Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an E. Bettcher in Codziesen v. 2.4.1831 (Keilhau)


F. an E. Bettcher in Codziesen v. 2.4.1831 (Keilhau)
(BN 731, Bl 27-28, hier: 27V, 28V-28R, datierter Entwurf 2 Bl 4° 3 S. im „Briefbuch Keilhau“,
Handschrift Fs, das anliegende Zeugnis von Langethals Hand.)

Keilhau 2 Apr. 1831

Herrn Justizactuarius Böttcher [sc.: Bettcher] in Chodziesen Wohlgeb.

Ew Wohlgeboren mißkennen den Geist
u die sich selbst gebenden Gesetze einer
tüchtigen Erziehungsanstalt in der jetzigen Zeit
ganz, (wenn Sie) die eben darum, nur
aus einer Mehrheit von durch gemein-
same Bestimmung geeinten Glieder bestehen kann,
wenn Sie meinen, es könne der Vorsteher allein
von einem bestehenden Gesetz los zählen.
Es ist mir dieß als der Vorsteher einer
dem jetzigen Erziehungsbedürfnisse angemessenen
Erziehungsanstalt, welche allseitige und nicht ein-
seitige Ausbildung des Menschen fordert ganz un-
möglich. Wollte ich persönl[ich] auf die mir von
Ihnen in Ihrem Briefe dargelegten Gründe, die ich sehr gern gelten
lasse, [eingehen] so so müßte ich dFolge dieses rein persönl[ichen]
Handelns g[an]z auf mich nehmen, was mir schlechter-
dings unmögl[ich] ist. Ich kann Ihnen nur aussprechen
daß mir um meinet[-] so wohl als Ihretwillen die nun
eingetreten[en] Verhältnisse sehr leid thun u ich wünsche
mir daß Ew Wohlgeboren in Beziehung auf die Erreichung Ihres väterl[ichen] Wunsches
der tüchtigen Ausbildung Ihres Sohnes <nun> keine nachtheiligere Folgen haben möge
als <mir> u d Anstalt aus der Festhaltung der bestehenden Gesetze derselben hervorgehen
werden. Den der Anstalt mit 8 <rth gl> gemachte Vorschuß deckt dieselbe durch die
beyliegende Berechnung d baar Auslagen.

[28]
[Zeugnis]

Dem Hermann Boettcher, Sohn des Königl:
Friedensgericht-Actuarius E Bettcher zu Chodziesen
welcher während der letzten ¾ Jahre, also v.
Aug. vor. Jahres an der unterzeichneten Erziehungsan[stalt]
als Zögling anvertraut gewesen, jetzt aus nach
der Bestimmung seines Vaters aus ders.[elben] austritt, wird
bezeuget: daß er sich nicht nur in dem während dieser
Zeit genossenen Unterricht in der Religion, dem Deutschlesen,
dem Recht- u. Schönschreiben, der deutschen Sprache,
der reinen u. angewandten Zahl, wie in dem Ziffernrechnen,
der Form- u. der Größenlehre, dem Zeichnen u.
Malen, dem Gesangsunterricht, der Naturge-
schichte (u. zwar Pflanzenkunde u. Steinkunde,
der Erdkunde [)], so wie in den Körperübungen, im
Allgem.[einen] als wackrer u. aufmerksamer Schüler betragen,
u. dem gemäß auch wirkl[ich] merkbare Fortschritte in s.[einem] Wissen gemacht,
sond.[ern] auch in s.[einem] übrigen Leben sich so betragen verhalten hat,
daß die Erzieh[ungs]anst[alt] u. die resp. Mitarbeiter
u. Lehrer ders.[elben] die gegründetste Hoffnung
h[a]tten, ihn bey dem jüngst bestimmten mehrjährigen
Aufenthalt in der Anstalt ihn als einen ihrer
vorzüglicheren Zöglinge u. Schüler zu entlassen
zu entlassen, die gegründetste Hoffnung hatten; /
[28R]
wird dems.[elben] gerne der Wahrh[ei]t gemäß
gerne bezeugt, so wie ihm zur ferneren
Fortsetzung seiner Erziehung u des Unterrichts von Herzen Gottes
Seegen gewünscht.