Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 8.7./9.7./10.7./13.7./14.7.1832 (Wartensee)


F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 8.7./9.7./10.7./13.7./14.7.1832 (Wartensee)
(KN 40,2, Brieforiginal 7 B 16°+ 1 Bl 8° 30 S. - Der eingangs erwähnte letzte Brief ist der v. 4.7.-8.7.1832.)

Sonntag am 8en July 1832.·.


Der Keilhauer Gemeinsamheit
des neuen Lebens Himmelsgruß zuvor.

*
*    *
In dem Briefe welcher seit diesen Mittag von Luzern aus nun schon wie-
der an Euch unter Weges ist, sage ich in Beziehung auf das Kommen Barops
und Elisens: jetzt hilft dieß blose Kommen nichts mehr, oder wie mir die
eigenen Worte eben beyfallen, jetzt ist nicht mehr hinlänglich genug[.]
Und auf der folgenden Seite füge ich die Erweiterung hinzu: weil
mir jetzt die Kräfte und Mittel dazu benommen sind. Eigentlich wol[l-]
te ich aber hinzufügen: "seit ich sehend geworden bin" - ich ließ es
aber was man jedoch nie thun sollte es rächt sich später immer,
um Mißverständnisse zu vermeiden, weg. Jetzt hat mich dieß
nun gezwungen zu diesen Zeilen diese lange Einleitung zu machen.
Nun will ich es aber auch versuchen hier recht klar und bestimmt zu
seyn d.h. ist [sc: ich] will möglichst alles fern halten was mich daran hindern,
darinn stöhren könnte.
Ja so ist es, das Zusammentreffen der beyden Briefe hat mich wie und mit
einem elektrischen Schlage sehend gemacht; um in und mit einem Bilde
einem Sinnbilde zu reden und es daran wie an einer mathematischen
Formel oder sonstigen AnschauungsMittel klar zu machen und fort
zu entwickeln: - wie den ersten Menschen nach dem Genuß der verbo-
thenen Frucht - auch sie wurden sehend, sahen daß sie nackt waren - (:durch ihre
Handlungsweise allein, recht eigentlich isolirt da standen[:).]
Die verbothene Frucht ist - das Ruhen in, auf etwas Äußeren, das
Stützen auf ein Fremdes, zweytes. So ruhete und stützte sich z.B.
um das Bild weiter zu gebrauchen Adam als er sein Weib zum er-
sten male sah, nicht auf sein Weib, sonder sie war ihm nicht ein
Zweytes, Fremdes, sondern sie war ihm sein Eigenes, Fleisch von
seinem Fleisch, Bein von seinem Bein. Dieß ist gewiß für die wei[-]
tere <Betrachtung> und Ausführung des Wesens der Liebe, der Ehe
der Familie u.s.w. höchst wichtig. Jetzt liegt diese Richtung der Be-
trachtung außer meinem Wege. Ich muß jetzt diesen meinen Weg
verfolgen um zu dem Ziele zu Gelangen daß in meiner Seele ruht.
Eines nur kann ich doch nicht vorbey lassen: daß nemlich diese Betrach- /
[1R]
tung für alle diese Fälle und Verhältnisse wichtig ist, wo überhaupt von
Liebe, Freundschaft, Einigung die Rede ist und so besonders sehr klärende
Blicke auf alle meine Verhältnisse dieser Art, meine Forderungen
darinn und meine Schicksale darinn - wirft.-
Was die verbothene Frucht ist habe ich gesagt.
Das Sehend werden geschiehet nach dem Greifen darnach nach dem Aneig[-]
nen derselben und desselben (:des Fremden, Äußeren:) durch das Wahr-
nehmen daß das Äußere, Zweyte, Fremde das Gesuchte nicht Reicht,
nicht giebt, nicht reichen und geben kann, diese Einzelerscheinung ist aber
eben wegen der spannenden Erwartung in welcher das Gemüthe des Men[-]
schen in diesen Augenblicke ist - wie ein Riß in eine klare, spröde
ganz homogene Masse, sie theilt sich unaufhaltsam mit d.h. die
Einzelerfahrung, Einzelwahrnehmung des Alleinstehens wird im Nu zu einer
ganz allgemeinen und allgemeingültigen erhoben.- Der Mensch fühlt
sich im Nu allseitig hilflos von Außen, und dieses allseitige Empfinden
eines Druckes oder was in der Wirkung ganz gleich ist, allseitiger
Trennung, Scheidung bewirkt wie z.B. beym Blitz - Licht - Erleuchtung
Klärung
und also Sehend werden.
Die weitere Anwendung dieses auf jedes einzelne Lebensverhältnisse wo von
Liebe, Freundschaft, Einigung die Rede ist, überlasse ich wie oben Jedem, sie liegt
außer dieser Betrachtung.
Sich schlagend allein fühlen ist das Gefühl des Schmerzens, alles um uns verö-
det wird dornig, das Leben selbst eine Bürde, stirbt, uns selbst durchschaudert ein Todesgefühl! --- doch - die
Lebenskraft kann wohl erschüt-
tert werden, allein nicht vernichtet, sie kann nicht sterben; der
Stern der Hoffnung im Gemüthe kann wohl verdunkelt werden, aber
nicht untergehen, der Mensch fühlt das Geistige muß siegen
muß siegen {durch seine / wegen seiner} Unvergänglichkeit in irgend einer Zu-
kunft; es muß siegen durch seine Einigung
durch sein Einsseyn mit der Quelle alles Lebens und dieß im
Nu. Ja! eine ewige Nacht eine Hölle schien uns noch vorher zu
umgeben, doch der Geist, des Geistes Licht löset die Rathlosigkeit.
In eine ewige Nacht, eine Hölle schwankend zu < ? >
Qual der
Trennung durch die Erkenntniß und Einsicht ihrer Nothwendigkeit
auf die Hölle als ein Stehendes, als ein Bleibendes schwindet, nur
dem kann sie wieder erscheinen, dessen Gemüthe der Trennung Qual ergreift.- /
[2]
Alles Leben ist sinnbildlich d.i[.] jedes Einzelleben ist eine besonder[e] Dar-
stellung oder Darstellungsart des Einigen Lebens an sich. Darum
ist ein jedes Einzelleben, kann es wenigstens, für jedes andere
sinnbildlich seyn, d.i. jedes Einzelleben kann sich in jedem an-
deren wie in einem Spiegel schauen und dieß natürlich so wohl
aufsteigend, als auch absteigend als gleichflächig, gleichebnig. Die
Vergleichung ist vielleicht um so leichter je näher die Ausbildungs-
grade zusammenfallen, vielleicht und dieß mag wohl das richti[-]
gere seyn ist die Mittlere Verschiedenheit u Entfernung zur Ver[-]
gleichung die beste. Genug! so viel ist unbezweifelbar richtig:
derjenige wird zur klarsten Erkenntniß seines Lebens, und so
seiner selbst kommen, welcher es in der größtmöglichsten Menge
verschiedenstufiger Lebensausbildungen so wohl auf- als absteigend
als gleichebnig vergleicht.
Das Leben Jesu, die Erscheinungen des Lebens Jesu sind für uns Christen
das höchste Lebenssinnbild, und nach unserer Erkenntniß und Ein-
sicht ist es das höchste durchgreifendste und darum genügendste Lebens[-]
sinnbild für den Menschen und das Leben des Menschen an und
für sich.
Das Leben Jesu ruhet ganz in Gott, wie also darum auch das Leben jedes
Menschen ganz in der Einheit u Quelle alles Lebens ruhen und Leben soll.
Jesus war auch vollkommener ErscheinungsMensch d.h. er mußte durch[-]
weg als ein Mensch erscheinen alle Erscheinungen des Menschenlebens
als ein doch reiner Mensch theilen um sie aufzulösen.
Wie nun das Leben Jesu an sich und durch sich in Gott ruhete, wie aus Gott
hervorgegangen - so mußte Jesu auch als Mensch durch seinen physischen
Leiden für und von diesem, einen Augenblick als einem äußeren Ge-
troffen und überwältigt auf und in Gott als einem äußeren, fremden
zweyten und so getrennten ruhen. Aber selbst auch dieses Ruhen auf
und in Gott als einem äußeren, zweyten, getrennten, erzeugt
und gebiehret im Nu der Wahrnehmung Schmerz. Jesus rein selbst fand
sich getrennt, allein, er empfand den Todesschmerz: "Mein
Gott sagte er warum hast Du mich verlassen."- Jesus fühlt sogleich
äußeren Durst. (:Ich weiß wohl daß dieß alles geschehen mußte, allein
darum muß es nicht minder auch in seiner höchsten Allgemeinheit nach
zu weisen seyn[.] Ja! es muß eben darum im Allgemeinen klar und bestimmt nachzuweisen seyn.:) - Alles dieß Augenblicke, die Seele findet sich wieder: /
[2R]
sie durchschauet den nothwendigen inneren Zusammenhang: - "es ist voll[-]
bracht" ruft sie und im Nu jenes Durchschauens eint sich die Seele
d.h. fühlt findet sich die Seele wieder in ihrer ursprünglichen Einig-
ung mit der Quelle dem Vater alles Lebens, sie giebt sich, geht
in diese Quelle zurück.
Von den ersten Zeiten des frühesten Denkens über die höchsten Wahr-
heiten und nothwendigen Erscheinungen des Lebens war mir der SchmerzensAus-
spruch Jesu: mein Gott, mein Gott warum hast
Du mich verlassen? - als von Jesu unerklärlich; jetzt löset er
sich mir ganz; wie durch diese Lösung mir sein Leben; das Leben in
der ersten Erscheinung auf der Erde und alle Erscheinung des Lebens be-
sonders der Menschen in einen großen sich gegenseitig erklä-
renden Zusammenhang kommt, selbst bis in einzelne Erscheinungen herab[.]
Ein Jeder führe dieß nun nach Bedürfniß durch.
Ich will nur einen Gedanken welcher mir in Beziehung auf mein Le-
ben und dessen Erscheinungen, zur Klärung und zum Verständniß
meines Lebens, meines Wollens meiner Schicksale u Lebens
Erscheinungen besonders nahe liegt herausheben.
Einigung und Trennung sind die beyden Endpunkte Pole
sind die beyden Grenzen des Lebens, zwischen ihnen beyden
schwankt das Leben mit seinen wogenden, wechselnden
Erscheinungen - das Ziel dieser Erscheinungen ist: -
Einigende Trennung und
Trennende Einigung[.]
Man könnte vielleicht eben so gut doch nicht so erfaßlich sagen:
liebendes Leben u
lebende Liebe.
Wir aber halten hier wegen der mathematischen Anschaubarkeit
die ersteren Ausdrücke, zur Lebensklärung fest.
Um nun diese Lebensklärung zu bewirken so steht sich wieder
wie Einung und Trennung, so Inneres und Äußeres entgegen;
und so scheinen             Innere-Einigung u. Äußere-Trennung und  
Innere-Trennung und Äußere-Einigung
sehr häufig als Entgegensetzungen verbunden zu seyn z.B.
die innere Liebe der Mutter zum Kinde wächst nachdem es geboren ist
in äußerer Trennung von ihr erscheint. Die Kinder der Eltern, der Erzieher /
[3]
haben um so mehr äußere Freyheit des Lebens, der Bewegung, der Wahl
des Ortes, überhaupt des sich äußerlich Trennens, je größer die innere
Einigung das innere Verstehen ist.- Das Verständniß unter Menschen
Freunden wächst mit ihrer äußeren Trennung und vermindert sich mit
ihrer äußeren Einigung.
Wir sehen also Trennung sey es innere, sey es äußere führt
nicht allein zum Lebensziele - Einigung allein, sey es innere
sey es äußere führt auch wieder allein nicht zum Lebenziele
sondern die innige wechselseitige Durchdringung und
so in einer gewissen Hinsicht die stete Gleichzeitigkeit beyder[.]
Ich halte dieses für den Schlüssel zum Verständniß zur Er-
fassung des Lebens - wenigstens löset sich mir gleich im Nu eine
ganze Menge von Lebenserscheinungen und Lebensforderungen
auf die vielfach verschiedenste Weise ausgesprochen darum
auf und es geht daraus klar hervor daß das Leben des Menschen
der Menschen, daß das wahre, reine edle einfache Menschenleben
ein ächtes vollkommenes Erzeugniß des freyen fr[e]ythätigen
Menschen; ein ächtes Menschenwerk, ein Kunstwerk - (:Dar-
lebung des Innern am Äußeren u d[urc]h Äußeres -:) werden kann
und werden soll, und daß so das Leben immer mehr den Zufall
der blinden Wechsel entrissen werden kann und werden
soll, durch Erkenntniß der Lebensgesetze, durch Anwendung
derselben. Nach dem Maaße als dieses gewonnen worden ist
ist edles, reines ächtes Menschenleben auf der Erde heimisch.
Wie nun aber auch in dieser Eigenschaft und nothwendigen
Forderung das Daseyn der Natur ihren Grund hat und ihr gan-
zes Wesen und alle Erscheinungen, Forderungen derselben;
so hat auch in der Anwendung jener Sätze auf die Betrachtung
und Behandlung der Natur einzig auch die Einsicht in das
Wesen der Natur ihren Grund, wie die Natur nun dadurch
ihr Daseyn hat und ihr Verständniß daraus hervorgeht, so
sehen wir auch daß die Natur in ihrem innersten Wesen
von dem Menschen verstanden und aufgefaßt, dem gemäß
beachtet, betrachtet und die Ergebnisse davon in dem Leben
des Menschen angewandt werden können und darum sollen.
Nach dem Maaße als dieß gewonnen wird die Erde wahrhaft Himmel werden. /
[3R]
Doch dieses letztere ist keinesweges, wenigstens mir hier das
wichtigere, sondern das erste, die Darstellung einfachen
reinen Menschenlebens in Klarheit u Friede und Freude und, ob-
gleich dieses letztere auch mit von dem ersteren abhängt so
bleibe ich doch für meinen jetzigen Zweck bey dem ersteren
stehen.
Wir sehen also Trennung - (:an irgend Einigung geknüpft:) -
führt zur Klarheit zum Lichte und so endlich zur Erkenntniß
Erfassung, Verständniß pp[.] des Lebens, denn - Trennung führt
den Mensch auf sich zurück macht den Menschen sich selbst finden
erkennen, achten, festhalten pp.
Ohne Selbsterkenntniß und Verständniß, ohne also das Sich[-]
selbstgefundenhaben, ohne das Sichselbstbesitzen ist keine
Lebenserkenntniß, kein Lebenverständniß möglich.
Soll aber reine, einfache Darlebung des Menschenlebens,
soll im Menschenleben im Einzelnen und im Ganzen, bey in Familien
wie bey Völkern Klarheit Friede u[n]d Freude erscheinen,
so muß der Mensch        im Einzelnen u im Allgemeinen
in Familien wie in Gemeinsamheiten
Geschlechtern, Staaten, Völkern
           durch gesetzmäßig geordnete (einigende) Trennung zunächst
auf sich selbst und in sich selbst zurück geführt werden zum
sich selbst finden.
Wir sehen hieraus nun ganz klar was wir als Erzieher
Einzelner
- ganzer Familien - ja Geschlechter Völker
zu thun, was wir als solche wollen wir unser Ziel sicher
erreichen zu beachten haben.
Dieses war es nun was ich Euch Männern, Frauen, Freunden
und Geliebten! in Beziehung auf unser jetziges Stehen zur
Welt, unsere Verhältnisse, unser Wollen und Streben,
klar zur ruhigen besonnenen prüfenden Beachtung noch
vorlegen wollte.-
Wollen wir wirklich das Leben verstehen erfassen beherr[-]
schen so ist zwar keine Zeit zu verliehren. Denn das Leben ist
ein ewig wechselndes; doch sind die Gaben zu groß - folgen
sie zu schnell aufeinander so sagt nur: halt guter Freund jetzt nicht weiter. /

[4]
Am 9en July am JahresTag der Schlacht ob Sempach (:Ao 1386:)
Was Einigung und Trennung für das Leben, die Schicksale des Menschen
und somit für seine Ausbildung und Fortentwicklung ist das ist auf
der andern Seite wieder Schaffen und Durchdringen
vorwaltend für die Wirksamkeit und das Bestehen des Men-
schen.
Wie nun Einigung und Trennung nicht geschieden neben
einander bestehen, sondern zu einer immer fast gleichzei-
tigen Erscheinung werden müssen, (:wie oben ausgesprochen:),
so müssen nun auch, soll das Gesammtleben als Erscheinung sich
immer mehr seiner Vollkommenheit nähern Schaffen u. Durch[-]
dringen nicht getrennt neben einander bestehen, sondern sie müssen auch
zu einem schaffenden Durchdringen
zu einem durchdringen[den] Schaffen werden.
Das Schaffen allein sichert das Bestehen des Menschen als Men-
schen nicht, denn der Mensch ist nicht blos Leib Körper[.]
Das Durchdringen allein sichert das Bestehen des Menschen
als Menschen nicht, denn das Erscheinen und Daseyn des Menschen
ist an einen Leib einen Körper gebunden, Schaffen und Durch[-]
dringen müssen also wie so eben ausgesprochen immer einig,
wenigstens stetig geeint seyn, soll das Erdenleben was
wir alle ahnen, ersehnen anstreben, endlich zu einem voll-
kommenen werden, zu der ihm bestimmten Vollendung zu gela[n]gen
diese stete Einigung von Schaffen und Durchdringen muß nach
den in beyden selbst liegenden Gesetzen geordnet, zu einem
gesetzmäßigen erhoben werden, wie oben von Trennung und
Einigung gefordert wurde, daß sie gesetzmäßig geordnet wer[-]
den müssen.
In Vorbeygehen ein Blick ins Leben: stehen in einem Verhältniß
schaffende und durchdringende Menschen oder Glieder einander
zu schroff zu getrennt gegenüber, so müssen verbindende
die eine Eigenschaft zu gleich mehr die andere weniger besitzend da[-]
zwischen gebracht werden um das Schaffend [sc.: schaffend] Durchdringende
und durchdringend schaffende [sc.: Schaffende] zu bewirken. Ebenso bey Trenn[-]
ung und Einigung: Fordert in einem Verhältniße oder Kreise
die Bildungsstufe der einen Glieder mehr Trennung, die der andern /
[4R]
überwiegend mehr E unverkürzte Einigung; nun gut! so muß man
versuchen Zwischenglieder darein zu bringen die mehr beyde
Seiten, Pole einen. Deßhalb muß ein Kreis dem nach einer
oder mehreren Seite hin solche Zwischenglieder mangeln mit stil-
ler stets wachsamer Achtsamkeit Sorge tragen, diese Zwischenglieder
sich zu verschaffen eigentlich aus sich zu entwickeln und sollten Jahre
darüber hingehen so muß mit höchst menschlicher Geduld jahre
Lang der unvollkommene Zustand ertragen werden wissend
daß man ihn trage, damit wenn der Bräutgam komme man ihm
mit Lampen entgegen gehen und ihm [sc.: ihn] heimführen könne. Dieß im
Vorübergehen so wie auch das Folgende nebensächlich.
Ferdinand ist eine überwiegend schaffende Natur;
Wilhelm vielleicht eine langsam schaffende aber überwiegend
durchdringende Natur.
Ferdinands Bildung fordert vielleicht überwiegend die Trennung
die Ferne, die Fremde.- Dagegen vielleicht
Wilhelm[s] Bildung mehr die Einigung, die Nähe, das Verwandte
u.s.w. u.s.w.
Vielleicht ist in dieser Ahnung begründet gewesen daß ich schon im
vorigen Herbst äußerte Ferdinand, Wilhelm u.s.w[.] möchten War-
tensee bauen was ich in einem meiner letzteren Briefe an Euch
von einer anderen Seite her durchgeführt habe.*[1])
Muß ich wohl noch hinzufügen daß ich in Beziehung auf Ferdinand
die Schweiz als das Ferne u Fremde, und in Beziehung auf Wilhelm
mich als das Nahe Verwandte setze?-
Dieß nur im Vorbeyfluge damit nur die Willkühr, der eigen[e] Wille
und die Selbstsucht aus dem Leben und der Beurtheilung des Lebens
verschwinde und endlich das Leben in seiner Gesetzmäßigkeit er[-]
scheine und diese doch mindestens anerkannt werde[.]
So etwas läßt sich nun freylich nicht machen, man muß es kommen
lassen und dann flugs mit des [sc.: der] gefüllten Öhllampe bey der Hand
seyn sollte einem auch wirklich nur eine Jungfrau begleiten.
Nun zur Verfolgung meines eigentlichen Gegenstandes zurück
(Gesetzmäßig geordnetete) Einigung und Trennung führt zur Selbster-
fassung und dadurch zu den Menschen, zur Menschheit zu Gott
(Gesetzmäßig geordnetes) Schaffen und Durchdringen führt (zum Selbst[-] /
bestehen) zur Erfassung, zum Verstehen der Natur, und dadurch
wieder zu den Menschen und zu Gott.
Das wahre Erfassen des Lebens, das wahre ächte Verständ-
niß des Lebens führt auf einem (:in sich entgegengesetzten:)
Doppelwege zu Menschen und zu Gott[:]
Der eine Weg geht von innen nach außen;
der andere Weg geht von außen nach innen,
die Ergebnisse, das Ergebniß, das Ziel, der Preis ist Eins ist
die Einheit an sich ist — die erkannte Wahrheit, des Lebens
denn beyde Wege erklären und bewähren sich[.]
Das wahre ächte Leben des Menschen und der Menschen muß also seyn
eine gesetzmäßig geordnete Einigende Trennung und Trennende Einigung
ein gesetzmäßig geordnetes    Schaffendes Durchdringen Wirk Durchdringendes
       Schaffen, beyde Doppeleinige wieder
             innig einig in sich.
Vielleicht macht es Euch noch dieß Schema (:oder ein anderes:) klarer:


Einigende Trennung, Trennende Einigung

*


Schaffende Durchdringung, Durchdringendes Schaffen*[2])

Auch hier noch einen leichten Seitenblick ins Leben, den ich jedoch etwas kecker
thun darf als oben weil er mich betrifft, und die Sache auch ernster ins
Auge fasse da ihre Beachtung uns heilsam seyn kann.
Ihr sagt bey Veranlassung des Appenzeller Angriffs zur Rechtferti-
gung meiner wenn ich nicht irre: - "er begann zwar ohne Fonds aber
mit dem was dem Fond erst Werth giebt". Ihr habt S wahr geredet und
ich bin Euch für das was Ihr gesagt ha[b]t, wie man überhaupt für das Reden
der Wahrheit welches den Dank in sich selbst trägt, von außen her dank-
bar seyn kann - dankbar. Aber in Beziehung auf mich als auftre-
tenden Erzieher und zumal Volkserzieher [ist] nur wenig gesagt.*[Anmerkungszeichen ohne Text])
Wenn ich in mir Freunde, Männer und Freundinnen! nur die Gewiß[-]
heit trug, daß ich nur das hatte was Fond's Werth giebt, so mußte
ich mit meinem ganzen Erziehungsgeschäfte und Erziehu[n]gsplane hübsch zu Hause /
[5R]
bleiben können, höchstens hätte ich getaugt Informator u Präceptor
der Fröbelschen Kinder zu werden. Dann Ihr Frauen und Männer
wäre mein Unternehmen ein kindisches, ein jugendlich unüberlegtes
unbesonnenes, dann wäre mein Handeln als Mann ein betrügerisches
mindestens ein verwegenes gewesen, doch so Männer u. Frauen!
so stand es nicht in mir, und so steht es noch bis in diesen Augenblick
nicht in mir[.]
Der ächte, wahrhafte Mensch muß sich nicht allein zu seinem Bestehen
im Daseyn Stoff verschaffen, d.h. aus sich selbst entwickeln
können, sondern auch Stoff für alle und jede seine Unterneh-
mung und diesem Stoff den dazu nöthigen Werth verschaffen[.]
Kann er dieß nicht so mag er dienend wirkend aber nichts selbst-
ständig unternehmen; kann und mag er auch das nicht so
mag er seyn Daseyn erbetteln, fühlt er die Schande davon so
mag er sich hinlegen und sterben.-
So dachte und so fühlte ich beym Beginn meines Unternehmens
wenn auch nicht mit diesen und vielleicht in Beziehung hierauf
mit gar keinen Worten, doch mit der unbezweifelbaren oder
vielmehr über jeden Zweifel erhabenen Gewißheit in mir:
daß ich mir durch meine ganz eigene Geisteskraft
aus mir ganz eigen und selbst, auch die dazu
nöthigen Mittel, Stoff, d.h[.] Fond's verschaffen
würde, und könnte.
so empfand ich und so denke ich noch; denke darüber so jetzt
mit überwiegend größerer Klarheit und Gewißheit als
ich früher darüber lebendig und warm empfand, sonst
hätte ich nicht unternehmen können was ich unternahm
sonst könnte ich jetzt um anderthalb Jahrzehend älter noch
weniger unternehmen, was ich zu unternehmen in mir
und ganz allein zu unternehmen noch immer fest entschlossen
bin.
Der Mensch ist ein Kind oder wenn der Ausdruck mehr zusagt
ein Geschöpf ein Werk Gottes.- Die Werke tragen den Geist
die Eigenschaften des Meisters in sich alter Satz: Gott der Mensch
ist ein Geist und schuf die Welt - Der Mensch muß aus /
[6]
Geist auch Stoff schaffen nicht allein durch den Geist dem Stoffe, den
Fond Werth geben können. Und Tausende von Guten und schlech-
ten Authoren Schriftsteller und Künstler beweisen diese Wahr[-]
heit.- Aber mir wurde freylich noch eine bey weiten höhere, fast nicht
zu lösende Aufgabe gestellt, wenigstens mußte ich es Umständen nach
für ein fast unübersteigliches Hinderniß halten nemlich zu und
für meine Werke auch erst ein Publikum zu bilden
meinen Werken erst se ihre Welt zu schaffen.
Hier war ich wenn auch nicht der Ahnung doch dem äußeren Blicke
nach jugendlich kurzsichtig, weil ich alles, alles selbst erringen
mußte, wissen hätte ich können, mindestens um mich erschauen:
alle ächten Werke schaffen sich ihre eigne Welt.
alle ächten Geistes-Werke, alle die Menschen weiter för[-]
dernden Werke - schaffen und bilden sich erst ihre eigene
Welt: - wohl fördert und verlangt die Eigenthümlichkeit mei-
ner geistigen Anschauung und dadurch die eigenthümliche
Darstellungsweise ihr ganz eigenes Publicum (um mit Be[-]
dacht dieses fremde Wo tote Wort zu gebrauchen; ich würde
es auch daß hat mir meine Reise auch gezeigt bey einiger
Ausdauer auch gefunden haben hätte ich mich durch jene
hämsich crittischen Ausfälle - fast ahne ich im Geiste der App[.] Ztg.
mich nicht einschüchtern lassen - doch die Vorsehung wollte
es ganz anders, es handelte sich um etwas Höheres - als um
ein Publicum zu finden, es handelte sich darum
durch die Werke eine neue Welt zu bilden
daß die Werke selbst sich eine neue Welt schafften[.]
Sehet um dieses nur, aber auch um nichts Geringeres handelt es sich:
Meinen Werken ihre Zeit, und der rechten Zeit meine Werke zu geben[.]
Dann ist uns geholfen, dann der äußere Druck gesunken.
Laßt uns so klar über das Leben werden als nur möglich:
Werth der Werke, Fond's bestimmt man überhaupt nach Geldwerth[.]
Was meinet ihr nun wohl was können nur die Papieren Assig-
nationen die ich nur von Wartensee aus geschickt habe, wenn
sie ihre Zeit, oder ihre Welt finden für Werth haben?
vielleicht um so mehr Werth haben als sie nicht um Geldwerth haben geschrieben, sondern reine
freye Gaben des Geistes, dazu in ihrer ursprüngl[ichen] Form sind.-
Wir wollen doch sehen ob wir es wenigstens im Allgemeinen
bestimmen können!-- Wie viele sind wohl durch die Geisteswerke /
[6R]
solcher Denker reich geworden, die selbst in Armuth gestorben sind gelebt haben und
nachdem sie lange in Armuth ge-
storben waren?- Ihr könnet der Beyspiele aus der Ent[-]
wicklu[n]gsgeschichte der Menschheit mehr aufzählen als ich da[-]
rum will ich auch nicht eines anführen.
Also seht Ihr eine Brücke müssen wir uns schlagen oder
einen Canal uns graben von der Gegenwart zur Zukunft
wir müssen die Zukunft mit der Gegenwart verknüpfen.
Freylich eine neue große Aufgabe, wie schon manche große
Aufgabe gelöset wurde, wenigstens zu ihrer Lösung das Mit-
tel gefunden wurde, auch hier zeigt es sich, wird doch am
Ende alle Zukunft zur Gegenwart ja selbst wieder zur
Vergangenheit, und am Ende löset eine große Aufga[-]
be zugleich die andere mit und so wird zuletzt was so
schwer schien sogar ganz leicht; ihr sehet nur Schaffen
und Durchdringen innig geeint. Ihr sehet eines allein
will die Welt der MenschheitsEntwicklung nicht mehr, sie
fordert und will Handeln nach Einsicht und klaren Plane, be-
stimmten Zwecke.
Vielleicht - und ich dächte wir hätten außer obiger Andeu[-]
tu[n]g noch andere Beweise dafür - vielleicht geht es
ächten Geisteswerken wie gutem Weine, daß er durch
Alter an Werth zunimmt, wenn nur der Wein selbst
Geist hat von einer guten Lage und einem guten Jahrgang
ist; darüber muß man nun freylich in sich klar seyn, und mich dünkt
der Geist müßte darüber ins Klare, zur Entscheidung kommen
können.
Doch wie die Brücke bauen von der Gegenwart zur Zukunft; wie die
Zukunft mit der Gegenwart zu einen?— Durch einigende Tren-
nung
und Trennende Einigung muß die Antwort heißen, ist unser Denken ein erfassen-
des und folgerechtes wenn der in uns denkender Geist ein wahrer ist.- Wie aber ist die Ant Anwendung von
diesem Satze?- Wie sieht sie im Leben aus?- Der Denkende
muß Stamm, Ast einer aus der Gegenwart in die Zukunft
entwickelnd fortwachsenden Baumes - ächtes Glied eines
organischen Lebganzen - eines ächten in sich geschlossenen
Menschenkreises seyn.-- Ähnlich dem Marke im Stamme. /
[7]
Wie lege ich es Euch denn nun aber in seiner Wahrheit, in seiner An-
wendung, in seiner Wirksamkeit und in seinen Folgen auf und
für unser Leben vor, das tiefe Geheimniß der

trennenden Einigung u. ei[ni]genden Trennung
welches sich so großartig, so allerfassend, so allgenügend
vor meiner Seele meinem Geiste entfaltet?- Durch Tren-
nung und Einigung!- Laßt sie mich versuchen.
Ich meine also Männer, Frauen! Geliebte! Einmal und zunächst:
Es müssen Zwischenglieder zwischen der Gegenwart und Zukunft
aufgestellt werden, die Zukunft müssen wir zur Gegenwart zu machen ver[-]
stehen. Wer seine Früchte ganz gleichmäßig in der Vergangenheit und
Zukunft wie in der Gegenwart bricht der ist frey von jedem Mangel.
Zuerst Zutrauen, Glauben, Antheil, Theilnahme wecken, zuletzt
Mittel und Stoff erzeugen, bilden, sammeln. Wie?- Die Erdbil-
dung zeigt es uns!- Gott der Schöpfer zeigt es uns seinen Kin-
dern in der Erdbildung durch - trennende Einigung, einigen-
de Trennung: - die einigen, stetigen Erdmassen und Erdschich-
ten zerklüften sich, und in den Klüften setzen sich die Erzfüh-
renden, reichen und Edelgänge an, und diese einigen wieder
verbinden wieder die beyden Seiten der Klüfte: Großes
Naturgesetz: einigende Trennung ist ewig erzeugend -
Laßt Euch dieß alles Euern Naturforscher Barop klarmachen,
es Euch am Kirschberg, Dissau und Steiger von Gölitz aus zeigen:
In der Richtung der Trennung wachsen die Bäume u Sträucher her[-]
vor. Eure Lebensbeobachter können es auch vielleicht im gei-
stigen Leben nachweisen, ja jeder von Euch vielleicht durch
und in Euern Lebenserfahrungen und sey es am schimmlichen
Brote, wie an den sauern Erzeugnissen unfriedlicher Trennung.
Aller Anfang - merkt Euch diese Worte, Sätze, Wahrheiten d.i.
findet sie in Euch selbst wahr und wendet sie unmittelbar im Leben
an, sie werden jedem Einzeln von Euch, und Euch als ein Ganzes
erretten helfen und so uns allen: Aller Anfang Im Anfang
ist alles klein unscheinbar; Aller Anfang ist da - wo kein An-
fang ist, ist also unmerklich, denn er ist im eigenen Gemüthe
und Geiste; wo der Anfang nicht {hier / da[}] ist, da ist gar kein, da ist
nie Anfang. Also auch im eigenen Gemüthe, im eigenen Geiste, /
[7R]
im eigenen Leben muß anfangen was anfangen soll, wo streng
genommen ein Anfang ist, wo gar kein Anfang eigentlich nachge-
wiesen und gezeigt werden kann, wenn auch das beginnende
Erscheinen.
Also auch in unserm eigenen Gemüthe, Geiste und Leben muß
beginnen, anfangen was erscheinen soll, worinn wir dafür
streng genommen gar keinen Anfang nachweisen können.
Ich sage oben: Zuerst Zutrauen, Glauben Antheil, Theilnahme wecken zuletzt Mittel
Stoff erzeugen, bilden, sammeln.
Also zuerst Wecken des Zutrauens, des Glaubens, des An-
theils, der Theilnahme in eigenem Gemüthe, im eigenen
Geiste, im eigenen Leben, im eigenen Leben jedes Einzelnen

wie im eigenen Gemüthe, Geiste u. Leben
des Ganzen als solchem.
Alles, Freunde! hängt von dem Zustande des eigenen Gemüthes u.
Geistes im Großen wie im Kleinen ab, von Vertrauen zu sich.
Darum nun in engster eigenster Beziehung auf uns und unser

Sollen: -;
Zutrauen, Glauben, Vertrauen, Antheil, Theilnahme
sollen wir wecken in unserem ganz eigenen Gemüthe, Geiste
und Leben so wohl im Einzelnen und als Einzelnes

wie im Ganzen und als Ganzes.
Nun aber finden wir dieses Zutrauen, diesen Glauben, dieses
Vertrauen, diesen Antheil, diese Theilnahme u.s.w. in uns
als Einzelne und als Ganzes schon vor, ja wir finden
es so vor daß streng genommen Niemand von uns recht
sagen kann wo es je begonnen und Angefangen hat; am
Ende müßten wir gar sagen mit dem Anfang unseres Gemüthes
Geistes und Lebens selbst. Wir brauchen also das schon
Prägende nur da seyend und er-scheinend zu machen.
Nun ist es aber auch schon da und erschienen, daß wir selbst
kaum für dieses erste Erscheinen selbst die bestimmte Zeit
den bestimmten Anfang angeben können, also braucht es nur
"Aus- und Fortbilden, Aus- und Fortentwickeln"

des schon Daseyenden, schon Erschienenen.
Durch dieses [{]ewige / anfangslose[}] Zutrauen, Glauben, Vertrauen u.s.w. in /
[8]
uns als Einzelne zwar auch hier aber durch uns als Ganzes
wecken wir nun Zutrauen, Glauben Vertrauen u.s.w[.]

auch außer uns und um uns
d.i[.], außerhalb unseres, um unseren Kreis.
Aber auf das höchste nicht so wohl merkwürdig, als beach-
tenswerth und anzuwenden ist es: — hier finden wir
nun alles ganz wieder ebenso, wie wir es zuerst

jeder Einzelne in sich dann
wir Alle als ein Ganzes
gleich Anfangs in uns selbst es fanden d.h.
Wir finden Zutrauen, Glauben, Vertrauen, Anfangslos
schon vor nicht allein als seyend, sondern sogar als schon da-
seyend, schon erschienen; wir brauchen es nur aus- und fort-
zu bilden, aus und fortzuentwickeln (ich möchte sagen es in
Gängen und Klüften als edle Metalle zu sammeln.)
Ihr werdet immer wieder im folgenden bestätigt finden was
im vorhergehenden gesagt wurde, so sagte ich oben: "zuletzt
hilft die Lösung einer großen Aufgabe zur Lösung der andern
und am Ende wird so gar alles leicht["].
Von der Wahrheit dieses Gesagte[n] dächte ich könnte nun selbst Jedem eine
Ahnung kommen.
Dieß in Beziehung auf das einende, die Einigung.
Nun in Beziehung auf das trennende die Trennung.
Wir haben gesehen wir sind in unserer eigenen, wie auch mit
der uns umgebenden (äußeren) Welt ein mehrfach (anfang-
loses) Einiges; laßt uns dieß auf dem gesetzmäßig ge-
ordneten Wege trennen, wieder einigen und so zum ge-
suchten und nothwendigem Ergebniße kommen.
Also Trennung erst in Beziehung auf uns als Ganzes
Einiges: - Was aber bedarf es von mir aus erst der Trennung;
ich finde das Ganze [(]die so in sich einige Welt[)] in Beziehung auf mich schon getrennt, ich finde
in Euch was ich suche und bedarf, das erste lesende, prüfende
anwendende Publikum, meine erste lesende, prüfende anwen-
dende Welt, und so in Euch, oder wenn Ihr lieber wollt in uns
das erste Glied zur Verbindung von der G[e]genwart zur Zuk[un]ft. /
[8R]
Ich könnte auch hier von der Trennung sagen was ich oben von der
Einigung sagte: wir sind anfangslos so getrennt!- Doch dieß
ist hierbey nicht weiter fördernd, als höchstens zur Anschauu[n]g
der innern wie äußeren Ebenmäßigkeit und Gleichgesetzigk[ei]t.
Wir Ihr nun aber zu mir stehet, so stehet die umgebende Außen-
welt zu uns oder zu Euch als Einiges, als Ganzes.
In dieser Eurer Zweyseitigkeit liegt nun das wichtige Eurer Stel-
lung, die Sicherheit unseres Handelns und die Gewißheit der
Zielerreichung bey sorglich treuer Nachlebung nach dem Ge-
gebenen. Ihr gehört steht zweyen Seiten angehörend, das Wesen zweyer
Seiten in Euch tragend vermittelnd da.
Wenn ich Euch vorhin mein Publikum oder wie Ihr es besser bezeich-
nen wollt nannte, so konnte Euch die Kleinheit desselben vielleicht
unbedeutend erscheinen, jetzt kommt es Euch schon bedeutender vor.
Überhaupt auch wird gewiß nie etwas groß was nicht klein
beginnt. Ihr bekommt im Publikum als Publikum von ei-
ner doppelten Seite her noch mehr Gewicht einmal weil Ihr
eine geeinte Mehrheit oder als eine Mehrheit von Familien
da steht und jeder von Euch als Vater oder werdender Vater;
denn jeder erkennt durch sich selbst in einer gewissen Beziehung die Noth[-]
wendigkeit - daß alles Handeln und Urtheilen in diesem Verhält[-]
nisse - auf einer Prüfung - wie auch sonst beschaffen - beruhen
müsse, beruhe. Dieß alles giebt dem Handeln einen ganz andern
Charakter, den Wirkungen, Folgen eine ganz andere Bedeutung.
Wenn nun auch keinesweges auf diesem Wege unmittelbar
Geisteswerke und unsere, meine Geisteswerke, oder was gleich
ist Geistesthätigkeit dafür sogleich in Stoff verwandelt wer[-]
den kann, da es f vielleicht nur noch Theile eines größeren
Ganzen, Quadersteine zu einem großen Baue sind, so kann man
auf dem angedeuteten Wege doch wenigstens die Mittel er[-]
halten um Zeit zu gewinnen, daß der Geist immer mehr
das voll‑endetere schaffe bilde, d.h. den Geist immer mehr
an zertheilenden Stoff binde, das edle Metall Gold und
Silber immer mehr mit Kupfer zu legieren daß es curs-
fähig werde, oder wie Ihr Euch dieß sonst klar machen
und darüber aussprechen wollt.- Genug wir, Ihr müßt von /
[9]
der prüfenden Einsicht - durch die Kraft der Wahrheit - durch
den Antheil - durch den guten Willen - durch die Möglichkeit
und das Besitzen hindurch, Euch über und von einem Theil der
Mittel deren Beherrschung Ihr in der Zukunft versichert seyd,
durch die angegebenen Vertrauen jetzt schon die Verfügung und
Bestimmung verschaffen.
Die Bürgschaft die Gewähr für die Beherrschung der Mittel in Zukunft
mit [sc: müßt] Ihr aber, für Euch zunächst wenigstens auf eine zwey[-]
fache Weise in Euch tragen
einmal schon durch die Geisteswerke die Ihr schon an Stoff
gebunden besitzt und wobey vorausgesetzt wird
daß Ihr deren Werth selbst erkennt
dann ganz vorzüglich durch das für Euch ganz unbezweifel[-]
bare gewisse, fruchtbare Anwenden jener
Wahrheiten in Euerm eigenen Leben zu und
für Produktivität.
Jede dieser beyden Bürgschaften ist aber bey einem sich stetig
fortentwickelnden und Ausbildenden Lebganzen, das sich in
seiner Einigung mit Ganzleben an sich gefunden und erkannt
hat und dieser Einsicht getreu lebt,- ganz unfehlbar.
Ich erkenne es darum wenn man auf den hier angedeute[-]
teten Punkt steht - welchen ich nur leider von des Tages Geschäften
angegriffen nicht so scharf bezeichnend niederschreiben konnte
als ich Ihn zu erst empfand und klar dachte - für die höch[-]
ste Forderung der Pflicht und des Vertrauens, sich so an
die besitzende Gegenwart - durch vermittelnde Zwischen-
glieder wo nöthig - zu wenden. Denn wenn die Zukunft einst
Gegenwart wird, wird die Gegenwart Vergangen-
heit, und wir laufen nach meiner Einsicht Gefahr, daß uns
dann die Vergangenheit sage was wir jetzt ja wohl im
engen Kreise der Gegenwart schon hören: - ja wenn es uns
doch klar gesagt worden wäre. Wenigstens zur Ver-
meidu[n]g und Zurückgebung jenes Vorwurfes halte ich
es nöthig wie angegeben zu handeln: - Von der Ge-
genwart zu ihrer Förderung Künft[i]ges zu entnehmen.-
Dieß in Beziehung auf die Trennung im Innern, die Ihr leicht noch /
[9R]
weiter (im Äußern) durchführen könnt. Von der Trennung oder dem
zu trennenden im Äußeren habe ich auch schon erwähnt, ich füge
als gleich wichtig nur das hinzu was ich schon oft aussprach
man muß von jedem nur das und nicht mehr verlangen
als was er zu reichen vermag; von dem einen Worte, von
dem andern That, von dem einen guten Willen, von dem andern
die vertrauen erweckende Beystimmung u.s.w.

Am neuen frohen Morgen. Seht Freunde was ich Euch sage ist so einfach
und klar als es friedig und wahr in meiner Seele ruhet und doch lebt.
Nur kann ich es, wie mein inneres Leben und vielleicht wie alles tiefe
und wahrhaft innere Leben nur mit Mühe und Kampf, wenigstens
die rechte frische Zeit dazu gleichsam nur ergrabsend außer mir,
selbst nur auf dem Papiere darstellen.- Aber Freunde! Geliebte[!]
was ist ohne Mühe und Kampf?-- Nicht einmal sich selbst, der
man sich doch von seiner Geburt, von Kindesbeinen an, von sei-
ner Jugend auf immer und immer unzertrennt bey und mit
sich hat kann man ja ohne Mühe und Kampf nicht erringen.
Vielleicht eben weil man sich so nahe und immer bey und mit sich
hat. Vielleicht ist dieses Vielleicht zur Beachtung und für das
tiefere Nachdenken sehr wichtig!- Vielleicht ist eben das am
aller schwierigsten zu erringen?- Vielleicht!- Was ströhmt
mir da alles gleich aus der Geschichte der Menschen- und Mensch[-]
heitsentwicklung entgegen! - wie kann es nur andern alles
andeuten? - wer es bearbeiten? - das Leben gehört dazu!- Nur
einen kleinen Fingerzeig: - Ist Gott dem Menschen unter allem
und allem nicht am allernächsten? - ist, lebt er nicht in dem
eigenem Gemüthe und wie so lange, lange, lang dauert es
ehe der Mensch ihn doch findet. Auf! laßt uns mindestens
von der Menschheitentwicklung lernen durch sie uns lehren. Nahe
ganz nahe läge uns also was wir suchen und - sollen; wäre
eines mit unserm eigensten Innern.

"Trennende Einigung u. einigende Trennung
"Schaffendes Durchdringen u. durchdringenden Schaffen["]
S stellte ich vom Geiste aus d.i[.] aus rein geistiger Anschau[-]
ung ohne mich um das Leben wie es ist [zu kümmern] als Grundbedingung
eines ächten vollkommenen Lebens auf, laßt uns nun doch /
[10]
auch sehen was ein wirkliches, ein edel strebendes Leben dazu sagt:
Was meinet Ihr: wären wir wohl zu dem Ziele gekommen wobey
wir jetzt stehen, hätten wir wohl den Preis oder sogar die Preise
errungen die wir doch wirklich errungen haben, hätten wir
nicht, theilte sich unser Gehöft und Leben nicht in ein sogenanntes
unteres und oberes Haus?- Und, vielleicht sich jedes dieser
zwey Häuser zum eignen und des Ganzen Frommen wieder in
zwey sogenannte Kammern.
In demselben Verhältniß nun wie die beyden Häuser u.s.w. zu
einander stehen in demselben Verhältniße stehen vielleicht wieder
Keilhau und Rudolstadt zu einander, und fast scheint es mir
ebenso wie diese trennende Einigung zum Wohle Keilhaus
wirkte so würde Keilhau dennoch nicht stehen wie es stehet
wenn Rudolstadt sich nicht wieder in zwey Städte, wie kann
ich sie der Wahrheit nach anders nennen als wie sie vor aller
Augen daliegen eine Innere und eine äußere Stadt rc. hätte[.]
Nun will es mir aber weiter scheinen und ich habe es glaub
ich schon sogar mehr als einmal ausgesprochen: daß wie
in Keilhau die beyden Häuser zu einander stehen in demselben
Verhältniß stehen Wartensee und Keilhau zu einander;
und in demselben Verhältnisse wie Rudolstadt (die Stadt) zu
Keilhau steht oder die beyden Häuser dort unter sich stehen
wieder Schwarzburg Thüringen {das Land / Fürstenthum} zu Luzern dem Kanton und
am Ende die Schweiz (das Land) zu
Deutschlande u.s.w. Und Zu beachten bleibt gewiß immer
und der prüfenden Anwendung wichtig - (:ich habe auch schon
in früheren Briefen darauf hingedeutet: - In den frey-
sinnigen und freydenkenden Monar Protestantischen Ländern
ist besonders das Monarchische Prinzip herrschend - (:
es ist vielleicht das Sinnbild des regierenden Gedankens
Geistes:)- in den festgläubigen und starkfühligen katholischen
Ländern besonders das Republikanische Prinzip:) viel-
leicht als Sinnbild des herrschenden gebietenden Gefühles.
Wenn ich nun auch wirklich diesen innern doppelten Gegensatz
von trennender Einigung und Einigender Trennung nicht richtig
genug bezeichnen sollte, so ist er doch wohl gewiß da und
hoher oder besser noch tief prüfender Beachtung zum Wohle und zum /
[10R]
Frieden aller, vielleicht zum Großen allgemeinen Menschen[-]
und Menschheitsfrieden wichtig. Ist doch im Einzelmenschen nicht
eher Friede und Freude, Heil und Seegen bis Kopf und Herz
im Leben in klarer wechselseitiger Durchdringung sind,
und machen doch Menschen das Menschengeschlecht aus ist
ist doch Menschheit das Einige aller Menschengeister.
Sollten wir nun nicht endlich einen großen, klar durchdachten, le-
bendig einend umfassenden Lebensplan machen und ihn endlich
mit Festigkeit, Muth, Sicherheit und Ausdauer aus und zum Ziele
endlich zum Ziele der Menschheit führen?-?-?- Es scheint
nun wirklich die Zeit dazu sey da!-
Ich dächte wir nun könnten wahrhaft mit sicherem hohen
Muthe in der Verfolgung eines solchen Lebensplanes, und wäre
er wirklich schon unser wie er wie aus obigem hervorgeht
wirklich schon unser seyn muß, wenn
es unser Lebensplan werden, d.h.
als solcher auch äußerlich d[urc]h uns erscheinen soll - in der Verfolgung unseres Le-
bensplanes, unseres um[-]
und erfassenden Leben[-]
vollen Lebensplanes
fortschreiten, denn
wahrlich er steht im Buche des Lebens, der Geschichte und
der Natur verzeichnet, denn sagt wo ist lebendes Leben
wenn es nicht da ist?- ?- ?- Und - ich bitte Euch doch - was
ist Lebensplan, und was heißt einen Lebensplan machen, als den innern
Lebensvollen ewigen Zusammenhang der Dinge, ihre Gesetze und For-
derungen klar erkennen, lebenvoll in sich selbst wahr-
nehmen und mit Hingabe Ausdauer ihm getreu, ge-
mäß handeln?-?-?-
Je tiefer man eindringt, um desto mehr dächte ich müßte also nun
einem jeden denkend Beobachtenden, und fühlend Wahrnehmenden
und sehend Erfahrenden in die Augen springen, daß endlich die Zeit
kommt und schon da ist, in welcher man den Plan zu einem Cöllner
Lebens Dom, und zu einem Straßburger Lebens Münster
machen kann und machen soll, und künftigen Geschlechtern mit
Klarheit und Sicherheit die Ausbauung übertragen soll, die
Ausbauung die, auf jeder Stufe vollkommen, immer das
Gesetz der Vollendung in sich trägt und dem beachtenden
Blick künftiger - fernere Jahrhunderte zeigt.
Doch ein Lebens Dom ist mehr als ein Cöllner Dom und ein Lebens /
[11]
Münster ist mehr als ein Straßburger Münster: - es ist ein Le-
bensbaum, es ist eine Geisteswelt, ist ein Geistesbaum.
Jede reine, gesunde Familie, jedes reine gesunde Menschenge-
schlecht (:Geschlecht hier als erweiterte Familie genommen, also = Stamm:)
ist ein Geistes baum im Beginne.
Jedes in sich unsterbliche und darum künftigen Jahrhunderten
zur Ausführung und zur Vollendung zu übertragende Werke,
muß darum auch in der Erscheinung unsterblich gemacht, und
seine Fort- und Ausführung nach menschlicher Möglichkeit da-
durch gesichert werden, daß man es an die reine und die gesunde
Fortentwicklung ganzer Familien und Geschlechter knüpfe; mit
andern Worten: die Ausführung des Wahren und Guten muß eine
fortlaufende klar bewußte Aufgabe sich fortentwickelnder
Geschlechter seyn, die Geschichte beweiset die Wahrheit dessen
was rein der Geist aus und durch sich erkennt. Wir würden
in unserm Denken und Erkennen, das Menschengeschlecht würde
in seinem Denken und Erkennen gar nicht da stehen wo es, wo
wir stehen, wenn die Geschichte nicht zeigte daß jene Forderung
schon von dem Menschengeschlechte erfüllt worden wäre.
Werden wir doch endlich sehend, schauend, denn Gott unser
Vater ist ja das Licht, die Wahrheit, zum Schauen sind wir
ja bestimmt, berufen. Laßt uns doch nicht länger unsere Be-
stimmung verkennen unsern Beruf verfehlen!---
Laßt uns nun aber auch von diesen Betrachtungen, diesen Beleh-
rungen aus, die ich ja nach jeder Seite hin nach welcher Ihr nur
wollt ausführen kann, - endlich frisch, freudig, einsichtig, einig
muthig ans Werk gehen!---
Was sind wir denn durch Muthlosigkeit, Engherzigkeit,
Kleinlichkeit, ja laßt es uns nur offen gestehen durch Feigherzig[-]
keit länger die Sklaven Anderer die wir Freye seyn, eine
freyes, frisches, frohes friediges und freudiges Leben führen könnten
und - als Menschen, wie alle Menschen - es zu führen berufen
bestimmt sind?!---
Warum vertrauen wir dem Geiste, Gottes Geiste, der uns
die wir doch wirklich, in mehr als einer Beziehung so wenig, ja /
[11R]
Nichts hatten, doch wahrlich so vieles G gab, nicht ferner, nicht
weiter?---
Wir müssen schlechterdings den Beweis geben, daß wir
uns selbst helfen können und helfen, wenn wir die Ahnung, den Glau-
ben, das Vertrauen, das Schauen, die Gewißheit
wecken und wirksam machen wollen daß wir Anderen
helfen können und helfen werden; die Art wie ich, wie wir
aber Andern nach unserer Bestimmung, unserm Berufe, der
von der jetzigen Stufe der Menschheit gegebenen und vor
uns liegenden Forderung - helfen sollen ist: - daß wir
jedem lehren, zeigen wie er, in inniger Einigung mit
der Einheit und Allheit, mit Gott und Natur und Mensch[-]
heit, versteht sich also vorher in Einigung mit sich - (:denn
sonst ist die andere Einigung nicht vollkommen möglich[:)] -
sich selbst helfen könne.
Was fordern wir nun aber Glauben, Zutrauen, Ver-
trauen von Andern und haben keinen zu uns selbst und
unter einander?!---
Was fordern wir vollkommenen Glauben, Zutrauen, Ver[-]
trauen von Anderen zu uns und haben selbst keinen voll[-]
kommenen Glauben, kein vollkommenes Zu- und Ver-
trauen zu uns selbst und unter einander?!---
Welch einen Widerspruch! kann es einen größeren geben?
Wie können die Folgen die Wirkungen anders seyn, als sie sind?-
Wie kann unser Zustand anders seyn, als er ist?---
Auf! Laßt uns Vertrauen zu uns, Glauben an uns selbst
gewinnen!---
Der Kanzler K. sagte einmal zu mir, ich hab's ja oft er-
zählt: "machen Sie, daß Sie reich werden und es hilft Ihnen
ein Jeder!" Gut! - dieß steht wahrlich in unserer, in des
Mannes Gewalt, in des Mannes Hand.- Laßt uns
nicht nur selbst fühlen, nicht nur selbst einsehen und schau[-]
en, daß nein! Andern auch fühlbar einseh- und schau[-]
bar machen daß wir reich sind.-
Glaubet, Meinet nicht, daß es männlicher Übermuth, oder /
[12]
Wahn war als ich dem Herzog von M. sagte: ich sey ein ungeschlif-
fener Diamant ich könne mich nur nicht sogleich in umlaufendes
mit Kupfer versetztes <Geld / Gold> ausprägen, übertragen, wer mich
aber kaufe werde sehr reich; - es war und es ist dieß noch damit
so mein Ernst, daß ich gewiß weiß ich werde dann noch diese
Überzeugung in meinem Geiste tragen wenn mein Körper
selbst schon in schwarzen Staub zerfallen ist. Laßt uns
also ehe dieß geschiehet, mich noch von uns selbst kaufen,
und mich mit meinem Staube schleifen.
Wollt Ihr, Familien! - die Ihr junge gesunde Lebens- und
Geistesbäume seyd nicht in des Besitz einer sich stets aus sich
selbst neu, und vollkomm[en]er entwickelnden Geisteserbschaft
setzen, deren Früchte Barren gehörig versetzt einst die gesuchteste
Münze geben. Oder im vorigen Briefbilde fortgesprochen:
Wollt Ihr Euch nicht den Diamant geschliffen statt roh über[-]
liefern lassen?--- Männer! seyd keine kurzsichtigen klein-
lichen Krämer, sondern seyd große umsichtige Kaufleute!
Habt Ihr den[n] nicht den Kaufmann von Venedig gesehen und
gehört, oder doch wenigstens gelesen?- Lesen und sehen wir
denn nicht zur Anwendung im eigenen Leben?--- Und be[-]
darf es für uns einer solchen gewaltigen, das Leben aufs Spiel
setzenden Handlung?- Haben wir, habt Ihr nicht für die wenigen
Hundert die wir jetzt bedürfen die hinlängliche Gewähr?-
Wir müssen aber entweder die Sache recht beginnen, sie in
ihrer Wurzel ergreifen, in ihrem Schwerpunkte erfassen,
oder - wir müssen gar nichts thun!---
[Randeinschub auf 12V/11R/11V an diese Stelle:]
Ich für meine Person werde es nun zur Angelegenheit meines Lebens machen meinen Geist
und sey es auch nur nach innen und für mich selbst auszuprägen; was ich bisher aus klarer Resig-
nation unterlassen habe; worüber ich mich auch schon einmal ausgesprochen habe.- Ich hatte deßhalb
einen bestimmten aber ganz einfachen Plan, denn: auf der Elementarstufe der
jetzigen Menschheitsbildung auf welcher ich mich stehend fühlte und erkannte, so lange stehen
zu bleiben bis ich eine Mehrheit auf dieselbe geführt hätte um gemeinsam desto wirksamer vorzuschreiten.
Ich höre es bedarf nothwendig für Elisen Ersatz.- Daraus
geht also erstlich schon so viel hervor, sie kann für das
Keilhauer häusliche und wirtschaftliche Leben ersetzt werden.
Ist es wahr?--- Ist es nicht wahr?--- Ist das letztere
so ist alles Reden umsonst. Ist das erstere so fragt es sich
wie? durch wen?--- Was ich nun aus schriftlichen und münd[-]
lichen Mittheilungen und geläuterten Urtheilen darüber weiß
giebt es dafür nur eine einzige Person, es ist Sylvie M.
aus Trakendorf.- Aber diese muß nothwendig einen Jahr- /
[12R]
gehalt haben so höre ich!- Sind wir von der Rechtmäßigkeit und
völligen Begründetheit unserer Handlungsweise bis auf diesen
Punkt hin überzeugt, so meine ich kann daran die Ausführung
unserer Überzeugung nicht scheidern [sc: scheitern], also bey der Summe
die man um das Ziel zu erreichen zur Verfügbarkeit für noth-
wendig erkannt auf diesen halbjährigen Gehalt gleich bestimm[-]
te Rücksicht genommen[.]
Freylich müssen wir, wenn wir so handeln wollen, uns unse-
rer selbst ganz gewiß seyn. Wir müssen besonders alle Strän-
ge zugleich anziehen alle Kräfte zugleich einsetzen, und beson-
ders Anfangs mit Ernst und Ausdauer. Keiner darf muth[-]
los zu früh loslassen.
Von jedem muß nur gefordert werden, was und wie er es ge-
ben kann. Was man selbst gern und leicht giebt muß man nicht
auch fordern daß darum auch der andere gern und leicht, je
nur einmal wirklich geben kann, die Gesammtgaben müssen
zu einem Lebganzen geeint und so jede richtig verwandt
und geachtet werden. Was mich betrifft so wißt Ihr, ich
füge mich leicht und gern in eine Quästur, wenn diese nur
edel ist, mir geistigschaffende Freyheit läßt und giebt, sie
also zum eigenen Wohl eines Jeden und zum Wohle des Ganzen
achtet und pflegt, - welchem ich selbst, der ich doch selbst bin mit
unerbittlicher Strenge folgen muß. Ob ich daran recht thue
müßt Ihr nun nach vollendetem ersten Jahre meiner Abwesen[-]
heit von Keilhau entscheiden können.- Auf der andern Seite
mache ich Euch auch gern zu meinen Schatzmeistern zu Bewah-
rern dessen was mir die höchsten Lebensschätze sind.
Liebt wollt und bedürft Ihr bey solchem Handeln
die geistigen Vorahnungen Anderer über dessen Ausgang,
ich könnte sie Euch wohl geben, denn ich fühle mich viel-
seitig mit geistigem Wehen verknüpft; - doch Vor[-]
ahnungen sind, in gewisser Beziehung unbekannt und
besonders unerfüllt, zur Sammlung zu Denksteinen
für den, der sie zu lesen, zu deuten zu erfüllen ver[-]
steht; - Vorahnungen Anderer endlich bekannt und er[-]
 /
[13]
füllt, sind zur Sammlung und zu Denksteinen, für die Mit-
welt und die Nachwelt, theils damit die Wahrheit, theils da-
mit endlich der Zusammenhang der Geister, [{]ihre / seine} Bedingung
und seine Gesetze erkannt werden, und so die Einheit der Mensch-
heit und das Wesen derselben selbst. Wollt Ihr Vorahnungen
eines strengen klaren denkenden Geistes, leset Lessing, wie
ich Euch früher in einer andern Beziehung sagte leset Schiller.
Überhaupt kein großer deutscher Denker und gar kein
ächter Denker ist gegen mein Wollen und Streben, im Ge-
gentheil sind alle für dasselbe, denn sie werden durch dassel-
be gerechtfertigt.-
Dieser Seitenblick von der allgemeinen Betrachtung aus in
das wirkliche Leben mit seinen Forderungen ist länger gewor-
den, tiefer eingedrungen als ich Anfangs erwartete. Allein
wir müssen doch endlich darüber vollkommen in Klarheit kom[-]
men, da Klarheit mit Wahrheit unseres Lebens Aufgabe ist.
Denn alles hängt ja einzig von der innern Überzeugung ab und von der Gewißheit der Durchführung;
findet Ihr daher in einem von Beyden Zweifel oder gar
wegen allen beyden Zweifel in Euch — gut, - so laßt
das Ganze auf sich beruhen; still sich selbst über[lassen].-
----------
Nun fahre ich wieder in der allgemeinen Betrachtung da fort
wo ich sie oben auf dem Blatte c. "Durch Blicke in unser Leben["]
bey den Worten: "Auch hier noch pp[.]" unterbrach.
Einigung und Trennung und Schaffen und Durchdringen
in ächter Lebensgemeinsamheit, in wahrer Gemeinsamheit des Lebens
erzeugt - Finden des innern Zusammenhangs, des Geistes
der Dinge - schafft den innern Himmel.
Darstellung nun des Innern, des Geistes, der Einheit, in dem
bedingenden fordernden Lebenvollen Zusammenhange
jenes innern Himmels, an dem Äußern und durch
Äußeres, an der Vielheit und durch Vielheit ist:
die fromme (religiöse) himmlische, heilige Kunst; -
nachgewiesen, Nachweisung dessen in den Erscheinungen der Natur ist:
die fromme (religiöse) himmlische, heilige Natur- und Weltbetrachtung
Darlegung, dargelegt in den Begebenheiten u Schicksalen des Menschengeschlechtes /
[13R]
ist: die fromme (religiöse) heilige Geschichte der Menschheit
die Ausübung dieser Kunst dieser Naturbetrachtung, dieser Geschich[-]
te d.i[.] Anwendung der Ergebnisse derselben zur Fortentwick-
lung und Ausbildung des Lebens ist[:]
Das fromme (religiöse) heilige Leben, giebt:
den irdischen Himmel d.i[.]
den Einklang des eigenen Lebens mit dem Innersten
aller dies[er] Dinge, welchen wir in dieser Stufe der Erd-
entwicklung nur immer fähig sind, dessen Grenze
wir aber jetzt nicht wissen; es ist dieß auch gar nicht
nöthig, denn wir haben noch hinlänglich an der Ausführung
dessen zu thun was wir schon wissen, denn soviel ist wohl
gewiß vieles von demjenigen was wir für den Geist erst in ein sogenanntes Jen[-]
seits setzen, ist uns schon in dem
Dießseits möglich. Was ist denn die Grundbedingung zur
Glückseeligkeit, zum Lebensfrieden?- Doch wohl
Einkehr in sich selbst, Finden seiner selbst, Einigung in sich
Einigung mit Gott, der Einheit
Verstehen der Natur, Handeln im Einklang mit der
           Weltordnung, einstimmiges Fortentwickeln mit ihr[.]
Diese drey in inniger Durchdringung.
Aber der Einklang der Seele gleichsam mit den Seelen
und der Seele aller Dinge; ein solcher Zustand dünkt
mich könnte nur ein seeliger, müßte die Seeligkeit
an sich seyn.---
Und so bin ich hier mit dieser Betrachtung zu Ende; der
Blick von dieser Höhe ins Leben liegt jedem ungehindert offen
auf solchen Punkten bleibt der Mensch - die sich verstehenden -
am besten sich selbst überlassen.-
-*- -*- -*-
Eine Bemerkung drängt sich mir hier noch auf, und da ich fühle
sie könnte noch zur Klärung des Vorstehenden beytragen
so mag sie noch hier stehen;-
Ich sagte oben: Vorahnungen früherer Zeiten, früher ge-
lebter Geister hätten eine doppelte Bedeutung 1) einmal
zum [sc: zur] Sammlung für den Einzelnen 2) zur Sammlung für die
Mehrheit, doch nützten sie eigentlich nur dem, der sie zu lösen /
[14]
versteht, der in ihren Geist eindringt. So sagte ich. Es müssen also dar-
um Vorahnungen früherer Zeiten und früherer Geister, wenn sie
so wirklich tief in der Menschheitsentwicklung und deren Gesetzen
begründet sind sich wissenschaftlich: - mathematisch physikalisch
nachweisen lassen, so daß also bey ihrer Anwendung alle Will-
kühr und alles blinde Herumtappen und zufälliges Erfassen
wegfällt.
Ich will hier einen kleinen Versuch mit der Nachweisung einer
solchen Vorahnung machen; Eine mir bekanntgewordene Vorah[n]ung
sehr früher Zeit sagt: "Von Norden her käme das was die
Menschheit jetzt weiter zu ihrem Ziele fördert"[.]- Äußerlich ge-
nommen könnte ich, wenn ich dazu Lust hätte dieß auch äußerlich
leicht auf mich und mein Leben anwenden; doch dieses Spiel,
welches wie alles Spiel auch wohl Gutes mit sich führt will
ich jetzt seyn lassen; ich will vielmehr die Wahrheit jener
Vorahnungen im Allgemeinen nachzuweisen suchen und dann
sey mir nur eine leise Hindeutu[n]g auch auf unser und mein
Streben erlaubt.
Kälte zieht zusammen, Wärme dehnt aus[.]
Das nordische Leben ist sammelnd, und selbst in seiner geistigen
Zertheilung einigend.- Das südliche Leben ist zerstreuend
und selbst in seiner gemüthvollen Einigung zertheilend.
Der Satz aber fordert seinen Gegensatz wie jede Erfahru[n]g
die entgegengesetzte bedingt. Die in Süden und von Süden
her immer vorwärts schreitende Zertheilung bedingte, forderte
also die von Norden ausgehende Sammlung, Einigung pp.
Wie die höchste Zerstreuung, Zertheilung nothwendig
wieder zur Sammlung, zur Einigung führe könnt Ihr an zwey
Anschauungen sehen:
Erstl. Nehmt eine Kugel, bestimmt darauf irgend ei-
nen Punkt, führt von denselben die größtmöglichste
Menge von Linien aus, so einen sammeln sie sich wie-
der im entgegengesetzten Punkte.
Zweyte[n]s. Nehmt einen festen Körper, theilt, zer-
kleinert ihn auf das Höchste bis zu dem Zustand, den
die Alchemisten palpable nennen, d.h. zu einem Zustand /
[14R]
in welchen sich die erdigen Theile im trocknen Zustande sich eben
so allseitig im Innern berühren als die wässrigen Theile
im flüssigen Zustand. Und ist dieser Zustand wie wir
wissen nicht die Bedingung alles organischen? - und fällt so die
höchste Trennung nicht wieder in Einigung zusammen?-
Was ich hier von dem Raume sagte gielt auch von der Zeit.
Lessing in seinen Schriften führt eine Vorahnu[n]g an und setzt die
Zeit des beginnenden neuen Lebens in die 80r Jahre. Gut! war in
jener Zeit nicht besonders die französi[s]ch zerstreuende Eitelkeit und
Äußerlichkeit mit auf das Höchste gestiegen und fing in jener Zeit
nicht an der menschliche Geist besonders zur einenden Natur zu[-]
rück zu kehren und norddeutscher Geist sich zu sammeln?-
Ich mag jetzt in Beziehung auf uns und mich keine weitere
Bemerkung hinzu fügen als die: Ist unser, ist mein Bestreben
von seinem ersten Beginne in den frühesten Leben, nicht immer
einigend und von der Einigung wieder zu neuer höheren Ent-
wicklung führend gewesen[?]
Von welcher Seite ich mir nun auch das Leben vorführe, so
komme ich immer zu demselben Ergebniß zu dem: daß jetzt nur
großer Klarheit ein er- und umfassender Lebensplan gemacht
und er mit Sicherheit ausgeführt werden könne.
Als hieher gehörig mögen zum Schluß dieser Betrachtung Worte
stehen die ich am 8en April d. J[.] als Motto zu einem Briefe schrieb.
"Die sinnbildliche Bedeutung, der geistige Ausdruck der Natur
"ist: durch Trennung zurück zur höheren geistigeren Einigung zu
"führen. Dem höchsten Sinne dieses Strebens verdankt die g[an]ze Na-
"tur ihr Daseyn."
"Die Trennung wäre nie und nimmer nicht nöthig, wenn man
"das Wesen, den Sinn, die Bedeutung der Einigung verstände; wenn
"das Wesen der Einigung (vom Einzelnen) ohne Trennung begriffen werden
"könnte, wenn man es begriffe."
"Wer das Wesen der (geistigen) Einigung und Einheit in d. Wesen der
"wissenschftln (mathemati[schen] u. naturhistorischen) Trennung begreift, der braucht
"das schmerzvolle u. oft tödtende der menschl. Lebenstrennung nicht zu durchlaufen.
"Das letztere zu erreichen ist der Zweck der Erziehungs- Lehr- und Unter[-]
"richtsweise von FrFr"[.] (:Die Fortsetzu[n]g u Schluß dieses Br: möglichst bald:) /
Bis hieher beendigt am 13en Jul: Nachts. = Gute Nacht = /

[15]
Wartensee, Sonnabend
am 14en Jul: 1832.


---*---
Euern vielfach gewichtigen
Brief mit dem Postz. Rud. 7 Jul.
habe ich gestern, am 13 Jul. A[-]
bend erhalten.- Daß ich alles,
ja nur das Meiste gelesen hätte
könnt Ihr kaum erwarten, denn
jetzt ist es 6 Uhr Morgens bald
beginnen meine Stunden bis zum
Abgang der Post beynahe. Ferdi-
nand will so auch bey dem so vorzüg[-]
lich klaren Wetter gern einen großen
Spaziergang machen bey dem ich ihn
begleiten möchte, ich muß also eilen
die Blätter die schon fertig waren
zur Post zu besorgen.
Auf das Wesentliche nun was ich in
meiner Frau, in Barops einem und
in Langenthals einem Briefe gelesen
habe wiederhole ich blos, was ich
schon oft aussprach:
erstlich vermeidet ja jeden er-
zwungenen gewaltsamen Schritt,
wenn es nicht aus der gesammten
Lebensentwicklung, wenn auch mit
Ernst und Kraftanstrengung doch
mit allseitiger Zustimmung von jedem
nach seiner Überzeugung geschiehet
so leiste ich willig bis dahin auf jede
p weiblich persönliche Hilfe oder um
nicht allgemein zu reden auf Elise
wiederholt Verzicht.
Was mir zu tragen bestimmt ist,
will ich bey solcher Klarheit des Lebens
nicht ferner mit auf fremde Schul[-]
tern legen.
Selbst wegen der möglichen Hierher-
kunft meiner Frau kann ich mich
jetzt vor L völliger Klarheit über
den neuen Lebenskampf den ihr
mir wieder ankündigt nicht ent-
scheiden. Ich fühle wie ich schon andeu[-]
tete daß durch diesen Schritt ein
ganz und gar neues
äußeres Leben
beginnt, welches ich jedoch noch nicht
bezeichnen kann.
In Beziehung auf einige Äußerungen
besonders auf die daß Entscheidung u
That irgend einmal schnell zusammen[-]
fallen können pp[.] sage ich blos: ich
halte es nicht für gut die Reise mit
einem Fuhrwerk von Rud. aus zu
machen. Irre ich nicht so ist dieß ein allge-
meines Reisegesetz.- /
[15R]
zweytens. Wenn je etwas v.
Keilhau aus geschiehet, so sey es
- wie nun jetzt einmal alles
steht, - etwas Ganzes und nichts
Halbes sonst wollen wir es lieber
lassen. Wir verwirren nur den
Knoten statt ihn zu entwirken,
doch ist der Hauptpunkt des Ga[n]zen
mir sehr licht:
es fordert nur Darstellung des
innern Lebens, eine Darstellung
des Leben Innern, da muß man
über das Innere sehr klar stehen,
darüber sehr klar stehen, was
uns ja die Vorsehung nun so klar
lehrt daß wir - allein stehen.
Für die verschiedenen Lebensmit[-]
theilungen nehme sich jeder von
mir den Dank der ihn der lieb-
ste ist welchen ich ihn zu geben im
Stande bin.
Wann ich einzeln darauf ant-
worten kann <auf di> weiß ich nicht.
Fast möchte ich sagen es scheint mir
die Au[f]gabe gestellt im Leben hin[-]
zustellen was auf alles zugleich antwor[-]
tet. Für das persön-
liche Leben scheinen mir überhaupt
immer mehr die Worte zu fehlen.
Die oben angedeutete große Lebens[-]
aufgabe ist nun einmal zu lösen
begonnen, es fragt sich soll sie, kann
sie von Einzelnen einzeln, oder soll
und kann sie von einem einig ewigen
Ganzen gelöset werden. So lange die[-]
se Frage auch nicht für ein Ganzes
entschieden ist, muß ich die mir ein-
sichtigen Mittel wählen die Frage
durch mich selbst zu lösen. In diesen
Gesinnungen ist auch dieser Brief ge[-]
schrieben. Er ist noch nicht beendet[.]
Der wesentliche eben aber hier an[-]
gedeutete Schluß fehlt noch. Ich
werde ihn suchen unmittelbar fort[-]
zusetzen und zu beenden.- Harte
Ausdrücke darinn konnte ich nicht ändern, sie
treffen unter der Form
Wir, ganz besonders mich, es li[e]gt
klar am Tage, und so ließ ich sie
stehen.- Allen meinen herzlichen
Gruß vor allen meiner lieben treuen
Frau für ihre lieben lieben Zeilen und
den besondern Gruß den er enthält so
dreyfach schon zurück als ich ihn em-
pfi[n]g. Lebt wohl! die letzte Entscheidung
meines Bleibens oder Gehens nächstens. FrFr.

Worte retten uns nicht nur That, klare bewußte entschiedene That.
[nachgetragene Randanmerkungen, die den jeweiligen Satzzusammenhang aufheben und daher als erläuternde "Fußnoten" aufzufassen sind:]
*[1] Noch habe ich hier die vorüberfliegende Bemerkung vergessen: - daß, wenn man das rechte wählt, das Gesundheit giebt.
*[2] Die Anwendung von allem diesem auf die Bildungsgeschichte des Menschen-
geschlechtes und selbst auf die Erscheinungen im Leben Jesu ergiebt sich von sich
selbst, erlaßt sie mir ich komme sonst nicht zu Ende.
[16]
 [Briefumschlag mit Adresse:]
Der
allgemeinen deutschen Erziehungsanstalt
     in
     Keilhau,
bey Rudolstadt in Thüringen.