Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 14.1./15.1./16.1./17.1./18.1./19.1./20.1./21.1./24.1.1832 (Wartensee)


F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 14.1./15.1./16.1./17.1./18.1./19.1./20.1./21.1./24.1.1832 (Wartensee)
(KN 34,3, Brieforiginal 7 ½ B 4° 30 S. Der Brief enthält auf 15R Reinschriftfragment [Selbstzitat] des F.-Briefs an Adolph von Holzhausen auf "Auf der Öde" bei Frankfurt/M. v. 24.1.1832.)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

Wartensee am 14en Januar 1832.·.


Der lieben Keilhauer Gemeinsamheit des Geistes einigenden
Gruß zuvor.

Kaum vier Stunden sind es, daß ich einen Brief an Euch schloß und abgesandt habe und doch beginne ich schon wieder an Euch zu schreiben; ist es Euch auffallend, so erinnert Euch, daß ich nachschriftlich zu dem heutigen Briefe sagte, ich habe mich Euch noch über zwey Gegenstände mitzutheilen, die Zeit aber, sie auszuführen sey aber für den heutigen Posttag zu kurz. Indem ich nun diese beyden Gegenstände um sie für den nächsten Brief nicht zu vergessen auf ein Stückchen Papier bemerke kommt zu dem 2en Gegenstand ein 3er u.s.w. so daß jetzt schon zehen verschiedene Gegenstände auf dem Papiere sich haben eintragen lassen welche alle beym nächsten Briefposttag nach Keilhau und daselbst Euer freudiges, einiges und frisches Leben mit Euch theilen und sich in <eure> freundlich[en], muntern, belehrenden und aufhellenden Gespräche mischen auch wohl selbst hier und da ein Wörtchen dazu sagen möchten so halte ich es bey weitem für das Gerathenste weil der Mensch gegen und für das jüngste doch immer am pflegendsten gesinnet ist auch diesen zehen jüngsten meiner Geisteskinder sogleich den Willen zu thun, damit sie mir nicht etwa bey dem nächsten Posttag meinen Kopf um- und meinen Sinn durchschwärmen und ich so eines über das andere vergesse. Und dieß zumal da ich jetzt selber über meine Zeit und selbst auch am Abend nicht eine mich nicht stöhrende Umgebung fordern und sie mir verschaffen kann; wie dieß z.B. auch bey dem heut an Euch abgeschickten Brief der Fall war; dieses Hingegebenseyn dieses Preisgegeben seyn störender Einwirkungen von Außen bey dem Streben des Geistes nach Festhaltung, Klärung, Gestaltung und Mittheilung von Gedanken wozu mir noch überdieß die Zeit und eine kurze Zeit zugemessen ist, dieß macht mich mir selbst <unmerklich> nach und nach <kriklich> [sc.: kränklich ?] und der kriegerische, polemische und so feindliche Zustand in welchem ich in mir gegen die Einwirkung der äußern, äußerlichen Einwirkungen bin, theilt sich auch meiner Geistesthätigkeit, den Gedanken, Gestaltungen und dem Mitzutheilenden desselben selbst mit, da und später gibt so demselben einen Anstrich der mir später, wenn der Gedanke auf dem Papier stehet selbst nicht gefällt, den ich aber dann nicht mehr davon nehmen kann ohne das Ganze an dessen Mittheilung mir nur eben liegt zu vernichten. Ich muß dann wohl gar selbst zu meinem Leidwesen, weil Stimmung und Grundgedanke zu innig nun verfließt sind, und ich nicht wohl die eine aufgeben kann ohne zu fürchten den andern für den Augenblick aus meiner Ge- /
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walt zu verliehren, auch dann noch wenn ich meine Stimmung und deren Einfluß auf die Farbe und Form des zu schreibenden bemerkt habe, mit Bewußtseyn und Selbstbestimmung in derselben fortfahren um nur zu dem Ziele zu kommen den Grundgedanken auf dem Papiere zu sehen. Der Wahrheit der innern Wahrheit desselben muß ich dann vertrauen, daß er sich dem Lesenden frey von der trübenden Hülle kundthun werde, denn wenn auch die augenblickliche Hülle aufgedrungen und trüb, so ist doch der Gedanke und die Sache wahr und klar.- Es mag dieß vielleicht zum öfteren in meinen Briefen und Mittheilungen vorkommen - (:doch meine ich ist eine große Reihe von hier aus völlig davon frey:) - weil die mitzutheilenden Gedanken meistentheils für mich selbst ganz neu und eben, wenigstens in dieser Verbindung und Anschauungsform, jetzt erst vom Geiste geboren und daher mit größter ruhiger Ungestöhrtheit zur und für augenblickliche Gestaltung auf dem Papier festgehalten werden müssen.
In dem gewöhnlich äußerlichen Leben hat man gar keine Ahnung davon welche achtsame Pflege der sich aus sich gestaltend neu entwickelnde Geist fordert und bedarf; und man kommt in dieser Beziehung mit den Umgebungen W auf das leichteste in Widerspruch und Häkeleyen, weil die Umgebung von solchen Forderungen selten eine Ahnung hat und dann meint man fordere für sich was man doch für den schaffenden, aus sich selbst schöpfenden Geist fordert und wo dann wenn man den Forderungen desselben nicht genügt ganze Reihefolgen von Wahrheiten und Einsichten verlohren gehen. Überhaupt hat der in der äußeren Ansicht der Welt und der Dinge lebende Mensch gar zu wunderliche nein<!> das ist viel zu wenig, gar zu vernichtende Ansichten d.h. das Wesen und die GeistesThätigkeit des Menschen vernichtende Ansicht von dem freyen Willen, der Freyheit und der Selbstbestimmung des Menschen, der Mensch meint, der Mensch könne mit sich umgehen und umspringen wie er wolle, und da gehen denn auch andere mit ihm um wie sie wollen, weit weit gefehlt, der Mensch kann nur leise und still nachgehen. Ich selbst habe oft so sehnlich und herzlich gern etwas von mir selbst gewollt und habe nichts erreicht immer nur leeres Stroh gedroschen, wenn ich aber und da ich aber bey und in und mit mir selbst warten gelernt habe, habe ich dann reichlich bekommen. Eines nur will ich erwähnen; wie so gern hätte ich die Briefe vom 27-29. July früher beantwortet. Für eine Zeile hätte man mir leicht einen Thaler bieten können und ich hätte ihn nicht zu verdienen gewußt da ich die Zeit erwartete kamen mir mehr Zeilen als mir oft lieb wegen des Wiederschreibens lieb waren. Die Seegnungen der achtsamen Pflege des Geistes habe ich wie noch nie besonders in dem letzten Vierteljahr d.h. bis zum Decbr. verflossenen Jahres hier in Wartensee empfunden. Vorzüglich wichtig ist die Z ruhige Beachtung und Pflege der Zeit des Gedankenkeimens, und die Zeit der ersten Erschließung der Gedankenknospe zur Gedankenblüthe, hier ist von Seite des Menschen die größte Sorgfalt und /
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Scheu vor Willkühr und willkührliches Eingreifen in die Geistesthätigkeit nöthig. O! was geht bey unserer jetzigen Menschenansicht und Menschenbehandlung für den einzelnen Menschen und die Menschheit verlohren daß wir diese zwey wichtigsten Momente in der geistigen Thätigkeit fast gar nicht beachten nicht einmal wissen daß sie da sind noch weniger wie wir sie beachten sollen die Momente des Gedanken keimens und die Zeit des Gedanken Aufblühens.- Die Alten waren in Allem was Naturbeachtung im weitesten Sinn also den Menschen mit eingeschlossen ist, viel weiter und sinniger als wir, wir sind rohe Handwerker wo sie sinnige Bauleute und Baumeister waren wir sind rohe Ackersleute, da sie sinnige Land- und Gartenbauer waren. So nannten sie die Zeit die ich meine Muße Muse, heilige Muse, wir nennen es Freyzeit und verstehen darunter eine Zeit ohne Geschäfte.
Werde ich die Erziehungsanstalt noch stiften und bis sie sich selbst erkannt hat ihr vorstehen können, worin man das hier Angedeutete wird beachten und ausführen können, dann habe ich die erste Menschen- und Menschheitserziehungsanstalt errungen und gestiftet, dann sehe ich die Menschenerziehung verwirklicht deren Ahnung so lange in meinem Leben, Gemüthe, Geiste - meiner Seele ruht als ich von mir selbst etwas weiß, und ehe diese nicht errungen ist, ist für die Menschen was auch immer errungen sey, nicht die neue klare sichere feste in sich abgeschlossene Entwicklungsstufe errungen, ist - nichts errungen. Wir fordern noch immer viel zu viel von unsern Kindern, lassen sie nicht genug gewähren, machen ihnen nicht genug die hohen Lebensgesetze unbewußt, dunkel, aber regsam und lebendig empfindbar. Wir sind wie die Lebensverhältnisse die uns umgeben sind nun gezwungen gegen unsere Überzeugung fordernd gegen Zögling und Schüler aufzutreten ein schon bestehendes schon gemachtes von uns von der Zeit und der Vergangenheit gemachtes Leben in sich aufzunehmen und höchstens verjüngt u so verschönt zu reproduziren, statt ein g[an]z junges, neues noch nie da gewesenes rein persönliches und individuelles aus sich heraus und emporwachsen zu lassen. Den Ort, die Erziehungsanstalt die ich hierführ zu finden zu erreichen strebe nennt mein Gemüthe in sich Lichtstätt und Allleben, denn Licht und Leben soll von ihm ausgehen in alle Räume in alle Zeiten[.] Wo aber das Land liegt in denen [sc.: dem] es einst liegen wird daß [sc.: , das] weiß ich nicht. Dieser hier ausgeführte Gedanke lag bey einer Andeutung in einem der abgesandten Briefe vor meiner Seele wo ich eine ähnliche Frage that.
Wird einst dem Keilhau jene Erziehungsanstalt vorleuchten und vorleben, dann wird Keilhau erst sehen was Menschenerziehung ist, was Menschenerziehung vermag dann wird es wahrnehmen und schauen was dem im Gemüthe lebte und im Geiste leuchtete und sein Leben bestimmte durch welchen es selbst gestiftet und gegründet wurde.
Dieß waren denn die ersten beyden der zehen und ich meine fast zwölf Gedankenkinder welche auch noch mit zur lieben Keilhauer Gemeinsamheit wandern pp wollten. /
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Sonntags am 15en Jenner (Monat des Doppelblickes:) Vormittags. Einen guten Tag dem Ganzen u. jedem Einzelnen.
Ich möchte wohl wissen ob der Tag vom 14 zum 15en für Euch als Ganzes oder für irgend Eines von Euch irgend etwas Beachtenswerthes gehabt habe; wenn es ist, so theilt mir es mit. Und nun zur Einführung des dritten Gedankens welcher noch gern mit nach Keilhau und das Leben der Keilhauer Gemeinsamheit theilen möchte es ist der: Ihr habt in dem was Ihr als Bild und Charakteristik meiner, nach seinen verschiedenen Richtungen aus dem Schatze Eurer gesammten Lebens- d.i[.] selbst durch- und erlebten Erfahrungen sehr bestimmtes und namhaftes, scheinbar als Erfahrenes und Beachtetes Euch mir allein angehöriges, lindestens gesagt sehr Eigenthümliches Ausgesprochen, was darum den Gedanken wecken könnte, als werde es von andern weder verstanden und erkannt, noch in seiner innern Wahrheit empfunden, gewürdiget und anerkannt werden. Diesen nun etwa und wohl bey einem oder dem andern möglichen Gedanken wollen nun die Lebenserfahrungen begegnen die sich Euch im nachstehenden gern mittheilen wollen. Hätte dieser Gedanke recht, wäre dieser Gedanke wahr, daß Eure Lebenserfahrungen in Beziehung meiner zu einzeln, individuell und in zu weit <gestreckter> Ausdehnung daständen, oder vielmehr von Euch hingestellt wären, so können sie nicht verstanden würden sie nicht erfaßt werden und schwerlich würde eine Wirkung im Allgemeinen und aufs Allgemeine daraus hervor gehen.
Doch dem ist keines weges, dem ist nicht so; vielmehr ist es rein umgekehrt: - gar viele bis in die neueste Zeit und kürzeste nächste Gegenwart herauf theilen Eure Erfahrungen in Beziehung auf den Wechselverkehr und Wechseleinfluß meines Lebens wenn auch nur Wenige, vielleicht gar keine mit der sichern und klaren Durchführung und Festhaltung im Leben wie von, in, durch und bey Euch. Darin liegt nun aber eben so wohl das Wichtige als Zeitgemäße der Mittheilung Eurer durch[-] und ausgeführten Lebenserfahrungen über mich. Sie werden, wenn sie eine gewisse Öffentlichkeit, wenigstens Allgemeinheit erhalten ein Seegen für viele werden, denn vielen wird dadurch die längst ersehnte Deutung und Bedeutung ihrer eigenen Lebenserfahrungen finden [sc.: werden], sie werden dadurch eine wahre Mitte und Beziehungspunkt ihres eigenen Lebens bekommen, und wenn dieser schon von ihnen erkannt ist, ihn nun mit Sicherheit und Bestimmtheit festhalten. Die Hauptsache aber ist da die zerstreuten Einzelerfahrungen dadurch einen Beziehungs- einen Mittelpunkt gleichsam einen und ihren Vocus [sc.: Focus] Sammel-und Brennpunkt finden, so eine Gesammt- und Gemein-(same) Erfahrung vieler, gleichsam eines ganzen Geschlechtes wird, von welchem Brenn- und Sammelpunkt aus in gegenseitiger Durchkreuzung
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und so Bewährung sie sich dann wieder für und in Farbe und Gestaltung pp nach dem in ihnen ruhenden nur gefundenen, erkannten, beachteten und gepflegten Gesetz zerstreuen können.
Es ist nemlich eine ganz durchgreifende Thatsache meines Lebens, welche weniger wahrhaft be- und gegründete Einschränkungen erleiden wird: daß mein Leben und meine Person, mein Erscheinen wo es in Wechselverhältniß und Verkehr ja wo es nur in der Umgebung in einer Umgebung /
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als Person auftrat allemal sogleich auch unmittelbar eine Wirkung, eine entscheidende Wirkung hervorbrachte und zwar entweder eine eben so bestimmt entgegnende, [{]oder / als} eine ebenso bestimmt einende, zusagende; immer aber ein auffallendes Festhalten meiner Persönlichkeit und {deren / dessen[}] Eindruck auf Gemüth, Geist und Leben. Von diesem letzteren habt Ihr selbst zum öfteren Beweise gehört, ja Ihr habt die bestimmtesten Beweise davon selbst unter Euch und in Eurem Kreise. Die Erscheinungen und Wirkungen dieser Art gehen bis in mein frühestes Knabenalter hinauf und ziehen sich durch mein ganzes Leben hindurch. Einen schriftlichen Beweis dieser Art habe ich noch unter meinen Lebenspapieren, es ist dieß ein Brief meines Oheims an meinen Vater über den Eindruck meines Seyns auf meinen Oheim und wodurch derselbe bestimmt wurde meinen Vater zu bitten mich von sich und zu ihm, meinen Oheim, zu geben; doch diese Art Eindrücke erscheinen vielleicht sehr allgemein und wenig bedeutungsvoll, obgleich ich jetzt nach 20-30-40 Jahren jetzt sehen und finden muß daß sie alle den Ausdruck der Schärfe, des Charakters, der Lebendigkeit und des Interesses an sich tragen;- aber besonders für mich jetzt höchst merkwürdig sind die Eindrücke der rein entgegengesetzten Art, die unmittelbare Hervorrufung der Entgegensetzung, des Ankämpfens gegen mich, des Krieges ja ich darf sagen der Vernichtung gegen mich nur durch mein Erscheinen und ohne alles Zuthun also Bewußtseyn von meiner Seite. Auch diese Erscheinung geht durch mein ganzes Leben hindurch. Als Knabe während meines Lebens bey meinem Oheim erinnere ich mich, daß mir eine Aufbürdung woran meine Seele nicht gedacht hatte, welche eigentlich sogar ganz außer meinem Charakter liegt, doch weiß ich jetzt nicht ob es mir dort gelang vom Gegentheil und so der Ungegründetheit derselben zu überzeugen, fast zweifele ich.- Eine recht auffallende Erscheinung dieser Art und wo ich eigentlich zuerst auf das mich im Leben stets begleitende Nächtliche, Vernichtende, Gehässige aufmerksam wurde hatte ich als ich als Sekretär nach Meklenburg ging also ohngefähr in meinem 21 Jahre, dort in einem Lande wo ich mich wegen der Größe der Entfernung und da ich aus Franken und der Oberpfalz dahin kam wo ich sehr zurück gezogen wie immer gelebt hatte ganz unbekannt hielt, trat mit einemmale der Präsident mit einer Erscheinung meines Lebens hervor die statt sie ganz für mich war, hier ganz zu meinem Nachteil gewendet, vorgeführt worden war. (:Ähnlich nur im Kleinen eine Erscheinung wie jetzt in Luzern:). Ganz dieselbe Erscheinung nur stärker wiederholte sich einige Jahre später in Frankfurt, wo ein Mann mit dem ich unbedeutend wenig und von meiner Seite ganz gleichgültig in Verhältniß kam, ich glaube während eines Jahres und länger ein ganzes Buch über mein Leben und Charakter geschrieben um beydes in einem nachtheiligen Lichte darzustellen; durch ein eigenes Zusammentreffen der Umstände kam das Buch später selbst in meine Hand und ich selbst habe es verbrannt kaum ohne hineingeblickt zu haben weil ich nie auf die Erscheinung dieser Art Werth legte indem es mir gar nicht in den Sinn kam daß sie mir eigentlich und bleibend schaden könnten. Die Wirkung meines Erscheinens namentlich in Stadtilm und Rudolstadt und selbst in Eichfeld auf und bey dem ehemaligen Herrn Pf: Reinhard wißt Ihr selbst. Jetzt nun endlich weiß ich ganz klar daß sich, ich möchte in Thibet, Neuholland oder Amerika auftreten, sogleich mit meinem Erscheinen auch der Krieg und /
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die Entgegnung gegen mich auftreten würde. Das auffallendste Beyspiel dieser Art habe ich aus meinen ersten Universitäts Jahren zu erwähnen vergessen. Genug diese nächtliche und niederziehende Entgegnung ist so unmittelbar an mein Leben geknüpft, wie der Abend an den Morgen und das Niedersinken der Wa[a]ge an das Steigen derselben.- Es ist dieß der Ausdruck eines großen durchgreifenden Lebensgesetzes; würde ich nun diese Lebenserscheinungen frühe von diesem Gesichtspunkt ausbetrachtet haben würde ich von meinen Lebenslehrern darauf aufmerksam gemacht worden seyn ich würde große Irrungen des Lebens vermieden haben; doch mir war es ja Aufgabe diese Gesetze selbst erst in des Lebens Irren u Wirren und aus demselben auf und heraus zu finden.
Dieses Irren und Wirren meines Lebens bestand nun darinn: daß ich alle nächtlichen, niederziehenden und zuletzt wohl auf Vernichtung zielende Entgegnungen in meinem Leben so sehr sie mich auch vielleicht in einem Augenblick schmerzen mochten doch sonst ganz und gar nicht beachtete, weil ich keinen Grund dazu in meinem Leben und in den Erscheinungen meines Innersten fand dagegen legte ich lange Zeit hindurch zu großen Werth auf die Beystimmenden, an- und zuneigenden Erscheinungen meines Lebens und dieß um so mehr als von Erwachsenen, sogenannten Erfahrenen und Gebildeten kamen, weil ich glaubte sie müßten im Bewußtseyn, in der Frei- und Selbstthätigkeit dieser Personen gegründet und von denselben mit Bewußtseyn Frey- und Selbstthätigkeit aufgenommen und festgehalten werden, als dieß alles von mir in meinem Bewußtseyn, in meiner Frey- und Selbstthätigkeit geschähe, und wie ich mir aller dieser Erscheinungen klar war. Und doch war dieß in der Wirklichkeit alles rein entgegengesetzt: - Der niederziehenden und vernichtenden Entgegung war man sich mehr bewußt und hielt sie fest, bildete sie gleichsam aus und pflegte sie als man sich der erhebenden und erhaltenden fördernden Beystimmung bewußt war und diese fest hielt und über dieß thaten dieß die kleinsten Kinder und unbewußten jüngeren Menschen mehr als die Erwachsener[e]n und bewußteren. So erinnere ich mich z.B[.] in Berlin des sehr bestimmt zuneigenden Eindruckes den mein Erscheinen auf das ohngefähr 2jährige Kind eines Obristleutenants machte dessen ältern Tochter ich Unterricht gab und das nur zuweilen während des Unterrichtes von der Wärterin durch die Stube getragen worden war; die Äußerung dieses Kindes hat auch wirklich, so erinnere ich mich, wenigstens auf die freudigere u zuversichtlichere Festhaltung meines Erzieherberufes beygetragen, denn sie geschahe mir gerad in der Zeit als ich eben in mir sehr mit der Wahl und Festhaltung desselben beschäftigt war. Weil nun so die Zuneigende erhebende, und klärende Wirkung meines Erscheinens wie zerstreut durch mein ganzes Leben und alle meine Lebensverhältnisse sich durchzieht, so finden sich die Thatsachen derselben auch in den verschiedensten Punkten Deutschlands und sie haben sich so auch während meiner jetzigen Abwesenheit von Keilhau und sogar während meiner Reise nach der Schweiz wiederholt, wo Menschen mit denen ich nur Stunden verkehrte, den von Euch ausgesprochenen ähnliche Erfahrungen machten, so daß sie mir aussprachen: sie würden mein Leben nie aus den Augen verliehren um zu sehen ob es auch zu dem Ziele führe daß [sc.: das] theils ich ihnen zeigte, daß [sc.: das] theils ihnen daraus herauf dämmern mochte; /
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genug das Ergebniß war: sie freuten sich einer solchen Lebens- und Menschenerscheinung und sie fühlten daß wenn ein so durchgeführtes Leben zum Ziele führe, nicht allein zum Heile vieler sondern sogar zu ihrem eigenen Heile dienen und darauf zurück wirken werde.
Während meines Aufenthaltes in der Schweiz waren diese Wirkungen meines Erscheinens noch bestimmter, und mein bisheriges Bestehen in der Schweiz hat eigentlich als äußere Ursache seinen Grund einzig in der Wirkung meines Erscheinens für Klärung im Innern, für sich selbst finden, und in dem Finden dessen was das Gemüth lä[n]gst ahnete und der Geist ersehnte.
Diese klärenden Erscheinungen die sich selbst findenden Wahrnehmungen im Innern selbst der Erwachsenen und Edleren werden aber sehr selten und fast kaum von denselben - wie ich schon oben erwähnte [-] von den Menschen fest gehalten; der Grund davon ist ein erzieherisch - für die allgemeine Menschenerziehung, und die Menschheitserziehung - höchst wichtiger, nemlich der, (beachtet es wohl) nach der bis jetzt bestehenden Erziehung wird der Mensch früher auf das böse, Schlechte, Nachtheilige, wenigstens Leere und Nichtige in sich aufmerksam als auf das wahrhaft und ächt Gute, Tüchtige, die Fülle und Bestehende seines Wesens - darum erstl[ich] erkennt er alles Schlechte rc leichter als das Gute pp. darum zweytens hält er alles Schlechte pp leichter fest als das Gute pp. darum drittens hat er in Hinsicht auf alles was sich auf Gutes pp. bezieht wenig Zutrauen zur Ausführung, darum im Gegentheil zu allem was sich auf Schlechtes pp bezieht vieles und volles gutes Zutrauen. Darum viertens vertrauen, trauen finden und einigen und verstehen sich die Schlechten u bösen (bis auf einen gewissen Punkt freylich den sich jeder zu seiner Sicherheit vorbehält) viel leichter als die Guten; denn die Schlechten und Bösen können darauf zählen u rechnen, daß der andere sie und seine Sache verstehe, klar und sicher in sich trage, und darum auch klar und sicher ausführen werde. Die Guten dagegen, vertrauen sich dagegen nicht, verstehen sich nicht weil jeder von dem andern natürlich meint, er sey darinn auch nicht mehr bewandert, zu Hause und tacktfest verstehe sich eben so wenig wie er selbst. Fünftens die Bösen u Schlechten vertrauen sich gegenseitig, weil einer die Schlechtigkeit des andern zum gegenseitigen Unterpfand hat: "verräthest du mich, - verrath ich dich." Die Guten wissen in ihrer Unbewußtheit und Schwäche noch nichts von so einem gegenseitigen Unterpfand und Bürgschaft, wissen weder worinne es besteht noch wo es zu suchen ist; darum endlich sechstens kommen alle Schlechten und böse[n] viel eher zum Ziel; denn ihre Einigung besteht wenigstens so lange fest bis der wehrlos und allein dastehende Gute hinunter gearbeitet ist. Dieß aber kümmert die Schwachherzigen, Schwachgeistigen und Schwachkräftigen die sich Gute, Edle, Gebildete, Einsichtige Erfahr[e]ne nennen wenig, denn sie meinen gilts doch mir nicht; und so hat das wuchernde rankende Gestrübt [sc.: Gestrüpp] bald alles überwachsen und verdumpfend die edleren Gewächse unter sich; ja der sich durchs Leben hindurch schlagen und kämpfen müssende Erwachsene u Vater denkt wohl gar: habe ich mich durchkämpfen müssen, kann es der Sohn auch, aber leider das Kind der Sohn kann es wohl, aber schon weniger als der Vater. Des Sohnes Sohn noch weniger und so liegt das Edle Geschlecht, der edle Mensch niedergezogen im Staub u Koth. Leset die Geschichte vieler untergegangener Geschlechter /
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sie ist in diesen paar Worten angedeutet. Der Böse u Schlechte weiß daß das Böse u Schlechte seine bestimmten sichern Gesetze hat, lernt sie kennen, lernt sie gebrauchen macht sie sich zu eigen. Der bessere Mensch aber meint gewöhnlich das Gute sey gesetzlos eben weil es das Gute ist.
Nun zum endlichen Resulthat dieser wegen der stöhrenden Umgebung so gedehnten Mitteilung[:] erstlich Euer Bild und Charakteristik meiner wird aus allen meinen Lebensepochen, in den verschiedensten Punkten Deutschlands und sogar seit meinem neuesten Wirken während meiner jetzigen Abwesenheit und ganz namentlich auch in der Schweiz Menschen finden welche die Wahrheit davon in ihrem eigenen Innern empfunden und wahrgenommen haben.
zweytens es ist nöthig daß das Allgemeine dieser Wahrnehmungen von den verschiedenen Einzelnen erkannt und so die Selbst- und Eigenerfahrung um so mehr festgehalten und gepflegt zum Bewußtseyn erhoben werde[.]
drittens es ist nöthig daß [sich] diese verschiedenen Einzelerfahrung[en] zu einer Allgemein[en], menschlichen einen.
viertens damit so das immer Zugleich g und im gleichem Maaße Gesetzte des Tags u der Nacht des Emporstrebens u Herniederziehens, des Guten u des Bösen erkannt werde; damit
fünftens die Nacht, das Herniederziehen, das Böse durch diese Erkenntniß den Werth einer positiven Größe verliehre und ihren wahren Werth einer negativen Größe erhalte und so alles Nachtheilige für das Gute verliere; damit
sechstens man ahne, daß es Gesetze des Guten; positive, klare bestimmte, sichere Gesetze des Guten gebe die es in sich und durch sich selbst schützen, entwicke[l]n, fortbilden u.s.w.
siebentens daß der Mensch so strebe diese Gesetze des Guten in sich zu finden zu entwickeln, zum stets sichern Gebrauch sich aneigne und
achtens daß sich so für alle so zerstreut Strebende ein einender wie sammelnder so klärender Punkt zeige
deßhalb muß neuntens dahin gestrebt u dafür gesorgt werden Eurer Darstellung im Verein mit den beyden andern zeugenden Erklärung[en] die größt möglichste Bekanntwerdung zu geben.
Ich hoffe, Ihr werdet mich auch in diesen unvollkommenen Mitteilungen verstehen, was sie enthalten ist höchst wichtig fürs Leben. Macht es Euch recht klar alle persönliche Rücksicht muß dabey zurück treten, sie zieht hernieder und vernichtet so.
(:Für heute sey [e]s genug ich bin durch den Kampf gegen die Stöhrung von Außen sehr müde[.])
Doch noch Eins nur anmerkungsweise für heute. Was von der Wirkung meines Lebens auf andere gilt das gilt auch von der Wirkung und Einwirkung des Lebens anderer in das meine. So giebt es für mich Menschen welche fast dazu geboren zu seyn scheinen nur widrig u stöhrend in mein Leben einzugreifen die ich gar nicht kenne - bey deren Namen wenn er nur genannt wird mir schon unheimlich wird und denen ich dennoch wie Insekten gewissen Amphibien mit giftigem Oden [sc.: Odem] selbst in den Rachen fliegen mußte. Zwey Menschen sind mir hierin besonders merkwürdig einer aus der früheren, einer aus der jüngsten Zeit ein Schweizer. Bei dessen Namen Nennung mir nun fast wohl seit 25 Jahren jederzeit unheimlich zu Muthe wurde[.]
Ich theilte Euch vor mehreren Monaten schon etwas ähnliches in Beziehung auf Länder, Religionspartheyen pp mit. /
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Montag. Am 16en Tag im genannten Monats. Nun zum vierten Gedanken welcher auch noch zur lieben Keilhauer Gemeinsamheit wandern und bey Ihr [sc.: ihr] heimisch werden mögte. Es ist der: In dem von Euch entworfenem Bilde und gegebenen Charakteristik meiner habt Ihr, hat Eure achtende, liebende und vertrauende Überzeugung mich hingestellt entweder wie ich stetig jetzt schon seyn, oder wie ich immer mehr werden soll. Dieser Unterschied ist nun für das was ich zu sagen habe ganz gleichgültig, ich habe ihn nur gemacht um zu zeigen daß er streng genommen zu machen ist, und - daß ich ihn wirklich gemacht habe und mache; nun lasse ich diesen Unterschied wieder fallen und gehe weiter zu etwas wichtigerem. Bey der Art nun wie Ihr mich aus oben bezeichneter Überzeugung, mein Leben, meine Gesinnungen, meinen Charakter hingestellt habt; bey {deren / dessen[}] Lesung und Wiederlesung ich in meinem Inneren und Innersten nichts Trübendes und Störendes wahrnehme; müßt Ihr nun ein zweyfaches beachten und bedenken und ja so weit als es immer nur möglich ist auch andere beachten und bedenken und im Leben: im prüfenden Blick auf mein Wirken, Handeln u.s.w anwenden machen: einmal und zuerst daß jeder Gegenstand einfach oder zusammengesetzt, doch der zusammengesetzte noch mehr als der einfache, sich wiederspiegelnd auf und aus einem klaren ruhigen Gegenstand und Fläche weit klarer schöner, besonders aber vor allem erfasslicher in Natur, Gestalt und Charakter erscheine, als in der äußeren, körperräumlichen Wirklichkeit sich ausdehnend und zertheilt verbreitend nach allen Seiten, daß es beym Eindruck des Gegenstandes sowohl im wiederspiegelnden Bilde als in der Wirklichkeit auf den Gesichtspunkt oder die Seite und Art der Ansicht und ganz vor allem mit auf die Beleuchtung ankomme. Ihr seht daraus Geliebte und Freunde wie das Urtheil über einen und ebendenselben sich in sich und außer sich, selbst treuen Gegenstand unter den angedeuteten verschiedenen Gegenständen ein so sehr v, welche alle außer der Macht und dem Bereiche des Gegenstandes liegen, ein so sehr verschiedenes seyn kann. Wenn jemand dieß im Leben hart empfunden hat so bin ich es. In dem vorliegenden Fall Ihr Lieben, Theuern ist es also vor allem nöthig daß Ihr mein Bild und Leben aus einem klaren, Eurem klaren ruhigen Gemüthe und Innern wiederspiegeln laßt, dann daß Ihr immer dieselbe, das ist die Innere Ansicht meiner festhaltet, endlich und hauptsächlich aber, daß Ihr den Gegenstand nemlich mich und mein Leben vor dem innern Lichte Eurer achtenden, liebenden und vertrauenden Überzeugung beleuchten lasset und mit einem so und davon durchleuchteten Auge betrachtet und anschauet; las so betrachtend und anschauend macht, d.h. in einer gewissen Beziehung immer mit einem Künstler- und Dichterauge d.i[.] im ganz allgemeinsten mit vom menschlichen klaren Sinn, Gemüth und Auge. Denn Ihr wißt ja alles dieß aus den unzähligen Erfahrungen Eures Lebens und Eurer Spaziergänge wie ganz anders erscheint rein eben derselbe Gegenstand unter ganz gleichen äußern Umständen dem Auge des sinn- und gemüthvollen /
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und dem äußeren Auge des rohen und ungebildeten Menschen. Wem also daran liegt daß mit seinem Urtheile über einen versteht sich, sich immer selbst gleichen Gegenstande andere ganz übereinstimmen d.h. wer will daß sein Urtheil über einen solchen Gegenstand <nur> mehr- und vielseitig anerkanntes zuletzt wohl gar ein allgemeines werde, der muß also dahin wirken, daß einmal der rückspiegelnde den Gegenstand in sich aufnehmende Gegenstand ein solcher Mensch oder Gemeinsamheit nemlich ein klarer ruhiger sey, daß die Ansicht dieselbe innere und vor allem daß er auf gleiche Weise von dem innern Licht und Auge des betrachtenden pp be- er- auch wohl durchleuchtet werde wie z[.] B[.] das Frühlingslaub gar mancher lieben Bäume. Ihr seht daraus schon, hochgeliebte Theure was nur schon dazu gehört ehe nur ein gleiches, übereinstimmendes Urtheil in der kleinsten Gemeinsamheit errungen und noch vielmehr ehe und bis es festgehalten werden kann; wie viel mehr nun gar in und durch eine größere Allgemeinheit. Wenn ich jetzt Zeit hätte so könnte ich mit diesem hier zu Tage geförderten und aufgesteckten Lichte wieder - wie in jedem solchen Falle vom Einzelnsten ausgehend - die Geschichte der MenschheitsEntwicklung, er- be wie die dem Menschen heiligsten und wichtigsten Gegenstände des Gemüthes und Geistes er- be- und durchleuchten und die Ergebnisse würden Euch auf das höchste stärken, erheben, trösten, klaren, führen und Euch für Darstellung des Vollkommenen thatkräftig machen, doch ich darf mich jetzt von meinem ganz einzelnsten {Gegenstande / Punkte[}] nicht entfernen; d.h. immer nur den Wiederschein meiner aus Euerm Innern und Leben und die ferneren Forderungen und Folgen fest im Auge behaltend[.]
Nun tretet einmal mit mir hieher zum Sempacher See in der Ansicht die Euch Ferdinand davon auf 2 Blättern gegeben hat. Schauet das Wasser in seiner grünlichen krystallenen Klarheit daß man in Stockwerkstiefe noch das kleinste Fischchen spielen sehen kann; schauet die Fläche dieses Sees glatt u[n]d ruhig wie ein Metallspiegel; sehet das jenseitige Ufer in seiner reichen, reizenden Man[n]igfaltigkeit von Orten, Landgütern, Feldern, Matten, Waldungen pp. sehet dieses, er- be- und durchleuchtet von der malerischsten, günstigsten Beleuchtung des Sonnenlichtes, und nun diese Umgebung wiedergegeben von der spiegelnden Fläche des klaren Sees; was wollt Ihr nun herausheben, was zurücklassen, wem den Preis reichen? - Nehmt eines weg und Ihr habt das Ganze vernichtet: - die herrliche Beleuchtung schwindet!- und die Gegend ist todt die Klarheit des Seees trübt sich!- Und die Gegend erscheint wie ein Blinder u.s.w. seht, Freunde und Freundinnen!- so ist es mit der Erkenntniß-, Anschauungs- Auffassungs- und Darstellungsweise eines (ächten) Menschen -- sie ist ein gemeinsames gegenseitiges Erzeugniß. Hört! einer rühmt dort nur die Klarheit des Sees; ein anderer nur die Schärfe des Wiederscheins; ein dritter die einzig seltene Beleuchtung, wer hat den Preis?- keiner u jeder, es ist beydes dasselbe er geht von Hand zu Hand u ruht da -- wo der Blick die hervorhebende Achtsamkeit ruht; Wie die Geschichte uns Thaten zeigt wo man nicht weiß, wer der Größere und Edlere war, der Vertrauende, oder /
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der das Vertrauen Erwiedernde. Seht Ihr lieben Freunde und Freundinnen! so ist es auch mit Eurer Darstellung meiner: es mögte schwer, ja ich meine gar nicht zu entscheiden seyn, wer durch jene Darstellung mehr gewonnen hat, d.h. wer eigentlich der in Klarheit und Wahrheit klar und wahr hin- und dargestellte ist: Ihr oder ich; wollte man die Frage wirklich aufwerfen und sie zur Entscheidung führen wollen, so würden gewiß die Stimmen geschieden seyn, sie würden sich trennen und so ist es recht. Doch ich hielt es für Pflicht Euch darauf ganz besonders aufmerksam zu machen; Euch diesen Gedanken zu schicken, damit Ihr die Folgen die zum Theil im Vorstehenden angegeben sind noch weiter in Euch findet, beachtet und so das Menschenleben, das gesammte, gemeinsame, auch einmal und endlich ein Leben aus einem Stück und Guß werde wie die Landschaft welche ich Euch aus meinem Fenster meiner Wartburg sehen ließ und so endlich der Mensch und das Menschenleben nicht länger hinter der unbewußten Natur, dem Leben der unbewußten Natur zurück bleibe.
Doch ich begann <eben / oben>: "einmal und zuerst daß" ..... Hiernach ist mir nun noch das zweytens und dann übrig. Es liegt nun zwar schon in dem vorstehenden angedeutet ich will es aber doch noch um des völlig klaren Verständnisses und besonders um des Wissens, des gemeinsamen Wissens, willen noch besonders hervorheben. Vielleicht ist es auch schon an der blosen Andeutung genug. Erlaubt mir einmal zur Abwechselung und weil ich immer Störung befürchten muß den Gedanken, wie die sich rechtwinklich durchschneidenden Linien zum Entwurf und Abzeichnung einer schönen Gestalt, roh hinstellen und aussprechen zu dürfen; es ist einfach der: Ihr habt mich hingestellt wie Ihr mich hingestellt habt, gut ich lasse bis ins Kleinste hin alles so stehen wie Ihr mich und mein Leben hin- und dargestellt habt; aber - wißt und vergeßt es aber auch nie, beachtet es stets im Leben: - mein Leben ist ein mit dem Eurigen gemeinsames, geeintes - macht mir darum nun aber auch durch Euer Leben, Eure Gemeinsamheit möglich,- daß ich so seyn kann wie Ihr mich hingestellt habt, und daß ich nicht vielleicht gar um seyn zu können zu seyn wie Ihr selbst mich hinstellt - gegen Euch seyn müßte, wie Ihr ein Beyspiel in meinem Briefe an Schnyder habt, wo man dann zu letzt genöthigt wird Leben und alles Liebe und Theure auf die Spitze und wie man sagt auf das Spiel zu stellen in welche Lebens Herz erhebende vernichtende Nothwendigkeit ich in meinem Leben so oft versetzt worden bin und wovon der Brief an Schnyder das unzweydeutigste Dokument ist.
Freunde es ist noch lange nicht genug, ja ich möchte sagen, es ist schauderhaft zu sagen wie der jetzige GeneralSuperintendent Dr Zeh zu uns sagte als er uns seinen ersten Bericht gab: ich habe Sie in Klarheit (oder welches Wort er sonst brauchte) hingestellt nun sehen Sie zu wie Sie sich in dieser Stellung erhalten: (:Ihr erinnert Euch vielleicht der bestimmten Worte bes die hier nichts zur Sache thun besser als ich:) Ein Urtheil ist aber ein neugebornes Kind, sich nicht weiter um dasselbe bekümmern und es ihm möglich werde was von ihm ausgesagt worden,- dieß ist ebenso /
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so viel als ein neugebornes Kind, welches das Urtheil - ein Mensch an der Stirn, im Auge und um die Lippen trägt hilflos aussetzen ohne ihm möglich zu machen, was das Urtheil sagt daß es werden soll. Freunde und Freundinnen! wieviel hätte ich Euch noch zu sagen, hätte ich Euch nur zu sagen über die verschiedenartige Aufnahme, über den verschiedenartigen Eindruck des dortmaligen Zehschen Berichtes und die Urtheile darüber; doch die Zeit ist dazu zu kurz denn erst vier Gedanken habe ich zu Euch geführt und noch sechs oder acht wollen dahin. Aber eines das mir wichtigste muß ich doch herausheben: - Lehrer und Zöglinge (erinnert Euch nur Herzogs und der beyden sich ausgeschiedenen Fröbel Urtheile) welche nicht Lust hatten jenes Urtheil und jenen Bericht durch Selbstthat zu bewahrheiten denen war jenes Urtheil und jener Bericht zu stark. Freunde u Freundinnen oder Söhne u[n]d Töchter, oder Brüder und Schwestern, das ist im Reiche des Geistigen alles eins; laßt Euch dadurch weise machen.
Ächtes und wahres Menschen- und Menschheitsleben ist eine gemeinsame Aufgabe, wie ein gemeinsames Erzeugniß der Gemüthsseite der Menschheit, der Geistesseite derselben und der physischen oder sich ausführenden Thatkraft derselben, in allen Abstufungen sich ausgleichend einend.
Der fünfte Gedanke einfach ausgesprochen heißt: Es verbreiten sich und man verbreitet überwiegend leichter die Gesinnungen, Grundsätze und den Geist eines zweyten (:darinn ist die Liebe zu und die Sucht nach Autoritäten begründet:) als seine eigenen. Dieser [{]Satz / Gedanke[}] scheint abgerissen hier zu stehen, liegt schlummert aber schon in dem vorstehend ausgesprochenen; ich wollte nur nicht erst die Zeit damit versäumen ihn daraus abzuleiten, denn diese Andeutung ist schon dazu hinlänglich.
Dieser Satz ist in seinem Grund und seiner Wahrheit leicht nachzuweisen er beruhet darauf daß alles Zweyte ein schon Gewordenes, Geborenes, Daseyendes, somit Endliches in gewisser Beziehung schon durch die Prüfung der Gegenwart hindurch Gegangenes, Vergangenes ist, wenigstens ein schon als ein Gewisses hingestelltes, Gestaltetes; liegt darinne daß ein als ein Zweytes hingestelltes als solches zugleich schon einer mehr ja allseitigen Prüfung Preisgegebenes ist in welchem man darum schon ein, sey es auch noch so leise, allgemeines der Gegenwart hat in der Gegenwart anerkanntes hat; man weiß nur wie man den Gedanken anschauen, auffassen, hinstellen, behandeln, in welcher Gestalt und in und unter welcher Form man ihn auf treten lassen soll. (:Ganz anders aber verhält es sich mit den ursprünglich eigenen Gesinnnungen, ganz neuen individuellen Grundsätzen und einem ursprünglichen neu aus sich gebornen Geist:) Der Gedanke welchen wir als einen zweyten hinstellen, welcher von uns als ein zweyter hingestellt wird, kann um so sicherer fester vertrauensvoller hingestellt werden und wird so hingestellt, weil wir ihn an unserm eigenen Innern prüfen konnten und geprüft haben ehe wir ihn hinstellten; den fremden zweyten Gedanken der sich so in und an unserm Innern und durch dasselbe bewährt hat stellen wir darum um so sicherer u fester hin weil wir dunkel ahnen, der erste der ihn - ohne eine solche objective zweyte Bewahrheitung in sich zu haben - mit Sicherheit hinstellte mußte dafür eine Bewahrheitung in der Einheit u Allgemeinheit schon erschauet /
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oder doch wenigstens geahnet haben weil es sonst unmöglich ist einen ursprünglichen Gedanken zur und für Anerkennung gestaltet außer sich hinzustellen. Der welcher also eines zweyten Gesinnung, Grundsätze Gedanken für Anerkennung außer sich hinstellt, stellt sie also so geprüft an der Trinität und durch die Trinität und in und durch dieselbe bewährt mit Ruhe, Festigkeit Klarheit, Sicherheit, Entschiedenheit hin; darum nun auch die sichere, entschiedenere auf- und Annahme und so die gleichartige Verbreitung.- Anders, ganz anders verhält es sich aber mit der Verbreitung der ursprünglich eigenen Grundsätzen, ganz neuen individuellen Grundsätzen und mit der Mittheilung eines ursprünglich und ganz neu aus sich gebärenden Geistes. Hierführ hat man anfänglich ganz und gar nichts als das Gefühl und Wahrnehmung eines alldurchdringenden Lichtes und Lebens, eines allgestaltenden und allerleuchtenden Lichtes und einer allbelebenden allerfüllenden Wärme; weder die Ahnung und noch weniger die Anschauung von Person d.i. der individuel[l]en {Einzelheit / Sonderheit[}] noch der [{]allumfassenden / [all]er[fassenden[}] Einheit. Hier muß sich Gedanke, Geist, Gesinnung, Grundsatz, Leben erst zur größten Allgemeinheit herauf[-] und ausbilden durch diese hindurch zur Einheit und so zuletzt in diesem und durch dieses sich erst als Einzelheit, als Sonderwesen, als Individuum und Person zu finden. Nur erst wenn ihm dieses höchste gelungen, die Einheit selbst gefunden und angeschauet zu haben die Wahrheit seiner Gedanken, seines Geistes und so sich selbst in der Einheit als Einzelheit u Sonderwesen zu schauen und zu erfassen, jetzt erst kann er mit allen oben angegebenen Eigenschaften Ruhe, Festigkeit Klarheit, Sicherheit, Entschiedenheit u.s.w. an die Mitteilung, Verbreitung seiner Überzeugungen Gedanken, Grundsätze und Gesinnung zu und für Anerkennung und Ausübung denken und daran arbeiten[.] Und doch muß er, wenn er bleibend, seegens- und fruchtreich wirken will in den anderen erst den Prüfstein das Criterium der Trinität wecken und ausbilden, was jedoch da am leichtesten ja eigentlich nur da möglich ist wo das gesammte geistige Leben in unzertheilter Einigung lebt, d.i. in dem Kindes Gemüthe in dem Gemüthe noch kindlicher Menschen.
Mit dem Lichte dieses Gedankens nun ins durchlebte und verlebte eigene Leben und die eigenen Lebensverhältnisse und Lebenserscheinungen gegangen, vieles klärt sich dadurch.
Mit dem Lichte dieses Gedankens nun in die Geschichte der Menschheitsentwicklung und zur Verbreitung der den Menschen heiligsten Wahrheiten gegangen, vieles klärt sich dadurch.
Mit dem Lichte dieses Gedankens nun zu und in das Leben einer Gemeinsamheit gegangen welche sich als Eine intelligente und moralische Person betrachtet und erkennt, welcher es um ihrer selbst und um das vielseitig neu in ihr aufsproßenden Lebens willen um die Anerkennung, Mittheilung u Verbreitung von Gesinnungen, Grundsätzen u Überzeugung zu thun ist, durch welche es dem Menschen <nur> möglich wird ein ächt und wahrhaft menschenwürdiges Leben zu führen,- zu leben.- Vieles klärt und gestaltet sich für eine solche personifizirte Gemeinsamheit durch diesen Gedanken.- /
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Dienstag am 17en Tag des genannten Mon: Zuvörderst sage ich Euch einen herzinnigen Guten Abend und daß ich in dem unausgesetzten Streben mich als Person und in meiner Individualität zu erfassen, viel und gern mit und bey Euch lebe.- Ihr werdet es hoffentlich nicht nur natürlich, sondern sogar nothwendig finden, wenn ich in meinen Erwiederungen auf das mir von und durch Euch Mitgetheilte und besonders von Euch über mich Ausgesprochene, immer wiederkehrend auf mich zurück komme und von mir ausgehe, indem es wohl ganz und gar nicht seyn kann indem der Blick eines so Hingestellten nothwendig auf und in sich zurück gedrängt werden muß. Dieß ist nun auch der Charakter der folgenden Mittheilung, welche ich in der begonnenen Weise und Folge den sechsten Gedanken nennen, welcher wenigstens, da ich es nicht äußerlich selbst kann, zur lieben Keilhau Gemeinsamheit und unter derselben heimisch werden mögte. Es ist dieser. Ihr, Euer Gemüth u. Geist Euer Leben vergleichet mich und mein Leben mit einem durchsichtigen Thautropfen. Gut, es mag seyn, denn was könnte ich mehr und schöneres wünschen als daß Ihr und all die lieben Eurigen bey dem Anblick dieser fast schönsten und allgemeinsten der Erderscheinungen meiner gedenken möchtet; allein habt Ihr schon einen Thautropfen, einen durchsichtigen Thautropfen in der Vollkommenheit seiner Erscheinung betrachtet, und wißt Ihr sonach [daß Ihr] durch jenes Bild und mit jenem Bilde noch mehr, noch alles gesagt habt?--
Ein Thautropfen hat wie jeder Erdgegenstand eine dunkle und helle Seite und wirft einen Schatten; aber als durchsi also seine Klarheit und Durchsichtigkeit, dieß merkt Euch zu Eurem eigenen Frieden, schließt keine jener drey Erderscheinungen aus, nicht die Dunkelheit, nicht den Schatten; allein als durchsichtiger Körper und Gegenstand (und noch überdieß wohl in ich [sc.: sich] selbst ruhend, ru..nd,) ist seine dunkle Seite gegen das Licht gekehrt, die helle Seite ist die, welche dieser entgegengesetzt und gleichsam von dem Lichte gekehrt ist. Doch das besondere sinn- bedeutungs- und ich möchte sagen trostvolle diese[r] Erscheinung ist: daß durch diese lichte Seite ein Lichtpunkt, gleichsam ein leuchtender Stern, eine leuchtende Sonne mitten in den Erdschatten hineinfällt, darinn ruht wie ein Lebenspunkt in dem dunkeln Saamenkorn. Und möget Ihr nun diese Anschauung des Thautropfens schon gehabt oder nicht gehabt, diese Erscheinung desselben schon beachtet und bemerkt haben oder nicht bemerkt haben, genug! Ihr habt mich dadurch in dem innersten meines Wesens, Wollens, und Strebens bezeichnet: Immer war und ist mein Streben von jeher gewesen das zerstreute höhere Licht im Leben und der Natur in Einem Lichtpunkt zu sammeln, doch wie kam und kommt es mir in dem [sc.: den] Sinn mit diesem gefundenen geeinten Licht mich gegen über zu stellen, wohl aber damit und mit demselben die Nacht und den Schatten des Erdenleben[s] zu er- und zu durchleuchten und so möge uns denn fortdauernd der Thautropfen ein gegenseitig einendes, wie gegenseitig belehrendes Bild seyn. Doch mir ist es noch von einer anderen Seite /
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lieb dieses Bild, denn gar manches und herrliches der Entwicklung meines inneren Lebens knüpft sich daran, so war es ein mit perlenden funkelnden Thau übersäeter schnurgerader ebener Pfad auf welchem ich an einem der schönsten Frühlingsmorgen meinem Erzieherberufe entgegen, gleichsam zu und in denselben wandelte, ohne daß mein Gemüthe dort noch etwas anderes davon ahnete, als daß es den Himmel und die Klarheit und das Leben was mich umgab auch in sich empfand. Doch so weit und so ins Allgemeine wollte und will ich jetzt nicht gehen. Ich will etwas uns allen bey weitem näher liegendes in meinen Erzieherberuf und Wirksamkeit unmittelbar Eingegriffenes (darum also auch tief in mein eigenstes Leben) also in seinen Wirkungen und Folgen von Euch allen Empfundenes und Wahrgenommenes zurück kommen. Ihr erinnert Euch wohl im vorigen Frühjahr, es mag im Februar oder März gewesen seyn, eines gemeinsam seyn und werden sollenden Spatziergangs nach dem Wirrethale. Doch ich irre wohl weil mir die letzteren Jahre in mir so entwickelungs- und lebensreich und darum so schnell verflossen sind, es mag wohl schon verflossenen Frühling vor einem Jahre gewesen seyn. Nun Ihr {findet / wirrt[}] die Zeit schon heraus; die Thatsache ist bestimmt genug bezeichnet. Genug, es sollte ein gemeinsamer Spatziergang werden, wurde aber keiner; ich wurde ich weiß nicht wodurch schon früher von Euch getrennt, später aber noch besonders durch die überschwemmte Brücke bey der Papiermühle; wovon ich jedoch, so ich Euch nachgehgehend [sc.: nachgehend], frühzeitig unterrichtet, den Weg nun über die Hauptbrücke nehmend mit wenigen Knaben ich meine Titus u Johannes in das Wirrethal kam, während Ihr am linken Ufer der Schwarza bis zum Anfang des Schwarzathals gingt und dort sanget. Ich begrüßte Euch noch von einem hohen Felsen aus dem Wirrethale hervor, und herab und Ihr sandtet mir freundlich Gegengrüße. Dieß ist jedoch eigentlich alles nur Nebensache nur zur genauern Bestimmung der Zeit und der innern Stimmung des Sonderlebens jedes Einzelnen und des Gemeinlebens des Ganzen. Ich war gerad in jener Zeit sehr in mich zurück gezogen beschäftigt und was dann immer die freylich wohl ganz nothwendige Folge ist, sehr Gemüths- und Lebensbedürftig. Welches Bedürfniß aber ob es gleich das Einzelgemüth und Einzelleben sucht fast nie von und durch dasselbe befriedigt wird, weil es von demselben eben wegen der in sich und auf sich zurückgezogenheit nicht verstanden wird, wohl wegen noch zu geringer Kenntniß der Gesetze des Innen- und Gemüthslebens, nicht verstanden werden kann. Das Gemüthe, der Geist sucht und findet dann Einigung und Trost, genug <war / was> er <sucht / sieht> im Hingeben und Hingegebenseyn an das höhere Allgemeine, an die Einheit, an in und durch das Leben in derselben. Dieß nun war auch ganz mein dortmaliger Zustand, dortmals der Zustand meines Gemüthes, meines Innersten. Ich stieg vom Felsen herab schlenderte und kroch an dem Wirrbach hinauf von Wasserfall zu Wasserfall und immer freyer und freyer wurde mein Geist und Gemüth immer mehr geöffnet dem Allgemeinen u der Einheit in allem, /
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was das Wasser rauschte sahe ich in den Farben und was die Farben des perlenden Wassers zeigten hörte ich in seinem Getöne. Da empfand ich tief: nur das perlend leuchtende und tönende, redende, sich vertrauend und glaubensvoll von der Höhe in die Tiefe stürzende, in jedem einzelnen Tropfen das Bild der allschaffenden Sonne und des umgebenden All in sich aufnehmende Wasser, nur das, so perlend niederthauende Wasser gebe dem Menschen die äußere und gleichsam die Naturweyhe zu erfassen den einenden einigen Geist im lebenden All. Mit der Wahrnehmung dieser Weyhe im eigenen Gemüthe ging ich die höchsten Lebensgüter im Innern gefunden und tragend zurück. Mit der Morgenbetrachtung am nächsten Mondtag begann ich eine Reihe fortlaufender Betrachtungen; sie begannen und knüpften an die Betrachtung eines Thautropfens an; ich brachte daran zur Anschauung und entwickelte darauf die Einheit des göttlichen Wesens, Gottes; aus dieser im Verfolg die übrigen Eigenschaften Gottes so die Erscheinung des göttlichen Wesens als Einzelwesen auf der Erde, führte an diesen Faden weiter die Betrachtung und Entwickelung des Charakters und Lebens Jesu durch; und war so eben bis zur allgemeinen Erscheinung und Kundmachung des göttlichen Wesens u Geistes und dessen Empfindung und Wahrnehmung gekommen. Barop mußte uns dort für einige Zeit verlassen wir erwarteten ihn früher zurück; da ich die Betrachtung mit seiner Theilnahme daran begonnen hatte so wollte ich sie in seiner Gegenwart beschließen; und da ich zu sehr in jenen Gedanken lebte und schwierig dort eine andere in mir aufnehmen konnte übertrug ich die Morgenbetrachtungen und da Barop länger als erwartet wurde ausblieb, da die fernere Be- und Verarbeitung jenes Gedankens für mich selbst eine individuelle Richtung genommen hatte, so unterblieb auch später nicht nur die Fortsetzung jener Betrachtungen, so wie ich überhaupt gar keine Morgenbetrachtungen mehr hielt, weil ich fühlte daß der Kreislauf meiner eigenen innern Entwicklung nicht mehr der förderlichen Mittheilung an denselben angemessen sey. Doch mein Leben erhielt in jener Zeit das tiefe und breite Fundament auf welchem sich von nun an mein Leben fortbauet, mein Lebenskorn schlug dort die so tiefe Pfahlwurzel, daß es herauf[-] u emporgewachsen durch dieselbe die Lebensstürme ohne Entwurzelung der Lebenseiche ertragen konnte.
So wird Euch also selbst das Bild eines Thautropfens, eines niederthauenden Wassertropfens lieb seyn; denn es schließt sich an denselben an und ruht in demselben nicht nur ein wesentlicher Theil Eurer eigenen Lebensentwicklung Eures Eigenen Lebens, die sich gewiß durch jene Betrachtung auch in Euerm eigenen Innern zu trugen; sondern sogar für den Gesammtzustand unseres jetzigen gemeinsamen Lebens ist so das niederthauende Wasser gleichsam durch die höhere allgemeinere Weyhe welche das gemeinsame Leben dadurch erhielt wichtig. Und so wollen denn auch wir gern und dankbar um dieser an und durch denselben angedeuteten vielseitigen Wahrheiten willen alle gern als einendes u redendes Sinnbild, auch noch ferner den Thautropfen festhalten, dessen Erscheinen so vielartig seegensreich in unser aller Leben eingreift. /
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Ihr vergleichet weiter, Euer Gemüth, Geist und Leben vergleicht ferner mein Leben und mich, meinen Sinn mit einem klaren festen Krystall. Auch hierwider habe ich ebenso wenig etwas noch kann ich etwas dagegen haben noch darf ich etwas dagegen haben, denn das Bild und der Ausspruch kam aus wahren Gemüthern, muß also nothwendig wahr seyn und wäre seine Wahrheit noch nicht erkannt und anschaulich, so müßte eben deßhalb dafür Sorge getragen werden, seine, d.h. des Bildes und des Ausspruchs Wahrheit erkennend und anschaulich zu machen. Erlaubt daher den siebenten Gedanken, daß er zu Euch kommen und Euch das Bild und den Ausspruch des klaren festen Krystalls angewandt auf mich und mein Leben, deuten darf wie er diese {denselben / diese Deutung} außer Eurem Gebrauche, Eurer Anwendung in sich trägt. Zwey Anschauungen giebt es, doch sagen sie beyde das Gleiche, gehn wie vom klaren Krystalle des Wassers, dem Eise, gehn wie vom festen der Steine auch aus: aufgeben der Form und der Klarheit und selbst sogar und zuerst <noch / nach> der Festigkeit, das ist die unerläßliche Bedingung zu höheren Stufen der Bildungen, des Lebensorganismus emporzusteigen oder anderes dazu zu erheben. Ich will Euch das Bild nicht durch[-] und ausführen wie zuerst der klare Krystall, als Spath sich trübt, wie die trübe Fläche zu kuglich staubigen Moos sich zusammen zieht, wie sich aus diesem das laubige Moos bildet; wie dieses unbeachtet und zertreten zur Erde zerfällt um Gewächsen höherer Ordnung Daseyn Leben und Bestehen zu geben, wie sich so zuletzt der starke Baum, die Jahrhunderte hindurch den Stürmen trotzende Eiche entsteht. Ja so habt Ihr, hat Euer Bild und Euer Ausspruch recht: Ihr habt das klare, sichere und feste Leben meines Gemüthes und Geistes sich trüben, habt es zermalmen sehen in erdigen Staub, habt das weiche laubige Grün was sinnig die Ecken und Schärfen des und Härten des Lebens Krystalls überkleidete mit Füßen treten in nächtlich schwarze Erde verwandeln sehen. Gewächse höherer Ordnung aller Art bringen Euch die Letzteren Jahre, ob sich daraus eine ewig grünende, ewig das Wahre und ewig die Wahrheit sagende Eiche von Dodona erheben wird, wer mag es jetzt entscheiden; doch geschieht es so wer und erfreut Ihr Euch dann beydes der Wahrheit u des Wahren und als Zugabe noch des schützenden kühlenden Schatten zu Freuden und Scherz zum ächten Genusse des Lebens, so vergeßt dabey nie daß der klare feste Krystall freywillig Klarheit, Festigkeit u Schöngestalt aufgeben mußte damit ein Baum, ein das Wahre redender Baum, so der ächte Lebensbaum, die Lebenseiche entstehen konnte. Und so mag denn auch dieses Bild eines klaren festen Krystalls angeknüpft an mein Seyn und mein Leben von uns allen sinn- und bedeutungsvoll für jetzt und alle Zukunft und zu und für wahre innige, belehrende tröstende und erhebende Einigung in Freud und Leid fest gehalten werden, denn es drückt in seiner Vollendung aus, das Sinnbild unseres gemeinsam in Freud u Leid zur Er[r]ingung und Festhaltung, Aneignung der Wahrheit u des Wahren durchlebten Lebens. /
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Nun der achte Gedanke zwar als Gedanke eben nicht nach jeder Seite hin neu, doch hoffentlich ein alter lieber Bekannter, der hoffentlich wie alle ächte Bekannte als ein schon Gekannter kommt, doch wenn er scheidet noch gar manches noch nicht gekanntes zum Denken und Bedenken zurück läßt:- Das Leben d.h. die Erscheinungen des Lebens sind nur sinnbildlich (symbolisch) uns umgiebt ganz und gar nichts anders als Sinnbild (Symbol) zu dem ächt und wahrhaft Gebildeten spricht überall das Sinnbild (und (Symbol). Ganz vor allem ist die Sprache nur symbolisch wer die Sprache vor allem anders auffaßt wird nie ihren tiefen Sinn und ächtes Leben verstehen. Alles Sinnbild führt zum Spiel, daher nun bey der Sprache wegen ihrer tiefen sinnbildlichen Bedeutung die große Menge der Sprachspiele. Das mit dem Menschen von der Sprache als Produkt derselben am innigsten verbundene ist sein Name. Da nun nach dem zuerst ausgesprochenen der Mensch als Gestalt sich selbst Symbol ist; da nach dem Zweyten jedes was von der Sprache ausgeht symbolisch ist, so muß nothwendig - wenn überhaupt anders Wahrheit in dieser Vorstellungsweise ist, auch in dem Namen etwas Symbolisches liegen. Das Symbolische des Namens und der Person müssen nothwendig ineinander übergehen, sich gegenseitig Träger und Erklärer seyn.
Doch nein! mit einer dem Ausdrucke nach so wissenschaftlichen d.h. aus der Einheit abgeleiteten Form wollte ich eigentlich das was ich sagen will nicht bey Euch einführen es sollte nur ein sinniges Sprach- und Namenspiel seyn was ich bey Euch einführen wollte wie Ihr überhaupt wißt, daß ich mit Namen gern spiele.
Nun gut Ihr habt mich in dem von Euch Ausgesprochenen in Klarheit und Ebenmaß hingestellt, ich sagte wiederkehrend mit Bedacht Euer Gemüth, Geist u Leben hat es so hingestellt. Das was Ihr hinstellt und wie Ihr es hinstellt muß also zugleich in Euerm Gemüthe, Geiste und Leben begründet seyn. Der symbolische Ausdruck dafür wäre also Euer Name. Gar mannichmal bin ich schon auf Eure beyden Namen Barop u Middendorff, zurückgekommen; doch dieß hat seine eigene Beziehung und darf hier nicht aufgenommen werden denn was von Euch Ausgesprochen worden trägt Euere gemeinsamen Namen was also von Euern Namen in dieser Beziehung zu sagen wäre müßte darum auch nothwendig ein Gemeinsames seyn. Was haben aber Eure drey Namen Gemeinsames, sinnbildl[ich] Gemeinsames. Habt Ihr Lust es erst selbst zu finden so legt nun den Bogen aus der Hand denn natürlicher ist es wohl daß Ihr selbst mir es sagt, die Ihr Eure Namen so oft gemeinsam schreibt, als ich dem es nur aus Eurer geeinten Unterschrift entgegengetreten ist.- Wer von Euch hat es gefunden?- Was ich meine, ist dieß.-

Mittwoch am 18en Tag des genannten Monats. Mein Gemüth und Geist wünscht Euch einen friedlichen und sinnigen guten Abend; ich denke Eurer und unsres gemeinsamen Lebens viel. /
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Nun zum Namenspiel:
[*Zeichnung:*]


L a n g [e] t h a l


Einsatz L und Schluß l sind einander entgegengesetzt wie + und -
Auf entgegengesetzt gleiche Weise haben die beyden a eben so in sich eine Entgegensetzung.
Die Glieder La und al sind sich wieder entgegengesetzt wie L und l
ng und th sind zwey in sich zusammengezogene Wortbildner und so gleich, aber in sich wieder entgegengesetzt wie Laut und Schluß. Eben so sind die Glieder ang und tha wieder in sich entgegengesetzt gleich; so wie die beyden vollständigen Wortglieder Lang - thal. Der Name trägt also das Bild der Ebenmäßigkeit in sich; und kann auch unter dem Schema des Magnetismus oder der Polarität + o - angeschauet werden, welches Barop erklären kann.
[*Zeichnung:*]


Wilhe l m M i d d e n d o r f f


Middendorffs Name zeigt das Eigenthümliche, daß man einen Theil seinens Taufnamens nemlich die Buchstaben l, m herüber zum Geschlechtsnamen ziehen muß, ehe sich eine ähnliche symetrische Reihe bildet wie bey des Langethals Name.
lmM und rff. sind sich sehr eigenthümlich entgegengesetzt gleich: l u[n]d r bezeichnen beyde Bewegung[:] l innere, r. äußere Bewegung mM und ff, verhalten sich rein dem vorigen entgegengesetzt mM ist äußere Mannigfaltigkeit und ff. innere Tätigkeit.
i und o sind wieder entgegengesetzt gleich: i = Mitte, o = Umkreis; Ebenso sind Mi und or wieder entgegengesetzt gleich. Das erste d in dd ist dem letzten d in nd entgegengesetzt hier schließend dort beginnend; dd und nd sind sich selbst wieder entgegengesetzt indem dd mit dem Schluß und md mit dem Laut beginnt. Gleiches gilt von den Gliedern Mid und dor; die haltende ausgleichende Mitte für diese rhytmische Reise ist e der Buchstabe u Ton des Lebens. So kann auch hier der Name und das angedeutete unter dem Schema der Polarität im allgemeinen angeschaut werden + o -.
Die zu Hilfe nehmung eines Theils des Vornamens scheint in Übereinstimmung zu seyn mit Beweglichkeit und schwieriger innerer Ausgleichung. Das eigene Innere deutet dieß wohl am besten.
Leicht macht es uns der Name
[*Zeichnung:*]


B a r o p


B und p sind sich doppelt entgegengesetzte Gleichheit: beydes Schlüsse und dazu Lippenschlüsse.
Entgegensetzung: 1) sanfter, scharfer Lippenschluß; 2) B = Einsatzschluß. p = Endschluß.
a und o. Gleichheit: beydes Töne; Entgegensetzung a = Materie, o = Umkreis, Form.
r = äußere Bewegung gleich gehörig zu den Glieder[n] Bar und rop. Schema + o - sehr einfach. /
[10R]
Gemeinsames dieser Namensanschauung der drei Namen.
Jeder ist erstlich nothwendig als unter dem Schema des Magnetismus der Polarität angeschaut, zweytheilig durch die Indifferenz = o verknüpft; also eigentlich dreyteilig[.]
Jedes der beyden EndGlieder in jedem der drey Namen ist aber in sich wieder dreytheilig
L - a - ng e th - a - l ; lmM - i - dd e nd - o - rff; Bar - rop ;
Bey allen drey Namen ist die Mitte oder Indifferenz Bewegung also Leben: e - e - r. Die Namen selbst bilden unter sich wieder eine Magnetische oder Polarische Kette nemlich der erste Name schließt mit - l; der zweyte beginnt mit + l. ebenso sind f und B als Lippenlaut und Lippenschluß entgegengesetzte gleiche Glieder.
Aber auch eine Zahlenkette oder Reihe, Progression liegt in ihnen:
Barop hat 5; Langethal hat 9 lmMiddendorff hat 13 Buchstaben also das arithmetische Verhältniß 5 : 9 : 13, und zwar ein sogenannt stetiges oder stetige Proportion[.]
Aber auch selbst wieder die Endglieder zeigen unter sich wieder eine solche Progression[.] B a (r) op. jedes Glied 2; Lang (e) thal hat jedes Glied 4; lmMidd - (e) ndorff jedes 6 Buchstaben also das arithmetische Verhältniß 2 : 4 : 6; also wie wieder eine stetige arithmetische Proportion.
Und vielleicht entdeckt Ihr selbst wenn einmal der Faden der Betrachtung gegeben ist noch mehr. Sagen will ich Euch nur das was auf umstehender Seite steht trat mir mit einem Schlag entgegen, weiß selbst nicht wie u wodurch, als ich bey Abschrift Eurer Darstellung meiner Eure Namen so in der Reihe sah u schrieb.
Das was auf dieser Seite steht ist mir erst jetzt im Augenblick als ich davon schreibe und ich könnte wohl sagen an derselben Stelle wo es steht entgegengetreten.
Euch braucht wohl nicht gesagt zu werden wie aufs höchste es thöricht wäre nach solchen Ergebnissen ein Leben zu machen zu leimen. Aber wenn das Leben als ein organisches Ganze u[n]d so als eine große Gesammtthat schon dasteht, dann macht wie bey einem ganz ausgeführten architectonischen Kunstwerke oder wie bey einer sehr gegliederten Pflanze auch die Übereinstimmung und die Gesetzmäßigkeit bis ins kleine hin Freude. Und wenn uns aus kleinem (kindischen) Spiel große (männliche) Freude kommt, wenn wir vielleicht durch Kleines, Unbedeutendes - Großes und Bedeutendes noch mehr erkennen und beachten lehren lernen, warum sollen wir das Kleine u Unbedeutende dann nicht beachten. Eigen ist es immer der Name Her - zog hat keine LebensMitte, hat auch im zweyten Theil den Buchstaben der Zweyheit, des Zankes, der Zweytracht (z.)[.]
Da GeschlechtsNamen ganzen Geschlechtern angehören, so darf diese Deutung nicht auf ein ganzes Geschlecht ausgedehnt werden man könnte sonst auf das schreyendste wehe thun. Vielleicht daß sich die Bedeutung eines solchen Namens in einzelnen Individuen besonders ausbildet. Überhaupt ist das Ganze ein sehr in sich zu haltendes Witzspiel. Anders ist die Deutung der Begriffsnamen, der Abstracta wie z.B. auch Barop von {dieser / einer[}] andern Seite der Betrachtung. /
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In diesem einigen und schön geordneten verträglichen Gefolge will nun auch als Anhang der kleine neunte Gedanke mit es ist der: daß es auch ein hochgelehrter Doktor Martin, wenn auch sonst anderer Art ist, der sich der Wahrheit und hier des Rechtes annimmt. Dieß kann ihm dem Herrn Doktor der Rechte gelegentlich mit meinem Gruß oder als mein Gruß gesagt werden.
Wenn Ihr nun meine Theuern alles im bisherigen Ausgesprochene und selbst diese Kleinigkeiten mit eingeschlossen, so geht Euch darauf etwas bestimmtes als Eigenschaft meines Wesens als Thatsache meines Lebens hervor daß mein Geist und mein Leben nichts abgerissen und alleinstehend sehen und betrachten kann sondern daß es vielmehr alles zu einem organischen Ganzen verbinden als ein organisches Lebganze beleben, oder vielmehr als ein solches erkennen machen möchte; dieß ist der ganz eigenste und höchst charakteristische Zug meines Wesens und somit die Erscheinung meines Charakters. Todtes und Getrenntes erträgt mein Blick wie mein Gemüth und mein Geist nicht, muß ich es ertragen, so werde ich fast unaufhörlich getödtet und zerschnitten. Wenige Menschen nur mögen sich von einem so anhaltend fortgehenden getödet- und zerschnitten werden einen Begriff machen können. Aber doch scheint es auch für gewisse Naturen bey einen bestimmten festen Streben und für gewisse bestimmte Lebens- und Entwicklungsstufen unzertrennlich zu seyn. Durch die Lehre von den geschliffenen Gläsern von den Brenngläsern kann es vielleicht erklärt werden und zwar durch die und aus der Thatsache daß unvollkommen geschliffene Gläser die Lichtstrahlen zerstreuen statt sie in einem Brennpunkte zu sammeln. Und so komme ich durch die Sache selbst zur Einfühg (:Einführung:) des zehnten Gedanken: Das Leben, Wirken und Streben einer und jeder ächten Person oder einer, aus einer Mehrheit innig geeinten Gemeinsamheit muß der Wirksamkeit eines Brennglases (Brennkugel?-) gleichen welches die zerstreuten Lichtstrahlen des Geistes und des Lebens in einem einzigen Licht- und Brennpunkt sammelt um dadurch in die Nacht und das Dunkel des Lebens hineinzuleuchten: - Diese kugelartige (thautropfenartige) Ausbildung ist aber die zu und für vollendete Persönlichkeit. So nun schließt sich der eilfte Gedanke an: Er[r]ingung und Ausbildung der vollkommensten Individualität und Persönlichkeit [-] Einigung und Ausbildung der höchsten - versteht sich - innern Selbstständigkeit zunächst und vor allem eines Einzelnen und dann durch diesen einer in sich innig einigen gleichsam persönlichen Gemeinsamheit dieß ist die erste und unerläßliche Bedingung für die Menschheit zur Er[r]ingung einer neuen, ihrer nächsten Bildungsstufe alle anderen Bemühungen sind nur annähernd (aproximativ) aber nie zum Ziele gelangend. Der Erzieher, und so die erziehende Gemeinsamheit, die Erziehungsanstalt muß so vor allem zuerst sich selbst erziehende Aufgabe seyn, aber nicht nach äußeren Regeln, sondern nach innerem nothwendigen Gesetz[.]
Zwölfter Gedanke[.] Das Criterium, der Prüfstein, errungener Individualität, errungener Selbstständigkeit ist die Trinität, die Prüfung an der und durch die dreyfache Erscheinung und Kundmachung des Lebens; nur wenn wer in diesem und durch dieses sein Leben findet der hat sein Selbst sich selbst gefunden. /
[11R]

Donnerstags am 19en Tag des genannten M. Herzinnig hat Euch alle, groß und klein in der eben verflossenen Nachmittagsfreyzeit mein Gemüth und Geist begrüßt, und einen recht frohen das gesammte Leben wahrhaft fordernden und so einen ächten guten Abend, wünsche ich Euch insgesammt hier auf dem Papiere. Und nun fahre ich in der gestern Abend abgebrochenen Betrachtung und Mittheilung fort.
Prüfe ich nun an dem am Schluß des gestern wiederkehrend z.B. mein eigenes Leben so finde ich z.B. die früh schon von und in mir im Allgemeinen gemachte Bemerkung sich in immer mehr steigender und im Besonderen sich bewährender Wahrheit bestätigt - daß mein Gemüth und Geist, wie selbst in einer gewissen Beziehung mein äußeres Leben in seiner ganz individuellen Erscheinung, alle die Haupt- und wesentlichen Momente (:Moment heißt besonders in der Mechanik, Bewegungskunst, wirkende Kraft als selbstständig gedacht:) des M bis jetzt durchlebten Menschheitslebens in sich er- ge- und durchlebt hat, daß ich in meinem eigenen Leben alles das erfahren habe, was als allgemein menschheitlich bis jetzt das Menschengeschlecht, nach den uns davon gebliebenen Notizen inund und auf seinen verschiedenen wesentlichen Entwicklungsstufen erfahren hat. Es war meine sehr frühe Überzeugung, der Mensch müsse um Natur- und Menschheitsleben zu verstehen, zu erfassen und zu deuten, das ganze Natur- und das ganze Menschheitsleben in sich er- und durchlebt haben d.h. in seinem eigenen Leben anzuschauen und nachzuweisen verstehen; aber es fehlte mir dort noch gleichsam des <Schlosses / Schlusses> zur Deutung des eigenen Lebens, und besonders noch die Erfahrung daß das Gleichgesetzige Gleichgeistige, Gleichwesige und Gleichgestaltige in beyden Leben so in das Besondere oder wenn man lieber will in das Einzelne herabsteige und doch ist dieß ganz natürlich d.h. in sich selbst nothwendig bedingt. Aber der Mensch erkennt oft Wahrheiten in ihrer unleugbaren Gewißheit und Allgemeinheit und verwundert sich nachher doch ja man kann sogar sagen er erstaunt wenn ihm in den einzelnen Lebensthatsachen entgegen tritt wie gleichsam die Wahrheit der Wahrheit sich so bis in das Einzelnste hinbewährt und bestätigt. Mir wenigstens ist das sehr oft im Leben begegnet daß ich selbst bey in und von mir erkannten und von mir ausgesprochenen Wahrheiten fast erstaunte wenn ich sie so ich möchte sagen herab bis in das gemeine, gewöhnliche und alltägliche Leben hin bestätigt sah und fand.- Die ganz wesentliche Notwendigkeit der gleichsam innerlichen Wiederdurchlebung des menschheitlichen Lebens zur Erkennung Würdigung und zum Verständniß und zur Auffassung des menschheitlichen Lebens haben auch alle ächten Menschheitserzieher erkannnt und gefordert; aber entweder waren ihre Forderungen zu individuell und was hier fast ganz gleich ist zu allgemein oder man hatte dabey mehr die Form als das Wesen u den Geist festgehalten, und so fehlte die sichere und klare Nachweisung des Gesetzes wodurch Wahrheit zu und für gegenständliche (subj objektive) Wiedererkennung der Wahrheit /
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wodurch Wahrheit zu und für Aneignung und Wirksamkeit eigentlich nur mitgetheilt werden kann. Deßhalb wurden sie auch, außer von einigen wenigen Gemüthern welche die Wahrheit davon wieder selbst unmittelbar fanden, - so wenig verstanden und eben so blieben ihre mitgetheilten Wahrheiten Hunderte von Jahren, ja wohl Jahrtausende unverstanden und ihre Forderungen unerfüllt. (:Eben ist der Vollmond bey heiterem Sternenhimmel und duftigem Gesichtskreis in einer Klarheit, einem Feuer und einer Pracht jenseits der Anhöhen am südlichen Ende des Sees aufgegangen, wie man ihn in der jetzigen Zeit bey uns wegen mehr vorliegenden Bergen wohl kaum sieht darum bringt er Euch mit seinem ersten Blicke in Euer Thal schon meine Grüße und jetzt nun, das weiß ich empfang ich in ihm und durch ihn die Eurigen. Die klaren und glänzenden Gestirne Sirius und Orion empfangen die herrliche Luna wie erhabene geistvolle Freunde des Freundes freudige Braut:). Was nun oben von dem Inn[en-,] Mit- und Wiederleben der Natur und der Menschheit gesagt wurde, das ist unter uns selbst oft von dem Gottes- und göttlichen Leben ausgesprochen, so wie die Wahrheit dieses Ausspruchs tief in unserm Innern erkannt worden: - nur der Schaffende erkennt den Schöpfer, nur der welcher geistig, sinnig schafft d.h. deßhalb schafft damit das Innere, das Ewige, Geistige am Äußeren, Irdischen, Körperlichen sich kund thue.
Deßhalb würden ächte Dichter und Künstler von jeher der Gottheit besonders verwandt geachtet besonders im Moment des Schaffens; doch wir im Körperlichen erstorbenen Klugen wissen von dem allem nichts mehr, wie sollten wir auch denn höchstens machen wir etwas aber schaffen, schaffen wie sollten wir das können[?]
In dieser Hierin, in dieser nicht beachtung des Schaffenden im Menschen darinn hat aller Verfall der Künste und Kunst seinen Grund; daher das enge Band zwischen Kunst und Religion. In diesem Schaffen lassen, in diesem Wecken, Entwickeln und Ausbilden des Schaffenden im Menschen ist alle ächte und menschenwürdige, den Menschen - wohin er ja nach Jesus und seinem Apostel Paulus gelangen soll - zur Gott Ähnlichkeit erhebende Erziehung be- und gegründet. Schon dadurch das [sc.: daß] ich die Kunst in all ihren Erscheinungen Zeichnen, Mahlen, plastische, Ton[-] und Sprachkunst in ihren Elementen dem ersten Unterrichte, in organischer Einigung mit Klarheit des Bewußtsein[s] und Zwecke und völliger Durchführung in allem bis zum Gipfel und Schlußstein den Menschen - als Grundbedingung alles allgemeinen Menschenunterrichtes und Menschenerziehung beygegeben habe, schon dadurch ist meine Erziehungs[-] und Unterrichtsweise eine solche, die jeden Menschen so lang als es Menschen giebt als Gegenerscheinung begrüßt wenn er auf der Erde erscheint oder vielmehr die Einführung Feststellung des Erfindens - Schaffens - als objectives Fundament aller ächten Menschenbildung. Doch alles dieß kann ich fallen und sinken lassen von allem diesen mich entkleiden u entkleiden lassen wie von einem äußerlichen Rock, ewig /
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fest aber bleibt ihr als als Eigenthum stehen die gesetzmäßige Nachweisung und gesetzmäßige Entwicklung des innern Fundamentes, oder vielmehr der inneren Quelle; oder seines Keimpunktes.
Hier schließt sich als ganz natürlich und somit nothwendig der dreyzehnte Gedanke an für Euch als Erzieher und Lehrer, als Erzieherinnen und Lehrerinnen in den mannichfachsten Beziehungen - besonders wichtig. Es ist der: Es ist nicht genug daß man (etwas) weiß; es ist ferner noch nicht genug daß man weiß, daß man (etwas) weiß sondern man muß auch wissen wie man das weiß was man weiß d.h. nach welchen allgemeinen und nothwendigen menschheitlichen Gesetzen man zu diesem Wissen gelangt ist um es, in so fern es allgemein menschheitliches Wissen ist nach diesen Gesetzen nicht allein in sich immer wieder von neuem entwickeln und fortbilden sondern dieß auch mit Klarheit und Sicherheit darum also nothwendig mit freudiger, wünschender und hoffender Zustimmung in dem andern bewirken und erreichen kann.
Nur dann ist für die Menschen, das Menschengeschlecht die für beyde doch so höchst wichtige (:quell- und fundamental wichtige:) Erkennung und Anerkennung des inneren und Geistigen Lebens zu erreichen, wenn dieß innere geistige Leben wiederkehrend in dem Menschen entwickelt, in dieser gesetzmäßigen Entwicklung erkannt und anerkennt und zu und für Weckung und Ausbildung eines gleichen mit Sicherheit, wie eben vorstehend gesagt, angewandt worden ist.
Darum und deßhalb nur, darf der Mensch soll er für Vollendung erzogen werden nicht zu früh ins und zum Wissen, ganz besonders aber nicht zum - von der Thatsache dem Gegenstande abgezogenen, von ihm entkleideten Wissen geführt werden; der junge Mensch darf nicht eher zum Wissen geführt werden, bis er das Wie des Wissens in sich fühlen, in sich empfinden, im und am Leben d.h. an der Thatsache festhalten und sich so irgend zu seiner d.h. zur rechten Zeit zum Bewußtseyn bringen und erheben kann. Mit kurzem Wort heißt das man muß den Menschen zuerst leben, - dann sein Leben empfinden und fühlen, und so in und durch sein Leben schaffen machen und dieses Geschaffene wieder in sich fühlen, empfinden, wahrnehmen machen, ehe man ihn wissend macht d.i[.] in das abgezogene allgemeine Wissen - /:in der Erziehung oft Moralisiren genannt:/ einführt.
Dieß ist für den Wissenden und Gebildeten weit schwieriger als man glaubt nemlich dieses in sich fühlen in sich empfinden machen des Menschen als Kind. Und selbst gut- ja ich sage bestgemeintes kann hier auf den Holzweg führen z.B. wenn man sich in Forderungen und Untersagungen bey einem Kinde zu viel u zu sehr, besonders aber ohne wieder die Rückbeziehung auf das Kind z.B. durch die Liebe - auf ein Zweytes bezieht. Der Vater bey Untersagen auf die Mutter u.s.w. die Mutter auf den Vater p.p. Gebot u Verbot muß in sich und dem Bande der Gemeinsamheit seinen Grund haben. Das Band der Gemeinsamheit ist die Liebe[.] /
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Liebe aber ist Streben nach ursprünglicher Einigung, Errinnung [sc.: Erringung] der ursprünglichen Einheit. Forderungen und Untersagungen sich rückbeziehend auf den Vater, die Mutter u.s.w. müssen gegründet seyn in der empfundenen, gefühlten, Liebe zu Vater, Mutter u.s.w.
Was ist denn nun aber das letzte Ergebniß aller dieser vorstehenden Mittheilungen so wie besonders aller der von hier, von der Schweiz aus, es ist dieß der vierzehente Gedanke: wenn Ihr nun mit allem dem was ich von mir und über mich aussprach, einen Blick in unser gemeinsames Leben thut, so werdet Ihr finden wie Ihr ganz wahr und recht hattet wenn Ihr aussprachet, ich habe mein Leben wie unter Euern Augen, so offen vor Euch entwickelt. Gar manches, ja vieles wohl von meinem Leben, so viel ich auch schon davon mittheilte kennt Ihr noch nicht, doch dieß thut nichts zur Sache, angedeutet liegt alles in dem Ausspruche der Durchlebung des Menschheitslebens in sich, oder in der Durch[-] und Ausführung des zwölften Gedankens.
Fünfzehnter Gedanke. Dieses Entwickeln und Ausbilden meines Lebens unter und vor Eurem Auge und so Eure sich daran anknüpfende eigene Entwicklung und Ausbildung sollte nun nach meinem Vorsatze, meinem Wunsche und nach meiner Hoffnung nur einzig auf dem Wege der Freude, der Ruhe, der Zufriedenheit, der Einigkeit u Eintracht geschehen; statt dessen aber geschahe es auf dem Wege des Leides und seinem traurigen Gefolge. Schwerlich wäre aber [auf] jenem Wege das Ziel, das Menschheitsziel was errungen werden sollte: - klares vollendetes Selbstbewußtseyn - erreicht worden. Der Übergang vom Nichtwissen zum Wissen, (ja sogar vom Nichtwissen der Liebe und des Liebens zum Wissen der[-] und desselben:) - ist immer mit Schmerz verbunden. Glaube, Vertrauen und Zutrauen führten uns durch Kampf zum Sieg, durch Krieg zum Frieden, durch Leid zur Freude. Darum nun der sechszehnte Gedanke: Laßt uns den nun erkannten gemeinsamen Weg wie es auf und von der Stufe des Unbewußtseyns geschehen sollte nun in Friede und Freude und mit Bewußtseyn gehen. Dann kehre auch ich zu Euch zurück, dann kann und darf auch ich zu Euch zurück kehren und wir kommen dann auf einer ächt menschenwürdigen Weise zum Ziele, führen eine noch nie aufgelösete Au[f]gabe durch und lösen sie auf in der Bestimmung des Menschen mit Bewußtseyn als gemeinsame Aufgabe, Lebensaufgabe aufgefaßt und festgehalten, auch in Gemeinsamheit und mit Bewußtseyn in Friede und Freude und zum Seegen vieler errungen. Dieß werde uns gegeben - so werden wir (siebzehnter Gedanke) seyn und immer vollkommener werden, und wieder so in steter Fortentwicklung bleiben wie ächte Menschen- und Menschheitserziehungsanstalt. Und so führe uns denn auch der Gedanken des unvergänglichen Bleibens zu dem achtzehnten und Schlußgedanken: in steter Fortentwicklung unvergänglich zu bleiben, unsterblich zu seyn ist der größte Wunsch, der höchste Gedanke und die beseligendste Hoffnung des Menschen, doch nur der welcher die drey- /
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fache ich möchte sagen mehrmal dreyfache Unsterblichkeit errungen hat, der ist wahrhaft unsterblich.-
Doch eine frische Kraft sey der Fortsetzung dieses Gedankens geweiht. Jetzt schlafet wohl, es ist nahe 12 Uhr, wie gewöhnlich.
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Freytags. Am 20en Tage des gen: Mon: Guten Abend liebe Theuren. Guten Abend besonders l[iebe] Frau.
Als ich gestern Abend müde das Vorstehende schloß freuete ich mich recht auf den heutigen Abend um Euch Ihr Geliebten mit frischer Kraft den Gedanken weiter zu entwickeln und vorzulegen welchen am Schluß des gestrig Mitgetheilten ich nur andeutete. Doch das, wie es scheint zum Ziel eilende Leben will mir dazu die Zeit nicht verstatten und ich darf meine Andeutung nur dahin erweitern: unter der dreyfachen Unsterblichkeit des Menschen verstehe ich nemlich erstlich und einmal sein ewiges Bestehen in und durch die Einheit und Quelle alles Seyns und Lebens, in Gott; zweytens und dann sein Fort- und ewiges Bestehen in dem ausgestreuten Saamen des Guten, in den geweckten und gepflegten Lebenskeimen welche sich ewig ins Unendliche fortentwickeln; drittens und zuletzt aber, sein ewiges Bestehen in und durch das vollendet errungene Bewußtseyn seiner Selbst, seines Wesen[s] wieder in dreyfacher Beziehung, nemlich erstl[ich] in Beziehung auf die Quelle, aus Gott, zweytens in Beziehung auf die Eigenthümlichkeit, Persönlichkeit (Individualität) des Wesens drittens in Beziehung auf das während der [sc.: des] irdischen Lebens bleibend Geschafte, Gewirkte[.] Also Klarheit des Bewußtseyns in Beziehung auf die Einheit, Gott; Einzelheit, sich selbst, Mannigfaltigkeit zum All und zur Menschheit. In allen diesen zweymal drey oder sechsfachen Beziehungen denkt man sich aber den Menschen immer als eine Einzelnheit. Nun entstieg aber meinem Gemüthe und Geiste ein ganz neuer Gedanke von welchem ich nicht weiß daß er je da gewesen und in eines Menschen Brust gekommen ist, ich meine den: daß der Mensch sich unsterblich fühlt und weiß und ich möchte so sagen, in sich schon unsterblich ist als Glied, als lebendiges Glied eines lebendigen Ganzen, einer geistigen Gemeinsamheit und mit dieser Gemeinsamheit zugleich - in fortgehender, fortgehend nach höherer Vollkommenheit und nach Vollendung strebender Einigung, wo also diese geistige Gemeinsamheit sich mit klarem inneren Bewußtseyn als Eine geistige Person Ein geistiges von Stufe zu Stufe der Gemeinsam zu sicherer Vollkommenheit sich entwickelndes Wesen [empfindet]. Wenn ich Euch anders klar bin und Ihr mich Geliebte Theure versteht, so müßt Ihr mit mir empfinden es ist wohl ein schöner, beseeligender Gedanke, der Gedanke der Unsterblichkeit in bleibender strebender Einigung Gemeinsamheit in ewiger Einigung!-
Glaubte ich doch als ich begann, nicht daß ich Euch diesen Gedanken noch so würde ausführen können; denn Mein Gemüth ist durch des Lebens Kampf von neuem tief erschüttert. Doch stehe nun auch noch der letzte zur Mittheilung an Euch angedeutete Gedanke hier: - Eurem Urtheil ist es hingegeben, wenn Ihr von meinem Niedergeschriebenen etwas drucken lassen wollet. Aber Sorglichkeit ist wohl nöthig, um uns nicht gleichzeitig zu vielseitig in Krieg zu verwickeln. /
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 - - - Nun meine Theuern geht es wieder hinaus in Kampf und in Krieg und wie es scheint in blutigen Kampf, möge er endlich zum Sieg und zum Frieden führen; möge er Euch mit all den Eurigen, möge er Keilhau als Gemeinsamheit zum Sieg zum Frieden zum Heil führen auch wenn ich gleich einem Arnold Winkelried im Kampfe untergehen sollte. Bedeutungsvoll für einen höhern geistigen Kampf war mir immer das bekannte von Methf. [sc.: Methfessel ?] (irre ich nicht) componirte Kriegerlied und nur in dieser Beziehung hörte ich es immer und so gern singen wie auch gar manches der herrlichen Körnerschen Lieder möge sich auch sein Schluß an uns allen vordeutend bewähren.
Endlich die Thatsache: heute Nachmittags bekomme ich von der Fräulein S.- ein[en] Brief am Schluße desselben schreibt sie: - "Und nun am Ende des Briefes melde ich Ihnen noch eine recht unangenehme Nachricht, die Sie vielleicht schon wissen.- Es ist in der App. Ztg [sc.: Appenzeller Zeitung] wieder ein Aufsatz gegen Ihre Person. Und denken Sie, Herzog ist unterschrieben. Ich habe die Zeitung nicht selbst gelesen; daher kann ich den abscheulichen Inhalt nicht umständlich erzählen. Nur in so fern, Herzog beruft sich, er werde dem Publikum eine Correspondenz mittheilen, welche zwischen Ihnen["] (:ich schreibe wörtlich ab ob ich es gleich nicht fasse - Fröbel:) "vorgegangen, und was ich eigentlich nicht so recht verstanden habe, nemlich Sie geben vor, Sie seyen in der Schweiz angestellt worden. Es sagte jemand, nach[dem] er diese Verläumdungen angehört hatte: ""Herr Fröbel ist zu gut und zu fromm für dergleiche[n] Menschen, deßhalb mögten sie ihn gern von hier verdrängen""[.] Ich hoffe, Sie werden von meinem innigsten Antheil überzeugt seyn, wie sehr diese Erscheinung mich wieder schmerzt. In größter Eile u.s.w[.]"
Was soll ich sagen. Ich weiß nichts. Nur das weiß ich und will es nicht leugnen ich bin bis in mein innerstes Mark durch meinen ganzen Körper von einem solchen Betragen durchbebt; von der wie Gift auflösenden Wirkung einer solchen Handlungsweise auf meinen Körper kann man sich gewiß schwer einen Begriff machen. Doch es sey wenn es mir gelingen sollte die Wahrheit an den Tag zu fördern. Mir sind hier die Hände dazu sehr gebunden ich stehe zu allein, ganz allein; noch habe ich noch nicht einmal dieses Blatt zu Gesicht bekommen; noch hat nicht einmal der ErziehungsRath mir mein Gesuch um beglaubigte Abschriften der von Euch zu meiner Rechtfertigen [sc.: Rechtfertigung] zu meinem Handegebrauche mir erfüllt, und doch sind schon acht Tage seit meiner Eingabe verflossen; eben so wenig hat weder er noch die Regierung selbst von Euren Dokumenten zu seiner ihrer und meiner Rechtfertigung Gebrauch gemacht: Ich habe bis jetzt nichts gethan und thun können als, wie ich schon, irre ich nicht, Euch geschrieben habe - Eure drey Dokumente habe ich in denselben Abschriften wie ich solche von Euch empfangen habe zur Mitteilung an Schnyder, an meine Freunde in Frankfurt namentlich an E. Schwartz und Bagge, auch selbst zum Drucken an den Leg[ations]R[ath] v. Holzh[ausen] gesandt. Schnydern habe ich geschrieben er soll sich zu seiner Rechtfertigung auch beglaubigte Abschriften von Luzern kommen lassen. /
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Antwort habe ich aber auf diese Mittheilungen noch von keiner Seite erhalten. Gern hätte ich sogleich die Thatsachen Eures männlich kräftigen und liebend treuen Wirkens den He. Prof Frölich in Arau [sc.: Abraham Emanuel Fröhlich in Aargau] mitgetheilt ich wollte es aber in und mit den beglaubigten Abschriften zu größerer Wirksamkeit thun, da ich nun diese noch nicht bekommen habe, so ist auch dieser wie jeder andere Gebrauch davon bis jetzt, leider! unterblieben. Doch der Geist der Wahrheit der schläft und schlummert ja nie ist nicht wie der Mensch durch fesselnden Körper gebunden diesem habe ich darum auch das Ganze hingegeben, doch werde ich persönlich, hingeben und aufopfernd und so wirken, wie er mir immer gebietet, wie er fordert durch die Stimme der Um- und Einsichtigen. Jetzt kann ich wie ich schon sagte nichts aussprechen denn ich habe ja ""das Abscheuliche"" noch nicht gelesen und was es mit der Correspondenz und Anstellung für Bewandtnis hat weiß ich gar nicht, denn nur Euch und nach Frankfurt habe ich über hier geschrieben an beide Orte gleich und wie? - wißt Ihr selbst.
Ferdinand geht morgen nach Luzern weil wir vom Handelshaus Martin Heß in Zürich unterm 14en d.M. benachrichtigt worden sind daß die Kiste durch Fuhre nach Luzern abgegangen sey. Ferdinand will sich nun deßhalb erkundigen[.] - Kann er nun da die Appenzeller Zeitung bekommen so soll Ferdinand sie sogleich diesem Briefe an Euch beylegen. Ihr werdet dann sogleich daraus sehen was zu thun ist, besonders nach Rücksprache mit unsern Freunden d.h. vor allem mit dem Rechtskundigen Prof. Dr. Martin. Ist eine Injurien Klage nothwendig, so könnt Ihr deßhalb sogleich das Nöthige einleiten, die Vollmachten werde ich jedem der sie bedarf nach angegebenen Vorschriften überschicken. Wollt Ihr Euch, damit Einheit in das Ganze komme vorher mit dem sehr kenntnißreichen Legat R v. Holzh. verständigen, so könnte es vielleicht, damit auch nichts in der Form versehen und keine juristische Blöse gegeben werde, gut seyn. Die Addresse ist "Sr. Hochwohlgeb. d[en] He[rrn] Leg. Rath Freyherrn A. v. H. auf der Öde bey Fr:["] Vielleicht schrieb am besten Barop an ihn. Doch alles dieß ohne die leiseste Bestimmung von meiner Seite. Schreibt mir bald. Auch ich schreibe Euch so bald ich kann.
Gott und sein Geist der Wahrheit sey mit Euch und mir, und gebe daß wir nie Person und Sache verwechseln. Haltet nie etwas Unhaltbares von und an mir fest damit Ihr Euch an das Haltbare halten könnet. Eines dieses Haltbaren ist: Ich bin mir nie einer Unredlichkeit, einer Zweydeutigkeit einer schlechten Absicht bewußt, und wenn ich etwas ausgesprochen habe so war es jederzeit meine feste Überzeugung z[.] B[.] an den Herzog v. M. - daß mein Glaube u Vertrauen im Auge welchen Herzog Deus ex machina nennt, im Auge Vieler ungeheuer gewesen ist könnte ich es leugnen so würde ich es nicht leugnen. Was wäre dann aber auch bey einem Schicksale wie das meine mich zu halten und zu tragen im Stande, als jener unversiegbare Glaube. In der Angelegenheit der Luther kann man mir höchstens vorwerfen daß ich jugendlich gehandelt habe; Allein ich habe gesucht mein Wort wie ein Mann zu halten; so in meiner Handlungsweise gegen die Fröbel; Alle meine Lehrer und Gehülfen habe ich jederzeit in mir mit wahrer Achtung behandelt aber treu meiner Pflicht. Doch wozu das alles?!- Daß ich immer nach reiflichster, oft kampfvollster Überlegung, bester Einsicht u mit Gott gehandelt habe, wir[d] Gott gewiß noch offenbar machen. Es grüßt Euch Euer Fr Fröbel.

[Die folgende Randbemerkung auf dem 7. Bogen [14R/14V/13R] beschließt den vorläufigen Briefschluß, der "Sonnabend" ist der 21.1.:]
Sonnabend ganz früh. Sollte nicht eine einfache Darstellung meines ganzen Lebens und seiner innern Entwicklung die beste Widerlegung sein[?] Überlegt es und theilt mir bald Eure Ansicht darüber mit. Gott wird mir ja bey aller Arbeit Kraft u Ruhe des Geistes dazu geben, dann müßte ich aber die größere Darstellung meines Lebens bald wieder hierher zurück haben. Gott alles befohlen[.] Fr Fr So wiederholt sich es: der Mensch muß das Leben hingeben um es zu gewinnen - muß es für die hingeben die er liebt. Fr Fr.- /
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Dienstag am 24sten Jenner 1832:. Obgleich Ferdinand am Sonnabend in Luzern war, auch dort zuletzt noch ein Stück der Appenzeller Ztg erhielt, so konnte er doch den Brief nicht zur Post geben, weil er nicht so schnell eine Abschrift von Herzogs Erklärung machen und auch nicht noch ein zweytes Stück dieser Ztg bekommen konn[te.] Er nahm darum den Brief zurück und Ihr erhaltet hier nun Herzogs Erklärung abschriftlich, sie heißt so:
"Erklärung. In Folge eines Aufsatzes in der App: Ztg. No.. von zwei verschiedenen Seiten aufgefordert, meine Ansicht über die Person des Hrn: Fröbels, gegenwärtig in Wartensee, Kanton Luzern, öffentlich auszusprechen, sehe ich mich zu der Erklärung veranlaßt, daß ich binnen Kurzem, eine über diesen Gegenstand mit den Lehrern der Erziehungsanstalt in Keilhau geführte Korrespondenz, mit den nöthigen Erläuterungen und Anmerkungen versehen, den [sc.: dem] Druck übergeben werde. Da indessen aus Herrn Fröbels brieflichen Äußerungen hervor zu gehen scheint, daß er zur Hebung der Volksbildung des Kantons Luzern auserkohren und daß ein Angriff gegen ihn ein Todesstoß gegen diese sey, muß ich im Voraus bemerken, damit ich mich nicht auch eines Muttermordes schuldig mache, denn ich betrachte mich als ein Kind der Luzerner Volksbildung, daß ich einerseits meine Mitbürger unendlich bedauern müßte, daß sie eines solchen Hebels bedürfen, um den Werth der Volksbildung erkennen zu lernen und sie gehörig zu befördern und daß ich anderseits aus Liebe zu meinem Heimatlande der erste sein würde, der die bisherigen Leiter und Vorsteher des Erziehungswesens des Kantons Luzern vor allem Volke der Unfähigkeit oder Trägheit anklagen würde, wenn das Volksschulwesen sich wirklich auf einer solchen niedern Stufe sich befände, daß ihm erst durch eine Privatanstalt, sie mag Namen haben welchen sie will, aufgeholfen werden muß."
"Jena den 28 Dez. 1831."
"Prof. Dr Karl Herzog aus Münster, K. Luzern."
(Abschrift aus No 4 der App: Zeitg. Trogen. Samstags den 14en Janner 1832.) wörtl. treu
Nun, was sagt Ihr dazu? - was werden Eure Freunde in Jena u Rudolstadt dazu sagen?- Wird es nun den Herrn von der Regierung und Consistorium in Rudolstadt klar werden, daß es dem Herzog rein nur um die Vernichtung meiner Wirksamkeit als solcher zu thun aus irgend einem Rachgefühl? Daß alles dazu ihm Vorwand seyn muß?- Wird Regierung und Consistorium in Rudolstadt es einsehen daß es, daß sie jetzt mit Kraft und Würde meinem Erziehenden Wirken in Keilhau den Schutz geben müßte, welchem [sc.: welchen] sie ihm <versprechen / versprochen>? - Doch wo sollen diese Art Fragen aufhören?- Ich selbst will damit aufhören.- In Beziehung auf vorstehende Erklärung frage ich nur: wie können dem Herzog briefliche Äußerungen von mir zugekommen seyn, da ich nur nach Keilhau und Frankfurt von hier aus geschrieben habe?- Überdieß bin ich mir auch im entferntesten keiner Äußerung bewußt gleich der die mir H. hier aufbürdet.- Was soll ich dazu sagen?- Schweigen. - Euern Brief an Herzog und seine Rückantwort an Euch schicke ich morgen an meinen lieben Fr[eun]d, den He. Leg. R. Adolph v. H. in Frankfurt. Auch die vorstehende Erklärung Herzogs schicke ich ihm, und /
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nun da ich wirklich zu müde bin Gedanken von neuem zu denken, so erlaubt mir, Euch einen Theil meines Briefes an He. Ad: v. Holzhausen abschriftlich mittheilen zu dürfen, weil darinn auch angedeutet ist was ich Euch wohl sagen möchte und was Ihr dann für Euch aus[-] und durchführen könnet. Es heißt in meinem Briefe: - ["]Was sagen Sie nun, mein einsichtiger, rechtserfahrener Freund zu dieser Erklärung des Herrn Prof. Dr K. Herzog?- Ich bitte Sie, vergleichen Sie mit Ihrem ruhigen, besonnenen, ja - wie gern brauche hier das Wort - kaltem Blute doch diese verschiedenen Äußerungen aus dieser Wolfsschlucht, erstlich den Aufs[atz] in der berüchtigten App. Ztg No 153.154 vom vorigen Jahre - dann zweytens den ruhigen Brief meiner Keilh. Freunde an ihn,- dann seine Antwort an diese wo er sogar die Vermuthung aufstellt, ja nicht einmal ernstlich zurücke wirft, daß er der Verfasser jenes niedrigen Aufsatzes sey - jetzt nun wieder diese Erklärung.- Weiter, ich bitte Sie vergleichen Sie doch das was der kleine Rath und der Erziehungsrath von Luzern, Herrn Schnyder und mir, so frey als bestimmt ausspricht, daß eine Erziehungsanstalt im Geiste der beabsichtigten zum Heil, [(]oder ich will gar kein eigen Wort gebrauchen, lesen Sie gütigst die Worte selbst nach ........) des Kantons sey. Wenn Sie nun alles dieß vergleichen, gähnt Ihnen da nicht die Wolfsschlucht entgegen?- Vernichten und untergraben meines Wirkens dahin zielt alles ab! - Sie, klar und hellsehender Freund! lesen Sie doch nur den Schluß dieser Erklärung, was sagt und will er anders als, rein um nichts und wieder nichts den Erziehungsrath und die Regierung in Luzern gegen das Unternehmen in Wartensee einzunehmen und welch ein Grund ist es zuletzt: - weil es eine Privat Erziehungsanstalt ist, welchen Namen sie auch immer führen möge. Vergleichen Sie nun dieses Mannes Handeln: - Er der so gegen PrivatErziehungsanstalten als Bildungsmittel auftritt; tritt selbst mit einer PrivatErziehungsanstalt als Erwerbsmittel auf. Mein trauter hochachtbarer Freund! lassen sich denn das deutsche Eltern gefallen???---["] (:Ich bitte Euch dieß doch den Freunden unseres Wirkens recht fühlbar zu machen namentlich in Jena, Weimar, Rudolstadt.)
"Und lieber, geliebter Adolph was könnte ich sagen?- Doch ich will dadurch nicht weiß erscheinen, daß ich Andere schwarz male; nur eines deute ich an: - In meinem klaren Keilhau wollte sich auch ein giftiger Krebs ansetzen. Sehen Sie, da faßte ich mir ein Herz und schnitt den Krebs aus, und --- das können mir diese {Menschen - / Männer - / jedes Wort ist zu gut} nicht verzeihen."
"Sie Sehen, wie Herzog jetzt im Nebel handelt, Sie können sich nun denken, wie er seit vielen Jahren im Dunkeln handelte.- Durch ihn wurde in dem Herzen eines der edelsten Fürsten das Zutrauen, das volle Zutrauen zu einem gewiß nicht unedlen Manne - mein Leben liegt offen vor Ihnen - auf Schleich- und wieder Schleichwegen vernichtet. Doch ich schweige. u.s.w."
"Doch man macht mir die Verläumdung aufzuhellen auch hier ziemlich schwer, ja fast unmöglich denken Sie Sich, trauter Freund! noch habe ich keine beglaubigte Abschrift der zu meiner Rechtfertigung eingegangenen Papiere. Ist das Recht frage ich nochmals!" - Nun sey es genug kein frisches Blatt mehr.-
Nur das noch Herr Cantor Karl soll gesagt haben: ja wenn Herr Middendorff etwas über Keilhau schrieb, dieß würde gut seyn.- Wie wäre es wenn er eine Geschichte Keilhaus schrieb?- Will er meine Lebens- und Entwicklungsgeschichte so weit sie dahin gehört mit geben und bedarf er dazu noch Thatsachen so will ich ihm solche geben. Überlegt es. Schreibt mir doch ja bald wieder. Vergeßt nicht daß wir hier auf sandigem Boden stehen. Der Vorfall mit Langethal u Albert hat mich sehr geschmerzt[.] Sie haben beyde Unrecht, doch L. gewiß am meisten; er soll nur als ächter Erzieher die Sache überdenken. Alberten werde ich schreiben.
Fr Fröbel.

[2V]
[Randbemerkung mit Einfügungszeichen, an der Innenfalz des 1. Bogens, also wohl zu 1R/2V gehörend, aber kein Bezugszeichen erkennbar:]
Aber Einheit, Geist, Gesetz und Leben lerne der Mensch frühe ahnen pp daß sich keine rohe Natur entwickle. Nur der sich selbst gefunden habende Mensch kann sich ohne Nachtheil für und das Bestehende, in das Bestehende finden.
[2R]
[Randbemerkung ohne Bezug, vermutlich als Schlußbemerkung am 21.1. oder am 24.1. geschrieben:]
(:Die 5 Rth welche beyliegen sind das Porto; ich that es damit der Brief sicherer gehe; auch bedürfen wir so eben kein Geld.)