Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 6.9.1832 ( Wartensee)


F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 6.9.1832 ( Wartensee)
(KN 42,5, 1 Bl 8 ° 2 S., Brieforiginal mit Nachschrift Ferdinand Fröbels; in BlM VII,1 Bl 2-3, 4-7, 3 B 8 ° Abschrift mit gelegentlichen Korrekturen und Abweichungen. Bei der Abschrift handelt es sich um drei jetzt ineinanderliegende Bogen [2-3; 4-5; 6-7], von denen nur zwei/zwei/drei Seiten beschrieben sind. Der erste Bogen enthält den eigentlichen Brief. Die beiden folgenden Bögen, jeweils als Bogen „C“ gekennzeichnet, gehören zum Brief vom 5.8./8.8.1832. Sie bieten einen Text zum Sonnensystem in zwei Varianten

a) Brieforiginal

Wartensee am 6n Septbr 1832.·.


Der lieben Keilhauer Gemeinsamkeit.
Gott zum Gruß zuvor!


*
*   *

Ob Ihr nun gleich in und unter Euch selbst hinlänglich genug seyd um das Rechte
und Wahre zu finden, und der Vorsehung auch sonst noch Wege genug zu Gebote
stehen Euch beydes finden zu lassen, so halte ich es doch für meine Pflicht, Euch alles
das zur Prüfung auszusprechen, was ich in mir als das Wahre und Rechte er-
kenne und da zur Ausführung desselben jetzt nicht viel Zeit übrig ist, es Euch
sobald auszusprechen, als ich es selbst erkenne. Dieß der Grund daß Ihr heut
schon wieder diese Zeilen von mir erhaltet.- Mir will nemlich das Ganze
als ein nächtliches Getriebe von H. in J. erscheinen, als dessen angestrengtes
Bemühen es ja nur erscheint, das Unternehmen in seiner ersten Wurzel zu ver-
giften und zu zerstöhren, wozu er gewiß kein Mittel unaufgeboten läßt.-
Gegen ein solches Verfahren dünkt es mich nun muß der Mann alle seine
Kräfte gebrauchen die ihm Gott gab und der rechtliche einfache Mann alle
einfachen und rechtlichen Mittel, die sein von Gott ihm gegebener Geist erkennt.
Da ist nun meine Ansicht meine Überzeugung diese: Weil es sich nun nach Sch-
Brief nur um ein Zweyfaches handelt, einmal um den, nur um des Gleich-
gewichtes pp willen geforderten Betrag - wie Euch dieß mein letzter Brief
aussprach, auch sonst klar vor Euch liegt, dann um die Frage wegen der weib-
lichen Hülfe um die Reise der E-e. hierher. Und diese beyden Punkte sind
es ja einzig, welche meine Vorschläge an d. Sch- so ungeheuer groß und
wichtig machen, daß man, ich weiß nicht wo, sich erst Rath erholen muß.
Laßt also diese beyden Punkte vor der Hand ganz sinken, laßt wie der
Brief von Schn- an Euch ausspricht, alles so stehen, wie er es anerkennt,
ich bitte Euch. Allein um Euch besonders vor jeder Verantwortung in Zukunft
in Euch und außer Euch sicher zu stellen, nehmt den Gedanken auf und führt
ihn aus, welchen ich Euch schon früher aussprach: Sendet einen von Euch,
ich kenne keinen geschickter[en] dazu als den Bp. hierher und laßt diesen sich
genau von dem Stande der Sache unterrichten. Es ist jetzt gerad, auch nur
für eine solche Reise die allerwichtigste Zeit; denn die Verhältnisse ent-
wickeln sich im Ganzen täglich mehr. Aber was hilft denn all mein /
[1R]
Schreiben darüber, denn so einfach und nur äußerlich ich auch die Sache mich
hinzustellen bemühe, so trägt doch jedes die Farbe meines Gemüthes, den
Ausdruck meines Geistes, genug die innere Vorstellungs- und Anschauungs[-]
weise, und eben diese ist es ja, gegen welche man so große Zweyfel er-
hebt. Nun gut, ich habe nichts dagegen.- Aber mich dünkt Ihr könntet
es mit Euren sechs Sinnen - (:denn bekanntlich unterscheidet man Getast
und gemein Gefühl:) nicht gleichgültig seyn lassen ob der Mann mit
Einem Sinn (:ich bescheide mich gern nicht mehr zu haben, habe schon
dadurch genug zu sinnen:) - oder der Mann mit fünf Sinnen,
(:bey den alten Mystikern ist wie bekannt 5 die Zahl der Sünde:)
Recht hat.-
Also mache sich der B.- wenn der gemeinsamen Reise sich noch Hinder-
nisse in den Weg stellen, die Umstände mögen sonst seyn wie
sie wollen, sogleich auf und bringe die Antwort auf diesen
Brief selbst.- Gegen diese Reise ist von keiner Seite eine Ent-
gegnung zu machen, sie steht ohne alle Rücksprache rein in Eu-
rer in unsrer Gewalt. Also gebraucht, was Gott in Eure
Macht in Eure Hand legte.
Barop überbringt sogleich das Reisegeld; dadurch, durch das da-
für ersparte Postgeld, ist sogleich ein Theil seiner Reisekosten
vergütet. Ich reise dann, wenn es für gut befunden wird um
so leichter freudiger, freyer schneller zurück, und so ersparen
wir am Ende Barops Reisekosten ganz. Bp. kann dann den
kürzesten Weg hierher nehmen und braucht gar nicht über F.
zu reisen. Ich brächte Euch diesen Gedanken gern auf Win[-]
des Flügeln, doch hoffe ich nicht, daß er zu spät kommt; denn kann
nicht das Ganze ausgeführt werden, so mögen wie ich schon sagte
die Verhältnisse stehen, wie sie wollen, dieser Gedanke kann, und
dünkt mich muß ausgeführt werden.-
Christiana Mayer hat an Emilien und an Hedwig geschrieben; Ma-
ria Korner
an Ludowika, Katharina Birrer an Ludowika
3 Knaben an die Zöglinge, alles liegt hier und wartet der Entschei[-]
dung. Bringe ein Paar Briefe an sie mit. Mit uns sey Gott.
FrFr.

[1V]
(Randbemerkung F.s auf 1V mit Einfügungszeichen, sachlich dort hingehörend, aber ohne Bezugszeichen im Text:)
Ihr wißt daß er sich gegen den E- rühmte, Sch- sey bey ihm fast länger als bey Euch geblieben, also logischer H-
Schluß: Sch- sey zu H- freundschaftlicher als zu Euch. Und d. Sch. für sich zu gewinnen wird auch d. H. nichts verabsäumet haben.
[1R]
(Nachschrift von Ferdinand Fröbel an den Rändern von 1R:)
Meine Meinung: Sucht vor allen Dingen von Sch- eine bestimmte Erklärung zu erhalten, ob er überhaupt noch wünscht, daß das
Unternehmen hier noch in der bisherigen Weise fortbestehe u er nun das Hierherkommen El-s, solange dieses
noch nicht fest begründet ist, für zu gewagt hält, oder ob er durch
Herzogs od. sonstige Einwirkungen vielleicht auch ökonom. veranlaßt dieses ganz aufzugeben wünscht. Dieses
wird wohl am besten erreicht durch die bestimmte Erklärung von Eurer Seite, daß jene Anfor-
derung gar nicht bestimmend für Euren Entschluß gewesen, s[on]d[ern] d[urc]h sein Anerbieten dazugetreten sey.
[2]
[Adressierung auf Briefumschlag:]
An
die allgemeine deutsche Erziehungsanstalt
in
Keilhau
bey Rudolstadt in Thüringen

b) Abschrift

[2]
Wartensee am 6en (:August:) Septbr 1832.


Der lieben Keilhauer Gemeinsamheit
Gott zum Gruß zuvor!
*
*   *

Ob Ihr nun gleich in und unter Euch selbst hinlänglich genug
seyd um das Rechte und Wahre zu finden und der Vorsehung
auch sonst noch Wege genug zu Gebote stehen Euch beydes finden
zu lassen, so halte ich es doch für meine Pflicht Euch alles das zur
Prüfung auszusprechen, was ich in mir als das Wahre und Rechte
erkenne und da zur Ausführung desselben jetzt nicht viel Zeit
übrig ist, es Euch sobald auszusprechen als ich es selbst erkenne
Dieß der Grund daß Ihr heute schon wieder diese Zeilen von mir erhaltet.
- Mir will nemlich das Ganze als ein nächtliches Getriebe von
H[erzog] in J- erscheinen,
[(] Ihr wißt daß er sich gegen den E- wehrte Sch[nyder] sey bey ihm fast länger als bey Euch geblieben -, also logischer H. Schluß:-
Sch[nyder] sey zu dem H[erzog] freundschaftlr als zu Euch. Um den Sch[nyder] für sich zu gewinnen wird auch der H[erzog] nichts verabsäumt haben. [)]
als dessen angestrengtes Bemühen es ja nur erscheint
das Unternehmen in seiner ersten Wurzel zu vergiften und zu zer-
stöhren wozu er gewiß kein Mittel unaufgeboten läßt.
Gegen ein solches Verfahren dünkt es mich nun muß der Mann
alle seine Mittel Kräfte gebrauchen die ihm Gott gab, und der rechtliche Mann
alle einfachen rechtlichen Mittel die sein von Gott einfache ihm
gegebener Geist erkennt.
Da ist nun meine Ansicht, meine Überzeugung diese:
Weil es sich nun nach Sch[nyders] Brief nur um ein Zweyfaches han-
delt einmal um den nur um des Gleichgewichtes willen geforder-
ten Beytrag - wie Euch dieß mein letzter Brief aussprach auch sonst
klar vor Euch liegt, dann um die Frage wegen weiblicher Hülfe,
um die Reise der E[lise] hierher. Und diese beyden Punkte sind es ja
einzig welche meine Vorschläge an d[en] Sch[nyder] so ungeheuer groß und
wichtig machen, daß man, ich weiß nicht wo, sich erst Raths erholen
muß.- Laßt also die zwey Punkte vor der Hand ganz sinken;
Laßt, wie der Brief von Schn[nyder] an Euch ausspricht, alles so stehen
wie er es anerkennt, ich bitte Euch. Allein, um Euch besonders
vor jeder Verantwortung in Zukunft in Euch und außer Euch
sicher zu stellen, nehmt den Gedanken auf und führt ihn aus,
welchen ich Euch schon früher aussprach: Sendet einen von Euch, ich kenne /
[2R]
keinen geschickter dazu als den B[aro]p hierher und laßt diesen sich ge-
nau von dem Stande der Sache unterrichten. Es ist jetzt gerad,
auch mir für eine solche Reise die allerwichtigste Zeit, denn
die Verhältnisse entwickeln sich im Ganzen täglich mehr. Aber
was hilft denn all mein Schreiben darüber, denn so einfach
und nur äußerlich ich auch die Sache mich hinzustellen bemühe,
so trägt doch jedes die Farbe meines Gemüthes den Ausdruck
meines Geistes, genug die innere Vorstellungs- und Anschauungs-
weise und eben diese ist es ja, gegen welche man so große
Zweyfel erhebt. Nun gut, ich habe nichts dagegen! Aber mich
dünkt Ihr könntet es mit Euern sechs Sinnen /: denn bekannt-
lich unterscheidet man Getast und Gemein Gefühl:/ nicht
gleichgültig seyn lassen ob der Mann mit Einem Sinn (:ich be-
scheide mich gern nicht mehr zu haben, habe schon dadurch ge-
nug zu sinnen:/ - oder der Mann mit fünf Sinnen
(:bey den alten Mystikern ist wie bekannt 5 die Zahl der Sünde:)
Recht hat.
Also mache sich der B[arop] wenn der gemeinsamen Reise sich noch
Hindernisse in den Weg stellen, sey die Umstände mögen sonst
stehen wie sie wollen, sogleich auf und bringe die Antwort
auf diesen Brief selbst. Gegen diese Reise ist von keiner Seite
eine Entgegnung zu machen, sie steht ohne alle Rücksprache
rein in Eurer, in unserer Gewalt. Also gebraucht was Gott
in Eure Macht in Eure Hand legte.
B[aro]p überbringt sogleich das Reisegeld; dadurch, durch
das dafür ersparte Postgeld, ist sogleich ein Theil seiner Reise-
kosten vergütet. Ich reise dann, wenn es für gut befunden
wird, um so leichter, freudiger, freyer u schneller zurück, und
so ersparen wir am Ende Barops Reisekosten ganz. B[aro]p
kann dann den kürzesten Weg hierher nehmen und braucht gar
nicht über F[rankfurt am Main] zu reisen.- Ich brächte Euch diesen Gedanken
gern auf Windesflügeln, doch hoffe ich nicht daß er zu spät
kommt; denn, kann nicht das Ganze ausgeführt werden, so mögen,
wie ich schon sage, sonst die Verhältnisse stehen wie sie wollen,
dieser Gedanke kann, und dünkt mich, muß ausgeführt werden.
Christina Meyer hat an Emilien und an Hedwig geschrieben; Marie Körner an Ludowika,
Katharina <Bierer> an Ludowika. 3 Knaben an die Zöglinge, alles liegt hier und wartet der Ent-
scheidung. Bringe ein Paar Briefe an sie mit. Mit uns sey Gott. Fr.Fr. /
[3VR]
[leer] /