Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johann Friedrich Hennicke (= Redaktion „Allgemeiner Anzeiger der Deutschen“) in Gotha v. 21.10.1830 (Keilhau)


F. an Johann Friedrich Hennicke (= Redaktion „Allgemeiner Anzeiger der Deutschen“) in Gotha v. 21.10.1830 (Keilhau)
(BN 23, Bl 13R-14R, undatierter Entwurf 1 B 8° 3 S.. Datum nach Schreiben F.s an Hennicke v. 28.11.1830, wo F. von dem „unterm 21. v. M. übersandten Aufsatz“ spricht).

Sr Wohlgeboren Herrn Legationsrath J. F. Hennicke
Redacteur des Allg. Anz. d. D. und der Nationalz[ei]t[un]g
der Deutschen, in Gotha
Schon während der Ausfertig[ung] der Ew Wohlgeboren jüngst über[-]
sandten Briefe u Schriften kam mir der Gedanke daß es wohl
jetzt g[an]z an der Zeit sey, den betreffenden Gegenst[an]d die deutsche Volks
Erziehung als ein gemeinsames einendes Volks- und Nationalwerk wieder
zur Beachtung vor das große Publikum zu bringen. Mit überzeugend von
der Wahrheit dieses Gedankens waren die nach
stehenden
beyliegenden Bogen „Die Menschenerscheinung [sc.:erziehung] pp
die Folge u Frucht desselben[“]. Vertrauensvoll über[-]
sende ich solche angeschlossen Ew: Wohlgeboren mit dem ergebenen Gesuche
diesen Aufsatz in den nächsten Blättern Ihrer Volks[-] und
NationalZeitschrift einen Platz einzuräumen. Ich läugne
nicht daß ich aus Sie mehrfacher Hinsicht hoffe keine Fehlbitte
zu thun einmal der Geist Ihres Blattes u das ernste Streben Ew.
Wohlgeb.[oren] das Beste unseres Volkes in seinen Quellen zu fördern
dann daß in dieser Berücksichtigung gleich vom Beginn
unseres Strebens eine der Würde u dem Charakter
dem Bedürfniß unseres Volkes angemessene deutsche Er-
ziehung zu wecken u auszuführen, der Allgem. Anz. gleichsam
das Archiv dafür war. Seit mehreren Jahren haben wir
öffentl[ich] ganz darüber geschwiegen weil es wir uns nothwendig
bemüheten ihr unserm Streben einen von äußrer Einwirkung in ihr selbst ruhenden unabhängigen
Grund zu geben, seit während dieser Zeit hat sich die Nationalerziehung [der]
Deutschen mit dem allgem[einen] <Weg> von beyderseitigem <Vortheil> geeinigt <oder> vielmehr der All[gemeine]
Anzeiger hat sich selbst zur ächten National Zeitung der Deutschen /
[14]
erhoben, um so mehr haben wir die feste Überzeugung
daß der beyliegende Aufsatz nicht allein für ihr [sc.: Ihr] jetzt geeintes
oder vielmehr in seiner Bedeutung wie in seiner Wirksam-
keit gesteigertes Blatt gehöre, und auch nicht allein
seinem Streben wie seinem Inhalte nach demselben gerad
würdig, wie eine wesentl[iche] Fortschreitung der frühern öffentl[ichen]
Mittheilung in dieser Hinsicht u jetzt auf das treffend[-]
ste geeigendste Zeitgemäß sey.
In dieser Beziehung muß ich jedoch bitten 1. daß
die Aufnahme mögl[ichst] bald geschehe; Er [sc.: es] wäre wohl
zweckmäßig wenn dieß gleichsam von Seite ihres [sc.: Ihres]
Blattes zur Feyer dießjährigen Feyer des Reformations[-]
festes geschehe, so wie es überhaupt gewiß höchst zweck ange[-]
mäßig messen wäre u das höhere Volksleben auf das schönste erfreul[ichste]
pflegende u erhebende wäre, wenn so hochgeachte[te]
Zeit[-] u Volksblätter wie das Ihrige diese allgemeinen
Volks[-] u Nationalfeste der Deutschen auf ihre Weise d[urc]h zweck[-]
mäßige Abhandlungen, Gedichte, Züge dahin gehörige
Charakterzüge u Schilderungen aus der Geschichte pp feyerten[.]
Denn der Deutsche ist leider dafür in der Menge
noch gar zu stumpf und bedarf auch für das höchste u wichtigste
der <ächten> wiederkehrenden Anregung.
Zweytens muß ich bitten daß die Abhandlung g[an]z
auch im Kleinsten unverkürzt und bgedruckt werde,
Sollten Ew: Wohlgeb[oren] aber nach den Grundsätzen u son-
stigen Gesetzen Grenzen Ihres Blattes diese beyden Bitten /
[14R]
nicht erfüllen können so müßte ich sie [sc.: Sie] ergebenst er-
suchen mir das Manuscript möglichst bald zurück
zu senden um solches in irgend einem andern dem
Ihrigen ähnl.[ichen] allgem.[einen] Tagesblatt aufnehmen zu lassen
was ich jedoch ungern thun würde da ich keines dazu
geeignet[er] dazu verpflichteter u auch dem Gegenst[an]de und dem Aufsatze
würdiger halte. als Mögen Ew Wohlgeb[oren]
darum Daß ich ich auch keine ohne erst die Nachricht ab <geworden konnte> wie Ew Wohlgeb wegen
meine erst jüngste Mittheilung aufgenommen haben,
(weil es [durch] gefällig besorgende Reisende noch nicht zurückgekehrt
ist,) abzuwarten, Ew: Wohlgeb[oren] schon dieser neue
Aufsatz überzeugen [und] Einen sprechenden Beweis meiner
wahren u ausgezeichneten Hochachtung finden mit
welcher ich bleibend beharre
Ew Wohlgeb[oren]
g[an]z ergebenster
FrFröbel