Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 17.12.1831 (Wartensee)


F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 17.12.1831 (Wartensee)
(KN 32,20 Brieforiginal 3 B 4° 11 S., Auszug ed. Hoffmann 1952, 70-71)

1.[Bogen]
       Wartensee am 17en Decbr 1831.


An die Keilhauer Gemeinsamheit


Meine Lieben.

Da die Zeit zum Abgang der Post sich nahet und ich so durch die Eile der Zeit et-
was getrieben werde, daß ich nicht den Brief an Euch als ein Ganzes in mir
tragen und fest halten kann, so lasset mich wie früher schon einmal die ein-
zelnen Gedanken wie Stein abgerissen und getrennt an einander reihen die durch
nichts äußeren Zusammenhang haben als den der fortlaufenden Zahl. Also
1.Der Eifer mit den Ihr insgesammt die Rechtfertigung des Ganzen, oder
wie Ihr es sonst für Euch selbst bezeichnen wollet oder wohl schon bezeichnet
habt, hat mich um Eurer selbst willen gefreut ob Ihr Euch gleich sehr bald
überzeugen werdet, daß wie ich schon früher aussprach, wie weder Ihr noch
Keilhau so auch weder ich, weder für mich noch für mein hiesiges Unternehmen
der kleinsten dieser Schritte bedürfte, denn ich kann Euch mein Verhältniß
in welchem ich hier zu der Umgegend und im ganzen Canton - natürlich nur
in so weit als es mir bekannt wird – stehe nicht anders und nicht ein-
facher bezeichnen, als daß mir Achtung und Zutrauen so wohl als Per-
son als in Rücksicht auf meinen Beruf mir überall entgegen kommt.
Ihr wißt wie, wenn man Metall schmilzt und es dann auf einer Fläche
ausgießet wie dann alle Schlakken absinken und ein so reines glänzen-
des Ganze erscheint; Ein solches Metallschmelzen scheint den Menschen
der Aufsatz in der App: Ztg zu seyn. Wie sich nun der Metall schmel-
zende Knabe über den klaren hellen Kern freut, so ist es als freuten
sich nun die Menschen hier erst recht über mein Erscheinen u. s. w weil
sie dadurch nur den eigentlich wahren gediegenen klaren Kern zu sehen [bekamen.] /
[1R]
Ihr werdet aus den gesammt[en] Anlagen den jetzigen Stand der sog: Wartenseeer Schule
sehen, ich will mich hüten etwas zweymal zu schreiben; und ob also gleich
hiernach auf jeden Unterrichtstag welchen wir seit den drey Wochen
wirklich gehalten haben ein eingetretener Schüler und oder Schülerin kommt, so
würde die Schule doch noch mehrere zählen besonders auch von jüngerem
Alter, allein jetzt war ich halt wieder aus Gründen, die ich gar nicht erwäh-
nen mag, weil sie mir an’s Herz greifen, genöthigt die Entwicklung zu
verlangsamen. Ich kenne wohl das Wirken des Geistes und die Gesetze
seines Wirkens allein die Menschen wollen beydes nun einmal nicht
verstehen. Nun es mag seyn, ich habe nichts dagegen, ich weiß schon dass
die Steine erst zerfallen müssen ehe sie Pflanzen werden können und
so auch die Steinnaturen der Menschen erst zermalmt werden müssen
ehe [sie] den Geist fassen; allein ich würde mich doch freuen wenn, so ge-
wissen Zeugniß ausstellenden [Personen] (keinesweges meine ich etwa d. HE. G. J. R.
Martin
dieser steht auf einer ganz andern Stufe) gelegentlich fühlbar
wenigstens hörbar gemacht würde, daß Wartensee ihres Zeugnisses
nicht bedurfte um von seinem Stifter gestiftet zu werden, deßhalb
hat es mich ich leugne das gar nicht, ja ich bin stolz darauf aufs höchste
gefreuet daß ich ohne Vorbringen und Darlegen eines papieren[en]
Zeugnisses, d.h. ohne irgend ein anderes Zeugniß als meiner Leistung
in Luzern diesen Sommer aufgetreten bin. Ein ächter und wahrer Men-
schenerzieher muß schon Zeugniß von sich selbst ablegen können und zwar
in der Mitte und umgeben von lauter Entgegnungen, wie ich den[n] hier
nur von lauter Entgegnungen umgeben bin, und noch über dieß ganz
allein stehend, wie ich denn gerad in den Tagen des heftigsten
Kampfes hier so ganz allein war, daß nicht einmal Hern Schnyders
Schwägerin hier sondern in Luzern auf Besuch war.
Ob ich nun gleich um Zutrauen zu erwecken – oder um Schnyders /
[2]
wörtlich an mich ausgesprochenen Forderung: zu genügen “gewinnen Sie
nur die Herzen der Menschen” zu genügen keines papieren[en] oder äußern
Zeugnisses bedarf, so würde es mich doch um deren willen, welche mir
hier nun schon Zutrauen geschenkt haben, freuen wenn die von Euch mir
angekündigten Zeugnisse nicht halb, sondern ganz sind, da mit diesen
Leuten die Freude werde ihr – durch die Forderung ihres Gemüthes und des
Lebens - frey geschenktes Zutrauen auch von andern Seiten her noch ge-
rechtfertigt zu sehen, ob sie es gleich auch nicht bedürfen, denn die Thatsache
spricht auch bey ihnen hinlänglich genug.
Also um alles dieses willen ist es mir sehr lieb, daß die Entwick-
lung Wartensees schon steht wie sie steht ehe noch die von Euch an-
gekündigten Zeugnisse hier eingetroffen sind, ja daß diese Darlegung
des jetzigen Entwicklungsstandes von Wartensee, von hier schon
früher an Euch abgefertigt worden und zur Post gegeben sind ehe wir
Eure Sendung und somit die Zeugnisse empfangen haben.
2. Recht sehr wünsche ich Euch um Eurer selbst willen zu richtiger
Auffassung des Entwicklungsganges des Ganzen, daß Ihr frey das reine
geistige Wirken ins Auge faßt ganz unabhängig von den von der Will-
kür der Menschen abhangenden Eingreifens und Mitwirkens; denn so
recht es mir z. B. ist daß Ferdinand jetzt hier ist, so war schon mein
Plan in mir gemacht und alles geordnet, eben so wie es jetzt in <Gewinn>
mit Ferdinand geschieht, das Ganze ganz allein aus- und durchzu-
führen; und ich mache jetzt täglich mehr die Erfahrung; wie es durch die
Vertheilung des Unterrichtes mir möglich geworden wäre, wirklich
mein Vorhaben ganz allein durchzuführen, wenn auch Ferdinand durch
irgend etwas abgehalten worden wäre nicht zu kommen. Nun es mag
wohl gut seyn, daß er da ist, weil er da ist. Aber ich freue mich innig
der klaren Sach- und Thatansicht, daß mein Lebenszweck u Lebensziel /
[2R]
unabhängig von äußerlichen, addizionellen Hinzukommen durchzuführen
und zu erreichen ist, und die reinsten menschlichen Gesinnungen, die der Mensch
doch so selten zu würdigen versteht und darum entweder Gutmüthi[g]keit
oder Schwäche oder wer mag noch wissen wie alles noch nennen mag, diese
Gesinnungen sollen mich nicht mehr verleiten, jenem Bewußtseyn durch
leise Abweichung zu nahe zu treten. Es ist wahr, und dieses Wahre wiegt
so schwer als ein ganzes Menschenleben - ich konnte früher den Gedanken
Mensch, und Mensch-seyn gar nicht denken und ertragen ohne in inniger
Einigung und Gemeinsamheit mit dem Umkreisgedanken, daß alle Menschen
seyn mögten; doch Menschseyn (: Essen und Trinken und keine Lebens Sorgen zu
haben und bürgerlichen Werth ja Achtung zu haben u.s.w. heißt noch lange
nicht Mensch seyn :) ist für die Menschheit viel zu wichtig, als daß auch
das: Es nicht "seyn" wollen der andern länger abhalten sollte, es
wenigstens für mich und durch mich zu seyn, als daß also dieses:
Nicht-Mensch-seyn-wollen der Andern mich länger mich länger [2x] her-
nieder ziehen sollte.
Wollt Ihr mich im Vorigen verstehen fas[s]t nur scharf u rein meine
jetzige Stellung ins Auge: - Ganz allein, ja gerad in dem höchsten Krieg
in dem alles vernichtendsten Angriffe von Außen - nur einzig in meinen
vier Mauern, ein Protestant [zu sein], ja sogar ein Lutheraner in einem rein
katholischen Lande, auftretend nicht allein als Lehrer mit einer neuen
Schul sondern als Erzieher ohne die leiseste äußere Stütze (: denn wer würde
mich halten wollen könnte ich mich nicht selbst halten, denn ich weiß
die Sprache zu unterscheiden und die Gesinnung die man hegt u führt gegen
die Sache u den Mann der fest in u auf sich steht u gegen den von dem man
glaubt er könne sich nicht selbst halten :) und achtungsvoll und ge-
achtet von dem gesunden Menschenverstande wie von dem durchbilde-
ten philosophischen Geiste :(wie gestern ein Pfarrer zu mir sagte: auch /
[3]
2.[Bogen] wir erkennen die Wichtigkeit der tiefsten, u reinen philosophischen Wahr-
heiten an), - da stehend (: Wie ein Bauer, von welchem Ferdinand mehr
schreibt, mir sagte ein Herr von der Regierung in Luzern habe ihm auf die Frage:
-"sagen Sie mir doch wie ist denn das draußen in Wartensee man hört so
viel dafür u dawider, was ist denn nur an der Sache ?["] – geantwortet
es sind wackere brave Männer, wenn ihr Erziehung für Eure Kinder oder
sonst für Bekannte sucht könnt ihr sie ihnen mit Zutrauen übergeben,
wie mir denn auch dieser Mann wirklich seinen Sohn, den Melchior
Bühlmann überbrachte :) Also so geachtet steht das Wirken in dieser
kurzen Zeit da und ohne alle äußere Stütze u Verbindung nur durch u in
den Geist in welchem sie gedacht, unternommen und mit welchem sie
fortgeführt wird. Und ich bitte und ich suche nicht, ich gehe fast zu Niemand.
Doch was unternehme ich auf dem kleinen Raum und in der kurzen Zeit die
dem Schreiben eines Briefes gewidmet seyn kann viel darüber zu schreiben.
Ein Buch könnte ich darüber schreiben 10mal größer als alles was schon von
mir gedruckt worden ist. So viel ist gewiß daß diese meine Stellung
wie dieß mein Unternehmen bis jetzt einzig in der Geschichte dasteht: -
Ein sogen: protestantischer Lehrer nur umgeben von katholischen Schülern
mit ihnen seine Morgengebete sprechend wie mit den Seinen, (worüber
der oben erwähnte HErr Pfarrer mir gestern sagte: "allgemeine Erholung
des Herzens u Geistes ist wohlthätig." :) Ich möchte wohl wissen ob die welche
mich ewig mit ihrer äußeren Welt- und Lebensansicht u ihrer Klugheit
hofmeisterten dieß aus- und durchzuführen im Stande wären; aber
äußere Klugheit thut es nicht sondern die innere Erfassung des Lebens, des
Geistes des Lebens und die Treue gegen diesen Geist, diesen GottesGeist.
Aber ich habe nun auch die freudige Zuversicht, daß endlich einmal
Keilhau auch seine Stellung und namentlich auch sein Verhältniß
zu dem hiesigen Unternehmen versteht und diesem Verhältniß getreu /
[3R]
lebt: Keilhau muß Leben geben und That zeigen; Keilhau muß ein klarer
See, ein klarer ruhig fließender Fluß, ein klarer Spiegel seyn, was
die umgebende Natur, was jedem der hineinschaut sich selbst geklärt
und verschönt zurück giebt. Meinungsäußerung muß Keilhau
fremd seyn, aber einfaches Aussprechen wissenschaftl[icher] – mathematischer – sprach-
licher – naturhistorischer – u Lebens Thatsachen, denn: - Meinung
trennt, das Leben einzig eint. Newton sagte: gebt mir einen Punkt außer der Welt
und ich bewege die {Welt / Erde [}]. Bewegung ist aber überall gut, Bewegung des
Wassers giebt frischen Trunk; Bewegung der Luft reines Athmen, Bewegung
des Pendels giebt richtige Zeit und richtigen Ort, also auch weltgesetzliche
Bewegung des Lebens, oder Lebensgesetzliche Bewegung des Lebens
giebt frisches, reines, gesundes, richtiges Leben. Nun haben aber schon
zwey Menschen, wie mir bekannt geworden ist, gesagt: Keilhau liege
außer der Welt (Leop: Teske u die Frau pp. Martin) Keilhau wäre also
hiernach der Punkt um die Welt, d.h. die Menschen zu bewegen d.i. zu
erheben d.i. zu veredeln u. s. w. aber nicht das äußere Keilhau, sondern
das innere Keilhau d.h. die Gesinnungen, das Gemüth der Keilhauer;
daß aber Keilhau denn, in dem Gemüthe ist – außer der Welt, daß aber
Keilhau nur als aus dem Gemüthe, aus meinem Gemüthe entsprungen, auch
nur in dem Gemüthe, in meinem Gemüthe seinen Grund und sein Bestehen
habe, auch wenn ich noch 2 und 10mal und 100mal so weit von Keilhau
entfernt wäre als ich bin, und wenn ich ganz und gar nicht mehr wäre
daß vor den Keilhauern zum Theil so handgreiflich es ihnen hätte seyn können
doch so schwer begreiflich und ist wie ich weiß noch jetzt manchen schwer,
vielleicht gar nicht einsichtig, aber versucht es und verläugnet den Geist
in welchem Keilhau gefühlt und empfunden, Keilhau gedacht und gestiftet
und begründet ist und Ihr kommt in die Welt , das h. Keilhau als Keil-
hau geht unter. Ehe ich weiter gehe will ich nur sagen, daß ich durch zu /
[4]
alle diesem durch verschiedene leicht hingeworfene Äußerungen Ferdinands
veranlasset werde namentlich durch eine Stelle in seinem jetzigen Briefe
nach Keilhau ich meine die welche unmittelbar vor “dem 14 Dec” steht.
Ich bedarf Keilhau zu meinem Bestehen ganz und gar nicht, wenn ich Keil-
hau zu meinem Bestehen brauche, d.h. in Anspruch nehme oder genommen ha-
be so habe ich es nur um des fröhlichern und sichern Bestehen Keilhaus
willen gethan. Ich trage Keilhau in mir und kann es entstehen machen
wo ich erscheine, das habe ich jetzt in Frankfurt bewiesen und werde es
hier in Wartensee beweisen, aber Keilhau bedarf meiner, d.h. der
inneren klareren Erkennung, Erfassung und sicheren reineren Darlebung
der Gesinnungen in welchen es entstanden ist. Ich weiß gar nicht worin
das Pochen dieser Menschen auf ihre Erfahrung, ihre Einsicht, ihr Besserwissen
und alles dieß {seinen / ihren [}] Grund hat; hat es denn in etwas anderm seinen
Grund als in einem Leben, welches hervorzurufen ich Gott- u Menschheits-
ja Welten- oder Naturvertrauen, oder Geschichtsvertrauen genug
hatte, und nun geiselt man ewig dieses Gemüth welches erst ein mensch-
liches Leben gebar, daß man über menschliches Leben als Thatsache
urtheilen kann. Es ist nichts häßlicher ich möchte sagen entehrender als
den Vater verleugnen der uns erzeugt u der Mutter spotten die uns
geboren hat, was lästert man den[n] ewig den Geist welcher Keilhau er-
zeugte und [{] die Mutter die / das Gemüthe welches} Keilhau geboren hat; ist nicht Leben und Da-
seyn schon Himmelsgeschenk u Himmelsgabe
genug[?] Wahrlich ich möchte der ewig meisternden Klugheit der Keilhauer
mit dem betrunkenen <Ziehrer> zu rufen: Wer hat Keilhau klug gemacht [?]
Ihr dürft nicht etwa meinen daß ich dieß in einer übeln Stimmung oder
übeln Laune oder großer Heftigkeit oder Unfreundlichkeit niederge-
schrieben habe, nein in der größten Freyheit u Freudigkeit mit dem
Ferdinand der gegen übersitzt lustig über lustige Sachen redend,
denn solche Überzeugungen wie ich sie hier aussprach kommen gegen Perso-
nen nie mehr über meine Lippen, denn während dem ich vorstehendes
niederschrieb habe ich mehrmals inne gehalten und mich gefragt: sollst /
[4R]
du auch mit diesem zu schreiben fortfahren, und sagte mir: weil es in dir
lebt sollst du es auch aussprechen damit sie sehen wie es in einem
menschlichen und männlichen Gemüthe mit deinen Gesinnungen Wollen und
Streben aussieht. Von dem was ich sagte ruht nichts auf der Person
denn ich weiß jetzt was kommen muß wie und wo es kommen muß; durch
wen es nun kommen muß hat auch seine Gesetze daß ich deßhalb über
Niemand zürne; ich kann den wahrhaft freyen selbstständigen Menschen
von dem unterscheiden welcher nach den Bedingungen der Naturgesetze als
unbewußt unterliegt und was so vom Menschen ausgeht welcher nach den
Naturgesetzen nur gehorcht kann mich nicht schmerzen.
Daß ich nicht Ursache habe mit Personen wie sie heißen mögen unzufrieden
zu seyn will ich Euch gleich beweisen; denn wenn Ihr nachgehen wollt wer-
det Ihr finden daß in Beziehung auf die Ausführung meines Erziehenden
Zweckes ich ewig bleibend an Naturen durchs Leben geknüpft worden bin
welche in der größten Opposition mit meinem Innern standen; ich er-
wähnte schon im vorigen Briefe einmal mein Kommen in die Schweiz und in
ein ganz katholisches Land; so ist es unzählig oft und jetzt mit dem
Kommen Ferdinands hierher wieder: ich kenne jetzt unter allen Personen
welche hierher hätten kommen können fast keine welche mit meiner tiefsten
Überzeugung, im Handeln und Leben in einer größern Opposition steht
als Ferdinand; allein wir leben fröhlich frisch und zufrieden neben ein-
ander denn ich kenne nun einmal das große Gesetz meines Lebens, darum
wünsche ich keines weges daß von meinen vorstehenden Äußerungen
auf und zu Ferdinand eine Rückwirkung komme, er würde sie auch schwer-
lich verstehen da ich mich, weil es ja nichts besser, aber alles schlimmer macht
wohl hüte den Kampf des Gemüthes und des innern Lebens als einen äußern
Lebenskampf erscheinen zu lassen.
3. Meine Antwort auf Schnyders Brief vom 6 -10 Nov. , welche
hierbey folgt, wird Euch auch noch zur Aufklärung des Vorstehenden
dienen, wenn Ihr einer weitern Aufklärung noch bedürfet. - Ich habe
gar nichts dagegen wenn ihr diesen Brief in Abschrift an dHE. Gen.[SuperIntendent] /
[5]
3.[Bogen] Zeh in Rudolstadt und den HE. J. R. Martin in Jena mitgetheilt wird [sc.: mittheilt]. Doch
überlasse ich es auch Eurem Ermessen wenn Ihr es auch nur theilweise
thun wollt.
4. Die Antwort, d.h. die vorläufige Antwort Schnyders darauf folgt
auch mit und liegt in dem 7en Bogen. Die versprochene ausführliche Ant-
wort habe ich noch nicht bekommen.
5. Auch folgen noch einige von der v. Holzhausenschen Familie erhaltenen
Briefe 2 von Legationsrath Adolph v.H. und einer von dessen Mutter
C. v.H. in Abschrift mit weil es vielleicht lieb seyn kann mit dem Fort-
leben mit dieser Familie stets bekannt zu seyn.
6. Gern hätte ich Euch auch meine Erwiederung auf den App: Aufsatz
in Abschrift mitgetheilt, doch wie dieses vor Ostern mir möglich werden
kann, sehe ich jetzt nicht ein da meine Zeit so gar sehr in Anspruch genommen
ist.
7. Noch bey weitem lieber hätte ich all meinen lieben Söhnen auf ihre
lieben Söhne [sc.: Briefe] geantwortet, doch so viel ich mir Mühe gab mit dem Ab-
schreiben der Briefe fertig zu werden - entworfen sind sie an alle -
so war es mir doch nicht möglich sie zu beendigen weil ich erst gewöhnlich
Abend[s] 6 Uhr an das Abschreiben kommen konnte, und da erweiterte
sich mancher auch noch, so wie eigentlich alle über meinen Vorsatz und
mein Erwarten und abbrechen möchte ich doch nichts, sondern ich
ließ gern alles so stehen wie es in mir hervorgerufen wurde.
8. Zwölf Briefe sind also sonach nur fertig geworden; die Briefe
an Adolp[h] Schepß, Felix, Titus, Johannes, Albert, Theodor u die Gebrüder
Bran sollen mit nächstem folgen. Sie mögten mir es ja nicht übel
deuten es hätte aber außer meiner Macht gelegen da ich die Briefe
der andern nicht willkührlich hätte beschneiden mögen.
9. Übrigens meine ich so daß diese Briefe alle, obgleich jeder
einzelne nur an diese Person geschrieben ist - ein Gemeingut werden /
[5R]
zumal da ich glaube und wünsche, daß durch das laute Vorlesen der
Briefe den Kindern ein größeres Verständniß derselben komme, als
durch das leise für sich lesen.
10. Sollten die Briefe vorgelesen werden, so würde es zweckmäßig seyn
sie in der Folge zu lesen wie sie geschrieben worden sind; diese Folge
geben die beygesetzten Ziffern an. Der Brief an alle war der erste.
11. lch habe unmöglich Zeit gehabt einen der mitfolgenden 13 Briefe
(den an alle eingeschlossen) nochmals durchzulesen; demjenigen welcher
sie daher einmal ruhig durchlesen kann z. B. Middendorff übertrage ich die
etwa nöthigen Verbesserungen.
12. Lieb wird mir seyn, von wem es auch sey [zu erfahren], ob die Briefe den Kindern
lieb und verständlich waren und welcher am meisten.
13. Die Briefe bitte ich den Kindern zusammengeschlagen zu übergeben.
14. Die eine mitfolgende Zeichnung von Wartensee hat Ferdinand nach
Trakendorf bestimmt.
15. Leider ist die zweyte Ansicht von Wartensee, welche ich in einem der
Briefe erwähnte und die ich so gern mitgeschickt hätte in der Lithogra-
phischen Anstalt in Luzern noch nicht fertig geworden. Um also den
Mangel zu ersetzen lege ich das Panorama der Rigi[-]Aussicht bey.
Ihr habt, dieß freut mich insgesammt dadurch gewonnen, denn so können
alle nun einen klaren Begriff von der Schweizer Bergwelt bekommen.
In den Festtagen kann ja auch vielleicht die Erklärung allgemein vorge-
lesen werden; wenn sie dazu, wie ich eben sehe nicht zu wenig geeignet
gefunden werden sollte.
16. Die ersten Schüler der hiesigen Erz. Anst. die Ihr durch Schrift u Wort ein
Wenig in der Anlage gezeichnet findet sind in der Ordnung eingetreten wie
die beystehenden Ziffern andeuten. Bitte, die Blätter in ihr Haus zu legen.
17. Wie kommt es nur daß Ferdinand seine Wäsche und so auch ich die meine /
[6]
noch nicht bekommen habe ? bin ich vielleicht durch eine Äußerung in einem
meiner früheren Briefe selbst daran schuld ? - Nun gut so bitte ich
mir nun das Erbetene zu schicken.
18. Von einer Antwort des Appenzellers auf meine Aufforderung ist mir
noch nichts bekannt worden.
19. Herzliche Grüße an alle, sonst noch Briefe zu schreiben war mir nicht
möglich. Gott geleite Euch alle mit seinem Seegen aus dem alten
in das neue Jahr u lasse Euch im neuen Jahre die Früchte der Anstrengung
des alten Jahres ärnten.
20. Dich meine liebe Frau grüße ich vor allem. Ist es möglich so
empfängst Du in 8 bis 14 Tagen Briefe von mir nach Berlin, wenn näm-
lich bis dahin <ich> mit den noch zu schreibenden Briefen u der Lithograph mit
der Zeichnung fertig wird. Sage der lieben Mutter u Tante zunächst von mir alles
was ein liebender Sohn seinen verehrten Müttern in meiner Stellung nur
immer Erfreuliches sagen kann. Du hast ja durch diese Mittheilung nun
Stoff genug zu einem, für sie freudigen Briefe.
21. Auch in Remda, Eichfeld, Rudolstadt, Königsee gelegentlich von
mir viele Grüße.
22[.] Lebt wohl es ist schon wieder gleich 3 Uhr [nach] Mitternacht. Bisher
die gewöhnliche Zeit meines Schlafengehens. Aber jetzt habe ich noch
die Rolle zu packen.
Mit Liebe und Treue Euer aller

FrFr.