Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Adolph Müller in Keilhau v. 8.12.1831 (Wartensee)


F. an Adolph Müller in Keilhau v. 8.12.1831 (Wartensee)
(BN 574, Bl 1-2, Abschrift von unbekannter Hand, 1 B 4° 2 ½ S., ed. Hoffmann 1952, 94f. Diese Abschrift ist das einzige vorhandene Manuskript und wird in Briefliste Nr. 494 irrig als "Entwurf", in Hoffmann 1952, 236 zu Nr. 54 als "Original" deklariert.)

10. An Adolph I.
Schloß Wartensee im Kanton Luzern in der
Schweiz
Am 8ten December 1831


Mein treuer Adolph.

Auch Du, mein Sohn! bist wie mir Dein lieber Brief vom 28ten
Juny sagt, wie Deine Genossen in allem weiter vorgerückt,
und ich kann mir recht gut denken, seit dem Halbenjahre welches
seit dieser Zeit nun fast schon wieder verflossen ist, nun gewiß
schon in allen [sc.: allem] weiter und weiter. Du siehest hieraus lieber Adolph
mit Ruhe, Fleiß und Ausdauer da kommt man in allen Dingen
weit auch wenn es Anfangs langsam geht und wohl viel Mühe ko-
stet. Laß darum mein Sohn! diesen ruhigen Fleiß, diese
Deine Ausdauer diese auch wohl zu Zeiten mühsame Anstren-
gung in Deinem Leben nie von Dir weichen, schon gleichsam
die Blüte[n] eines solchen Lebens sind schön und freundlich, sie
sind erst einst die Früchte. Es geht mit einem Leben das Anfangs
hart und wohl rauh und mühsam ist wie mit dem [sc.: den] besten und
ausdauerndsten Winteräpfeln und Winterbirnen: sie schei-
nen lange so hart als wollten sie sich gar nicht erweichen lassen,
aber die Ausdauer reift sie am Ende doch, und wenn es draußen
vor dem Hause stürmt und friert daß man nicht die Nasenspitze
durch das Fenster stecken mag, da wachsen diese schönen Früchte
dann aus den [sc.: dem] Tische oder Teller hervor, man meint man wäre in
einem ganz andern Lande und Manche kennen [sc.: können] es gar nicht
verstehen aber die kennen auch den Fleiß und die Ausdauer
nicht; Du aber noch überdieß schon ein alter und erfahrener Landwirth /
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und Gärtner weißt dieses schon lange. Daß Du nun als ein solcher
mit Titus Pfeifer Dein Gärtchen auf dem Kolm während des Sommers
immer in Ordnung gehabt hast, hat mich ganz besonders gefreut. Ich
wollte ich könnte Euch wenn Ihr so wackere Landwirthe und Gärtner
seyd, Flügel wachsen lassen; dann ließ ich Euch künftiges Frühjahr
wenn es anginge hierher fliegen, da gäbe es dann mehr als ein Beet
in Ordnung zu bringen und darinn zu erhalten, und zwar recht
nahe am Hause, fast näher noch als die Beete am Saalgebäude, auch in recht
schönen Formen, mit frischen Edelbux eingefaßt und die Wege mit
zarten grünen Miesch daß [sc.: , das] ist Moos (eingefaßt) bedeckt. Deiner
lieben Pflegemutter habe ich schon früher eine recht treue Zeichnung
davon geschickt. Bitte sie, daß sie Euch dieselbe zeige; gerade wie es dort steht
ist die Eintheilung und die Form der Beete und die Bäume sogar
stehn fast alle so wie sie dort angegeben sind. Da gäbe es denn auch
im Garten gar mancherlei zu pflegen; ich will Dir zuerst die Maien,
so nennt man hier alles Blumen- und Straußwerk, in der hiesigen
Volkssprache nennen welche hier im Garten wachsen. Oben
voran und allem zuvor steht sich überall breit machende Garten-
gezierik
, (so heißen hier die Mohnen) die Flueblumen (Aurikeln)
Zippet (Cypresse), Nägely (Nelken), gefüllte Ritterspörrly (gefüllte
Rittersporen) wisse Ille (weiße Lilien), rothe Ille (Feuerlilien)
blue Ille (Schwertlilien Iris). Baslär Nägeli (Levkojen)
Killiblumen (Kirschblumen, Budeminen Päonien) Resedat (Reseda) Malissä (Melisse) Salbine (Salvey [sc.: Salbey]) Baslärrossely (Pfingstrosen)
Viole (Lack) Aaschtrich (Astern) brune Stafferossa (braune Skabiosen) Fürblumeli (<Studen[ten]blumen>)
Martinrossä (Martinrosen) Rebbsen (Epheu) an den Mauern
nicht zu vergessen, auch Rossä die (Rosen) u Baldäcker Rossä (gelbe Rosen)[.]
(Gemüse[:]) der Sellrich (Sellerie), Windärbsä (Bohnen) Karrifiöl
(Blumenkohl) Ruwwä (Fruken) Peterly (Petersilien) Härdäpfel (Erdäpfel).
Der Kappis (Kraut) der Wärz (der Wirsing) Ruwwä (Kohlrüben) Kohlruwwä (Kohlrabie) Randäch (rothe Rüben)[.] /
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Gesträuche: Sankt Johannestruwwely (Johannisbeere) Grußelbeere
(Stachelbeere) Immbeere (Himmbeere), Wintruwä (Weinrebe)
Winräbbä (Weintraube).
Fruchtbäume[:] Baringely (Apricosen) Kriesybaum (Kirschbaum), Pflume ZuckerPflume (Zwetschen)
(Pflaumen) Byribäum, Christianbyri, Zitronbyri Prutebonen (Birnbaum) Pfirsäch (Pfirsich), Granatäch, Karpentler (Rein<klode> [sc.: Reineclaude = Reneklode])[.]
Du siehest, lieber Adolph, vieles gäbe es da schon in den kleinen
Gärtchen nächst dem Hause, Schloß wie es hier heißt und inner-
halb der Ringmauern desselben zu pflegen; aber außer den
[sc.: außerhalb der] Ringmauern gäbe es auch noch gar manches zu bauen; doch freylich
einem Gehülfen der Keilhauer Land- und Gartenpfleger dem
würde es gewiß für alles dieß nicht bange seyn.
Nun lebe recht wohl. Übe Deine Kraft, bilde Deinen Geist wo
und wie Du Gelegenheit hast.- Gott sey mit Dir, behüte und
stärke Dich; dieß ist der Wunsch
Deines aufrichtigen Pflegevaters

         Friedrich Fröbel.