Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Henriette Wilhelmine Fröbel in Keilhau v. 13.5.1831 (Frankfurt/M.)


F. an Henriette Wilhelmine Fröbel in Keilhau v. 13.5.1831 (Frankfurt/M.)
(KN 27,6, Brieforiginal 1 B 8° 4 S., tw. ed. H V, 265f. Die Auslassungen bei H V sind nur zum Teil angemerkt.)

Frankfurt a/M am 13 May 1831 (Freytags Vormit-
tags 10 Uhr) 1831.

Mein geliebtes, theures Weib.

Nur damit Du und alle Übrigen im Kreise meinem
Versprechen gemäß von mir Nachricht bekommt,
schreibe ich, denn irgend etwas Bestimmtes konnte sich
in der nur noch kurzen Zeit meines hiesigen Aufenthal-
tes nicht entwickeln, ob ich gleich schon gar Manchen
gesehen habe. Allen zuvor den Emil Schwartz welcher
unaussprechlich gütig und hingebend für mich ist; eben
war er bey mir, ich mußte ihn aber höflich fortschicken
um diese Zeilen schreiben zu können, er grüßt alle
alle recht herzlich; dann habe ich durch ihn einen herr-
lichen jungen Mann einen Musiker u Sternenmann
so wie regen wissenschaftlichen Geist: Schneider [sc.: Schnyder]
von Wartensee
ein junger Schweizer u Pestalozzia-
ner vom Jahr 1816 kennen gelernt; geste[r]n abend
12 Uhr machte er mir die Freude durch einen Re-
fractor den Saturn mit seinen Ring u zweyen Tra-
banten zu sehen pp pp. Um 11 Uhr holt[e] er mich
zum naturhistorischen Museum ab. u.s.w. Auch
einen alten Collegen Herrn Hahn habe ich gestern /
[1R]
gefunden, inden [sc.: in dem] Schwartz u ich den Dr Rüdiger
in Bornheim aufsuchen wollten aber leider nicht fanden[.]
Eben komme ich von Dr Gerth mit [we]lchem ich morgen
Abend 7 Uhr zu Bunsen gehen werde; auch
bey Herrn Beck in der Bronnerschen Buchhandlung, Wetz[-]
steins Compagnion bin ich eben gewesen.
Sonntag Mittag 12 Uhr gehe ich mit Schwartz
nach Offenbach zu einem gewissen Dr Becker ein
Sprachforscher der auch ein gutes Werk darüber
geschrieben haben soll vorzüglich deßhalb weil
es eine ausgezeichnete Familie seyn soll: ich
werde in derselben u in den [sc.: der] schönen Umgebung
der Wohn[un]g desselben den Mittag u Nachmittag zubringen
ich freue mich auf diese Bekanntschaft warum? -
Weil ein sehr liebes Familienleben sich hier finden soll.
Den Dr Bagge u Ackermann werde ich in der nächsten
Stunde sehen, Barops Brief habe ich gestern an seinen
Sohn selbst abgegeben, konnte ihn aber - wie ich
wünschte nicht sprechen. Bey der Frau von
Heyden
dieser Vielgeprüften habe ich gestern
Vormittags (nachdem ich den so vielgenannten
Prediger Friedrich gehört hatte) - ein paar rüh-
rende Stunden zugebracht; sie hat mir erlaubt /
[2]
sie in jeder Stunde zu besuchen die ich mein nennen
kann: - Auf dem von Holzhausischen Gute bin ich
noch immer nicht gewesen obgleich nun schon 40 
Stunden also fast 2 Tage in Frankfurt, und ob ich
gleich schon 2 Einladungen von daher, die erste
von dem Sohn Adolph dem Legationsrath, und
die 2e vom Vater erhalten habe, die Ursache ist
daß ich bis jetzt noch gar nicht über meine Zeit
gebieten konnte, da ich ruhig dem nach gehen mußte
was sich mir für den Zweck meiner Reise
entwickeln wollte. Heute Mittag bin ich in
der Familie zu Tisch u werde ohne Zweifel den
Nachmittag in derselben verleben. Jeden Augen[-]
blick erwarte ich den Herr[n] V. [sc.: von] Holzhausen den
Vater selbst, welcher wie er schriftlich gestern
hier zurück ließ, zwischen 10- u 11 mich hier auf[-]
zusuchen versuchen wird. Hier hast Du geliebte
Frau u die übrigen lieben und theuren eine gedrängte
Übersicht meiner Lebensberührungen seit meinen
Hierseyn. Über die fernere Entwicklu[n]g auch gar
keine Vermuth[un]g, als daß ich sonach gewiß bis
Montags Mittags hier bleibe, wo ich dann viel-
leicht nach Weinheim zu den Gebrüder Bender reisen /
[2R]
würde, wohin ich wenn sich eine Rückfuhre finden
sollte fast für 2½ Rth. reisen kann; u Wein[-]
heim soll unvergleichlich schön liegen u von einer
reizenden Natur umgeben seyn davon Einladende
Punkte zu besuchen, wie mir ein Mitreisender
versicherte, 8 Tage brauchen könne. So hat sich
nun doch gegen meinen Willen eine Vermuthu[n]g ein[-]
geschlichen.- Herzin[n]ige Grüße an alle diese
Lieben u Theuern des ganzen Hauses wozu natürlich
die lieben Söhne u Töchter gehören, sage ihnen
daß ich ihrer fast ununterbrochen gedächte, weil
ich so sellten schöne Blumen u Gewächse immer
schaute die ich so wie alles Schöne der Natur[-]
u Kunstwelt was mir begegnet ihnen dann <vor->
zeigen möchte; ist mein Gedächtniß treu so habe
ich f viel ihnen zu erzählen.- Ab [sc.: Ob] ich nun so zu
Pfingsten nach Döllstädt u zu Augustens Hochzeit
kommen werde weiß ich nicht. Ritter angekommen
eilt sehr zurück u Keilhau wird so das Vergnügen
entbehren Augusten nochmals zu sehen u Rittern kennen
zu lernen. Mit jeden klaren Sonnenuntergang, mit jeden
Blick in den lichten Abendstern grüßt mein Herz u
Sinn Euch alle und empfiehlt Euch Gottes Hut u wünscht
Euch Gottes Seegen besonders Dir Du treues Weib. Dein
Fr Fr.

(Nachschrift am Rand:)
Namentlich bitte ich den Bruder recht herzlich u brüderlich von mir grüßen zu lassen[.] /
[2V]
(Nachschrift am Rand:)
Ich wohne im Weidenbusch (No 19, was ich für das Beste hielt u noch halte. /
[1R]
(Nachschrift am Rand:)
Während meiner Nach[t]reise hatte ich das köstlichste Wetter u da ich allein in einer Beyschäse fuhr, stöhrte
mich nichts in der Betrachtung des schönen Sternen Himmels; des
Abendsterns dessen letzter Scheideblick mir nur ein Gebüsch raubte rc[.]
Da dachte ich Euer Aller in treuer Liebe. /
[3]
[Umschlag mit Adresse:]
An
Frau Wilhelmine Fröbel
geborne Hoffmeister
in
Keilhau
bey Rudolstadt.