Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Dr. Bagge in Frankfurt/M v. <um 15.>4. 1831 (Keilhau)


F. an Dr. Bagge in Frankfurt/M v. <um 15.>4. 1831 (Keilhau)
(BlM XXVII,4,5, undatierter Entwurf 1 B 4° 1 S. auf 2R/S.4. Datierung aus Briefentwurf an Caroline von Holzhausen von um 15.4.1831 auf gleichem Bogen ableitbar. 1/S.1 vakat mit Schreibübungen, angeschnitten)

Herrn Dr Bagge, Director an der Musterschule in Fr[an]kfurthm
Sie hochgeehrtester Herr nehmen wie ich hier wahrnehme lebendigen u war Antheil an meinen erziehenden Bestrebungen . Wo solche
in der jetzigen Zeit, die ich hier nicht charakterisiren mag, seltenen Erscheinungen mir entgegen treten da erkenne ich es als meine Pflicht, da
fühle finde ich [in] mir ein muß auch solche Punkte auf das vollkommenste mit der g[an]zen Entwicklung mit dem Ganzen bekannt zu machen
um sie wo nur immer mögl[ich] in den innersten Mittelpunkt das o wie in die Erfassung des Umfanges des Ganzen zu versetzen. Dieß vereine
ich so trage ich die Überzeugung in mir kann nun ein Aufsatz leisten den ich im letzten Viertel vorigen Jahr[es] für die Öffentlichkeit d[urc]h Abdruck in zwey der
achtbarsten Zeitschriftenblätter schrieb, welcher aber aus Ursachen welche vielleicht so wohl in seinem Inhalt als seiner Schreibart liegen nicht in
keiner derselben abgedruckt wurde. Wegen jener meiner Überzeugung nun erlaube ich mir, da sich mir eben eine günstige Gelegen-
heit dazu darbiethet – Ihnen diesen Aufsatz u zu in der Ihnen ausgesprochen[en] Absicht Ihnen zu übersenden. Freuen würde es mich
u ich wäre schon dad[urc]h für das Schreiben desselben sehr belohnt, wenn der Aufsatz nicht nur Ihre Theilnahme noch befestigen u sondern
sie noch mehr beleben und erweitern könnte. In letzter Beziehung ist Ihnen nun auch der Aufsatz selbst zu anderweitigem der Sache nur
förderlichen persönlichen Gebrauch von Mund zu Mund [an]vertraut; und dieß um so mehr als er wohl nie gedruckt werden wird, was ich auch jetzt gar nicht wünsche
da man solche Mittheilungen mit dem Schwalch von Zeitexpecterorationen in eine Masse
wirft was gegen mein Gefühl ist, ich auch zu der Überzeugung gekommen bin daß dem Ganzen u Allgemeinen nur von den Einzelsten u besonders auch
d[urc]h freyes u einiges Finden des gleichen Geistes geholfen werden kann [,] durch die Einigung solcher geholfen gefördert gebraucht werden, die der gleiche Geist der Wahrheit des Lichtes u des Lebens u der Thatkraft eint. Haben Sie die Güte den Aufsatz meinem u unser aller sehr werthen u hochgeacht[eten] Freund Schwarz
Schwarz Erzieher im Hause dH. mitzutheilen, dem es vielleicht auch lieb ist damit bekannt zu werden
u der auch wohl so gefällig ist denselben bey Sendung an seine AnVerwandten in Rudolstadt gelegentlich an mich zurück zu befördern.
Genehmigen Sie von mir u den mit mir für den im Aufsatz klar bezeichneten Einen Zweck geeinten [Freunde] die Versicherung der so wahren als hohen Achtung, mit welcher
besonders ich mich unterzeichne, als aufricht[igem] Lebensgruß. FrFröbel