Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christian Fröbel, Wilhelm Middendorff und Johannes Arnold Barop in Keilhau v. <Ende Oktober / nach 16./18.10.1830 (Keilhau)


F. an Christian Fröbel, Wilhelm Middendorff und Johannes Arnold Barop in Keilhau v. <Ende Oktober / nach 16./18.10.1830> (Keilhau)
(2 Dokumente: BN 724, Bl 89-91, 1 Bl+1 B fol; undat. Entwurf Bl 89V: 1 Bl fol. 1 S.; undat. Reinschriftfragment auf Bogen 90V 1 S. Datierung nicht gesichert: 1830 oder 1836)

a) Entwurf

[89V]
An den Bruder, an Middendorffen und Barop.
Es ist in der jüngsten Zeit mehrfach an mich die Forderung geschehen,
mich über unser Lebensganzes und unser gegenseitiges Gesammtes Verhältniß und zwar in und für Gemeinsam-
keit und Gegenseitigkeit klar und mit Offenheit auszusprechen. Um die Erfüllung dieser Forderung die auch die meine ist die eine in der Gesammtheit der gegenwärtigen allgemein vorliegenden Lebensthatsachen gegründet[e] und darum nothwen[dig] auch die meine ist anzubahnen halte ich folgendes auszusprechen - d.h. unser Leben selbst in seiner dadurch sich kund thuenden Beziehung zum allgemeinen und in seiner Begründung im Allgem[einen] nachzuweisen
für nothwg gz unerläßlich für nöthig; die GrundIdee, der Grundgedanke unseres Lebensganzen,
der schon in der Zeit unseres Geborenseyns statt beginnenden neuen Menschheits Entwickelungsstufe
in seiner individuellen Erscheinung aber ist es ein wahres Erzeugniß und ein Gewächs der Gesammtzeit in welcher wir jeder von uns in <welcher
für uns wie er seinem innersten Wesen nach eben ein ganz wesentliches und unerläßliches
[Glied] einer scharf bestimmten Menschheitsentwickelungsstufe und darum in seiner individuellen Erscheinung und dad[urc]h gegeben in der Ausbildung wieder das persönliche Eigenthum eines Jeden ist ist [2mal] und uns entwickelten
bis selbst lebten - in Beziehung auf die allgemeine Zeit - in der gegenwärtigen Zeit her
die Idee, der GrundGedanke ist ein neuer Menschheitsgedanken er mußte in der Zeit kommen wie er denn auch vereinzelt sich vielfach aussprach - warum er zu uns gekommen, dieß ist ein Geheimniß der MenschheitsG[eschichte.] Genug uns ist er da u wir sind dessen Diener zum wenigsten erkennen <müssen wir> denselben [.]
Idee u Gedanke sind sind der Ausdruck einer ganz neuen und den dem Entwickelungsgang der Menschheit noch <nothwendig> nächsten Stufe der MenschheitsEntwickelung
aufgewachsen, unser Lebensganzes ist somit ein Erzeugniß, so ein wahres Bedürfniß eine Forderung
der Zeit überhaupt wie der gegenwärtigen insbesondere
; es wäre für uns höchst
wichtig einzusehen und nachzuweisen wie und warum der {Grundgedanke/die GrundIdee}
unseres Lebensganzen, eben als ein Erzeugniß der Allgemeinheit unter uns so bestimmt [sich] aus[gesprochen] ge-
boren und heraufgewachsen sey (: In meiner ersten Anzeigeschrift gebe ich dazu An-
deutungen:) - unser Lebensganzes ist somit als Hervorgegangen aus der Zeit ein
Erzeugniß ein wahres Bedürfniß und Forderung der Zeit überhaupt, wie der gegenwärtigen insbesondere, wie wir denn auch in der Zeit eine klar bestimmte Aufgabe zu erfüllen haben
(: dieß ergiebt sich klar aus der inneren und inner-
sten wie äußeren Geschichte seines Entstehens und Bestehens unseres Lebensganzen:) Und dieß unser
Verhältniß in der Zeit und zur Zeit ist vor Allem wie von jedem Einzelnen unter
uns so von uns als eine Gesammtheit und ein Ganzes klar einzusehen und anzuerkennen
denn wer seine Stellung im Leben nicht zu erkennen, und nicht festzuhalten und zu behaupten
versteht ist ein Kind, ein Unmündiger, ein Schwächling, oder ein Thor oder ein Narr[.]
Dieß erkenne ich vor allem zuerst wie [als] Grundforderung an mich, so aber auch als unerläßliche unaus[-] und unabweisbare Pflicht.
Wir wir nun nur unser Entstehen als ein Ganzes von dem Heraufkeimen der ersten GrundIdee desselben in jedem Einzelnen an auf eine höchstmerkwürdigebeachtenswerthe und viell[eicht] eines eigenen
Stadiums würdige Weise nur in der Zeit, d.h. als eine wirkliche Entwickelung der Zeit u des Geistes derselben gehabt haben, so haben wir somit auch nur
unser Bestehen nur in der Zeit und durch die Zeit d.h. in der allgemeinen durchgreifen[-]
den An somit öffentlichen Anerkennung nicht nur blos der Zeitgemäßheit un-
seres Strebens, sondern der wirklichen und unerläßlichen Nothwendigkeit diesselben
in der Zeit als einer im von dem Wesen des Menschen liegenden geforderten Entwickelungsstufe wenn überhaupt das gesellschaftl[iche] Leben in der Zeit zu dem ihm bestimmten
Ziele kommen soll. [bricht ab]

b) Reinschriftfragment

[90]
An den Bruder, an Middendorff und Barop.
Es ist in der jüngsten Zeit mehrfach an mich die Forderung geschehen,
mich über unser Lebensganzes und unser gegenseitiges Gesammt-
verhältniß und zwar in und für Gemeinsamkeit und Gegenseitigkeit
klar und mit Offenheit auszusprechen; um nun die Erfüllung dieser
Forderung die in der Gesammtheit der gegenwärtigen, allgemein
vorliegenden Thatsachen des Lebens gegründet und darum auch noth-
wendig die meine ist, anzubahnen halte ich nachstehendes auszuspre-
chen - d.h. unser Gesammtleben selbst in seiner sich dadurch kund-
gebenden Beziehung zum Allgemeinen und in seiner Begründung
im allgemeinen aufzufassen und nachzuweisen für ganz uner[-]
läßlich nothwendig.
Die Grundidee, der Grundgedanke unseres Lebensganzen,
denn davon muß ausgegangen werden - ist ein wahres Erzeugniß
der schon in der Zeit unserer Geburt begonnenen neuen Menschheits-
entwickelungsstufe, und ein Gewächs der Gesammtzeit in wel-
cher er, wie Jeder von uns - wie er seinem innersten Wesen nach eben
ein wesentliches und unerläßliches Glied dieser scharf bestimmten
Entwickelungsstufe der Menschheit, und darum als Gedanke
in seiner persönlichen Erscheinung und dadurch gegeben, auch in
der Ausbildung wieder das persönliche Eigenthum eines Jeden von uns
ist. – [bricht ab]