Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Adolph Schepß in Keilhau v. 8.12.1831 (Wartensee)


F. an Adolph Schepß in Keilhau v. 8.12.1831 (Wartensee)
(KN 32,6, Brieforiginal 1 B fol 2 S., ed. Hoffmann 1952, 101-103)

13. An Adolph 2.
      Schloß Wartensee am Sempachersee im Kanton Luzern in der
         Schweiz am 8en September 1831.


Mein alter lieber Adolph.

Du hast mir durch Deinen lieben Brief worinn Du mir schreibst,
daß Du Dein Figurenbuch welches nicht schön eingetragen war noch einmal
abzeichnest, große Freude gemacht. Ja, mein Sohn! man muß seine Sachen immer
besser zu machen suchen, und sich die Mühe nicht verdrießen lassen, sie, wenn sie
nicht gleich das erste mal gelingen, das zweyte mal zu wiederholen und auch wohl,
wenn etwas was man gern darstellen mögte, gar zu schwer ist zum dritten
mal, zuletzt wird die Sache doch so wie wir wünschen daß sie seyn möchte; denn
Übung macht den Meister und daß mein Adolph gern ein Meister in all seinen
Sachen vorzüglich aber im Zeichnen und Mahlen werden mögte, nun das weiß
ich ja schon lang.
Von Deinen Figuren hast Du mir diejenige gezeichnet und geschickt, welche Dir
die liebste ist; mir war dieß ein Zeichen Deiner Liebe zu mir, und ich danke Dir
deßhalb noch besonders für diese Deine Wahl. Auch ich schicke Dir gern das liebste
von dem was um mich ist und von dem ich zugleich wüßte, daß es auch Dir das
liebste seyn würde, wenn es nur so leicht auszuführen möglich wäre.
Viel Vergnügen hat es mir besonders gemacht in Deinem Briefe zu lesen, daß
auf Deinem Beete alles recht schön und groß war. Wenn ich nun später hier in
Wartensee Deinen Brief wieder zur Hand nahm und las, da habe ich denn gar
oft gedacht, wenn mein alter Adolph hier wäre, er fände für seine wirthschaft-
liche Thätigkeit hier wacker zu thun: für den Gärtner Adolph liegt der Garten
dicht am Hause, zwischen den Beeten und dem Hause nur ein mäßig breiter
Weg, ohngefähr so breit als der Mittelweg im langen Garten in Keilhau; der
Garten schön eben, wenn auch durch eine niedrige Terrasse, nach dem See zu in zwey
ungleich große Theile getheilt; die Beete schön geformt mit Edelbuchs, oder
Zwergbuchsbaum eingefaßt, besonders des oberen und größeren Theils unmittel-
bar vor dem Hause; (:Deine liebe Pflegemutter kann Dir eine Zeichnung davon
zeigen:) das Wasser zum begießen nahe und fließend, ein Brunnen. Und
für den rüstigen Landwirth Adolph außer der, Ringmauer, - die zwar von innen
nicht hoch ist, nur abwechselnd hüfthoch und mannhoch, aber von außen desto
höher, (wie Du dieß und die Form wohl auf der Zeichnung sehen kannst:) - Feld und
Wiese, Obstbäume auch Wald; und wenn auch alles zusammen nur ein kleiner
Raum doch lustig zu bebauen, so schlingt sich z.B. der Wassergraben wie
ein Zickzackweg an dem kleinen Schloßhügel hin. In der Mitte dieses kleinen Land- u.
Feldraumes außer der Ringmauer liegt unter dem Schloßhügel die kleine Scheuer
in welcher wie in Keilhau auch der Stall für 2 Stück Rind ist.
Da mir Dein lieber Namensbruder und Mitgenosse, so viel Schönes von seinem /
[1R]
Gärtchen am Kolm geschrieben hat, so habe auch ich ihm alles zu schreiben gesucht,
was in dem Garten hier wächst, namentlich aber dasjenige was eigenthümliche
Schweizernamen hat. Wenn Du also gern den hiesigen Garten seinen Gewächsen
nach kennen lernen willst, so bitte Deinen Namens Bruder, daß er Dir seinen
Brief verlieset, oder Dir ihn zum Selbstlesen leihet. Da wirst Du denn sehen, daß
Du, um ihn zu pflegen, um ihn gut und tüchtig zu pflegen, die Behandlung und
Pflege der Gemüße, Kräuter, Blumen, Sträucher und Obstbäume verstehen mußt,
und für den Raum außer der Ringmauer auch von den Feld- und Ackergewächsen[.]
Nun, wenn Du wie ich höre noch immer Lust hast ein Gärtner und Landwirth
zu werden, - was wohl etwas so gar Schönes ist, daß ich oft selbst wünschte es
zu seyn - so wirst Du gewiß auch nicht die Mühe scheuen das, was Du gern
werden willst, auch tüchtig zu werden. Verstehst Du dann einmal alles recht
wohl und hast Neigung zu reisen und die Schweiz zu sehen, so kommst Du,
wenn es Dir erlaubt wird nach Wartensee und machst, daß die munteren War-
tenseeer dann nicht nur gutes, saftiges Gemüße zur Speise, sondern auch süßes
wohlschmeckendes Obst zur Erfrischung und schöne, duftende Blumen zu ihrem
Vergnügen bekommen. I! nun weiß ich selbst erst, warum ich wohl wäre
ich noch ein Sohn vom Hause gern ein Gärtner und Landwirth geworden wäre:
Die Mutter hat es gern wenn es ihr nie an guten Gemüßen für die Küche
fehlt, der Vater gern wenn es gute reife, edle Früchte giebt, und die Geschwister und
Schwestern freuen sich der schönen, schmückenden Blumen, so hat denn jedes im Hause
den Bruder Gärtner gern, so gern wie auch Dich alle in Keilhau haben. Aber
auch für den Menschen selbst ist es etwas sehr Erfreuliches um die Gärtnerey
und den Landbau denn man hat fast durch nichts so sichere Gelegenheit den
Menschen froh und zufrieden zu machen, froh und zufrieden zu erhalten und selbst
froh, zufrieden und heiter zu seyn als durch diese beyden Lebensberufe, eigentlich ein
innig einer. Und - Frohsinn und Freude sind ja die Mutter alles Guten und
gut soll ja immer der Mensch seyn und andere gut zu machen sich bemühen, so und
darum ist denn auch Garten- und Landbau des fast der Mittelpunkt des, dem Men-
schen wünschenswerthesten Lebens und Wirkens.
Schreibst Du bald an Deinen lieben Oheim und Deine schätzbare Tante nach
Königsee, so grüße sie auf das herzlichste von mir. Sage Ihnen [sc.: ihnen], daß es mir
mit meinem neubegonnenen Werke bis jetzt sehr gut ging, daß ich sehr
oft besonders hier in der Schweiz, in diesen schönen Umgebungen, ihrer gedächte.
Sie möchten Dich noch einmal in Keilhau besuchen dann wolltest Du ihnen alles
zeigen, die großen erhabenen Berge und die schönen klaren Seen. Ich selbst hätte
schon längst gern einmal an sie geschrieben, wonach ich wirklich Verlangen trüge,
denn ich würde durch eine kleine Sammlung von vorzüglichen Aussprüchen die ich zu-
fällig von Deiner Frau Tante mit hier hätte an Königsee erinnert; auch sonst
noch durch meine Schuld; allein ich konnte noch gar keine Freyzeit dazu gewinnen.
Um der Kürze willen, brauchst Du diese Stelle nur abzuschreiben.
Nun lebe recht wohl und erfreue bald wieder mit einem Briefchen
Deinen Dich aufrichtig lieben[den] Pflegevater
Friedrich Fröbel. /
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[leer] /
[2R]
[Adressat:]
13.
An
         Adolph Schepß,
Zögling in Keilhau.