Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Weimann in Schneidemühl v. 16.12.1830 (Keilhau)


F. an Weimann in Schneidemühl v. 16.12.1830 (Keilhau)
(BN 731, Bl 23R-24V, datierter Entwurf 1 Bl 4° 2 S. im „Briefbuch Keilhau“,
Handschrift Fs.)

Keilhau den 16 Decbr 1830.

AEwHerrn Justizcommissarius Weimann in Schneidemühl

Ew Wohlgeboren

haben mit väterlicher Ge-
duld des Ihnen seit <zwey> Monaten schuldigen
ausführl[ichen] Jahreszeugnißes Ihres uns anvertrauten
Sohnes Albert entgegen gesehen. Auch wir sahen
<diesen> Zeitpunkt <wohl> ersehntes Ihnen dasselbe <abschicken>
und so Ihre <schönsten> Wünsche erfüllen zu können
allein der völligen Wahrheit gemäß muß ich Ihnen
versichern daß solches nicht einen Tag früher mögl[ich]
war, denn bis auf den letzten Augenblick war
für das die anhaltendste u <ernsteste> Berathung nöthig
um Ew Wohlgeb[oren] ein allseitig sowohl genügendes
als wahres in sich in dem Fortgang der Lebensent-
wicklungen Ihres Sohnes nicht widersprechendes
u so in sich selbst vereinstimm[en]des [sc.: übereinstimmendes] Zeugniß geben
u Urtheil über denselben aussprechen zu können.
Denn nach unserm Urtheil <Gutachten> hängt von einzig einem solchen Ur-
theil das g[an]ze künftige Lebenswohl eines jungen Menschen
ja die Zufriedenh[ei]t ganzer Familien ab; davon /
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werden Ew. Wohlgeb[oren] wenn Sie einen prüfenden
Blick in das angeschlossene Zeugniß werfen [sich] überzeugen
daß darin ein g[an]z an-
derer Geist u ein ganz anderer
pädagogischer u didaktischer <Zug> des Lebens herrscht, als in diesem was
Ihnen früher als Urtheile
über Ihren Sohn ausgesprochen wurde
und daß in unserm g[an]zen Leben u Streben
nur hoher Ernst nicht aber nichtige Schwärmerey herrsche [.]
Und so hoffen wir nun wie Ihre achtbarsten Wünsche
u Ungeduld befriedigt, so auch Ihre etwaige
Unzufriedenheit beseitigt zu haben.
Wir so wie Ihr Sohn sehen nun mit Zufriedenheit
Ihrer Entscheidung über dessen künftige Bestimmung
entgegen.
In Rücksicht auf das Ökonomische wird Ihnen
von Seite der Casse das nöthige ausgesprochen
werden.
Genehmigen Sie von mir und uns die begründete
Versicherung wahrer u aufrichtiger Hochachtung mit
welcher besonders ich mich unterzeichne