Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 2.7.1832 (Wartensee)


F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 2.7.1832 (Wartensee)
(KN 39,1, Brieforiginal 2 B 8° gr 8 S.)

Wartensee am 2en July 1832.·.


An die Keilhauer Gemeinsamheit
des In-sich-selbst-Ruhens Friedensgruß zuvor

Meine liebe Frau ist so gütig gewesen und hat mir während der jüng[-]
sten Festzeit einen Brief zu schreiben [sc.: geschrieben] in der Umfassung wie ich ihn längst
wünschte und mit der offenen und klaren Darlegung der Gesammtverhält[-]
nisse von Keilhau wie ich sie längst bedurfte; denn frühere Briefe haben
die Mittheilungen derselben wohl begonnen oder berührt; aber die späteren
haben sie nicht fortgesetzt und ausgeführt, so wußte ich z.B. nicht daß die
Anknüpfungen mit Coburg, Schwarzburg, Liebringen zu keinem Ergebniß
rücksichtlich des Eintritts von Zöglingen geführt hatten, so wußte ich nicht
daß die beyden Brans wirklich aus der Anstalt austreten würden nun
schon ausgetreten sind, so wenig ließ ich mir das Verhältniß von Weiman[n]s
Vater
zur Anstalt träumen, so wenig als ich mir es überhaupt nicht erklä-
ren kann. Alles dieß mußte natürlich auf meine Erwartungen von,
wenn ich auch keinesweges sagen will Forderungen an Keilhau einen ganz
wesentlichen Einfluß haben, so wie außerdem noch die Mittheilungen von
gar manchen Lebenserscheinungen die sehr bestimmend in das Leben ein-
greifen. Ob nun zwar gleich alles dieß die hiesigen Verhältnisse und ihren
wahren Stand mit alle dem was daraus hervorgeht keinesweges im
Mindesten ändern kann und konnte, so hätte es doch wenigstens mei[-]
ne Erwartungen von Keilhau und gewiß die Art wie ich mich dar[-]
über ausgesprochen habe mehrfach abgeändert; dazu kam noch daß
Ihr so sehr leicht in meinen Vorschlag mit Felix einginget, ja mir
fast mit demselben entgegen kamet wodurch Ihr ja noch zu den obigen
Verlusten sogar die [{]jährliche / Jahres} Einnahme von dessen Erziehungsgelde ver-
lohren hättet. Nun es ist geschehen und so wird es auch wohl gut und nö[-]
thig gewesen seyn; wie man zu allem Geschehenen als einem nun einmal
Geschehenen sagen muß "es war gut, es wahr nöthig!" doch dieß alles ändert
den wirklichen Stand und die Forderungen der hiesigen Verhältnisse, wie
ich eben schon aussprach nicht im Mindesten diese bleiben ruhig auch wie sie
nun einmal so und nicht anders sind, nur die Lösung derselben scheint
es soll verändert werden[.] Vielleicht ist die Lösung auch gar nicht so
schwer als es jetzt scheint wenn man nur über den eigentlichen Stand
der Verhältnisse nicht klar ist, vielleicht könnte ich mit einem einzigen
Worte klären, lösen und leicht machen was jetzt so dunkel, verwirrt /
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gefesselt und schwer vorliegt. Unmöglich wäre es nicht, ausführen kann
ich es heute und hier zwar nicht aber einige Andeutungen können doch viel[-]
leicht gut seyn. Laßt uns nur einmal und zuerst die Frage beantworten:
Was soll eigentlich Wartensee als Erziehungsanstalt in Beziehung auf
Keilhau seyn?- Soll Wartensee ein verpflanztes Keilhau, oder
eine Tochter eine Fortentwicklung von Keilhau seyn?--- Alle die Ihr dieß erstere leset
lächelt vielleicht über das Unmögliche was
das erste Wort ausspricht, in sich die Überzeugung tragend: ich gehöre
doch auch zu Keilhau und ich gehe gewiß nicht nach Wartensee.
So wenig als das erste bestritten werden kann, und ich es einen [sc.: einem] von
Euch bestreiten [werde], so leicht könnte mir doch vielleicht das letztere
ausführbar seyn.- Soll ich es Euch aussprechen oder soll ich es Euch
rathen lassen, Wie? - doch es ist jetzt nicht mehr Zeit zum Spiel übrig[.]
Ich will es Euch aussprechen: - Ich brauche nur meine Frau hierher
nach Wartensee kommen zu lassen!--- Vielleicht sehen wenige
von Euch ein wie dadurch eine Verpflanzung von Keilhau bewirkt
werden könne und unmittelbar dadurch gegeben sey. Ich sehe
es aber recht gut ein, wenigstens sehe ich das klar daß es zum
größten Nachtheil von Keilhau wäre, daß gewiß Keilhau
dadurch eine Wunde geschlagen würde an welcher es früher oder
später verbluten müßte. Von Keilhaus Verpflanzung
war auch schon in Frankfurt und hier in der Schweiz die Rede und daß
die Verwirklichung sich an jenen kleinen unscheinbaren Punkt knü[-]
pfen können kann scheint vielen einsichtig zu seyn denn Ihr könnt
doch wohl aus mehreren meiner Mittheilungen wahrnehmen wie die hiesigen Forderungen oder Erwar[-]
tungen u.s.w. sich an meine
Frau knüpfen, oder anders ausgedrückt um das hierher Kommen der[-]
selben drehen. Laßt es mich nicht weiter ausführen, es dünkt
mich es bedarf auch keiner weiteren Ausführung, selbst wenn auch
das was ich als letztes Ergebniß daraus folgere Niemanden von
Euch einsichtig seyn sollte.
Nun aber ist mir so wenig hier als früher bey Helba eine Ver[-]
pflanzung
von Keilhau in den Sinn gekommen wohl aber nur
einzig eine Fortentwicklung desselben. Es hat mich nun auch bis[-]
her und gleich vom ersten Beginne an gedünkt, wir, d.h. ich
und Ihr in Keilhau wären auch über diesen Punkt, stillschwei[-]
gend wenigstens ganz einig. Ja ich mußte gewiß glauben /
[2]
daß Ihr, wenn auch stillschweigend, doch g bestimmt meine Ansicht theiltet.
Ebensowenig nur wie die Verpflanzung von Keilhau kam mir auch
die Errichtung einer ganz neuen in sich selbstständigen d.h. von Keilhau
abgesonderten Anstalt in den Sinn, wozu ich auch wie ich Euch auch
glaub ich hie und da angedeutet habe Veranlassung hatte, wie mir
den[n] überhaupt an einer Erziehungsanstalt als solcher ganz und gar
nichts, sondern nur alles an der reinen Ausführung und Entwicklung
des Grundgedankens liegt. Genug über alles dieß meinte ich wären
wir, Ihr in Keilhau und ich, wenn auch stillschweigend doch ganz
einverstanden. Nun freylich setzt dieß mit Nothwendigkeit voraus
daß Ihr in Keilhau als Personen oder wenn Ihr lieber wollt als
einigen Familienkreis [wollt], daß dem Keilhau auch eine solche Aus[-]
bildung und Fortentwicklung Bedürfniß und Forderung sey, und wenn
auch noch nicht offen daliegend hervorgetreten doch im Keime
schlummernd. Nochmals über alles dieß meinte ich wären wir
stillschweigend, wenn auch nicht im Einzelnen doch im Allgemeinen
klar einverstanden.
Von wem konnte nur die Fortentwickl[un]g ausgehen an wen konnte
sie sich anschließen - an wen anders als an die Glieder des Kreises
welche im Kreise noch am freyesten standen?- Elise, Wilhelm,
Ferdinand. Ich nenne Elisen zu erst, denn ich dachte an Elisen zuerst
weil ich zuerst an eine Ordnerin und Führerin des Hauses denken
mußte. Ich nenne Wilhelm als männlichen Gehülfen zuerst, weil ich
in dieser Beziehung seiner zuerst dachte indem ich meine unsere Gemüther
und Leben verständen sich am reinsten und selbst mögliche Verschieden[-]
heit einzelner Ansichten könnten doch nie Spannung der Lebens Verhältnisse
bewirken.- An Ferdinand, welcher ja dortmals auch noch gar nicht
in Keilhau war, dachte ich wirklich zuletzt, wie ich ihn hier auch zuletzt
nenne. Hielt ihn aber wegen seines praktischen Sinn u.s.w. zum
Dreybund für nothwendig.
Diese Drey sollten nun die drey eigentlichen Begründer der wahren
Grundsteine des erweiterten Wirkens werden; doch - wenn auch
Grundsteine ohne eingemauert in der Schweiz und in Wartensee
gefesselt zu seyn ständ nur das Ganze recht da, so könnte man
ihm ruhig seine eigene fernere Entwicklung nach innerm Bedürfniß
überlassen; ja was meine Ansicht betrifft so wünschte ich z.B.
gar nicht daß Elise in der Schweiz bleiben sollte.- Um weiter /
[2R]
weiter von dem Gedanken Notiz Kunde zu geben will ich auch sagen
daß ich Wilhelm zum künftigen Führer und Vorsteher der Anstalt
am geeignetsten hielt. Wegen seinem musikalischen Sinn und
Musikfürsicht glaubte ich daß er sich dazu, so wie sonst durch
sein Leben am meisten zum Verständniß mit Herrn Schnyder
und so zu dessen Mitvorsteher eigne. Meine wenigen Rechte
hätte ich ihm sogleich abgetreten als es für gut erkannt worden
wäre. Doch auch dieß alles hätte nach meiner Ansicht vom Gan-
zen seine Ausbildung wo und wie sie sonst <noch / auch> möglich geworden
wäre nicht gehemmt. Oder es hätten auch wenn er es lieber ge-
wünscht hätte ganz Andere an seine Stelle treten können. Genug
mein Gedanken Netz sollte keine Lebensfessel für irgend jemand
werden, genug wenn nur erst das Ganze gepflegt und begründet
daständ denn diese Pflege, des sich ungesucht Dargebothenen mußte
das erste seyn; denn sonst hätte sich wenn sich später das Bedürf-
niß zeigen und aussprechen sollen
nichts finden können was zu pfle[-]
gen gewesen wäre. Über Ferdinand erlaube ich mir kein Urtheil unsere
Lebensansichten oder wohl richtiger Bildungsstufen sind noch zu verschie-
den. Der Vollständigkeit willen will ich aber doch auch sagen was
ich mir dachte: sein praktischer Sinn u.s.w. schien ihn mir sehr
geschickt zu einer Stütze des Vaters und zum Hauswirtschaftlichen
Eckstein in Keilhau; doch [will ich] durch diese Gedankenäußerung der Ent-
wicklung des Bedürfnisses und des freyen Willens nichts <benennen>.
In der Fortentwickelung brachte ich den Felix auch wohl den Titus
mit in Betracht: Ihr seht hieraus wie bestimmt und doch auch wie
noch lose das Ganze in mir lag und noch li[e]gt. So hatte und habe
ich in mir auch gar nichts dagegen wenn Ferdinand und Wilhelm
sich in Beziehung auf Wartensee die Hand bleibend geboten hätten[.]
Nur mag ich nicht entscheiden ob Ferdinand zum Führer u. Vor[-]
steher und noch mehr zum Mitführer und Mitvorsteher mit Herrn
Schnyder sich eignet. Also von Wartensee etwas für mich vor
zu behalten, davon war und ist nie die Rede. Aber festhalten
mußte ich es als Glied des großen Familienverbandes wegen dem
ich angehöre; aufgeben kann man was man hat und nicht will
ja jeder Zeit
, aber auffinden und erhalten kann man nicht zu
jeder Zeit was man <doch> wirklich bedarf. Darum seid mir mit meinem Eingreifen und
meinen bisherigen Festhalten des Darge- /
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bothenen nicht böse. Ihr könnt es ja nun in der Zukunft damit halten
wie Ihr wollt. Sagt Ihr mir - Ja das ist alles recht gut
und schön aber es ist uns in unsern Verhältnissen schlechter-
dings unmöglich es festzuhalten!- Nun gut sage ich, dann ich mit
den Worten die meine l. Frau mir jüngst in Keilhau in den Mund
gelegt hat und die aber ganz meine Gesinnung aussprechen: - freudig
und dankbar gebe ich hin was uns nicht ferner bleiben will und
kann denn es hat uns schon genug gereicht. Ich hielt es für nöthig
Euch dieß so kurz und so bestimmt als mir möglich auszusprechen, weil
ich glaube aus Keilhaus Thal über die Berge her die Frage zu hören
"Ich möchte doch nur wissen wie sich das so eigentlich der Oheim
gedacht hat?" -- und weil ich gern wenn es mir möglich ist jede Frage
beantworte. Daß ich in diesem Briefe gar nichts von Wartensee
(Noch etwas von Auskunft) sage, thue ich mit Vorbedacht weil ich
auch den Schein vermeiden mögt, als wollte ich nur gern für
Wartensee eine günstige Meinung und gute Hoffnungen erringen.
Aus dem Ganzen Euch hier wiederkehrend mitgetheilten wird Euch
nun hoffentlich wiederkehrend klar hervorgehen wie ich nicht auf
und in Wartensee, sondern ruhig und friedig auf und in mir selbst
ruhe. Ich bitte Euch darum recht sehr bey allen Euren Beratungen
dafür und dawider nur mich und mein Leben ganz und gar
nicht mit in Anschlag zu bringen.
Ich habe gefunden was ich suchte, und sehe es täglich immer mehr
ein daß ich das Rechte u Gesuchte gefunden - es nach Ziel, Weg
und Mitteln gefunden habe. Ich glaube kaum mir darüber jede
Frage beantworten und ich glaube, auch gar manche Frage außer
mir, fragte mich z.B. Jemand wie ich zu dieser festen und un[-]
abänderlichen Zurückgezogenheit auf mich und in mir selbst käme,
so kann ich ganz klar antworten: weil ich durch alle Prüf-
ungsarten hindurch gefunden und eingesehen habe um bleibend
und unvergänglich gut, groß und edel zu handeln, handeln zu
können sind schon zwey Personen zu viel, wenn sie nicht
Eine, d.h. innig einig und sich verstehend sind, geschweiche
denn Mehrere. Um vergänglich gut und groß zu wirken
bedarf es mehrerer Personen, um unvergänglich gut und
groß, edel zu wirken, bedarf es nur einer einzigen in
sich einige.- Mich dünkt es könnte Euch nun keine Frage /
[3R]
wegen meiner zu beantworten nun noch unmöglich seyn, so
offen habe ich mich auch in diesen Zeilen Euch wiedergegeben.-
Meine l. Frau schreibt mir daß Ihr den Gedanken wegen
einer Reise Barops und Elisens noch nicht aufgegeben habt,
wenn nur erst das Wie der Möglichkeit ausgemittelt wäre.
Leider kann ich Euch so gern ich es auch thäte dieses Wie? auch
nicht beantworten. Ich kann nicht mehr thun als so klar als ich
es selbst sehe, Euch die Verhältnisse zu Eurer Entscheidung
<vorzuführen, diese> Aber Euch ganz und die Mittel zur Aus-
führung den Umständen zu überlassen. Mir scheinen über[-]
haupt diese großen Hemmnisse mehr darum zu seyn, damit
alles reiflich erwogen und klar geprüft werde, als daß es
wirkliche Hindernisse sind, denn auf jeden Fall ist der Schritt
sehr wichtig, soll besonders dadurch erreicht werden was wir
vor Augen haben für das Borgen oder Aufnehmen von Geld zur
Reise kann ich nach den mir von meiner Frau dargelegten Um-
ständen auch nicht seyn. Ist also die Reise unausführbar, so
schreibt es mir bald - meine Antwort wißt Ihr dann schon
zum Voraus, es ist die mir von m. Frau früher schon in den
Mund gelegten: Ich gebe freudig hin was ich nie um meinetwillen
zu halten Willens war.
Noch eins muß ich doch sagen: Ich glaube fast es würde mir hier ein
neuer Stern aufgehen wenn ich sagte meine Frau käme. So wird
es nun wohl nicht ga[n]z seyn wenn ich sage: Elise oder meine Nichte kommt.
Allein dieß kann nichts hindern man muß bey einem Werke und
Unternehmen wie dieses mehr die Zukunft und das Ganze, als die
Gegenwart und das Einzelne im Auge behalten.
Elisen hätte ich gern selbst wie ich mir vorgesetzt hatte noch
einige Zeilen geschrieben ich habe aber gar keine Zeit dazu. Ich sage
ihr daher nur daß sie - es klingt zwar sehr hart aber es ist doch
wahr - jetzt wie Herkules am Scheidewege steht, d.h. das
Bleiben reicht Genuß das Gehen fordert Entsagung. Nun sie mag es
selbst in Tietges Urania, die ja Albertine besitzt im 6. Gesang vom 386
bis 429 Vers lesen.
Ist ein Brief von Euch an mich unterweges, so glaube ich, es wird
wohl dieser schon so ziemlich die Antwort darauf seyn.-
Da ich Dir liebe Frau heut nicht antworten kann, so sage ich /
[4]
in Beziehung auf Fräulein Schönfeld blos; daß ich in mir keinen
Grund habe die Forderung die das Ganze für sie jährlich fordert
nehmlich Rth. 100 pr. Ct. zu verringern; ich glaube übrigens auch
nicht daß die Fr. v. Arnim bey den sonstigen Forderungen hinsichtlich des
Unterrichtes namentlich - weniger erwartet. Du oder wer sonst
Lust hat kann sich ihr ja auch darüber so klar als wahr aussprechen.
Daß die Kinder aus Eichfeld - die ich übrigens freundlich grüße -
täglich den Weg von K. nach E. viermal machen müssen hat nichts
zu sagen; Meine Wartenseer Kinder müssen fast alle 4 
mal des Tages Wege machen die ohngefähr so weit bis zur Pörz
Mühle und fast nach Schaal[a] sind, dennoch sind die entferntesten
fast immer die ersten in der Schule. Auch haben sie es ja wie Ihr
wißt schon während eines Winters versucht.
Wie ich schon aussprach so schreibe ich heute von dem Wartenseer
Leben <nur> Vorbedacht gar nichts. Nach Eurer Entscheidung soll al-
les nachgeholt werden zuerst folgt nun endlich der Brief an
meine lieben Kinder welche ich sämtlich herzinnig grüße besonders
da ich im Allgemeinen so gutes von ihnen höre; wo noch so
einige Aber! Aber! sind nun die werden ja auch bald weg-
fallen.
Ferdinand trug mir auch vor Schlafengehen die herzlichsten
Grüße an alle auf. Er hat jetzt eine ziemlich bedeutende
Zeichnung worauf irh irre ich nicht 11 Personen sind zur Copie unter
den Händen.
Auch meine Blumen die mich in meinem Stüblein in großem
Kreise und hoher Pyramide in Blumengeschirren umblühen die
Spierstaude, die Schwertlilie, mehrere Arten Nelke, Vergießnichtmein
(so sagen die Schweizer) Carthauser Nelken Mohnen, Jasmin und wer mag
sie alle nennen die frohen frischen Kinder aus dem Wartenseeer
Burggärtlein und aus dem Garten treusin[n]iger Kinder der War-
tenseeer Schule, vor allen auch zart farbige u süß duftige
weiße u rothe Rosen, diese ganze Blumenwelt um
und neben mich grüßet und grüßt die Blumen in Keilhaus
Garten auf den Kolm und in den Blumenäschen in den
Zimmern und vor den Fenstern im untern wie im obern
Hause. Nun diese Blumen wobey besonders die prächtigen Tausendschön
von kleinen Mädchen u für kleine Mädchen nicht zu vergessen, und die von /
[4R]
denen ich die Namen nicht weiß, diese alle mögen heute einmal
meine Grüße an alle in Keilhau bringen.
Nochmals, durchkreuzen sich unsere Briefe nicht, so schreibt mir bald[.]
Herr Michaelis ist noch zu Luzern, er war auch schon wieder eine
Nacht hier und Ferdinand und ich am Frohnleichnamsfest bey ihm Mittags
zu Tische. Er hat uns da mehrere von seinen Arbeiten und
Plänen gezeigt die ganz vortrefflich sind, dennoch fehlt es dem
Lebensschiffe des ehrlichen Michaelis noch immer am guten Winde.
Von He. Schnyder habe ich den mir durch Frl. Salesie versproche[-]
nen Brief bis jetzt noch nicht erhalten und ich mag ihn nicht eher
schreiben bis sich das in Frage stehende entschieden hat.
Nun lebt wohl und schlaft jetzt wohl, denn es geht schon auf
den Morgen des 3en July los.
Immer in Lieb und Treue Euer Friedrich Fröbel.

Denkt Euch nur! Sempach und vielleicht auch Wartensee sind
schon längst auf dem Thüri[n]ger Walde bekannt. Drey Reisen-
de oder Medizinhändler aus Meuselbach - Ehla - Müller
des 3en Name wußte man nicht - kommen alle Jahr
2 mal nach Sempach. Ehla war wie ich höre schon in
diesem Frühjahr hier, so {knüpfen / ziehen} sich verbindende Fäden durch
Verhältnisse die man sich gegenseitig ganz fremd
glaubt.
[5]
[Briefumschlag mit Adresse:]
Die allgemeine Deutsche Erziehungsanstalt
in
            Keilhau
bey Rudolstadt in Thüringen.