Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Wilhelmine Fröbel, Arnold Barop, Wilhelm Middendorff, Heinrich Langthal in Keilhau v. 13.3.1832 (Wartensee)


F. an Wilhelmine Fröbel, Arnold Barop, Wilhelm Middendorff, Heinrich Langthal in Keilhau v. 13.3.1832 (Wartensee)
(KN 36,2, Brieforiginal 1 B 8° 2 S. + Adresse)

Am 13en März 1832, morgens 1 Uhr.
Geliebte Frau! Ich wollte Dir mit dieser Sendung auch schrei
ben, doch die Zeit war zu kurz. Ich bin nur sehr froh
daß der Brief an die liebe Mutter und Tante in Ber
lin fertig ist. Es hat mir viel Freude gemacht ihn
zu schreiben; Lies meinen Brief an Dich auch in den
selben; möge der Brief nichts enthalten was Dir un-
lieb seyn könnte. Grüße herzinnig alle die Kinder
und sage ihnen ich habe schon mit Bestimmtheit an die
Beantwortung ihrer Briefe gedacht. Wie freut sich dar-
auf, in einer der nächsten Sendungen von K. wieder einige
Zeilen von Dir zu finden Dein treuer FrFr.
Lieber Barop. Ich hatte mir erst fest vorgenommen aus Dank
barkeit für Deine beiden letzteren reichhaltigen, wahren Briefe
auch Dir einige Zeilen besonders zu schreiben, doch die Zeit ist zu kurz,
noch habe ich nicht einmal Schnyders Brief an mich gelesen und
doch soll er mit dieser Sendung auch zu Euch kommen. Ich empfehle
besonders Deiner wie aller Beachtung die hierbey folgenden 10 Bogen,
Beachte doch was auf beyliegendem Zeitungsstück von Brungham
steht; es ist wohl merkwürdig das Streben dieser Männer.
Schreibe bald Deine und aller Ansicht über meinen Vorschlag Deinem FrFr.
Lieber Middendorff. Deine Briefe habe ich mehrmal gelesen sie
haben mich sehr gefreut, sie geben mir wie die von B. sehr viel
Setzt sie fort; oft denke ich dann meine wären gar nicht mehr nötig.
Jetzt nur der Seele gruß an Dich und an die Familie deren Sohn, Bruder Gatte pp.
Du bist vor allem an Deine l. Frau und herzigen Kinder von        Deinem FrFr.
Lieber Langethal, auch Dir waren einige Zeilen zugedacht; denn durch jede Eure
Mitteilung wird immer so viel in mir geweckt, was ich gerne um meinetwillen
festhielte, so auch durch Deinen letzten Brief an mich. Jetzt nur der Treue Dank für Treue.
FrFr./

[1R]
Am 13en März 1832 Morgens gegen 4 Uhr. Noch an Dich, Barop.
Ich habe nun Schnyders Brief durchgelesen, wie man einen Brief von
solchem Umfange auf einmal durchlesen kann. Das wichtigste was
er einmal von Schnyders Seite für uns enthält scheint mir das zu
was er von und über den Fatalismus sagt; ich hatte jetzt nicht Zeit
mir Schnyders Begriff und Gegensatz gegen Vorsehung klar zu machen, in
so fern als er Fatalismus in der Darstellung in meinem Briefe
findet. - So viel ist gewiß es scheint dieß, wie mir aus Schnyders Brief
hervorgehen will, ein Punkt zu seyn von woher mir auch noch von anderen
die Opposition entgegentreten wird; gut wird es also für mich wie
Euch seyn, daß darüber jeder Einzelne und wir gemeinsam recht klar
sind. Freuen würde ich mich daher, wenn nach vorhergegangener Prüf
ung bey und von Euch, Du Barop, mir Schnyders Ansicht kurz und klar so
wie das Ergebniß Eurer Besprechung mittheiltest.
Die Grenzlinie nöthigt mich nun zu Dir Middendorff zu reden.
Das zweit wichtige in Schnyders Brief scheint mir die Erklärung des ersten
der jetzt lebenden Schweizer Pädagogen zu seyn auf der 3en Seite des 7en Bogens.
Seht wieder ein neuer Feind, der zum Glück sich melden mußte. - Die Pesta-
lozzianer gewisser Gegenden scheinen fast wie ein Heerhaufen zu seyn der
keinen Herzog hat. Und Pestalozzi Geist mögen sie nicht zu erwecken. Selbst
nicht handelnd in seinem Geist auf zutreten. - Weil ich nicht ihr Fahnenträger
seyn will zürnen sie mir, feinden sie mich sogar an. - Ging mir schon oft so.
Auch Du Wilhelmine sollst noch etwas von meinen Andeutungen
über Schnyders Brief abbekommen. - Ich meine nämlich die
Äußerung des Schweizer Pädagogen an Schnyder, unten angedeutet
macht nöthig, das Erziehungs und Lehrwesen in Wartensee
mit dem kräftigsten Geiste und kräftigsten durchzuführen
denn so viele Partheyen als mir zurufen, (ich habe davon schon
früher einige erwähnt) falle vor mir nieder und bete mich an
und die ich doch nicht anbete, so viele Partheyen werden auch
meine Feinde, Feinde der Wartenseer Unternehmung; und
so muß ich denn auch gegen Dich meine Aufforderung aussprechen.
Prüft ruhig und ernst meinen Vorschlag wegen Barops
Hierherkunft; es ist mir als wenn von allen Seiten alles
dafür spräche - der Zielpunkt ist nicht Einzelnes gegen Einzelnes
Person gegen Person gelten zu machen, sondern das allgemein Mensch
liche über das Persönliche und Landschaftliche zu erheben; da fordert es
stilles aber das kräftigste Gandeln. So bekommst Du heut den letzten Gruß und Kuß.