Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Alexander und Heinrich Bran in Keilhau v. 9.12.1831 (Wartensee)


F. an Alexander und Heinrich Bran in Keilhau v. 9.12.1831 (Wartensee)
(BN 392, Bl 3-4, Brieforiginal 1 B fol 4 S., ed. Hoffmann 1952, 118f.)

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An die Brüder Alexander u. Heinrich.
Schloß Wartensee am Sempacher See
im Canton Luzern in der Schweitz am 9en 12
1831


Mein lieber Alexander und Heinrich

Auch wir drei kennen uns noch nicht persön-
lich und doch haben wir alle drei schon ge-
meinsames genug im Leben, welches mich
wohl veranlaßen kann auch euch Euch,
meine lieben Söhne! in einem kleinen Briefe
meine liebenden Gesinnungen gegen euch [sc.: Euch] aus-
zusprechen. Ihr habt beide früh Euern lieben
Vater durch den Tod verlohren. Auch ich ha-
be, da ich noch ein ganz kleiner Knabe
war, einen gleichen Verlust gehabt, /
[3R]
den meiner lieben Mutter; und lange
lange, war es mir ein harter, drückender Verlust.
Doch mit den Jahren der kommenden Einsicht,
in Euren Jahren fand ich daß der Tod, sich gegen-
seitig liebender und achtender Eltern und Kinder,
eigentlich gar nicht trennen könne, ja, daß der
Geist der Abgeschiedenen in unserem und durch
unser Andenken an sie, uns gleichsam im
Leben begleite und uns führe. Da wurden
denn nun auch die Handlungen, wie die Ge-
danken und Empfindungen ernst, sinnend,
innerlicher, und aus dießem Ernste und ge-
weckten Nachdenken im Leben, aus dieser
Pflege der Liebe und Hochachtung im Ge-
müthe, im Herzen, keimten und blüheten dem
Leben viele herrliche Gewächse, tausend schöne Blühten /
[4]
derselben dufteten im Leben, und viele süße
Früchte davon reiften; denn der Geist der Ab-
geschiedenen ging, im Andenken und durchs
Andenken an sie immer wie ein Schutz[-] und
Friedensgeist zur Seite. So möge denn auch
der Geist Eures lieben, äußerlich schon von euch [sc.: Euch]
geschiedenen Vaters, in und durch euer [sc.: Euer] kind-
liches Andenken an denselben [Euch] immer schützend
und pflegend zur Seite gehen, Ihr werdet so
den äußerlich erlittenen Verlust reichlich in
Euerm Leben in euch [sc.: Euch] ersetzt bekommen, und so
werdet Ihr denn auch besonders und nament-
lich Euern Aufenthalt in Keilhau zu Eurem
wahren Wohle und Heile benutzen und
er wird sodann für Euch und Euer ganzes
Leben bleibend seegensreich seyn dieß
wünscht auch von Euch unbekannt, doch mit /
[4R]
wahrer Liebe euch [sc.: Euch] zugewandt,
Euer auch in der Ferne für Euch sor-
gender Pflegevater
Friedrich Fröbel.