Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 4.5./5.5.1832 (Wartensee)


F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 4.5./5.5.1832 (Wartensee)
(KN 38,1, Brieforiginal 2 B 8°gr 8 S.)

Wartensee, am 4en May 1832.·.


       Geliebte, Freunde und Brüder.
Der Liebe und des Dankes Gruß zuvor.

Gestern Donnerstag am 3en May habe ich Eure letzteren
Briefe vom 27en v. M. mit dem Postzeichen R. d. 28' Apr.
erhalten. Nach dem Inhalte derselben beeile ich mich
Euch so kurz und so bestimmt als möglich zu antworten
damit Ihr Euch auf das klarste überzeugt daß bis auf
den letzten Augenblick der wirklichen Ausführung
alles Euerm Ermessen, Euerer Überlegung, Euerer Ent-
scheidung ganz anheim gestellt ist, und daß ich mir bey
meinen Vorschlägen nicht die leiseste Willkühr oder
persönliche Absicht bewußt bin. Warum habe ich nun
so entschieden gesprochen?- Einmal um für die Ausführung
des nach meiner Überzeugung besten nach Möglichkeit
zu wirken; ganz und vor allem aber zweytens um
für die nächste und jede folgende Zukunft den mir im
Leben so oft gemachten Vorwurf von mir zu entfernen:
- "Ja! wäre er nur dortmals aufrichtig gewesen und
hätte den Stand der Dinge wie er vor ihm lag klar
mitgetheilt so würde jetzt alles anders seyn." Dieß
also der Grund warum ich nochmals erscheine; denn
ich weiß von der Zukunft ganz und gar nichts; kann
noch weniger mit Sicherheit nach äußeren Gründen
etwas Erfreuliches von der Zukunft voraus versprechen /
[1R]
indem ich Tagtäglich zu meinem größten Erstaunen sehen muß
daß die Menschen gar sich nicht selbst besitzen sondern von den
augenblicklichen Lebenserscheinungen in ihrem Handeln bestimmt
werden, so daß also auf ihr Wort so wenig als auf ihr Han-
deln Verlaß ist. Was ihnen heut das Höchste ist, ist morgen
ihnen das Entbehrlichste. Unter diesen Lebensverhältnissen finde
ich mich nun nach Gründen handelnd von welche[n] ich immer klarer
einsehen muß daß sie mir nur in dieser Strenge persönlich ei-
gen sind. Gründe die man ihm, was auch immer der Schein zeigen
mag, weder durchs Wort wahrhaft einleuchtend, noch ihn dadurch
sie zu den seinigen zu machen bestimmen mag. Unter solchen
Umständen muß man auf das sorglichste seyn das Leben anderer
wenn auch nur auf kürzere Zeit mit dem unsrigen zu verknü-
pfen, wenn wir nicht von der Last der dadurch auf uns ladenden
Verantwortung erdrückt werden wollen. Ganz anders ist dieß
wenn unsern Vorschlägen ein allseitiges Zusammentreffen bey[-]
stimmender Verhältnisse entgegen kommt, wie dieß von Eurer
aller und des Jünglings s Seite bey Felix der Fall ist[.] Also
1., erstlich. Felix kann mit freudiger Zustimmung meiner
in Gottes Namen kommen, wenn anders seine Mutter
gleiche Ansicht mit mir über ihn theilt. Felix muß sich das
Ganze wie eine Gesellen Wanderung, oder selbst wie ein
Ziehen auf eine Hochschule, oder wie eine Reise in unbekannte
Gegenden ansehen wo man unter den freudigsten Hoffnungen
vielen Unannehmlichkeiten und Widrigem entgegen geht. Nun
wir wollen dann sehen wie wir es gemeinsam tragen oder
theilen, oder uns sonst erleichtern. Ihr könnt ihm dieß vielleicht vorlesen.
2., zweytens. Wegen Barop. Ob Du Middendorff nun gleich - nach[-]
dem Du die Schwierigkeiten mir vorgeführt und ausgesprochen hast:
"Alle diese Lücken auszufüllen und mangellos zu machen das ist keine
kleine Aufgabe" - mir sagst: - "So ist das" (nemlich seine Reisen nach
W.) "auch klar und rein"; so leiste ich dennoch auf Barops Besuch
willig Verzicht, wenn Ihr es nicht für Keilhau, also für das Ganze
für nothwendig erkennt. Ich bin mit jedem näheren oder ferneren
Verhältniß in welches Ihr Wartensee zu Keilhau setzt ganz voll-
kommen zufrieden. Denn ich will nichts für Wartensee, am we-
nigsten auf Unkosten und zum Nachtheil Keilhaus auch nicht zum
Schmerz einer Person z.B. Emiliens. Wie ich für mein Leben nichts /
[2]
mehr von außen fordere und erwarte so auch ganz und gar nicht mehr
für Wartensee.- Wartensee dieß jüngste Kind eines vertrauenden Ge-
müthes von welchem kaum Menschen eine Vorstellung haben, werde ich
darum nach Möglichkeit auf meine Weise pflegen; doch ist es in
einer zu stürmischen Zeit geboren welche es auszuhalten nicht im
Stande ist, so ist mir sein baldiger Tod lieber als ein langes sieches sich
dahin schleppen. Soll es aber am Leben bleiben nun so wird es ja auch
wohl bey seiner Geburt die nöthige Kraft empfangen haben; also scheue
und fürchte ich diesen Alleinkampf nicht sey er zum Leben sey er zum
Tod immer ist er zur Genesung immer zum Wohl, immer zum Frieden.
Darum von meiner Seite in Beziehung auf Barop kein Wunsch, keine Hoffnung;
keine Forderung, keine Erwartung; aber auch rein keine Verantwortung
nach Außen. Hierinn ist nun
3) drittens auch eingeschlossen, was ich in Beziehung auf Elisen zu sagen
habe. Ich mag auf Entgegnungen wie die der liebsten Schwägerin sind nichts
sagen; war schon wie Du mir M. schreibst vor Emiliens Abgang, wie
Du es nennst kein Durchkommen; wie kann die Großmutter nun ein
Durchkommen sehen wenn Elise auch austreten sollte. Ich kann und
will diese Verantwortung nicht auf mich laden. Elise bleibe in Ruhe
und Frieden und zum Heile des Ganzen und zur Hülfe und Freude einzelner.
Bey dem stillen, immer emsigen ruhigen Fortwirken aller Frauen in
Keilhau ist es mir wohl zu verzeihen, daß ich nicht klar genug
sahe welche Lücke durch das Heraustreten von Elise entstehen würde.
Ich will es gern gestehen, ich habe bey meinem Lebensplane Elisen
für Keilhau entbehrlicher gehalten alß als ich jetzt sehe daß sie ist;
durch dieses offene Geständniß kann ich, wie ich es meine niemand wehe
thun. Nun aber jetzt da mir alles ganz anders vorgeführt wird, so
will ich nicht "daß die Erfüllung" - meines früheren Wunsches ja viel[-]
leicht meiner früheren Forderung - "wie der letzte Wagewurf eines
Glücksspieles vorkomme", wenn auch nur vorkomme. Ich habe
im Leben nie Hazardirt, am wenigstens mit dem Schicksal der
Menschen; was ich vorschlug war in meiner Überzeugung tief
begründet. Ich will nicht daß aus dem in sich geschlossenen vollen-
deten Bau Keilhaus ein Stein herausgerissen werde um War-
tensee damit zu unterbauen; oder daß von dem Keilhauer Le-
bensbaum ein Zweig abgeschnitten und auf den Baum Wartensee
versetzt werde; nur entbehrliches Baumaterial und reife Früchte
wollte ich aufs beste benutzen. Also Elise bleibe, da sie nicht mit un- /
[2R]
eingeschränkter Beyfall aller, besonders nicht mit der freudigen
Einstimmung der Mutter kommen kann - in Gottes Namen in Keilhau.
Was könnte ich Elisen hier für das was ich ihr nähme und aufbürdete
reichen?- Nichts!- Was der Mutter die mir so theuer ist?- Nichts!
"Es kann uns einmal wir wissen noch nicht wie! eine Hülfe
kommen!" Warum sollte ich mir dasselbe nicht auch zum Trost
in Beziehung auf Wartensee gesagt seyn lassen können?--
Freylich mache ich nun, sobald außer dem Felix niemand von
Keilhau kommt, in mir den Lebensplan ganz anders. Zunächst
gebe ich - wenn auch Felix hier ist, was nichts thut - in mir die Er-
ziehungsanstalt
von Wartensee auf, und halte mich ganz
allein an die Wartenseeer Schule; diese scheint sich begründen zu
wollen wenigstens habe ich jetzt drey Knaben deren Väter gesagt
haben daß sie hier bleiben sollen bis sie für ihren Zweck ganz aus[-]
gebildet seyn werden; auch habe ich gestern zwey kleine Knaben
zwischen 5 und 7 Jahren (:Tonni und Hannsirg:) zu Schülern erhal-
ten, von denen sich doch hoffen läßt, daß ich sie einige Jahre behalten
werde. Und obgleich die Sommerarbeit mir fast alle Erwachse-
nen genommen hat, so werde ich doch auch für diesen Sommer
wohl mehr als 1 Duzzend und größtentheils junge hoffnungs[-]
volle Schüler und Schülerin[n]en behalten. Könnte ich für die etwas Ent-
fernteren billige Kost geben, so wäre die Zahl ungleich größer.
Ferdinand und ich geben jetzt von Morgens 7 bis Abend[s] 5 Uhr
Unterricht und so hoffe ich wollen wir unsere Kleinen wacker vor[-]
wärts bringen. [(]Mittags ist von 11 bis 1 Uhr frey[.])
Weil sich nun Wartensee noch keiner Ordnerin und Führerin des
Hauswesens erfreuen kann (selbst Fräulein Salesie ist noch in Luz[ern]
gebunden) so werde ich - auch wenn Felix kommt - das Ganze nur noch
still als Schule bis Michaelis fortführen und als Erziehungsanstalt
öffentlich gar nicht auftreten.- Michaelis werde ich dann sehen ob ich
bleibe, ob ich ziehe; ob wir bleiben ob wir ziehen. Welch ein Gemisch
von Sagen über mich im Umlauf ist, so ist doch kein Zweifel daß die Stimmung
überwiegend für mich und die Lehranstalt ist.
4ens wegen Fräulein von Schönfeld bin ich mißverstanden worden
ich meinte: wenn - wie gleich vor einigen Jahren die Rede war - Frl
von Schönfeld dortmals in Keilhau eingetreten wäre so pp .....
doch nun sey das vorbey pp[.] Also von jetzt Herkommen, keine Rede.
Schreibt mir nun möglichst bald die Entscheidung wegen Felix und was mir
sch sonst noch nothwendig mitzutheilen ist.- Euer
Friedrich Fröbel. /

[3]
Am 5. May. Sonnabends. Da ich noch etwas Zeit habe will ich zu
vorstehendem noch ein Paar erläuternde Worte hinzufügen.
Ich hoffe nicht daß der Gleichmuth, die Ruhe, die Verzichtleistung
oder wie Ihr sonst das was sich Euch in dem vorstehenden ausspricht,
bezeichnen wollet, - auffallend seyn wird; es geht dieß mit
Nothwendigkeit aus der Gesammtheit meiner innern und äuße[-]
ren Lebensentwicklung hervor, und ist dieß was hier mit kla-
ren Worten ausgesprochen ist in mehreren meiner jüngsten
Brief[e] besonders in dem einen derselben schon mit großer Be-
stimmtheit angedeutet; so wie diese Entwicklung nothwendig
auch in dem bedingt ist wie mir das gesammte Stehen der
Keilhauer inneren und äußeren Entwicklung durch die beson-
ders jüngsten Briefe von dorther vorgeführt worden ist. Das Leben
liegt durch die letzteren Briefe allseitig so klar vor, daß ich
darüber gar nichts mehr zu sagen habe.
Überhaupt bin ich auch aus zwar tief, doch jedem der sie wahrnehmen
und sehen will klar und offen liegenden Gründen mit den Lebens-
mittheilungen zu welchen ich mich seit meiner Abwesenheit von
Keilhau und besonders seit meiner Anwesenheit in Warten-
see aufgefordert fühlte ziemlich zu Ende, ein Brief an Alber[-]
tinen als Fortsetzung des letztgeschriebenen, und als Erörterung
dessen was ich im jüngsten Briefe an sie nicht durchführen konnte
liegt in einem Entwurf von einigen Blättern vor mir; und dann
liegt in meinem Gemüth und Geiste noch ein Brief an den Bruder
in welchem ich möglichst kurz von meinem Standpunkte aus die
Frage beantworten will, was ich unter Familie, Geschlecht
und Stamm, besonders aber was ich unter Familienleben, dem
Leben eines Geschlechtes, Stammes, also freylich zuletzt auch
unter Volk verstehe, wie ich die Stellung und den Beruf eines
Familienhauptes finde und schaue. Mit diesen Beyden Briefen
soll der Kreis meiner eigentlich Wartenseeer Briefe geschlossen
seyn. Ich wollte diese Briefe so schreiben daß sie gerad zum Himmel[-]
fahrts Tage in Keilhau einträfen; doch wird dieß bey meinem
angestrengten Beschäftigtseyn schwerlich möglich werden, froh
will ich seyn, werden die Briefe nur am Himmelfahrtstage
fertig werden.
Früher lag auch noch der Gedanke eines Briefes an die Keilhauer
Gesamt- besonders Jugendwelt in meiner Seele, in welchem /
[3R]
ich das sinnbildlich Erzieherische der Keilhauer Naturverhält-
nisse und deß der äußeren Lebenserscheinungen herausheben und
nach meiner Ansicht durchführen wollte. Doch das Leben ist
in seinen Anforderungen an mich zu stark, es ist nicht alles
durchzuführen. Genug also wenn sie mir jetzt das Leben in
den Naturverhältnissen und nach den Forderungen der Lebens-
verhältnisse klar und mit vollem Leben durchlebe. Das Leben
wird ihnen schon am Ende den Schlüssel dazu selbst geben; besser
ist es immer wenn nicht beydes geeint seyn kann, das Leben rein
zu leben ohne den Schlüssel dazu zu besitzen, als den Schlüssel
da zum Leben, zu einem Leben zu besitzen und des Lebens zu
mangeln. Auch sind ja der Andeutungen dazu fast von
allen Gliedern schon so viel ins Leben selbst eingestreut worden
daß die Zusammenstellung, mehreren schon selbst und allein mög[-]
lich werden kann.
Hier fällt nun mein Blick gleich auf den Kolm. Da muß ich nun
wieder, was in der jüngsten Zeit auch von Euch so oft beachtet worden
ist, wieder eines recht merkwürdigen Zusammentreffen[s] der Geistes[-]
thätigkeit erwähnen. Da ich mir nemlich wohl sagen konnte daß Ihr
alle meines Geburtstages gedenken würdet, so wollte ich Euch
in einem meiner früheren Briefe bitten, daß, wenn Ihr es thun
wolltet, Ihr dann zu diesem Tage den Kolm bepflanzen möchtet;
bestimmte Gründe hielten mich davon ab, und jetzt ist es ohne mein
Aussprechen geschehen. Möget Ihr alle und besonders die lieben
Zöglinge in dieser Mittheilung von mir den Ausdruck meines recht
herzlichen Dankes lesen. Schön ist dann unter Gebüsch besonders
das blühende Sinngrün über welchem sich hier, wo es auf das
reichlichste und üppigste wächst, die blaue Blüthendecke, wie
ein Himmel über die grüne Erde, wie der treue Himmel über
die hoffende Erde ausbreitet. Freuen würde ich mich darum wenn
viel Wintergrün am Kolm gedeyhen möchte, dann würden allen
daraus immer meine Gesin[n]ungen entgegenwachsen mein Dank ent-
gegen blühen. Ich meine aus dem Sinngrün mit himmelblauen Blüthen
es ist dieß das gewöhnliche.
Über das gleichzeitig Geistige könnte ich noch manchen schlagenden
Beweis beybringen; doch wer kann alles mittheilen da sich be-
sonders, daran immer eine ganze Lebensreihe anschließet.
S Euer Fastnachtspiel hat mich gefreut, der allgemeine Plan /
[4]
und die Einzelausführungen sehr gefallen; allein:
     "nur immer fort,
"nur frisch gegraben" d.h.
Es muß das Ganze immer noch tiefer erfaßt werden. Der
Mensch als ein Erdner meint und schmeichelt sich gar zu leicht er habe
die Sache schon recht tief erfaßt und ist am Ende noch immer auf
der Oberfläche was uns sinnbildlich der Bergbau lehrt, wie
in graußige Nacht und T tiefe Tiefe geht ein Schacht, und wie weit
sind wir als Erdner immer noch von dem Mittelpunkt der Erde.
Diese Andeutung sey mein Dank für all Eure Liebe, Euer
Streben, Eure Treue u.s.w. die sich mir aus diesem Briefe und
auch sonst noch auch persönlichen Mittheilungen - selbst den jüng[-]
sten mir von Keilhau gekommenen - aussprechen.
Ihr müßt überhaupt, und dieß sey mein dritter Dank, - Euer
Leben im Einzelnen und Allgemeinen unter den verschiedenartigsten
Formen anschauen und zwar an der Hand der Natur, der Ge-
schichte und dem Leben sonst gerathet Ihr in Einseitigkeit und
diese tödtet immer nach einer Richtung hin. Einseitigkeit führt
freylich zum Leben, zur Allseitigkeit, einmal wenn man sich be-
strebt von ihr frey zu machen dann zweytens wenn man sie
überschaut und sie uns so dient wie die rechte oder die linke Hand.
Doch fürchte ich von Eurer Einseitigkeit nicht viel, so wie über[-]
haupt von keiner nicht, denn Eure Kinder werden Euch schon
wenn Ihr ihnen anders nicht frühe den Kappzaum überwerft,
schon davon frey machen; und jenes, das Kappzaum über die Kin-
der
zu werfen, scheint schon in gar vielen Punkten nicht mehr möglich
zu seyn, und drey Punkte sind in ihrer Fortbildung, Fortentwicklu[n]g
genug um die Menschheit zu retten, Unter Kappzaum auf[-]
legen verstehe ich die innere gesetzmäßige aber freythätige Ent-
wicklung trüben, hemmen fesseln, vernichten.
Warum Ihr von Arau noch nichts erhalten habt begreife ich
nicht da mir die Buchhandlung und Druckerey von Joh: Jacob
Christen
(Christen) zu Arau am 1n März schreibt "Die
weiteren 200 Exemplare sind nach Ihrer Vorschrift abgegangen
".
In den nächsten Tagen werde ich nach Arau schreiben.
Einer der Herrn bey dem Erz: Rath zu Luzern wer? weiß
ich nicht; hat sich darüber so geäußert: - "ob es denn nöthig gewe-
sen wäre den abscheulichen Brief v. H-g mit abzudrucken
?" /
[4R]
Herrn und Fr: Pfarrerin in Eichfeld meinen schönsten Dank für das
schöne Festgeschenk, sagt ihnen ich sähe den Stock in der Fülle
seiner rosigen Blüthen wie er mir zur Abreise von Keilhau
geleuchtet und geblühet habe, so viel mal es nun auch schon
seit jener Zeit schon Nacht geworden und so manches Gewitter
wie man in der Schweiz sage sich schon ausgewettert habe, so
sey doch bis jetzt der rosige Schimmer nicht vom wahren Leben
gewichen und ich hoffe daß ich ihn auch noch einmal, wann? -
mit nach Keilhau zurück bringen werde. Dieß mein Dank
für die blühende Gabe: - den Ausdruck eines ewig unver-
gänglich rosig blühenden Lebens.
Nun weiß ich nichts wesentliches jetzt mehr zu schreiben[.]
Schreibt mir nun möglichst bald und möglichst bestimmt. Er-
kundigt Euch genau wegen der <Coutumagen>, wer reiset halte
seine Pässe und sonstigen Reisepapiere in bester Ordnung. Das
Geld zum mitnehmen sind am besten Kronen oder Brabanter
thaler nur kein preußisches Papiergeld.
Reiset Felix allein so geht wohl die Reise am besten über
Schweinfurt und Stuttgard so meinen wir. Doch alles müßt
Ihr selbst prüfen
.
Könnten wir denn nicht Middendorffs französischen Sprach[un]t[e]rricht
mit dem kleinen in Abschrift bekommen?-
Nun seyd Gott für heute empfohlen daß mich die Post nicht
übereile, denn ich muß, will ich morgen nicht nöthig haben
selbst nach Luzern zu gehen oder einen Bothen dahin zu schicken
diesen Brief jetzt S schon Sonnabend Mittag 2 Uhr hier zur Post
geben; morgen Mittag geht aber der Brief erst von Luzern ab.
Sind Ist mein Brief nach Berlin abgegangen?- Ist noch
keine Rückantwort da?-
Kam mein Brief an die Confirm: nicht vor dem Palms: an?-
Sind meine Briefe an die Frauen angekommen? - unter
der Adresse an meine Frau.
Wir haben hier die unvergleichlichste Kirschblüthe, in sol-
cher Fülle wie ich es noch nie sahe.
Mit der innigsten Liebe sage ich allen allen herzinniges
Lebewohl den Kränzewinderin[en] und Windern mein[en] besondern
Dank. Mit ganzer Seele
       der Eurige

FriedrichFröbel