Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Freyfrau von Guttenberg in Altmann b. Bamberg v. 16.11.1830 (Keilhau)


F. an Freyfrau von Guttenberg in Altmann b. Bamberg v. 16.11.1830 (Keilhau)
(BN 731, Bl 16R-17R, datierter Entwurf 2 Bl 4° 2 ½ S. im „Briefbuch Keilhau“,
Handschrift Fs.)

        Keilhau am 16ten Novbr 1830.


Ihrer Hochwohlgeboren der Freyfrau von Guttenberg
geb. Freyinn von Wessenig in Altmann bey Bamberg


Ich freue mich sehr auf Ihre doppelt vertrauende Zuschrift v. 12 d.M.
Ihnen zuerst, da mir von jeder Seite die Wahrheit davon durch Thät[igkeit]
entgegentritt, erwiedernd aussprechen zu können, daß Ihre
liebe Tochter Hedwig sich der Bestimmung gemäß die sie in unsern Kreis
führte, Herzlicher Liebe u der regsten Sorgfalt von allen Pflegenden u
Erziehenden des Kreises so wie auch sonst von all ihren Genossen sich erfreut[.]
Dagegen muß aber auch bis jetzt der <Wahrheit zur Stein zu von> ihr
ausgesagt von uns das Zeugniß gegeben werden, daß auch sie durch ihr Betragen dahin wirke dazu beyträgt
daß ihr <nicht nur> Liebe u Sorgfalt, sondern daß sie auch ihr wieder ganz
werden kann; bis jetzt ist sie in den Lehrstunden u den Unter-
richtsbeschäftigungen so wie in der Leiblichen Beschäftigung u weibl[ichen]
Arbeiten so thätig als man es von einem Kinde ihres Alter[s]
wohl nur mit Recht fordern kann. – Indem ich Ihnen
als sorgendesame Mutter dieses offen ausspreche, ersuche ich Sie <?>
<wenigstens>; dieß ihr aber weder in Briefliche[r] oder wenn sich einmal
die Gelegenheit dazu finden sollte ihr persönliche Mittheilung bestimmt durch Äußerungen
auszusprechen; weil der Mensch einmal leicht glaubt seiner Pflicht
hinlängl[ich] genug genügt zu haben, u weil sich seiner jungen Wesen die Eitelkeit leicht zu ihrem Nachtheil schmeichelt.
In Beziehung auf Ihre vertrauende Anfrage die Aufnahme Ihres
Sohnes Ottmar betreffend, nun können wir Ihnen erwiedern.
Obgleich <> die Aufnahme von Zögl[ingen] außer dem Halbjahr[termin] für die Anstalt
<> mit großer Schwierigkeit, für dieselben verknüpft ist, so kann sie
doch für Ihren Sohn noch in diesem Jahr stattfinden weil in diesen Tagen
uns schon ein zweytes Gesuch um Aufnahme eines ihres [sc.: Ihres] Sohnes gleichaltrigen /
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elternlos gewordenen Knaben aus dem Großherzogthum Posen
dringend ausgesprochen und sie von uns zugesagt wurde. Wegen dieses Zusammen-
treffens nun soll <nun> auch Ew Hochwohlgeb[oren] die Aufnahme Ihres
Sohnes Ottmar noch im Laufe dieses Jahres zugesichert werden.
Mehr Schwierigkeiten noch macht <neml[ich]> freylich die Bedingung des
mögl[ichen] Rückschrittes <schon> innerhalb Jahresfrist doch auch diese
Bedingung soll Ew Hochwohlgeb[oren] <h[ier]> die Gesammtverhältnisse berücksichtigend
bewilligt werden; obgleich allein diese Bewilligung keinesweges kann schlechterdings
nur in eben diesem Fall seine Anwendung finden kann und es kann ihr
keine weitere Allgemeinheit zugestanden werden kann muß darum liegt sie
wodurch darum auch außer der Grenze aller weitern Mittheilung und
Ausbreitung.
Hierdurch nun ist Ihre Ew. Hochwohlgeb[oren] erste Frage beantwortet.
In Anseh[ung] der zweyten Frage soll Ottmar das erste Jahr
für Rth Einhundert Preuß C jährliches Erziehungsgeld eintreten[.]
In Nach Verlauf desselben <des ersten Jahres> und weil dann Ottmar das 12e
solche [Jahr] bleibt von der Gestalt seinem Alter seiner Bildungsstufe u
den obwaltenden Gesammtverhältnissen gemäß
die Bestimmung <das zu> fordernde Erziehungs- u Unterhaltsgeld
zu bestimmen überlassen; und hat diese Festsetz[ung] für die folgende
Zeit für die Anstalt keine bindende Kraft.
Die Übrigen Punkte setzen wir Ew Hochwohlgeb[oren] als bekannt voraus so auch daß
das Erzieh[ungs]geld halbjährlich vom ersten Tage des Monats in
welchem der Zögling eintritt voraus gezahlt werden muß
Und daß zur gegenseitigen Klarheit u Festigkeit Ungetrübtheit des Verhältnisses die
Zahlungsleistung richtig erwartet werde weil nur dad[urc]h einzig es mögl[ich] wird
den Betrag desselben verhältniß<mäßig> gegen die Leistungen von Seiten der Anstalt so
<wieder zu verrechnen>
Ebenso wie daß Rth 13 Preuß C als Vorschuß für zur
Berechnung für die besondern Auslagen bey Eintritt der Anstalt
bezahlt werden, wie dieß ist Ew Hochwohlgeb[oren] aus nach Ihrer
Zuschrift schon bekannt erscheint ist.
So ist also auch Ihre zweyte Frage erledigt. /
[17R]
Rücksichtl[ich] der 3n Anfrage giebt das banliegende Ver-
zeichniß Antwort, sollte aber im <Augenblick> noch nicht alles in Bereitschaft seyn, so
könnte ja das Fehlende nachgesandt werden, damit der Knabe
wenn es sonst noch Ew Hochwohlgeb[oren] Entschluß bleibt, in den
ersten Tagen des künftigen Monats <mancher Zweifel auch der
junge[n] Person so wie
> eintreten könnte. Findet nun <dieser>
Eintritt nun nach Ihrer Bestimmung Statt so erbitten wir uns <Wohl> vorher
deßhalb noch <gefälligst einige> Anzeige von Ew. Hochwohlgeb[oren.]
Mit hochachtungsvoller Ergebenheit unterzeichnend