Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johann Schmidt in Schwarzenbach bei Hof v. 24.3.1831 (Keilhau)


F. an Johann Schmidt in Schwarzenbach bei Hof v. 24.3.1831 (Keilhau)
(BN 633, Bl 3-6 u. BN 535, Bl 1, datierter Entwurf 2 ½ B fol 10 S., tw. ed. RB 1872, 155. - Der dritte Bogen des Entwurfs [mit nur einem beschriebenen und foliierten Blatt] ist in BN irrig als Entwurf an Heinrich Langguth von 1834 einsortiert. - Bei der Teiledition ohne Adressaten und genaue Datierung RB 1872 [Heiland 1982, Nr. 178] handelt es sich um eine von Lange stark veränderte/gekürzte Passage aus Bl 5VR. Der Schlußsatz - in der Teiledition unter einem Querstrich - hat seinen Bezugspunkt auf 535, 1R. Daher war möglicherweise für Lange der Zusammenhang beider Entwurfsteile noch bekannt.)

An Herrn Johann Schmidt in Schwarze[n]bach.

Keilhau am 24sten März 1831.
Deinen Brief vom 17' d. M. habe ich heute
Nachmittags erhalten und ich beeile
mich, Dir denselben zu beantworten.
Wegen Dei Zuerst und allem zuvor sage
ich Dir, daß Du Dir wegen Deiner sich bis
jetzt noch nicht erfolgten Rückkehr in mein
Haus nicht die mindeste Sorge zu machen
brauchst; denn einmal habe ich sie zunächst
gar nicht früher, dann aber, wenn ich an
mir den Stand des ganzen Verhältnisses nur
ein wenig klar dachte, habe ich Deine Rück-
kehr ganz und gar nicht mehr erwartet. Ich sehe
auch bis jetzt noch - wenn ich das Ganze
Dein Gesammtstehen zum Ganzen und zu
mir, Deine Äußerungen über das Ganze
über einzelne Glieder des Ganzen und
besonders über mich - auch nur mit
dem Lichte des aller einfachsten und ge-
wöhnlichsten Hausverstandes, mit
dem einfachsten <u reinsten> Menschenverstande
beleuchte - so sehe ich auch bis jetzt noch
gar nicht ein, wie es nur irgend an-
ders seyn und werden kann, ja ich be-
greife nicht, wie der Mensch, d.h. wie
Du, durch dessen Mund alle jene Re-
den gegangen, dessen Hand sie nieder-
geschrieben, also dessen Herz sie also doch
empfunden und dessen Geist sie gedacht
haben muß, wie dieser Mensch da-
rüber anders denken, empfinden und
sprechen kann.- Da ich also schlechter[-]
dings nicht einsehe, wie ein Mensch /
[3R]
der über ein Verhältniß und dessen
Mittelpunkt, wie Du, über mein Handeln
und mich empfunden u gesprochen hat (wie
ja klar geschrieben vor mir liegt) wie
ein solcher Mensch, also Du, in diesem
Kreis zu und zu diesem, zu einem solchen Menschen
wie Du mich geschildert hast, zurück-
kehren kann und mag - so gestehe ich ganz klar
offen, daß ich, als ich Deinen Brief erhielt,
nichts gewisseres in demselben zu finden
hoffte als die gewisse so klare als
einfache Anzeige, daß Du nicht und
nie mehr in meinem Kreis, wenigstens
nicht zu mir und zu und in mein
Wirken zurückkehren, sondern daß Du
Deine Gesammtkraft zu einer freyen
selbstthätigen u selbstständigen Wirksam-
keit zusammennehmen und Dir dadurch
so durch Dich selbst, ein Leben wie es Dein
Gemüth u Dein Geist fordert begründen
aufbauen u ausführen würdest. Und
so, ja so wäre es recht u doch noch
eines Menschen von 27 Jahren würdig
gewesen. Aber so nun, ich glaube ja mei-
nen Augen nicht trauen zu dürfen
was sie mir da zu aus Deinem Briefe herauslesen und mir in demselben zu schauen aufgebürtet [sc.: aufgebürdet]
wird.
Man ist gezwungen wenigstens ich bin
gezwungen zu fragen, sind des Menschen
sind meine Worte Leben u schuf sie der
Geist oder sind es leere Schalle
die der Wind verwehet?- Ist der
Mensch zu dem sie gesprochen wurden
wirklich ein denkendes u empfin[den]des Wesen oder ein leerer Schatten, Schemen, eine
Theaterpuppe oder Statue, oder daß, /
[4]
vom Menschen und vom Geist gesprochene
Worte spurlos an ihm verhallen ?
können, wie Du zeigst, daß es möglich ist?-
Wahrlich Du zwingst mich das letztere
zu glauben[.]
Oder muß des giebt es Menschen die den dunkeln Gang
der <Leidenschaften>, der Triebe, des Instinktes
in Leben durchlaufen müssen ehe sie sich zur Festhaltung
des höhern <reinern> geistigen Lebens erheben
können? Wahrhaftig auch dieß zwingst Du
mich zu glauben. Nun gut! ist das er-
ste wahr, so siehst Du doch wohl so viel
ein, daß man es dankbar erkennen
muß, wenn man von der Einwirkung auf
die Menschen losgesprochen wird und
daß man jedes verhüten muß, einen
solchen Wechselverkehr mit den Menschen
von neuem anzuknüpfen!- Ist das
zweyte gegründet, Nun dann auch
gut, dann gehe jeder Mensch, dem es
zu und für seine Erhebung nothwendig ist
jenen dunkeln Wege zu durchwandern,
ungestöhrt dieselben, weil er sie als
Naturwege nothwendig erkennt, aber
er fordere u verlange (nur) nicht, daß An-
dern, die sich eines höhern Geistigen Daseyns
schon erfreuen, jene Wege mit ihm durchlau-
fen sollen, er fordere nur nicht, daß
mann ein solches durch alle Schrecknisse
wenigstens Gefahren der geistlosen Wirklichkeit zu <läuterndem>
Leben mit einem Leben vereine[n] u verbinden
welches einer höhern Klarheit u Geistigen
Wirkens u Wesens sich erfreut.
Doch Du meinst ja rein umgekehrt:
Dein Wirken Streben u Handeln
und Meinen ist Dir das ächte reine
wie Natur- so Gottgetreue, dagegen /
[4R]
das meine das Falsche, das im Wesen
befangene, auf dem Irrwege begriffene
und wie es Du es mir noch überdieß bildlich sagst, das
mit sich selbst uneinige Reich; auch ich bin
ich ja auch ein Glied der großen Ganze
Familie deren man wie Säuen die
Perlen nicht vorwerfen müsse;
Auch ich gehöre ja mit meinem g[an]z[e]n Hause zu
der Gemeinsamheit auf welche Du
den Anspruch anwendest: wenn sie Euch
in einem Hause nicht aufnehmen, so gehet
von dannen u blaset schüttelt den Staub von Euren
Schuhen.- Ich will Gott behüte mich
abzuwägen u Vergleiche zu ziehen; mein
Innerstes liegt so klar vor mir wie
vor Gott u mein Leben wenigstens seine
äußern Thatsache[n] noch klar u offen ge-
nug vor dem Menschen; aber wenn nun
dem also ist, wie kannst, wie magst
Du Dich wieder zu mir wenden - denn
so uneins sind wir nun doch noch nicht
daß wir über die hochwichtigen Lebens-
fragen welche Du uns immer von neuem
wiederkehrend vorlegest nicht <einig sind> oder uns doch wenigstens
nicht verständigen sollten, so daß nicht
mein Willen u mein Wollen an die
Stelle des Willens u Wollens Aller,
oder der Wille u das Wollen Aller
an die Stelle des meinen gesetzt wer-
den könnte; wenigstens ist dieß in dem
vorliegendem die Antworten auf
Deinen Brief ganz der Fall u war
es schon stillschweigend vorher
meinst Du ich könnte in einer so hochwichtigen
Sache als Du uns zu bedenken giebst
auch nur die Stimme eines einzigen unbe[-]
achtet lassen - oder meinst Du
ich werde von meinem am letzten Abend
gesprochenen Worten die ich im klaren Bewußtseyn aussprach
der verantwortliche Mittelpunkt eines
mir aus der reinsten Lebensansicht vertrauend[en] Kreises zu seyn auch nur um einen Deut
abgehen?- Ich habe geschwiegen
ich war stumm so lang ich Dein Leben
im Dunkeln vor mir lag und so lang ich in der Meinung stand, Du
kämpftest in Dir den Kampf der
Klärung u der Selbstüberwindung, ich ließ mein
theilnehmendes Gemüth reden, da ich glaubte
es spräche zu einem Gemüth u Leben dem /
[5]
Pflege des höhern u göttlichen über alle
menschliche u eigene, selbstsüchtig selbst
gestellte Zwecke gieng; doch nu[n], da mir
Gott Dein Leben u Deine Lebens ansicht
so klar zeigte, so habe ich gesprochen u
was ich sagte bleibt unverändert
stehen: - Gehe hin, begründe Menschen-
glück, baue ein Friede[n]shaus, Gottes-
seegen ruht unwandelbar auf denen
die das Rechte wählen. Was brauchst
Du mich? Wie magst Du denn überdieß Dein reines
Leben mit der Verknüpfung mit
mir, Unreinen trüben? Du bist
ja nach Deiner eigenen Überzeugung der Menschheit
schuldig Dein Leben in Selbststä[n]d[i]gkeit
u Selbstthätigkeit in Reinheit u Klar-
heit auszuführen, und ich selbst
muß ja, wenn ich nicht zum Lügner
werden will - Dich für vor einer solchen
Trübung durch u mit meinem Leben
schützen, denn ich habe ja oft ge-
nug gesagt, daß mir das Wohl
der Menschheit höher als das
meine stehe[.] Oder willst Du wie Du
Dich
großmüthig
den Seegen, das Heil, den Frieden u das
Glück was auf Dir und Deinem Leben ruht
auf das meine übertrag[en] von dem
Du meinest es werde sonst den Frieden wie Du Dich ausdrückst
nicht finden u von Noth Last u Druck nicht
entbunden werden? Ich habe Dir ja schon
verflossenen Sommer vor dem ganzen
versammelten Hause gesagt: "Der
Mensch will nicht par force und noch
überdieß gegen seinen eigenen Willen glück-
lich gemacht seyn, auch ich liebe das
Parforce Glück für mich nicht, noch
weniger den Parforce Seegen. Ich denke
auch nicht so klein von Gott daß er
seinen Seegen nur an eine Person und
ein Verhältniß als solches und weil
es nun eben diese so gestaltete <Person>
ist und Verhältniß ist knüpfte, sondern ich
denke er wirkt in allem u d[urc]h Alles, was
sich nur demüthig seinen Wirken Geist in sich
wirken läßt. Und habe ich Noth Druck
und Last so will ich sie jedenfalls
geduldig ertragen. Wären sie unver-
dient, so weiß ich: Druck von Außen
bewirkt immer Entwicklung, also sie thöricht /
[5R]
abstreifen zu wollen wäre eben so un-
klug als den Spätschnee von den
blühenden Obstbäumen oder wohl gar
der blühenden Saat abzustreifen: taube Ähren
u Blüthen würden der Lohn dieser solchen mindestens
Unbesonnenheit besonnen zu nennenden That seyn;
und ich hoffe zu Gott noch edle reife Früchte von meinem Leben zu
ärndten. Treffen andere unverdient durch mich und meine Schuld
Noth u Druck so hat die Vorsehung tausend
Mittel u Wege in den Händen ihnen das
unrecht und unverdient Erlittene vielfach
zu vergüten u zu ersetzen, ja es wird mich
selbst nichts davon erlösen u befreyen
ich werde durch Hingabe meines eigenen
Lebens das erlittene ersetzen u gut
machen müssen, und ich werde mich dem
Gesetz der Nothwendigkeit willkührlich eben-
so wenig als den Forderungen der Vorsehung ent-
ziehen, darum S sind Last Noth u Druck ver-
dient um so weniger noch will ich mich
ihrer dann entziehen, denn so will (ich) sie bis auf
die letzte Neige trinken damit ich durch
diesen Beweis von Gottes Liebe weise
werde und sie Noth u Druck so endlich früher oder
später gewiß schwinden. Siehst Du so
fühle ich z.B. gleich jetzt indem ich dieß schreibe
den selbstverdienten Druck u Last; denn
Du erinnerst Dich, daß Du schriftl[ich] zu
dem g[an]z[e]n Hause im verflossenen Sommer
sprachst: ["]Könnte Dir nicht in dem Kreise
werden was Du suchtest u erwartetest
so hättest Du Kraft genug in einem einsamen
Winkel der Erde Dir selbst ein reines
Menschenleben zu begründen pp." Wie ich
Dein Leben dort durchschaute zeigte ich Dir
das Unbesonnene jener Äußerung und
hielt Dich gutmüthig in dem Kreise oder
vielmehr ich nahm
Dich gutmüthig wieder in mein Haus
u Kreis auf; denn durch jene Äußerung
hattest Du Dich eigentlich schon <ganz frey> u
selbstthätig von demselben u von mir hier
getrennt. Dieß Wieder aufnehmen war unüberlegt u vor[-]
eilig von mir in die Wege der Bildung u der Erziehung
welche die Vorsehung mit Dir vorhat
<eingegriffen>, ich hätte Dich gehen lassen
Dich nicht zurückhalten sollen, denn Du hast es mir, wie es
mein Vorwitz verdient, wie
die Schlange jenem Bauer die er aus
dem Brunnen zog vergolten; es ist mir recht /
[6]
geschehen aber jetzt will ich weise
seyn
ich wollte auch gar nicht hören
denn Du wärest nicht der erste der in
der Unbeugsamkeit seiner niederen Lebens-
ansicht mir den Stuhl vor die Thür setzte
wie man zu sagen pflegt und den ich doch
gutmüthig wieder aufnahm, und alle
haben mir es {gelohnt/ vergolten[}] ähnlich wie Du
und noch jetzt trage ich die Fesseln und die
Last davon; aber jetzt <nun> wenigstens will ich anfangen weise
zu seyn, Du hast zum zweytenmale das Band
zwischen Dir u mir, zwischen Dir u meinem
Wirken gelöset und nun bleibt es gelöst.
Mein Wort ist so fest als das festeste
was des Menschen Geist erkennt. Du
hast oft genug von mir gehört: hütet Euch
vor der ersten Trennung und Dir habe ich
so wie Andern sogar die erste Trennung
nachgesehen. Aber nun ist mein Wille
fest, es ist eines Mannes Wille oder
sind Dir nicht meine Äußerungen über die
Volkstädter Fröbel; über Wetzstein
und andere hinlänglich bekannt gewesen
oder meinest Du ich würde gegen Dich
minder fest u streng seyn als gegen mein
eignes Blut oder die Freunde die mir
Nichts denen aber ich viele Dienste schuldig
war?- Darum verliehre weder schrift-
lich noch mündlich ferner k ein Wort mehr
darüber ich kann u werde mich auf
ihre Erörterung nicht einlassen: - Dein
bisher zwischen Dir u meinem u[n]d unserm
Leben bestandenes Verhältniß ist
aufgehoben, ist abgebrochen.
Dieß die Sache von der innern Seite
angesehen und was bliebe mir da noch
über Deine Verkennung Deines LebensBe-
rufes aus Selbstsucht, über Deine ganz /
[6R]
muthwillige leichtsinnige mit Füßen[n] Tre-
tung einer hohen Wirksamkeit zu sagen übrig?- Denn
was konnte Dich, frey von Verpflichtungen
gegen den Staat - frey von hemmenden
Einwirkungen der Verwandten - versehen
mit mancherley Kenntnissen u Fertigkeiten -
begabt mit einem gesunden Körper abhalten
nur der hohen Menschheitspflege zu
leben?! - wahrlich nicht viele Menschen sind
unter diesen Umständen äußerlich so frey
um einem so hohen Berufe zu leben, doch Du
hast mich ja über diesen Punkt nie ver-
standen u würdest es auch jetzt nicht
so weitläuftig ich mich auch darüber
aussprechen würde möchte, denn daß man
um Menschenwohl zu befördern auf
Selbstwohl Verzicht leisten muß dieß
Wort war Dir ja, dieß zeigt ja all
Dein Thun, zu wunderbar u zu hoch, daß
einer der es sich vorsetzt ein Wohlthäter
der Menschen zu werden auf dem eigenen Lebens-
glück, d.h. dem äußern u gemachten ent-
sagen muß um Andern von uns unabhängig[en]
vielleicht erst dann wenn wir
selbst lange nicht mehr sind, wo mögl[ich] bey
innern Lebensglück auch äußeres zu bringen
dieß kannst Du nicht begreifen, Aber
eben diese Deine Mißverständnisse u Lebensan-
sichten, welche den meinen in einer gera-
den Linie rein entgegengesetzt sind
machen ein Ferneres gemeinsames Wirken
zwischen uns ganz unmögl.
Was hilft es mir denn, was kann es mir
denn helfen darüber ferner nur noch ein
Wort zu sprechen, auch das einfachste
ist ja verlohren, denn entweder willst
Du, oder kannst Du mich nicht verstehen.
Ich bin des nutzlosen Kampfes mit den
Mißverständnissen müde. Ich habe nach
meiner tiefsten u reinsten geprüftesten Über-
zeugung mit vielen andern auch Dich zur Erziehung
vorbereitet, die Vorsehung wird durch kräftigere
Mittel als ich ferner reichen kann vollenden, auch an Dir
vollenden, was sie durch mich begonnen hat.
Und nun gar die Sache äußerlich gesehen:
Erinnerst Du Dich denn gar nicht mehr
was ich dem He[.] Dr. Keck über <sein nächstes Heyrathen> aussprach, nun
dort habe ich doch wirklich <plan> genug
gesprochen! Auch dächte ich daß Dir unsere
Lage so hinlänglich bekannt wäre, daß /
[535, 1V]
ich Dir nicht allein unbesond unbesonnen, sondern als ein
verständiger denkender Mann, niederträchtig
u schlecht erscheinen müßte wenn ich Dir
bey Umständen u Lage wie die meine[n] sind in einen
Vorschlag gemacht hätte oder machen eingehen könnte und wollte
als Du <nur> selbst <kennst und> mir jetzt machst.
Nur Deiner völligen Lebensunkunde, nicht
aber Dein[em] Verstande kann man so etwas
zu Gute halten. Machen es denn zwey
Gesunde [sc.: gesunde] Arme aus?- Wollen sie nicht erst
essen ehe sie arbeiten können?- Und ehe
sie arbeiten können müssen sie doch etwas
zu arbeiten haben? ja Für unser Bedürfniß sind wir
jetzt hinlänglich Menschen genug - Aber warum
darüber so weitläuflig [sc.:weitläufig] seyn kann ich Dich mit meinem besten Willen sehend machen?-.- Willst Du
nothwendig eine Frau haben u nehmen so
mußt Du S sie ernähren mußt Du ihr eine Wohnung
anweisen können, Du wußtest
j aber, daß wir Dich hier kaum allein <doch> er-
nähren konnten nicht einmal für Dich allein ein
kleines Dachstübchen hatten, und hattest
Du nicht auch zwey gesunde Arme, zwey gesunde
Füße, zwey gesunde Augen, zwey gesunde Ohren
u.s.w. u.s.w. <Denn> hatte ich Dir darum nicht
schon vor Jahr u Tag als Du einmal
nach Hause reisen wolltest gesagt:
Wenn sich Dir eine Aussicht zur Förderung
Deines Lebens zeigt, so halte Dich nicht an das
hiesige Leben geknüpft denn unser Leben siehst Du wohl
kann Dir auch nicht das aller noth-
wendigste reichen und seit jener Zeit
hat sich doch unsere äußere Lage nicht so ge-
bessert daß Du mit Frau u Kindern ge-
borgen hier leben könntest.- Kannst Du
nun eine Frau nicht ernähren, so ist es, wenn
Du Dich nicht von ihr ernähren lassen willst,
unerlaubt ein Mädchen ins Gerede
zu bringen, noch überdieß auf eine Weise
wie Du es thust, daß ich gar nichts aus
Achtung für das Mädchen u deren Familie darüber
sagen mag. Wäre nun aber auch alles
dieß, meinst Du, daß man Menschen
zusammen <schmiedet> oder zusammen
webt wie Zettel u Einschlag? Ich dächte
der hiesige Kreis hätte Dir hinlänglich ge[-]
nug gezeigt wie schwierig sich Menschen
verschiedener Gegenden, Lebens- und Berufs- /
[1R]
weisen zusammen verständen. Wie
kann man nun Jemanden achten, ich will
bey Euch beyden gar nicht von Liebe reden, denn wie könntest
Du, wenn diese zwischen Euch statt fände
von dem [sc.: den] Verhältnissen reden, wie Du von
ihnen sprichst?- wie kann man aber Jemand
d.h. Du die Tochter einer achtbaren Familie nur achten und ihr sie, besonders ein einfaches
weibl Gemüthe einem solchen Wege widriger
Verhältnisse Preis geben wollen?- Denke
doch, ich sage es nochmals, an Dr Keck, werde
doch vor allem erst selbst Etwas ehe
Du etwas seyn u das Leben anderer ver[-]
knüpfen willst, Du versündigst Dich
ja sonst an der Person die Du an Dich
kettest u vor allem auch an den unschuldigen
Kindern die dann nicht außen bleiben werden.
Werde doch erst selbst frey, ehe
Du daran denkst andere frey zu
machen; kein bewußter, klarer
verständiger Mensch, welcher Du
doch zu seyn meinst - kann durch
a Andere frey werden wollen;
will er jenes denkend, bewußt verständig seyn und strebt doch
nach Freyheit durch a Andere so ist
er dagegen ein Thor. Willst Du aber
als ein klarer u besonnener Mensch
als ein einsichtiger Mensch - und Du
meinst ja das Leben tiefer zu er[-]
faßt zu haben als selbst ich - wenn
Du als solcher
andere glücklich machen
willst so mußt Du doch wissen
daß man vorher selbst glücklich in sich selbst
seyn, das Glück und den Frieden in sich
selbst gefunden haben muß; hast Du nun Dein Glück Deinen Frieden in Dir selbst gefunden, warum suchst
Du es dann immer außen und in der Verknüpfung mit andern wer aber
als ein bewußter Mensch ohne dieß
andere glücklich machen will, macht
sie statt glücklich nur unglücklich. Sind
denn diese Zentnerschweren [sc.: zentnerschweren] Worte für
Deinen harten eigensüchtigen Sinn Flaumen[-]
federn, nun dann hüte und wahre Dich[.]
Herr Middendorff ist seit mehre[re]n Tagen
krank so daß er zu Haus bleiben und
das Zimmer hüten muß, doch sollst Du wo
mögl in den nächsten Tagen Deine Rechnung be-
kommen. Daß Du von den [sc.: dem] Überschuß der-
selben keine Frau ernähren kannst dieß einzusehen dazu gehört
kaum große Rechnung.
Zum Schluß u Überfluß noch die Worte
E. M. Arndts
[Lücke im Text]
u d[ie]se Pfl[e]ge d[er] 2ten Schöpfung war es die ich als Deinen Beruf
meinte
und somit sey Gott, sey der Führung seines
guten Geistes befohlen.
FrFröbel