Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Henriette Wilhelmine Fröbel in Keilhau v. 16.9.1831 (Wartensee)


F. an Henriette Wilhelmine Fröbel in Keilhau v. 16.9.1831 (Wartensee)
(BlM VII,1, Bl 1, Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S., ed. Heerwart 1905, 68f.)

Schloß Wartensee am 16en Septbr 1831.


Mein geliebtes, einziges Weib!

Seit sehr langem ist heute der erste schöne und
zugleich vorzüglich schöne Tag; o, wie freue ich mich
daß es überalles dieß noch besonders auch der er-
ste Tag eines neuen Lebensjahres für Dich ist,
möchte Dein mit diesem Tage begonnenes Lebens-
jahr für Dich diesem Tage gleichen: ruhig, heiter
mild, warm; Sonnenschein auf eine frische
kräftige, fruchtreiche Flur. Ja! und es wird
ihm gleichen ich empfinde es tief im Innersten;
und was der Mann vom Leben seines Weibes
in seinem Gemüthe wahr nimmt, geht diesem
gewiß in Erfüllung, wie freue ich mich dessen;
so wird also dieß künftige Jahr ein Jahr alles
Schönen und Guten seyn was der Menschen
Jahre in sich schließen; wie bin ich hochbeglückt
es zu wissen.
Und nun allein zuvor, Dir Dank für Deine
Liebe, Deine Treue, Deine Nachsicht Deine Schonung
die mir Dein verlebtes Jahr so viel beweis [sc.: bewies]
wie der Mann ohne die ersten nur kümmerlich lebt,
so schenke mir bleibend die ersten; wie der Mann /
[1R]
immer die letztere vom Weibe bedarf so gewähre
sie auch mir in Deinem neuen Lebensjahre; doch hof-
fe ich soll Dein Herz nicht mehr davon so wie früher
und wie noch in dem letzten Jahre in Anspruch
genommen werden; ich trage die Überzeugung
in mir mein Leben hat sich selbst gefunden und
erkannt so wird förder [sc.: ferner] Ruhe, Friede, Freude
von ihm ausgehen.
Ich habe vor einigen Wochen hier im Garten an Sonnen
armen Orte einen Monatsrosenstock gefunden; ich nahm
ihn auf mein Zimmer und pflegte ihn; bald sahe ich was
ich gar nicht gleich bemerkt hatte daß er schon 1ne
dann noch 2 und wieder 3 Früchte je geeint trug,
und an einem ganz frisch getriebenen Reis hat
er fast aus einem Punkte 4 Rosenknospen, drey
im Dreyeck außen Eine in der Mitte; zum 11en
Septbr rötheten sich alle 4 Knospen, zum 16en
zum heutigen zeigt die mittlere und kräftigste
frey schon ihr rosiges Innere. Siehe mein her-
ziges Weib es ist mir diese Rose ein Sinnbild
und Zeichen Deines neu begonnenen Lebensjahres:
In treuer Liebe wird Dein Leben von neuem wachsen
grünen, blühen fruchten. Darum pflege ich diese
Rose wie mein Leben, pflege ich in ihr Dein Leben. Dir Freude
und Friede wünscht besonders heute Dein Friedrich Fr.