Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an August Busse in Keilhau v. 7.12.1831 (Wartensee)


F. an August Busse in Keilhau v. 7.12.1831 (Wartensee)
(BN 400, Bl 1-2, Abschrift 1 B 4° 3 ¼ S. Handschrift unbekannt, ed. Hoffmann 1952, 85-87. Diese Abschrift ist das einzige vorhandene Dokument. Es wird in Briefliste Nr. 488 und Hoffmann 1952, 235 zu Nr. 50 irrig als "Original" angesehen.)

6 An August
Schloß Wartensee im Kanton Luzern in der Schweiz.
Am 7ten Dezember 1831.


Mein lieber August

Ei, mein Sohn! Du hast mir ja einen gar schönen Brief ge-
schrieben; ist ist doch eine rechte Freude eine so klare reine
und doch kräftige, frische Schrift zu sehen, es ist einem dann
doch immer, als sähe man den, der sie geschrieben darin wie
in einem Spiegel; und rein und klar geordnet und sinnig
kräftig und doch mild zu seyn, dies sind doch gar zu schöne herr-
liche Eigenschaften, nicht nur des Knaben und werdenden
Jünglings sondern sogar des Mannes und überhaupt des
Menschen; wohl dem, dem ein treuer Spiegel, so sein Inne-
res und ganzes Wesen und wirklich wahr zeigt. Wohl dem,
dessen äußeres Leben, Betragen, Handlungen, Sitten und
Thaten auch dann wieder in einer solchen schönen Überein-
stimmung ist [sc. sind] daß er in dem einen das andere in diesem Äu-
ßeren jenes Innere findet, der eines durch das andere bildet und
veredelt, klärt und vervollkommnet. Welch ein Gewicht hat
dann besonders für einen Lehrer und Erzieher einen
Freund und Pflegevater ein Wunsch wie der in Deinem /
[1R]
lieben Briefe mir ausgesprochene: doch bald zurückzukehren in
den Kreis solcher Schüler und Zöglinge, solcher Jünglinge u.
Söhne, solcher wahren und klaren Menschen. Ja mein lieber
August! da ich überzeugt bin, daß Dein Wunsch, wie er aus Deinem Herzen
kam, so auch im Herzen Deiner Genossen, auch als ihr Wunsch wieder-
hallt [sc.: widerhallt], und da was vom Herzen kommt auch wieder zum Herzen geht,
so hallt auch jener und Deiner von mir zu Euch als mein Wunsch in
meinem Herzen wieder [sc.: wider], und wäre nicht jeder meiner Schritte, der mich
seit dem ersten Ausgang aus Keilhau, scheinbar von Euch entfernt, wie
die ebenmäßig fortschreitenden, sich durch Festhalten der Mitte - gleich-
sam eines gutes Vorsatzes oder klaren Absicht - scheinbar entfernenden
Punkte [eines Kreises] gleichsam so schon nur bedächtige und zugleich und zugleich die kür-
zesten Schritte zur möglichst schnellen Rückkehr in den Anfangs- oder Aus-
gangspunkt also nach Keilhau, so könnte mich Dein lieber Brief mit dem
Wunschen [sc.: den Wünschen] der Übrigen bestimmen meine Rückkehr zu beschleunigen und
wenn es unter der angegebenen Bedingung, überhaupt einen kürzern
und einfachern Weg zur Rückkehr gäbe als den der Kreislienie. Wenn
Du mich hier nicht ganz verstehen solltest, so lasse Dir dies von Deinem
lieben Lehrer in der Formlehre erklären.
Wie Dein Brief und Schrift, so haben mich auch Deine Figuren und /
[2]
Gebilde gefreut.- Bist Du denn auch sonst in allem Übrigen
wie es Namen haben mag, brav fortgeschritten?- Das ist
der Adel und die Würde des Menschen, daß er sein Wesen was
was [2x] aus Gott hervorgegangen ist, in allem was er thut, wie
es auch heiße und wodurch es auch geschehe, sich selbst und an-
dern mit Bewußtsein und freier Selbstthätigkeit kund
thun kann. Deshalb giebt es eigentlich auch gar kein Geschäft
für den Menschen und für keine Arbeit die - wenn wir
nur wissen wie sie aus dem Geiste des Menschen her[-]
vorgeht und wie sie denselben ausspreche - die dann
nicht auch dem Menschen nothwendig Freude machen müsse
denn der Mensch lernt dadurch, wie sich so seine Mitmenschen,
wie die Natur, so Gott erkennen und mit allen in Friede
und Freude, und Eintracht, so für sich selbst, wahrhaft glück-
lich und freudig leben.
Daß nun auch Dir mein lieber Sohn, alles was Du in Keilhau schaffst
und thust für jetzt und alle Zukunft wahre Freude machen und brin-
gen möge wünsche ich Dir von Herzen.
Wenn Du mir lieber August wieder einmal die Freude machst einen Brief
zu schreiben, so nenne mich doch auch in demselben wie Deine Genossen,
Du; denn wenn wir beyde vor meiner Abreise auch noch nicht so lange
zusammengelebt haben als die übrigen Deiner Genossen und ich, und wenn ich /
[2R]
auch jetzt noch einige Zeit von Dir entfernt seyn muß, so bin ich und höre nie auf
Dein Dich liebender Pflegevater zu seyn
Dein väterlicher Freund
Friedrich Fröbel.