Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 25.8./26.8.1831 (Wartensee)


F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 25.8./26.8.1831 (Wartensee)
(KN 29,3, Brieforiginal 3 ½ B 4° 13 ½ S. Der Brief mit den einzelnen Bemerkungen wurde vermutlich mit den übrigen Briefen zwischen Mitte Aug. u. Mitte Sept. 1831 nach Keilhau geschickt.)

Schloß Wartensee am 25n August. 1831.

Einige Bemerkungen
will ich hier einzeln und ohne Zusammenhang wie sie mir eben ein-
fallen niederschreiben ich bitte aber sehr, sie zu beachten.
*
1. Ich habe die Anzeigen von der hiesigen Erz. Anst. die Ihr hier empfanget
zu Eurer Bequemlichkeit so vertheilt, geordnet und überschrieben wie Ihr
sie hier empfanget beyliegen; doch ist dieß keinesweges für Euch feste Vorschrift
auch eben so davon Gebrauch zu machen. Ich wünsche im Gegentheil daß
einer von Euch z.B. die liebe Frau oder Middendorff, oder beyde gemein-
sam die einzelnen Überschriften noch einer besonderen Prüfung unterwerfen
und aussondern was Euch unzweckmäßig scheint. Auf diesen Fall könnt
Ihr das hinzugeschriebene nur abschneiden, die Anzeige bleibt dann bey den
meisten noch ganz tauglich.
2. Ob Ihr nun die Sendungen von Keilhau aus nach einander weg, oder nach Um-
ständen und Veranlassung gelegentlich, ob nach einem Ort z.B. Berlin, Gotha
Jena mit einemimale machen wollt wird ganz von Eurer Bestimmung, nach den Euch vor-
liegenden Umständen abhangen.
3. Ohne Zweifel wird von Euch noch nichts durch wegen der Bekanntmachung des
hiesigen Unternehmens durch den Druck von Keilhau aus in dem Rudolstädter
Wochenblatt
und in dem Allgem: Anz d. Deutschen bestimmt worden seyn. Jetzt
nach Übersendung dieser Anzeigen liegt, was besonders das Rudolst: Wochenbl
betrifft die Sache klarer zur Entscheidung Euch vor.
4. In Beziehung auf den Allgem: Anz. der Deutschen, habe ich besonders zwey
Anzeigen mit hinzugefügter Bitte, die eine an den Herrn Senator Becker
Herausgeber des Allg: Anz. der Deutschen und der Nationalz. der Deutschen, und die
andere an den Herrn Legat: Rath Hennig Redacteur derselben beygelegt. Da ich
nicht glaube daß Ihr wegen diesem Blatte schon etwas bestimmt habt, so bitte
ich Euch jede dieser Anzeigen (:die 2e liegt wegen des Abdrucks bey:) besonders
einzuschlagen und nach der Bestimmung zu beaufschriften. Alles könnte dann /
[1R]
an Heinrich nach Gotha gesandt werden, so auch wohl der Brief nach Wal-
tershausen.
5. Demjenigen oder diejenige unter Euch welche die Sendung nach Döllstädt mit
einigen Zeilen begleitet bitte ich dem Ernst zu bemerken daß es mir
lieb sey, wenn er gelegentlich eine dieser Anzeigen in dem von Trätschler[-]
schen Hause in Gotha abgebe.
6. Sollte Ferdinand in diesen Herbstferien eine Reise machen, so wäre es
wohl gut wenn er vorher, sey es auch nur auf einen Tag nach Keilhau
käme, und sich mit dem Inhalte der die Gründung der hiesigen Anstalt
betreffenden Papiere, die ich Euch übersandt habe und eben jetzt wieder über[-]
sende bekannt machte, damit so seine Einsicht in das Ganze mehr Klarheit
und sein Handeln dafür mehr Sicherheit gewänne.
7. Reiset er vielleicht nach Hamburg so kann er die Anzeigen an Methfessel
selbst überbringen, sonst findet sich vielleicht durch den Buchhandel oder
die Musikhandlung von Müller Gelegenheit dahin.
8. Gustav v. B. kann 1 oder 2 Anzeigen an seine Großmutter und seinen Vater
zur weiteren Bekanntmachung überschicken.
9. Bey der persönlich[en] Versendung der Anzeigen von Seite der Keilhauer Anstalt aus
kann dabey immer bemerkt werde, wie die neue Anstalt die alte gar
nicht beeinträchtige, im Gegentheil ihr mehr Muth und Kraft, ihr wieder neuen
Muth und neue Kraft gebe daß auch sie ihr vorstehende[s] Ziel in möglichster
Vollkommenheit erringe, und wie besonders auch durch mein Streben die Idee, den
Grundgedanken des Ganzen und seiner Einheit und Nothwendigkeit immer tiefer
zu erfassen und in Klarheit und Sicherheit im Einzelnen und Mannigfaltigen
auszuführen und darzulegen, auch das Leben, Wirken, Schaffen Streben Keil-
haus dadurch an Einheit, Klarheit und Gesichertheit gewänne, und wie
es mir deßhalb keinesweges Wille oder auch <nur> Neigung sey Keilhau zu schwächen
und in seinen Leistungen und in den Mitteln und Kräften dazu zu verringern
sondern vielmehr zu stärken und zu erhöhen.
[an dieser Stelle nachträglich eingefügter Absatz:]
Sagt nur: Sonnen und Planeten hielten sich
auch gegenseitig, Niemand sähe ihre Hände, ja sie
hätten keine, denn sie <wären> rund, und die Menschen <wären>
mehr als Sonnen und Planeten und wären mehr als rund, denn sie
wären Geist und
ewig; - und was
das Schönste und Lustigste sey: am Ende wisse man gar nicht einmal was eine Sonne noch eben so we-
nig was ein Planet d.h. was der Unterschied zwischen beyden sey; denn die Herrn Astronomen die doch von den Himmels[-]
Einrichtungen was verstehen müßten sagten: die Sonne drehe sich wie ein Planet um eine höhere Sonne, und um die Planeten
drehen sich die Monde wie um Sonnen rc.... Bauern fragt doch gelegentlich wo denn meine Tyranney sey -
daß ich Euch ja mein ganzes Haus und die ganze Anstalt zur Führung überließe?-
Ich könnte meine Tyranney und meinen Druck wohl in einem Bilde zeigen wenn das Bild nur nicht alles
Überschwengliche in sich trüge. Aber so {kurzsichtig / klein[}] ist der Mensch daß er nicht einmal einen Menschen versteht.
Dieß kann besonders der Fr: v. Armin angedeutet werden, auch
vielleicht dem Dr Bran und pp. pp Martin.
10. Da die Fr: v. Arnim schon früher wegen catholischen Zöglingen bey mir an- /
[2]
fragte so kann ihr gelegentl ausgesprochen werden, daß hier besonderer catho-
lischer Religionsunterricht ertheilt werden wird, ja daß so gar in der zum
Schlößchen gehörigen Capelle wöchentlich einmal catholischer Gottesdienst ge-
halten werden wird.
11. Wenn sich Euch Gelegenheit darbiethen sollte dieser Anzeige durch den Druck
in offentlichen Blättern eine größere Verbreitung zu verschaffen, so benutzt
sie, wenn es ohne Kosten geschehen kann. Deßhalb habe ich mich besonders auch
an den Dr Bran gewandt; denn irre ich nicht so schreibt er zwey Journale,
sie sind zwar politisch - doch was wäre jetzt wohl der Politik fremd und vor
allem die Pädagogik; - allein wenn er auch nicht, d.h. der Herr Dr Bran un-
mittelbar für die weitere Verbreitung wirken kann, so kann er es viel-
leicht doch mittelbar. Freylich wird alles von Euerm persönlichen Stehen
zu ihm abhangen. Nun das Übersenden der Anzeige in der ihr von mir
gegeben[en] Form kann keines weges wohl etwas schaden.
12. Eben fällt mir etwas ein. Der Herr Pfarrer Dr Wohlfahrt in Kirchhasel
steht ja wie uns oft ausgesprochen worden und wir mehrseitig vernommen
haben mit vielen Zeitschriften, auch pädagogischen als Mitarbeiter in Ver-
kehr; es könnte sehr zweckmäßig seyn wenn diesem eine Anzeige mitgetheilt
würde, mit dem Wunsche solcher auf einen oder einigen der ihm zu Gebote
stehenden literarischen Wege eine weitere Bekanntwerdung in einem größern
Publikum zu verschaffen.- Durch unsern Herrn Pfarrer könnte dieß vielleicht
vermittelt werden, vielleicht auch unmittelbar, was noch besser seyn
könnte darum werde ich wohl ob gleich das Paket schon geschlossen ist noch
eine Anzeige an ihn besonders überschreiben.
13. Ihr wißt daß ich in Beziehung auf die Benutzung dieser Bekanntmachungs-
Mittel, sonst ganz anderer Meinung war, und ich sie, so sehr mir wirklich
von da und dort die Aufforderung dazu nahe kam vermieth [sc.: vermied]. Jetzt denke
ich darüber anders, und ich will Euch hier meine, wie ich glaube erweiter-
terte und entwickeltere Ansicht davon wenigstens leise anzudeuten
suchen.- Jedes Ding wächst und besteht dadurch daß es von in einem Doppel-
geistigen besteht, durch ein Geistiges von innen die innere Lebenskraft
durch ein Geistiges von außen, der umgebende Luftkreis, Lebenskreis, /
[2R]
Athmosphäre, Athmungssphäre, Athmungskreis; und in und durch ein
drittes das athmende, pulsirende, verarbeitende Leben selbst.
Dieses dreyes, und so vor allem jene innere Lebenskraft und jene äußere
Lebensluft lebensathmosphäre müssen immer vorhanden seyn sonst kann
keine Entwicklung statt finden; für einige Zeit wohl, wenn aber diese
Zeit vorüber über dann muß der volle Lebensprozeß eintreten.
Das eheliche Leben ist wie in allem der Schlüssel zu allem. Das Kind
ruht wohl nach dem es empfangen eine Zeit still in der Mutterschoß, und
es soll indem sich die Mutter nur mit dem der Menschheit würdigsten Rein[-]
sten in einem still schaffenden in sich wirkenden Lebenden beschäftigt, still
und ruhig im Schoße der Mutter ruhen und die Mutter soll in dem
sie Geist und Gemüth zum höchsten, Edelsten, Schönsten Reinsten wendet, dem
neuen Leben still und sinnig Licht und Leben einsaugen. Wenn aber der
Keim zu einem selbstständigen Wesen geworden ist, dann drängt es sich
selbst zum Lichte hervor und zu einer und in eine große geistige Atmo-
sphäre daß es selbst und unmittelbar Licht u Leben einathme einsauge
Wohl giebt es Schmerzen und Wehen der Geburt aber sie muß selbst gebären
Niemand kann ihr bey einer wahrhaft gesunden und natürlichen Geburt eigent-
lich helfen wenn auch in Liebe und Theilnahme und Schutz u Pflege unterstützen
und stärken rc.
Seht es war gut daß Keilhau die Idee einige Zeit und Jahre wie die Mutter
den Lebenskeim in sich pflegte, jetzt erscheint aber Idee und Gedanke erstarkt
und Lebenskräftig jetzt muß er, muß sie selbstständig ins Leben treten und
die allgem: Lebensathmosphäre einathmen. (Nun kommt aber noch das we
Wir in Keilhau haben nun durch unsere zu große Ängstlichkeit, woher denn das
Kind wenn es geboren worden Kleider und Nahrung bekommen solle, und wie dann
wenn nun noch ein Wesen mehr geboren würde, die gewöhnlichen und geordne-
ten Hausgeschäfte alle besorgt werden sollte, durch solche und tausend
ähnliche Sorgen und da wir nicht wußten ob es ein Junge oder ein Mädchen
ob es den Vater oder der Mutter ähneln sollte, haben wir unnatürlicher
Weise die Geburt in Keilhau selbst zu lange zurück gehalten bis Eines in
reiner starker Naturkraft die Fesseln lösete ich will nicht sagen sprengte. /
[3]
Wäre die Lebenskraft des neuen Lebenskeimes, wäre die Kraft des schon
selbstständig gewordenen Lebenswesens, Geisteswesens nicht so ungeheuer
gewesen, so hätte es in jener Zurückdrängung und Abscheidung nothwendig
zu Grunde gehen müssen. So wollte es aber Gott der Vater, Erhalter
und Beschützer al[le]s geistigen Lebens, d.h. alles Lebens an sich, denn anderes als
geistiges Leben giebt es gar nicht - nicht. Wir waren allesamt mehr oder
minder mit Blindheit geschlagen und lagen allesammt in gröberen oder
feineren Fesseln und Banden, daß wir als persönliche und willkührliche
Erscheinungen, ja wohl gar als böswillige und stöhrende pp Erscheinungen betrachte-
teten, was doch nur die Zeichen theils des Empfangen-, theils des gepflegt-, theils
des geborenWerdens eines neuen Lebens war; kann ohne Übelbefinden
und Unbehagen empfangen, kann ohne Abneigung, Ekel Gepflegt, kann ohne
zusammenziehenden Kraft Krampf geboren werden?- Verzeiht daß ich so
plan rede, aber wir waren allesammt blind und die Erfahrensten am
meisten. Wohl hat Gott alles zum Besten gewand[t] aber laßt uns <nun / nur>
weise seyn!!- Doch ich muß nachholen was ich oben durchstrichen habe ich be-
gann: Nun kommt aber noch das wesentlichste und so mag es auch wohl
seyn: - Die Erde wie wir wissen wie alle Planeten entwickelt nicht
nur Leben aus sich - sondern sie leuchten u scheinen auch; und so mach [sc.: mag] wohl
die Sonne es läßt sich schon aus dem umgekehrten Schluß folgern nicht nur leuchten
und scheinen, sondern sie mach mag auch selbstständige Lebenskraft in sich tragend
Leben um und auf ihrer Oberfläche aus sich entwickeln. Also Leben in sich
tragen, Leben entwickeln, darstellen, und leuchten, scheinen d.h. wieder Leben
wecken ist ein dreyeiniger Akt - wie sollte es auch in einem Reich des
einigem, stetigen, Guten Gottes u Geistes anders seyn können. Nun
ist aber auf das Höchste merkwürdig daß - beachtet es in seinen unabsehba-
ren Folgen und Anwendungen wohl, in seinen Folgen und Anwendungen Vor-
und rückwärts, wie recht empfunden, recht erkannt, in seinen Folgen
im Nu im Augenblick im J[e]tzt - daß nemlich - dieß will ich sagen in und
bey der Geburt eines Kindes - d.i[.] wo selbstständig gewordenes, in sich selbst
ruhendes Leben, als ein EigenWesen ins Daseyn tritt, daß da von ihm, mit /
[3R]
ihm durch ihn nicht nur zugleich ein neues Licht ein neues leuchtendes, scheinendes
sondern auch zugleich ein erweckendes, belebendes schaffendes wirkendes
Licht aufgeht, daß mit jedem neugeboren werden[den] Kinde aufgeht eine
neue Lebenssonne wie ich vorhin sagte so Leben tragend und pflegend als
Lebenweckend u leuchtend, lichtend, scheinend. Wollt ihr unzählige Hand-
greifliche, hör-, sicht[-], fühl- bis in das feinste und zarteste hin empfindbare
Beweise, - tretet in die Familie nach und in dem Augenblick, als ein Auge
Ein Stern, Eine Sonne mehr in ihm blickte, als ihr ein Kind geboren worden
Wo ist nun die Sorge, wo die Armuth?! strahlen die Augen aller nicht von dem neuen
Sonnenlicht wieder wie Perlen und Steine von unschätzbarem Werthe und kommen
Könige nicht dem Kinde in seiner Armuth zu dienen und ihm ihre Schätze zu bringen
denen sie erst ihre erste Würdigung und ihren höchsten Werth geben, daß sie sie nieder
setzen zu den Füßen des hülflos und in Blöse daliegenden Kindes. Wir sind
wohl blind, recht blind - doch diese Betrachtung konnte mich an und in ein
Licht-, ein Glanz- und ein Lebensmeer führen, dessen Schein, wie viel <riesiger>
dessen Glanz und Licht wir, unsere Augen und Sinne noch nicht ertragen können.
Ich kehre nach dieser Abschweifung zurück zu der Bemerkung von der ich ausging
daß Leben u Leuchten, scheinen immer zusammen gehören müsse, daß zu einen
innern persönlichen, individuellen, gegenständlichen Leben wenn es sich entfalten
sollte auch eine Lebensathmosphäre gehöre; - so muß man etwas magnetisches
soll es wirken in die magnetische, etwas elektrisches soll es wirken in die
elektrische Sphäre bringen und ihm eine solche bereiten; also auch mit
dem höheren Leben, darum sagt der Meister aller Meister lasset euer Licht
leuchten vor der Welt, stellt
es nicht unter den Scheffel pp d.h. bereitet den
neu erstehenden Leben, damit es bestehe eine Licht- und Lebensathmosphäre
eine Sphäre, Kreis in der es athmen könne. Und Sailer sagt in einem ähnlichen
wenn auch noch weiteren, viel anderes, besonders im Einzelnen erfassenden
Sinn in seinem Schriftchen: Von dem Verhalten des denkenden Mannes in
Beziehung auf sein Zeitalter
(Worte die allein diesen Mann unsterblich Machen und die
mir ein bleibendes Studium sind und jedem seyn müssen der wirkender, schaffender
lebender Mann u Mensch seyn will) - Sailer sagt: der denkende Mann
prüft, beherrscht, bearbeitet sein Zeitalter; nun bearbeitet aber das /
[4]
Sonnenlicht die Erde, die Steine, die Metalle, die Wasser, die Erden und die Luft der
Erde, daß sie Pflanzen, diese daß sie Thiere hervorbringe, ja selbst den Menschen
daß er Mensch werde d.h. sich als geistig selbstständige[s] wesen finde, erkenne und
als solcher lebe; nun hat aber jedes Ding wie ich vorhin andeutete, die Steine,
die Metalle u.s.w. u.s.w. wieder ihre eigene Atmosphäre und lichtschein und be-
arbeiten sich so gegenseitig; die Menschen so sagte ich aber bildlich oft sind ja
auch Steinmenschen, Pflanzenmenschen, Thiermenschen nur der Bewußte ist Menschen[-]
Mensch; doch dieser soll sich nicht allein darin besteht nicht seine Würde und Vorzug
von jenen, gleich einer Sache von Sache bearbeiten lassen; nein er soll
als bewußter Mensch sie für Mensch-Werdung bearbeiten. Dieß ist
besonders die Pflicht des so zum Erzieher berufenen; darum soll der lebende
und erziehende Erzieher eine erziehende Atmosphäre in seiner Zeit und in
seinem Zeitalter bereiten gleichsam eine magnetische, electrische At-
mosphäre, damit seine erziehende - wie des Physikers magnetische u
electrische - Versuche uns zu einem klaren, belehrenden weiter führenden
Erzeugniß und Ergebniß führen. Freylich muß er als Magus in der
Mitte seines, seines erziehenden Kreises stehen, wie die Sonne in der
Mitte ihres Planetenkreises, so könnte ein wenn auch leiser doch unerwar-
teter Schlag ihn auf lange wenigstens zu betäubt zu Boden strecken; auch
dieß habe ich haben wir erfahren; darum so geistes klar und Gemüths[-]
lebendig als Männlich fest ohne Brummen und Murren, und nicht meinend
wenn es heiß[t] ein Kind sey geboren, so müsse es auch schon daher laufen und
habe nicht ferner Anspruch auf, bedürfe nicht ferner der Pflege.
Zwey Wahrheiten zum Schluß dieser Nachweis meines Gedankensweges
Wohlfahrt eine natürliche und eine menschliche, jene natürlich zuerst: - je
räumlich größer ein Gegenstand z.B. ein Gewächs ist desto längere Zeit braucht
es bis zur Geburt, zum Keimen, Wachsen <Früchte> reifen; auch wohl je edler
schon das spätere Obst z.B. auch der Wein; hier knüpft sich gleich das zweyte
die zweyte Wahrheit, ich nannte sie die Menschliche an: - je edler, höherer
Natur, zarter etwas ist - um desto mehr bedarf es in seinem Ent-
stehen, gleichsam nach <seiner> Empfängniß, in seiner Kindheit und Jugend der
Pflege!! Nun darüber endlich genug!- Laßt es uns aber {als Männer / als Menschen} beachten. /
[4R]
14. Sollte Ihr nun die Anzeige schon in dem Wochenblatt haben abdrucken lassen, was
dünkt mich der Sache nicht nachtheilig ist, wenn nicht Eurer Casse, so könnten
doch vielleicht wenn Ihr damit einverstanden wäret, die Einzelnen Anzeigen
ihren Bestimmungsort überschickt werden, sie wären dann ein persönlicher Gruß
und in die Licht- und Leuchtatmosphäre käme so zu[g]leich Wär[m]e d.h. ein
Lebensprinzip.
15. Ebenso auch wenn Ihr schon nach Gotha an die Red: oder vielmehr Exped: d. A.A.d.D.
geschrieben haben solltet, so könnten doch noch die Briefe an Becker und Hennig
abgehen, es wäre dann doch möglich daß sich diese Herren selbst quittirten.
16. Ich wußte nicht wo Lommer der Pfarrer wohnt, füllt doch den Raum aus.
Ihr könnt entweder in den nun kommenden wunderschönen Herbsttagen - (:ge-
stern und heute war es hier gar zu schön Sonne, Mond, Sterne Planeten
Alpen und Berge, Bäume Fluren und Seeen habe ich theils in fast verschwinden[d] zar-
te Schleiern, theils in hoher Klarheit gesehen:) - ja in diesen Herbsttagen könnt
ihr ja mir zur Erinnerung alle den schönen Weg gehen den ich und Barop wohl
im vorigen Jahre gingen oder ihr könnt die Blätter im Umschlag an die Expe-
dition des Cahlaer Wochenblattes zur woran Lommer arbeitet zur Weiter-
beförderung schicken.
17. Von dieser Anzeige wünsche ich nun bald von Euch eine französische Über-
setzung zu haben, ich habe es leider bey Übersendung des ersten Exemplares aus[-]
zusprechen vergessen; wer sie nun auch mache auf jeden Fall bitte ich, sie der
Hausfrau zur Prüfung vorzulegen. Ich habe einen Brief an Dr Keck ange-
fangen und gleich Bitte an ihn gethan und ihm gesagt sein Ergebniß an Euch zu
schicken; ihr könntet dann vergleichen, doch wartet mit der Ausarbeitung des
Eurigen keinesweges darauf - Wenn Middendorff mit seiner Darstellung
fertig ist so kann ich vielleicht das Ganze durch die Fahrpost erhalten.
18. Hier um das Schlößchen stehen viele Ebereschen (Sorbus aucuparia) Vogelkirschen
sie machen das Ganze mit ihrer rothen Frucht gar zu schön. Habt doch Sorge
das die Zöglinge viele Trauben sammeln und abgestreift die Beere[n] am ganzen
Kolm ausgestreut werden. Ihr habt wohl von den schönen <Kronenwicken>
am Dissau in diesem Jahre keinen Saamen sammeln und am Kolm ausstreuen
lassen; ich habe es von Frkf aus immer schreiben wollen aber leider vergessen[.]
Die Astern im Garten vor dem Hause erinnern mich täglich an den Kolm.- Daß mich hier
als ich ankam prächtig blühende Lilien, große kräftige Blumen an Stengeln so hoch wie ich, begrüßt haben,
habe ich Euch wohl noch nicht geschrieben, es sind 4 Stöcke im Garten, 2 dicht vor der Hausthür. /
[5]
Der schönste Stengel hatte aber nur 11 Blumen, die 12e fehlt noch; jene 11 Blumen
tragen aber alle Saamen.
19. Die Anzeige nach Kirchhasel könntet Ihr ja auch selbst abgeben wenn Ihr
den schönen Spatziergang zu dem He Pf Lommer und von da zurück machtet.
20. Auch an die Redaction der Isis könntet Ihr ja durch die Buchdruckerey in Rud:
ein Ex: der Anzeige zum Einrücken schicken; nimmt sie die Anzeige auf gut!
thut sie es nicht so hat es ja auch nichts zu sagen.
21. Über manche andere Verbreitung der Anzeige auf den literarischen Wege
kann Euch vielleicht Dr Fleck Nachweisung geben.
22. Sollte - wenn Ihr die Anzeigen nach Berlin befördert Weiß u Schleyerma-
cher
, deren Anzeige Ihr wohl noch besonders in Umschläge bringen werdet -
eben verreiset seyn, so können sie ja bis zu deren Rückkehr bey der l. Mutter
bewahrt liegen.
23. Könnte durch den He. Adj: Burkhard eine Anzeige nach Weimar vielleicht
an <Peucer> oder einen ähnlichen namhaften Punkt kommen so würde es mich
freuen; - vielleicht steht er auch noch mit Rentweinsdorf in Verbindung. Ihr
könnt ihm ja sagen daß wenn er noch Anzeigen wünsche solche durch Euch be-
kommen könne;
24. Eben dieß auch d. He. Pf. Korn. Pösneck, Coburg, Würzburg möchte er nicht
vergessen.
25. Durch Ferdinands Bekannte können vielleicht ein Paar Anzeigen nach Meiningen
kommen.
26. Es wäre wohl schön und Zeichen einer sehr naturgemäßen und darum so
sichern als rein menschlichen Entwicklung, wenn durch Veranlassung und Ver-
mittlung der Mutteranstalt die Tochteranstalt die ersten Zöglingen we-
nigstens aus Deutschland erhielt; es wäre so sinn- und Bedeutungsvoll
als natürlich und menschlich wa[h]r. Dasjenige was ich Euch so oft von dem
Verhältniß der sich selbstständig machenden Kinder zu den Eltern und umge-
kehrt sagte, findet im ganzen Maaße auch hier Statt u seine Anwendung[.]
27. Schöner noch wäre es sogar wenn diese Zöglinge sogar von den ersten Zöglingen
der Mutteranstalt in die Tochteranstalt eingeführt würden. Doch wenn es nicht
schon stünde hätte ich es wohl nicht aussprechen sollen; allein der Gedanke liegt gar zu nahe. /
[5R]
28.) Die besonderen Bedingungen, so wie überhaupt die Einzeleinrichtungen werden wenig
von denen in Keilhau verschieden seyn; - (:Auch bekämt Ihr heute die Keilhauer Beding-
ungen die ich leider noch immer habe zurück geschickt lägen sie nicht in Luzern, doch sollen
sie nächstens folgen:) - Ohne Zweifel wird das Erziehungsgeld für die 1e Stufe
für das einfache bürgerliche Gewerbe 18 franz: Louis d'or, wir sagen in Deutschland
Carolin à 6 rth. 16 <gr> Rud: Währung also 120 Rth. Rudolstädter also 11 rth. 16 <gr> mehr als
in Keilhau betragen. Für die zweyte Stufe - für das höhere Geschäftsleben 27 franz: oder
Schweizer Louis d'or, also Rth. 180- Rud: Währung also Rth. 17.12 mehr als in Keilhau
für die dritte Stufe; für die eigentl. wissenschaftliche und höhere Kunstbildung 36 franz: oder
Schweizer Ld'or = Rth. 240 Rud: W. also Rth. 15.- mehr als in Keilhau daher
im Durchschnitt jede Stufe fast Rth. 15 mehr als in Keilhau.- Dieß sind wenigstens
die Preiße für die Schweiz. Ob noch andere Stufen nach andern Rücksichten ein-
treten müssen wird die Erfahrung muß erst die Erfahrung lehren.- Die jährliche
Erhaltung schlägt man nach einem Maßstabe ganz ähnlich unserm Keilhauer leben für eine
Person eca [sc.: ca.] zwischen 35 und 40 Rth. ja wohl gar nur zwischen Rth. 30 und 35 an. Mich dünkt
dieß weniger als bey uns; recht begreife ich es noch nicht da Butter und Brot gleich so
theuer als bey uns sind; die Erfahrung wird es mich bald lehren denn
29. Am verflossenen Mondtag ist Schnyder schon wieder von hier abgereist, zwar zunächst
erst noch nach Luzern wo ich ihn ohne Zweifel noch einmal sehen werde, doch wird
er künftigen Sonntag ganz aus der Schweiz und für die nächste Zeit wieder nach Frkfurt
zurück kehren[.]
30. Heut Nachmittag ist auch Fräul Salesia auf einige Tage nach Luzern gegangen
so bin ich nun fast mutterseelen allein. Der Hauswart und seine Frau (solche
Leute werden hier Gäuner genannt von gäunern d.i zu Hause bleiben) Also
der Gäuner und seine Frau sind sehr alte Leute und wohnen ebner Erde. Die
Tochter kocht mir und besorgt alles was mein kleines Hauswesen bedarf; denn
nun muß ich ja auch hier wohl schon von meinem Hauswesen reden.- Für alle
meine häuslichen Geschäfte bekommt das Mädchen (Marie heißt sie) wöchentlich etwas weniger
mehr als 12 <gr.> preuß. Curr; wogegen ich auf ihre Beköstigung gar keine
Rücksicht zu nehmen brauche. Kommt Fräul Salesia wieder so tragen wir von
nun an dann die Wirtschaftskosten gemeinsam. Marie wäscht mir auch
und Fräulein Salesia hat bisher, wie für alles, so auch für die Erhaltung meiner Wäsche
namentlich der Strümpfe, nach Landessitte, Große Sorge getragen /
[6]
31. Da Ihr wohl ohne Unterschied alle über das Grundverhältniß zwischen mir und
Schnydern auf welchem die Begründung der hiesigen Anstalt ruht recht klar seyn
mögt, so lege ich hier, wie ich schon oben sagte, den Grundvertrag zwischen mir
und Schnyder, oder wie wir es genannt haben die Vorläufige Übereinkunft u Punk-
tation zwischen uns beyden - bey. Sie erhilt [sc.: enthält] natürlich gar nichts anders als was
in der Natur der Sache liegt und darum auch ganz und gar nicht ausgesprochen noch
weniger in der Form eines Dokumentes niedergelegt zu werden gebraucht hätte, aber
das Leben hat seine Stufen wo auch das feste Gestaltete Leben sein Gutes hat; früher
hätte mich so etwas gedrückt, jetzt fesselt mich keine Form mehr; welche Form könnte
auch den Geist fesseln, da ja der Geist die Form schafft, und der Geist die Form, durch[-]
dringt und belebt. Ich habe diese Übereinkunft niedergeschrieben und Schnydern vorge-
legt und Schnyder hat kein Komma noch weniger ein Wort weder dazu gesetzt oder davon genommen und
nichts gethan als zweymal seinen Namen unterschrieben und zweymal sein Siegel
darunter gesetzt.- Ihr werdet finden ich stehe so frey als ein Mann nur immer stehen
kann und - geht die Anstalt, tritt sie ins Leben so ist mein Bestehen so gleich als
Lehrer gesichert, wächst, blüht sie und bringt sie Früchte, so steigt mit dem Wachsthum
der Anstalt auch direkt mein Antheil am Gewinn. Doch warum wiederhole ich was
Ihr ja besser mit den Worten der Übereinkunft leset.- So ist auch das Verhältniß
von jedem von Euch wie er zu mir steht oder sich zu der hiesigen Anstalt stellen
will - in Beziehung auf diese Anstalt klar.- Ich hoffe daß Ihr nirgends Klar-
heit, Offenheit, Sicherheit und Freyheit die Grundbedingungen eines ächten Lebensver-
bandes vermisset. Doch diese meine vorläufige und vielleicht zu vorschnelle
Meinung soll Euch nicht hindern, daß mir offen jeder seine Meinung darüber aus[-]
spreche denn dieser Verband wie diese Anstalt kann ja nicht ohne lebendiges
Eingreifen in das Keilhauer Leben nur entstehen wie vielmehr bestehen.
Schnyder ist geborn den 18 April 1786, also 45 Jahr alt und somit 4 
Jahre jünger als ich und wie es scheint immer Gemüths- und Geistesheiter ist, so hat er
doch schon weit mehr graue Haare als ich; die was ich schon öfter und jetzt wieder
bemerke mir mehr verschwinden so bald ich in ein mich ganz in Anspruch nehmendes
erregtes Leben trete.
32. Obgleich unser Unternehmen, wie es auch zu seinem eigenen Bestehen ganz recht
ist, eine Wintersaat ist, und also das grünen und Keimen erst mit dem Oster[-]
halbjahr eigentlich zu erwarten war, so höre ich doch schon mit einer gewissen Bestimmt[-]
heit von manchen Punkten sprechen von wo aus mir Knaben anvertraut werden könnten[.] /
[6R]
Wie dem nun auch sey und in welcher Form sich auch die Theilnahme zeige auf
jeden Fall muß ich sie ohne Unterbrechung und Stolz auf das sorglichste
pflegen.
33. Von dem Hause werdet Ihr auch etwas wissen wollen; nun den Raum kennt
ihr in diesem sind nun. erstl. in der Erde eine Art Doppelkeller, nicht vorzügl
groß und nicht gewölbt doch soll sich alles sehr gut in ihm halten; so z.B. essen
wir jetzt immer noch Äpfel die wie frisch sind. Ein zweyter Keller von mir noch nicht
gesehen ist außer dem Hause. Zweytens Ebener Erde a. ein kleiner Hausflur
in Art eines Ganges am Ende die Wendeltreppe. b. eine Küche u c eine Stube beyde ge-
räumig für den Gäuner d. eine Schlafkammer für dessen Tochter e. eine große
Hauskammer beyde nicht besonders hell. Drittens im ersten Stock oder Geschoß a ein
kleiner Raum beym Austritt der Wendeltreppe mit 1 Fenster. b. dem Austritt
gegenüber eine Kammer (die zu einer Lehrstube werden soll) an einer Seit 2 und an
der schmalen Seite 1 Fenster. c. von der Treppe aus Eintritt in einen Gang
quer das Haus durch ihm zur rechten d die geräumige helle Küche, wenn auch nur
ein Fenster. e. Im Gang vor, weiter zur rechten, die Wohnstube, mit zwey großen
Drillingsfenstern [*Zeichnung:*]    Getäfel und Schränke von 150-200 Jahren pp. f. links des
Ganges, dieser Stube gegen über, eine neu getäfelte Kammer mit 2 Fenstern nach 2 Seiten
d.h. nach jeder Seite 1 Fenster, ziemlich groß u hell, jetzt meine Schlaf- u Wohnkammer.
kann vergrößert werden wenn ein Theil des Coridors dazu genommen und so die eine
Wand bis an die Stube geführt würde, soll dann Lehrstube werden. g. eine recht
hübsche kleine Hausstube mit grünglasirten Schweizerofen. viertens im zweyten
Stock; der Zahl nach die Räume und auch der Lage nach, wie im ersten Geschoß, aber jetzt
nur eine heizbare Stube, doch kann eine zweyte noch heizbar gemacht werden, also
1 Stube heizbar 1 Stube noch nicht heizbar und 3 Kammern nebst Gang, und Treppe
nach dem Boden. (1 Kammer hat Frl Salesia. 1 Kammer soll für die Wirtschaft[e]rin 1 Kammer
und Stube soll einstweilen für Zögl. zum Schlafen 1 Stube soll Lehrerzimmer werden.
Fünftens nach dem Boden nach der Seite zu ein kleines nettes Thurmstübchen <nicht / und> heizbar.
ein sehr geräumiger hoher fester Boden, soll bey Ausdehnung der Anstalt Schlaf-
sal für vielleicht 20 und mehr Betten werden. So enthält also das Häuschen jetzt
4 wirklich heizbare Stuben 2 Küchen 9 Kammern und noch nicht heizbare Stuben zum Theil
recht leidlich, ja lieblich nach dem Maaßstabe, daß das Ganze ein sehr alterthümliches
Haus ist. Einen ganz vortrefflichen Bodenraum mit herrlichem festem Sparrwerk, so wie
das ganze Gebäude als ganz Mauerwerk, fest und solid ist. Also mit Keller
und Boden ohne Coridor im ganzen 17 Räume. Jeder Raum ist eigentl. benutzt. /
[7]
Bey der nächsten Sendung mit der Fahrpost will ich Euch Zeichnungen von jedem
Geschoß machen.- Sobald das Ganze durch die Theilnahme des Publikums durch seine
Leistungen und so im erworbenen Zutrauen gesichert ist, soll nach Maaßgabe
der jetzigen Bestimmungen, der früher projectirte Bau ausgeführt werden.
34. Grüßt mir alle die Zöglinge recht herzlich sagt ihnen, es thue mir sehr leid
den Wunsch meines Herzens noch nicht ausführen, und jedem mit diesem
ein Briefchen schreiben zu können, doch müsse ich eilen daß dieß jetzt zur Post
käme, mit der nächsten Sendung hoffe ich meinen Wunsch und ihre Erwartungen
zu erfüllen.
35. Für Euch alle und für jeden von Euch Ihr Lieben und Theuern einzeln, liegen
mehrere Briefe in Kopf und Herz, stehen mehrere im Geiste und Gemüthe
schon geschrieben, wenn sie es nur auch äußerlich wären; aber sie fordern
wenn sie ausgeführt werden sollen zu viel innere ungestöhrte geistige Sammlung
in einem Punkte, die ich mir jetzt, wo ich das begonnene Werk innerlich und
äußerlich fordern muß noch nicht geben kann. Doch sind mir die Gegenstände
zu wichtig als daß ich nicht hoffen sollte die Vorstellung davon wird sich mir bis nach
der Ausführung lebendig erhalten.- An die ganze Keilhauer Herzens[-] und Gemüths-
welt, an Dich liebe Wilhelmine, Emilie und an all die andern werthen lieben und Theuren Frauen
des Keilhauer Kreises, meinem Herzen und Gemüthe, durch die ihm von derselben in Klärung
Erhebung, und Stärkung gewordene nachsichtsvolle Pflege, ein den Menschen <veredelnder>
duftender Blumengarten, ist auch ein Brief begonnen aber er ist nun eben auch erst
begonnen; denn natürlich gehört denen die jetzt um mich sind oder vielmehr waren, -
es sind deren freylich sichtbar nur 2, doch stehen sie in vielseitigen Lebensverkehr -
weil auch sie pflegend mein Leben aufnehmen und ganz besonders lebendig und
theilnehmend in meinen Lebensberuf und höchsten Lebenszweck eingehen, auch
manche Stunde des Tages und durch des Tagesordnung oft die des erregteren
thätigeren Lebens. Überdieß bedarf auch mein Körper viel der ungestöhrtesten
Ruhe um äußerlich und sey es auch nur schreibend zunächst auszuführen, was der
Geist schafft und was dieses innere geistige Schaffen äußerlich fordert.- Das Gemüth
und der Geist, die Seele bearbeitet ununterbrochen einen großen Plan wovon alles
bis jetzt Errungene und Ausgeführte nur eben das erste leise Keimen ist, <da>
kostet es denn die größte Sorgfalt diesen Keim zu pflegen u schützen, die innere Kraft
nicht nur zu erhalten sondern immer mehr zu stärken und erheben, nur Stoff und Mittel zum
Wachsthume zu einen und zu verarbeiten, ihm Gestalt, Farbe und Duft, Anmuth
zu geben ..... und dieß alles oft [mit] sehr rohem wiederstrebendem Stoff, ungefügigen Mitteln. /
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36. Nun wüßte ich für jetzt zu diesem Quod-libet gar nichts mehr hinzu-
fügen als daß ich in mir die schöne und feste Überzeugung trage Ihr führt
alles zu Hause im Kleinsten wie im Größten bey Weitem Schöner, Gestalte[-]
ter, duftender und besonders friedlicher und freudiger und doch gesicherter durch und aus, als wenn
ich selbst gegenwärtig wäre; schon dießhalb darf ich eigentlich meine Rück-
kehr nach Hause nicht willkührlich beschleunigen.- Ich bin bestimmt
willkührvolle Stoffe, widerspenstige Mittel zu bearbeiten und rohe eigensüchtige
und unwegbare ungebahnte Wege und Pfade zu gehen. Nun denn: Jedem geschehe
das Seine aber - Jeder thue auch das Seine.
37. Ich gedenke jedes, groß und klein, des schaffenden sorgenden Großvaters,wie
des sich nur seines Lebens und andere erfreuenden Enkels; des nur glücklichen
und beglückenden Großneffen, wie der nur in liebender sorglicher Pflege aufgehenden
Nichte und Mutter; der ordneten, geschäftsvollen Großmutter, wie der in Wichtigkeit
mitgeschäftigen Enkelin und Pathe, allen und aller bis ich ruhe bey dem liebenden und
geliebten Weibe, meiner theuern Wilhelmine.
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Geschlossen am 26 August 1831 /.·.