Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an < ? > ["Theure Freunde und Freundinnen"] v. <zw. 27.12. u. 31.12.> 1830 (Keilhau)


F. an < ? > ["Theure Freunde und Freundinnen"] v. <zw. 27.12. u. 31.12.> 1830 (Keilhau)
(BN 730a, Bl 1-2, undat. Reinschriftfragment 1 B 8° 4 S ohne Adressat. Diesem Schlussbogen gingen der Bogennumerierung wegen 2 Bogen mit 8 Seiten voraus. Datierung ergibt sich aus 2V: Wilhelm Middendorff jr. wurde am 31.12.1830 geboren. Adressat: mglw. der Frankfurter Kreis: Holzhausen, Heyden, Kosel, Schwarz, mit Sicherheit nicht der Verwandtenkreis in Döllstedt oder Berlin.)

[Briefanfang fehlt. Da F. zwischen dem 22.8. u. 23.9.1830 sechs Briefe an Wilhelmine nach Berlin schreibt, könnte der vorangegangene Satz ungefähr lauten:]
["Im <Sommer / Juni / Juli> besuchte uns mein Neffe Ernst Müller, Sohn von Heinrich Gottfried Müller und meiner Schwester Juliane Müller, geb. Fröbel, den wir seit dem"]
[1]
[Bogennummer:] 3./
Pfarrsubstitut seines Vaters und als jungen Ehemann der Nichte
und Schwägerin des Director Salzmanns in Schnepfenthal noch nicht
gesehen hatten, begleitet von seiner Schwester Auguste. Es
war mir aber kaum möglich in den ersten Tagen mich ihrer
Nähe zu erfreuen, doch zu meinem Troste ließ uns der Bruder
nach einem mehrtägigen Aufenthalt die Schwester auf einige
Monate zurück. Bald nach Ernsts Abreise kam erwartet
unerwartet unser treuer Leopold Teske zu uns, er brachte
uns seinen jüngeren Bruder und noch drey andere seiner
jungen Landsleute zur Erziehung. Bey seiner Ankunft war die Freude all-
gemein. Meine Frau benutzte seine Rückreise um einen lang
gehegten Wunsch sich zu erfüllen und Ihre lieben Verwandten
ihre sie sehr ersehnende Mutter und Tante in Berlin zu besuchen;
was jetzt ausführbar war, indem sie während der Reise einen
so guten Begleiter hatte und in ihrem zurückgelassenen Haus
wesen in Augusten eine rege Gehülfin und treue Stütze wuste.
Es war dieß auch sehr gut, denn bald nach der Abreise mei-
ner Frau bekamen wir einen fast 14tägigen Besuch von
der Mutter einer unserer Zöglinge, welche uns zugleich die
Tochter einer Ihrer Freundinnen, ihren Pathe, als Zögling über-
brachte. Es war dieß ein sehr erfreulicher Besuch, indem sie
eine vorzüglich gebildete Frau des höheren Ranges prüfend
und achtend auch in das Einzelne unseres Wirkens und
unseres Lehrganges einging. Bald nach der Abreise dieser
kehrte auch Barop zu uns zurück nachdem er seinen
Vater wieder hergestellt verlassen hatte. Auch meine
Frau kehrte in den ersten Tagen des Oktbrs seit langem wie-
der zurück ersehnt, zu uns allen Freude bringend zurück. /
[1R]
Auch sie theilte Barops Glück, denn die liebe Mutter und Tante
welche sie sehr krank getroffen hatte, konnte sie durch ihre
Nähe schnell erstarkt gesund wieder verlassen. Der kleinen
9jährigen Hedwig brachte sie in der 11jährigen Ludowika
eine Gespielin und der Anstalt einen Zögling mit; so ist unser
Kreis durch still genährtes und treu gepflegtes Zutrauen
ein Kreis froher und glücklicher Söhne und Töchter des verschieden-
sten Alters, und wir sind so glücklich daß wir bey den ver-
schiedensten intellectuellen Anlagen und moralischen Kräfte[n]
doch jeden derselben doch gern unsern Sohn oder Tochter nennen.
In den letzteren Tagen ist auch Ferdinand Fröbel aus Jena
gekommen um die Freude des gemeinsamen Festlebens
zu erhöhen, und so haben wir wirklich froh und freudig das
Christfest in einfachen sinnvollen Schmuck Schmuck welchen
die gemeinsame Thätigkeit der Lehrer und ältern Zöglinge
schuf gefeyert. Und diese Zeilen habe ich im traulichen Zimmer
der sogenannten großen Lehrstube beym allseitig freyen
Blick in die klare vom Monde jetzt wie vorher von der
Sonne hell erleuchteten Winterlandschaft unter dem
Schatten der grünen durch stumme Schrift redende Christ-
bäume und beym frohen Leben von mehr als 20 spielenden
jungen Leuten die bald etwas zu fragen bald etwas
mitzutheilen hatten und unter welchen bald etwas
zu schlichten bald etwas zu verbessern war geschrie-
ben. Diese Zeichen der öfteren Unterbrechung muß ich
darum Eurer billigen Nachsicht empfehlen.
Ferdinand hat uns nun von den Döllstädter Verwandten
noch folgende Nachrichten mitgebracht. Dem Heinrich /
[2]
Müller
in Gotha, dem Tischler, ist kürzlich ein Sohn geboren
worden, und auch Ernsts Gattin sieht der frohen Hoffnung ent-
gegen ihren lieben Mann mit einem lieben Kinde zu be-
schenken; so hat also mein alter Schwager in Döllstädt, welchen
man schon im vorigen Jahre dem Tode nahe glaubte noch die
Freude doppelter Großvater zu werden. Überhaupt
soll der alte Mann jetzt ganz von neuem aufleben.
Gleicher Freude wie unser Ernst Müller dessen Gattin und
ihr alter Schwiegervater sieht auch hier unser Middendorff
dessen treues vielgeliebtes Weib und mein ausdauernder
Bruder und dessen treusinnige wackere Frau entgegen.
Stündlich erwarten wir nemlich die Niederkunft Alber-
tinens, welcher wir mit sehr frohen Hoffnungen entgegen
sehen, weil die liebe junge Frau sich auf das vollkommenste
wohl befindet Allwina ihre Tochter ist ein wackeres
kräftiges Mädchen, sie ist aller Freude, spielt während des
Tages gar Manchen ihrer Umgebung müde ob sie gleich schon
durch Nadel und Hand und bey häuslichen Arbeiten sich zu
beschäftigen sucht. Dieß die Freude und die Hoffnungen der Freu-
de; doch ich sagte ja schon oben Freude und Leid ist seit diesen
Sommer immer bey uns verbunden und so sehen wir auch
bald wieder einer, wenn auch ohne Zweifel nur kurzen
und dann zu einer noch innigeren Einigung führenden Trennung
entgegen. Barop hat zu Anfang dieses Monats seinen Vater
verlohren, dessen Tod man jedoch seit länger als einem
Jahre mit Bestimmtheit vor Augen sahe, weil er unheilbar
an der Brustwassersucht darnieder lag. Dieser Todesfall
wird ihn nun auf unbestimmte doch hoffentlich nur kurze Zeit /
[2R]
von uns entfernen um sich dann noch näher und auch äußerlich
mit dem Kreis zu vereinen mit dessen Zweck und Leben sich
schon längst das seine innig und fest verbunden fühlte.
In meinem Hause, wie in dem meines Bruders ist, wie
Ihr aus diesen Mittheilungen schon vermuthtet haben werdet
alles völlig frisch und gesund.
So habe ich Euch theure Freunde und Freundin[n]en eine Skizze
unseres Lebens gegeben seit und von der Zeit an, da Ihr nicht
unmittelbar etwas von uns gehört habt; ich hätte Euch
wohl noch manches kleine uns erfreuliche Einschiebsel
mittheilen können so z.B. daß die Dichterin und Schriftstel-
lerin Charlotte v. Ahlefeld, jetzt die Freuden des Christfestes
mit uns getheilt hat, doch der Brief ist schon an und für sich
länger geworden als mir lieb ist und ich muß fast fürchten
Euch durch die Lange desselben ermüdet zu haben, doch nehmt
ihn wenigstens als einen Beweis wie gern ich mein Leben
und die Begegnisse desselben Euch mittheile wenn mir
es das Leben verstattet. Nun nur noch eine, aber recht
herzliche Bitte, vergeltet nicht Böses mit Bösem, sondern
schreibt vielmehr recht bald und jedem dem es die Zeit
nur einigermaßen verstattet wenn auch nur ein
Paar Zeilen, wir sehnen uns alle gar sehr nach unmit-
telbarer Nachricht von Euch.
Die herzinnigsten und hochachtendsten Grüße von meinem
und des Bruders Hause doch bekannter und unbekannter
Weise, doch ganz namentlich auf das angelegentlichste
von meiner Frau. Middendorff wird seine noch besonders und
persönlich wiederholen wenn er Euch die glückliche Niederkunft
seiner Frau melden wird. Denkt auch in dem neuen Jahre, das Euch
Gott vielfach segnen und in Friede und Freude verleben lassen möge in
in Liebe und Theilname unserer, wie wir stets und freudig Eurer gedenken. Mit Liebe und Treue stets Euer FrFröbel.