Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an <?> <1826/31> (Keilhau)


F. an <?> <1826/31> (Keilhau)
(BN 707a, Bl 84-85, 1 Bl 4° 2 S., undatiertes Entwurfsfragment, Briefschluß fehlt. Der Brief könnte an einen Vater (Geschäftsmann) der Zöglingsgruppe Teske, Böttcher, Müller, Weiser und Busse aus der Provinz Posen gerichtet sein. In Frage kämen Teske (Kunstfärber), Weiser (Papierfabrikant) und Busse (Kaufmann). Unglückliche Archivierung, da durch Faltung ein Bogen suggeriert wird. Der Briefentwurf liegt jedoch als zweiseitiger Text auf einem Blatt 4° vor. Insofern entfallen hier 84R und 85R. Die Vorderseite des Blattes ist 84, die Rückseite 85)

Hochgeehrtester Herr u Freund
Nur noch wenige Tage sind es und der Unterricht eines halbjährigen Kurses ist wieder geschlossen, und kaum einige und wieder sehr kurz Zeit
und der Anfang eines neuen Lehrgangs beginnt wieder erneut Zöglinge gehen ab und schon sind die ihre Plätze wieder besetzt; Größern
Wechsel als so ein einfaches Leben zeigt darum
In der Natur so recht wie draußen in der Handelswelt umgiebt dem
nach
der Wechsel aber wie in der Handelswelt ja in der <H[andels]welt> scheint sogar das zu scheitern scheint seine Sicherheit zu verliehren worauf worauf bisher alles gebauet wurde und als <[un]umfallbar> daste[ht]. [Hier passende Stelle für Randnotiz:] eine alte Zeit geht hier eine neue zeit kommt[.] <Soll> In einer äußerlich ungünstigen zerfallende[n] Zeit muß gesät werden was sicher u groß aufgehen sicher u große Frucht bringen soll [Notiz Ende] Aber
jede [sc. je] größer auch dieser äußere Wechsel im Äußeren ist um so bleibender mehr befestigt sich in meinem Innern
die Überzeugung von dem was ich Ihnen überdie z darüber worüber ich mich schon früher u wiederkehrend Ihnen aussprach: Daß die größere und vollkommenere Ausbildung, einer neuen Erziehungswei[se]
und die von der Zeit und den Umständen begründetste u be[thätig]ende [Un]ternehmung gegenwärtig u jetzt wie jetzt ganz an der Zeit sey. Wie bey dem Wieder[-]
kehrenden Frühlung (rc erlauben Sie mir immer dieß Bild es soll uns nicht ab und nicht ins Blaue unbestimmte führen denn es enthält Wahrheit)
wie bey dem wiederkehrenden Frühling alle Säfte u Kräfte in die Zweige
zur Entfaltung der Knospen, der Blüthen u Früchte die gleich<wie> im Juni des Lebens treibt so ruft kommten von allen Seiten der Betrachtung die
Resultate zu dieser Überzeugung zurück und alle meine Geistigen Kräfte vereinigt sich auf drängen sich für geistig
Ausfluß u Darstellung dieses Unternehmens hinzuführen aus meiner Seele wie aus dem Herzpunkte meiner Reflexion hervordrängenden sich zu äußern zu handeln um dessen Gelingen ich mir so sicher als meines Lebens bin hinzuführen. - Genug Ich will Ihnen geehrtester
Freund meinen Grund dafür offen sagen Sie sind nun zwar kein Pädagog und ich dürfte daher viel[-]
leicht fürchten von Ihnen so wenig verstanden zu werden als Sie vielleicht von
mir bey Mittheilungen
Ihrer Geschäftsspekulation verstanden werden könnten. Ich fürchte nicht von Ihnen nicht verstanden
zu werden ob sie [sc.: Sie] gleich kein Pädagog sind, denn was ich zu sagen sind habe ist eine Wahrheit Überzeugung die <Preiß>
jedem Menschen nahe liegt ist eine Wahrheit die jeder in sich prüfen kann u bewährt finden wird,
so wenig angenehm u erfreulich sie auch klingt. Die Gründe meiner Überzeug[un]g Handeln sind: Alles worauf
der Mensch bis jetzt außer sich einen Werth setzte, worauf er sein Glück u seine Unternehmungen baute, alles
[hat] seine Festigkeit verlohren [sc.: verloren] – kühl ausgesprochen: dem Menschen bleib t nichts mehr als er selbst, der
Mensch übrig, sich durch Ausbildung den höchsten Werth u die Würde zu verschaffen die ihm sein[em] Wesen
nach zu kommt daßs muß jetzt seine Sorge sorge [2mal] seyn. Alle Achtsamkeit u Sorge muß sich
hinwenden auf die Erziehung den Unterricht. Aber nicht das oberflächliche u zusammengestoppelte /
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wird genügen nicht das was die schönsten Worte spricht nur das was in seiner Darstellung das vollkommenste Gesetz der Entwickelung dem Menschenwesen den
Naturgesetzen <angemessen[d]ste> genügendste ist wird entsprochen. Also ein Erziehungs[-]
Unternehmen muß wird u muß gelingen u anerkannt werden, nur ist es wenn es in sich <eigtl> vollkommen u vollendet dastehen [sc.: dastehe], es wird so gewiß gelingen u bleibend anerkannt da stehen als jedes schle mangelhafte u halb
gute untergehen wird; der Mensch des ewigen Wechsels müde wird sich freuen wenn etwas festes
u bleibendes da stehet an welchem er sich festhalten kann. Also tief in dem innersten Bedürfniß
des Menschen seines Gemüthes u Geistes in seinem besten u bleibenden Wesen u Daseyn ist ein Unternehmen begründet welches ich so sehnend an[-]
strebe, wie sollte es nicht in seinen [sc.: seinem] Dauer Daseyn eine erwünscht[e], er-
sehnte u so gesuchte Unternehmung seyn. Dieß einer von den Gründen welche dafür in meiner
Seele in der Tiefe meines Gemüthes u Denkens liegen. Ich zweifle nicht Sie werden mich gewiß
verstehen denn Sie haben über Ihren Geschäften den Menschen nicht aus den Augen verlohren
Erlauben Sie daß ich noch einen der nun die Gründe aussprechen darf welche für die völlige Zeitge[-]
mäßheit meines Wirkens darzuthun auf die allgemeine Erfahrung hinweisen darf.: daß
um etwas neues zu begründen muß etwas altes Untergehen aus der vernichtung [von] etwas
alten muß dieß das neue hervorgehen, so wie bey den Geschäften muß eines vorher sinken muß wenn sich ein anderes
heben soll, sehen Sie Freund auch diese Erfahrung ist für mich [wichtig]. Denn bisher hielt man sich fest
an Äußeres wie Sie es auch benennen mögen, dieß äußere worauf sich der Mensch bisher
verließ ist aber in seinem Credit gesunken, sinkt darum tägl mehr und wird ihn <ge[wi]ß> bey den Denkenden
bald ganz verliehren;ächte Erziehung hat es mit veredl[un]g des Herzens
ausbildung des Geistes, gründliche Kenntniß, Gewandtheit Darstellung im Anwendung im
Leben, Selbstständigkeit des, Besonnenheit Klarheit des Charakters zu thun; und diese
Schätze wird man suchen, man wird sie suchen, wenn es auch nicht zu spät ist sich sollche für sich zu sammeln, so wird man doch versu[ch]en
streben solche Schätze für seine Kinder zu sichern. Dieß ein Theil der Gründe welche für die Zeitgemäßheit [bricht ab]