der Gehalt mit den Leistungen für die Anstalt in angemessenem
Verhältniß stehen.

b) Abschrift [KN]

[1]
Keilhau den 24ten Sept. 1830


Hochgeschätzter Herr u Freund!

Ich versprach Ihnen binnen 14 Tagen wegen Herrn Knopf
eine entscheidende Antwort zu geben. Umstände, die
außer meinem Bereich lagen, verhinderten es. Erst seit ge-
stern sind diese gehoben, und ich säume nun nicht Ihnen
die versprochene Entscheidung mit zu theilen.
1. Herrn Knopf jetzt schon als wirklichen Lehrer in der
Anstalt anzustellen, macht der Grad und Stand seiner jetzi-
gen Leistungen, indem sich dazu in unserer Anstalt mit
den Kenntnissen zugleich die Gewandtheit in der Anwen-
dung verknüpfen muß, nicht möglich. Sie sowohl als
Herr Knopf werden dieses leicht einsehen, um so mehr,
als Sie mir selbst schreiben: "Herr Knopf wünscht sich
nun noch mehr zu vervollkommnen, daher es ihm sehr an-
genehm wäre, wenn er in Keilhau zu Erreichung dieses
Zweckes aufgenommen werden könnte, und er bat seinen
Wunsch Ihnen mit zu theilen." /
[2]
2. Wenn aber Herr Knopf zur Erreichung seines so eben er-
wähnten mir von Ihnen und ihm ausgesprochenen Zweckes,
u darum lernend und lehrend und so also zugleich helfend
auf eine unbestimmte Zeit, zunächst aber auf ein halbes
Jahr in unsere Anstalt eintreten will, so kann es unter
nachstehenden Bedingungen geschehen:
a, Herr Knopf muß sich bereit finden auch die Unter-
richtsgegenstände, die ihm schon bekannt sind, nach der hier
stattfindenden Lehrweise sich anzueignen und wieder zu
lehren, so namentlich bey Gesang und Musik.
b, Er muß sich, da so seine eigne Belehrung von Seiten
der Anstalt mehrseitige Hingabe fordert, und da man
das meiste, besonders in Hinsicht auf Anwendung und
Gewandtheit durch das Selbstlehren lernt, zu einer Über-
nahme von ohngefähr 18 Stunden wöchentlichen Unter-
richts verstehen, die er jedoch zunächst nur unter
meiner unmittelbaren Leitung und Bestimmung zu
geben haben wird.
c, Außer diesem aber muß er mir ganz besonders
bey der Beschäftigung der Zöglinge durch die angemessenen /
[3]
Handarbeiten vorbereitend und helfend an die Seite gehen; eben-
so auch bey der Beaufsichtigung der Zöglinge außer den
Lehrstunden und besonders bey ihrem Spiele. Deshalb muß er
wenigstens die Möglichkeit in sich finden, sich zu den Spielen
der Zöglinge, an welchen ja hier nicht nur ohne Aus-
schließung aller Lehrer, sondern öfters das ganze Haus
Antheil nimmt, herabzustimmen. Doch ist bey dem, was ich
soeben erwähnte, nicht sowohl von gesellschaftlichen Spielen,
als von den kleinen Spielen mit den Zöglingen und
dem Theilen und Benutzen derselben zu dem Erziehungs-
zwecke die Rede, wovon natürlich wieder eigentlich, wenn
es Herr Knopf versteht, der größte Nutzen auf ihn
selbst zurück fällt.
d. Was das äußere Leben betrifft, so darf er, wie ich
ihm schon mündlich ausgesprochen habe, weder Tabak rau-
chen noch schnupfen. Er muß seine gesellschaftlichen Be-
dürfnisse, da ich in ihm eine sittlich strebende Natur als
gewiß voraus setze, alle innerhalb des Kreises befriedigt
finden, und deßhalb gar keinen äußerlichen geselligen
Verkehr, namentlich hier im Orte anknüpfen. /
[4]
e. In ökonomischer Hinsicht würde es wesentlich seyn,
da ich ihn nicht als angestellten Lehrer erachten kann, daß
er sich sein Bett nebst 2 bis 3 maligen Überzug u so viel
an sonstiger Wäsche, Handtücher u s.w. mitbringen
müßte, als ihm bey der im Hause bestehenden Reinlichkeit
nöthig seyn möchte, wenn nur alle 6 bis 8 Wochen ge-
waschen wird; denn daß die Wäsche im Hause besorgt
werde, machen die hier im Orte stattfindenden Gesammt-
verhältnisse nothwendig.
In dieser Gesammtrücksicht nun ist es der Anstalt
nicht möglich Herrn Knopf für das erste halbe Jahr einen
Baargehalt zu zu sichern; doch soll ihm im Verhältniß
mit dem Baarertrag seiner jetzigen Stelle eine Grati-
fikation werden, wovon er die Hälfte zu Weihnachten,
die 2te Hälfte zu Ostern erhalten soll.
3. Wenn nun Herr Knopf diese Bestimmungen, welche unsere
Lebenserfahrungen so scharf hinzustellen, nöthig machen,
seinen Zwecken angemessen finden sollte, so würde es
doch vor seinem wirklichen Eintritt, der dann so bald als
möglich erfolgen könnte, nöthig seyn, sich von Seiten /
[5]
des Consistoriums, d.h. Herrn O.C.R. Nonne die Gewiß-
heit zu verschaffen, daß ihm dieser Schritt bey einer künf-
tigen Anstellung in dem Meiningisch Hildburghäusischen
Lande kein Hinderniß werde.
Verzeihen Sie hochgeehrtester Herr und Freund, daß ich Ihnen
durch das Lesen vorstehender schriftlicher Mittheilung Ihre
Ihnen kurz zugemessene Zeit so sehr in Anspruch nehme;
ich hielt es aber doch für höchst zweckmäßig, wenn die-
se Mittheilung nicht unmittelbar schriftlich von mir an
Herrn Knopf, sondern durch Sie mündlich vermittelt an
denselben ergingen, weil Sie ihm dann erläuternd da oder
dort, wo er die Forderungen zu streng, oder zu sehr ins
einzelnde gehend finden sollte, manches hinzufügen können.
Es wird mir lieb seyn von der letzten Entschließung des
Herrn Knopf einige Tage vor seinem Eintritt schriftlich
benachrichtigt zu werden.
Da Sie so aufrichtig freundschaftlichen Antheil an dem
inneren Leben meines Kreises u meiner Anstalt neh-
men, so macht es mir Freude Ihnen zu sagen, daß eine
gewisse Frau Majorin von Arnim, welche schon seit /
[6]
fast anderthalb Jahren einen Pflegesohn in der Anstalt hat,
nach einem fast 6tägigen Aufenthalt bey uns, und nach-
dem sie sich von dem Gesammtstand dieses Zöglinges zu
ihrer Zufriedenheit überzeugt hatte, uns eine neue Pflege-
tochter, die kleine Hedwig von Guttenberg, ein fast
10jähriges Mädchen als Zögling zurück gelassen hat.
Genehmigen Sie von mir und uns unter den herzlich-
sten Grüßen die Versicherung bleibender inniger Hochach-
tung und Ergebenheit.
FrFröbel

N.S. Übrigens versteht es sich, daß das in ökono-
       mischer Hinsicht Ausgesprochene nur für das
       erste Halbe Jahr Geltung hat; bey einer längeren
       Verbindung wird der Jahrgehalt mit den steigen-
       den Leistungen für die Anstalt in gleichem Ver-
       hältniß stehen.