Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 30.9.1831 (Wartensee)


F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 30.9.1831 (Wartensee)
(KN 30,2, Brieforiginal 3 B 4° 12 S. - Sekundäre Unterstreichungen von anderer Hand sind nicht berücksichtigt.)

Schloß Wartensee am 30 Septbr 1831.


         An die Keilhauer Gemeinsamheit.
   Der Eingung und des Friedens Gruß zuvor!


Da Ihr doch gewiß sehr gern, ehe Ihr Zeit habt meine ausführliche bey
kommende Mittheilung zu lesen, wissen wollt wie es hier geht und steht,
so beginne ich gleich damit Euch zu sagen: Gott sey Dank! gut. Es keimt
und entwickelt sich alles sehr langsam, aber wie es scheint sehr stetig und
sicher; ganz, wie ein Werk welches eben zur rechten Zeit, am rechten Ort und unter
den rechten Verhältnissen geschiehet, gesund und kräftig, und ganz klar wie
es scheint die Weltgesetze als Lebensgesetze zu beurkunden und sein eignes
Ruhen und gesichertes Bestehen darinne, kund zu thun. Urtheilet selbst.
Von Schnyder erhielt ich auf seiner Rückreise von Zürich aus nachstehende
Zeilen
"Zürich am 3en Septbr 1831."
"Lieber Fröbel."
"Unser Vorhaben und pädagogische Weltbeglückung findet hier lauter enthu-
"siastische Theilnahme und zündet, wie der Blitz. Besonders Nägeli, bey dem
"ich wohne, ist für uns herrlich gestimmt. Er selbst will uns durch einen Arti-
"kel einer hiesigen Zeitung brillant beym Publikum einführen, und wir haben
"ihn immer zum, unsere Sache befördernden Freunde, wenn wir nicht Pestalozzi
"verläugnen. Follen ist ein trefflicher Mensch und freut sich über unsere
"Kulturerscheinung. In drey oder vier hiesigen Zeitungen wird sehr bey-
"stimmend über unsere Sache gesprochen werden."
"N:B: Ein sehr einsichtsvoller in Ökonomie sehr erfahrener Freund
"Freund, Herr Ziegler, machte warnend die Bemerkung 18 Carolin
"sey wohl für die Pension der ersten Klasse zu wenig. Das weibliche
"Finanztribunal in Luzern mag mit Ihnen die Sache entscheiden". "Ihr Schnyder". /
[1R]
Und so eben bekomme ich von Schnyder aus Frankf[urt] folgenden Brief:
"Frankfurt den 24 7br 1831.
"Lieber Fröbel!"
"Statt eines langen Briefes den ich Ihnen mit Weile schreiben wollte,
"schreibe ich Ihnen diesen kurzen mit Eile, ein paar Minuten ehe ich an die
"Mittags Tafel zu Speyers gehe. Daß ich gut angelangt bin, wissen Sie schon
"aus meinem Brief an Onkel.- Ich bin schon hier nach den näheren Bedingung-
"en unserer Anstalt gefragt worden, indem man beabsichtigt uns von hier
"Zöglinge anzuvertrauen; deshalb schreibe ich Ihnen eilig um wenigstens
"eine geschriebene Anzeige derselben. Den Preis habe ich schon beyläufig
"angegeben, aber ich muß nun noch ein genaues Verzeichniß der Sachen
"zeigen, die man mitbringen soll."
"Ich schmachte nach einem Bericht, wie es geht, und wie Sie leben."
"Nächsten Mittwoch ist die Aufführung meines Fortunats ganz bestimmt
"festgestellt."
"Die Cholera hat hier schon das Gute bewirkt, daß man solche Reinlich-
"keitsverfügungen machte, die schon lange nicht hätten mangeln sollen."
"Grüßen Sie Frl. Salesie denn ich setzte Voraus daß Sie noch das
"Glück haben werden mit ihr zu wohnen. Schicken Sie mir doch umgehend das
"Begehrte. In Berlin ist die Ch. nicht bedeutend. Gestern aber kam
"aber die Preuß: Staats Z. ohne Bericht darüber, was man hier nicht
"erklären kann."
"Ihr Schnyder."
Der Überbringer des Briefes, der Sohn aus der nächsten Postablage,
(:5 oder 7 Minuten von hier:) welcher nach dem Wunsche der Eltern auch mein Schüler
werden soll, fragt ob die Schule noch nicht bald angehe. Ihr werdet
nämlich aus meiner größeren Mittheilung sehen, wie ich ohne Zweifel
den Umständen nachgehen und das schon früher ausführen vielleicht
damit beginnen werde, womit ich fast endigen wollte, nemlich eine /
[2]
Schule für Kinder aus der Umgegend einzurichten.
Gestern fragte ein Bauer aus einem entfernteren Orte Frl. Salesien,
die er kannte, er habe von Wartensee in einer (Schweitzerisch) Zeitung
(ich weiß noch nicht in welcher:) gelesen, was es denn damit eigentlich
für eine Bewanntniß habe!- "Nun? es wird eine Schule da errich-
tet." sagte das Frl., und der Bauer [Satzende fehlt]
Wegen dieser Zusammenstellung erwähne ich nur noch: daß auch in
Luzern schon in bestimmten Familien im Ernste die Rede davon gewesen
ist Söhne als Zöglinge nach Wartensee zu geben.
Ein alter Bekannter aus Yverdun ein gewisser Dr Flury (Arzt)
und wirklicher unmittelbarer Erzieher und Lehrer der Kinder
des Erzherzogs Karl von Öster[r]eich welcher jetzt seiner Gesundheit halber
in Luzern lebt, aber ohne Zweifel im Novbr nach Wien zurück kehrt;
welcher meine gewesenen Zöglinge die v. Holzhausen von einer rühmlichen
Seite kennt, ein Freund Schnyders ist sagte freythätig daß er sich
in Wien bemühen werde unser Werk anerkennend zu machen.
So hätten wir also Land und Stadt (in der schweizer Bedeutung) Nähe
und Ferne, privat Meinung und Öffentlichkeit, und, was weit mehr ist
als alles dieß, denn es ist der Grund, die Ursache, die Seele von diesem: -
die Welt- und Lebensgesetze, die Übereinstimmung mit den Welt- und
Lebensgesetzen für uns, werden wir uns nun selbst nicht verlassen,
so werden wir ja auch so gewiß bestehen als Welt, und Leben selbst
bestehen, und der Geist wird so rein und klar erscheinen welcher Keilhau
sein Daseyn gab und so Keilhau selbst wieder gesund werden und so
rein und klar erscheinen als es in sich ist.
In Beziehung hierauf, in Beziehung auf den angeführten Brief
Schnyders aus Frankfurt, in Beziehung auf meine schon früheren Mit-
theilungen von dort und von hier, und besonders in Beziehung auf den
größeren hier beyliegenden Brief an Euch sage ich: - Ihr könnet /
[2R]
nun klar sehen wie ich ganz richtig erkannte: Seit 15 Jahr sind wir
in Keilhau haben manchen Verkehr mit Frankf, und nur eben jetzt in
den letzten Wochen meines Aufenthaltes in Frkfrt dämmerte es herauf,
einen Knaben nach Keilhau zu senden oder einen jungen Mann sich dort
zu bilden. Wartensee tritt selbst kaum schon ein Kind in Frkfurt
auf und schon der bestimmte Gedanke Knaben ihm als Zöglinge an
zu vertrauen. Alle Bewegungen im Äußern von Süden nach Norden
von Westen nach Osten scheinen schwierig zu seyn; es scheint dieß
in einem tiefen Naturgesetz begründet, immer ähnlich den Völkerwan-
derungen und noch bis jetzt: Die Colonisationen gegen Pohlen und
Rußland, wie langsam gehen sie, wie schnell die in Amerika.
Scheint sich doch selbst unser Keilhau auch mehr in seinen Zöglingen
zu bewähren die ihm aus Norden kamen und kommen! Erinnert Euch
[an] die wirklich treue, ausdauernde Festhaltung Berlins an Keilhau!
Erinnert Euch was Georg L. sagte wie in Süddeutschland (Tübingen) die
Norddeutschen gesucht und geliebt seyen! Du selbst Middendorff und
Du Barop Ihr würdet schwerlich von Dortmund oder Bonn nach Keil-
hau gekommen seyn, Ihr mußtet gleichsam erst Norddeutsche wer-
den und aus Berlin, Wittenberg Halle und wieder Berlin kommen
um Keilhau in seiner Bedeutung kennen zu lernen. Du Bruder
selbst zogest nach Osterode nach Norden und nach 20 Jahren warst
Du dort nicht recht heimisch; Du zogest wieder von Norden nach Süden
und heimischer, dünkt mich mußtest Du Dich jetzt doch ohngeachtet der
harten Lebenserscheinungen mit all den Deinen in K. fühlen. Kam uns
nicht der größte Nachtheil in unserer Keilhauer Erziehungsanstalt
durch Gehülfen denen die Norddeutsche Bildung das Norddeutsche Streben
eigentlich fremd war, die selbst keine Norddeutsche sondern sich
nach Norden gewandte Süddeutsche waren, nochmals gesagt ohne
das Norddeutsche Leben und Streben in sich verarbeitet zu haben. [sc.: ?] Geliebte! /
[3]
solche Betrachtungen sind wichtig, sind besonders für die in unserm Kreise
herauf wachsende jungen Männern wichtig. Mich kostet die Erkennung
der Weltgesetze als Lebensgesetze und die Beachtung der Lebensgesetze
ihre prüfende Anwendung und Durchführung, die Beachtung, Anwendung und
Durchführung der sehr einfachen Naturgesetze als Lebensgesetze, die größten
Schmerzen und Leiden des Lebens und doch scheint ohne die Beherrschung
derselben an keine Beherrschung des Lebens, und so an keine zum Ziele
führende Lebenskunst an keine Lebensfreiheit und keinen Lebens-
frieden zu denken zu seyn. Darum nun sollen wir uns nicht scheuen
das Leben zu sehen wie es in sich wirklich ist und nicht immer zu unserm und
des Ganzen Nachtheil bey Beurtheilungen und Prüfungen so auf der
Oberfläche und bey Äußerlichkeiten und Kleinigkeiten stehen bleiben.
Nun leset meine Mittheilungen, leset sie wieder und prüfet sie. Einer
oder zwey von Euch dreyen Langethal Midddendorff oder Barop, vielleicht
am besten Middendorff kann meinen Brief an die Gesammtheit zuerst
für sich lesen um die Interpunktion zu setzen und überflüssige Worte,
oft steht eines wie ich bemerkt habe zweymal, auszumerzen, weil
dadurch nur das Lesen erschwert wird und dann könnt Ihr unter
Euch den weitern Gebrauch bestimmen wie Ihr es zweckmäßig findet.
Dir lieber Langethal hätte ich gern auf Deinen lieben und werthen
Brief besonders geantwortet ich hatte aber keine Zeit dazu;
ich bin Dir für alles was Du mir geschrieben hast den herzlichsten
Dank schuldig und nehme an alle den Lebensfesten herzlichen
Antheil, wünschend daß mit jeder ihrer Wiederkehr das Leben sich immer
mehr vestigen [sc.: festigen] mögen. Gleiches Dir Middendorff. Ein Brief an Dich
lag schon in meiner Seele, ehe mich noch der Leere Raum auf Elisens
Brief von Dir und den Deinigen grüßte. Mit dem kleinen Wilhelm
scheint es nun wohl so zu kommen, wie ich, ob aus Ahnung oder sonst warum
weis ich nicht, wünschte, daß er mir nemlich entgegen laufen wird. /
[3R]
Du Elise und Wilhelm werdet Eure Antwort die ich Euch auf Eure lieben
Briefe zu geben habe in dem Briefe an das Allgemeine finden, da Ihr
Euch wie es so natürlich war auf das Allgemeine zurück beziehet,
dem auch ich mich mit Euch gern unterwerfe. Es wird mir sehr lieb
seyn, recht bald wieder Briefe von Euch zu bekommen, besondern von
Dir Elise den größeren, welche Du mir durch diese Zeilen hindurch schimmern
lässest.
Auf jeden Fall wünsche ich recht bald ein paar Zeilen von Ferdinand.
Da ich doch noch die Hoffnung nicht verlohren haben, daß mich, wenn es
nöthig seyn sollte, Frauenhilfe von Keilhau hier nicht verlassen
wird, da es sich ja wie ich schon in dem größern Briefe aussprach
zunächst nur um den Aufenthalt von einem halben Jahre handelt,
und auf so lang doch wohl eine der Keilhauerinnen zu entbehren
seyn wird, und da man jetzt nicht früh genug im Leben wo sich
die Entwicklungen so drängen, [sich] vorbereiten kann so will ich doch
auch etwas wegen einer Frauen Reise andeuten; vorher aber erst einer
von Frl. Salesie oft und noch erst diesen Morgen wiedergekehrten Äußerung
erwähnen: "Wenn eines der Keilhauer Frauenzimmer hier ist", sagte sie, "so
will ich herzlich gern alles thun, was mir nur möglich ist, um ihr behülflich
zu seyn."-
[Einschub vom Seitenrand, wohl hierhin gehörend:]
Noch einen Zug von Fräul. v. Hertenstein, der, wenn man ihn recht versteht, sie ganz charakterisirt. Es ist bey uns nun ganz still
und wir sie und ich machen das hiesige Hauswesen aus. Diesen Mittag als wir bey Tisch saßen sagte sie: "ich sehe schon wie es in Wartensee lebendig
wird und - wenn ich einst alt bin so werde ich mich freuen sagen zu können, daß ich eben jetzt in Wartensee war.["] (:Sie wohnt gewöhnlich in Luzern:)
Nun von einer Frauenreise, und zwar von einer Flugreise.
Fährt man Dienstags so früh von Keilhau weg daß man am selbigen Tage
vor 2 Uhr in Gotha ist - (:vor 3 Uhr geht selten der Eilwagen ab:) so ist man
Mittwochs Nachmittag in Frkfurt. Hier ruht man bis Donnerstag Mittag
12 Uhr. Mit dem Schlage geht die Post von da über Heidelberg, Carlsruhe
nach Basel. Sonnabend früh 5 Uhr ist man zu Basel. Hier ruht man
bis Mittag, setzt sich in die Diligençe, läßt sich einschreiben bis Olten.
In Olten läßt man sich einschreiben bis nach Eggerswyl oder dem
Seehüsly (Zwey Gasthöfe an der Landstraße, zwischen welchen, einige
Hundert Schritt von der Landstraße ab, jedoch näher am Seehüsly, War- /
[4]
tensee liegt,:) Kann nun bey einem dieser Gasthöfe aussteigen,
(Eggerswyl ist, wenn man dieß will, besser als Seehüsly) oder aber,
wenn man vorher Nachricht gegeben hat, gleich unterhalb Warten-
see aussteigen. Hierdurch erspart man natürlich etwas, hat aber
das Unangenehme, daß man in der Nacht noch einen Weg, ohngefähr
vom Zimmergarten bis zur Steinbank im mittleren Kreise am Colm
zu gehen hat; denn die Post kommt Punkt 1 Uhr Sonntag früh hier
vorbey.- So kann also Jemand der eilt gerad in 5 Tagen hier
schreibe mit Worten in fünf Tagen von Keilhau in Wartensee seyn[.]
Nimmt man zu dieser Reise in Keilhau Rth. 45 preuß. Cour. mit
so kann man beym Ankommen in Wartensee noch einige Gulden
in der Tasche haben; denn die Ausgaben sind bis auf einige Groschen
alle bestimmt. Ich habe fast nie einige Überfracht zu zahlen gehabt,
und doch hatte ich im Ganzen wohl 20 < ? > [sc.: Pfund] mehr Übergewicht. Hutkasten
und Nachtsack (:jetzt hat man zur Reise sehr bequeme die man verschließen
kann; in Frkfurt kostet einer fl. 6.- oder Rth 3,18 <gl> [sc.: Groschen]:) - werden ohne dieß
nicht gewogen. Man muß nur machen, daß das Hauptpaket, der
Mantelsack nicht viel mehr als das Freygewicht - 40 < ? > [sc.: Pfund] hat.
Will man im Sommer bequemer und angenehmer reisen d.h. mit
dem Tageilwagen, so ist das Postgeld zwar nicht höher, allein wegen
der öfteren Nachtlager (:Heidelberg, Carlsruhe und glaube Freyburg:)
natürlich theuerer. Während der Fahrt giebt man am Sichersten
alles den Conducteur zur Besorgung, wodurch man in Gotha durch
Vetter Heinrich schon gut eingeführt wird; der Conducteur bekommt dagegen
ein kleines Trinkgeld, in Frkf: gab ich ½ Gulden; in Heidelberg (wo zwar
der Wagen gewechselt wird, doch läßt man sich am besten gleich bis Basel
einschreiben) gab ich 24 Xr [sc.: Kreuzer]; in Basel wird 1 Gulden (15 <gl> [sc.: Groschen] oder 60 Xr) wohl genug seyn.
Den Postburschen, welche die Sachen in den Gasthof bringen, zahlt man natürlich
wieder etwas, nachdem man viel hat: in Frkfurt zahlte ich 18 Xr (4 <ggl> [sc.: Groschen]). /
[4R]
Eine Fahrreise von Mehreren in Gemeinschaft besonders zu dritt, müßte aber
wohl, besonders des Gepäckes wegen wenn man bedeutend mehr Gepäck
mit sich hätte als die Post frey giebt, und weil doch der Weg über Frank-
[furt] weiter ist - anders eingerichtet werden, und zwar so wie ich ihn im Haupt-
briefe dem Ferdinand angegeben werden habe, über Schweinfurt pp.
Das Unstatthafteste wäre aber wohl immer eine Rudolstädter Fuhre
für die ganze Reise zu nehmen; höchstens bis Schweinfurt; die Süddeutschen
Kutscher sind billiger, auch finden sich sehr häufig Rückfuhren. Am besten
thut man wohl immer wenn man alles einbedingt und die Tagesreisen bestimmt.
Habe ich doch meine Notizen zu meiner Fahrreise von Keilhau hierher
so ernst genommen als handelte es sich darum, daß schon im nächsten
Monat von dort Jemand hieher käme.
Nun aber wieder zu dem was näher liegt.
Deinen Rath, liebe Frau! wegen der Erziehungsgelder werde ich be-
nutzen oder vielmehr befolgen; ich werden sie nun so stellen: 1e Stufe.
20 Carolin = 123 rth 8 <gl> [sc.: Groschen] (:25 rth. mehr als in Keilh:) 2e Stufe 30 Carolin = 200 rth.
(:37 rth. 12 <gl> [sc.: Groschen] mehr als in Keilhau:) 3e Stufe 40 Carolin = 266 rth. 8. (:58 rth. 16 <gl> [sc.: Groschen] mehr
als in Keilhau, also im Durchschnitt 41 rth für den Zögling mehr als in Keilhau:)[.]
Es wäre aber auch vielleicht noch möglich, daß die erste Stufe um 2 Carolin
erhöht, die letzte dagegen um 2 Carolin erniedrigt würde, wodurch dann
der Unterschied zwischen jeder Klasse dann 53 rth. 4. also ohngefähr Rth. 50.
<Corr.> betrüge. Die durchschnittl. Erhöhung für jeden Zögling blieb immer
die angegebene von 41 rth.- Sehr lieb wird es mir seyn darüber
noch Deinen, noch Euer aller Rath zu hören, denn ich werde nicht
eilen die Anzeigen drucken zu lassen.- Schreibt mir nur möglichst
bald, wie Ihr gemeinsam und als Ganzes über das Ganze zu einer klaren Ansicht
gekommen seyd, denn unbeschadet der persönlichen Meinung und Ansicht jedes Einzelnen von Euch, muß
sich doch auch eine Hauptansicht
und Meinung über das Ganze ergeben; läßt sich nun wirklich nur zu einem zweytheiligen /
[5]
Ergebniß kommen, so will ich auch dieses gern hören; denn vor allem
wünsche ich, daß sich das neue Leben auf größte Wahrheit gründe.-
Für die Zukunft wollen wir dahin zu trachten suchen daß sich
unsere Briefe nicht durchkreuzen, wie dieß nun schon die beyden
Male der Fall war, schreibt mir auch wie lang ein Paket gehet ehe
es bey Euch anlangt. Im Ganzen wollen wir wohl einen monatlichen
Briefwechsel, bis sich der Verkehr nicht mehr drängt, festsetzen.-
Middendorff von Dir möchte ich Deinen Lehrgang in dem französischen
Sprachunterricht haben; vielleicht einen durchgesehenen Heft einer
der Pfeiffer. Wie weit bist Du mit dem französischen Unterrichte
der Kleinen gekommen, auch darüber möchte ich etwas wissen. Wenn
vielleicht Ferdinand oder Wilhelm bald hieher kommen sollten so könnten mir
die ja darüber etwas mit bringen. Es wird mir lieb seyn wenn
der von beyden, welcher hieher kommt sich mit Deinen Lehrgängen und
deren Ergebnissen sich bekannt macht. Sollte die Abreise eines von
beyden hieher sich weit hinausschieben, so kann mir das Gewünschte auch
durch die Post damit geschickt werden. Man kann dieß Packet
dann zugleich benutzen mehrere Briefe durch die Fahrpost an mich
zu schicken; denn das Packet kommt dann gewiß nicht so theuer als
ein starker Brief.-
Es könnte möglich seyn daß ich die ganze Lehrerberechnung mit
Herrn Herzog hier bedürfte, könnte sie darum vom Anfange an
aus den Berechnungsbüchern (ausgezogen) ausgeschrieben werden, so
wäre es mir sehr lieb. Die Bücherberechnung braucht nicht hinzugefügt
werden. Ich wünsche daß wie ich die Abschrift der Rechnung bekomme
wenigstens seine Lehrerberechnung gänzlich berichtigt ist, und die Quit-
tungen darüber beyliegen.
Kann nicht Joh. Schmidt's Lehrerberechnung bald berichtigt
werden?- er hat sich darüber gegen Wetzstein beschwert. /
[5R]
Wie es mit dem armen Wetzstein geht leset Ihr in den Zeilen von
Schwartz die ich deßhalb beylege; ich sahe den Wetzstein in Frankfurt
wo er Beck besuchte viel, allein keine Mittheilungen nur ein Wirken
was ihn sich selbst entreißt kann ihn noch retten.
Hat Keck Euch die französische Übersetzung der Anzeige geschickt?-
Schickt mir dann bald die Übersetzung oder das Ergebniß beyder, was
Ihr nach Prüfung festgestellt habt; Ihr wißt ich habe darüber kein
Urtheil.
Welchen Gebrauch habt Ihr von den Euch übersandten Anzeigen
gemacht und wie hat im Allgemeinen oder auch Besondersten ihre
Mittheilung gewirkt?-
Da ich doch meinte es wäre Euch endlich auch einmal lieb mit
dem Namen Schloß Wartensee auch ein Bild zu verbinden, so
habe ich einen hier vorgefundenen Bauriß durchgezeichnet und
ist deßhalb im Allgemeinen die Zeichnung und das Bild richtig; ge-
legentlich sollt Ihr so noch andere Durchzeichungen erhalten; und zwar
sobald ich an die Zöglinge schreibe wornach ich mich recht sehr
sehne um auch dann wieder etwas von ihnen zu erhalten.
Grüßet Sie auf das herzlichste und väterlichste, saget Ihnen
ich dächte sehr oft an sie und wünschte mich ihnen mitzutheilen
nur habe ich jetzt noch so sehr viel zu durcharbeiten um bey dem
begonnenen Werke nichts zu verabsäumen, damit auch sie ein
mal wenn sie brav wären und es sonst die Verhältnisse erlaubten
Wartensee und die Schweitz besuchen könnten.- Beyde Pfeiffer
könnte ich wohl einmal hier gebrauchen einen ersten als Lehrer und
Kinderführer, den zweyten als Lehrenden Gärtner und Landbebauer,
beyde als Turner. Landbau- und Gartenkunst müssen wir recht
düchtig [sc.: tüchtig] in unsern Kreis und in unsere Gewalt zu bekommen suchen,
sowohl den Grundsätzen und der Einsicht, als der Ausführung nach. /
[6]
Ich bitte Euch alle recht sorglich mit dem Feuer zu seyn auch die
Zöglinge; namentlich auf den Wilhelm so wie überhaupt auf die
drey Gebrüder habt Acht; hier sind kürzlich gar zu traurige Brände gewesen;
so hat kaum vor einigen Tagen im Canton ein Bauer seine Frau
und drey Kinder durch den Brand verloren; die Frau wurde, indem
sie ihr jüngstes eben 4 Wochen altes Kind, mit der Wiege aus dem
Hause tragen wollte, von dem brennenden, einstürzenden, hier ge[-]
wöhnlich sehr dicken Strohdach verschüttet; sonst verlohr der Bauer alles
30 Haupt Vieh 6000 Garben und alles Futter u.s.w. doch was ist das
alles gegen Frau und Kinder.
Gott behüte Euch vor Feuers Gefahr und jedem andern Unglück.
Du meine liebe Frau! wünschst nun noch zu wissen was ich gern
von Kleidern und Wäsche hier haben möchte:
Einige Paar wollene Strümpfe wohl vor allem,
die zwey oder 3 starken gefütterten Turnjacken;
Noch einige Hemden, besonders starke,
das rothe Halstuch;
den grünen Kittel, in welchem ja das Andere eingeschl. werden kann.
einige Taschentücher;
einige Halstücher;
kaum wage ich es zu schreiben, weil ich sie schon so oft verlohren
habe: ein Paar wollene Handschuh.
Einige Exemplare (vielleicht 3 v. jeder) aller Anzeigen können
beygelegt werden.
Sollten sich dann indem diese gesucht werden, ein Packet Vor-
schriften oder Schreibübungen finden, so können die Schweitzer
vorschriften [sc.: Vorschriften] aus Yverdon daraus genommen und mitgeschickt werden.
Die Absendung dieses Packetes geht dann am besten mit Fracht, weß-
halb mit dem Kaufmann May oder Rönsch wegen der Besorgung zu reden ist. /
[6R]
Jetzt endlich zum Schluß noch die Zusammenfassung des Ganzen.
Alles was Ihr hier empfanget ist nur der Ausdruck meines
Strebens, daß wir alle mit Bewusstseyn, ein bewußtes organisches
Ganze, ein Lebganzes werden mögen, wo ein jedes in seinem Wesen
erkannt, nach in und in seinem Wesen wirke; damit von Niemand
gefordert werde was er nicht leisten, ein Jedes aber wirklich leiste
was und wie es leisten könne, sich selbst zum Frieden zur Freude, zur
Gesundheit zum heil; zur Freude und zum Frieden, zur Gesundheit
und zum Heile des Ganzen.
Alles dieß liegt aber auch in dem Wunsche meines Herzens.
Lebet wohl.
Euer
         FrFr.