Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Sophie von Holzhausen in Frankfurt/M v. <um 15.> 4. 1831 (Keilhau)


F. an Sophie von Holzhausen in Frankfurt/M v. <um 15.> 4. 1831 (Keilhau)
(BlM XXVII,4,5, undat. Briefentwurf 1 B 4° 1 S. auf 1R ohne Adressatangabe, dabei Briefentwurf an Bagge von <15.> 4. 1831[auf 2R] und an Caroline von Holzhausen v. 15.4.181 [auf 2V]. Adressat: Der undat. Entwurf/Fragment auf 1R/S.2 ist an Sophie v. Holzhausen, Tochter C. v. Holzhausen gerichtet: Anrede als “Fräulein” und Bezug auf “Fr. Mutter” im Brieftext. Die Anrede “Fräulein” schließt Susanne von Heyden als Adressatin aus.)

Noch nie habe ich ein[en] Brief geschrieben zu welchem ich in u außer mir im Geist
Gemüthe u Leben so viel Aufforderung hatte so viel Gründe hatte als zu diesem
wollte ich sie alle vor[-] u ausführen mehr Papier müßte ich noch beschreiben als ich
zur Vorführung des Lebens selbst schon beschrieb denn noch sehe u fühle ich <nur> nicht
das Ende derselben; doch auch nicht <zu> Grund wie ich doch wenigstens <Anfangs>
wollte will ich anführen ist das was ich dachte der Geist vernahm Wahrheit, ist das was das
Gemüth empfand Leben ist das was ich that das rechte, so muß sich alles dieß
in ihrem Geiste Gemüthe u Leben u d[urc]h dasselbe [sich] auflösen, es muß als die zweyte ihm nothwendige
Seite zu ihm gehören, es muß sich alles aus u [in] ihr regendes Leben sich erklären.
Ist es nicht so so wäre auch die tiefste u erfassend[ste], die gestalte[t]ste Darlegung von
meiner Seite ohne Grund Folgen u Wirkung also auch nicht die <Ansätze> eines Grundes
nicht die Anführung einer Veranlassung, denn die Veranlassung ist der suchende Leib.
Wer diese festhält wird doch <ewig> den Geist nicht festhalten also von meiner Seite
wenigstens keine Versuchung zu dazu damit der Geist ungehindert fessellos u frey wirken
kann wie, wodurch u wofür es ihm wahr gut u recht ist.
Nur eines was Sie in der Anlage empfangen sind keines weges nur die Worte für jener Empf[indungen] u Gedanken
Nein! es sind bis in das Kleinste hin die Thatsachen wirklich äußerlich (Persönl[iches] in Zeit u Raum erlebter u d[urc]hlebter u gestalt[et]er
Thatsachen - was sie empfingen sind die Bilder einer persönlichen Zeit u räuml[ichen] Wirklichkeit eines wirkl. Dagewesenseyenden u noch Da-
seyend[en] wie nur irgend etwas wirkl[ich] Da seyn kann.- Die Worte sind aus dem Leben unmittelbar hervorgegangen, alle
hat ohne lange Vorbereitung dazu u ohne ein Schaffen u Machen wollen der Augenblick fast so wie sie solche empfangen [ge]geben
alle sind ein Erguß des Geistes Gemüthes ein Erzeugniß des Lebens, gedacht empfunden, gedacht niedergeschrieben <sind> sie ent[-]
weder im unmittelbaren Gedränge des Lebens selbst <sogar> in unmittelbarer Thätigkeit für äußere Lebensordn[ung entstanden.]
Auch hier um Ihnen die Thatsachen auf welche sich jedes Einzelne Bezieht nachzuweisen müßte ich mehr Zeit darauf ver[-]
wenden als ich nur auf das Abschreiben des schon wirklich vor mir liegenden Vorhanden[en] wenden könnte. Doch auch
diese[r] Nachweis im Leben ist bey dieser Mittheilung u ihrer Aufforderung u den Gründen dazu neben Sache. Der Geist soll auch hier so frey wirken
u wie d[urc]h keine Verstandes Gründe gefesselt so durch keine Einzel<ne> u Persönlichkeit getrübt werden es muß ums
ganz auszusprechen[:] das [sc.: daß] alles so gewiß von mir erlebtes u d[urc]hlebtes ist als sie [sc.: Sie] alles u jedes hier von mir selbst
(bis auf die Noten u Zeichnungen) geschrieben u gearbeitet finden. – Es ist das Bild das eigenste Bild meines innersten eigensten Lebens wie die Schrift mit der es geschrieben ist die meinige eigenste ist[.] Die mir zu meiner Erholung vorgenannte Osterfreyzeit machte es mir
mögl mich diesem Geschäft so lang es nöthig war g[an]z hinzugeben indem ich nicht gern eine ungewünschte Hand daran Antheil nehmen ließ
möchten Sie wenigstens in der Schrift sehen daß mir es zu schreiben wahrer Geistes Gemüths u Lebens erfolg gab.
Leben mit demselben vollen u reinen menschlichen Vertrauen mit derselben reinen Absicht zu ihnen [sc.: Ihnen] in ihr Haus ihren Kreis ihre Familie als ich nun fast vor 25
Jahren zum ersten male in denselben tratt um nicht durch eine eigenmächtige willkührliche zweifelnde Schau Vielleicht ein Leben
in seiner Entwicklung zu hemmen was vielleicht schon Jahre vor jener Zeit die Vorsehung vorbereitete, dort kennend machte
und zu ihr uns nach allem Dunkeln ewig freudig rein allen Menschen seegensvollen Absichten <benutz[en]> will.
Mein Geist u Gemüth wie mein Leben ist von der aufrichtigsten wahrhaft[igste]n u lebendigsten Hochachtung für jedes Glied ihrer [sc.: Ihrer] hochgeschätztesten
Familie d[urc]hdrungen sprechen Sie in ihrer Lebensgewandtheit jeden diese[r] Meine Gesinnungen auf die Weise aus wie sie verstanden
u werden kann u nicht stöhrend in ihr das Leben eingreifen.
Sie sehen <Fräulein> ich wende mich mit Vertrauen zu ihnen [sc.: Ihnen] obgl[eich] seit wohl die fast seit 20 Jahren keine persönlichen ruhenden Mittheil[ungen] mir ein wohl kein Recht dazu [geben]
Doch ich höre sie [sc.: Sie] gedenken segnend u dankend der ersten Entwicklung ihres Gemüthes u Geistes welche Geschwister u Eltern Liebe gleich
klar wie lebendig erfüllt und ein solches Gemüth dünkt mich kann nie den Menschen verkennen, und nur als solcher woll[t]e
ich vor ihnen [sc.: Ihnen] erscheinen, daß es dieß war, daß ich dieß im reinsten u höchsten Sinne des Wortes mich zu seyn u die die
mir Gott zur <Pflege> anvertr[aut]e mit zu werden mich bemühte, dieß sollte wollte ich Ihnen Alle d[urc]h die tiefsten
<?> in mein[em] Leben zeigen wenn auch wohl spät – doch gewiß nicht zu spät - In diesem Gesetz bin ich
Ihnen allen treu ergeben.
Da deßhalb nichts was sie [sc.: hier] für sonstige zur Mittheilung bestimmt war, so bedarf es für Sie keiner weitern Andeutung als dieser hinsichtl des
nur innern Gebrauches dieser Mittheilung zur Erhebung <Einigung> u Verständniß, doch ist es Ihnen zum Gebrauche im häusl Kreise ihrer Familie zum unbeschränkten Gebrauch nach Berathen mit ihrem einigen Gemüthe u Lebenserfahrung u Beystimmung Ihrer Fr. Mutter mitgetheilt. Ja es ist eine Gabe die in Ihnen allen gemeinsam
liege u ich möchte wohl daß ein jedes von Ihnen etwas darinn finden möchte was ihnen <werth> sey u sie das G[an]ze als ein Gemeinguth betrachten [ließen.]
Denn sollte sich Ihnen Wahres Gutes Wahres Lebendiges Wichtiges darinn finden so bitte möchte ich wohl daß Ihnen allen <keiner> nicht ausgenommen
zugl damit der Gedanke ja die Überzeugungen käme daß das was ihnen als Blüthen oder Früchte in den Mittheilungen entgegen tönete nur ihr das von ihnen begonnenen u begründete Werk ist wie ein Selbstwerk überhaupt in einander u durch ein anderes sein Beginnen u seine Begründung finden kann. So bleibend dankbar
ich mich ihnen [sc.: Ihnen] allen nun dafür erkenne, so lebendig dankbar ich mich empfinde u d[urc]h die That dankbar ich mich beweisen möchte, so lasse ich doch <treu> von
diesem Dank reden sondern ich gebe ihnen [sc.: Ihnen] nur ganz einfach mein Leben, sondern ich trete blos mit den sich so entwickelten so blühenden u so fruchtenden [Ergebnissen meines Lebens vor Sie] [Text bricht ab]