Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Keilhau v. <29./30.>12.1831 (Wartensee)


F. an Heinrich Langethal in Keilhau v. <29./30.>12.1831 (Wartensee)
(KN 32, 23, Brieforiginal 2 B 4° 7 S. Das im Brief angesprochene Schreiben F.s an Middendorff als Teil des Briefzyklus ist nicht erhalten geblieben, war aber nach Nr. 29 (Barop/Emilie) und vor Nr. 32 (an Wilhelmine), aber nach dem vorliegenden Brief (= Nr. 30) als Nr. 31 geschrieben worden . Der vorliegende Brief ist also später als die Briefe an Elise und an J. Barop/Emilie entstanden., also eher am 30.12.)

Geschrieben aus dem Burgschloß Warthensee im Lande der Schweizer Eidgenossensch[a]ft
in den letzten Tagen des Wintermonats 1831.·.


Lieber, treuer Langethal

Meine mir vorgesetzte Aufgabe Euch Allen – dem ganzen lieben Keilhauer
Ein auf die mir im Juny ds. J. nach Frankfurt a/M geschickten lieben Briefe, Ge-
genantworten zu schreiben nahet sich zu Ende; nur noch Du, Middendorf[f] und mein
liebes Weib sind noch übrig. Deiner lieben Frau habe ich schon früher geantwortet,
und jener Brief paßt so schön ins Ganze, daß ich ihn schwierig durch einen andern er-
setzen, wohl aber jetzt hier haben mögte um ihn in etwas besser geordneter Form
mit dem Ganzen wieder zurück zu schicken, indem er wie zu Ferdinands früheren lieben
Zeichnungen, so auch ganz besonders zu der heute wieder von Ferdinands Liebe und Fleiß
mitfolgenden Arbeit als belebendes Wort, oder vielleicht richtiger Ferdinands getreu-
e Zeichnungen zu jenem toten Wort belebend paßt. Will sich darum Deine Ernestine
die Mühe nehmen, die Beschreibung der Stube bey der Betrachtung der Bilder nochmals
zu lesen, so wird jetzt sich ihr wenigstens das Wort gestalten. –
Welche von Deinen lieben Briefen soll ich aber beantworten? – es sind deren
so viele welche Deine Sorgfalt, Liebe und Treue mir schrieb und jeder einzelne davon
bietet mir wieder so viel Stoff zur Betrachtung dar daß mir die Wahl zwischen
ihnen schwer werden wird. – Doch ich kann sie alle in einem erfassen und in der
Heraushebung dieses Grundtones sie alle in einem beantworten.
Ich freue mich der festen charaktervollen, ja heiteren klaren Person, welche
mir aus allen entgegen tritt; ich freue mich doppelt derselben da ich die Ge-
wißheit habe, daß Du jetzt durch manche Störung weniger Dich in derselben
ausbilden kannst, ja ich freue mich dreyfach, da mir aus aus dem Ganzen hervor-
geht, daß Du es benutzest.
Ich freue mich so Eurer Freude über Euer eigenes Leben, welcher ich in Euren Briefen
zu meiner Freude so oft begegne, denn nur das woran man wahre Freude hat
pflegt man mit Liebe, Hingabe ja selbst Aufopferung, darum nun freue ich [mich] /
[1R]
dieser Eurer und so vor allem auch Deiner Lebensfreude um so mehr als sie durch Auf-
nahme des Ganzen und Allgemeinen in sich erhöhet und gesteigert ist. Doch er-
laubt mir eine Bemerkung: die Freuden des eigenen Lebens werden nicht sowohl da-
durch erhöhet, daß man das allgemeine Leben in seine Empfindungen und Gedanken auf-
nimmt, sondern mit seinem Leben und durch sein Leben das Allgemeine, und mit
dem Allgemeinen sein eigenes Leben durchdringt. Diese so mehr durchlichteten und un-
persönlichen Freuden mildern scheinbar die genießenden Freuden des Gemüthes erhöhen
aber ungleich mehr die erkennenden des Geistes und die schaffenden des Handelns. Es
Wohl ist die Festhaltung {alles des Individuellen und Persönlichen gut und nothwendig, denn
es ist der Grund und die Quelle der Erfassung und Festhaltung des Allgemeinen
und des Lebens; aber nur bis auf einen bestimmten Punkt ist diese Festhaltung
gut, dieser Punkt nun ist die Erfassung, das Kennen der eigenen Persönlichkeit und
Individualität; ist dieser Punkt errungen so muß die Persönlichkeit die Individuali-
tät wieder hin- und aufgegeben werden um sie in der Allgemeinheit und Univer-
salität wieder zu finden und darinne und gleichsam durch dieselbe wieder darzu-
stellen, denn die ächte Individualität und Persönlichkeit ist eben so unendlich als die
Allgemeinheit und Universalität und bedarf dieser beyden zu ihrer Darstellungs-
form. Dieß Gesagte muß scharf ins Auge gefaßt werden denn es ist der Mark-
und Grenzstein, der Zielpunkt und der Parisapfel aller Persönlicher und individu-
eller Kämpfe um die Person und um das Individuum in Keilhau, denn es ist
eigentlich der Gegenstand des jetzigen allgemeinen Welt- und Zeitenkampfes und er tritt
augenblicklich bey jedem Individuum und jeder Person ein sobald ihr das Gefühl oder
wohl gar das Bewußtseyn kommt daß sie irgend etwas was es auch sey
tüchtig könne, tüchtig verstehe; durch alle Umfänge und Grade hindurch. – Hierin
haben nur höchst wenige im Beginne unseres gemeinsamen Zusammenwirkens mich
mich [2x] auch nur von der leisen Ahnung aus verstanden. Und der daraus entstande-
ne hartnäckige Kampf er würde gewiß noch bis diesen Augenblick und ohne Zwei-
fel in gesteigerter (Hartnäckigkeit) Heftigkeit bestehen wenn es keinem von uns
gelungen wäre sich seiner Individualität, seiner Persönlichkeit auf das vollkommen-
ste zu bemächtigen d.h. klar zu erkennen, sie klar erkannt in sich fest zu halten nemlich
sich ihrer völlig bewußt sie mit Freyheit aufzugeben um sie in der Universalität
und dem Allgemeinen wieder zu finden, sie in demselben und durch dasselbe als /
[2]
ein Unendliches am Unendlichen und im Unendlichen darzustellen.
Der Stoff, Gegenstand und Charakter des Keilhauer Individuen[-]Kampfes, und
dadurch des ganzen Lebenskampfes ist sehr leicht einzusehen, und wer das Keil-
hauer Leben nicht von diesem oder einem ähnlichen Punkte aus sieht, wird Keilhau
ewig falsch sehen so viel, vielleicht Unabsehbares er auch sehe.
Ich suchte (für das Ganze) zu einem Ganzen, zu einer Einheit, für ein Ganzes, für Einheit
Individualität, Persönlichkeit, - erkannte Individualität u Persönlichkeit, anerkannte
hielt, pflegte, hob sie, machte sie sich selbst finden, erkennen und anerkennen; - bis auf die-
sen Punkt lebten nun Individuum, Person und ich stets in Friede und in Freude; aber
so waren wir an Herkules Scheideweg gekommen und standen vor ihm, der Ka alles
von mir war darum geschehen um dadurch um durch die Individualität die Univer-
salität zu erringen, durch die Persönlichkeit die Allgemeinheit, um in der
Individualität die Universalität darzustellen um in der Persönlichkeit und durch
die Persönlichkeit die Allgemeinheit zu erfassen, verstehen darzustellen, und
umgekehrt um durch Universalität nun wieder Individualität dar zu erringen
und darzustellen durch die Allgemeinheit nun wieder Persönlichkeit zu finden
und in ihr zu gestalten und auszuprägen. Jetzt trat das Mißverständniß ein
man meinte ich habe alles genannte Individualität, Persönlichkeit Einzelnes
und s. w. um seiner selbst willen gesucht, erkannt, anerkannt, gehalten, gepflegt
gehoben, sich selbst finden, erkennen und anerkennen und darstellen gemacht –
der Kampf, der Krieg, zuerst das Mißverständniß, begann und dauerte wie
steigend hartnäckiger wie steigend heftiger fort, bis einer die Absicht den Zweck
den Geist des ganzen Krieges, Entzweyung u.s.w. verstand und durch das Verständ-
niß das Einverständniß und den Frieden brachte, d. h. bis einer durch das Indi-
viduelle das Universelle, durch das Persönliche das Allgemeine erfaßte u darstell-
te wie ich alles oben der Ordnung nach schon klar bezeichnet, wenigstens erkenn-
und auffindbar angedeutet war.
Das Loos fiel mir zu! – Es hätte ebenso leicht jedem anderen zufallen können der
sein Leben einem so vielfachen Tode sein Herz einer so vielfachen tiefen und {qual- schmerzvollen Verwundung preis gegeben, jedem der ein ewig festes Vertrauen zu Natur, Mensch-
heit und Gott in seinem Gemüthe gepflegt hätte; jeder der es gewagt hätte sich und
alles was ihm lieb, theuer und werth war aufzugeben um das Ganze, die Einheit /
[2R]
zu finden. Nicht in Keilhau brauchten die zu wohnen die mir den Preis und mein ge-
zogenes Loos hätten erringen können, sie brauchten nur von fern, wie sie es thaten
an dem Kampf Antheil zu nehmen, ich war wegen meiner Arglosigkeit durch den-
selben vielfach in ihrer Hand aber freylich, statt zu Meistern zu Klagen den Stab
zu brechen hätten sie empfinden, denken handeln auf Leben und Tod in den Kampf
ums Leben und um Leben treten müssen, sich nicht achten und das Leben selbst nicht
achten, kein Lebens- was doch eben des Kampfes Preis war; dieß wagten
sie nicht konnten es nicht wagen, denn sie hatten sich und ihr Leben nicht und was man
selbst nicht hat kann man natürlich nicht einsetzen. Mindestens wie rohe Kinder
betrugen sie sich die toben, schreyen und klagen u mehr noch und den Apfel nicht ergrei-
fen mögen welchen die Mutter ihnen hinhält; doch ich ergriff ihn, ergriff das
Rund, das in-sich-Eine, erfaßte [es] und – hielt mich.
Von dem Augenblick an als ich begann mit Bewußtseyn und Klarheit mich selbst
in eine Persönlichkeit und Individualität im Empfinden, Denken und Handeln zu er-
greifen und festzuhalten da begann für das ganze Keilhauer Leben, für den
Keilhauer Verein und die Keilhauer Gemeinsamheit das neue Leben, die Geschichte
des Bewußtwerdens meiner Individualität und Persönlichkeit ist seit jener Zeit
die Geschichte des Keilhauer Lebens. So wie ich Und es meine Niemand daß es
für das Keilhauer Leben und herausgehoben für die letzteren Jahre eine andere Skizze
einen andern Grundriß und Leitfaden giebt, man greife denn in ein noch höheres
Ganze und Ein hinauf uns so immer höher und höher. So wie ich dieß erkannte ar-
beitete ich mit der freythätigsten bewußtesten fortgehenden Einsetzung meines Lebens
nach jeder Seite hin - an der mir bewußten Erri[ngu]ng meiner Individualität u Persönlich[-]
keit.
Seit nun mehr als anderthalb Jahren habe ich mein Lebensziel, meinen Lebenszweck
meinen Lebensweg <weg> nie, nie aus dem Auge verlohren mit größtmöglichstem
Bewußtseyn habe ich den kleinsten wie den Größten Schritt gethan, den kleinsten
wie den größten Zeitraum durchlebt und die Saat dieses Handelns keimte, sproßte
grünte, blühte ja fruchtete unter meinem Tritt. Weil ich wußte was die
Zeit und die Menschheit wollte und sollte, was die Menschen in der Zeit sollten, was
Keilhau sollte: – klar errungene, sicher hingestellte, kühn festgehaltene im Univer-
sellen ruhende und bestehende und darum in jedem Augenblick freudig hingegebene Individua- /
[3]
lität; – Um dieß Ziel zu erringen und so Keilhau sein Ziel und seine Bestimmung er-
reichen zu machen deßhalb ging ich aus Keilhau, verließ ich Keilhau. Mehrere
Denksteine dafür habe ich gesetzt, zwey zu erwähnen ist hier genug; ich sachte [sc.: sagte] Euch handelt
dem Geiste getreu, machet wahr was Euch der gesagt hat, damit zu den Worten die
ich rede die That komme; ich habe darum immer Euch vertraut und Ihr habt das Vertrauen
gerechtfertigt. Ein zweytes sagte ich: Nicht kehre ich zurück bis ich Keilhau feststehend
weiß auch ich habe Wort gehalten bin noch nicht nach Keilhau zurückgekehrt
wünsche aber nach Keilhau einmal zurück[zukehren] werde also weiter Wort halten.
Wort habe ich gehalten obgleich der Lebensweg den ich seit meinem Ausgang von Keilh[au]
gehen mußte stetig auch nie aufhörend der lebensgefährlichste ist den ich noch je
gegangen bin, immer an einem für immer vernichtenden Abgang [sc.: Abgrund] und immer mit Freude
immer in Friede ja immer in und mit Lust. Niemand meine daß ich um irgend etwas
anderes als das genannte Persönliche aus Keilhau gegangen bin. An Persönliches
und Individuelles knüpft sich alles Allgemeine u Universelle, an der Einzelheit
Sonderheit tritt die Einheit hervor und diese will wohl geprüft wohl erwogen
seyn, denn der Mensch ist ein vernehmendes vernünftiges Wesen und er soll sich
als solchen beurkunden, Gott selbst offenbart sich dem Menschen nur durch das
Einzelne und so auch durch einzelne Menschen darum soll man die Geister der Men-
schen beachten und prüfen nicht so wohl um ihret- als um der Kundmachung des göttlichen [sc.: Göttlichen]
willen. So nur kann auch das Einzelne u der Einzelne durch das Einzelne wieder
in der und durch die Einheit leben. – So lebt das Individuelle in dem Universellen, erfaßt
das Universelle, und so ist auch mein Leben ein mit klarem Bewußtseyn im Univer-
sellen lebendes; im Universum nur finde und schaue ich das Individuum, darum greift
Person nicht mehr stöhrend in mein Leben ein, deßhalb stehen die Person und ich einander
für immer in Frieden einander gegenüber. –
Ich weiß wohl, das was ich meine ist höchst schwierig zu erringen besonders
für den dessen Bildungsgang und Bildungszweck mehr von der Erfassung des
Individuellen um des Individuellen willen ausgeht, denn seinem Erringen droht
vorher aller Verlust der Individualität, aber es ist nicht so, sondern die Individua-
lität wird erst errungen, wenn man, möchte ich sagen, die Todtesangst {vor über ihrem
Verluste in sich überstanden hat.
Das oben so klar und bestimmt Ausgesprochene und in dem bisher weiter Gesagten /
[3R]
sich immer durchziehende Durchdringen des Allgemeinen muß aber um der Menschheit
willen fast jedem Menschen zugemuthet von vielen sogar gefordert werden, damit
wie diejenigen Menschen welche diese Allgemeinheit in sich errungen haben von dem
Lebensschauplatz treten sogleich andere an seinem Platze eintreten können gleich[-]
sam wie ein guter und umsichtiger Feldherr sucht daß viele im Heere den Verlust
des Heerführers ersetzen können, damit nicht mit seinem Verluste auch das ganze
Heer verlohren gehe.
Doch habt Ihr es jetzt in Keilhau auch leicht das zu erringen was ich meine, das
zu erringen was gefordert wird: theilt Euch viel gegenseitig und unter einander
mit, umtauschet viel Gedanken; Ihr könnt es jetzt leicht das Veto ist verschwun-
den aus Euerm Kreise und doch walt[et] Ein und der einende Geist über Euch, unter Euch
ja in und mit Euch. Ein Gedanke dünkt mich könnte Euch dabey leicht leitend
seyn es ist der: denke sich ein Jeder ganz allein an der Stelle wo ihr jetzt gemein-
sam steht und frage sich dann: wie würde ich handeln? – Würde ich nicht vielleicht
durch meine Individualität, würde nicht meine Individualität zu stark dem Ganzen
Farbe, Gestalt und Geist geben? – und wie und wodurch würde ich als Individuum
die Individualität eines Jeden und so schützen, daß sie ein reiner individualisirter
Ausdruck der Universalität wäre? – Dieses ist es was ich meine diese Gewißheit
einer solchen die Universalität, die Allgemeinheit, Einheit erfassende Pflege aller
Individualität, Persönlichkeit und Sonder- oder Einzelheit in sich und durch sich? – Diese
kann aber nur in dem Maaße gepflegt und geschützt werden als selbst die Individu-
alität, Persönlichkeit Sonder- oder Einzelheit in der Universalität, Allgemeinheit
und Einheit ruht[,] in ihr und durch sie, sich gefunden hat. Darum glaubt mir, es ist
unaussprechlich viel leichter diese Aufgabe im gemeinsamen, gleichbürtigen Zusam-
menwirken zu erfüllen – (deßwegen so häufig das Fordern derselben) als im
Alleinwirken und doch fordern das letztere die LebensBildungsgesetze der Menschheit
denn die größten wie die kleinsten Menschenbildenden Gemeinsamheiten zerstreuten
sich in einer [sc.: einiger] Zeit. Wohl darum dann dem, der dann dem Bildungsgesetz der
Menschheit vorbereitet folgt. Glaubt mir, doch schaut selbst in die Geschichte
der Menschen und Menschheitserziehung. Jahrzehende, halbe Menschenalter,
ja wohl während fast des ganzen früheren Menschenalters bildet die Menschheit
einzelne Menschen für der Menschheit höchste Zwecke vor; wohl denen welche /
[4]
frühe den Mahnungen des Geistes folgten und – da der Mensch sich immer der Zu-
kunft entgegen erziehen soll – wären es auch Männer sich nicht scheueten hier,
um zu gleichen den achtsamen Jungfrauen am Tage der Hochzeit.
Verstehst Du mich, lieber Langethal! in dem was ich im Vorstehenden sage,
so kannst Du nur und wirst gewiß nur darinne den höchsten Beweis meiner
Dankbarkeit für Dein redliches Zusammenwirken mit alle den lieben Anderen
zum Besten des Gesammthaushaltes, während meiner Abwesenheit, finden;
wenn anders bey einem Handeln wie all das Eure und so auch das Deine
noch von einem besonderen Danke, von meiner Dankbarkeit die Rede seyn kann.
Wie Du im Leben und in Deinen Briefen so oft der Sprecher für das Ganze
bist, so rede ich auch hier hier durch zu dem Ganzen, und sage ihnen, im obern und
im untern Hause den Dank den ich ihnen zu sagen habe, durch Dich.
Möge ich, indem ich zu vermeiden suchte in den verschiedenen Briefen
eine Sache doppelt zu sagen, doch nichts vergessen haben zu berühren was und
worüber ihr etwas von mir zu hören wünschtet. Wie ich so das Leben
überschaue finde ich wohl in den Briefen alles berühret, freylich mag nicht im-
mer alles gleich offen liegen, doch dünkt mich läßt sich Einzelnes leicht darinne
finden und daraus deuten. Über Manches hätte ich auch wohl noch sprechen können aber es schien mir noch nicht ganz Zeit dazu.
Übrigens da mir die Briefe nach Ihrer [sc.: ihrer] Beendigung jetzt als ein sehr einiges
in sich abgeschlossenes Ganze erscheinen; so will ich doch bemerken daß sie kein
gemachtes Ganze sind, sondern ein Gewordenes, d.h. Gelebtes und Durchlebtes und
so kein todtes gestückelt, auch keineswegs zusammengequältes sondern wie frisch aus
dem Herzen so schnell aus der Feder geflossenes lebendiges Ganze, gewebt,
gewoben in einem Stücke durch den einen Geist.
Nun lebe auch Du recht wohl, lieber Langethal! Grüße auch Deine liebe,
gegen das Ganze wie gegen meine so treue Frau, töchterlich treue Ernestine.
Möget Ihr wenn Ihr diesen Brief empfangt ganz in Friede und Freude
aus dem alten Jahre heraus und dem neuen Jahre wie einem schönen
heiteren Frühlingsmorgen mit der frohesten Aussicht für den ganzen neuen
Tag, d.h. hier das ganze kommende Jahr entgegen getreten seyn und mit Dir
das ganze Keilhau der ganze Kreis dieß wünscht Ihm durch Dich und wünscht Dir
mit innig treu ergebenem Gemüth und Geiste
Dein
FriedrichFröbel.