Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Caroline von Holzhausen in Frankfurt/M v. <nach 15.4>.1831 (Keilhau)


F. an Caroline von Holzhausen in Frankfurt/M v. <nach 15.4>.1831 (Keilhau)
(BN 492, Bl 73, undatierter Briefentwurf 1 Bl 4° 2 S. Der Text ist noch vor Abreise F.s
nach Frankfurt/M. geschrieben worden, die Anfang Mai erfolgte)

Innig hochverehrte, gnädige Frau
Innig hochverehrte, gnädige Frau
Innig hochverehrte gnädige Frau
Innig hochverehrte gnädige Frau

Wenn Daß es mein dein höchstes Streben ist diese Fr.[sc.: Frau] d[e]m Seelenglück entgegen zu führen daß sie würdig ist, und wie ich es auf dem sichersten Weg erkenne[:] würdig sie gewiß, liegt in Deiner Liebe, Seyn tief begründet fundirt u hier habe
ich dann für sie u mich den sich immer und nach 13 jahren so viel Zusammenhang immer klarer als Grundstein des gesammten Lebens, und wie die Wahrheit der Menschen natur
gegenstände u mich besonders auch deßhalb tief erfreuende Wahrnehmung, die ich in dem ersten Lebensmonat fühlte als ich ihr Leben
dem meinen verwandt sa[h], dir daß es mich wenn ich von der Gewalt den Wogen des Lebens an der ihrer Brust ruhe aus hin kehr, es s[t]ill wohl ruhig <froh> im Gemüthe wird u wo dieß Bewußt[-]
seyn zwey Menschen eint da empfinde u erkenne ich des Lebens stillen Frieden dein Glück eingekehrt.
Diese Mittheilung, dieser Versuch einer Mittheilung durch
einer Verständniß mit dem Worte <wird> wohl der letzte gewesen seyn denn
<Jem> ich werde wohl nach meiner sich tiefbegründet mir jetzt entwickelten Überzeugung die ich Ihnen schon im jüngsten Briefe
aussprach daß alle jetzt das Wohl des Menschengeschl. nur von dem Einigen u Einzelnen einer in sich klar gefundenen im Handeln <empfindenden> Denken u Leben innig einiger Einheit ausgehen erkenne,
so bald als es mir mögl wird das Erziehungsgeschäfte als ein öffentl. gz auf[-]
geben und nur bey Betreibung des Landlebens als dein [sc. ein] thatkräftiges inniges Gottleben aus der Familienerziehung leben,
der Erziehung der u solcher Familien leben die in der sich die Erziehung des Menschengeschlechtes u die Entwicklung der Fortbildung
der Menschheit d[urc]h ihre Familien als das H[au]ptgeschäft der Menschenverbände u als den Zweck u das Ziel
der Erziehung erkennen setzen u hiezu hat mich die Freundschaft die Liebe u das Vertrauen getragen gekeimt u getragen genährt d[urc]h
höchstes Gottvertrauen die reinsten Hände die reinsten fleißigen Hände u die denkendsten Köpfe u die entlaßnen Menschenleben neu geeint, so daß ich hoffe, daß
wenn ich auch heute vor den Wirkungskreis aus träte, mein Wirken Ziel u Streben würde[n] fortbestehen u es sollen
auch [wenn] selbst mein Name nicht mehr <reifen> bestehen sollte, es erreicht werden. Sehen Sie g Fr hier auch die äußere Begründung u
Rechtfertigung meines hohen innern Seelenfriedens, und daß Mensch[en] dieß erkenne[n] ich [sc.. und] überhaupt immer mehr und dadurch wird dabei allseitiges Seyn u Streben auf das vollkommenste erfüllt soll
sich in aller u jeder Beziehung mit einem Einzigen genügen u wer dieß nicht kann u [nicht] gelernt hat wird auch nicht das viele Erreichen
so soll sich auch der Erzieher mit einem einzigen Zögl genügen und wenn er diesen gewonnen hat zufrieden seyn u dieß höchste Geschenk ahne ich ist auch nun in meinen ersten vertrauenden begründen[den], meines jetzigen Wirkens Zögl[ing] – dem jüngsten
Sohn mein[es] vertrauenden sich mit mir geeinten Bruders geworden, welcher Zögl jetzt die Beweise der Universitäts[-]
reife, d[urc]h <ächte> Beweise der Gemüths[-] Geistes[-] u Lebensreife abgelegt hat, daß wir selbst nicht so wie er selbst
nach einem fast 15jährigen Leben mit mir – /
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nicht glauben, daß es wenigstens jetzt ihm etwas Förderung reichen kann, wenn er zur Universität zunach eine untergeordnete Hochschule besucht sondern er sieht selbst die
Wichtigkeit zum tie[f] der Lebensstudien zum tiefbegründeten Leb[ens] Stud[ium] der Wissenschaft Ein um das Denken der verschied[enen]
Völker u verschiedenen Zeiten an dem Leben selbst zu prüfen. Daß er nun hier wieder noch einige Zeit im vollen Werte des Wortes mit uns leben wird u er ihn ziehen lassen wird wenn mein höher[es] Leben Einsicht zu dazu die rechte Zeit zeigt.
Verzeihen Sie mir auch diese Abschwenkung doch ich wollte auch
Ihnen g[n. Frau] es nicht zurückdrängen da es mir so in die Hand fällt mich Ihnen, nach al[l]en Seiten meines Lebens hin Handeln[d] u denkend vorzuführen. Doch ich wollte diese Geleg[en]h[ei]t nicht vorbey lassen Ihn[en]
ein Leben schauen zu lassen zu zeigen, daß mein Seelfriede u meine Lebensfreude nicht eine mit <Wegwahrnehmung> des Lebens
sondern eine in der Erfahrung durch u mit und in Einig[ung] des Lebens vorga aus der Natur gewonnen sey, <hat> weder vom Geistes u Gemüthes u vom wahren Menschen u allen
Menschheitsleben nicht den Schatz was dem Leeren u Nichts was andere Leben nennen ob es in der äußern Erscheinung
gleich gering ist, denn wir säen ärndten pflegen gleich Ihnen [sc.: ihnen] u.s.w. aber wir thun suchen es im Einigen <selbst> zu thun der alles thut und als dessen treue Kinder zu thun.
Eigen ist es das [sc.: daß] sich mir fast g[ege]n m[einen] Willen die weibl Erziehung der Töchter so nahe kam
schon <früh> hatte ich 3 <Frauen> u jetzt wieder 3. u gar manches weibl Gemüth
zählt es mit[.]
Nach dieser Abschweifung nun zurück.
Irgendwo alles ist mir erfüllt worden wie ich schon jetzt auch alle die mir von Ihnen vorgelegten
Fragen beantworten konnte so auch die ob d [Lücke] u die übrigen, doch schriftl mögte es mir doch
jetzt zu schwierig <verachten> seyn. Eine Ihnen vielleicht mehr als mir bey dem Bewußtseyn meiner <Kin[d]heit> erklärlichere Erscheinung meines Lebens will ich Ihnen doch noch mittheilen u so viel ich
bey der jetzt davon weiß sind in der nun aus[sc.: auf] getretenen tiefbegründete Unordnung im Gemüthe vor<gegangen> so daß höchsten mir die gleisende Gewalt des schönen Lebens da oder dort die <Schwere/Schwärze> des Hohen Leben[s] be-
schädigen aber doch gewiß nie ausreis[s]en kann. Könnte ich mich zur unsern Kreis [zur] weibl Erziehung geschickt führen (vielleicht Middendorff?) so wäre mir dieß[e] Wendung sehr erfreul[ich], denn ich habe die zweyfache langgeprüfte
tiefbegründete Überzeugung erstl. daß das Wohl des Menschengeschlechts uns nur aus den
Gaben des weibl. Gemüthes kommt[;] nur das Lebendige eines Frauen Gemüths kann das bis zur Vernichtung zerstörerische Mannigfaltige zum Lebenskern einen, dann daß darum zweytens dem Menschengeschlecht sein ächte[s] Wohl nicht eher
kommt bis daß das weibl geschlecht dem männl mitge wie Geist u Gemüth (Denken u Empfinden) sich ganz gleich u ebenbürtig gesetzt werde
ich thue beydes ich prüfe auf das kleinste strengste u genauste das eigenste nach wo letzere erst wieder spricht laß es erstere sogl entsagend doch deshalb beachtend
als auch von Gott gekommenes <P> immer nicht klar genug erkannt zurück treten
doch ich will ja heute nicht auf Lebens Grundsätze kommen, sondern [auf] das Leben in seiner <Rechte> u den Manne[.]
Dahin geht aber auch mein tiefstes u aber auch schmerzvollstes Streben durch Männer ist das <eigentl> Leben im allgem[einen] erkannt verwundet irre geleitet worden d[urc]h den Mann kann es nicht wieder sich selbst gegeben werden[.]