Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 18.8.1831 (Wartensee)


F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 18.8.1831 (Wartensee)
(KN 29,2, Bl 1-2, Brieforiginal 1 B 8° 4 S. Der Brief wird in KN mit dem an die Kasse der Allgemeinen Deutschen Erziehungsanstalt vom selben Tag als ein Stück angesehen; beide Briefe wurden sicher zusammen versandt.)

Schloß Wartensee am 18en August 1831/.·.

Euch allen Ihr Geliebten und Theuern in Keilhau
Groß und Klein, keinen ausgeschlossen und
jedem namentlich meinen Gruß der
Liebe und Treue zuvor.

Da ich vermuthe, daß es Euch allen sehr lieb seyn wird be-
stimmt und klar zu wissen ob und wie sich alles entschie-
den hat, so eile ich, in dem Augenblick wie die Anzeige aus der
Druckerey hier ankommt, ein Exemplar derselben wenigstens
durch die Briefpost zu schicken, da in dem Leben gar oft sehr
viel von einer Stunde geschweige von einigen Tagen abhängt
und mit dem Eingang der übrigen Exemplare durch die Fahr[-]
post bey Euch doch noch einige Wochen vergehen könnten, weil
ich mir vorgenommen habe in Begleitung mit denselben an
Alle und jeden Einzeln und viele zu schreiben. Was Euch
aber gewiß noch wichtiger als die gedruckte Anzeige ist
seyn wird, sind die an uns von Seiten der Regierung und
Behörde erlassenen Dokumente in Beziehung auf die uns
ertheilte Authorisation zur Errichtung einer Erziehungs-
Anstalt. Ich hoffe Ihr werdet nicht verkennen daß darinne wenigstens gleich zunächst schon
ein ganz anderer Geist weht als in
den Erlassen von Meiningen her; nichts will ich aber in dieser
Beziehung heraus heben um so die Sache nur selbst sprechen und
Euch die Freude zu lassen es selbst zu vernehmen und zu finden.
Welchen Eindruck und Wirkung, besonders welche Früchte
es im großen Publikum machen und welche wirklich thätige /
[1R]
Theilnahme die Anstalt erhalten wird, dieß wird sich nach
dem öffentlichen Aufgetretenseyn derselben durch den Druck zeigen.
Ich habe in den letzten Tagen mit Schnydern einen kleinen
Kreislauf gemacht: von hier zum Herrn Pfarrer nach Neuenkirch
3/4 Stunden von hier, von da nach Wohlhusen, an der Öffnung des
Entlibuch, an der Emme zu dem Herrn Decan (= Spezialsuper-
intendent) der hiesigen Diöcös. (einem Manne von dem ich Euch
nächstens einiges mittheilen werde, mit welchem ich schon in
Yverdun bekannt und der irren wir uns nicht beyde sehr, schon
dort mein Lehrer war, so knüpfen sich wunderbar, was ich hier nur
andeuten will, alte kaum als vorhanden gekannte Fäden wie-
der an:) von da gingen ich wir nach St: Urban wo ich wir von dem Herrn
Prälaten und den Herren Patres sehr freundlich aufgenommen
und da wir jetzt nicht bleiben konnten und wollten zu einer
baldigen längeren Rückkehr ernstlich eingeladen wurden
(:auch von diesem Besuche später mehreres:) von da gingen
wir nach Arau, wo wir zwar nicht Tzschocke, welcher
verreist war aber doch drey wackere Männer die
Professoren Mayer und Gebrüder Fröhlich trafen, der
ältere Prof. Fröhlich ist zugleich Herausgeber der Arau[-]
er Zeitung. Auf dieser Reise nun, so wie überhaupt in allem
was uns davon zu Gehör bekommt ist nur Eine Stimme
für das Unternehmen. Ob jedoch Früchte daraus hervorgehen
werden wird die Folgezeit zeigen; denn es giebt eine Zusam-
menstellung der Umstände wo alles dieß in Uebel sich
auflöst, nehmlich die wo jeder Stand und Jedermann meint
nicht er, sondern sein Nachbar sey der, den es angehe und
so findet sich zuletzt gar keiner der meint es gehe ihn an. /
[2]
Der Erfolg wird es zeigen, so wie ich überhaupt muß diesen sprechen
lassen will und werde; ich würde deßhalb auch dieß
wenige nicht angeführt haben, wenn Ihr nicht bey meinem
Stillschweigen darüber meinen könntet, es rege sich gar
keine Stimme dafür, nein! im Gegentheil erregen sich
viele und was mir das Auffallendste ist sogar die Stimmen
der Geistlichen und dieß oft mit einer sorgenden Theilnahme
als ging es in eine gefahrvolle Unternehmung in eine ge-
fährliche Schlacht und dieß alles ist ja am Ende doch auch
schon Erfolg und Thatsache nur muß man nicht mehr in
sie legen als in ihr liegt.
Ob Ihr nun von dieser beyliegenden Anzeige für
das Rudolstädter Wochenblatt und zwar demnächstens
Gebrauch machen wollt hängt ganz von eurer Beurtheilung
der jetzt bey Euch obwaltenden Umstände ab, und ob Ihr
meint daß Ihr jetzt Eurem Leben doch dadurch eine Stütze
Erhebung oder neue Belebung geben könnet, nicht aber
vielleicht Euerm Leben dadurch Nachthteil brächtet; über[-]
legt es wie und mit wem Ihr wollt, ich meine hier unsern
Herrn Pf in E. [sc.: Eichfeld] und d. He. Dr Fl. welche ja die Rudolstädter
Verhältnisse genau kennen. Meine Stimme gebe ich ganz
dem Urtheil meiner Frau deren Gründe sich mir in dergleichen
Fragen erprobt haben. Wir haben 500 Ex. solcher Anzeigen
vorläufig drucken lassen davon könnte ich vielleicht 150 bis höch-
stens 200 auf das Gesammtbedürfniß Keilhaus rechnen[.]
Auch mit und wegen des Einrückens in den allgemeinen
Anzeiger der Deutschen überlasse ich es Euch ganz selbst;
es war freylich früher wohl meine bestimmte Meinung und An- /
[2R]
sicht daß es namentlich wesentlich förderlich für Keilhau
seyn würde wenn diese Anzeige in dem allgemeinen Anzeiger
erschiene, weil dadurch Keilhau von neuem und mit einem
frischen Leben ins Leben eingeführt würde; doch sind viel-
leicht auch Gründe dagegen vielleicht z.B. auch der meiner
dadurch öffentlich ausgesprochenen, jetzt persönlichen Abwe-
senheit von Keilhau, allein wenn es sonst für gut befunden
würde, so möchte es auch nicht schaden wenn eine Sache so
ausgesprochen wird, wie sie nun doch einmal wirklich
ist.- Aber das Wesentliche der Passivität meines Urtheils
in dieser Sache ist: daß ich nicht Ursache habe in Euren Beutel
und in Eure Casse von hier aus einen Plan und Vorschlag
zu machen; und so mit kehre ich zum Anfang zurück, daß
Euch alles überlassen bleibt.
Ob ich gleich die an mich am 31en July abgesandten Briefe
(Abgegangen in Rud: am 1' Aug: empfangen hier am 8en) empfangen
habe und meine Seele noch des innigsten Dankes voll ist für
all das viele Liebe und Gute was sie enthalten, so würde
es mich doch recht sehr freuen nun recht bald von Euch Briefe zu
erhalten welche mir klar und unumwunden der Keilhauer
wie der Nichtkeilhauer - der Einzelnen wie der Gesammt-
heiten - der Nähe wie der Ferne (in wie weit letzteres
schon kund geworden ist) - Urtheil und Meinung über
das hiesige Unternehmen ausgesprochen werde, ganz be-
sonders aber ob und wie weit es förderlich auf Keilhaus
Leben und Bestehen eingewirkt habe oder könne. Wilhelmen
und Elisen bitte ich mit einigen Worten auf meine Anfrage zu ant-
worten. Den Ferdinand in Jena bitte ich namentlich zu grüßen. Ich schreibe
gern mehr doch fürchte ich der Brief wird zu schwer und zu theuer. Über alles
bald mehr, es grüßt Euch mit der innigsten Liebe u Treue Euer FrFr.

[1V]
(Nachschrift)
Meinen heut vor 14 Tagen an Euch abgesandten Brief oder vielmehr Briefe habt Ihr doch erhalten? Den Herrn Pfarrer, seine liebe Frau und Kinder; auch der Herrn Schullehrer grüßt freundlichst von mir. /
(Nachschrift 2V/1R)
Den Jupiter sahe ich vor einigen Tagen mit seinen 3 Monden [*Zeichnung*: .. o . ] und gestern mit seinen 4 Monden [*Zeichnung*: ... o .
  ], und jederzeit mit seinen wolkenartigen Parallelstreifen, wovon einer fast durch seinen Äquator geht.