Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 11.7.1831 (Frankfurt/M.)


F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 11.7.1831 (Frankfurt/M.)
(KN 28,3, Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S., ed. H V, 298f. - Der Brief wurde wohl zusammen mit den Briefen an Emilie Fröbel und an Johannes Arnold Barop vom selben Tag verschickt.)

Auf der Öde am 11 July 1831.


An Alle in Keilhau meinen Herzin[ni]gen Gruß

Ihr habt alle mich innigst gerührt durch die schönen
vortrefflichen Gaben die Ihr mir geschickt habt.
Ihr habt tief mein Herz gerührt durch die ein-
fachen kindlichen und herzlichen Beschreibungen
wie Ihr mich habt empfangen wollen und wie
Euer Geist und Euer Herz meinen Geist und mein
Herz wirklich bey Euch und in Eurer Mitte em-
pfangen habt [sc.: haben]. Ja das könnt Ihr Euch wohl sagen
mein Geist und mein Herz wie mein ganzes
Leben war an jenen Tagen wo ich hoffte wieder
persönlich bey Euch zu erscheinen besonders bey
Euch, doch es wird immer bey <Euch> seyn und möge
es so lange bey Euch bleiben und seyn als es
in Gott bleibt und in Ihm und mit Ihm ist. Aber
nicht allein tief gerührt sondern auch hoch erhoben
und gestärkt habt ihr [sc.: Ihr] mein Herz, meine Seele
mein Leben, denn Ihr könnt Euch wohl denken
daß ich von gar vielen leeren und Nichtigen und
Eiteln und Kalten umgeben bin, denn das will
ich Euch nur sagen damit alle Ihr es dankbar
erkennt und pflegend fest halt[et], was auch Keilhau
haben mag was Euch öfters drückt und Ihr besser /
[1R]
[haben möchtet,] ein Leben der Seelen, der Offenheit, des Verständniß[']
der Wahrheit findet Ihr jetzt noch nirgend, kann auch
dieß glaubt mir nur von einem Keilhauer und
gegründet nur auf das Fundament und den Grundstein von
Keilhau irgend anders wo wieder begründet
werden.
Ich hoffe Ihr werdet alle, keinen Einzigen ausgenommen
tief empfinden was ich entbehre in so langer langer
Zeit und besonders heute nicht bey Euch und in Eurer
Mitte zu seyn; ich tröste mich aber, ich beruhige mich
darüber wenn ich mir sagen darf daß Ihr einseht
ich gebe Euch hier den mir größten Beweis einer
stillen Entsagung und ruhigen Entbehrung. In nichts
Höherem kann aber jetzt der Mensch dem Menschen
voran gehen; möchtet Ihr finden und erkennen daß
und wie ich hierinne Euch vorangehe.-
Welch ein Blick ins Weite
Wie erfüllt mit Freude
Hohe Lust mein Herz;
Doch auch tiefer Schmerz
Denn von diesen Höhen
Hofft ich zu erspähen
Die mir theuer sind;
Doch nur leis u lind
Bringen Seelen Grüße
Mir der Lüfte Küsse.
Dieß waren die Gesinnungen mit denen ich auf dem Feldberg
war. Laßt Euch sagen, daß der Grund dieser Reise
war, weil überall ein edles Leben wie es jeder erkennt
geachtet wird und daß man sich freut es auch in der
Ferne zu theilen, und daß Mehrere ein ganzer Kreis heute hier Euer Leben mit Euch theilt u feyert. Gott sey mit uns.
Euer FrFr.