Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 5.2./11.2.1832 (Wartensee)


F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 5.2./11.2.1832 (Wartensee)
(KN 35,2, Brieforiginal 1 ½ B 4° 6 S. Der Brief wurde zusammen mit dem v. 28.1.-5.2.1832 verschickt [vgl. hier 1V]
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

Wartensee am 5en Februar 1832.·.


An mein Haus in Keilhau!
Gott zum Gruß.

Es wird mir in einem Eurer Briefe geschrieben, daß Ihr durch die treue Erfüllung Eurer Lebens- und Berufspflichten es nicht möglich machen könnt das Ganze meiner Mittheilungen von hier aus, gemeinschaftlich zu lesen, wovon mir vielleicht ebenso wohl einmal der Wunsch als auch - bey der Urkunde Eures Lebens im Einzelnen, die Möglichkeit vorschwebte, ja daß es nicht einmal einem Einzelnen von Euch möglich wird das Ganze zu lesen. Ich sehe dieß nun wohl wie Euer Leben nun in seiner engen Ineinandergedrängtheit und vielseitigen Thätigkeit vor mir stehet recht gut ein, dennoch muß ich Euch aufrichtig gestehen daß ich es dennoch, ganz abgesehen von meiner Person dabey für Euch als Ganzes es wesentlich nothwendig zum Finden in Euren Eigenen Leben und zur klaren Einsicht in dasselbe halte, wenn meine Mittheilungen Euer Gemeingut werden. Deßhalb thute [sc.: thue] ich hier den Vorschlag daß Ihr meine schriftlichen Mittheilungen so unter Euch vertheilt, wie Ihr meint daß Jeder sie lesen kann und daß dann jeder kurz den andern mündlich mittheilt was er für sie für wesentlich hält und meinetwegen die Stelle bezeichnen kann z.B. den Bogen pp wo es steht um es dann nach Bedür[f]niß selbst nachzulesen. Von mir aus will ich Euch doch sagen daß ich mich bey weitem frey, frischer besonders gestaltender möchte ich es nennen, in mir fortentwickele wenn ich es weiß, daß Ihr mit meinen früheren Entwicklungsstufen bekannt sey [sc.: seyd]. Ja, ich setze natürlich bey jeder meiner folgenden Mittheilung[en] voraus daß Euch die vorhergehende wenigstens im Allgemeinen bekannt sey. Ich hebe dieß gleich beym Beginn dieses Briefes - (:welchen ich erst schreibe nachdem die beyliegenden 8 Bogen schon niedergeschrieben waren:) - heraus, damit wir nichts verabsäumen was uns das Wartenseeer Leben zur Förderung des Keilhauer Lebens jetzt reicht. Ja, so sehr Wartensee Zweck an und für sich ist und seyn mag, so muß es doch von Keilhau aus auch als eines der ersten und vorzüglichsten Mittel zur Selbstanschauung, Selbsterfassung, Selbstfesthaltung erkannt und angewandt werden. Ja, eben dieserhalb muß Wartensee von Keilhau aus - wie dieß auch geschehen ist und geschiehet - so sorglich in seinem und für sein Bestehen gepflegt werden; aber auch - weil doch, (wegen den gewaltigen Hemmnissen unter welchen es sich hervorarbeiten muß) - auf sein Bestehen noch nicht mit menschlicher Gewißheit zu zählen ist, alles was es jetzt schon reicht um so ungesäumter zur allseitigen Förderung Keilhaus angewandt werden. Ich zweifle nicht von Euch verstanden zu werden. Weiter spreche ich mich über diesen Gegenstand noch in den oben genannten hier anliegenden Bogen aus.-
Wartensee, als Lehr- und Erziehungsanstalt, steht in seinem Wirken und in seiner Meinung beym /
[1R]
Publikum da wie es Euch die früheren Mittheilungen von hier aus schon genugsam schildern und wozu Ihr auch wohl in den jetzt hier wieder mitfolgenden Mittheilungen vielseitige Beweise finden werdet namentlich wohl von Ferdinand aus. Ja manches scheint sich wohl noch zu vermehren und wie eine erhöhetere Morgenröthe am Gesichtskreise des nächsten und fürs nächste Halbjahr herauf zu dämmern doch ist alles noch so ungestaltet daß ich lieber gar nichts darüber sage, weil der Mensch gleich gar zu gern alles versteinert, und ich mich des Gefühles nicht erwähren kann daß obgleich Wartensee wirklich auf einen wirklichen Fels gebaut ist, daß es doch so nahe am See stehet daß es, um bildlich zu werden wohl vom See unterwaschen seyn kann. So sicher ich des innern und äußern Grundes bin auf dem mein ganzes Wirken ruht, so wenig weiß ich noch ja so wenig bemühe ich mich absichtlich noch von dem äußern Bestehen Wartensees etwas zu wissen. Ich und wir thuen nach Möglichkeit unsere Pflicht, schauen dabey kaum auf und lassen so ungesehen und still unser Wirken, wirken. Das vor uns davon vorliegende Ergebniß ist: die Kinder kommen mit großer Lust zu uns, und ob ich und wir ihnen gleich, besonders denen aus der Nähe jede Zeit widmen die mir möglich wird, so kämen fast alle gern noch manche Stunde mehr. Die Stunden werden wenigstens bis auf die Minute oft mit einer Zugabe gehalten[.] Ferdinand in seinen Amtseifer fügt darum gewöhnlich noch einen ordentlichen Schweif hinzu, dennoch sind die Kinder immer mit Aufmerksamkeit - (angemessen ihrer geistigen Entwicklungsstufe[)] - fleißig. Man muß fast durchgängig sagen daß sie sich Mühe geben und darum auch Fortschritte machen. Besonders Freude macht ihnen das Zeichnen und Rechnen. Sprachanschauung mußte ich bis jetzt noch aufgeben theils fehlte die Zeit, theils waren sie im Allgemeinen zu wenig begriffsgewandt. Vielleicht bekommt Ihr mit dieser Sendung einige Proben ihrer Arbeit. Wie über den Fleiß - in so weit sie durch die Entwickeltheit ihres Geistes den Unterricht folgen können - eigentlich keine Klage ist, so wenig würde im Allgemeinen und Besonderen Klage über ihr Betragen seyn wenn nicht einer oder der andere der größten Knaben oft Rohheiten äußerten die sie freylich schon ihrer Sprache nach weniger fühlen als wir; doch dünkt mich ist auch von dieser Seite ein Entrohen zu bemerken. Somit läßt sich wohl wiederkehrend sagen daß bleibend Gottes Seegen auf dem Werke ruhe. Doch was frage Menschen darnach, die vielleicht eben darum eine Sache und ein Werk vernichten weil es diesen Ausdruck an sich trägt. So ruht die Zukunft ganz in Gottes Hand und ich weiß von derselben nichts. Auch hängt vielleicht ja vieles von Schnyders langen Brief ab, welchen mir Herr A. v. H. auch als einen voluminösen Brief ankündiget.
Ob sich nun gleich für die Erziehungsanstalt bis jetzt noch von keiner einzigen Seite her eine Spur gezeigt hat daß man ihr mit dem Beginne des nächsten Sommerhalbjahres irgend Zöglinge anvertrauen werde, so möchte und muß ich mich doch wegen der Befriedigung der mit nächstem Halbjahre an mich gemacht werden könnenden Lehrforderungen und Lehrleistungen in Sicherheit stellen und dieß um so mehr, als ein unbestimmtes dumpfes Murmeln, dem /
[2]
ich keine Klarheit und Bestimmtheit geben kann und mag andeuten will einen nicht unbedeutenden Antheil an der sogenannten Schule andeuten will und ich diese, wenn anders Schnyder mir keine Hindernisse in den Weg legt - um die ungegründeten und nichtigen Äußerungen Herzogs über das bestehende Erziehungs- und Lehrwesen im Kanton Luzern factisch zu vernichten - mit der größten Hingabe fortsetzen und durchführen werde, so ist wegen allem diesen nöthig frühe zu einer Bestimmung zu kommen, um zur Vorbereitung ihrer Ausführung die gehörige Zeit zu haben[.]
In der Voraussetzung nun daß die Erziehungsanstalt keine bestimmten Forderungen macht so wie das Ganze jetzt thatsächlich vorliegt, so scheint mir Folgendes das gerathenste, was ich jedoch Euer aller Prüfung anheim stelle.
Erstlich. Weil es sich nun im verflossen[en] Her[b]ste nicht machte daß eine weibliche Hülfe von Keilhau hieher kam, so läßt man bis eine bestimmtere Entwicklung und gesichertere Verhältnisse eine klare Entscheidung hierüber möglich machen, diesen Gegenstand noch ganz auf sich beruhen.
Wenn ich nun auch blos die Schule als fortbestehend ins Auge fasse, so bin ich immer mit dem Bedürfnisse der Gesangsführung und Gesangsbildung, für welches ich mir unter den Keilhauern, wie ich nun besonders auch wieder durch Ferdinand höre, keine Hülfe nachweisen kann - in Verlegenheit sonst wäre ich wegen den Zweytens bald entschieden. Von jetzt muß ich also zunächst Euren Rath und Eure Ansicht erwarten ob Ihr den jungen Brömel dazu geschickt haltet[.] Das nächste wäre freylich - wie ich jetzt das Bedürfniß sehe - blos Lieder mit den Kindern ein zu üben; doch ist auch schon Musik, namentlich Violinunterricht von mir gefordert worden, doch allein dieß verdient noch keiner besonderen Beachtung. Nehme ich nun an daß der junge Brömel hieher käme, so könnte dann entweder Wilhelm Fr: oder Titus wenn es anders für diesen die gesammten Verhältnisse gestatteten, oder auch beyde zugleich eine Besuchsreise zunächst hierher machen. Wir könnten dann die Entwicklung hier ruhig abwarten und der Reise als solche schon wäre gewiß für jeden und ganz namentlich für Wilhelm sehr heilsam. Die Reisekosten liesen sich wohl nun durch Ferdinands Reise ermitteln.
Wohl aber würden die welche hieher wollten ihre Reise bald nach Ostern antreten müssen um wenigstens in der ersten Hälfte des Monats May hier einzutreffen, welcher Weg wegen der <Contumazen> einzuschlagen wäre darüber müßte man sich genau belehren.
Da nun irre ich nicht künftige Ostern Felix confirmirt wird, und vor dem Eintritt in ein neues Verhältniß eine Reise immer recht wohlthuend ist so habe ich daran gedacht ob vielleicht die Frau v. Arnim den [sc.: dem] Felix erlauben würde die Reise mitzumachen und wohl auch einige Zeit hier zu verweilen.
Das Ganze liegt nun, auch das in früheren Briefen Angedeutete und Ausgesprochene mit eingeschlossen - offen vor Euch als vor mir, theilt mir nun bald Eure Ansicht durch die Briefpost /
[2R]
und wenn es nöthig ist durch einen recommandirten Brief mit. Die Hauptsache ist, daß wir keine Zeit versäumen, dem Feinde keine Blöße zeigen und der Sache keine schwache Seite geben. Laßt Euch nicht abhalten mir wenn es nöthig wäre das meiner Meinung ganz Entgegengesetzte zu schreiben. Könnte mir einer schreiben: "ich will Dich ablösen" das wäre mir das Liebste was ich hören könnte.
In Euren lieben, lieben Briefen schreibt mir jemand von Euch durch die ersten lithographischen Blätter die ich Euch geschickt habe könne man mir aber erst in den Rücken sehen, man würde sich freuen die [sc.: das] zweyte Blatt zu erhalten bey und durch welche man mir ohne Zweifel ins Gesicht würde sehen können;- Anliegend folgt nun dieses zweyte Blatt, diese zweyte Ansicht, daß sie die zweyte und nicht die erste wurde, davon weiß ich keinen Grund, denn eigentlich sollten sie beyde vor länger als 3 Monaten zugleich fertig werden. Doch vielleicht wollte ein höherer Lebenszusammenhang daß Ihr mir nicht nur ins Angesicht sondern auch durch offene Stirn und freyes Auge in das Herz und in das Innerste sehen könnet; durch diese Zeichnung nun dessen Hauptseite gerad nach dem Steiger und Keilhau gerichtet ist, ist dieß erreicht, durch die wieder hier mitfolgenden Lebensbilder oder vielmehr Lebensabdrücke und Lebensabgüsse, könnt Ihr mir nun nicht nur in mein Herz, sondern in mein ganzes Leben sehen[.] Die Blätter habe ich in mir so vertheilt, doch ist es Euch vergönnt zu ändern wo Ihr es besser findet. Das erste der Wilhelmine; das zweyte für Mutter u Tante in B., dann Du Langethal - Middendorff - Barop - He. Dr Martin - He. Dr Fleck - He. Adjunctus in Remda - Fr: v. Arnim - Döllstädt dem Allgemeinen - Herr Pfarrer in Eichfeld - He. Schullehrer in Keilhau. Einem jeden mit dem entsprechenden so herzlichen als aufrichtigen Gruß und Dank.
Endlich nach zwey gestrichenen Monaten am 31en Januar sind die Sachen in der Kiste angelangt[.] Herzinnigen Dank allen und jedem für all das Liebe und Gute was noch beygefügt war der Straus von den letzten Blumen meines Beetes auf den Colm - der schöne von Ludowika gewundene Kranz - und die Levkoje von meinem lieben Christianfriedrich waren sämtlich ganz vorzüglich schon [sc.: noch / schön] erhalten; alles war mir sehr, sehr lieb ich darf keines vor dem anderen hervorheben und kann es auch nicht, weil es mich schmerzen würde einem dadurch wehe zu thun.
Daß mein Engelliedchen bey A. eine so vorzügliche Stelle gefunden hat, hat mich sehr gefreut. Hat denn mein Wiegenliedchen u.s.w. nun auch seine Stelle, und die so schöne liebliche Stelle gefunden wozu mir Elise Dein Briefchen die Hoffnung macht. [sc.: ?]
Anmerken will ich doch zur Nachachtung, daß die Kiste rein Vier Brabanter Thaler Fracht kostet.
Meinen jüngsten Brief recom.: mit Rth. 5 in pr. C.A. habt Ihr doch erhalten, worin Herzogs neuer Ausfall.
Zu der ersten Blatt-Ansicht von NW. will ich doch noch die Bemerkung machen, daß die Ebene, die man zwischen den Bäumen links vom Schlosse sieht, und über welche sich eine Anhöhe in der Ferne erhebt, der Sempacher See seyn soll, welchen man von dieser Ansicht des Schlosses aus sehen kann; freylich auf der Zeichung unklar genug ausgeführt.
Ich wünsche ganz namentlich daß die Zeichnungen so vertheilt werden daß die besten und besseren Blätter oder Abdrücke die zu erst genannten, die weniger guten Abdrücke die zuletzt Genannten erhalten; das Allgemeine folgt nach Barop. /

[3]
Wartensee am 11 Febr 1831 [sc.: 1832]

Alles ist zum Einpacken fertig ja ein Theil ist selbst schon gepackt. Morgen soll alles nach Luzern geschickt werden, daß es morgen sogleich nach Zürich abgehe; trifft dann meine Rechnung ein, so ist heut über 14 Tagen alles in Eurer Hand, wie freue ich mich schon darauf! Jetzt nur noch einiges, von unserer sogen: Schule.
Beykommend erhaltet Ihr die ersten Probearbeiten der meisten unserer Schüler; ich hätte solche gern noch vervollständigt wenn ich früher auf den Gedanken gekommen und dann später noch Zeit gewesen wäre. Ihr werdet aber aus dem Mitkommenden schon sehen was in dieser kurzen Zeit von Lehrer[n] und Schülern geleistet worden ist. Es sind fast alle Arbeiten von Ferdinands Schüler[n]; nur Melchior und Christine Meyer haben bey mir Figurenzeichnen. Ich habe gar nichts dagegen wenn gelegentlich He. Dr Martin davon etwas mitgetheilt wird, damit Herzog faktisch geschlagen werde und er sich nicht erdreiste in Jena etwa lügenhafte Gerüchte über Wartensee zu verbreiten. Ich wage es nochmals auszusprechen was ich in Schnyders Brief früher schrieb: ["]es scheint sich im Stillen in der Umgegend stetig ein immer größeres und gesicherteres Zutrauen zu Wartensee zu entwickeln." Von mehreren Seiten wird uns Besuch von Beamten der Umgegend durch die Sage angekündigt. Von mehreren Seiten höre ich von Kindern welche im nächsten Sommer die Wartenseer Schule besuchen solchen und zwar z.B. vorgestern von Sempach mit dem Beysatze: es seyen mehrere jüngere von gleichem Alter und gleichen Fortschritten; von einem Vater wurde mir gestern gesagt welcher seinen etwas älteren Sohn hierher thun und ihn so lang hier lassen wolle "bis er ausgelernt habe"[.] Wie ich höre ist man nur ganz namentlich besorgt ob es auch fortgesetzt wird; heute wurde ich ausdrücklich deßhalb befragt mit dem Beysatz wenn die Eltern darüber ganz gesichert wären, so würden sich noch bey weitem mehr gemeldet haben und noch melden um ihre Kinder hieher zu schicken. Natürlich erkläre ich nun das Fortbestehen auf das bestimmteste. Ich theile Euch alles mit wie es vor mir selber liegt um nicht zu viel zu sagen und doch auch nichts zu verabsäumen.
Was ich also oben wegen der Reise einiger Keilhauer hierher sagte kann immer festgehalten werden, damit wenn die Umstände später die Ausführung <fordern / fördern> und begünstigen, sie schnell ins Werk gesetzt werden kann. Das sich bis jetzt hier entwickelnde Zutrauen ist nun blos die Frucht unseres Wirkens, denn denkt Euch nur noch bis diesen Augenblick habe ich von dem Erziehungsrathe die beglaubigten Abschriften welche ich mir in gehöriger Form erbat noch nicht erhalten, warum?- Da fragt Ihr mich zu viel; deßhalb habe ich auch von den Abschriften welche Ihr mir gesandt habt, hier noch ganz und gar keinen Gebrauch gemacht, um dem Erz R. keinen Scheingrund für sein Handeln in die Hand zu geben; doch Ihr seht, daß dennoch die Menschen an die App. Ztg. sich nicht kehren, sondern sich an die Thatsachen halten die I ihnen von hier ausgegeben werden.
Ich bin sehr, sehr erwartungsvoll auf Briefe von Keilhau denn wißt nur es sind nun schon fast 2 Monate daß Eure letzteren Briefe an mich geschrieben sind.
Ihr erhaltet hier auch die ersten 2/3 meiner niedergeschriebenen Erwiederung auf die e.W. [sc.: einige Worte] in der /
[3R]
App. Ztg. vom 1n Oktbr v. J. Ich halte es für sehr wesentlich für das Ganze daß Ihr sie nicht ungelesen an die Seite legt. Zuerst kann sie Wilhelm lesen dieser kann schon einiges nach Veranlassung in sich, mittheilen, wem und wo er will. Die anderen mache ich mit diesen auch auf die Zeichnung eines Erziehers aufmerksam. Laßt Euch durch Bekanntes nicht abhalten es ganz zu lesen, es wird Euch selbst da wo es weitschweifig geworden ist gar manches Neue und Wichtige geben. Auch für Eure und meine Freunde ich meine darunter zunächst den He. Adj: in Remda und Herrn Dr Fleck glaube ich ist manches darinn was diesen vielleicht gelegentlich mitgetheilt werden kann. Für den He. Dr. Fleck war besonders was ich schon im letzten Brief an Euch anmerkte die Bildungsgeschichte des dummen Peters bestimmt leider konnte ich, so angestrengt ich arbeitete - Von 8 Uhr morgens bis 12 und 1 Uhr Nachts fast ununterbrochen, von der Arbeit zu Tisch, vom Tisch zur Arbeit - dennoch nicht mehr abschreiben kommt aber mit nächster Sendung.- Vielleicht könnt Ihr auch daraus manches den älteren Zöglingen vorlesen so wie sie überhaupt mit Herzogs Angriff oder Handeln bekannt machen ich überlasse das ganz Euer aller Ermessen. Keine Gelegenheit zu Verabsäumen Herzogs Handeln in Deutschl. in Thüringen und zunächst in unsern Umgebungen in wahres Licht zu setzen dieß dünkt mich ist eine Pflicht gegen Keilhau deren wir uns nicht entziehen dürfen und Ihr werdet aus meinem Echo auf die e. W. d. A. Z. [sc.: einige Worte der Appenzeller Zeitung] ersehen welch ein Echo ich Ihm [sc.: ihm] auf seinen Brief an Euch wiedergeben kann und werde wenn es nöthig ist. Mit einem solchen Menschen gilt kein Mitleid er ist ein Giftmischer für eine ganze Generation, sein letzter Aufsatz in der A. Z. zeigt es klar genug:- Ob jedoch die ganze Herzogsche Sache zur Mittheilung jetzt schon reif genug sey z.B. unter dem Titel ["]Tag u Nacht; Licht u Finsterniß["] überlasse ich gern Euerm Ermessen. Die Akten liegen vor.-
Ich weiß nicht ob ich es im vorigen Briefe schon erwähnt habe. Es wäre wohl gut wenn Ihr für nächstes Halbjahr die fortgesetzte Wirksamkeit Keilhaus vielleicht nur mit Beyfügung des Consistorial Regierungs Zeugnisses von Rudolstadt im Allg: Anz: d. Deutschen anzeigtet. Was in Beziehung auf Wartensee geschehen wird weiß ich noch nicht, ich überlasse es ganz Schnydern.
Zuletzt muß ich doch wieder auf einen wesentlichen Punkt zurück kommen. Damit nicht wieder eine ähnliche Übereilung mit so unangenehmen Folgen vorfalle wie die mit Albert war, so halte ich für gut wenn Ihr untereinander fest setzet daß in ähnlichen Fällen die Entscheidung und die Bestrafung der Schuld eine gemeinsame sey, damit Ihr nicht irgend einmal gemeinsam die Schuld des einzelnen traget. Mich dünkt Ihr müßt dabey von dem Satze ausgehen, daß das Recht was Ihr gemeinsam habt, nicht dem Einzelnen zugestanden werden darf und daß in streitigen Punkten allezeit der Geist des Ganzen die letzte u oberste Entscheidung hat, und welcher wohl leicht auszumitteln ist.-
Grüßt alle die Kinder und sagt sie sollten mir es nicht übelnehmen daß ich jetzt noch nicht schreibe. Erst wünschte ich das Echo zu beendigen - dann wollte ich von Euren Zeugnissen Gebrauch machen und dann wollte ich wieder an Beantwortung ihrer lieben Briefe gehen. Für meine Maler folgen 4 Farben, sie sollen mir schreiben ob sie gut sind.- Für das Haus folgen 2 sehr vortreffliche Bohnen Arten; die weißen sind früh- die schwarzen Spätbohnen ich wußte den Raum nicht besser auszufüllen. Die kleine Schweizerin gehört natürlich Allwinen, möge sie gut in Keilhau ankommen.
Ludowika und Hedwig können die Puppe übergeben. Ich werde deßhalb an Ludowika schreiben. Herzinnig grüße ich Euch alle besonders Dich mein geliebtes Weib. An Dich werde ich zunächst schreiben. Euer Friedrich Fröbel.
Aber warum habt Ihr denn vergessen mir die Briefe, Schriften und anderes worum ich doch bestimmt bat, beyzulegen?-