Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Abraham Emanuel Fröhlich (Redaktion der Neuen Aargauer Zeitung) in Aarau v. 14.2.1832 (Wartensee)


F. an Abraham Emanuel Fröhlich (Redaktion der Neuen Aargauer Zeitung) in Aarau v. 14.2.1832 (Wartensee)
(BN 708, Bl 1-2, undatierter Entwurf 1 Bl 8° 2 S. + 1 Zettel 16° 1 S. Datierung erschlossen aus F.-Brief an Keilhauer Gemeinschaft v. 20.2.1832)

Verehrtester Herr und Freund.

Sie haben Sich im vorigen Jahre in No 85 Ihres achtbaren Zeitblattes sich
gegen meiner gegen den verläumderischen Artikel in der Doppelnummer No 153
u 154 der Appenzeller Zeitung so männlich als edel angenommen. Ob nun
gleich Ihr männliches in sich selbst ruhendes und in sich selbst gewisses Ver-
trauen, welches sich in ihrer edlen Rechtfertigung meiner im genannten
Aufsatze ausspricht keiner Zeugnisse und Beweise bedurfte und be-
darf daß si sich Ihr Vertrauen keines Unwürdigen sondern im Gegen-
theil einer würdigen Sache aus freyer edler Selbstbest[imm]ung angenommen
habe, so war doch seit Langem mein Wunsch Ihnen die Beweise
davon zu übermachen. Mehr als 150 Stunden von der Heymath
entfernt und bey der Vielseitigkeit der in den [sc.: dem] berüchtigten App[enzeller] Z[eitung] Auf-
satz angegriffenen Verhältnisse konnten jene Zeugnisse, welche ich
noch überdieß - fest überzeugt daß die Wahrheit sicher durchbrechen
würde,- persönlich ganz und gar nicht betrieb - so schnell nicht
erwartet werden. Doch meine Freunde durch die Wahrheit und
Reinheit unserer Sache gestärkt richteten alles schneller und bestimmter
ins Werk als ich es nur ahnden konnte und seit längerer vor einiger Zeit
übersandten sie an den Erzieh[un]gsrath drey R meine Unternehmung wie
meine Person rechtfertigende Zeugnisse.- Mein erster Gedanke und
Entschluß war sogleich Ihnen davon von der betreffenden Luzernerschen
Behörde beglaubigte Abschriften zuzusendten. Doch habe ich solche bis
jetzt noch nicht erhalten. So eben erhalte ich aber Briefe von meinen
Freunden Ihnen in Keilhau mit dem Auftrage Ihnen verehrtester Herr u. Freund
die Zeugnisse in Abschrift zuzusendten wie solche auch früher mir abschriftl[ich]
diese Zeugnisse mit von meinen Freunden mitgetheilt worden sind, indem mich
meine Freunde zugleich benachrichtigen in welcher Beziehung sich dieselben
mit einen Gesuch an Sie gewandt haben.- Die Aufforde[run]g
meiner Freunde läßt mich nun nicht lä[n]ger auf die beglaubigten Abschriften
von Luzern warten um somehr als meiner Freunde Brief u Gesuch an /
[1R]
Ew Wohlgeb[oren], selbst noch beglaubigen wäre, wenn es deren für Sie
und den Zweck weiter bedürfte.
Ich eile daher Ihnen verehrtester Herr u Freund den Wunsch und
der Aufford[erun]g meiner Freunde gemäß Ihnen anliegend abschriftl[ich]
zu überschick[e]n
1. ein Zeugniß von unsern Hochfürstl[ichen] Regierung
2 e[i]n dasselbe vom Herrn Geh[eim-] Justizrath pp Dr. Martin
3 eine Erklä[run]g der Mitglieder der Erz[iehungs-] Anst[alt] in K[eilhau].
Hinsichtl[ich] des Gesuches meiner Freunde an Ew. Wohlgeb[oren] um
Aufnahme dieser Actenstücke in Ihr Zeitblatt füge ich auch von
meiner Seite die Erklärung hinzu daß ich mich zu jedem Kostenersatz
und billigen Vergüt[un]g bey dem Herr Verleger des Zeitblattes verstehe
und dieß um so mehr wenn es vielleicht für nöthig wenigstens
als das zweckmäßigste erkannt werden sollte dem Ganzen
eine besondere Beylage zu widmen wie dieß wohl in ähnlichen
Fällen bey der in Augsburg her[au]skommen[den] Allgemeinen Zeit[un]g der Fall
ist. Ich würde mich dann auch mit dem Herrn Verleger wegen
eines besonderen Abdruckes von ohngefahr 4-500 Exem-
plaren zu meinen [sc.: meinem] Handgebrauch zu verständigen suchen. So daß also auf jeden Fall der
Herr Verleger wegen jedes Kostenersatzes
gedeckt sey.
Einen Wunsch habe ich nur noch und das ist der, daß wenn
Ew hochverehrtester Herr u Fr[eun]d u Ihr Herr Verleger in das Gesuch
meiner Freunde eingehen sollten, daß alsdann der Abdruck des
Ganzen möglichst schnell geschehen möge.
Von meinem Schulmeister[n] muß ich mir doch auch noch ein paar
Worte erlauben: Ich habe 17 Schüler u Schüler[inne]n verschiedenen Alter
aus der Umgeg[en]d Wartensees u ich mit meinen seit 14 Jahr bey mir lebenden
<Dritten> arbeiten mit Segen an d[en] Kindern sie lern[en] mit Lust u machen wacker
Fortschritte; die Eltern besonders <sind> zufrieden u von allen Seiten <dauert> kommt
die Sage daß die Wartenseeer Schule nächstes HalbJahr gar manchen Zuwachs als Schüler
erhalten soll; so wird denn auch die Schmäh- und Verläumdungssache factisch ge-
[Textfortsetzung am linken Rand von 1R und "auf dem Kopf" am oberen Rand von 1:]
schlagen u[n]d ich hoffe bald daß die Tochter Wartensee freudig zur Mutter Keilhau aufblicken soll. Also wie <früher> durch Krieg zum
Zum Sieg
Bitte mich Ihren Herr[n] Bruder u He Prof <Meyer> bestens zu empfehlen.
<Genehm[i]gen> Sie von mir die Versich[erun]g <meiner> Hochacht[un]g u Verehr[un]g mit welcher ich
unveränderlich Ihr ergebenster Fr Fröbel /

[2]
N.S. Noch will ich doch die Bemerkung hinzufügen, daß ich überzeugt bin
Sie werden das Gesuch meiner Keilhauer Freunde von meinen Zu-
sätzen leicht zu scheiden wissen, und leicht finden, daß es keinesweges
in meiner Absicht liegt, vielleicht die Ausführung des Gesuches meiner
Freunde durch meine Zusätze zu erschweren, vielmehr trete ich mit
meinen Zusätzen gern zurück, besonders wenn solche in einer oder der
anderen Beziehung nicht Ihre Beystimmung erhalten sollten; nur darf ich wohl
von Ihrer Freundschaft hoffen, daß Sie mich recht bald gütigst von
Ihrer Ansicht mit einigen Worten in Kenntniß setzen
[2 kleine
  Zeichnungen] /
[2R]
[enthält Schülerschreibübungen]