Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Caroline von Holzhausen in Frankfurt/M. v. 30.3./1.4.1831 (Keilhau)


F. an Caroline von Holzhausen in Frankfurt/M. v. 30.3./1.4.1831 (Keilhau)
(Brieforiginal mit Beilage: F.: "Einige Erklärungen" [Legende zu einem Lageplan der Keilhauer Gebäude] KN 26,34 u. Beilage: Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, Holzhausenarchiv, Kasten 85, Nr. 3 Verschiedenes [z.T. wirtschaftlich] Brieforiginal 5 ½ B 4° 22 S. + Beilage 1 Bl 4° 1 S., zit. Lange I,1, 135 [aus 2R]; zit./ref. Halfter 1931, 645-648; Brief ed. H V, 236-256. Das Datum 31.3.1831 ist bei Lange falsch [richtig: 30.3.1831]; unter demselben Datum wird bei Halfter 1931, 648 ein Brief zur Einführung Barops zit., der tatsächlich der vom 25.3.1831 ist. Schlußdatierung: lt. Briefschluß hat F. den Brief am Karfreitag beendet. - Begründung für die Zugehörigkeit der Beilage [= Briefliste Nr. 260, danach Fragment für C.v.H. v. "noch 1822"] zu diesem Brief: Im Postskriptum des Briefs an C.v.H. v. 15.4.1831 [vgl. H V, 258] erwähnt F. zwei frühere Briefe: einen, zu dem Zeichungen von Keilhau und eine Handschrift gehörten, und einen früheren vor dem Osterfest. Zwar sind sowohl der Brief v. 25.3. als auch der v. 30.3./1.4.1831 vor Ostern [3.4.] geschrieben, wegen des Postwegs mußte F. aber davon ausgehen, daß der zweite sicher nach Ostern in Frankfurt/M. angekommen ist, selbst wenn er ihn noch vor Ostern aufgegeben hat.- Der frühere Brief vor dem Osterfest ist also der vom 25.3. und "frühere" damit relativ zu dem v. 30.3./1.4., der Brief mit Beilagen der v. 30.3./1.4.1831. Das heißt, daß die Zeichnungen von Keilhau einen verlorengegangenen Lageplan umfaßten, zu dem die erhaltenen "Erklärungen" gehörten, der Plan war eventuell auf dem abgeschnittenen Foliobogenstück. Die "Handschrift" war das noch unveröffentlichte Manuskript, von dem auf 8R/9V die Rede ist [= Grundzüge der Menschenerziehung", geschrieben 1830, veröff. 1833].)

Keilhau am 30en März 1831 /.·.

Innig hochverehrte, gnädige Frau.

Möge es den stillen Frieden Ihres klaren Gemüthes nicht trüben, daß ich heut
schon wieder schriftlich bey Ihnen einspreche.- Gestern hat unsere Osterfreyzeit
im Unterricht begonnen, und so kann ich wieder ein Wenig auch der äußern Erschei-
nung nach ich selbst seyn und das Leben in und mit mir, wie um mich in Ruhe, Ste-
tigkeit und Frieden sich entwickeln und gestalten lassen; denn in den letzteren Wochen
ja Monaten war ich durch die noch fortdauernde Abwesenheit zweyer meiner Mitar-
beiter und Gehülfen und seit einigen Wochen durch das Krankseyn zweyer Anderen
die noch überdieß in dem etwas von diesem getrennt stehenden zweyten Hause wohnen
dann noch, überdieß alles, persönlich durch angestrengte innere und äußere Thätigkeit,
welche die schwebende Entscheidung eines der wichtigsten und gefahrvollsten meiner Lebens-
verhältnisse mit sich führt, so in Anspruch genommen, daß ich, wie das überhaupt
nur in den seltensten Augenblicken meines Lebens der Fall seyn kann, ja streng
genommen nur dann und in dem Sinne der Fall ist, als ich die höheren allgemeine-
ren Forderungen des Lebens und das Streben und Wollen meines besonderen klar
als eines und ebendasselbe erkenne und empfinde und in diesem Eins seyn des inneren
Lebens auch im äußern handele.
Zwar ist nun auch mein jüngster Brief an Sie g. Fr. aus diesem innig geeinten
Leben und Streben hervorgegangen, doch war ich während dem Denken und dem Schreiben
desselben etwas zu unverhältnißmäßig heraus- und äußerlich wirkend in Anspruch
genommen; denn von früh Morgens an (:weil ich selbst seit längerer Zeit es noth-
wendig finde selbst in unmittelbarerVerbindung mit den Schlafzimmern meiner
Zöglinge und sogar in einem derselben zu schlafen:) bis Abends spät war ich an die
Thätigkeit und Nähe meiner Zöglinge gekettet, so daß ich persönlich während des Tages
wohl selbst noch 6-7 Stunden Unterricht in verschiedenen Classen und Gegenständen
zu ertheilen hatte. So angestrengt nun schrieb ich auch, wie ich mir selbst zur nachsichts-
vollen Beurtheilung desselben anzudeuten erlaubte, den jüngsten Brief an Sie g. Fr.
Und wenn er auch ein Bild meiner Gesinnungen und Überzeugungen, des Ziel und Zwecks
und der Mittel meines Handelns geben konnte, so fühlte ich doch gleich beym Niederschreiben, /
[1R]
und noch mehr nach dem Absenden desselben tief, daß er Ihnen nicht ein Bild meines ei-
gentlichen persönlichen in sich gesammelten Lebens seyn und geben könne.
Da ich mich nun aber, welches ich mir seiner Wichtigkeit und Wahrheit halber auch
in diesem Briefe nochmals offen auszusprechen erlaube, - nach den schmerzlichsten
und vernichtendsten Lebenserfahrungen, mich jetzt fast vor nichts so sehr fürchte
als vor Mißverständnissen und edeln, mit gleichen Anstrengungen nach dem Höchsten
strebenden und dadurch geeinten Menschen; - denn wie und wo soll ich die Grenze
bezeichnen wo die Wirkungen davon ein Ende haben und auf welche Art und mit
welchen Farben die traurigen Folgen derselben schildern?- Auch ist es ganz gegen
meine Natur und mein inneres und äußeres Leben rein auflösend, wenigstens
es ganz zerstöhrend etwas Begonnenes, sey es auch nur ein angefangener Ideen-
gang, nicht aus- und durchzuführen.- Sehen Sie g. Fr. deßhalb muß ich nun wohl
schon wieder bittend zu Ihnen kommen und Ihre gütevolle Nachsicht wieder in Anspruch
nehmen. Ist dieß letztere doch gleich der Charakter meines ersten Erscheinens vor Ihnen,
wie meines ganzen nachherigen Lebens und Wirkens unter Ihren Augens und unter Ihrer
Ägide, und wie sehr ich auch bey dem immer wiederkehrenden, prüfenden Durchdenken meines
Lebens erstaune, welche riesigen Aufgaben der Gedulds- und Nachsichtsübung Ihnen mein
Leben ohne das mein Gemüth es eigentlich geahnet hat, stets vorlegte, so wird es dennoch
wohl auch immer mit dem Leben als eine[r] äußere[n] Erscheinung sein Bewenden haben, denn
das sehe ich immer mehr ein: recht erkannt ist der Mensch (:und nur beyde Hälften des
Menschengeschlechtes, der Menschheit, machen das einige ganze Wesen Mensch, Menschheit [aus,]
d.h. was wa von der einen sich selbst gefundenen Hälfte desselben gilt, gilt auch, nur aber
entgegengesetzt gleich, von der anderen:) - ist in seinem Charakter und Wesen unwan-
delbar wie in der Klarheit und Gestaltung seiner Entwicklungen unbegrenzt. Wie Sie
nun g. Fr. in jener langen Zeit in Ihrer großen Nachsicht nicht ermüdeten und sie mir
immer in höherer lichterer Gestalt gewährten so hoffe ich wird sie mir ja auch dießmal noch
werden. Und beginnen Sie nur gleich damit, daß Sie mir allem zuvor diese lange Einleitung
mit gütevoller Nachsicht verzeihen. Ich weiß wohl daß Sie diese mit Recht, auf eine gewisse
Weise hassen; aber vergessen Sie g. Fr. nicht: - wenn der ganz und wahrhaft Vertrau-
ende nicht die, freylich sehr hohe, vielleicht eben darum sogar ihm selbst schmerzliche und gefähr-
liche Vergünstigung haben sollte, sich vor denen und in Gemeinsamheit mit denen, welchen er
vertraut sich in sich selbst zu sammeln, zu finden, so zu einer klaren, festen Gestalt sich zu bilden /
[2]
so würde es zwischen Vertrauenden, wie unter Achtenden, so wie überhaupt zwischen Edeln, wie
ja auch die schmerzlichsten Erfahrungen genug es lehren, es nur höchst selten zu Gemüth-,
und Geistes-, zu Seelen- und Lebensmittheilungen es kommen, die dann dennoch immer noch
Gefahr liefen, das Mißverständniß als caput mortuum zurück zu lassen. Deßhalb bitte
ich Sie g. Fr. nehmen Sie mich in der Erscheinung ferner mit Ihrer unversiegbaren Nachsicht
und unermüdlichen Geduld, wie ich bin, und lassen Sie Ihre Critik in ihrer ganzen Strenge bey
meinen Gesinnungen, Grundsätzen und Leben reden, wenn erstere klar vor Ihnen liegen
und Sie nicht einsehen wie sie in dem ersten und obersten Lebenssatze gegründet seyn können;
und wenn das letztere mit dem ersteren in Widerspruch erscheint und Sie nicht finden können,
wie die Erscheinungen {meines / des[}] Leben[s] mit ungebeugter Nothwendigkeit aus den Gesinnungen und aus
den Grundsätzen desselben so und nicht anders hervor gehen müssen und können. Da wo ich
einsehe oder mir gezeigt wird daß irgend eine Lebenserscheinung nicht in dem innersten Wesen
des Menschen und den Entwicklungsgesetzen desselben mit Nothwendigkeit begründet und bedingt
ist, da lasse ich es im Nu sinken wo ich es erkenne, da wo ich aber das Gegentheil einsehe
oder auch nur meine, da halte ich es selbst mit Gefahr des eigenen Lebens fest. Es scheint nun
wohl bey der Heftigkeit und Gewalt meines Lebens sonderbar und ein großer Widerspruch
daß Charaktere wie die meinen, wenigstens mein Leben ganz bestimmt, überwiegend mehr
der Pflege und der Erhebung des Zutrauens zu sich selbst, wenigstens von einigen wenigen, minde-
stens von einer ganz vertrauenden Seele und Wesen bedurfte, als das Nähren des Selbstmiß-
trauens; letzteres war - so wenig es anderen erscheinen mag - s und ist noch bis jetzt so schon groß
genug daß ich mich, ob es gleich jetzt noch zu meinem Heile, doch dagegen waffnen muß;
denn darinne ist ja eben die Heftigkeit und Gewalt meines Lebens gegründet, welche
spurlos augenblicklich in Leben und wie aus dem Leben schwindet, sobald ich dem hingebenden
theilnehmenden Gemüthe mein Leben, ohne die leiseste Ahnh Ahnung eines Zweifels in die Wahrheit
und Reinheit desselben, vorführen darf. Hier g. Fr. sind wir schon wieder an einem der wich-
tigsten Punkte des Lebens, den ich aber hier jetzt unerörtert lassen muß, den, - wo (bey
dem Manne wenigstens zunächst) die äußere Erscheinung z.B. Gewalt Heftigkeit, gerad
im Gegensatz mit der inneren Gemüthsstimmung steht. Die Erörterung dieses Punktes hat
mir im Leben die größten Schwierigkeiten gemacht, aber jetzt ist mir dieser Satz, ich nenne
ihn den des Schließens auf das rein Entgegengesetzte Umgekehrte - ein Knaul [sc.: Knäuel] Ariadnens. Jetzt kann
ich aber in dieser Beziehung nichts weiter aussprechen, als daß das was ich wünsche, ich
auch wie nicht anders billig, auch gern den andern gewähre, und seit dem, zu meinem Heile /
[2R]
gewähre, als ich selbst darüber klar bin.
Wie nun die so eben erwähnte still pflegende Aufnahme des vertrauenden Gemüthes
und Lebens, indem es so sich selbst klärt und bewußt wird einen Himmel in demselben
entwickelt und eröffnet, so meyne ich müßte dieß auch in dem pflegend aufnehmenden
Gemüthe der Fall seyn und ich denke, daß wie sich so (überhaupt) ein Himmelsleben in den
Seelen und Gemüthern der Menschen und des Menschen entwickeln und zum Bewußtseyn
kommen, so daß Wesen des Himmels und des Himmelsleben dem Menschen überhaupt
klar werden und zum Bewußtseyn kommen müßte, wie ich überhaupt glaube, ja über-
zeugt bin daß der Himmel und das Himmelsleben überhaupt ein Ergebniß, Erzeugniß
des Wechsellebens der sich durchschauenden reinen Geister ist, und also recht gut schon auf
der Erde und in dem Erdenleben s mindestens seinen Anfang nehmen kann.
Sie sehen wohl gleich wieder muß ich mit der Bitte kommen oder darinne fortfahren: -
Nehmen Sie g. Fr. mein Leben als ein Ganzes. Es ist das große Vorrecht einer Na-
turgestalt, eines Naturlebens, (:und ehe ich recht klar erkannt habe und mir in mir selbst recht
einsichtig und bewußt geworden ist was beyde denn doch eigentlich wirklich sind, will ich
auch nur beydes seyn:) - daß es, Gleiches, Eins und {Vollkommenheit / Einheit[}] in sich, {Unvollkommenheit / Ungleichheit[}] in der
Erscheinung, in dem Einzelnen haben darf; sehen Sie den schönsten blühenden Obst- und
Apfelbaum, die lieblichste Rose, die reinste Lilie und das Auge wird immer noch
Mängel, Unvollkommenheiten, Ungleichheiten an [{]ihr / ihnen[}] als Erscheinung und im Einzelnen
derselben in der einzelnen Blüthe oder im einzelem Blatte pp derselben <finden / fanden>; wo
mathematische Gleich- und Ebenmäßigkeit ist, da ist auch Tod. Das Vorrecht des
Geistes, des empfindenden sich selbstempfindenden, des Denkenden, sich selbst denkenden
Menschen ist; der Seegen und das Heil des Menschengeschlechtes, die Fortschritte der
MenschheitsEntwicklung ruhen darinne, daß die ewig in sich einige, lebenvolle Gemüths-
hälfte desselben, in der zertheilenden und in aller Zertheilung, Mannigfaltigkeit und so mit
auch Einzelheit und Einseitigkeit der Geisteshälfte, die ewig in sich eine und einige Ein-
heit finde und festhalte pp. Wir Deutschen wir haben große Menschen, große Männer
gehabt, welche uns über die wichtigsten Angelegenheiten des Menschen und des Lebens
belehrt haben und die wir Nachlebenden durch Beachtung der von ihnen gefundenen und aus-
gesprochenen Lebenswahrheiten nicht genug ehren können; zu diesen Männern zähle
ich seit langem mit steigender Bewährung Schiller, zähle ich den Schiller durch sein
Urtheil über Frauen und Frauenurtheil.- Verzeihen Sie dem nach Wahrheit Strebenden,
 /
[3]
dem der darnach strebt, das Wesen und Leben, das Verhältniß der Dinge so zu erkennen
wie es durch Gottes Weisheit Güte und Liebe wirklich ist, diese Offenheit.
Und so bin ich denn durch das Vorstehende früher als ich ich Anfangs meinte nun schon
am Ziele dieses Briefes, denn ich wollte nur als ganze, ruhige Gestalt, wie ich denkend
empfindend und handelnd mir selbst erscheine, in der Selbständigkeit und Treue mei-
nes innersten Wesens vor Ihnen hochverehrte g. Fr. erscheinen und dieß fühle ich
kann in und aus dem vorstehenden der Fall seyn.
Doch eines drängt sich mir noch, wenn ich die schnelle Folge dieses Briefes auf den nur eben
an Sie abgesandten mit gleicher Erscheinung aus meinem früheren Leben z.B. in Berlin
im Frühjahr 1816 zusammenhalte, zur Beachtung vor: es sind dieß die zu gewissen
Zeiten überströmenden, wortreichen Mittheilungen meiner, obgleich ich während einer an-
deren langen Zeit und mein Geist und Gemüth ganz stumm und schweigend, ja alle Mit-
theilungen vermeidend in sich ruht, wie ich jetzt schon eine solche Zeit in dem vorgerückten
bey uns aber eben erst ganz langsam ankommenden Frühjahr ahnend kommen sehe,
eine Zeit in welcher mich meine geistigen Arbeiten (wie dieß freylich bey allen meinen Arbeiten
welchen ich mich einmal hingebe geschieht) so ganz in Anspruch nehmen werden, daß mein
Einzelleben mir selbst darüber fast ganz in Vergessenheit zurück tritt, d.h. sich nie als
ein Einzelnes, Geschiedenes, sondern sich immer nur in, an, durch und mit dem großen
Ganzen findet, sich aber davon nicht aus[-], noch weniger davon abscheiden kann. Dieß
sind dann immer die Zeiten großer Entwicklungen im Geiste und Gemüthe, wie sie recht
erkannt und treu angewandt fordernden Entwicklungen im Leben vorangehen. Diese
Zeiten nun, so wie besonders auch die der überströmenden Mittheilungen, halte ich für eine allge-
meine Eigenschaft der Wirksamkeit des männlichen Geistes; ich schaue dieß in einem
Naturbilde. Auf große Zusammenziehung Contraction folgt immer eine dem im <entge>
gleichen Maaße gleiche Hervorwirkung Expansion. Sehen Sie nun die blühenden Bäume
um sich, welche Zusammenziehung findet in ihnen bis zur Bildung der Blüthen statt
und nun mit welcher Fülle streuen sie nun Blumenstaub und Düfte umher, und dieß
was mir eine höchst wichtige und leitende Erscheinung der Natur und der Pflanzenwelt
ist bey den zusammenziehendsten Bäumen (Nüsse, Nadelholz rc) und bey den Bäumen mit ge-
trennten und ganz getrennten Geschlechtern (die vorigen und andere) am meisten. Ich sehe da-
rinne die Erscheinung des rein männlichen Geistes und Lebens, die Erscheinung meines
eigenen Lebens, so daß mir also auch meine eigene Unzufriedenheit damit nicht viel nutzen /
[3R]
würde, es sei denn daß ich mich in eine ganz andere Blüthen[-] und Blumenart z.B. die der
Obstbäume umwandeln würde; woran ich denn auch wirklich Ihnen vertrauensvoll
gesagt und worauf ich sogleich wieder zurückkomme, alles Ernstes arbeite; - denn
wohl kann jener, kann ein solcher allein stehender Baum, nehmen Sie nur den hochanstre-
benden Fichtenbaum, die umgebenden Gegenstände bis zum Übermaaß damit über-
streuen, ja selbst der Duft der reinsten der Blumen, der klaren Lilie, dem Sinnbild
des höchsten, reinsten und kräftigsten menschlichen Strebens kann im engen Raum
bis zur Betäubung wirken. Durch diese Betrachtungen, durch diese Bilder veran-
laßt und bestimmt suchte ich einen der Zahl der Glieder und der von mir voraus
gesetzten Erregbarkeit und Empfänglichkeit der Gemüther nach, möglichst großen
Kreis um mich zu bilden und einmal war mein Haus die Dienenden mit einge-
schlossen nahe 100 Glieder stark, ich hatte allein zugleich 57 Zöglinge. Doch was
ich ersehnte folgte in dem Maaße nicht am wenigsten bey und von denen von welchen ich
es am ersten erwartete bey denen die ich für einsichtig, für verständig für empfänglich
und strebend gleich mich hielt: wo ich liebend war, erntete ich Haß; in dem Maaße ich Frieden
bringen wollte, war Krieg und Zwietracht mein Lohn; - in dem Maaße ich Einigung suchte
umgab mich die trennendste Selbst- und Eigensucht; - indem ich an Einverständniß ar-
beitete, wuchs mir Mißverständniß auf. Doch sind dieß ja die alten, immer wiederkehrenden
und wiedergekehrten Erscheinungen von den ersten Versuche an den uns die Geschichte aufbe-
wahrt hat wo prüfend und denkend Lebende die Ergebnisse ihrer Prüfung und ihres Denkens
zur Förderung der Menschheitsentwicklung und Fortbildung anwenden wollten, bis auf die
neuesten Zeiten und bishier her. Doch diese Erscheinungen und deren Folgen knickten mir auch die
Erscheinungen Keime und Herzblätter welche vertrauende und vor allem jugendliche Gemüther
trieben indem die meisten in der schönsten Zeit ihrer Lebensentwicklung von hier gerissen - den-
ken Sie sich, g. Fr., die Verblendung von einem großen Theil der Eltern deßhalb von hier ge-
rissen wurden, weil sie Keilhau, den Ort ihrer höheren geistigen Geburt, in dem Augen-
blick ihres Lebens daselbst, lieber hatten als das Haus ihrer leiblichen Geburt; dieß ist eine
ach! wie vielmal bey denen die sich die Gebilde[t]sten nennen wiedergekehrte so klare als und
wahre als kaum begreifliche Thatsache, da das Land der Kinder- und Elternliebe zu befördern
mir das ein heiliges Ziel meines Erziehungszweckes ist. Doch das Betragen aller dieser ist zweyfacher
Art wie das des Menschen gegen das verlohren gegangene Paradies. Aber einige Wenige
blieben von einem höhreren Leben wie von einer schützenden Ägide umgeben von diesen Einwirkungen frey. /
[4]
Da erkannte Gott mein reines aufrichtiges Streben und diesen kindlichen, festen Sinn und ich möch-
te menschlich sagen: hatte ein Einsehen. Eines und Einer schied nach dem Andern, eines
und einer fiel nach dem Andern ab; und wenn ich auch Anfangs zu meinem größten
Nachtheile gutmüthig manches halten wollte und wirklich hielt, wurde ich doch endlich so weise
daß ich alles und jedes nach Neigung und Trieb scheiden und wandern ließ, selbst die welche
mir das Höchste gleichsam zur Bürgschaft für ihre treue innige Einigung und <Gemeinsamheit>
ihres Wollens und Strebens mit dem meinen und mir eingesetzt hatten. In dem Maaße
nun ich alles Äußere sinken und die ziehen ließ die da meynten sie seyen die Werkleute
ohne die ich nichts würde schaffen können, da kam erhöhete Kraft Friede und Freude und er-
baute sich das Werk wenn auch in Kleinheit und größter Stille doch in Heil und Seegen
und die obgedachten wenigen kindlichen Gemüther um [sc.: und] Seelen wuchsen geschützt von dem höheren sie um-
gebenden und wenig berührt von dem äußeren Leben in Jugendkraft so zu Säulen des Ganzen auf
indem sie in dem Geiste und Gesinnungen meines Strebens im stillen Gottvertrauen und still kindlich
folgsamen Sinne der innern Entwicklung ihres Geistes und Gemüthes bey treuer Pflichterfüllung
der äußeren Lebensforderungen ruhig nachgehen und nachgingen.
Jetzt bin ich in dieser großen Zurückgezogenheit obgleich mein Kreis ohne die Dienenden immer
noch aus 35 Gliedern besteht doch oft nur auf das Leben meiner Frau, die geringste Zahl von
andern ganz vertrauend und innig eingehenden Befreundeten, wie ich Ihnen ja dieß schon in meinem jüngsten Briefe
vorführte und auf einige kindliche treusinnige Zöglinge beschränkt, glücklich in mir. und Was mir
nun so versagt wird durch hervortretende Gestaltung und Ausführung zu erlangen, suche
ich durch ruhige, treue und klare innre Entwicklung und Ausbildung zu erreichen.
Hier ist nun der Punkt von welchem ich vorhin sagte, daß ich mich jetzt bemühe mein Leben
und Wirken in das einer Obstblüthe ähnliche umzuwandeln, doch davon noch nachher[.]
Ich habe mir vorgesetzt in diesem Briefe als ganze Gestalt in der Gesammtheit meines
Lebens vor Ihnen g. Fr. zu erscheinen, so zu erscheinen wie ich vor mir selbst in demselben
stehe darum auch einen offenen und freudig dankbaren Blick in den Beziehungs- Mittel-
und Kernpunkt desselben in mein häusliches und eheliches Leben. Wohl fast dreyviertel Jahr
und länger war ich schon in meinem neu begründeten jetzigen Wirkungskreis ohne daß
mir nur der Gedanke gekommen war selbst in ein eheliches Verhältniß zu treten.
So wiederkehrend und streng ich mich darüber prüfe, so bleibt das Ergebniß dasselbe: ich
hielt mich zu einem solchen Verhältniß nicht gut genug in der Gesammtheit meines Wesens
meinte auch vielleicht mir selbst aber unbewußt nicht das Höchste in diesem Verhältniß er- /
[4R]
ringen zu können, und wollte so lieber frey und freudig ganz auf dasselbe verzichten. Und
einzig schön bildete sich dem gemäß auch mein Verhältniß von der ersten Minute meines neu-
begonnenen Erziehungswirkens, ich war frey von allem Häuslichen und konnte nur meinem
Beruf und meinen Kindern leben. Sie haben ein treues Bild dieses Lebens wenn Sie mein
erstes Leben auf der Öde in Ihre Erinnerung zurück rufen, fast ganz so selbst bis in die klein-
ste Anordnung des Hauses wohnte ich in Griesheim (dem ersten Beginn meines Wirkens) als auf
der Öde; wo hier der Pächter wohnt, wohnte dort die für alles sorgende, sorgsame Hauwirtin.
Doch die Glieder meiner Familie konnten, da ich aus Liebe zu ihnen dieses Verhältniß aufgab
und Griesheim verließ konnten ein solches reines Verhältniß nicht nicht auffassen und fortbilden,
wie ich ja in jenem Jahre (1816/17) überhaupt in der Reinheit dem Ziele und Zwecke meines Strebens
so wenig verstanden wurde; da ich nun in Keilhau in nähere Verknüpfung mit der <Familie>
jenes Verhältniß noch innerlich noch reiner und lebendiger gestalten wollte - (:den[n] äußerlich
ließ mir das Griesheimer Verhältniß fast nichts zu wünschen übrig:) - da zerfiel das
Leben in dem Maaße ich es bauen wollte; ich wollte meiner Familie alles geben, nicht nur
mich, nein ich wollte sie zu dem Mittel- und Herzpunkt eines neuen Menschheitslebens machen
aus Familienglück aus dem stillsten einfachsten Familienleben sollte mir Menschenwohl
sollte mir dem Menschen Herzensfreude, Seelenfriede pp hervorkeimen, wachsen, blühen
fruchten, denn ich haßte das Weltgeräusch und Gepränge wie ich es bey allem was spä-
ter von mir geschahe um mein Leben wieder in das Gleichgewicht zu bringen, aus welchem
es das Nichtverstehen eines ächten Menschenlebens gebracht hatte, stets innig gehaßt habe.
Da umzischte mehr als eine Schlange die ländliche Wohnung, die noch nicht einmal mein war
und zwar in den Personen meiner eigenen Familie die mir immer am nächsten waren und
denen zum Theil ich gutmüthig ich noch kurz zuvor um gemeinsam ein Leben zu bauen, weil
ihre eigenen Gelder zu lässig eingingen die Summe {geliehen / gegeben[}] hatte, die mir selbst kurz zuvor
zur Bauung eines eigenen Hauses gereicht worden waren. So sahe ich mich in der Mitte
eines Hauswesens von schon acht Personen in der Führung desselben von Frauen Hilfe entblößt wie sie mein
Sinn bedurfte. Mein Beruf der Zweck desselben war so und besonders noch durch einige sehr wackere
Pflegesöhne mir nur noch theurer geworden, so daß nun die Sorge um die Erreichung
desselben und die Erhaltung des mich umgebenden Kreises und besonders, verlassen von
der nicht ganz vertrauen könnenden Familie die Sorge den Knaben, und dem Kreise das hohe Gut
der Mutterpflege und des Frauenlebens zu bringen mein Gemüth ergriff. In dieser Zeit
trat die Erinnerung eines einmal ganz zufälligen von mir dort gar nicht auch nicht leise beachteten Wechsel-
blickes /
[5]
blickes mir vor die Seele, eines Blickes, welcher mir dort in einem Zustand, ich möchte sagen mensch-
heitlicher Erregung Ruhe dem Geiste und Gemüthe gegeben hatte. An diesen kleinen unbedeu-
tenden Umstand nun, knüpfte sich nach wohl weit länger als einem Jahre und ohne daß seiner
während dieser Zeit nur je gedacht und ohne daß vor- und nachher nur irgend ein ferner Wechsel-
verkehr zwischen beyden Theilen statt gefunden hatte mein jetziges mein eheliches Verhältniß
an und wuchs zu der Selbständigkeit hervor die es jetzt erlangt hat, denn Sie wissen es
ja, daß mir immer Ruhe des Herzens, Einigung des Gemüthes und Geistes als das höch-
ste der menschlichen Güter galt. Was soll ich Ihnen nun noch weiter sagen, daß [sc.: das] sich Ihnen
nicht aus der Gesammtheit der Verhältnisse von selbst ergäbe, wenn Sie die bürgerlichen und
ökonomischen der Eltern meiner jetzigen Frau mit den meinigen in Vergleichung setzen und ganz
wesentlich dabey in Rechnung bringen daß sie einziges Kind ist und noch dazu von sehr gestöhrter
Gesundheit war. Doch für mich der ich nur die innere Ansicht des Ganzen und das vor Augen hatte
daß die Tochter nach dem Gesetz frey handelnd da stand, kam dieß alles gar nicht in Betracht,
denn ich meinte - (:und es hat sich dieß zu meiner höchsten Rechtfertigung auf das schönste be-
währt:) - daß sich das innere Verhältniß nur rein und wahr erfaßt auch das Äußere
desselben lösen würde. Durch die wandellos kindlichsten Gesinnungen der Tochter, welche bey innig-
ster Einigung mit mir und bey bürgerlicher Selbständigkeit doch nur mit dem Seegen der
Eltern in mein Haus treten wollte, machten erst nach Jahr und Tag (im Sptbr 1818)
auch die äußere Verbindung möglich wo die Tochter ihre treuen kindlichen Gefühle durch
die freye und freudige Einwilligung der Eltern und deren Seegen gekrönt sahe. Im elterlichen
Hause wo die Trauung nach der Sitte B-s [sc.: Berlins] und dieser Familie namentlich war, empfing
ich sie mit den elterlichsten Gesinnungen aus der Hand und vom Herzen der Eltern.
Und erst nachdem wir, ich glaube schon länger als Jahr und Tag verbunden waren, zeigte
sich daß die Vorsehung dieses Band früher und in seiner ersten Veranlassung schon bey
meinem Aufenthalt in der Schweiz, wo es für mich kaum ein B.-n gab vorbereitet
hatte. Schon 1814 und bald nach meiner Rückkehr aus dem Felde, wo ich in B.- völlig
gleich einem Einsiedler nur meinen wissenschaftlichen Bestrebungen lebte wurde ich
meiner nunmehrigen Frau durch einen Brief bekannt den ich nach Potsdam an einen dort
als Lehrer angestellten Mann, dessen Bekanntschaft ich eben in der Schweiz gemacht hatte
bekannt, und ohne daß nur leise die Möglichkeit zu ahnen war, daß ich ihr je persönlich
bekannt werden könnte, wurde ich durch sie, wie ich aber meinte (denn ich wußte ja nicht
einmal etwas von dem Daseyn einer Familie ihres Namens) - von ganz anderer Seite her /
[5R]
durch Bezahlung eines Theils des Darlehens, welches ich eben jenem Bekannten 1810 bey
seiner Durchreise durch Frkft. gemacht hatte unterstützt; die Veranlassung dazu kam
ihr durch die dritte Hand und zuletzt durch Briefe die der Vernichtung Preis gegeben und von ihr
eben wirklich vernichtet werden sollten, unter welchen sich denn auch der meine an den Bekann-
ten in Ptsdm [sc.: Potsdam] befand welcher ihre Aufmerksamkeit und Beachtung erregt und sie zur Er-
füllung der darinnen ausgesprochenen Bitte bewog. Nun mußte ich jedoch erst als Mitauf-
seher an einem der königl naturhistorischen Museen in Wirksamkeit treten und mir
hier die Verpflichtung werden Fremden die Naturschätze derselben zu zeigen. So führte mir
die Beschäftigung mit der Natur, meine Liebe und Achtung derselben die mir nicht möglich
machte nur ein lebendiges Register derselben zu seyn, sondern welcher ich auch gern die Liebe
und Achtung derer erworben hätte, welchen ich ihre Schätze vorzuführen so glücklich war -
so führte mir Liebe und Achtung der Natur und meine - wie ich nicht anders könnte - höhere
Erfassung m eines äußerlichen Berufes mir zur Gott, und Natur getreuen Erfüllung eines
inneren die treueste Gehülfin zu; denn dort war es, als dieser höhere Beruf längst wieder
gewählt und meine bestimmter Abgang von Berlin schon ganz festgesetzt war, wo ihr
sinnig ruhiger Blick mit welchem ihr Gemüth eine meiner Naturansichten die mich eben innigst
erregte, meinem Gemüthe und Geiste die Ruhe empfindend machte die mein Leben so bedurfte
als ersehnte. Doch wie könnte ich die Entwicklungen dieses meines wichtigsten Lebensverhältnisses
wegen ihrer unendlichen Verschlungenheit, auch nur den Hauptrichtungen nach andeuten, denn
nichts ist in diesem Leben was ich durch Gleichstellung mit irgend anderen mir bekannten als ähn-
lich andeutend bezeichnen könnte; allein ganz einfach würde das Ergebniß auch der ausführ[-]
lichsten Darstellung und Mittheilung dieses wie aller anderen meiner wichtigsten Lebensver[-]
hältnisse seyn: - daß eine liebend leitende Vorsehung und Vaterhand lange vorher, ehe
ich selbst meinen Lebensberuf in der Form seiner Erscheinung kannte, ja nur ahnete die Hülfe
dazu vorbereitete, die Hülfe und Glieder zu dessen reinster und vollkommenster Erreichung
mir erzog; möchten wir Menschen und Wesen und Gemüther und Geister und Seelen, die uns
Gott alle zur Einigung und Ausführung eines großen Planes seiner Güte und Liebe und Huld
seiner Liebe zu den Menscht Menschen und der Menschheit erzog, möchten wir doch endlich einmal, nach
so vielen Jahren des redlichsten und aufrichtigsten Strebens uns verstehen; möchten wir -
denn was es auch koste mit Einem muß begonnen werden, - möchten wir damit beginnen
mich, der ich mich ja bis zur kleinsten Thatsache hin nicht willkührlich noch weniger selbst-
süchtig in die Mitte dieses garnicht abzudenkenden noch weniger abzusehenden Menschen- ich /
[6]
möchte sagen Geistes[-] und Lebensverbandes gestellt habe - mich in der Gesammtheit und
so höchsten Einfachheit meines Lebens Wollens und Strebens zu verstehen, so einfach und so
nahe, wie so leicht indem die Mittel dazu in jedem Einzelnen liegen: Ein Menschen-, ein
Geister- und Geistesbund ein Lebensbund für Darlebung ächten Lebens, in Gott, durch
Gott mit und ich möchte gern sagen für Gott und alle die um Ihn die und den [sc.: die] seine
Huld zum Wohle der Menschheit gesandt hat. Also nur das Dieses Verstehen, dieses
sich Selbstverstehen sogar eines Ganzen, einer Gemeinsamkeit wie sich selbst und des Einzelnen
für das Wichtigste haltend was dem Menschen, wie dem Menschengeschlechte ja der ganzen
Menschheit; was Völkern wie Familien und dem Einzelnsten jetzt Noth thut, und
einsehend, klar und auf das bestimmteste einsehend, daß dieses immer allgemeinere
allgemeiner werdende Sich-selbst-verstehen nur von {dem / einem[}] Punkte aus, der sich
selbst klar und völlig versteht ausgehen kann, so geht mein größtes und höchstes
ja jetzt fast nur einziges Streben nach diesem Mich - selbst - verstehen hin, denn nur
der sich selbst schon in einem sehr hohen Grade selbst versteht [sc.: verstehen] kann, darf andere zum Selbst-
verstehen zur [sc.: zum] Selbstverständniß auffordern und kann dazu und dahin leiten. Also
nur das Erblicken einer liebend leitenden Vaterhand würde das erste Ergebniß auch der
ausführlichsten Mittheilung des wichtigsten meines Lebensverhältnisse seyn, ein anderes
Ergebniß würde, wie ich nicht anders denken und empfinden kann und darum auch nicht zweifle,
das zweyte Ergebniß f würde auf jeder Entwicklungsstufe seyn: - daß Sie g. Fr. in meiner Frau eine würdige Freundin
finden würden, welche mit der seltensten Verzichtung und Hingabe, ja innern und äußern
Selbsthinopferung mein Leben zu dem ihrigen macht mein Leben zu erheben zu befestigen
zu pflegen sucht, was alles in ihrer tief religiösen, ächt christlichen Lebensansicht ihren
Grund hat, so wie in ihrer mit ihrem Leben ganz verwachsenen, aufgehenden Liebe zu mir.- Was
bleibt mir nun noch Ihnen g. Fr. bey Ihren reichen Lebenserfahrungen, die Sie mich in der
öfteren Unbeugsamkeit meines Charakters und Willens und in der Heftigkeit und Gewalt
meines Handelns - welches beydes ich leider zu meinem eigenen tiefsten Schmerz ich noch
immer zur Erreichung meines Lebenszweckes, zur Erfüllung meines Lebensberufes als
öfters als unerläßlich nothwendig finden muß - die Sie so mich und auch das sensitive und mimosenähnliche manches <Frauengemüthes> kennen zu sagen übrig?-
- Nur ein einziges: daß das Urtheil de-
rer die hierin ein Urtheil hatten, bey der durch hohe Leiden großen körperlichen Erschöpftheit
meiner nunmehrigen Frau, g und wegen derselben ganz gegen die ihre Verheyrathung derselben
besonders gegen ihr Eintreten in ein, das weibliche Leben so auf das höchste in Anspruch nehmendes /
[6R]
Verhältniß war; daß sie selbst meinte nur noch wenige Jahre, doch noch so lange zu leben bis
durch sie mein Haus und Herd, was ihr höchster Wunsch war, gegründet seyn würde, daß sie
aber im Gegensatz aller meinte, sie werde in diesem Kreise ächten Lebens erst und nur einzig
gesund werden und daß diese meine Erwartung mit Freude und Rechtfertigung nun in Erfüllung
gegangen ist und daß meine Frau nun, zum Erstaunen derer die sie früher kannten, fast 13 
Jahre mit der Zeit nach kaum nahmhaften Unterbrechungen durch Krankheit mir treue
Lebensgefährtin ist und ich hoffe zu Gott, daß sie es noch lange, lange seyn wird. Ja ich habe
sogar zum öfteren die Freude der Erfüllung eines - wie soll ich ihn nennen? - Kinderglaubens
den daß meine Liebe sie verjüngen müsse, denn wenn mein Beruf und mein so vielseitig erreg-
tes und in Anspruch genommenes Leben mir verstattet ihr, der Frau, und in der Frau zu leben
so verjüngt sie sich wirklich wie dieß oft schon von den Gliedern meines Hauses bemerkt
wurde um viele Jahre. Sie selbst fühlt dann das sogleich Umwandelnde dieses Lebens, so wie
sie mir mit verklärtem Ausdruck des Blickes erscheint, dann spricht mir wohl ihr höchstes
Vertrauen aus: in meinem Gemüthe ruhe die höchste Erhebung das höchste Leben, wie
aus ihm die tiefste Vernichtung hervorgehen könne.- Doch dieß ist ja die ganz allge-
meine Eigenschaft jedes ächten wahren Menschengemüthes, jedes ächten Menschenlebens!-
Daß es mir nun das ernsteste Streben ist diese Frau dem Seelenglück entgegen zu führen dessen
sie werth und würdig ist und wie ich es auf dem sichersten Weg erkenne, werden Sie mir leicht
und gern glauben, liegt auch in meinem Leben und Seyn tief begründet, und hier habe ich für sie
und mich die sich nach so vieljährigem Zusammenleben immer klarer als der Grund-
stein unseres Lebens, - mir die innere Wahrheit des Menschenwesens zeigende und
mich besonders auch dieserhalb hocherfreuende Wahrnehmung, welche ich, wie ich oben er-
wähnte, und buchstäblich in dem ersten Augen-Blick hatte als ich ihr Leben dem meinen verwandt
fühlte, die Wahrnehmung nemlich, wenn ich von der Gewalt, dem Druck und <Wogen> und dem Leiden
des Lebens an ihre Brust hinkehre, mir es dann still u wohl, ruhig und friedlich im Gemüthe
wird; und - wo dieß Bewußtseyn zwey Menschen eint, da empfinde und erkenne ich
des Lebens Freuden, der Seelen Glück eingekehrt.-
Verzeihen Sie mir, innig hochverehrte gnädige Frau, daß ich mir es erlaubte Sie in das
Geheimste meines Lebens einzuführen; doch was ist der in geschlossenem Lebensverband
lebende Mann aus diesen Verhältnissen herausgerissen angeschaut, besonders wenn er
sich Menschheitspflege zum Lebenszweck macht, - alle Einsicht seines Geistes, alle Stärke
seines Gemüthes, alle Sicherheit und Festigkeit seines Handelns, kann uns ihn, geschieden
 /
[7]
von diesen Verhältnissen nicht als Mensch zeigen denn nur beyde Hälften des Menschen-
geschlechtes bilden geeint das Eine ungetrennte Wesen Mensch. Dieß ist meine Überzeug-
ung von welcher ich nicht einsehe wie sie je mich verlassen kann und wird.
Hier sind wird an der Hand der sich selbst auf- und fortwindenden Lebensbetrachtung
ohne daß wir es wollten und ahneten g. Fr. zur Quelle des Lebens als Erscheinung
gekommen, zur Quelle des Lebens von [sc.: aus] der alle Gestalten, Verhältnisse und Verbin-
dungen des Lebens hervorfließen. Hier in dieser Einigung der Menschheitshälften kann man
nur, will man das Leben selbst auch nur in einigen Richtungen und Beziehungen bis zu
einem bestimmten Punkte der Klarheit und Vollendung entwickeln - das Leben wirklich
selbst und als ein höheres menschliches im Bewußtseyn in ächter Geistes- und Gemüthsfrey-
heit leben. Hier, einzig und nur hier ist für den Menschen der ihn sucht, der Punkt von welchem
aus er sich für höhere Erwählung und derselben entgegen mit klarem Bewußtseyn seines
Zweckes und der Mittel entgegen ausbilden kann, wenn aber dieser Weg wegen seines
Lichtes, wegen seiner Freyheit pp und dem zu gefährlich ist, da muß man lieber alles und
Alles den ewig einen, ewig wahren, lebendigen und klaren Leben des Gemüthes über-
lassen, denn in diesem löset sich auch alles was dem äußeren Verstande und Sinn des Men-
schen unauflöslich erscheinet auf, wenn das Leben selbst auf dieser Stufe ein in gewisser
Beziehung vollendetes ist und gewährt so die Erhebung, Erwählung zu einem höheren Mensch-
heitlichen Daseyn, denn in beyden Fällen geht der Mensch in dem Ganzen, in dem Allgemeinen
in der Einheit in dem Göttlichen auf, und ersteht, findet sich in dem Ganzen, in dem Allgemeinen
in der Einheit dem Götttlichen wieder, als Einzelnes in demselben und durch dasselbe lebend.
Dieß ist g. Fr. überall die Bedingung der Erwählung und Auserwählung wo sich Leben
und Seyn kund thut.
Und so stehe ich denn auch in dem wichtigsten der menschlichen Verhältnisse, wie ich hoffe
als Person und Gestalt in Wahrheit vor Ihnen. Sie sehen wohl g. Fr. Leben zu erringen
und Leben zu geben ist immer noch mein Ziel, doch da ich auch in dieser innern Ansicht klar
erkenne, daß der nur Leben erringen und der nur Leben geben und bringen kann der
mit Freyheit und Freudigkeit sein Leben hingiebt, so gab und gebe ich hier mit völligem
Bewußtseyn meines Zweckes und mit völliger Freyheit auch in dieser Beziehung mein
eigenstes Leben furchtlos hin um so mir und allen denen die mir je vertrauten und noch vertrauen
wahres, ewiges, göttliches Leben, das göttliche Leben in der Menschheit zu erringen; denn
ich sagte Ihnen ja schon im jüngsten Briefe und deutete auch in diesem wohl noch darauf hin, wie /
[7R]
einige innig und ganz vertrauend, jenen Lebenszweck mit mir als den ihrigen erkennen.
Nun noch einen Blick will ich Ihnen in mein Leben als Erzieher und Lehrer thun lassen.
Hochverehrte g. Fr. die Sie von dem ersten Keimen der Entwicklung meines erziehen-
den und lehrenden Lebens gütevoll, ich möchte sagen menschenfreundlich Antheil an dem-
selben nahmen; auch hier muß ich Ihnen, kann ich Ihnen mit der reinsten Freudigkeit
mit Friede, Ruhe und regen Lebens im Gemüthe, mit Himmelsempfinden im Men-
schengemüthe aussprechen; was ich vom ersten leisesten Beginne meines Strebens
als Erzieher und Lehrer suchte ist mir nach mehr als 25 jährigem anhaltenden Ringen
Suchen, Forschen, Prüfen, Streben pp geworden: ein lebendiger mit Gott, Natur, Leben
und Menschen in innigem Zusammenhang stehender in sich selbst stetig einiger nicht zer-
stückelter und sich doch wechselseitig auf das eingreifendste fordernd unterstützender,
dem Menschen als Gotteskind würdiger und seiner Erscheinung als Erdner entspre-
chender Unterricht und Lehre, eine dem gemäße Erziehung und Übung. Vieles ist da-
von ausgeführt, vieles noch nicht, doch zeigt jede auch die kleinste wie die umfassendste
Ausführung die Grundsätze des Ganzen in hellerer Wahrheit, was aus ihren Anwendungen
hervorgeht immer in steigender Vollkommenheit. Weniges <ist> was die Ausführung
und sogar die innersten Entwicklungen desselben betrifft niedergeschreiben, und noch
weniger darüber gedruckt, vieles der Gegenstand ist zu groß, zu neu, zu lebendig
zu geistig, das innerste Wesen des Menschen erfassend, denn es ist die innigste <Einigung>
der Religion mit dem Leben, dem Unterricht, der Wissenschaft, der Natur- und Welt-
ansicht, der Natur- und Weltbetrachtung als daß jetzt schon ohne M mißverstanden
oder wenigstens nicht verstanden zu werden etwas Genügendes darüber ausgespro-
[chen] werden könnte. Vieles besteht nur in mündlichen geordneten und gelegentlichen
Mittheilungen und gemeinsamen Bearbeitungen und Betrachtungen, über sehr vieles habe
ich mich selbst noch nicht einmal meinen eingehendsten Freunden mittheilen können.
Mit dem was bis jetzt von mir über diesen Gegenstand geschrieben worden ist, sind
auch Sie g. Fr. wie viele andere unzufrieden. Ich erscheine ermüdend, tautologisch
weitläuftig. Gnädige Frau! ich wiederhole: Wer vermag so leicht ein großes leben-
diges Ganze, das noch überdieß eben erst in der Blüthe seiner Entwicklung ist nur zu
erfassen geschweige in wenige Worte zu fassen; denn was ist ein bändereiches
Buch gegen das reiche Leben schon eines Menschen, von dem wir doch noch so sehr
wenig und unsere gepriesensten Erzieher- und erziehungsschriften so fast gar nichts /
[8]
d.h. sehr viel, 100,000 Thatsachen und Regeln aber von keiner einzigen nicht den wahren
innern Grund wissen, und wo sie je etwas wissen, das was sie wissen nicht im Leben
einführen, nicht lebendig machen können. Wenn nun das Leben eines Menschen schon so reich
ist, so tief erfasset werden muß, was ist da ein bänderreiches Buch gegen das Leben
eines Menschengeschlechtes, geschweige der Menschheit und sogar der geschaffenen, sich
also darum nothwendig fortentwickelnden geistigen Wesen überhaupt? Und Ihnen
g. Fr. darf ich es wohl gestehen, das war es ich wollte ein Erziehungsbuch, eine Erziehungs-
kunst für alle endlich geschaffenen und darum sich nach einem Gottesgesetz sich entwickelnde
Geister schreiben. Und nach meiner in mir ruhenden Überzeugung der Grund nur Gott
kennt habe ich es geschrieben; nun schrieb ich aber das, was einer ganz neuen Entwicklungs-
stufe, der neuen Entwicklungsstufe des Menschengeschlechtes angehört, welcher so sich jetzt
in selbstvernichtenden Riesenkampf entgegen bildet, in einer Wortbedeutung der
Sprache, welche noch der alten Entwicklungsstufe angehört; urtheilen Sie nun g. Fr.
konnte das Ergebniß anders seyn?- G. Fr: einen nicht geringeren, einen unzählbar
vielfältigeren Riesenkampf als die Völker hat der zu kämpfen der es in sich als Lebens-
beruf [erkennt] sein Geschlecht und die Menschheit fortzubilden, denn erst muß er das Ganze in
[sich] bis zur großen Vollendung klar haben, dann muß er der neuen Entwicklungsstufe ange-
messen <aus> der alten Sprach- und Wortbedeutung, die neue zu verschaffen wissen, endlich und
zuletzt die schwierigste der Aufgabe muß er sich selbst erst Menschen erziehen die ihn ver-
stehen, die die der neuen Entwicklungsstufe der Menschheit angehörige Sprache erst ver-
stehen. Was ich hier nur andeute wird Ihnen leicht und klar aus allen Entwickl[un]gs-
stufen der Menschheit entgegen treten. Leicht spricht sich über so etwas wenn es erkannt
ist wohl gar schon ins Leben eingeführt ist, aber lang ist der Kampf ehe das erstere und
noch länger ehe das zweyte erreicht wird und Sie werden nicht vergessen daß seit ich
schriftlich vor dem Publikum erschien nun 5 Jahre verflossen sind. Wie vermochte ich
also dort schon ein sogroßes Lebwerk, <in> Vielen verständlich, in wenigen Worten schreiben.
Das Große aber in wenig Worten und Gestalten ausgedrückt, erscheint sogleich
festgestaltet, versteinert; wer mag dann das Versteinerte wieder lebendig ma-
chen und erfassen?- Die Sätze, die einzelnen Sätze in der Anzeigeschrift: Durchgrei-
fende Erziehung u.s.w. enthalten mein ganzes Leben und Wirken, an dem ich nun
seit zehen Jahren fortbilde, und welche die sich sich ihnen auch nur die kürzeste Zeit aber
eingehend hingegeben nicht nur befriedigt, nein! jederzeit ergriffen und begeistert hat; wer /
[8R]
hat es verstanden, wer versteht es noch jetzt?- Ich legte jene Sätze den Denkenden meines
Volkes zur Prüfung vor; wie konnten und können sie es aber erkennen und verstehen,
da die Denkenden, jetzt noch keine Empfindenden, Lebenden, Schaffenden sind, d.h. das
Gedachte nie im ganzen Umfange des Wortes gelebt haben, nie etwas denken um es
selbst auch zu leben. Diese Herrn machen es sich leicht, das Denken von dem sie so viel Aufhe-
bens machen thut ein gesunder Menschengeist nach seinem Wesen wenn man ihm nur nicht
gar zu arg seine Schwungfedern ausgerupft und die Flügel beschnitten oder wohl gar ausge-
renkt hat, und das schwierigste, das Handeln, nun das überlassen sie großmüthig
den Layen. Meinetwegen denn, bey mir ist aber nun einmal alles umgekehrt, und
deßhalb mögen nun denn auch wohl die recht haben welche im Stillen oder auf sonst eine
Weise meinen ich wollte das Leben umkehren und sich deßhalb vor mir, meinem
Thun und Streben fürchten; ich habe erst alles gelebt, dann gelebt und empfunden,
dann zuletzt gelebt, empfunden und gedacht, und was ich jetzt denke; und seyen
es diese Worte die ich so eben an Sie g. Fr. niederschreibe, so denke ich sie und habe
sie gedacht zur möglichst klaren Anwendung und Bewährung in meinem eigendsten
und durch mein ganz eigendstes persönliches Leben, und so hoffe ich denn, wenigstens
bin ich selbst dafür nicht unthätig - Gott wird mir auch noch wenigstens in und für
den Umfang meines Wirkens Einfachheit und Klarheit der Rede geben, freylich wird
sie immer etwas gewaltig seyn und bleiben.
G. Fr. Was diese so eben erwähnten Einzelsätze enthalten, ruht gleichsam kry-
stallisirt und versteinert schon alles in dem Aufsatze welchen ich Ihnen von Göttingen
auf den mir so werthvollen blauen Bogen irre ich nicht unter den, Namen Concordia
mittheilte. Wollen Sie sich gelegentlich die Mühe nehmen so sehen Sie jene Bogen wieder
an, ist darin etwas anders als Stein, Krystall, Festgestalt? - und doch ruht nicht
nur nicht nur mein ganzes seit jener Zeit also seit fast 20 Jahren wirklich verlebtes
Leben darinn, sondern ich lese noch vieles von dem darinne was mir noch zu denken
und zu thun übrig ist.
Hierdurch veranlaßt und zu einer Vergleichung meiner Versuche mich über meine
Grundsätze und mein Streben verständlich zumachen und zur offenen Prüfung ob da-
rinnen wohl noch ein Fortschritt von mir zu hoffen ist, lege ich, mit Ihrer Erlaubniß hier
angeschlossen einen Aufsatz in der Handschrift bey, welcher, wie er selbst sagt, im
Spätjahr v. J. von mir geschrieben wurde und gleich darauf in Zeitblättern ab-
 /
[9]
gedruckt werden [sollte], aber aus Gründen welche ohne Zweifel in der ganzen Beschaffenheit des Auf-
satzes liegen ungedruckt bleiben mußte, aber der Thatsache nach, weil die Herausgeber
deutscher Zeitblätter sich, vielleicht aus mehrfacher Rücksicht dagegen verwahrten so et-
was in ihre Tages- und Zeitblätter aufzunehmen, vielleicht meinten sie es könnte sie
verbrennen. Ich wußte schon ehe ich den Aufsatz abschickte daß er mich wohl gerad
in jener Zeit auch verbrennen könne; allein ich meynte auch ein solches Leben müßte
Phönix Natur haben und nicht allein selbst verjüngt sondern alles andere mit ver-
jüngend aus der Flamme hervorsteigen.- Jetzt ist es mir lieb daß der Aufsatz
nicht gedruckt worden ist, denn er würde wie ich jetzt einsehen muß, schwerlich etwas
bewirkt, könnte aber doch wohl mich in meiner friedlichen Wirksamkeit gestöhrt haben.
Und so wird wohl dieser Aufsatz mein letzter Versuch gewesen seyn mich mit dem Publikum
der Viel- und Mehrheit über den Geist, die Form und den Zweck meiner Bestrebungen zu ver-
ständigen. Nach der sich tief begründet mir jetzt entwickelten und mir in immer größerer
Klarheit und Bestimmtheit entgegen tretenden Überzeugung, welche ich Ihnen g. Fr.
auch schon in meinem letzteren Briefe aussprach, daß ich das Wohl des Menschenge-
schlechtes jetzt nur von dem Einzelnen und in sich Einigen, von einer sich in sich klar ge-
fundenen, im Handeln, Empfinden, Denken und Leben einigen Einheit ausgehend erkenne;
nach dieser Überzeugung nun werde ich wohl, sobald als es mir möglich wird das öffentliche
und allgemeine Erziehungsgeschäft sobald es mir nur immer möglich wird ganz aufgeben
und nur der vollendeten Ausbildung meiner und der Wenigen leben die in Hinsicht auf
Geist, Weg; Mittel und Zweck meines Strebens mir ganz vertrauend, ihr Leben wirklich
und innig mit dem meinen einem, und so recht eigentlich und ganz nur der Familienerziehung
leben, die Erziehung der und solcher Familien welche sich die Erziehung des Menschengeschlech-
tes und so die Erziehung Entwicklung und Fortbildung der Menschheit durch sich und ihre
Glieder als das Hauptgeschäfte der und aller Menschenverbände und vor allem als
das Hauptgeschäfte den ersten unmittelbarsten natürlichsten des Familienbundes, und
so als den Zweck und das Ziel auch des ihrigen erkennen. Ich hoffe, und die wirklichen
Ergebnisse einer vor mir liegenden vieljährigen Erfahrung sprechen dafür - dieß, und das
häusliche und bürgerliche Bestehen durch Betreibung des veredelten Landbaues zu sichern
durch den Landbau in seinen verschiedenen Richtungen, dem sich alle Glieder nach Maaßgabe
ihrer Kraft und Einsicht ganz hingeben und auch nach Anlage und Neigung, die einen mehr dem
innern häuslichen, die andern dem äußern wirthschaftlichen pp. denn ich erkenne in diesem /
[9R]
Leben muß einzig in ihm das erschöpfende und darum ganz genügende Sinnbild des ächten
Menschenlebens, der wahren Menschheitserziehung, ja sie selbst in ihrer größten Vollkommen-
heit nur erreichbar finden; denn ich erkenne das Landleben in seiner Gesammtheit, also
das Häusliche und Familienleben als dessen Mittelpunkt - als das thatsächlich innigste Gott-
leben. Und die ewig ihre Kinder (:und daß das sind wir Menschen alle ohne Ausnahme wenn wir
nur unser Auge unsern Sinn selbst dafür öffnen wollen:) - liebendleitende Vaterhuld
hat auch mir und uns zur Möglichkeit der Ausführung alles Nothwendige vorbereitet, es
hat mir hierzu die Freundschaft, die Liebe, das Vertrauen und die Treue - gekeimt und
genährt durch das höchste Gottvertrauen - die reinsten Herzen - die fleißigsten Hände
- denkende Köpfe - und gesundes, ein- und nachgehendes, edles Menschenleben uns und
mir geeint, und so hoffe ich, daß wenn ich auch heute von dem Wirkungskreise abträte
mein Wirken und Streben fortbestehen und, sollte auch selbst mein Name nicht mehr bestehen
doch das Ziel und der Zweck jenes erreicht werden würde.
Sehen Sie hier g. Fr. auch die äußere Begründung und Rechtfertigung meines hohen
innern Seelenfriedens, eines Seelen- eines Lebensfriedens welcher nicht mit Wegwerfung
[{]sondern / aber[}] mit Festhaltung aber Durchdringung aber in und mit Einigung des Lebens und der Natur
gewonnen worden ist. Freylich ein hartes Ringen, aber Gott hatte mir den Muth und die Aus-
dauer gegeben es nicht los zu lassen. Ich rede auch hier vom Geistes- und Gemüths- und
vom wahren Menschen- vom ächten Menschheitsleben und nicht von dem Schatten, dem
Leeren, dem Nichts was andere Leben <meinen / nennen> ob beydes Leben in der äußern Erscheinung
freylich einander ganz gleich ist - (:und in dieser äußern Gleichheit zweyes in sich ganz Ver-
schiedenem liegt eben die Möglichkeit und Bedingung der Erziehung und Entwicklung der
Menschheit als Erderscheinung, des Menschen als Erdner:) - denn wir säen, pflanzen
ärndten gleich jenen; aber ich rede auch von einer andern Natur, ob sie gleich dieselbe
mühsam zu bearbeitende und stumme jener ist, ich rede von der Natur die in, durch und mit
Gotteskraft, aus welcher Gotteskraft wirkt, wir suchen also alles jenes in der Natur
an und mit der Natur, durch die Natur - in Einigung mit dem zu thun der alles thut
und suchen es als dessen treue Kinder zu thun!
Fragen Sie nun g. Fr. warum ein so großes mannigfaltiges, geräuschvolles Leben und Wirken
als mein bisheriges und letzteres um <zu> einem so kleinen und einfachen Ziele zu kommen? - fragen
Sie warum so große gewaltige Umwege um zu einem so kleinen Punkt anzugelangen? -
so antworte Ihnen g. Fr. die Thatsache: nur in einem vollendetem Kreis und Zirkel, ruht
ewig /
[10]
der wahre und einzige Mittelpunkt, die ächte Mitte, wohl und freylich unsichtbar, aber doch
der Schöpfer und Träger des ganzen Kreises, und erst dann mit Gewißheit bestimmbar
wenn der Kreis vollendet ist, ist aber auch nur ein einziges mal der Kreis vollendet
dann läßt sich diese Mitte auch - über alles merkwürdig - durch drey Punkte mit Si-
cherheit bestimmen. Der ewig still in mir ruhende, aber natürlich mir in seinem Wesen wie in seinem Wirken
selbst unbekannte einende, wie soll ich ihn nennen? - häusliche, Familien[-], ich möchte sagen
menschheitliche Sinn, ist so also auch einzig, war immer nur der wirkende Mittel- und so wieder
der letzte Rückbeziehungspunkt alles meines Strebens und aller meiner Lebenserscheinungen
und Begegnisse, und so mögen Sie g. Fr. eine zweyte Antwort auf Ihre ganz natürliche
Frage in dem großen Gottesgesetz finden: - daß alle geschaffenen Wesen durch das rein
Entgegengesetzte hindurch gehen müssen um zum Ziele ihrer Bestimmung, zur Erreichung
ihres Berufes, zur Entwicklung und zum Bewußtseyn ihres Wesens zu gelangen;
daß Gott alle geschaffenen Wesen die ihm vertrauen, durch das Entgegengesetzte hindurch
sicher zum Ziele ihrer Bestimmung führt.
Und so kann ich Ihnen g. Fr. auch die Frage beantworten, die Sie bald nach dem Beginne
meines jetzigen Wirkens (Decbr 1816) thaten, und von der ich dort in meinem Wah-
ne meynte die Antwort darauf müsse nothwendig Ihnen g. Fr. schon aus der
Gesammtheit meines Lebens klar hervorgehen, die Frage: - "ob ich Pläne für die Zukunft
mache oder aus dem Gange meines Schicksals abnehme, was ich thun und zu
"lassen habe?"- Sie werden nun gewiß finden und klar sehen ich gehe und betrete
diesen Doppelweg wie jede Linie, und selbst schon der Gedanke einer Linie minde-
stens doppelseitig ist, jede Kreislinie mit ihrer zu- und abneigenden, innern
und äußern Seite kann Ihnen dieß klar zeigen; und Sie sehen hier zugleich unge-
sucht an einem ungesuchten Beyspiele was ich unter Einigung der Religion und alles
Unterrichtes verstehe. Also: - ich gehe mit dem möglichst ruhigen, klarsten besonnen-
sten, prüfendsten Blick und offensten Auge allen Erscheinungen des innersten und eigensten,
wie des Fremdlebens, der Natur wie der Geschichte, der Gegenwart wie der Ver-
gangenheit nach, und suche so durch den sich überall also auch hier und in mir selbst kund
thuenden Gottesgeist das Rechte und Wahre zu erkennen und habe ich in mir so die
Überzeugung gewonnen es erkannt zu haben, so führe ich es so fest, wankellos und
rein aus als es mir in dem wirklich bestehenden Verhältnisse und auf meiner jedes
maligen Stufe der Entwicklung und Ausbildung nur immer möglich ist, aber - ich halte /
[10R]
so weit ich es nur immer in dem Treiben, Geräusch, Wogen und Widersprüchen des Lebens
gewinnen kann (:und der Mensch kann es hierin durch eine bestimmte, gesetzmäßig
fortschreitende Ausbildung zu einer hohen Stufe der Beachtung bringen:) - aber ich halte
das tiefste innerste unergründliche Auge, Leben und Sinn immer wach; so bald ich nun
(:oft mußte aber durch Lebensübertäubung abgestumpft oder sonst gestört das Schicksal ge-
waltig hart, indem es gab und nahm an demselben anklopfen:) - durch diesen und an
dem gehemmten, und <nicht> lebendigen Fortgang der Lebensentwicklung sehe, daß ich nicht das
Rechte gewählt habe, nicht auf dem zum Ziele führenden Wege bin, so entsage ich sogleich
den noch unvollkommenen Ergebnissen meiner Prüfung, wenn Sie es so nennen wollen
meinen Plänen, gehe mit höchster Hingabe mit dem Gott vertrauensten Kindessinn den mir nach Grund und Zweck ganz unbe-
kannten Entwicklungen und Fortbildungen meines Lebens nach, lasse so die Ergebnisse
meiner prüfenden Lebensbeachtung, als zwar auch aus und durch Gott gekommenen, aber
in ihrer Anwendung und Bedeutung noch nicht rein und klar genug erkannt habend
so lange zurück treten, bis sie mir oder andere Ergebnisse in der, und durch die Einheit
alles Lebens, und so mein einzelnes, des Menschengeschlechtes und der Menschheit Leben
von meinem auf einer höheren Stufe der Einsicht und Einheit von neuem klar geworden
ist, dann gehe ich diesen neuen und neu erkannten, klar bewußt gewordenen Be-
stimmungen mit Freyheit, Selbstwahl, Selbstbestimmung, Selbstentscheidung und Selbstan-
ordnung also mit Selbstplan und mit eben solcher Freudigkeit und Zuversicht wie bey
und dem Gott vertrauenden Kindesglauben. Glauben und Schauen möchte ich, kann
und darf ich vielleicht sagen sind die beyden Wendepunkte, die beyden Pole, das
Thun und Handeln, das Leben selbst, der Mittel-, der ausgleichende und doch beydes
zugleich und als ein Einziges, Eine Einheit in sich schliessen[de] Indifferenzpunkt meines
Lebens.
Mein Streben geht also dahin: den Glauben zu klären, das Wissen zu heiligen und das Leben zu einem seeligen zu erheben.
(:Ich erinnere mich hier einer hierher gehörigen Stelle in meiner Erziehungskunst.)
Klarer wird Ihnen g. Fr. vielleicht noch das Ganze wenn ich Ihnen einen Satz mit-
theile welcher mir zweymal im Leben (im Febr. 1804 und Nov. 1811) wörtlich von zwey
ganz verschiedenen Personen, und ohne daß die zweyte es nicht von der ersten wußte ausgespro-
chen wurde, als ich gleichsam in den Anfangspunkt meines, wenigstens den ersten wahrhaftigen
Pflegepunkt meines geistigen Lebens, den Ort meiner Jugenderziehung zurückkehrte,
und in welchem Ausspruche ich daher gewisser maßen ein Orakel meines Lebens finde:
die Worte sind diese: "Auch der Klügste der Sterblichen geht der Zukunft mit verbunde-
nen Augen entgegen, er zählt und prüfet jeden Schritt, und doch kennt er sein Schicksal
nicht eher bis es ihn ergreift." Und in dem ich dieses niederschreibe finde ich selbst zum
 /
[11]
erstenmale daß sich darinn mein Leben, wie ich es Ihnen so eben offen darlegte, klar
auflöset.
Wie ich mit Freyheit und Selbstwahl mein Leben bestimmend erfasse habe ich Ihnen
g. Fr. in diesem Briefe und durch denselben einen Beweis gegeben; jetzt will ich Ihnen
zum Schluß aus meinem Leben noch eine Thatsache anführen, wo ich dem Leben und dessen
Entwicklung ruhig nachgehe. Knaben- und Jünglingserziehung, Erziehung des männ-
lichen Geschlechtes war es die mir, wenn ich den Gedanken der Menschenerziehung
dachte aus tief begründeten Ursachen, nur einzig ins Bewußtseyn trat, ich trauete
mir zur Erziehung der zweyten andern Hälfte des Menschengeschlechtes weder die Mittel
noch (und dieß jetzt noch nicht) die dazu gehörige Einsicht zu. Als daher meine An-
stalt zur Erziehung für Mädchen in Anspruch genommen wurde, ging ich zwar darauf
ein, aber ich stellte diese meinem unmittelbaren Kreise fern, indem ich sie der Familie
meines, in dem zweyten mehr der Wirtschaft bestimmten Hause, wohnenden
Bruders einverleibte. Später wurde ich mit Bestimmtheit aufgefordert andere in
meinen näheren Kreis und dieß Haus, das Erziehungshaus aufzunehmen und ich ging
auch darauf ein; im Laufe unseres Wirkens und durch des Lebens Wechselverkehr, wur-
de gar manches strebende Jungfrauen Gemüthe von dem Leben und Geiste des Ganzen
fest gehalten und würde gern das Schwere und noch Unvollkommene desselben (:was aber meine Frau
welche nur das vollkommen Klare und nach allen Theilen hin Festgeordnete befriedigen kann
immer hinderte darauf einzugehen:) - ertragen haben wenn nur sonst die Umstände
die Erfüllung ihres Wunsches möglich gemacht hätten. Dieß sind Erscheinungen welche
bis in die neueste Zeit gehen und eben in diesem Augenblick wieder nach zwey Seiten hin
der Entscheidung vor liegen. Ich gehe nun ruhig dieser Thatsache nach und ich glaube fast
daß ich ihr, wie jetzt die Beschaffenheit und Wirkung der Knaben- und Jünglingser-
ziehung im allgemeinen vor mir liegt - nicht nur nachgeben und sogar die Kna-
benerziehung wenigstens für einige Zeit aufgeben könnte. Viele und tiefliegende
Gründe könnten mich nun wie das Lebens der Wirklichkeit jetzt vor mir liegt dazu be-
stimmen nur ein Paar der wesentlichsten will ich erwähnen: erstlich und hauptsächlich ist
dem, dem Gewerben wie dem Staate gehörigen Manne jetzt gar nicht vergönnt und ver-
stattet das Leben der Menschheit, das ächte Menschenleben ich möchte sagen nur dem Ge-
danken geschweige gar der prüfenden Pflege nach in sich aufzunehmen. Die erste Er-
ziehung der Kinder und selbst die spätere über die Erziehung der Knaben, ruhet wenigstens /
[11R]
der factischen Bestimmung nach nur in dem Willen und der Hand der Frauen, der Mütter
nun wählt aber die aus zwar namhaften und wohlbegründeten aber hier nicht nachzuweisen-
den Ursachen so sehr häufig formlose, sich selbst nicht verstehende Mutterliebe, aber so häufig die
die ganz verkehrten Mittel, wenigstens seit den 15 Jahren meines nun bestehenden er-
ziehenden Wirkens würde ich wohl schwerlich die Fälle alle der Zahl nach bestimmen können
wo, sich mißverstehende Mutterliebe, hemmend und auflösend, also immer zerstöhrend
in die Erziehung der Knaben, ihre Söhne eingriff. Also hier negativ und verneinend greift
Frauen- und Muttersinn in die Erziehung des Menschengeschlechtes ein, wie er des
Frauenwesens und der Frauenbestimmung nach - es positiv und bejahend thun sollte.
Denn das leidet wohl bey dem einenden Charakter des weiblichen Gemüthes keinen Zweifel
die erste Erziehung des Menschen ruht wie Herder so treffend als wahr in seiner Ariadne
sagt: "Sinnt, und erziehet, ihr könnt es allein die glückliche Nachwelt." in der Mutter[-]
hand und ich möchte hinzusetzen eben wegen diesem alles durchdringenden und einenden
Gemüthe - auch die letzte Erziehung des gereiften Jünglings zum reifenden Mann.
Also doppelt liegt Menschenerziehung und Menschheitsfortbildung im Frauengemüth in der
Frauen Hand in der Erziehung des Kindes, in der Bildung des Sohnes des Jünglings, wie wich-
tig ist also die Erziehung d.i. die Pflege, Klärung, Selbstwahrnehmung und Sicherheit des einenden
weiblichen Gemüthes, indem es eben nur dieß lebendig einende Frauengemüth es ist
welche das bis zur Vernichtung zerstreute Mannigfaltige der Erscheinungen zum Lebens-
kern wieder einen kann. Und so komme ich zu der langgeprüften tiefbegründeten Über-
zeugung daß darum zweytens dem Menschengeschlecht sein ächtes Wohl nicht eher kommen,
ja die Menschheit ihr wahres Ziel nicht eher erreichen wird bis - wie Gemüth und Geist
Empfinden und Denken sich ganz gleich- und ebenbürtig sind - so auch das weibliche
Geschlecht dem männlichen auf diese Weise ganz gleich- und ebenbürtig nicht nur erkannt
sondern im Leben wirklich gesetzt und diesem gemäß - mit Klarheit des Zweckes und
Sicherheit der Mittel erzogen wird, bis beyde Hälften der Menschheit sich nicht nur als ein
ungetrenntes Ganze erkennen sondern auch dem gemäß leben. Jede wird gewinnen
denn jede wird so erst erkennen und empfinden was sie ist.
Nun endlich zum Schluß. Dieser Brief ist überwiegend und mehrere mal größer [ge]worden als
er seiner ersten Anlage in mir nach werden sollte. Sie haben auch hier einen Beweis meines
ruhigen inneren Nachgehens, mögen die Folgen es rechtfertigen. Ich schließe diesen Brief am Charfreytag[.]
Wir gehen dem Osterfest entgegen; wie nun noch und in jedem Jahre der Frühling wieder kommt und die Erde
und die Gewächse und alle Geschöpfe von neuem erstehen, so muß der schon oft erstandene, und doch oft wieder erstor-
bene Mensch von neuem erstehen bis er das Leben als sein Eigenthum in sich erfaßt. Möchte Ihnen und uns allen das nächste
Osterfest zu einem solchen Auferstehungsfeste werden, daß auch wir endlich das Leben - denn es giebt nur Ein Leben - als
unser bleibendes Eigenthum in uns selbst erfaßten. Immer bleibe ich sämtl. hochachtbaren Gliedern Ihres Hauses in Hochachtung Liebe und Treue
und Ihnen g. F. in dankbarer Verehrung stets verbunden. Fr. Fröbel. /
[nicht erhaltene Beilage: Zeichnungen von Keilhau = Lageplan]

Beilage:
F.: "Einige Erklärungen" [Legende zu einem Lageplan der Keilhauer Gebäude]
(Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, Holzhausenarchiv, Kasten 85, Nr. 3 Verschiedenes [z.T. wirthschaftlich])

Einige Erklärungen.
1. Ein Bauernhaus und Stockwerk in welchem ich zuerst in Keilhau im Beginn
der Anstalt und während 1½ Jahr fast ausschließend wohnte.
2. Das Wirthschaftshaus, in welchem jetzt mein ältester, die Landwirthschaft
führender Bruder und dessen Familie, nebst Middendorff und Familie
wohnt. (:bezogen 1818/19.)
3. Das Wasch- und Backhaus.
4. Das Wirthschaftsgebäude enthaltend Stallung, Scheuer, Holzhaus pp.
5. Von Bäumen und dem vorstehenden Bauernhause bedeckte kleineren
Wirthschaftsgebäude.
6. Das Erziehungshaus und meine und der Übrigen Wohnung; (:bezogen 1821/22:)
7. Von vorstehenden Bäumen und Gebäuden des Nachbarsgehöftes
bedeckter Hof- und Gartenraum vor dem Hause
8. Das Saalgebäude mit Neben- und Mansardenzimmern,
9. Die Gärten der Zöglinge
10. Kleiner Übungsplatz und Kegelbahnen der Zöglinge.
11. Berg- und Gartenanlage der Anstalt.
A. Der Kolmberg.
B. Der Kirschberg von dem vorstehenden Baume bedeckt.
C. D. Straße von Rudolstadt, über StadtIlm. Arnstadt nach Gotha pp.
Anmerkung. Die Gebäude 3 bis 8, beyde eingeschlossen, sind von mir ganz
vom Grunde aus neu erbaut worden; No 2 aber, ein
als ich das Gütchen kaufte unausgebauetes Bauernhaus ist
von mir bis zur Unkenntlichkeit mit seinem früheren Zu-
stande ausgebauet, und also auch so gut als neu erbaut
worden.