Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 6.1./7.1./8.1.1832 (Wartensee)


F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 6.1./7.1./8.1.1832 (Wartensee)
(KN 34,1, Brieforiginal 1 ½ B 4° 6 S.+ 1 B 8° 4 S., tw. ed. Hoffmann 1952, 121f.; als Nachschrift an die Keilhauer Kinder aufgefaßt; ed. Teil aus 4R-5R). Aufgrund der Numerierung (Nr. 33) gehört dieser Brief zum Briefzyklus an die Keilhauer Großfamilie zum Jahresende 1831.

33.
Wartensee am heil: drey Königstage (:6en Januar:) 1832.·.

An die Keilhauer Gemeinsamheit.

Hört Ihr jetzt die Glocken schlagen:
"Friede" - "Freude" - "Heil" - und "Seegen"
"Sey mit Euch auf Euern Wegen"
Meinen Wunsch sie Euch dann sagen,
Meinen Wunsch in diesen Tagen.
*
Ferdinand ist mit seinen Zeichnungen von unserer Wohnstube fertig.
Und so ist denn nun alles zum Verpacken fertig und bereit. Ich gestehe
es gern, recht sehr freue ich mich darüber. Wäre nun aber auch alles
bey Euch; es hat mich in den letzten Tagen recht gedrängt daß Ihr
und unsere Lieben Pflegesöhne noch immer ohne Antwort auf Eure
lieben Briefe vom Juny verflossenen Jahres seyd. Wie gern hätte ich
es geändert hätte es in meiner Gewalt gestanden. Doch nichts mehr
davon.- Sonntags den 8' Jenner wird ohne Zweifel alles der Post abge-
liefert welche noch an demselben Tage nach Zürich abgehet; wie ich
dann rechne 14 Tage Lauf, so habt Ihr das Ganze wenigstens künftigen
Sonntag über 14 Tagen. Hat meine Rechnung bey der letzteren Sendung
eingetroffen, spätestens am Neujahrstage, eigentlich aber schon
am Sylvester Abend hoffte ich daß das Ganze bey Euch eintreffen
würde, ist es wie ich hoffe angekommen?- Sehr würde ich mich darüber [freuen]. /
[1R]
Eure an demselben Tage von Keilhau, wie die unsrige von Warten-
see abgegangene Sendung hätte dieser Rechnung zu Folge an demselben
Tag d.h. auch am Sylvester Abend hier eintreffen müssen,- ist aber
bis jetzt noch nicht angekommen. Die Räucherkammern an der Bayerschen
Grenze mögen sie wohl so lang aufgehalten haben. Ob ich nun zwar
nicht läugnen will daß ich die Sachen am Neujahrstag gern durchlebt
hätte, so ist es mir doch auch lieb, daß die Forderung des alten Jahres für Euch
durch uns völlig erfüllt werden konnte, ehe das neue
Jahr mit neuen Forderungen zu mir und uns tritt. Nun aber würde
es mich recht freuen, wenn der künftige Sonntag uns das neue Keilhau
brächte, damit si es an den jetzt ausgezeichnet schönen Wintertagen
mit dem fast italiänisch bläulichsten Dufte - (wie besonders ein solcher
Tag und abend mit seinem sichelnden Monde und seiner Sternenpracht
durch Jupiter und Orion u.s.w. am 5en Januar war, dessen ich mich
aber darum auch seit langer Zeit wieder durch einen Spatziergang erfreute)
- wie eine schöne klare Sonne vor uns aufgehen, und wir uns dessen
recht ruhig erfreuen, ich weiß es nicht besser zu sagen als durchleben
könnten. Wir denken Eurer unzählig oft und vergleichen unsere
Tageszeiten; wenn wir Mittagessen arbeitet Ihr noch und wenn Ihr
eßt bin ich in vollster Arbeit. Gehen wir spatzieren so wandeln wir
mit Euch und vergleichen die Keilhauer u Wartenseeer Spatziergänge.
Doch warum diesen Faden anknüpfen. Nun noch ein paar abgeriss[-]
nene Bemerkungen die Ihr schon wo und wie es sich gehört einfügen
werdet.
[2]
1. Ihr werdet aus dem Euch schon Mitgetheilten ersehen haben, wie Warten-
see eigentlich im Volks Interesse herauf wächst und zwar dem der näch[-]
sten Umgebungen; sollte Euch nun das vielleicht immer regere Wechsel-
leben zwischen K[eilhau] u[n]d W[artensee] Gelegenheit geben auch in Eurer nächsten u[n]d
Volksumgebung ein höheres und allgemeineres Interesse zu erregen,
und es Euch gelingen so halte ich es für wichtig es zu pflegen selbst mit
persönlicher Aufopferung u Hingabe. Ich sehe in gleichen Fällen jetzt hier nie-
mals auf die Person - was sonst wohl meinen Eifer schwächen könnte
sondern nur auf die naturgesetzlich mögliche ja nothwendige allgem:
Wirkung u.s.w. Freilich ist Euer Verhältniß in Deutschland in dieser
Beziehung ein anderes als daß [sc.: das] in einem republ. Staate, dennoch dünkt
mich die angegebene Achtsamkeit wird auch dort wenn auch später
wirken. u.s.w.
2. Ob ich gleich in diesem Augenblick nur noch sehr wenig fast nichts
über die Zukunft auch nicht einmal des nächsten Halbjahres sagen
kann, so scheint es mir doch daß schon mit dem nächsten Halbjahr eine
sehr andrängende Theilnahme, wenigstens für die Schule, welche fort
zu pflegen ich sehr wichtig achte - sich zeigen kann. Dann schnell
und ganz genügend den eintretenden Forderungen zu genügen, ist
das wichtigste was beachtet werden muß. Melden sich also junge
Männer zu Lehrern für K. oder für W. so müssen wenn sonst die
Personen dem Zweck nicht entgegen sind, diese Verhältnisse fest ge-
halten und gepflegt werden. Es muß besonders darauf gesehen
werden, daß junge Männer welche hier als Lehrer einzutreten [gedenken] /
[2R]
vorher einige Zeit in Keilh. gelebt und gewirkt haben und man wünscht
immer nur Keilhauer Lehrer. Oder ließe sich vielleicht was noch besser
wäre auf einige Zeit ein Tausch machen, daß nemlich ein solcher ganz
junger Lehrer ½ Jahr oder 1 Jahr einen älteren oder wenigstens durch[-]
bildeten lehrenden Zögling in Keilh: ersetze. Ich habe hier namentlich
den Titus im Auge welchen ich vielleicht mit diesem Briefe mit Bestimmt-
heit rufen würde, als den welcher am leichtesten Keilhau verlassen kann,
wenn er nur musikalisch wäre; allein das nächste Bedürfniß für hier
ist ein Lehrer der Musik, ich bin schon mehrseitig um Musikunterricht ange-
sprochen worden. Es ist mir darum nicht lieb daß Ihr wie ich durch Ferd:
höre gewissermaßen mit He. E. Carl abgebrochen habt. Ich hatte dieß schon
in Fr[an]kfurt im Auge und müßte mich sehr teuschen wenn ich Euch nicht öfterer
deßhalb geschrieben habe. Jetzt spricht mir Ferd: von Herr[n] Brömels in Rud.
Sohn, dem Sander; ich habe nichts dagegen der junge Mensch hat mir früher
gefallen aber wird er nicht zu ge jung und festen Willens und charakter voll
genug seyn?- Wäre es nicht möglich zu machen daß er sich während ei-
niger Zeit besonders mit dem Lehrgang des Gesangsunterrichtes in K.-
bekannt mache?- Kann er was ganz wesentlich ist Gesangsführer seyn[?]
Ferdinand spricht mir auch von einem gewissen Schwanitz aus Eisenach be-
sonders in sprachlicher Hinsicht namentlich für lebende Sprachen; könnte man
wohl seinen Wunsch befriedigen wenn er einige Zeit in K leben wollte?-
Rücksichtlich des Augenblicklichen Bedürfnisses sind zwar diese Vorkehrungen
unnöthig, aber Ostern könnten mir <der> Forderungen zu viel kommen, ich muß
mich vorbereiten ihnen zu entgegnen, d.h. sie dann zu befriedigen
und hier namentlich rücksichtlich der Musik und der lebenden Sprachen. /
[3]
Wie sich das Leben hier wesentlich sich weiter fort entwickelt oder
rückgängig geht, werde ich Euch alles auf das schnellste und pünk[t]lich[-]
ste melden damit K. und W immer gleich unterrichtet ist und in
und mit Sicherheit gemeinsam handeln könne. Es wäre auf das
höchste wünschenswerth wenn alle W[a]rt[en]seer Bedürfnisse durch K.
hindurch gehend befriedigt werden könnten.
3. Auch die an uns durch Frachtfuhre abgesandte Kiste ist noch nicht
angekommen. Wie lang ist es denn schon daß Ihr sie abgeschickt habt? -
Ist es nicht nöthig daß Ihr deshalb bey dem Commissionär in Rud.
Nachfrage haltet?-
4. Unsere Schüler machen im Ganzen recht wackere Fortschritte
namentlich im Zeichnen was sie mit großer Lust und großem Fleiße
betreiben; sie sind nur in Rücksicht auf Selbstthätigkeit, namentlich
Hinsichtlich des Selbstdenkens und so des ächten Selbstfleißes in
den Schulen sehr vernachlässigt; auch im Schreiben geben sich einige
vorzüglich Mühe.
5. Wäre Wilhelm mit Ferdinand gekommen, so hätte ich mich
bereitwilliger gezeigt einer später wiederholt an mich ergang-
enen Aufforderung zu genügen jungen Leuten von 20-25 Jahr[e]n
Unterricht zu geben. Ich konnte aber nicht gut darauf eingehen
weil ich fürchten mußte die zu angestrengte Thätigkeit werde
mir die Ausdauer rauben.

6. Sonnabends den 7en Jenner Nachmittags 3 Uhr. So eben bekomme
ich nachstehenden Brief aus Luzern: /
[3R]
"Verehrtester Herr Fröbel."
"Eilends teile ich Ihnen die Nachricht mit, welche mir gerade vor
"Tische mitgetheilt worden ist. Nemlich es sey ein so vortrefflicher
"Brief von Ihrem Landesfürsten an den hiesigen Erziehungsrath an-
"gekommen, in Beziehung auf Ihre Person, in welchem Sie durchaus ver-
"theidigt seyen über den feindlichen App: Aufsatz und worinn ferner
"eine so rühmliche Meldung geschehen von Ihrer bestehenden Erzieh-
"ungsanstalt in Keilhau.
"Ich bin so voll Freude über den Eindruck den es allgemein
"auf das hiesige Publikum macht. Und vorzüglich bin ich beglückt
"Ihnen diese Nachricht mittheilen zu können.
"Viele Empfehlungen von meinen Verwandten" (:Es ist dieß das
"schon in meinen ersten Briefen von Luzern aus erwähnte Haus des
Herrn Staatsraths und Präsidenten Schwytzer; dieses Haus steht
durch Verwandtschaft fast in den [sc.: dem] Mittelpunkt der vorzüglichsten
Luzerner Familien; er ist Mitglied des Erziehungsrathes; und Mitglied
des kleinem Rathes, und Präsident bey dem Finanzrathe:). "Sie nehmen
"Vielen Antheil an diesen eingegangenen Berichten.
"Genehmigen Sie und Herr Ferdinand die Versicherung der
"größten Hochachtung"
"von Ihrer ergebensten"
"Salesie Hertenstein"
"Luzern am 5en Jenner"
"1832."
7. Mit diesem Briefe ist auch die Schachtel von Keilhau an-
gekommen, noch steht aber alles uneröffnet weil erst der vor[-]
stehende Brief Euch aus Dankbarkeit und zur Freude mitgetheilt
werden sollte. Auch wird ehe die Schachtel eröffnet wird mit
Ferdinand, der noch nicht weiß daß sie da ist, ein Spatziergang ge-
macht, damit erst die Stube von dem Schulstaub gesäubert werde, ehe wir
zu unsern lieben Gästen sagen: herein u[n]d willkommen.- /
[4]
[*Zeichnung: Sonne, Horizont,
  Meer*]
Mitternacht 12 Uhr

Der erquickliche Spazziergang dessen ich vorhin gedachte mit Ferdi-
nand am See von hier nach Sempach und zurück war beendigt,
ein eben so herrlicher und einziger Winterabend wie ich schon in diesen
Mittheilungen erwähnte, wo der sichelnde Mond sich immer klarer
und klarer aus dem sinkenden duftigen Nebel erhob und der
Sternenglanz sich an den immer mehr bläuenden Himmel hervor-
drängte hatte ebenso alles äußere sinken und alles Innere erheben
gemacht. Ebenso hatte sich selbst der Körper in den mehreren
Hundert Schritten, wo jeder gleichsam eine Stufe ist, so steigt es
hinan, von dem Thalboden bis zur klaren Höhe unseres Burgschlöß-
leins erhoben; der kleine zierliche Gartenhof war durchschritten. Am
Eingang empfing wie immer uns die dienende Aufmerksamkeit
mit der hell leuchtete[n] Kerze, die uns immer steigend der
wandelnden Treppe voranging. Der kleine dunkle Gang war
bald durchschritten und die Strahlen des Lichtes blinkten aus den
bunten Tafeln der kleinen aber alten Glasmalerey des Flurfenster[s]
als wenn sie sich geheime lachende Blicke zuwürfen, hervor. Die Thüre zur
traulichen alterthümlichen Stube war geöffnet und schon war in
sie eingetreten. Da erst wurde Ferdinand auf seine diesen Nachmit-
tag an mich gethane Frage wegen Ankunft der Keilhauer Festgab[e]
zurück geführt nun so sie ihm nun, dem - weil er heut gar nichts
mehr erwartet hatte - Hocherfreuten selbst, herauf geführt.
Lange dauerte es ehe das klare Licht sich aus seinem dunkeln /
[4R]
Hause hervorhob, wie überall wo Klarheit, Wahrheit und Leben
sich kund thun will es sich aus einer dunkeln nächtlichen hart
verschlossenen Hülle hervordrängen muß und warum wohl?-
Damit sich Wahrheit Klarheit u Leben auch in seiner Kraft, Macht
Gewalt kennen lerne; aber nicht eine Sonne ging auf sondern
ein Sternenhimmel, wohl eine Sonne aber eine solche die einen
Sonnen- oder Sternenhimmel zu ihrem Gefolge hat, wie unsere
Erden[-]Sonne welche ein Sternengefolge von Planeten und Monden
hat deren Sonne aber welcher sie selbst im Gefolge folgt un-
bekannt ist. Oder wie an einem zweyten Schöpfungsmorgen
beleuchte, durchleuchte die unsichtbare und doch nahe Lebenssonne
die herrlichen, lieblichen u schönen Gebilde, Gestalten und Er-
zeugnisse der sich so unerwartet entfaltenden Jugend und Man-
neskraft, Gemüths[-] und Geisteskraft, die unser Steintisch, der
sich recht eigens dazu geschwärzt zu haben schien um all
Schöne der Farben, Formen, des Fleißes, der Achtsamkeit
recht fühlbar zu machen - uns stolz seiner Schmetterlings[-]
Bürden uns entgegen trug.- Meine Hand leitete dabey
ein sehr freundlicher Genius, denn die erst alle vor mir hin-
gestellten Packete wurden gerad so geöffnet, daß das Schönste
wie mich dünkt gleichsam wie der Mensch bey der Schöpfung
auch das letzte war was sich unserm Auge entschleyerte[.]
Erlaßt mir von Heute jedes Einzelne tausend Dank
allen und jedem Einzelnen, denn was soll ich auch einzelne
hervorheben da ich ja gar noch nicht weiß was ich habe[.]
Aber mit hoher Lust u Wonne ruht mein Blick schon auf /
[5]
den Briefen, auf den Briefen von Euch Ihr geliebten Söhne und
Töchter die mich alle mit so gar seelenvollen klaren Augen
anschauen wie Menschen und Gemüther die uns gern das aller[-]
lieblichste und beglückendste sagen möchten aber vor
lauter Geräusch noch gar nicht zum Worte kommen kann.
Aber morgen ist Sonntag, das soll mir einmal ein Sonn-
tag seyn in mehr als hundertfachen Strahlen soll mir
da durch Euch Ihr Geliebten die unsichtbare aber den
Menschen tief im innersten Gemüthe erleuchtende, er-
wärmende und alle Seegnungen und alles Heil des Lebens
bringende Lebenssonne aufgehen.
Wie beschämt fühle ich mich mit meinen Briefen den
Eurigen gegen über, die Eurigen so klar, was den mei-
nen so sehr mangelt, allein ich mußte sie alle wegen
der Schularbeiten während des Tages größtentheils in
den späten Abend[-] und Mitternachtsstunden schreiben, da
war oft Hand und Auge müde.
Auch sind alle Eure Gaben so freundlich und leicht
zugänglich, die meinigen werden Euch dagegen wohl oft
etwas dunkel und schwerverständlich seyn. Dagegen hoffe
ersehne ich wenigstens daß wenn Ihr meine Briefe werth[-]
achtet sie noch nach Jahren zu lesen leicht noch manches
Johanniswürmchen was sich darinn versteckt hat, dar-
aus sich freymachen könnte. Seht lieben Kinder die Gaben
sind mancherley. Und unser himmlischer Vater der uns
doch so innig liebt giebt uns selbst mancherley Gaben, dunkle /
[5R]
Steine, freundliche Blumen, sinnige Thiere, und doch habe ich erst
durch die dunkeln Steine recht die lieblichen Blumen u durch
diese die sinnig[en] Thiere recht kennen lernen und jetzt haben mich
Thiere Sachen gelehrt daß ich mich nun erst recht der Menschen
der lieben Kinder und ihrer Spiele erfreuen kann; vielleicht
erzählt Euch Allwina etwas davon also habt jetzt mit
meinen dunkeln Steinen Nachsicht; Ich lerne Tag Täglich
daß die Steine freundliche Blumen werden sollen, wenigstens
zunächst sanftes grünes Moos; aber ich sehe wohl ich muß
mich noch wackerer daranhalten wenn ich die Keilhauer
Gemeinsamheit in ihrem Schnellschritt nicht aus dem Auge
verliehren und ihr nun noch so eben nach kommen will.
Aber einen Trost habe ich vielleicht auch bald, daß die
Wartenseeer Jugend mir auch hilft: Figuren aus geraden
Linien, aus Rinden, Gestalten werden auch schon wacker
gemacht aber gestehen will ich auch nur daß Ihr durch Euer
liebes vorjähriges Weyhnachtsgeschenk die Erbsenformen
gar vieles dazu beygetragen habt, ich nenne sie jetzt meine
Zauberstäbchen denn weiter will ich Euch im Vertrauen sagen ob
Ihr sie gleich gemacht habt so habe ich an ihnen eine Kraft entdeckt
die Ihr doch noch nicht wißt, aber aus Dankbarkeit werde ich sie Euch
sagen, komme ich nach Keilhau zurück. Wenn nur der 10.' Theil
so viel Seegen in Eurem dießjährigen Legespiel liegt so könnt ihr [sc.: Ihr]
Euch dessen erfreuen. Dieß Bewußtseyn ein kleiner Dank Euch.
Nur noch ein Wort. Eure Sachen sind zu dem schönsten Tag
hier eingetroffen. Frl Salesiens Brief deutet es Euch vielleicht[.]
Recht bald mit der Briefpost mehr von mir
Euer nicht nur in Wort u Gemüth
sondern was ihr [sc.: Ihr] zwar noch nicht kennt aber überwiegend mehr ist, im Geiste treuer
Fr. Fröbel.

[4R/5R]
(Nachschrift )
Sollte sich in meinen jetzigen Briefen oder in den an He. Schnyder etwas für He. Dr Fleck als dankenden Gegengruß finden
so würde es mich freuen, wo nicht, erhaltet Ihr "die Studien des dummen Peters" und "seine pädagogische Bildung" bald. Hoffe sollen ihn gefallen.
*) Kein Gruß? - An Niemand? - Nein! - Warum? - Kein Gruß ist das Leben selbst.
**) Barop Du bitte Elisen sie soll Dir aus ihrem Brief vorläufig ein Theil des Deinen beantworten. /
(Beiliegender Umschlag)
Wartensee
         An
die allgemeine deutsche Erziehungsanstalt
in
Keilhau
bey Rudolstadt
in Thüringen.