Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an einen Oberamtmann v. zw. 1827 (nach 16.9.1827) u. Anfang 1831 (Keilhau)


F. an einen Oberamtmann v. zw. 1827 (nach 16.9.1827) u. Anfang 1831 (Keilhau)
(BN 650, Bl 1) (undat. Entwurf)
(Der Brief ist trotz des Reinschriftfragments einer Rechnung am Blattkopf nicht notwendig an einen Oberamtmann von Seebach gerichtet, zumal im Brief nicht auf den Zögling Gustav Adolph Bezug genommen wird.)

         Keilhau den 16ten Septemb. 1827.

Berechnung
der besondern Auslagen für den Zögling Gustav Adolph von Seebach
vom Juny 1826 bis zu seinem Austritt Michaeli 1827.
Spec. 34 <gl.>
1826
Febr. 30. Laut Rechnung vom Uhrm. König, in einer goldnen
Repetiruhr ein Getriebe und gereinigtRth. 1 - 12
Dec. 17. Einen Waschschwamm- -         3
Nov. -
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         Hochwohlgeborner Herr
Hochverehrtester Herr Oberamtmann
Ich hatte mich sehr darauf gefreut Ew. Hochwohlgeb. durch Zuziehung
u Ausbildung eines jungen Menschen besond. zum Führer u Thätigkeits-
genossen Ihres Einzigen einen bleibenden u festgehenden Beweis meiner Dankbarkeit
für Ihre uneigennützige u lebendige Theilnahme an meinem erziehenden
Wirken u Bestreben an d[en] Tag zu legen. Allein ich mußte leider an dem
zu diesem Zweck gewählten jungen Mann He. Schmidt nur zu bald
bemerken, daß Weltleben u Welttreiben wie den äußern Menschen
abreiben so den innern Menschen tödten wenigstens daß der im Amtfache
u in d[er] Amtstube mehrjährig gebildete nicht in das Erziehungshaus, in
die Erziehungsstube u um so weniger in d[em] Knabenleben als Führer taugt,
als dieß noch zart ist. Ich hoffte jedoch, daß sich diese ersten Eindrücke vermin-
dern u daß d[er] junge Mensch sich anders nehmen u zeigen würde, wenn er wenn auch nur
auf kurze Zeit, in einen erziehenden Kreis, zu Erziehern u Zöglingen treten würde.
Allein sein Wirkungs[-] u Lebenskreis in seinen während d. letzten Jahre scheint
ihm d[en] Sinn für das freye u unbefangene Betragen, das in einem wahren Er-
ziehungskreise herrschen muß, gänzl. verdrängt zu haben. Genug es sprach /
[1R]
sich von den Gliedern meines Hauses v. allen Seiten einstimmig das Urtheil
aus, daß Herr Schmidt nie in den eigtl. Sinn des mit ihm beabsichtigten Lebens
u Wirkens so wie auch nie in den ächten Geist eines erziehenden Wirkens u Lebens
u so auch nicht in das unsere eingehen könne u würde. Um das Gesagte
nur durch etw. zu belegen, hebe ich eins heraus: sein Auge scheint durch seine amtl.
Geschäfte so für d. weibl. Form u den weibl. Ausdruck entwickelt, daß ihm
gar keine weibl. Gestalt begegnen kann, ohne darüber sein Urtheil auszusprechen;
auch scheint ihm seine früherer amtl. Beruf eine gewisse Familiarität
im Umgange mit denselben gegeben zu haben, was ihn ebenso wenig geschickt
zum Erzieher als zum Leben in einem größern häusl. Kreise macht,
in welchem weibl. Personen verschiedener Verh. nothwendig Glieder sind.
Aber selbst in einem einfachen Kreise als selbst d[as] Haus Ew. Wohlgeboren
ist könnte ich mir ihn mit dieser Eigenschaft nicht gut denken.- Wie nun hier so
sprach sich auch sonst in seinen Be Äußerungen ein nur d[as] Leben u die Lebensver-
hältnisse nur äußerl. anschauender auffassender Sinn, welcher sich schlechterdings
nicht mit einem erziehenden Wirken u ebenso wenig mit einer wahrhaft sinnvoll eingreifen-
den Thätigkeit u wahrhaft helfenden Thätigkeit verträgt zu welcher ich diesen jungen
Menschen für Ew. Hochwohlgeboren auszubilden u zu erziehen hoffte. Kurz Ich konnte
in ihm nicht eine leise Spur eine wahrhaft innere Achtung u sinnige Pflege
seines neuen Verhältnisses fühlen worauf ich nur die sichere Erreichung
unseres gemeinsamen Zweckes bauen konnte. Weil es mir nun mehr-
seitig leid thut dieses Ew. Hochw. aussprechen zu müssen u ich die Sache
allseitig in Erwägung ziehen wollte ehe ich d[as] Vorstehende ausprach,
so hat dieß auch leider eine schuldige Mittheilung an Ew. Hochw.
verzögert. Übrigens soll das strenge Urtheil, was ich über den
jungen He. Schmidt als Kinderpfleger u Lebens[-] u Thätigkeitsgenossen
eines reinen kräftigen Knaben aussprechen mußte keinesweges ein
hartes Urtheil über ihn in Bez[iehung] auf and. Lebensverh. fällen vielleicht
als Verwalter, Rechtnungsführer [sc.: Rechnungsführer] p[p] fällen, wozu er, wenn man in Bezieh.
auf sonst. geselliges Betragen an keine gar zu strengen Maaßstäb[e] anlegt, vortreffl.
seyn mag u es wird mich freuen [wenn er], die [sc.: da] er in Bezieh. auf sein sonstiges künftiges Unter[nehmen]
keinen zu Ew. Hochwohlgeb. als einen hohen Gönner hat nicht unerfüllt [es] bleibt.- Indem ich Ew. Hochwohlgeb.
u Ihrer verehrungswürdigen Frau Gemahlin für Ihre beyderseitige so gütige u zuvorkommende Aufnahme
als u der mehrseitige[n] Beseitiglehrung aufrichtigst danke, empfehle ich mich Ew. Hochwohlgeb. fern[ern] gnädigen Wohlwollen
u bitte Sie meine Versicherung wahrer u dankb. Verehrung zu genehmigen. [Text bricht ab]