Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 12.10.1831 (Wartensee)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 12.10.1831 (Wartensee)
(KN 30,3, Brieforiginal 1 Bl 4° 2 S. Das Blatt enthält zunächst Abschriftfragment eines Briefs von Schnyder an einen Onkel v. 17.9.1831 v. F.s Hand.)

Abschrift. [*eingekreist*]
Frankfurt den 17en Septbr 1831

Verehrtester Herr Onkel!

Seit heute vor 8 Tagen also seit Samstag den 10en, bin ich wieder in den hiesigen Mauern ge-
sund und ohne das mindeste Unangenehme angelangt, und habe Frankfurt im aller geräusch-
vollsten Meßtaumel gefunden. Wegen zu früher und zu später Abfahrt der Post von Keilhau
Zürich nach Schaffhausen mußte ich vom Dienstag bis zum Montag in erster Stadt verweilen,
wo mich dann noch Montags Morgen um drey Uhr der Ihnen bekannte Kurier von Warten-
see bey Nägeli in der Schweiz fand. Der Aufenthalt in Zürich war ein sehr genußreicher für
mich, indem ich eine Menge alter lieber Freunde wieder sah und viele mir noch fremde
treffliche Männer kennen lernte. Meine pädagogische Unternehmung mit Fröbel erregte
dort überall die größte Theilnahme, welche sich jetzt wahrscheinlich vielfältig in den dortigen
Blättern wird ausgesprochen haben. Besonders fand man in dem Briefe des Erziehungsrathes an
mich einen so schönen Ausdruck seltener, herrlicher Humanität (im Gegensatz [zu] der Grobheit
und Vornehmheit womit Behörden sich sonst ausdrücken) daß man ihn kopierte und das schöne
Urkund als eines der erfreulichsten Zeichen einer civilisierten Zeit öffentlich bekannt machen
will. Ebenso konnte man in Stuttgart nicht genug den Ton des Schreibens loben, seufzte,
daß man dort noch nicht so weit in der Höflichkeit, in dem Anstand gekommen ist, wie bey uns,
sondern daß im Gegentheile die Behörden noch im barbarischen Stile schreiben. Vor ein paar
Tagen ist mir durch die Post die No 77 vom 11. Septr. der allgemeinen Stuttgarter Zeitung zugesendet
worden in welcher (unter dem angeblichen Datum: Luzern vom 4en Septr der Artikel ist, aber in Stutt-
gart geschrieben und etwas zu heftig gegen die Aristokraten:) mit einer kleinen Einleitung das
erwähnte Urkund des Erziehungsrathes abgedruckt steht. Man hätte auch gern den Rathsbeschluß
des kleinen Rathes eingerückt, allein man mußte den Raum schonen. Zugleich steht in dem
Intelligenzblatt der Zeitung ein langer Auszug aus unserer Ankündigung, den die Redaction
unentgeldlich aufnahm. In dem freundlichen Stuttgart, langte ich vorigen Mittwoch Abends
um 6½ Uhr an, wo ich dann sogleich in das Theater rannte, wo man, leider! den Othello
von Rossini gab. Die Oper wurde aber mit allem Aufwande der herrlichen Kräfte gege-
ben, die der königlichen Bühne zu Gebote stehen, und ich zog das Orchester und das will viel
sagen, dem Frankfurter vor. Den andern Tag machte ich eine Menge Besuche, hatte das Glück
viele neue treffliche Bekanntschaften zu machen und wurde überall wie ein alter Freund
empfangen. Ich setze Ihnen einige Namen her, Professor Gustav Schwab, der Dichter, Dr
Schott berühmter Jurist und Liberaler; W Menzel, der gefürchtete Kritiker, ein noch
junger Mann und Redacteur des Literaturblattes zum Morgenblatt; Hofcaplan /
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Grüneisen, gemüthvoller Dichter; Frl. B. Bührlen, ein sehr geistreicher Schriftsteller; Prof:
Klump, ein berühmter Pädagog an den mich der Minister von Arnim wieß; Hofkapellm[ei]ster
Lindpaintner, u. andere. Abends war ich in drey Gesellschaften eingeladen von denen ich
aber nur zwey, bey Schwab zum Thee mit Musik und bey Schott zum Abendessen anneh-
men konnte. Den andern Tag ging es um 7 Uhr Morgens mit dem Eilwagen fort nach
Frankfurt wo ich Samstag um 10 Uhr früh anlangte. In Zürich und in Stuttgard
ließ ich meinen Paß mit dem Gesundheits-Schein versehen, welcher mir sehr gute
Dienste leistete, denn ohne dieses wäre ich an der Badischen Grenze in dem Dorfe
Kirchhard, wo eine Polizeiwacht lag, zurückgewiesen worden. Auch die Frankfurter
haben an ihrer Grenze zwey Korporale aufgestellt, die die Gesundheit der Reisenden zu
kontroliren haben, wobey manches Dumme vorfällt z.B. jüngst fragte einer den sehr [bricht ab]
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Schloß Wartensee am 12en Tage des Monats des Kampfes und Sieges (8br) 1831


Lieber Barop.

Gestern Abend wurden mir die in Abschrift beyliegenden "Worte über die Wartenseer ErzAnst."
aus der Appenzeller Zeitung (einer der alleruntergeordnetsten und wenigst geachteten in der Schweiz) mitge-
theilt. Ich bestimmte mich sogleich für Euch eine Abschrift davon zu nehmen, weil ich es für Euch und für
das Ganze wichtig halte daß Ihr so bald als möglich Kunde davon bekommt [sc.: bekommen] würdet, denn vielleicht
habt Ihr mit mir schon längst erwartet, daß die unversöhnl. Keilhauer Gegner Herzog u Schönbein beyde
der Schweiz verwandt, auch gegen Wartensee auftreten würden, es ist geschehen ich freue mich daß
es geschehen ist, und so niedrig u gemein die Art ist wie es geschrieben ist, so wird es hoffentlich, wenn über[-]
haupt in dem ganzen Leben Wollen u Wirken die Wahrheit ist die ich darinne sehen muß, auch sein Gutes
haben. Jetzt muß ich eilen nur das allerwichtigste. 1) Habt Ihr mein Pakket mit meinen Lebens-
darstell[un]gen erhalten? wann? wie lange ist es gegangen? 2) Von der beykommenden Anzeige der Bedingungen wünsche ich eine französische Übersetzung, so wie ich mir schon von der früher über-
sandten eine erbat. 3) Auch von dem Verzeichniß der mitzubringenden Sachen erbitte ich mir gleich[-]
sam eine französische Übersetzung, zieht dabey ja meine liebe Frau zu Rathe. 4.) Wozu hat sich Fer-
dinand oder Wilhelm entschlossen?- theilt es mir bald mit. 5.) Wer reiset vergesse ja die Gesund[-]
heitsZeugnisse nicht. 6.) Wie hat sich Zeh jüngst gegen Keilhau benommen? 7.) Habt Ihr kürzliche Äuße[-]
rungen vom Canzler v. Ketelh. über Keilhau? 8.) Könnte ich in einem Briefe
ohne daß es weiter auf der Adderesse bemerkt wäre 2 bis 3 Fünfthalerscheine
erhalten so geschähe mir dadurch ein wesentlicher Dienst; der Brief bedarf blos recomman
-dirt
werden oder gegen Empfangschein beygesetzt.- Nun alle Gott befohlen.- Wir haben
sehr schöne Tage und ich habe eine neue Arbeit für Euch für mich für uns alle begonnen über die Lebens[-]
gesetze
. Der Entwurf ist fertig geworden eben gestern als ich die Anlage bekam.- Nun soll es frisch
an die Ausführung gehen, ""Durch Kampf zum Sieg!" Tausend Grüße an alle, schreibt doch ja bald
Euerm Euch innig liebenden FrFr.

(Wilhelmine ich grüße Dich vielmals schreibe mir doch bald bitte bitte.)